Limette, Lamm, Rosenkohl

Ich hab ein neues Buch. Heute als ich weg war, war der Postbote da. Ohne Vorwarnung, ohne Life-Verfolgung, ohne Vorkasse, einfach bestellt und irgendwann kommts. Der Autor (Lutz Geissler) kriegt offensichtlich mehr ab als über Amazon – lauter gute Nachrichten. Alle ein wenig altmodisch, aber vielleicht ist das ja doch die Zukunft. Im Ort gibt es dann wieder eine Poststelle, wo das Fräulein vom Amt die Leitungen verbindet und bei der man, wenn sie gerade nicht stopselt, sein Päckchen abholen und sich nach dem Schnupfen von Tante Irma erkundigen kann. Klingt nicht hipp, aber wer weiß in diesen Zeiten schon, was die Zukunft bringt. Ich bin heute auf jeden Fall zufrieden. Wenn es bei dem Buch (Krume und Kruste) nicht um Brotbacken ginge, und wenn da nicht der kaputte Ofen wär. Dessen Ersatzteile hätten heute kommen sollen, sind sie nicht. Könnten bei der Lieferung morgen dabei sein, aber wahrscheinlich ist das nicht. Nächste Woche, also nächste Woche, Frau Ofen-Fachverkäuferin kann sich nicht vorstellen, dass es nächste Woche nicht klappen würde. Allerdings sie hätte da gerade Kunden ⋯ Ich hab auf jeden Fall genug Zeit zum Lesen.

Küchentagebuch, Mittwoch 1. Dezember 2021

  • Lammlachse
  • Sellerie-Kartoffelpüree von Rolf Zacherl (nirgends im Netzt, war mal in einer der vielen Kochsendungen. Eigentlich nichts besonderes – 600 g Sellerie und 300 g Kartoffeln schälen und kirschgroße Stücke schneiden; mit 200 ml Sahne etwa 25 Minuten weichkochen, mit dem Stabmixer pürieren, mit Salz, 1 Löffel Creme fraîche und etwas Limettensaft würzen und – jetzt kommts – die Schale von 4-6 Bio-Limonen unterrühren)
  • Gerösteter Rosenkohl mit Grapefruit von Ottolenghi (in der Süddeutschen, bei Uwe, bei leckerlife, in der Schweiz oder bei Sophie – scheint sowas wie ein Blogbuster zu sein)
Angesichts der Tatsache, dass heute morgen von Leber die Rede
war – mein lieber Scholli

Sauerkraut, Gulasch, Kartoffeln

Das ganze Elend der Welt kommt daher, dass man dauernd aufs Glatteis geführt wird. (Na? Kaum kommt der erste Schnee, habe ich das passende Thema!) Zum Beispiel werden unschuldige junge Spanier, die Deutsch lernen wollen, bei Duolingo mit folgendem Satz konfrontiert: Conoces la clave? Kennst du das Kennwort? Was soll der arme Pablo da denken? Natürlich kenne ich das Kennwort! Wenn ich es nicht kennen würde, wäre es ja nicht das Kennwort, sondern das Unkennwort oder Habichvergessenwort – ach, was die Deutschen immer für Wortungetüme bilden. Mühsam und widerwillig wird sich Pablo dann einprägen, dass das Kennwort das Wort ist, was man eben nicht kennt – um bei seinem ersten Besuch in Deutschland festzustellen, dass er gar kein Kennwort kennen muss, wenn er sich seinen Pass merkt.

Küchentagebuch, Dienstag 30. November 2021

Entspricht dem Wetter, wärmt und schmeckt

Korma, Tofu, Fladenbrot

Heute darf Frau T. sich was wünschen. Natürlich darf sie sich eigentlich immer was wünschen, und wenn sie sich nichts wünscht, dann wünsche ich mir was, was sie sich wahrscheinlich auch wünschen würde. Und genauso hat sie sich jetzt was gewünscht, was ich mir auch hätte wünschen können. Das ist nach hundert Jahre Ehe ja auch kein Wunder. Es gibt da allerdings diese Geschichte von einem Pärchen, das sich fünfzig Jahre lang das Frühstücksbrötchen geteilt hat, und dann hat immer er die Ober- und sie immer die Unterseite gegessen, jeden Tag, jeweils vom anderen großzügig überlassen – um am Ende festzustellen, dass beide fünfzig Jahre lang auf ihre Lieblingsseite verzichtet haben. Vielleicht frag ich doch nochmal nach, ob sie wirklich Tofu-Klößchen essen mag.

Küchentagebuch, Montag 29. November 2021

Sie wollte – und siehe, es war gut