{"id":1172,"date":"2013-10-13T14:22:53","date_gmt":"2013-10-13T13:22:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/?p=1172"},"modified":"2013-10-13T14:53:18","modified_gmt":"2013-10-13T13:53:18","slug":"rezension-das-siebte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/2013\/10\/13\/rezension-das-siebte\/","title":{"rendered":"Rezension: Das Siebte"},"content":{"rendered":"<p>Angeregt durch die Buchmesse bin ich wieder mal aufmerksam geworden auf die journalistische Form der Rezension. Sie erfordert ein nicht unbetr\u00e4chtliches Ma\u00df an Selbstbewusstsein auf Seiten des Rezensenten und jagt dem Rezensierten seit jeher Angst und Schrecken ein, man denke nur an Martin Walser und Marcel Reich. Eigentlich wie geschaffen f\u00fcr meinen Blog.<!--more--><\/p>\n<p>Erstaunlich ist allerdings, dass sich dieses Format in Bloggerkreisen nie richtig durchsetzen konnte, wenn man mal von einsilbigen Rezensionen (&#8222;Yummie!&#8220;) im Kommentarbereich absieht, die allein schon wegen ihrer K\u00fcrze selten zu lebenslangen Fehden ausarten. Ich finde das schade und fange jetzt einfach mal an. So ganz ohne Vorlage ist das nat\u00fcrlich schwer, deshalb sollte man sich, wenn man Neuland betritt, zuerst einmal ein Ger\u00fcst zulegen. Und weil ich oft K\u00fcchenblogs lese, habe ich mich entschieden f\u00fcr: Lesen \u2013 Kochen \u2013 Essen \u2013 Fazit. Also los \u2026<\/p>\n<h2>Rezension<\/h2>\n<p>Die K\u00fcchenschabe: <a href=\"http:\/\/diekuechenschabe.blogspot.de\/2013\/10\/das-siebte.html\" target=\"_blank\">Das Siebte<\/a>. Blogspot 2013\/10.<\/p>\n<h2>Lesen<\/h2>\n<p>Die junge Autorin, die sich hinter einem Pseudonym verbirgt, schreibt seit Juli 2011 und hat seither 334 mehr oder weniger kurze Geschichten ver\u00f6ffentlicht. Dass aber auch die Kurzgeschichte durchaus ihre Qualit\u00e4ten haben, zeigt ja die diesj\u00e4hrige Entscheidung der Nobelpreis-Richter. Und die Autorin hat schon mit ihrem Erstlingswerk gen\u00fcgend Selbstbewusstsein bewiesen. Nannte sie das doch nonchalant &#8222;<a href=\"http:\/\/diekuechenschabe.blogspot.de\/2011\/07\/das-perfekte-steak-das-beste-steak.html\" target=\"_blank\">Das perfekte Steak<\/a>&#8220; und deutete mit der Beilage &#8222;kleingehackte Pommes&#8220; auch ihren Hang zum Abwegigen an.<\/p>\n<p>Ihr Stil hat sich \u00fcber die Jahre kaum ver\u00e4ndert; sie neigt ein wenig zur Besserwisserei, schafft es aber durchaus, das dem Leser als Expertentum zu verkaufen. Und wenig bis nichts sch\u00e4tzt ein Kochblog-Leser mehr, als echte Tipps von echten Experten. Gleichfalls zu loben ist die stets akkurate Auflistung aller Zutaten, ein Stilelement, das in Romanen oft fehlt und dann vom Leser schmerzlich vermisst wird. Und sie sorgt in lobenswerter Weise f\u00fcr Abwechslung, um den gesch\u00e4tzten Leser nicht \u00fcber Geb\u00fchr zu langweilen. So ist der M\u00fcrbteig mal simpel aus Mehl, mal benutzt sie Typ 480, mal feingriffig, mal gemischt, mal mit mal ohne Ei, manchmal gar mit Sauerrahm oder \u2013 wenn sie es gut meint \u2013 mit einer Prise Zimt oder einem L\u00f6ffel Rum. Sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Nach \u00fcber 300 wohlgeratenen Ver\u00f6ffentlichungen darf der Rezensent allerdings auch mal etwas strengere Ma\u00dfst\u00e4be anlegen. Bei dem hier besprochenen Werk &#8222;Das Siebte&#8220; h\u00e4tte man gut gerne mit einem Wortspiel rechnen k\u00f6nnen. Das (ge-)Sieb(-te). Verstanden? Kochblog \u2013 K\u00fcchenutensil \u2013 lustig. Aber dann stellt man am Ende der Lekt\u00fcre verdutzt fest, dass weit und breit kein Sieb vorkommt und sogar der Puderzucker &#8222;gestreut&#8220; wird \u2013 Chance verpasst. Und dies zumal die Autorin dazu durchaus in der Lage ist, wie der bahnbrechende Titel &#8222;<a href=\"http:\/\/diekuechenschabe.blogspot.de\/2011\/12\/bio-schwein-grob-aber-fein.html\" target=\"_blank\">Bio-Schwein: Grob aber fein<\/a>&#8220; Ende 2011 gezeigt hat.<\/p>\n<p>Zu loben ist allerdings, dass es alle ihre Werke auch f\u00fcr unterwegs gibt, so dass man nach der U-Bahn-Lekt\u00fcre sofort nicht nur Appetit, sondern auch gleich die Zutaten-Liste griffbereit hat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/dassiebte_m.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1174\" alt=\"dassiebte_m\" src=\"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/dassiebte_m.png\" width=\"426\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/dassiebte_m.png 426w, https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/dassiebte_m-199x300.png 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 426px) 100vw, 426px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>Kochen (also Backen)<\/h2>\n<p>5 kleine \u00c4pfel stehen da auf der Zutatenliste, was bei einem Apfelkuchen nicht sonderlich verwundern mag, aber deshalb spannend ist, weil ich \u2013 wenn ich dieses Jahr irgendwas habe &#8211; auf jeden Fall kleine \u00c4pfel habe; mit der Betonung auf klein. Als ich also im Morgengrauen mit dem Apfelpfl\u00fccker bewaffnet durch den taufeuchten Garten schlich und mit 5 f\u00fcnf frisch gepfl\u00fcckten kleinen \u00c4pfeln wieder in der K\u00fcche stand, musste ich feststellen, dass eines meiner \u00c4pfelchen gerade mal 80 Gramm wog, Frau K\u00fcchenschabe aber den Hinweis &#8222;\u00e1 etwa 150 g&#8220; angebracht fand. W\u00e4hrend ich also den Apfelpfl\u00fccker erneut schulterte, ging mir durch den Sinn, dass ein kleiner Zusatz wie &#8222;oder 8 sehr kleine \u00c4pfelchen, aber das h\u00e4ngt auch wenig von Ihrer Backform ab&#8220; nicht geschadet h\u00e4tte \u2013 da hat der Lektor wohl geschlampt.<\/p>\n<p>Weiterhin war ich etwas verwirrt, als ich der Anweisung &#8222;die Grie\u00dfmasse und die Limettenschale mit einem Schneebesen unterr\u00fchren, sodass keine Br\u00f6ckchen mehr zu sehen sind&#8220; zu folgen versuchte. Man mag der Autorin zugutehalten, dass in \u00d6sterreich ein Schneebesen \u2013 wie so vieles \u2013 etwas v\u00f6llig anderes bedeutet als bei uns und vielleicht sogar vor Gebrauch erst aus der Garage geholt werden muss, aber mir scheint es menschenunm\u00f6glich, mit einem Schneebesen aus hartem Grie\u00dfbrei und schaumiger Ei-Creme irgendetwas Klumpenfreies zusammen zu r\u00fchren. Das weckt den Verdacht, dass die Autorin das Rezept nie wirklich umzusetzen versucht und die Beweis-Bilder irgendwo ausgeschnitten hat. Oder sie hat \u2013 wie ich \u2013 den Elektroquirl benutzt.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen skandal\u00f6sen Umgang mit dem Begriff &#8222;Nachhaltigkeit&#8220; zeugt die Zutatenliste. Da wird f\u00fcr die \u00c4pfel der Saft einer halben Zitrone und f\u00fcr den Teig die Schale einer Bio-Limette verwendet. Mit dem Ergebnis, dass anschlie\u00dfend eine halbe Zitrone und eine abgeriebene Limette rumliegen. H\u00e4tte man sich da nicht ein wenig mehr einfallen lassen k\u00f6nnen? Ein frappierendes Beispiel f\u00fcr den sorglosen Umgang mit Lebensmitteln in dieser unserer modernen Welt!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/dassiebte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1175\" alt=\"dassiebte\" src=\"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/dassiebte.jpg\" width=\"400\" height=\"536\" srcset=\"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/dassiebte.jpg 400w, https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/dassiebte-223x300.jpg 223w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>Essen<\/h2>\n<p>Bei der Zubereitung ging mir hin und wieder die Frage durch den Kopf, ob man einen gebackenen Grie\u00dfbrei als Teig bezeichnen kann und wieso der bisher an mir vorbeigegangen ist. Deshalb war ich nicht wenig auf das Ergebnis gespannt. Die Autorin hat ja des \u00d6fteren ihren Hang zur Ungeduld offenbart. Dennoch bin ich ihrem Vorschlag gefolgt, den Kuchen &#8222;noch lauwarm&#8220; anzuschneiden und zu genie\u00dfen. Vielleicht war ich noch ungeduldiger, aber das erste St\u00fcck konnte man kaum als St\u00fcck bezeichnen und es konnte seinen gro\u00dfen Bruder Grie\u00dfbrei nicht verleugnen. Nur eine knappe halbe Stunde sp\u00e4ter allerdings \u00e4nderte sich das und \u2013 der &#8222;Teig&#8220; ist zwar gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, aber durch die Kombination mit Kardamom und Mandeln recht delikat.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Man wird von dieser Autorin noch einiges erwarten d\u00fcrfen. Die Doppeldeutigkeit dieser Aussage ist durch beabsichtigt. Sie gibt Anlass zur Hoffnung auf viele neue Geschichten rund um ihr Insektendasein in ihrem angestammten Habitat, kann sich aber auch noch steigern \u2013 sowohl bei ihrer fatalen Neigung, die Chance auf Wortspiele fahrl\u00e4ssig zu ignorieren, als auch bei ihrer ab und an zu beobachtenden Sorglosigkeit bei Zutaten-Listen und Handlungsanweisungen. Sie sollte sich durch ihren Erfolg nicht &#8211; um einen bekannten bayrischen Philosophen zu bem\u00fchen \u2013 verleiten lassen, sich in der Komfort-Zone einzurichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angeregt durch die Buchmesse bin ich wieder mal aufmerksam geworden auf die journalistische Form der Rezension. Sie erfordert ein nicht unbetr\u00e4chtliches Ma\u00df an Selbstbewusstsein auf Seiten des Rezensenten und jagt dem Rezensierten seit jeher Angst und Schrecken ein, man denke nur an Martin Walser und Marcel Reich. 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