{"id":463,"date":"2011-12-12T14:41:20","date_gmt":"2011-12-12T12:41:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/?p=463"},"modified":"2011-12-12T14:47:40","modified_gmt":"2011-12-12T12:47:40","slug":"kuchelchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/2011\/12\/12\/kuchelchen\/","title":{"rendered":"K\u00fcchelchen"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin von Natur aus nicht eben gesellig. Gelegentlich trifft auch die Bezeichnung Teilzeit-Misanthrop ganz gut. Und ab und an muss ich <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3u8HW5vPCQw\" target=\"_blank\">Sowinetz<\/a> auflegen: &#8222;Alle Menschen san ma zwida, i mechts in die Goschn haun&#8220; &#8211; ich kann da mit Inbrunst mitsingen.\n<\/p>\n<p>Tafelrunden wollen deshalb hinsichtlich der teilnehmenden Personen fein austariert sein, wenn sie nicht zum Desaster werden sollen. Das klappt nat\u00fcrlich nicht immer. Ganz nachteilig wirkt sich meist die Anwesenheit von eindimensionalen Menschen aus. Eindimensional in diesem Zusammenhang sind Menschen, die nur ein Thema haben, das aber richtig und mit Verve. Vegetarier, Nichtraucher, Frauenversteher, Prenzlauer Berg, diese Richtung.\n<\/p>\n<p>Neulich zum Beispiel war es ein schwangeres P\u00e4rchen. Nicht, dass er auch schwanger gewesen w\u00e4re, aber das wusste er gut zu verbergen. Und obwohl mir mehrmals durch den Kopf ging, dass Unfruchtbarkeit unter gewissen Umst\u00e4nden ein Segen f\u00fcr die Welt sein k\u00f6nnte, gab ich mir M\u00fche, das schleppende Tischgespr\u00e4ch in Gang zu halten. Was es denn mal werden solle, nein, nicht beruflich (hahaha), Junge oder M\u00e4dchen? Beider Antwort war unisono: Nat\u00fcrlich ein M\u00e4dchen! Meine Nachfrage &#8211; man muss ein so interessantes Gespr\u00e4ch ja am Laufen halten &#8211; ob sie schon mal dar\u00fcber nachgedacht h\u00e4tten, dass &#8222;Made&#8220; und &#8222;M\u00e4dchen&#8220; nicht von ungef\u00e4hr denselben Wortstamm h\u00e4tten, und sie sollten sich in Acht nehmen, hinterlie\u00df sie allerdings mit offenem Mund. Was einem Gespr\u00e4ch naturgem\u00e4\u00df abtr\u00e4glich ist, worauf es auch ziemlich bald ab- und das P\u00e4rchen dankenswerterweise aufbrach.\n<\/p>\n<p>Bevor sich jetzt alle Oberstudienr\u00e4te melden: Ja, ich wei\u00df nat\u00fcrlich auch, dass <em>M\u00e4dchen<\/em> nicht von <em>Made<\/em> kommt, sondern von der kleinen Magd &#8211; dem &#8222;<em>M\u00e4gdchen<\/em>&#8222;. Aber soll ich mir deswegen ein Bonmot durch die Lappen gehen lassen? Nee! Zumal auch diese gottgewollte Rolle von heutigen Generationen ja leider nicht mehr aus vollem Herzen und mit Hingabe ausf\u00fcllt wird. Was man als Mann durchaus schade finden kann.\n<\/p>\n<p>Wie komm ich jetzt eigentlich darauf? Ach ja, Verkleinerungen &#8211; Made und M\u00e4dchen. Ich wollte n\u00e4mlich urspr\u00fcnglich in meinem K\u00fcchelchen ein K\u00fcchelchen backen. (Frau T. protestiert im Hintergrund: &#8222;Wenn dir diese K\u00fcche nicht gro\u00df genug ist, kann ich dir auch nicht helfen!&#8220; Stimmt ja, aber soll ich mir deswegen ein Bonmot durch die Lappen gehen lassen? Nee!)\n<\/p>\n<p>Das Problem ist nur, dass ich mit Diminutiven in der K\u00fcche eigentlich wenig anfangen kann. Ich backe lieber in der K\u00fcche einen Kuchen &#8211; schlie\u00dflich ist das hier kein M\u00e4dchen-Blog! Also weniger T\u00f6rtchen und Sal\u00e4tchen, viel lieber Torten und Salate und am besten ein ordentliches St\u00fcck Fleisch &#8211; keine Putenstreifchen. Als einzige Ausnahme lasse ich &#8222;Sp\u00e4tzle&#8220; gelten.\n<\/p>\n<p>Leider ist aber das Augmentativ<sup>1)<\/sup> im Deutschen unbekannt. Wie soll man denn in einer Sprache kochen oder backen, die keine Vergr\u00f6\u00dferungsform kennt? Kann das der Grund sein, dass die deutsche K\u00fcche jahrzehntelang so vernachl\u00e4ssigt wurde? Weil es keine W\u00f6rter gibt? W\u00e4re eine Erkl\u00e4rung.\n<\/p>\n<p><sup>1) <\/sup><span style=\"font-size:10pt\">Im Italienischen gibt es zum Beispiel die Suppe (<em>minestra<\/em>), die mit dem Augmentativsuffix &#8211;<em>one<\/em> erst zur &#8222;richtigen&#8220; Suppe (<em>minestrone<\/em>) wird, die Portugiesen haben die Endung &#8211;<em>\u00e3o<\/em> (<em>lima<\/em> &#8211; <em>lim\u00e3o<\/em>), im Spanischen kann durch allesm\u00f6gliche vergr\u00f6\u00dfert oder verst\u00e4rkt werden (<em>hombre<\/em> wird mit &#8211;<em>\u00f3n<\/em> zum <em>hombr\u00f3n<\/em>[kr\u00e4ftig], mit &#8211;<em>azo<\/em> zum <em>hombrazo<\/em> [riesig], mit &#8211;<em>acho<\/em> zum <em>hombracho<\/em> [grotesk,h\u00e4\u00dflich], mit &#8211;<em>ote<\/em> zu <em>hombrote<\/em> [ungeschlacht]), wenn man eine Flasche (<em>botella<\/em>) Wein trinkt, dann ist es nicht schlecht, aber besser ist eine <em>bottel\u00f3n<\/em> (gro\u00dfe Flasche). Den armen Deutschen bleiben eigentlich nur die beiden Pr\u00e4fixe <em>super<\/em>&#8211; und <em>hyper<\/em>-, und die sind auch nur ausgeliehen. Oder das uns\u00e4gliche XXL. Und dass wir das dringend br\u00e4uchten, zeigt die <em>Million<\/em> (mille+-one = ein gro\u00dfes Tausend), aber die ist ja inzwischen durch die Milliarde mehr als ersetzt.<\/span>\n\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin von Natur aus nicht eben gesellig. Gelegentlich trifft auch die Bezeichnung Teilzeit-Misanthrop ganz gut. Und ab und an muss ich Sowinetz auflegen: &#8222;Alle Menschen san ma zwida, i mechts in die Goschn haun&#8220; &#8211; ich kann da mit Inbrunst mitsingen. Tafelrunden wollen deshalb hinsichtlich der teilnehmenden Personen fein austariert sein, wenn sie nicht &#8230; <a title=\"K\u00fcchelchen\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/2011\/12\/12\/kuchelchen\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber K\u00fcchelchen\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,38],"tags":[],"class_list":["post-463","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allerlei","category-sprachlos"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=463"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":464,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463\/revisions\/464"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}