{"id":597,"date":"2012-05-01T10:07:07","date_gmt":"2012-05-01T09:07:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/?p=597"},"modified":"2012-05-01T10:11:00","modified_gmt":"2012-05-01T09:11:00","slug":"q12-der-kleine-monch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/merle-buehrer.de\/gs\/2012\/05\/01\/q12-der-kleine-monch\/","title":{"rendered":"Q12: Der kleine M\u00f6nch"},"content":{"rendered":"<p>Es war einmal ein junger M\u00f6nch. Man nannte ihn Fra Angelino, woraus wir erkennen k\u00f6nnen, dass es sich um einen italienischen M\u00f6nch handelte, dass er ein Gesicht wie ein kleines Engelchen hatte und dass er der eindeutige Liebling der \u00e4lteren Damen war.<\/p>\n<p>Genau das aber war sein Problem. Sicher, er hatte wegen seiner Profession der fleischlichen Lust entsagt und gedachte diese durch allerlei andere Gen\u00fcsse zu kompensieren, aber es wollte ihm nicht so recht gelingen. Denn \u00fcberall, wo er auftauchte, traf er auf eine liebliche, fast s\u00fc\u00dfliche Grundstimmung: Dolce, wie das die Leute in seiner Gegend nannten &#8211; es ging ihm geh\u00f6rig auf die Nerven.<\/p>\n<p>Und so \u00e4nderte er sein Facebook-Profil und gab sich den Beinamen L&#8217;Agretto, der S\u00e4uerliche. Die Agentur, die er f\u00fcr diesen Imagewechsel beauftragt hatte, war sich sicher, dass das klappen w\u00fcrde. Aber weit gefehlt! Carino und gracioso und nach wie vor dolce, das waren die Wortfetzen, die kurz vor der Ohnmacht \u00fcber die Lippen der \u00e4lteren und dank Facebook inzwischen auch j\u00fcngeren Damen kamen.<\/p>\n<p>Eine eilig einberufene Krisensitzung in der Agentur kam dann zu dem Schluss, dass das zu einem gro\u00dfen Teil am sp\u00e4rlichen Bartwuchs des jungen Kunden liegen m\u00fcsse, den man ja kaum als Flaum bezeichnen k\u00f6nne, und dass man f\u00fcrderhin tunlichst an dieser Problemstelle ansetzen m\u00fcsse. Man rief den Photoshop-Experten hinzu und binnen einer oder zwei Stunden war eine neue Kampagne geboren, die den Arbeitstitel &#8222;Barba del Frate&#8220; (M\u00f6nchsbart) trug.<\/p>\n<p>Der Eventmanager der Agentur legte allerdings Wert auf die Feststellung, dass das wenig Aussicht auf Erfolg h\u00e4tte, wenn man nicht einige begleitende Medien-Ereignisse inszenieren w\u00fcrde und man wolle zun\u00e4chst mit einer Tournee anfangen, weil der direkte Kontakt zu den Fans auch im digitalen Zeitalter nicht zu ersetzen sei.<\/p>\n<p>Und so kam es, dass der kleine M\u00f6nch seine Sandalen schn\u00fcrte, um n\u00f6rdlich \u00fcber die Alpen zu wandern, wo &#8211; so ging die Kunde -Menschen mit gen\u00fcgend Kaufkraft wohnen sollten. Ein wenig davon wollte er &#8222;absch\u00f6pfen&#8220;, wie der Finanzexperte der Agentur das genannt hatte.<\/p>\n<p>Das alles dauerte seine Zeit, weil offene Sandalen auf den Alpenp\u00e4ssen &#8230;, na ja, Schwamm dr\u00fcber, bei Gelegenheit m\u00fcsste er wohl mal die Agentur wechseln. Immerhin traf er dann in Basel auf belebtes Gebiet und nachdem er das eine Weile beobachtet hatte, kam er zu dem Schluss dass das mit der Kaufkraft hier durchaus auch zutreffen k\u00f6nnte &#8211; zumindest traf er nur vereinzelt auf Hunger\u00f6deme oder eingefallene Wangen. So machte er dann Station, lie\u00df sich auf dem Markt nieder und wartete auf <span style=\"text-decoration: line-through;\">sein erstes Opfer<\/span> seinen ersten Kunden.<\/p>\n<p>Wie der Zufall es wollte, war das &#8211; mit einem Einkaufskorb ausger\u00fcstet &#8211; Robert, der Neugierige. Wie sich beider Blicke trafen, war auch schon verabredet, dass sich Fra Angelino auf seinem Marktstand ein wenig ausruhen k\u00f6nne, weil Robert eine bequemere Methode kannte, die Kunde vom S\u00e4uerlichen in die Welt zu tragen. Und das tat er dann auch: Zun\u00e4chst mit <a href=\"http:\/\/lamiacucina.wordpress.com\/2008\/03\/07\/eiertatsch-con-agretti\/\" target=\"_blank\">Eiert\u00e4tsch<\/a>, wie der Marketing-Experte die Fritatta nennt, dann klassisch mit <a href=\"http:\/\/lamiacucina.wordpress.com\/2008\/03\/19\/spaghetti-con-agretti\/\" target=\"_blank\">Spaghetti<\/a>, oder mit <a href=\"http:\/\/lamiacucina.wordpress.com\/2008\/04\/09\/wasserstriwla-con-asparagi-e-agretti-alla-milanese\/\" target=\"_blank\">Wasserstriwla<\/a> oder &#8230;<\/p>\n<p>Weltweit wurden jetzt Fanclubs gegr\u00fcndet und die einzig Leidtragenden waren ein paar italienische Standbetreiber auf regionalen M\u00e4rkten, die das dauerende Nachgefrage nicht mehr h\u00f6ren konnten und notgedrungen zuhause anriefen: &#8222;Habt ihr was von diesem kleinen Engel geh\u00f6rt, der auch der S\u00e4uerliche genannt wird?&#8220; (Sie sagten nat\u00fcrlich L&#8217;Agretto, weil sie ja mit zuhause, also mit Italien telefonierten). Aber der Siegeszug war nicht mehr aufzuhalten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/heike.essenvonau.de\/\" target=\"_blank\">Heike<\/a> war nat\u00fcrlich sofort klar, dass sie handeln musste, als der erste Post in ihrem Feedreader auftauchte. Und weil sie sich nicht von dem &#8211; na ja: nicht immer zuverl\u00e4ssigen &#8211; Gem\u00fcseh\u00e4ndler um die Ecke abh\u00e4ngig machen wollte, hat sie sich Samen besorgt: L&#8217;Agretto, M\u00f6nchsbart, Barba die Frate, Senape dei Monaci, Barba del Negus &#8211; alle Beinamen, die die verzweifelte Agentur inzwischen in Umlauf gebracht hatte, passten gar nicht auf das kleine Sament\u00fctchen! Aber sie war damit autark und bereit f\u00fcr die n\u00e4chste Stufe: <a title=\"Ferns\u00e4en\" href=\"http:\/\/www.merle-buehrer.de\/gs\/?p=585\">Ferns\u00e4en<\/a>, eine v\u00f6llig neue und revolution\u00e4re Ausgeburt der Evolution. W\u00e4hrend der Samentransport in den Norden mit dem Wind sicher ein paar Jahrzehnte gedauert h\u00e4tte, ging das mit DHL ratz, fatz.<\/p>\n<p>Allzu s\u00fcdlich kann ich Q12 nat\u00fcrlich nicht ansiedeln, aber doch in Rufweite zu Oregano, Rosmarin und anderen italienisch-sprachigen Kr\u00e4utern. 6-8 Wochen soll das dauern, mal schauen, ob der M\u00f6nchsamen das auch im hohen Norden schafft. <a href=\"http:\/\/www.kuriositaetenladen.com\/2012\/04\/spaghetti-con-agretti-spaghetti-mit.html\" target=\"_blank\">Steph<\/a> hat ihn ja schon auf dem Isermarkt entdeckt, aber ob der dort gewachsen ist oder von der Agentur eingeflogen wurde, wird sich dann ja wohl bald rausstellen. Und bis dahin k\u00f6nnen wir schon mal r\u00e4tseln, was Heike sich mit dem kleinen M\u00f6nch einfallen l\u00e4sst: mit Pasta? Zu Sauerbraten? Im Sp\u00e4tzlesteig? Es wird spannend.<\/p>\n<p>Ob die Ernte auch so ausf\u00e4llt wie in Kalifornien und ob der dort englisch redet und hier platt? Die Natur ist voller \u00dcberraschungen.<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/ECvrzfiwbf0\" frameborder=\"0\" width=\"560\" height=\"315\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein junger M\u00f6nch. Man nannte ihn Fra Angelino, woraus wir erkennen k\u00f6nnen, dass es sich um einen italienischen M\u00f6nch handelte, dass er ein Gesicht wie ein kleines Engelchen hatte und dass er der eindeutige Liebling der \u00e4lteren Damen war. Genau das aber war sein Problem. 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