{"id":1143,"date":"2013-09-15T14:41:54","date_gmt":"2013-09-15T13:41:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/?p=1143"},"modified":"2013-09-15T14:47:04","modified_gmt":"2013-09-15T13:47:04","slug":"gezwitscher-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/2013\/09\/15\/gezwitscher-6\/","title":{"rendered":"Gezwitscher (6)"},"content":{"rendered":"<p>Nein, dieser Tweet wird nicht in 140 Zeichen passen, es tut mir leid. Aber ich bin ja noch Anf\u00e4nger, da mag man mir das verzeihen. Wahrscheinlich m\u00fcsste ich jetzt im richtigen Leben einen Post in einem Blog schreiben, auf den ich dann im Tweet verlinken k\u00f6nnte. Aber dies hier ist ja nicht das richtige Leben, also \u2026<\/p>\n<p>Es geht um das Zeichen &#8218;#&#8216;, das bei Twitter &#8218;hash&#8216; genannt wird, in meinem Kopf aber als &#8217;number sign&#8216; rumgeistert. Immer wenn ein Zeichen mehr als einen Namen hat, bin ich verwirrt. Ich geh\u00f6re zu den Menschen, die man leicht verwirren kann. Wenn man zum Beispiel auf eine Packung &#8222;Lasagne&#8220; draufschreibt und kleingehackte Pferdesehnen reinpackt, das verwirrt mich total. Pferdesehnen, im \u00dcbrigen, durfte Loki Schmidt einmal in China essen, weil die dort \u2013 wunderbar weich \u2013 als Delikatesse gelten, aber das f\u00fchrt jetzt zu weit vom Thema ab.<\/p>\n<p>Immer wenn ich verwirrt bin, suche ich Hilfe. Fr\u00fcher im Lexikon, neuerdings im Internet. Fr\u00fcher stand da entweder nichts oder die Wahrheit, heute steht da nie nichts, aber manchmal bin ich hinterher noch verwirrter und dann f\u00e4ngt alles wieder von vorne an.<\/p>\n<p>Das &#8218;hash&#8216;-Zeichen (wie wollen es jetzt einfach mal so nennen) hat n\u00e4mlich viele Gesichter. So lautet der ber\u00fchmte Tweet von Chris Messina am 23. August 2007 &#8222;how do you feel about using # (pound) for groups. As in #barcamp [msg]?&#8220;.<\/p>\n<p>Pound? Number? Hash? Crosshatch? Space? Sharp? Octothorpe?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal zu <strong>&#8218;octothorpe&#8216;<\/strong> (oder auch &#8218;octatherpe&#8216;, da streiten sich die Geister). Was zun\u00e4chst aussieht wie eine richtig sch\u00f6ne, exakte wissenschaftliche Bezeichnung, f\u00fcr die es nat\u00fcrlich auch gelehrte Herleitungen gibt, entpuppt sich dann allerdings schnell als &#8218;practical joke&#8216;. Die <a href=\"http:\/\/en.wiktionary.org\/wiki\/octothorpe\" target=\"_blank\">Herleitung<\/a> meint, dass <em>thorpe<\/em> das altnordische Wort f\u00fcr <em>Dorf<\/em> sei und das Zeichen in Landkarten verwendet worden sei, um D\u00f6rfer mit 8 umliegenden Feldern zu markieren. <a href=\"http:\/\/dougkerr.net\/pumpkin\/articles\/Octatherp.pdf\" target=\"_blank\">Doug Kerr<\/a> allerdings schildert glaubhaft, dass es sich um ein Kunstwort handle, das er und Kollegen in ihrer Zeit bei AT&amp;T erfunden h\u00e4tten. Um die geringe Relevanz internationaler Standards in ihrer Firma zu persiflieren, sei es haupts\u00e4chlich darauf angekommen, dass das Wort ein &#8218;th&#8216; enth\u00e4lt, damit es Deutsche oder Anderssprachige auf keinen Fall aussprechen k\u00f6nnten. Wie auch immer, allzu verbreitet scheint mir die Bezeichnung nicht zu sein.<\/p>\n<p>Bei <strong>&#8217;sharp<\/strong>&#8218; handelt es sich schlicht um eine Verwechslung. In der Musik gibt es n\u00e4mlich ein Erh\u00f6hungszeichen mit diesem Namen, das aber <em>v\u00f6llig<\/em> anders aussieht: <span style=\"color: black; font-family: Arial; font-size: 10pt; background-color: white;\">(\u266f). Musikbanausen scheint die Neigung der waagrechten Linien Jacke wie Hose zu sein, genauso wie die v\u00f6llig unterschiedlichen Unicode-Definitionen (U+0023 und U+266F). Zu allem \u00dcberfluss hat Microsoft bei der Erfindung der Programmiersprache C# darauf hingewiesen, dass man zwar das Numbersign schreiben, aber dennoch c-Sharp sprechen soll. Sharp sollte man also schnell vergessen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: black; font-family: Arial; font-size: 10pt; background-color: white;\">\u00c4hnlich sieht es bei <strong>&#8217;space&#8216;<\/strong> aus. W\u00e4hrend es zun\u00e4chst schleierhaft erscheint, warum man das Lattenkreuz mit einem Leerzeichen verwechseln soll, kommen ganz kleinlaut ein paar der verbliebenen Korrektoren damit um die Ecke, dass bei ihnen # eben das Zeichen f\u00fcr (fehlenden) Leerraum sei. Falls also jemand ein Manuskript bei einem englischen (!) Verlag einreicht und am Rand ein #hr findet, dann ist das kein hashtag, sondern der Hinweis auf auf &#8218;hairspace&#8216;, also den Abstand zwischen zwei Buchstaben eines Wortes. Na denn.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: black; font-family: Arial; font-size: 10pt; background-color: white;\">Bei <strong>&#8218;crosshatch&#8216;<\/strong> und <strong>&#8218;hash&#8216;<\/strong> habe ich eine eigene Theorie. W\u00e4hrend mir das Schraffieren (hatch) sofort einleuchtet, macht &#8218;hash&#8216; (das Gehackte) ja wohl \u00fcberhaupt keinen Sinn. Ich vermute deshalb, dass es einfach &#8218;hatch&#8216; hei\u00dfen soll, aber wegen der grassierenden Legasthenie unter dgital natives irgendwie zu &#8218;hash&#8216; mutiert ist. So entstehen gro\u00dfe Karrieren, auch bei W\u00f6rtern.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Blieben noch <strong>&#8217;number&#8216;<\/strong> und <strong>&#8218;pound&#8216;<\/strong>. Da wird es dann auch gleich ein wenig komplizierter und ich kann eigentlich nur auf den Artikel <a href=\"http:\/\/languagelog.ldc.upenn.edu\/nll\/?p=2461\" target=\"_blank\">The &#8222;pound sign&#8220; mystery<\/a> von Mark Liberman (und die zahlreichen Kommentare) verweisen. Wenn wir mal das Nummernzeichen au\u00dfen vor lassen und nur auf einen Artikel von 1932 verweisen, der den guten Tipp enth\u00e4lt, dass das Nummernzeichen voran- (#1) und das Pfundzeichen nachgestellt (16#) wird, dann bleibt immer noch die Frage: Wieso Pfund? Und welches Pfund?<\/p>\n<p>Beim Pfund <strong>Sterling<\/strong> (\u00a3), das nun \u00fcberhaupt keine \u00c4hnlichkeit mit &#8218;#&#8216; hat, scheint die Standardisierung zugeschlagen zu haben. Im amerikanischen Standardzeichensatz ASCII steht der Code 0x23 f\u00fcr das Nummernzeichen (#), w\u00e4hrend die britische Variante an exakt dieser Stelle das Sterling-Symbol (\u00a3) untergebracht hat. Ob das Zufall war oder Absicht, weil es schon um 1900 im 5-Bit-Code des Herrn Baudot dieselbe kulturelle \u00dcberlagerung gab, eine Verwechslung dieser Zeichen bei falscher L\u00e4nder-Einstellung scheint ziemlich plausibel.<\/p>\n<p>Die Gewichtseinheit <strong>Pound<\/strong> soll der arme Amerikaner mit <em>lb.<\/em> abk\u00fcrzen. Manche wissen es nicht vielleicht nicht, aber das stammt vom Lateinischen &#8222;libra pondo&#8220; (ein Pfund, dem Gewicht nach), was die Abk\u00fcrzung erkl\u00e4rt<sup>1)<\/sup>, dem Amerikaner aber relativ schnuppe ist. Anstatt bei jedem Pfund drei Tasten zu dr\u00fccken, fand er es wohl praktischer nur eine zu bet\u00e4tigen. Obwohl ich das gut verstehe, ist mir immer noch nicht klar, warum es das Lattenkreuz sein musste. Es gibt daf\u00fcr nat\u00fcrlich auch Begr\u00fcndungen. Man kann sich zum Beispiel das Unicode-Zeichen f\u00fcr Pfund anschauen (<span style=\"color: black; font-family: Cambria Math; background-color: white;\">\u2114<\/span>) und sich dann vorstellen, dass das kursiv gesetzt wird und die Augen zusammenkneifen und \u2013 voil\u00e0 \u2013 ein Lattenkreuz! Allerdings gab es die Schreibweise 3# (zumindest in Teilen Amerikas) schon lange, bevor es Tastaturen gab.<\/p>\n<p>Dass das verwirrend ist und schon immer verwirrend war, zeigen Telefon-Ansagen, die mit den damals neuen Tastentelefonen bedient werden sollten: &#8222;Push the pound sign after entering the deposit amount \u2013 the pound sign is to the right of the zero&#8220;. Man ging wohl davon aus, dass der Benutzer bereits wusste, wo sich die Taste &#8222;0&#8220; befindet.<\/p>\n<p>Und weil die globale Welt ein Dorf geworden ist: Wer mit einem englischsprachigen Chinesen redet, dem kann es passieren, dass der das Dingens <span style=\"color: black; font-family: Arial; font-size: 10pt; background-color: white;\"><em>j\u012dng <\/em><\/span>nennt (Brunnen), weil das Schriftzeichen daf\u00fcr so aussieht: <span style=\"color: black; font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: Arial; background-color: white;\">\u00a0(&#8222;<\/span><span style=\"font-family: MS Mincho; background-color: white;\">\u4e95<\/span><span style=\"font-family: Arial; background-color: white;\">&#8222;).<\/span><\/span><\/p>\n<p>______________________<br \/>\n<sup>1)<\/sup> Wer jetzt denkt, dass die Abk\u00fcrzung lp. sein m\u00fcsste, dem kann ich als Erkl\u00e4rung anbieten, dass sich da noch die Italiener dazwischen gemogelt haben, die mit <em>libbra<\/em> eine Ma\u00dfeinheit hatten, die dem amerikanischen Pfund ziemlich \u00e4hnlich war und halt mit <em>lb<\/em>. abgek\u00fcrzt wurde, andere pfeifen auf ponda und k\u00fcrzen bereits libra mit lb ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, dieser Tweet wird nicht in 140 Zeichen passen, es tut mir leid. Aber ich bin ja noch Anf\u00e4nger, da mag man mir das verzeihen. Wahrscheinlich m\u00fcsste ich jetzt im richtigen Leben einen Post in einem Blog schreiben, auf den ich dann im Tweet verlinken k\u00f6nnte. Aber dies hier ist ja nicht das richtige Leben, &#8230; <a title=\"Gezwitscher (6)\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/2013\/09\/15\/gezwitscher-6\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Gezwitscher (6)\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[68],"tags":[],"class_list":["post-1143","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gezwitscher"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1143","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1143"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1143\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1145,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1143\/revisions\/1145"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1143"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}