Blumenkohl, Schinken, Kartoffeln

Sie trug ein weißes Kleid mit weitem Faltenrock. Er ertrug sie mit stoischer Ruhe. Sie plapperte gut aufgelegt vor sich hin. Er versuchte durch zustimmende Geräusche und Gesten den Eindruck zu erwecken als höre er aufmerksam zu. Sie saß am Steuer. Er betrachtete das als großherziges Entgegenkommen seinerseits. Sie waren auf dem Weg in ein Wochenende im Wellness-Hotel mit vorab gebuchtem Candlelight und allen Schikanen. Drei ganze Tage, wie hatte er sich nur darauf einlassen können? Nun, die hübsche Paartherapeutin hatte sich so sehr über sein Ja gefreut und ihre blauen Augen fingen an zu strahlen. Für ihr Lächeln würde er alles tun, im wahrsten Sinne des Wortes alles. Aber auf seine Frage, ob sie nicht mitkommen wolle, ging sie einfach so hinweg, als sei es ein Scherz gewesen. Vielleicht, so hoffte er, könne er sie noch mit einem Hilferuf zu einem Noteinsatz bewegen. Doch halt! Was ist das jetzt? Sie setzte den Blinker. Würde er jetzt in einer Autobahnraststätte eine Kaffee trinken oder – Gott bewahre – etwas essen müssen? Kann ein Horror-Wochenende noch schlimmer werden als befürchtet? Was hat es mit dem roten Fleck auf einem weißen Faltenrock auf sich? Blut oder Autobahn-Ketchup? Wird sich der Kommissar in die Paartherapeutin verlieben? Rufen Sie jetzt an! Null-neunhundert, sieben mal die sieben, sieben sieben drei. Bestellen sie jetzt die DVD! Wenn Sie bis 13 Uhr anrufen erhalten Sie einen Gutschein für drei Tage Wellness in Bottrop obendrauf. Zögern Sie nicht, rufen Sie jetzt an, um die ganze unglaubliche Geschichte zu hören!

Küchentagebuch, Freitag 2. Juni 2021

  • Blumenkohl mit Schinkensauce (gabs hier schon öfter, z.B. hier)
  • Junge Kartoffeln, gedämpft
Bei uns ein Klassiker

Spargel

und Schinken und Kartoffeln und Bérnaise. Spargel halt. Auch in dieser Saison, die sich langsam ihrem Ende entgegen neigt, habe ich kein Rezept entdeckt, das mich neugierig genug gemacht hätte, mich stante pede an den Herd zu begeben. Da mir drei mal im Jahr Spargel (also: Spargel) auch ausreichen, habe ich damit keine Problem – zumal es Heideschinken und Heidekartoffeln und Béarnaise das ganze Jahr über gibt. Wenn dann im Oktober die Saison*) wieder beginnt, schauen wir weiter.

*) in Australien oder wo auch immer, ich kenn mich da nicht aus. Aber irgendwo wird es immer Spargel geben, die deutschen Verbraucher sind ganz verrückt danach

Küchentagebuch, Dienstag 15. Juni 2021

Zum ersten, zum zweiten, zum dritten

Spargel, Schinken, Bérnaise

Heute habe ich den Spargel direkt auf dem Feld gekauft. Also ich und die Verkäuferin, wir waren am Rand des Feldes und der Spargel auf dem Feld unter der Folie. Auf jeden Fall habe ich angehalten, obwohl ich ohnehin auf dem Weg zum Markt war. Wie lang der Spargel auf dem Markt schon rumliegt! Und wie teuer er dort ist! Die Transportkosten, die Kühlung, die Autobahnmaut. Ich weiß nicht, ob jede Spargelstange aus Australien einen Sitzplatz hat, aber auch in der Holzklasse geht das sicher ganz schön ins Geld. Nö, ich kaufe hier, von der Bauern-Familie früh morgens aus der regionalen Erde gewutzelt, fachmännisch gelagert, bis ich – König Kunde – vorbeikomme und ihnen die Tages-Ernte abnehme. Andererseits, wenn ich so darüber nachdenke: Das Feld war menschenleer, die Fingernägel der Verkäuferin blitzeblank sauber. Ob die vielleicht den Spargel vom Markt hierher herausgefahren haben, um mich übers Ohr zu hauen? Denkbar wärs.

Küchentagebuch, Mittwoch 26. Mai 2021

… und Kartoffeln