Manchmal denke ich

Manchmal denke ich, man müsste den Job an den Nagel hängen, einen großen Topf Fleischbrühe kochen, ein paar Maultaschen darin sieden und zusammen mit einer Schüssel schlonzigem Kartoffelsalat losziehen, um das Leid der Welt ein wenig zu lindern.

Das wär eigentlich gar nicht schwer. Als Teig würde ich den Ravioli-Teig von Robert nehmen. Als Schweizer weiß er ja nicht, was Maultaschen sind, kann er nicht wissen, ist nicht seine Schuld – aber sein Teig geht in Ordnung, den würd ich nehmen:  1 Doppelzentner Weißmehl  und 25 kg Hartweizendunst mischen; zusammen mit 420 Eiern und ungefähr 2500 Eigelb, 10l Olivenöl und 1 ½ Pfund Salz in der Küchenmaschine zu einem krümeligen Teig verarbeiten – das ist sicher an der Grenze des Fassungsvermögens der Kenwood, wird aber schon gehen, notfalls in zwei Portionen. Ruhen lassen und mit der Kurbelmaschine breite Bahnen ausrollen. Mal Frau T. fragen, ob sie Zeit hat, mir ein bisschen zu helfen.

Für die Füllung käme natürlich nur das Familienrezept in Frage, keine Diskussionen. Außerdem stimmen da die Mengenangaben schon halbwegs. Dazu brauche ich: 30 kg Zwiebeln, 25 kg gemischtes Hackfleisch, 40 Weggle vom Vortag, 2 kg Speck, 100 Eier, Petersilie, Salz, Pfeffer und Muskat nach Belieben. Die Teigbahnen in rechteckige Plätzchen schneiden, die Fülle draufgeben, die Ränder mit Eiweiß bestreichen und Maultaschen formen. Etwa 15 Minuten in der Fleischbrühe sieden. Und dann müssen sie natürlich noch geschmälzt werden, wichtig.

Das sind dann so meine Gedanken – manchmal. Und immer, wenn ich so denke, dann kommt irgendein Klugscheißer daher, und meint, da sei ja Schweinefleisch drin. Und damit sei das Leid der islamischen Welt schon mal außen vor, wo doch gerade in der islamischen Welt, aber er wolle das nicht vertiefen. Und wenn er sich die Ei-Menge im Teig anschaue, dann habe er profunde Zweifel, ob man damit in der Wüste glücklich werden würde – nachts vielleicht, aber da gäbe es dann halt schon das eine oder andere logistische Problem. Und damit sei auch halb Afrika draußen – nix mit Beglückung und Labsal in Somalia und weiß Gott wo.

Ich solle, meint er dann, mir das doch nochmal überlegen. Ich könnte, zum Beispiel, ihn zum Maultaschen-Essen einladen, er würde einen Trollinger mitbringen, und dann könnten wir das nochmal in aller Ruhe besprechen.

Und dann nehm ich den Job wieder vom Nagel und mach halt weiter wie bisher.

Gefrorenes Kartoffel-Orangen-Soufflé

Falls im letzten Post ein falscher Eindruck entstanden sein sollte: Region ist Klasse! Die „Produkte unserer heimischen Erzeuger“ sind Top!

Manchmal tu ich mich halt ein bisschen schwer. Da machen Heike und Claus Spätzle und der Schwabe in mir kriegt feuchte Augen, weil er so weit von der Region entfernt ist, dass der Metzger, wenn er denn überhaupt Kalb hat, mit „Eigmachd Kalbfleisch“ so gar nichts anzufangen weiß und also auch keine rechte Diskussion über das beste Stück aufkommen mag (Brust!).

Da gibt es einen Krrustenbraten als Gruß aus der Küche, und mein bayrisches Herz weint um einen Kastanien-Garten und Brezen und Obazdn – von denen es hier trotz Globalisierung und verstopfter Autobahnen nicht die leiseste Spur gibt.

Hier gibt es: Kartoffeln. Gut, es gibt gute Kartoffeln. Es gibt sogar Kartoffeln, die sind so gut, dass es eigentlich gar keine Kartoffeln sein können. Und sie haben Namen. Zuhause gab es Spätzle und Spätzle und Salzkartoffeln. Und die hießen „Mehlig“ und „Festkochend“ und für die weiblichen  FDP-Abgeordneten gab es den Doppelnamen „Vorwiegend-Festkochend“.  Und jeder hat schon mal eine Marktfrau beobachtet, wie sie alle Kundenwünsche aus einem Korb erfüllt – ist doch egal.

Das geht hier in der Heide gar nicht. Vielleicht weil nichts anderes wächst und man nicht immer nur „Kartoffeln“ kaufen will, kauft man hier Belana und Cilena und Allians und Finka (und tausend andere) und neuerdings pflanzen progressive Erzeuger auch ganz globalisiert Bamberger Hörnchen und La Ratte – und der Heideboden tut den Kerlchen schon verdammt gut. Vielleicht ist die Heide ja eigentlich eine Wellness-Farm für Nachtschattengewächse?

Obwohl es bei uns in der Familie in den sechs Monaten, die wir jetzt hier sind, schätzungsweise 6000 mal Kartoffeln gab (die Statistik ist trotz Küchentagebuch nicht ganz zuverlässig), haben wir längst nicht alle Sorten und Kombinationen durch. Nahezu wöchentlich verschwinden welche vom Markt und werden durch andere ersetzt – es gibt nämlich auch frühreifende und spätreifende Sorten und irgendwas zwischendrin. Und es wird noch komplizierter: Mein Favorit ist die Belana. Aber nicht irgendeine Belana, sondern nur die vom Bauernhof in Ilster. Weiß der Teufel warum, aber mehrere Fehlkäufe auf dem Markt haben mich vorsichtig werden lassen. Mir dreht keiner mehr eine Kartoffel ohne Bodenprobe an! Deshalb bin ich schon froh, dass ich den Versand nicht brauche.

Langsam gehen mir aber die Kartoffelrezepte aus. Und beim Thema Dessert waren und sind wir bislang kartoffel-freie Zone. Das liegt natürlich nur an meiner Phantasielosigkeit und weil ich wohl immer noch nicht richtig angekommen bin in der Region Lüneburger Heide. Aber dafür gibt es ja Kochbücher. Im Landbuch-Verlag Hannover ist 2001 der Band „Leckeres aus der Kartoffelkiste“ erschienen, und dort gibt es ein Rezept für

Gefrorenes Kartoffel-Orangen-Soufflé

(für 4 Personen)

  1. 2 Eier und 3 Eigelb mit 100 g Ahornsirup und 50 ml Orangensaft in einer Metallschüssel mischen und schaumig rühren.
  2. In einem breiten Topf 2 Liter Wasser zum Kochen bringen und die Metallschale ins heiße Wasserbad stellen. Die Ei-Sirup-Masse schlagen, bis sie eine leichte Bindung erhält und sämig wird (zur Rose abziehen).
  3. In die Eimasse 50 ml Orangenlikör, das klein geschnittene Fruchtfleisch einer Orange und 100 g gekochte und gepresste mehlig kochende Kartoffeln (Finka oder Hela) unterrühren und abkühlen lassen.
  4. 250 ml Sahne steif schlagen und vorsichtig unter die Soufflé-Masse heben. Die Masse in Förmchen füllen und abgedeckt über Nacht gefrieren.

Fau T.’s Kommentar: „Ned greislich.“ Und von mir aus hätte man die Kartoffeln vielleicht auch weglassen können, aber ersatzweise mit Spätzles-Teig oder Semmelnknödeln wär’s ganz sicher nicht gegangen.

Geschmack unterwegs

Ich gehöre ja nun einer Generation an, der immer mehr Dinge immer schwerer fallen. Sich bücken, zum Beispiel, oder im Autoradio unterscheiden, ob gerade die aktuelle Hitparade läuft oder der Empfang gestört ist. Das nervt und schlägt auf die Stimmung.

Und dann plötzlich – zwischen Frankfurt und Kassel – Stimmen. Menschliche Stimmen, nicht diese aufgedrehten immerlustigen Sprechpuppen. Die Sendung Dolce Vita auf hr1 war auf der „Suche nach dem verlorenen Geschmack„. Ob sie ihn letztendlich gefunden haben, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, weil ich dann tanken musste. Aber ich bin zuversichtlich, dass es gelungen ist. Das klang nämlich alles sehr optimistisch.

Die Moderatorin, Frau Baumeister, hatte den Herrn Meikel Petrana zu Gast und hat nette Fragen gestellt, die Herr Petrana dann nicht beantwortet hat, aber was soll’s – schön war’s und nett war’s. Da war zum Beispiel die Frage, ob der Geschmack vielleicht genetisch angelegt sei? Ja sicher, war darauf die Antwort, schon im Alter von 2 oder 3 Jahren fänden prägende Eindrücke statt. Hä?

Vom Band kamen dann noch Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhöfer zu Wort. Weil die ein neues Buch geschrieben haben, aber auch bei so einem Pressetermin natürlich kompetent und unterhaltsam und ein bisschen besserwisserisch sein können.

Doch, ich hab mich gut unterhalten zwischen Frankfurt und Kassel und hätte optimistisch vor mich hin trällernd weiterfahren können: Falleri und Fallera, der Geschmack ist wieder da! Man muss eigentlich nur die richtigen Produkte kaufen und ein bisschen neugierig sein und vielleicht die Bücher von Herrn Petrana und Frau Meuth kaufen und schon wird alles, alles gut.

Aber vielleicht weil die Fahrt noch lange nicht zu Ende war, oder weil die Rückenschmerzen nicht besser wurden, verflog die gute Laune trotz herrlicher Oktobersonne relativ rasch: Ich habe keine Lust mehr, schuld zu sein!

Ich kaufe das falsche Brot für den Brotsalat – schuldig! Und keiner fragt, warum es überhaupt „falsches“ Brot gibt.

Ich habe Lust auf Geflügel, will aber kein ganzes Huhn kaufen – schuldig! Herr Neuner-Duttenhöfer kann’s nicht glauben, dass man Hühner isst, deren Namen man nicht kennt! Und keiner fragt, warum Hühnerteile prinzipiell trocken und fade und öde sein müssen und was man dagegen tun kann.

Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Ich glaube nicht an das Bio-Gedöns, im Gegenteil: Wenn alle Menschen plötzlich Bio kaufen, wird ein Skandal den nächsten jagen. Und auch das Regional-Gedöns jagt mir keine Wonne-Schauer über den Rücken; der glückliche Bauer um die Ecke, der erfahrene Metzger mit zwei Kälbchen und einem Lamm, der fröhlich aus einem Mehlstaub grinsende Bäcker in der Nachbarschaft: alles Schimären; tempi passati.

Ich weiß, Ellja würde – wenn sie dies läse – vehement widersprechen, aber: So können wir uns nicht ernähren! Das reicht für ein paar Liebhaber, die Adressen sammeln wie früher die Briefmarken und ihre Mauritius dann auf dem Teller fotografieren – was in anderen Kulturen leicht als veritable Deformation durchginge.

Warum fragt keiner, ob es denn ein Grundgesetz gibt, das vorschreibt, den Profit der Lebensmittelindustrie über die Gesundheit und das Wohlbehagen der Konsumenten zu stellen? Ob es denn nicht möglich sei, die Agrarsubventionen von den Giftmischern und Geschmacksverhunzern abzuziehen und in eine menschenverträgliche Lebensmittelindustrie zu leiten? Und warum erinnert mich das alles so an die Bankenkrise?

Wir sollten nicht das Ziel aus den Augen verlieren, das Erich Kästner schon anfangs des letzten Jahrhunderts in seinem Gedicht „Bürger schont eure Anlagen!“ vorgegeben hat. Wenn ich mich richtig erinnere, dann lautet darin ein Vers: „Legt euch mit den Hühnern schlafen. Wenn es geht: pro Mann ein Huhn.

So, genug geplaudert. Ich muss jetzt zur Rückenmassage.

Foodblogger gefährden Volksgesundheit!

Niedersachsen, im Oktober. Wie jetzt bekannt geworden ist, führt eine neue Studie zu alarmierenden Erkenntnissen. An einer repräsentativen Stichprobe (n=1) konnte in einer Langzeitstudie (mehrere Monate) gezeigt werden, dass die Anzahl von Foodblogs im Feedreader direkt und statistisch signifikant mit dem Bauchumfang (gemessen in cm) und deshalb wahrscheinlich auch mit dem Body-Mass-Index (BMI) oder zumindest der „Waist-to-Height-Ratio“ (WHR) korreliert!

Der Verbund deutscher Krankenversicherer fordert bereits drastisches Einschreiten und verlangt von der Politik sofortige und wirksame Gegenmaßnahmen. Wie uns ein Experte mitteilte, ist das aus zwei Gründen unabdingbar: Einerseits sei da der dramatische Anstieg von Foodblogs und andererseits würde seine Organisation seit langem auf den besorgniserregend steigenden Fallzahlen bei Adipositas hinweisen, mitsamt den daraus resultierenden Folgeschäden im koronaren Bereich, aber auch bei Gelenkschäden. Die Kombination beider Verläufe führe geradezu zwangsläufig zu der nicht hinnehmbaren aktuellen explosiven Situation!

Es sei nicht länger hinzunehmen, dass der gemeine Versicherte mit seinen Beiträgen die unverantwortlichen Exzesse der Foodblogger-Bewegung und ihrer Adepten finanzieren müsse. Überhaupt nicht akzeptabel sei dabei, dass ehedem vernünftige Frauenzeitschriften den Pfad der Tugend verließen, diverse Diätprogramme zurückführen und im Gegenteil auch noch sogenannte „Awards“ ausrufen würden, mit denen der Foodblogger-Hype nur noch befördert würde. Da mittlerweile ja Martin Schönleben als Gewinner feststünde, könne man, ja müsse man – falls weder die Politik noch besagtes Journal zu einer Kooperation bereit seien – diesen als Adressaten folgender Forderungen verwenden:

  1. Weg mit allen Bildern auf denen Lebensmittel oder gar zubereitete Speisen oder Backwaren in unanständig animierender Form dargestellt werden!
  2. Erlass einer Anordnung derzufolge beim Verfassen von Blogbeiträgen auf eine verbraucherfreundliche Sprache zu achten ist: Weg mit Adjektiven wie „köstlich“, „zartschmelzend“ oder – auf jeden Fall – auch „lecker“. Verzicht auf jegliche Beschreibung, die geeignet sein könnte, den Speichelfluss des Lesers anzuregen oder gar zu einer Nachahmung beschriebener Völlerei-Orgien zu führen.
  3. Hilfreich – aber eine zugegenermaßen weitreichende Forderung – wäre der Verzicht auf jegliche Erwähnung von Lebensmitteln oder Getränken, wenn sie nicht im Umfeld und durch die Semantik klar erkennbar als „böse“, „schlecht“ oder auf jeden Fall „vermeidbar“ gekennzeichnet ist.
  4. Erlaubt blieben allenfalls – wegen deren starken gesellschaftlichen und politischen Einflusses wohl unvermeidbar – Kooperationen mit Konzernen wie „Maggi“, „Knorr“ oder „Nestle“. Auch in diesem Fall sollte eine Erwähnung aber nicht über den Abdruck der Packungsangaben hinausgehen dürfen.
  5. Sofortiges Schließen der Kommentarfunktion in Food-Blogs, da gerade dort immer wieder Stellungnahmen („hmmmm!“, „sabber“, „indietastaturtropf“) abgegeben werden, die von anfälligen Lesern leicht als Aufforderung zum spontanen und ungezügelten Verzehr verstanden werden könnten.

Diese Forderungen seien nur eine erste Sofort-Maßnahme und würden zu gegebener Zeit verfeinert. Es sei allerdings keine Zeit mehr für Fissimatenten, wie freiwillige Vereinbarungen oder freundliche Apelle. Die Lage sei dramatisch und bedürfe sofortiger Maßnahmen, wie aus folgender Tabelle aus o.a. Studie zu ersehen sei:

Monat Blogs Bauchumfang Anmerkungen
Januar 2 80 Mankannsessen; AnonymeKöche 1)
Februar 2 81  –
März 4 85 Lamiacucina; Kuriositätenladen
April 6 87 GutesZeugs;ArthursTochter
Mai 7 87 Lorbeerkrone
Juni 10 90 Pastasciutta;Azestoru…
Juli 11 91 BrotUndRosen
August 13 95 Chilli&Ciabatta
September 110 108 2steps;küchenschabe…
Oktober 432 204 .. (s. kuechenblogs.de).

1) bereinigt um „stille“ Feeds (lavaterra,pepinella,…)

Aus der graphischen Analyse dieser Tabelle

kann nicht nur klar der behauptete Zusammenhang ersehen werden, genau so deutlich ist auch der dramatische Anstieg. Der exakt geschätzte Korrelationskoeffizient (nach Pearson) beträgt: r=0,99999972.

Aktuell wird in der Studie der Nachweis zu führen versucht, dass dieser Zusammenhang auch bei absteigendem Feedreader-Füllstand gilt. Deshalb wird im Moment der fragliche Feedreader konsequent trocken gelegt, bis er nur noch aus Politik- und Meinungs-Blogs besteht, wobei als Placebo der Verweis auf eine Veganerseite erhalten bleiben soll.

Grau ist alle Praxis

Die Welt ist grau und trübel.
Das Leben ist ein Übel.

(Die Reimfindung ist vielleicht noch nicht ganz ausgereift. Dennoch glaube ich, dass da ein Talent schlummert.) Es stellt sich nämlich deshalb als Übel dar, weil ich wieder mal nichts, aber auch gar nichts geregelt kriege. Weder ordentliche Reime, noch die Mathematik.

Gegeben sei zum Beispiel ein Rezept für einen Apfelkuchen, ausgelegt für eine Springform mit dem Durchmesser 28 Zentimeter (also ø 28 cm). Gegeben sei nun allerdings auch ein Schrank S, in dem lediglich eine Springform F22 mit Durchmesser 22 Zentimeter (also ø 22 cm) zu finden ist. Gegeben sei weiterhin der unbändige Wunsch W, diesen Kuchen zu backen und die absolute Unlust U0, schnell loszuziehen und eine größere Kuchenform zu kaufen. Ermitteln Sie die Mehlmenge Mneu unter Berücksichtigung der Größen W und U0, so dass die entstehende Teigmenge Tneu ausreicht, die Form F22 zu füllen.  Bilden Sie dann aus der Mehlmenge Mrezept und Mneu den Faktor Fmehl und verrühren Sie mit ihm die drei Eier aus Rezept Rorg. Begründen Sie, warum der Schrank S in Ihrer Formel nicht vorkommt.

Hmmh, da gab’s doch mal was wie err-Quadrat mal Wurzelpi. Wahrscheinlich muss das mit U0 multipliziert werden. Weil, wenn die Unlust den Wert 0 annähme, könnte der ganze Term beruhigt wegfallen und Mneu wäre gleich Mrezept, also Fmehl gleich 1,0. Da U0 hier realiter aber gegen unendlich strebt, muss der ganze Ausdruck (err-Quadrat x Wurzelpi)x U0 notgedrungen seinerseits gegen unendlich streben (→∞). Der Kuchen kann also nicht mit endlichen Mitteln gebacken werden, weshalb Schrank S nicht geöffnet zu werden braucht – q.e.d.

Das habe ich ja noch sauber hergeleitet – und mir beim Bäcker eine Apfelschnitte gekauft. Hinweisen möchte ich aber in diesem Zusammenhang dringend auf den Wunsch, Backformen in Zukunft rechteckig zu gestalten und genormte Größen einzuführen. Rezepte wären dann nicht mehr für mehr oder minder unsinnige Durchmesser zu formulieren, sonder etwa als „ausreichend für 1.5 Standard-Backformen“. Und der erste Hersteller, der eine Form der Größe 3.14159 anbietet, wird standrechtlich erschossen.

Allerdings  ist die Mathematik mit einem Apfelkuchen ja noch lange nicht am Ende, weshalb der Trübsinn auch nicht weichen mag. Gerade als ich feststellte, dass für den Nachtisch nur noch eine Kugel Eis vorhanden und der Familienstreit vorprogrammiert war, las ich, dass die polnischen Mathematiker Stefan Barnach und Alfred Tarski bereits 1924 bewiesen haben, dass „man eine Kugel durch Zerschneiden, Drehen und Verschieben in zwei gleich große Kugeln verwandeln kann!“ (Johann Berger, Paradoxien aus Naturwissenschaft, Geschichte und Philosophie, Anaconda 2005 – es gibt Bücher, die sollte man nur in Kombination mit einer Packung Antidepressiva verkaufen dürfen).

Nach anfänglicher Euphorie wegen der einen Eiskugel bin ich dann allerdings losgezogen, um mehr Eis zu kaufen – für alle Fälle. Und ich habe dann beschlossen, dass ich das nicht verstehen muss und auch nicht ausprobieren werde. Wen’s interessiert: Das Banach-Tarski-Paradoxon gibt es auch bei Wikipedia und in einem Link verspricht Reinhard Winkler eine „Herleitung mit den Mitteln der Schulmathematik„. Bitte – wer das lesen will, gerne!

Nachtrag von Heike, wo sie sich sooo viel Mühe gegeben hat und das Drecks-Kommentarfeld kein sub-tags kennt (muss man denn alles selber programmieren?)

Gesucht: Umrechnungsfaktor F22/F28 bezogen auf die Grundflächen (die Höhen h22 und h28 werden als gleich angenommen).

A28=(0,28m/2)2π
A22=(0,22m/2)2π

A22/A28=(0,22m/2)2π/(0,28m/2)2π=0,0121π/0,0196π=0,6173469

Eis esse ich nicht so gern.

Auch du, mein Sohn?

Fau Kaltmamsell erwirbt ein Stück vom Hermannsdorfer Weideschwein, Arthurs Tochter prügelt sich mit Heike im „Fatbattle“ um das schönste Stück vom Schwäbisch-Hallischen. Und du, mein Sohn Brutus? Erwirbst zeitgleich eine Karbonade (so heißt das hier im Norden) vom Susländer Schwein:

Aber weil ich ja eher der Gemüse-Typ bin, werde ich jetzt nicht  erwähnen, dass man das nur leicht salzen und langsam anbraten und 15-20 Minuten bei 100-120° nachgaren muss. Und es ist eigentlich auch nicht weiter wichtig, dass dieses Fett unglaublich schmeckt und dieses Fleisch keineswegs in der Pfanne wegschnurrt. Denn eigentlich will ich die Gemüsebeilage preisen:

Möhrencurry


(Quelle: e&t 5/1990, für 4 Portionen)

  1. 40 g Rosinen und 20 g Korinthen in 100 ml trockenem Sherry einweichen. 800 g Möhren waschen, schälen und in kurze Stifte schneiden. Etwa 1 Minute in 100 ml Gemüsebrühe blanchieren, abtropfen lassen und die Gemüsebrühe auffangen. 1 Zwiebel pellen und fein würfeln. 20 g Mandeln brühen und abziehen und mit weiteren 20 g Mandeln (ungeschält) mischen. 1 Bund Petersilie fein hacken.
  2.  30 g Butter (oder Margarine) in einer Pfanne erhitzen. Die abgetropften Rosinen und Korinthen, die Mandeln, die Zwiebel und 40 g Sonnenblumenkerne kurz durchschwenken. 2-3 gestr. EL Currypulver (mild) darüberstäuben und anschwitzen. Die Möhrenstifte zugeben, mit Salz und Pfeffer würzen und die Gemüsebrühe angießen.
  3. Die Möhren auf mittlerer Hitze 3-4 Minuten garen, dabei die Flüssigkeit etwas einkochen lassen. Zum Schluss die Petersilie darüberstreuen und kurz durchschwenken.

Im Originalrezept folgt dann noch der Hinweis: „Zum Möhrencurry einen Salat servieren“. Ja, kann man machen. Wenn aber zufällig eine ordentliche Karbonade mit Fettrand rumliegt, schadet das auch nicht.

Hydroxymethylfurfural

Hier sind die drei Hauptdarsteller – von links nach rechts: eine Quitte, ein Dampfentsafter und ein Glas Quittengelee.

Natürlich ist dabei die Reihenfolge nicht ohne Belang. Denn wenn man das Quittengelee schon hätte, wär alles viel einfacher, man könnte den Dampfentsafter in den Schrank räumen und die Quitte – tja, was macht man eigentlich mit einer Quitte? Egal.

Den Dampfentsafter habe ich rechtzeitig zur Inbetriebnahme des Gartens erstanden, in der weisen Voraussicht, dass mehr Obst anfallen wird als eine dreiköpfige Familie mal eben so wegessen kann.

Die Quitte ist mir in den Einkaufskorb gehüpft, weil sich vor meinem inneren Auge unter Einsatz des Entsafters eine Transformation zu Quittengelee abgezeichnet hat – und ich liebe Quittengelee.

Fast hätte ich, als ich mit meiner Beute nach Hause kam und den Dampfentsafter nach einer verzweifelten Suche endlich im Gartenhaus gefunden hatte, auch gleich angefangen zu schnippeln. Aber irgend ein Teufel hat mich geritten und an den PC getrieben und „Quittengelee“ in das Google-Suchfeld eintippen lassen.

Und siehe da: Soo einfach ist die Sache ja nicht. Für ein Quittengelee braucht man Quittensaft. Und um aus einer Quitte den Saft rauszulocken, gibt es prinzipiell drei Möglichkeit: Erstens die Quitte in Wasser zu kochen und dann (über Nacht) den Saft durch ein Mulltuch tropfen lassen, zweitens den Einsatz eines Dampfentsafters mit der stückig geschnittenen Quitte zu befüllen, Gas zu geben und abzuwarten, oder drittens einen dieser modernen Zentrifugen-Entsafter anzuwerfen, der die Quitte so lange an die Wand wirft, bis sie den Saft freiwillig hergibt.

Kein Problem. Eine Nacht warten ging ja nun mal gar nicht, moderner Technik begegne ich traditionellerweise mit Vorsicht und außerdem hatte ich den Dampfentsafter ja schon bereitstehen. Also Suche verfeinern: „Quittengelee Dampfentsafter“.

Im hobby-garten-blog.de dann auch schon der erste Dämpfer: „Unter anderem kommt es durch die Reaktion von Kohlenhydraten mit Aminosäuren zur Bildung von Hydroxymethylfurfural und das schmeckt offenbar nicht.“ Was um alles in der Welt ist dieses Hydro-Dingensda?

Je nun, auf der Wiki-Seite winkt ein fröhliches Männchen, das mit der linken Hand ein HO in die Höhe hält und rechts ein O nach oben stemmt und ein H am Ellbogen baumeln lässt. Sieht eigentlich ganz freundlich aus, aber was bedeutet das schon? Keine Angaben zum Geschmack, aber der zarte Hinweis auf eine „Mögliche Kanzerogenität“. Hab ich’s mir doch gedacht! Ich bring mich beim Frühstück ins Grab! Obwohl, es gibt Stimmen, die meinen, das sei „noch nicht wirklich erforscht“ und überhaupt sei der Stoff hauptsächlich interessant, „wenn es um die Herstellung von Polymeren geht„. Klasse, da kann ich mit meinem Marmeladebrot der Erdölchemie Konkurrenz machen – fangt schon mal an zu zittern, Jungs!

Aber das mit dem Geschmack ist noch nicht ausgestanden. Auf der Webseite „Fruchtwein selbst gemacht“ kann man dem Dampfentsafter nicht viel abgewinnen: „Die geschmacklichen Veränderungen werden unter dem Begriff ‚Kochgeschmack‘ zusammen gefasst. Typisch für die hitzebedingte Aromabildung ist das Auftreten einer Verbindung namens Hydroxymethylfurfural (HMF), die zum Beispiel bei der Reaktion von Kohlenhydraten mit Aminosäuren entsteht. Die Bildung von HMF hängt ab von der Erhitzungstemperatur und auch vom pH-Wert: Das saure Milieu in Fruchtsäften fördert leider die HMF-Bildung. Beim Honig und beim Traubensaft ist ein hoher HMF-Wert zum Beispiel ein Maß für eine Qualitätsverschlechterung.“

Honig und Traubensaft okay, da mag ich auch keinen „Kochgeschmack“, aber beim Gelee? Man kann’s auch übertreiben. Und, wenn mein Gelee denn schon nicht schmeckt, ist es dann wenigstens gesund? Aber auf jeden Fall: „CIOGEN® hilft, Sauerstoff besser zu verwerten„, und aus was besteht CIOGEN? Aus Alpha-Ketoglutarsäure und – eben – dem „rein pflanzlichen 5-HMF (5-Hydroxylmethylfurfural)“. Und wem das noch nicht reicht, und wer sich vielleicht das Rauchen oder Saufen abgewöhnen will, der sollte sich mal die Patentschrift von drei Österreichern mit dem Titel Mittel zur Raucherentwöhnung oder zur Alkoholentwöhnung anschauen. Ich zitiere:

Aus der AT 393221 B ist bekannt, dass alpha-Ketoglutarsäure und 5-Hydroxymethylfurfural eine zerstörende Wirkung auf maligne Tumore haben.
Es wurde nun überraschender Weise gefunden, dass sich dieses Mittel hervorragend dazu eignet, sich das Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum abzugewöhnen. Besonders hervorzuheben ist, dass dieses Mittel nahezu keine unerwünschten Wirkungen entfaltet, lediglich ein verstärkter Harndrang wurde beobachtet.

Ein verstärkter Harndrang nach dem Frühstück. Auf dieses Risiko lass ich mich ein.

Ich glaube, mein Großmutter und meine Mutter haben einfach Gelee gekocht, ohne zu googeln. Vielleicht war das auch schön.

Gerüche in der Küche

Samstagnachmittag. Ein trüber, verregneter Herbsttag, wie er uns in nächster Zeit aller Voraussicht nach öfter begegnen wird. Die Lust auf einen Besuch im Eiscafe tendiert gegen null. Die Heizung läuft noch nicht auf vollen Touren, es ist nicht sehr gemütlich.

Man könnte jetzt eine Regenjacke überstreifen und spazieren gehen und sich dabei auf einen warmen Kakao bei der Rückkehr freuen. Man könnte eine Strickjacke anziehen und sich in den Lesesessel kuscheln.

Man könnte aber auch in die Küche gehen und für Vorrat sorgen. Einen großen Topf Gemüsefond könnten wir gebrauchen, die Kartoffeln müssten noch gekocht werden, damit sie abkühlen können und es würde auch nicht schaden, ein halbes Pfund Butter in bayrische Olivenöl zu verwandeln.

Wenn man dann eine Flasche Rotwein öffnet, sich am Küchentisch niederlässt und die Wochenendbeilage der SZ aufschlägt, dann kann man nebenbei auf das leise Gluckern der schmelzenden Butter hören und der köchelnde Fond sorgt genau für die richtige Wohlfühltemperatur, ohne die Heizkosten in die Höhe zu treiben, während der Rotwein sein Bestes tut, dieselbe Aufgabe von innen zu erfüllen.

Und wenn dann die Zufriedenheit langsam von unten nach oben steigt , unter anderem weil man es geschafft hat, untätig zu sein, ohne nichts zu tun, dann passiert es selbst bei diesen unspektakulären Töpfen, dass die Nase langsam beginnt, diesen angenehmen Zustand noch zu befördern, wenn sich die Gerüche der Kräutersträuße im Fond mit dem leichten Nussaroma der entstehenden braunen Butter und dem Hauch von Kümmel in den Kartoffeln mischen. Nichts Spektakuläres, bewahre, kein Vergleich zu einem Schmortopf nach etwa 2 1/2 Stunden. Aber doch immerhin so angenehm, dass ich mich frage, warum ich eigentlich nie den Menuplan fürs Wochenende danach ausrichte, dass möglichst lange möglichst unterschiedliche Gerüche entstehen, die dann doch – zumindest zeitlich – einen größeren Genuss bereiten würden als diese halbe Stunde des andächtigen Verzehrs.

Die Kartoffeln musste ich übrigens gestern kochen, weil für heute Schupfnudeln (Fingernudeln, Bubespitzle, Schopperla … you name it) auf dem Plan standen. Und weil ich endlich ein Rezept gefunden habe, das immer funktioniert und bei dem die Nudeln vor dem Braten nicht noch gekocht werden müssen, will ich das heute verraten:

Topfen-Fingernudeln

(nach Alfons Schuhbeck, für 4 Personen)

375 g gekochte, durchgedrückte und abgekühlte Kartoffeln mit 3 EL brauner Butter, 1 Eigelb und 65 g Topfen (Quark) mischen, dabei mit Salz, Pfeffer und frisch geriebenem Muskat würzen. 100 g Speisestärke und 40 g Weizengrießdazu geben und rasch zu einem glatten Teig verkneten.Mit leicht bemehlten Händen aus der Masse fingerförmige Nudeln rollen und leicht flach drücken. Bis zur Weiterverwendung auf ein mit Mehl bestäubtes Brett legen. Dann in einer Pfanne in 2-3 EL Öl bei milder Hitze von beiden Seiten langsam goldbraun braten. Zum Schluss noch 20 g Butter zugeben und die Schupfnudeln darin schwenken. Leicht salzen.

Bei uns gab es die Bubespitzle heute in einer Pfanne zusammen mit Gemüse (Weißkraut, Möhren und Zucchini) und Bratwürsten – schade, dass die Gartenvorräte zu Ende gehen.

 

The ARTe of Boring

„Is it possible to be both terrified and bored?“ fragte Paul Krugman am Montag in der NYT in seiner Kolumne „Euro Zone Death Trip“. Ja, Herr Klugman, ich (teile Ihre Ansichten über die Eurokrise nicht, aber ich) teile dieses Ihr Gefühl, immer öfter.

Wir Deutschen sind ja die Erfinder der „German Angst“, also kennen wir das mit dem „terrified“ sehr gut. Aber wenn sich die ganze Welt wundert, mit welchem Gleichmut wir inzwischen die Katastrophen wegstecken, dann hat das sehr viel mit „bored“ zu tun. Langeweile, die auch von professionellen Angstmachern nicht mehr vertrieben werden. Weil wir doch alles schon kennen und weil alles doch ohnehin „alternativlos“ ist und weil man langsam schon ein bisschen Mitleid kriegt, wenn man ansehen muss, wie bemüht und angestrengt inzwischen um die Alternativen herumgewinselt werden muss. Nein, ich bestreite, dass das Fatalismus ist, Langeweile trifft das viel besser, tödliche Langeweile.

Ich gebs zu, ich habe ARTE geguckt, „Die Tricks der Lebensmittelindustrie“. Und da waren sie alle. Sarah Wiener, die glaubt, die Welt wäre in Ordnung, wenn sie die Marktfrau fragen kann, wo ihr Zeug denn herkommt, hat freundlich Gemüse geschnippelt – für einen gesunden Salat. Udo Pollmer hat die bewährte Expertenmine aufgesetzt und nochmal verraten, dass natürliches Pfirsicharoma von Schimmelpilzen produziert wird – igitt. Thilo Bode war da und hat die Milchschnitte in die Kamera gehalten und den Zuckergehalt des Monte Drinks angeprangert – empör. Und irgendein Toxikologe wollte wissen, ob die auf dem Gemüse gemessenen Pestizid-Rückstände toxisch sind, und warum er das nicht erfahren darf – gefährlich. Und keiner der Konzerne hat es für nötig befunden, Stellung zu nehmen; da fahren die lieber nach Brüssel und schmieren die Bürokraten – Lobbyismus.

Doch, ich bin auch nicht aus Stein, das erschreckt mich schon. Aber hey, ich werde in Gorleben belogen, ich werde von Banken beschissen, ich werde von Nestle vergiftet – echt, das ödet doch an. Es wäre doch mal Zeit, mir was anderes zu präsentieren – selbst die Nachmittags-Talkshows haben irgendwann ein Ende gefunden. Vielleicht entdeckt ja Frau Aigner in der Mitte der Legislaturperiode, dass sie Verbraucherministerin ist; könnte ja sein, dass sie in der Mittagspause mal einen Blick auf die Tafel an ihrem Ministerium wirft. Und dass sie dann zu Felde zieht gegen die Giftmischer und dass sie uns überrascht mit der Erkenntnis, dass Enteignung jetzt wirklich „alternativlos“ sei.

Aber dann müsste sie als allererstes diesen netten Beamten entlassen (oder in den Ruhestand schicken, oder was immer man da auch macht), der um Verständnis wirbt, dass so ein armer Pestizidhersteller doch wirklich und wahrhaftig Millionen ausgeben muss, um ein neues Gift zu entwickeln. Da könne man doch nicht ernsthaft von ihm verlangen, dass er sein Rezept öffentlichen Instituten zur Begutachtung vorlegt. Es gäbe da ja auch – wie sagt man doch gleich – ökonomische Aspekte. Ja weiß denn dieser Hanswurst nicht, dass derselbe Hersteller Milliarden-Gewinne macht und dass diese Kosten vielleicht auch von diesem Kuchen abgezweigt werden könnten und dass er – falls sich das wirklich nicht rechnen sollte – vielleicht irgendwas falsch macht, und dass man sowas Marktwirtschaft nennt? Tut mir leid, ich muss euch alle vergiften, sonst mache ich doch keinen Gewinn – schnief?

Ich könnte mich aufregen, aber da ist langweilen doch erheblich gesünder.

 

Salade liégeoise

Au Mann, ist mir das jetzt peinlich! Da habe ich doch letzte Woche unter dem Einfluss größerer Fleischmengen vollmundig versprochen, zuhause sofort ein vegetarisches Rezept zu posten. Und ich hatte ja auch eins im Hinterkopf, den Salade liégeoise aus Belgien – eine überaus schmackhafte Kombination aus warmen Kartoffeln, Bohnen und einer Creme-fraiche-Senf-Vinaigrette:

Als ich dann heute morgen das Rezept herausgekramt habe, war gleich der erste Satz: „Den Speck mit Fond …“. Wie, den Speck? Ich dachte *hüstel* vegetarisch? Mein Gott, ein bisschen Speck, den hatte ich halt verdrängt. Ihn jetzt weglassen, um das Gesicht zu wahren, oder einfach drüber wegschreiben, weil das doch eh keiner merkt?

Langsam tröpfelte die Erinnerung dann allerdings aus den spärlich verbliebenen Hirnzellen und damit war klar: Weglassen geht nicht, der Speck gehört dazu. Und zwar als gleichberechtigter Hauptdarsteller neben Kartoffeln und Bohnen. Und darauf vertrauen, dass das keiner merkt – bei den Lesern? Das trau ich mich nicht.

Also bleibt mir nur, geknickt das Originalrezept vorzustellen (und zuzubereiten) und es dem geschätzten Leser zu überlassen, mir in diesen fleischlichen Sündenpfuhl zu folgen oder – auf eigene Verantwortung – mit dem Gemüse vorlieb zu nehmen. Den Ehrenpreis der Vegetarierinnung, Sektion Niedersachsen, hätt ich damit wohl verpatzt.

Ich war ja noch nie in Belgien. Als ehemaliger Wahl-Münchner befürchtet man da nämlich, sofort sterben zu müssen, wenn man an deren Bier nippt. Also weiß ich auch gar nicht, wie das Original geht, was der Belgier denn bevorzugt. Gelesen habe ich, dass mancherorts der Speck durch Schinken ersetzt wird, aber von weglassen – es tut mir leid – ist mir nichts zu Ohren gekommen. Aber ihr könnt’s ja mal probieren. Wer wirklich keinen Speck mag, dem fehlt vielleicht auch nichts.

Salade liégeoise (für 4 Portionen)

400 g durchwachsenen Speck mit ½ l Rinderfond und ½ l Wasser bedecken, aufkochen lassen und bei mittlerer Hitze zugedeckt 35-40 Minuten kochen, dann herausnehmen und abkühlen lassen. 600 g festkochende Kartoffeln schälen, in grobe Würfel schneiden und in Salzwasser 20-25 Minuten gar kochen. 600 g grüne Bohnen putzen und ebenfalls in Salzwasser 8-10 Minuten kochen. In der Zwischenzeit aus 4 EL Rotweinessig, 4 EL Öl, 1 EL mittelscharfem Senf, 200 g Creme fraiche, Salz und Pfeffer eine Vinaigrette rühren. 50 g Schalotten in sehr feine Würfel schneiden. Den abgekühlten Speck in ½ cm dicke Scheiben schneiden und in einer Pfanne ohne Fett knusprig braten, auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Kartoffeln und Bohnen abgießen, abtropfen lassen und heiß mit den Schalotten und der Vinaigrette mischen. Den Salat auf Tellern anrichten und mit den Speckscheiben und Petersilienblättchen garnieren.

 

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