Una volta alla settimana sept.4

Wenn ich sage: Ich geh noch schnell zum Obsttürken, dann sagt Frau T. das sei, und sie sagt das in Anführungszeichen, nicht vollständig “politically correct”. Woher ich denn wisse, dass der Mann aus der Türkei stamme. Und wenn er wider Erwarten nicht in Bottrop geboren sei, dann sei es immer noch abfällig. Schließlich wären für mich alle Menschen, die nicht so aussehen wie die Menschen in dem kleinen schwäbischen Dorf, in dem ich geboren bin, “Fremde”. Der nette Mann mit dem Schnauzbart könne genauso gut aus Syrien, dem Iran, Afghanistan oder WasweißIchWo stammen, für mich sei das wohl alles dasselbe? Und sie hat ja recht. Deshalb habe ich mir angewöhnt vom “Freundlichen Gemüse-Fachverkäufer mit Migrations-Hintergrund (eventuell in der zweiten oder dritten Generation)” zu reden, wobei ich zugegebenermaßen den eingeklammerten Teil nur dazusage, wenn ich wirklich viel Zeit habe. Jetzt ist es nur so, dass der Kartoffelmann das mitgekriegt hat und sich diskriminiert fühlt. Für mich sei er einfach “der Kartoffelmann”. Wenn es aber auf diesem gesamten Markt einen “Fachverkäufer” gäbe, dann sei das doch wohl er. Oder ob ich tatsächlich bestreiten wolle, dass seine Kartoffeln alle anderen Kartoffeln um Längen schlagen würden. Er wolle jetzt aber bitte keine dummen Witze über dicke Bauern und dumme Kartoffeln hören, seine Kompetenz läge eindeutig nicht in der Größe, sondern im unnachahmliche Geschmack; er denke gerade darüber nach, sich als Kartoffel-Sommelier zu vermarkten. Und wenn ich unbedingt auf einen Migrationshintergrund bestünde, könne er darauf hinweisen, dass der Weg von seinem Geburtsort zu meinen Wohnort vor noch nicht allzu langer Zeit eine Tagesreise gewesen sein (und bald wieder sein würde). Und er hat ja recht. Aber alle Ungerechtigkeiten dieser Welt auf meinen Schultern abzuladen, ist auch ein bisschen inkorrekt. Ich bin nur froh, dass er mir nicht auch noch seine Kartoffeln hinterher geworfen hat – ich wäre sonst vielleicht als LaRatten-Fänger aus WasweißIchWo in die Geschichte eingegangen.

Am Anfang dieser settimana, also lunedi, musste wieder einmal der Tiefkühler aushelfen. Da der eh viel zu voll ist, könnte ich auch, ohne rot zu werden, behaupten, das sei so geplant gewesen. Und was spräche schon gegen schwäbische Maultaschen mit Salat? Da ich letzte Woche in der großen Stadt auch im Asiamarkt war und eine Familienflasche Mirin gekauft habe, und da martedi hier normalerweise Hühner über den Marktplatz getrieben werden, sprach alles für Chicken Teriyaki mit Reis (bitte sucht euch ein Rezept mit Mirin aus, sonst ist es Essig mit dem Teri, aka Glanz, und mit dem Geschmack im Übrigen auch). Es gibt Stimmen, die behaupten, ich würde Chicken Teriyaki nur machen, damit ich die Hühnerhaut von den Hühnerbeinen abziehen und knusprig braten kann. Die Stimmen gehen sogar so weit, zu behaupten, ich würde diese Knusperhaut dann auf Butterbrot essen!

Bevor ich “Mezcla” wieder ins Regal stelle, musste ich mercoledi noch schnell das Kürbis-Salbei-Nudel-Gratin kochen – schließlich habt ihr euch das ja alle bei der Turbohausfrau gewünscht. Und giovedi war dann natürlich noch ein halber Kürbis im Vorrat – genug für die Kürbis-Walnuss-Pasta bei schoenertagnoch weder mit Babyspinat noch mit Rucola, sondern mit Mangold.

Venerdi blieben wir bei Pasta, Pasta geht ja immer: Asia-Pasta mit Schweinehack und würziger Erdnusssauce (🌶). Am Samstag, äh sabato, Gulaschsuppe mit frischen (sehr empfehlenswerten) Dörfli vom Plötzblog.

Weil uns allen ja der Herr Habeck in Nacken sitzt und uns Sparen! ins Ohr flüstert, müssen wir ja, wenn der Ofen unbedingt aufgeheizt werden muss, möglichst viele Backvorgänge hintereinander erledigen. Deshalb gab es domenica Bürli, Frau T.’s Roggenbrot im Kasten und Kürbis für die Linsen – eine organisatorische Meisterleistung. Und weil mir auf der anderen Schulter der Herr Özdemir sitzt und Sparen! ins andere Ohr flüstert, kaufe ich nur noch regionale Mehle, also nicht nur kein T80, sondern auch kein (Schweizer) Ruchmehl. Aber die Bürli auf Plötzblog funktionieren auch mit unserem Mehl (Weizen und Weizenkleie). Und zum Essen gab es Linseneintopf mit Kürbis und knusprigem Speck (von Elisabeth Grabmer im SZ-Magazin). Weil mir ein Crossover-Teufelchen im Nacken saß, mit Spätzle! Normalerweise mach ich sowas nicht; aber für Spätzle-Verweigerer gibt’s dann halt Bürli.

Once A Week 38-22

Wir hier in Niedersachsen dürfen, müssen, wollen, werden demnächst einen neuen Ministerpräsidenten (und den dazugehörigen Landtag) wählen. Mich macht das immer ein bisschen depressiv, keine Ahnung, woher das kommt. Die SPD kann ich nicht wählen, Weil. Gut, das ist ein Scherz für Insider (ein Tipp: einfach mal Niedersachsen Ministerpräsident googeln), aber deshalb nicht weniger wahr. Die CDU plakatiert: “NULL TOLERANZ – FÜR CLANS”. Das ist schon sprachlich so weit daneben, da mag ich über den Inhalt gar nicht weiter nachdenken. Und, mal ehrlich, der Hashtag #weiterspringen sagt mir in diesem Zusammenhang auch überhaupt nichts; also: nein. Die FDP lügt einfach unverfroren: “Wir Freie Demokraten setzen uns ein, unser Land zu modernisieren und die Menschen finanziell zu entlasten. Dafür tun wir mehr als nötig.” Ich weiß nicht, wen die mit die Menschen meinen, aber ich z.B. bin kein Zahnarzt; also: nein. Der AfD geht offensichtlich das Geld aus. Noch vor den Slogans steht auf ihrer Webseite eine Bitte: “Jetzt spenden!”. Betteln und Hausieren verboten, also: nein. 26 Parteien stehen zur Wahl. In meiner Verzweiflung muss ich jetzt noch die Programme lesen, z.B. von: Die Friesen, die Haie-Partei mit Biss (HAIE), oder die Urbane – eine Hiphop-Partei (du. LV Niedersachen) oder die sonstigen Niedersachsen X (ohne Landesliste). Ich wähle wahrscheinlich, was ihr Volt. Oder ich lege heute Nacht den Briefwahlschein unters Kopfkissen. Und wenn morgen ein Kreuz drauf ist, schick ich ihn weg.

Die Woche beginnt oft damit, die Vorräte zu inspizieren, und weil da jede Menge Stangensellerie rumlag, traf es sich gut, dass Herr und Frau Kaltmamsell (Link im Beitrag ganz unten) vor ihrer Abreise offensichtlich einen ähnlichen Vorrat gehabt haben müssen, und es gab am Montag einen Persischen Stangen-Sellerie-Eintopf mit weißen Bohnen – toll. Auch Bohnen, aber diesmal die letzten grünen aus dem Garten, waren am Dienstag der Grund für Lammbraten (aus der viel zu vollen TK) mit sehnlichst herbeigesehnten Spätzle und Grünen Bohnen mit Parmesan und Pinienkernen (frisches Bohnenkraut, hier das PDF).

Am Mittwoch war ich mal wieder in einer eher zivilisierten Gegend und fand dort sehr schönen, sehr preiswerten Zuckermais; eine gute Gelegenheit für die Maissuppe von ellerepublic.de und das Fladenbrot von brotdoc.com. (Frau T. meint ja, wenn man ein gutes Rezept hat, macht es keinen Sinn, ein schlechteres auszuprobieren. Ich denke halt, es könnte ja aber auch besser sein!) Auch am Mittwoch erbeutet: gemischte Pilze und am Donnerstag zu Pfannkuchen mit Pilzragout verarbeitet. Da blieb bei diesem herrlichen Wetter noch Zeit für einen Heidespaziergang. Touristen erzählt man hier ja, die Heide blühe vom 8.8. bis zum 9.9, es waren aber immer noch einige da, denen man das entweder nicht gesagt hat, oder die zu schlau waren, um es zu glauben.

Man kocht ja längst nicht mehr Ottolenghi. Jetzt ist Mezcla dran. Ich bin nicht so begeistert wie alle anderen, aber das Süßkartoffel-Gratin mit roter Currysauce am Freitag war schon toll – mit Zitronengras und Limettenblättern in Kokosmilch, daran könnt ich mich gewöhnen. [Im Netz ist das Rezept noch nicht zu finden – ihr hättet es euch halt bei der Turbohausfrau wünschen sollen!] Und weil ich schon mal dabei bin, Fladenbrot-Rezepte auszuprobieren: das Rezept aus dem Brotbackbuch Nr. 4 hat schon wieder nicht funktioniert; wahrscheinlich hätte ich meinen schwächelnden weichen Sauerteig mehr als nur einmal auffrischen müssen – schade. Schade auch, dass es die Rheinischen Schneidebohnen mit Salzkartoffeln und Kassler Nacken am Samstag zum letzten Mal gab. Meine Quelle hier in der Heide hat sich in den Ruhestand verabschiedet, und ich hab verpasst, ihn nach seiner Quelle zu fragen. Tränen 😢. Am Sonntag gabs dann Schniposa (Schnitzel, Pommes und Salat), nur dass es sich bei dem panierten Schnitzel um Sellerie handelt (z.B. wie bei Tim Mälzer) und bei den Pommes eigentlich um Ofenkartoffeln (aus Karotten mit Parmesan, Süßkartoffeln mit Sumach und La Ratte); aber der Salat war schon Salat.

KW 37-22

Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Hat der Herr Kant damals gesagt, als er die Aufklärung maßgeblich mitbestimmt hat. Und Aufklärung, das hieß auch und vor allem, sich nicht entmündigen zu lassen von Institutionen. Denn wenn es überhaupt Autoritäten geben sollte, dann müssten die auf rationalen, nachprüfbaren Grundsätzen basieren. Ach, was war das damals schön. Und was haben wir nicht alles erreicht seit damals. Monarchien wurden von Demokratien abgelöst; die Kirche ist zwar noch da, aber die Trennung von Staat und Kirche ist schon mal durch. Oder … na ja, fast. Eine halbstündige Nachrichtensendung der letzten Woche bestand allerdings – neben dem Wetterbericht – aus zwei Themen: Ein paar alte Männer und wenige meist verzweifelte Frauen lassen sich von noch älteren Bischöfen an der Nase herumführen, und Königin Elizabeth II ist tot. Eine ganze halbstündige Nachrichtensendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen! Damit man mich nicht falsch versteht: der heldenhafte (und weitgehend vergebliche) Kampf des synodalen Wegs ist schon beeindruckend, aber wer berichtet von den Kämpfen in der Jahressitzung unseres Kaninchenzüchtervereins? Die Lebensleistung der englischen Königin kann man durchaus bewundern, aber kann man nicht beim Friseur beim Lesen der Hochglanzmagazine ein Tränchen vergießen? Aber nein, sagt die Sprecherin zum Abschluss: “…und auch die nächste Woche wird noch im Zeichen des Abschieds von der britischen Königin stehen…”

Beim Bestreichen der Pinsa am Sonntag, war mir schon klar, dass dieses Tomaten-Sugo zu köstlich ist, als dass man es im Keller lagern sollte. Was, wenn es falsch gelagert wird und verdirbt? Was, wenn das Haus zusammenbricht und der Keller unter Steinen erstickt und das Sugo erst Jahre später von Rettungskräften befreit wird? Wird es dann noch schmecken? Also am Montag schnell noch Pasta mit Tomatensugo und Salat. Am Samstag beim Marktbesuch habe ich während des Einkaufs am Gemüsestand einen Bekannten getroffen. Ich habe mich wohl zu wenig um die Marktfrau gekümmert; es ist ganz erstaunlich, was beim Zuhause-Ankommen alles in meiner Einkaufstasche war. Zum Beispiel eine ganze Meerrettich-Wurzel. Für einen 2-Personen-Haushalt heißt das: Meerrettich, Meerrettich, Meerrettich. Zum Beispiel am Dienstag Lachsragout in Meerrettichsoße (lecker.de).

Am Samstag beim Marktbesuch … ach, das hab ich ja schon. Und was das für einen 2-Personen-Haushalt … hab ich ja auch schon. Am Mittwoch: Linsen mit Salsiccia und Meerrettichsoße (brigitte.de). Und beim Bestreichen der Pizza … hab ich ja schon gesagt, und dass es viel zu köstlich ist … hab ich auch schon gesagt. Am Donnerstag deshalb ein Ottolenghi (mit einer fast übersehenen Aubergine aus dem Garten): Auberginenklößchen alla Parmigiana (gewuerze-der-welt.net). Und da ich Frau T. durch die ganze Stadt gejagt habe, um Ricotta zu kaufen, aber nur 50 g gebraucht habe, musste ich dringend zur Abwehr innerfamiliärer Unstimmigkeiten am Freitag Ravioli mit Ricotta-Zitrone (Betty Bossy) in Salbei-Butter machen; gleichzeitig die Lieblings-Pasta von Frau T. – die Abwehr hat funktioniert.

Hab ich schon den Meerrettich? … ach ja, hab ich schon. Am Samstag ein Bayerisches Wurzelfleisch mit Meerrettichsoße (Schuhbeck’s Videoschule oder hier, Rezept auch hier ) und ja, ich weiß, es nervt, aber der Meerrettich ist (noch lange) nicht aufgebraucht. zusammen mit dem Rest Schweinefilet, einer alten Brezel und süßem Senf gab’s am Sonntag – auch als Referenz an meine alte Heimat und das dort gerade stattfindende Corona-Festival – ein Schnitzel Münchner Art (z.B. brotwein.net), wobei es Stimmen gibt, dass die Münchner sich noch nie das Wiener Kalbfleisch leisten konnten und ihr Schnitzel schon immer aus Schweinefleisch gemacht haben; man könnte es deshalb auch selbstbewusst als “Münchner Schnitzel” bezeichnen, wenn das dem Selbstbewusstsein gut täte. Zusammen mit Bamberger Hörnchen und dem unschlagbaren Kohlrabi in Orangen-Estragon-Sauce 🌶 (um zwei Orange aufzubrauchen; allerdings liegt jetzt noch ein Kohlrabi rum, die endlose Endlosschleife des No-Waste-Prinzips).