{"id":1078,"date":"2013-08-06T15:26:23","date_gmt":"2013-08-06T14:26:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/?p=1078"},"modified":"2013-08-06T15:49:31","modified_gmt":"2013-08-06T14:49:31","slug":"schmandkuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/2013\/08\/06\/schmandkuchen\/","title":{"rendered":"Schmandkuchen"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem die Fleischesser endlich in ihre Schranken gewiesen sind und langsam einsehen mussten, dass Tiere ja auch nur Menschen sind, die man nicht mit Gabeln pieksen sollte, wird es langsam Zeit die n\u00e4chste Stufe zu z\u00fcnden und unsere Aufmerksamkeit den Rechten und dem Seelenleben der Pflanzen zu widmen. Und dazu kann ich ein wenig beitragen.<!--more--><\/p>\n<p>Laut meinen aktuellen Untersuchungen geh\u00f6rt die <strong>Stachelbeere<\/strong> mit zu den intelligentesten Lebewesen auf diesem Planeten. Ich w\u00fcrde sogar so weit gehen, sie etwas h\u00f6her einzustufen als die Delfine. W\u00e4hrend allerdings beide Gattungen bei jedem Intelligenztest zu gl\u00e4nzen wissen und so manches Exemplar der Gattung Mensch in den Schatten stellen, gibt es einen sehr bedeutsamen Unterschied.<\/p>\n<p>Delfine sind als sehr freundliche und zuvorkommende Wesen bekannt (&#8222;Und danke f\u00fcr den Fisch!&#8220;). Stachelbeeren allerdings ist eine perfide Hinterh\u00e4ltigkeit zu eigen, die sie in Kombination mit ihrer unbestreitbaren Intelligenz zu einem ernst zu nehmenden Gegner macht. Ich w\u00fcrde zum Beispiel von einem gemeinsamen Bad abraten, obwohl ich selbst noch keine dementsprechenden negativen Erfahrungen gemacht habe. In jedem Falle aber ist zu \u00e4u\u00dferster Vorsicht zu raten.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte ja denken, der Name &#8222;Stachelbeere&#8220; sei ein Handicap f\u00fcr die armen Pfl\u00e4nzchen, weil er auch dem unbedarftesten Fressfeind laut ein &#8222;Halt! Vorsicht!&#8220; entgegenruft und der somit nicht gutgl\u00e4ubig und unvorbereitet ins Verderben rennen k\u00f6nne. Aber weit gefehlt! Die Stachelbeere ist sicher nicht gl\u00fccklich \u00fcber ihren Namen und wei\u00df genauso wenig wie wir, wer ihr den zugewiesen hat, hat aber in betr\u00fcgerischer Absicht diesen offensichtlichen und offensichtlich ungerechten Nachteil in seine \u00dcberlebensstrategie eingebaut:<\/p>\n<p>Sie antizipiert n\u00e4mlich dieses Zur\u00fcckschrecken des Angreifers, t\u00e4uscht dann aber \u2013 durch zwischenzeitliches Unsichtbarmachen der Stacheln \u2013 einen Fehlalarm vor, welches den Angreifer &#8222;Aha: Mimikry!&#8220; denken und sofort wieder mutiger werden l\u00e4sst. Diesen \u00dcbermut wiederum und die damit verbundene Sorglosigkeit nutzt die Pflanze geschickt, um eben in diesem Moment die Stacheln wieder auszufahren und erbarmungslos zuzustechen.<\/p>\n<p>Diese Taktik ist so perfide und gemein, dass die Stachelbeere als eine der wenigen Gattungen die Genfer Konvention bislang aus gutem Grund nicht zu unterzeichnen bereit war. Liebhaber von s\u00fc\u00dfem Teig und sauren Fr\u00fcchten (siehe das Rezept unten) sind deshalb an dieser Stelle aufgerufen, irgendeine Aktion oder wie auch immer das hei\u00dft in Facebook oder Twitter oder was auch immer gerade en vogue ist, zu starten: wer den arabischen Fr\u00fchling ausl\u00f6sen und den Banken und der NSA die Stirn bieten kann, dem wird doch auch etwas zur Stachelbeere einfallen! Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich m\u00f6chte nicht die Rechte von irgendwelchen Pflanzen schm\u00e4leren und ich bin ein entschiedener Anh\u00e4nger der Initiative &#8222;Streicht das Wort Unkraut aus dem Duden!&#8220;. Wir m\u00fcssen <strong>selbstverst\u00e4ndlich<\/strong> aus unserer anthropozentrischen Sicht endlich rauskommen und wir sollten auch in unserer Sprache jegliche Verunglimpfung meiden. Dass das geht, haben wir ja schon beim Umgang mit Frauen bewiesen. Aber ich glaube, wir sollten dann auch ein wenig Fairness von der anderen Seite einfordern d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Eventuell tue ich der Stachelbeere allerdings auch Unrecht. Die Forschungen stehen noch ganz am Anfang. So ist zum Beispiel noch nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, <strong>warum<\/strong> die Stachelbeere sowas tut. Manche Forscherkollegen glauben nicht an meine Theorie von der puren Perfidie und faseln etwas von Fortpflanzungsstrategien. Aber: wenn eine Stachelbeere verlockend an einem scheinbar dornenfreien Zweig h\u00e4ngt und &#8222;Vernasch mich!&#8220; s\u00e4uselt, dann mag ihr Ziel wom\u00f6glich sein, dass ich da des Weges komme, zugreife, die Samen auf dem Weg durch meine Verdauungsorgane mit wertvollen Spurenelementen anreichere und sie dann anderenorts wieder ausscheide. Gut und sch\u00f6n. Aber erstens: m\u00fcsste sie bei ihrer Intelligenz nicht wissen, dass ich mich nur selten im Garten entleere? Und zweitens: warum piekst sie mich? Ungel\u00f6ste Fragen, aber auch die Fortpflanzungspraktiken des Menschen erschlie\u00dfen sich ja dem naiven Beobachter nicht immer ohne weiteres.<\/p>\n<h2>Schmandkuchen (f\u00fcr saures Obst, z.B. Rhabarber, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Sauerkirschen, Pflaumen)<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Schmandkuchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1080\" alt=\"Schmandkuchen\" src=\"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Schmandkuchen.jpg\" width=\"400\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Schmandkuchen.jpg 400w, https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Schmandkuchen-266x300.jpg 266w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>125 ml Milch<\/strong> mit <strong>125 g Butter<\/strong> erw\u00e4rmen, bis die die Butter geschmolzen ist. <strong>300 g Zucker<\/strong> mit dem Schneebesen unterr\u00fchren, bis er sich aufgel\u00f6st hat. Dann nach und nach <strong>3 gro\u00dfe Eier<\/strong> unterr\u00fchren. <strong>280 g Mehl<\/strong> mit <strong>1 Pck. Backpulver<\/strong> mischen, in die Sch\u00fcssel sieben und solange verr\u00fchren, bis keine Kl\u00fcmpchen mehr vorhanden sind. Der Teig sollte die Konsistenz eines Waffelteigs haben.<\/p>\n<p>Ein Backblech mit Folie auslegen, den Teig hineingie\u00dfen und gleichm\u00e4\u00dfig verteilen. Das <strong>Obst<\/strong> sanft auf den Teig legen (es sinkt beim Backen ein) und bei 175\u00b0 etwa eine halbe Stunde backen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend den Backofen ausschalten, <strong>2 Becher Schmand<\/strong> mit <strong>2 Pck. Vanillezucker<\/strong> verr\u00fchren und auf den Kuchen streichen. Im ausgeschalteten Backofen noch 5 bis 10 Minuten weiterbacken.<\/p>\n<p><strong>Anmerkung<\/strong>: Der Kuchen ist nicht f\u00fcr Diabetiker geeignet (meine Schwiegermutter war zu Besuch) und f\u00fcr Menschen die Di\u00e4t halten wollen (mein Sohn meint offensichtlich, das w\u00fcrde seine Chancen auf dem Heiratsmarkt erh\u00f6hen). Ich musste den Kuchen also alleine verdr\u00fccken und habe mich mit einem klitzekleinen Blech begn\u00fcgt und 50 ml Milch und Butter, 100 g Zucker, 1 Ei und 100 g Mehl mit wenig Backpulver verwendet. 150 g Schmand und \u00bd TL aromatisierter Zucker reichen dann f\u00fcr den Guss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem die Fleischesser endlich in ihre Schranken gewiesen sind und langsam einsehen mussten, dass Tiere ja auch nur Menschen sind, die man nicht mit Gabeln pieksen sollte, wird es langsam Zeit die n\u00e4chste Stufe zu z\u00fcnden und unsere Aufmerksamkeit den Rechten und dem Seelenleben der Pflanzen zu widmen. 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