Feuchtgebiete

Es ist alles so traurig, schluchz, seufz.

Alle Menschen außer den Eskimos dürfen im Süden wohnen, wo afrikanischer Wind für herrliche Temperaturen sorgt. Und hier? Frühlingstage mit grad mal 20 Grad! Wir haben das nicht verdient (kuller).

In der Zeitung steht, dass die FDP in den Umfragen wieder auf 7% kommt, es ist zum Verzweifeln (schneuz); wo kommen all die Deppen her?

Im Dezember geht die Welt unter. Und das, wo mein Holunderzweig doch frühestens in zwei Jahren wie Holunder aussieht. Es ist alles so traurig, schluchz.

Man könnte mich jetzt eine Memme nennen: wegen sowas weint man doch nicht!

Aber wenn ich Robert richtig verstanden habe, dann wird Gritlis Schokoladenkuchen nur durch Tränen so schön feucht. Und was soll ich sagen: es klappt. Ich weiß nicht, wie’s ohne Tränen gewesen wäre, es war ja eine Premiere. Aber mal ehrlich: Grund zu weinen gibt es doch genug, warum also mit Tränen sparen? Man sollte sich allerdings wegen der Menge schon was ganz Trauriges einfallen lassen – viele Tränchen sind bei mir einfach neben die Teigschüssel gekullert, wo sie natürlich wenig zum Gelingen beitragen.

Und wenn’s Gritli verspricht, dass man den Kuchen auch lange aufheben kann: Ich kann dazu nichts sagen, er ist schon weg.

Fernsäen

Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich einen nigel-nagel-neuen Gemüse-Garten. Ich hab ihn urbar gemacht, Wege angelegt, Beete abgegrenzt und: ich hatte einen Plan. Wo die Tomaten hinsollen, welche Bohnensorte gepflanzt werden sollen, welche Kräuter Sonne brauchen, welche lieber im Schatten wohnen und wo sich die Zucchini ausbreiten dürfen.

Das war alles säuberlichst vorbereitet und an langen Winterabenden durch das Studium aller möglichen Fachliteratur wieder und wieder verifiziert, modifiziert und schließlich festgelegt. Da war die Aussaat ein Klacks: Tütchen aufreißen, Plan befragen und großzügig streuen – fertig. Den Rest macht dann Mutter Natur. Okay: die Karotten ließen sich nur mit einem Presslufthammer ernten, die Kohlernte ist gänzlich gescheitert, weil doch kein Mensch wissen konnte, dass eine einzige Zucchini-Pflanze soo viel Platz braucht, und den Spinat hatte ich ganz vergessen.

Aber sonst: nichts geht über einen guten Plan.

Nur dieses Jahr: Kein Plan weit und breit. Und der Mai naht und nähert. Und zu allem Überfluss ist die Gartenfläche auch noch angewachsen, weil wir einen Zwetschgenbaum hinterrücks gemeuchelt haben.

Was also tun? Der Garten ist etwa 12m lang und 4m breit. Das macht summa summarum um die 40 m² Nutzfläche, weil da ja noch der besagte Weg durchgeht. Und auf der ganzen Fläche steht einsam und verlassen ein Schnittlauch im Wind. Wenn sich nicht bald was tut, wird das eine sehr traurige Angelegenheit und ein sehr gutes Geschäft für den Gemüsehändler auf dem Wochenmarkt.

Und so ist die Idee entstanden: Ich mach den Garten einfach Public Domain oder Open Source oder so was. 20 qm werden der Crowd Wisdom überantwortet, fein parzelliert, und jeder, der schon immer mal sein eigenes oder ein ganz besonderes Gemüse haben wollte, kann sich melden, eine Parzelle adoptieren und darf dann bestimmen, wann und was ausgesät werden soll. Ich werde die Parzellen dann nach Kräften häckeln, notfalls wässern und sorgsam päppeln. Zur Ernte kann dann noch ein Rezept eingereicht werden, das ich dankbar entgegennehme und dafür im Gegenzug ein Bild von den Gesichtern der schmausenden Gäste veröffentliche.

Das nenn ich mal einen Plan! Auf gehts: Zur Verfügung stehen der Einfachheit halber die Parzellen Q1 bis Q20, der Rest wird Gründüngung.

P.S.: Gerade lese ich in der Süddeutschen, dass es außer dem Menschen noch ein gärtnerndes Lebewesen gibt: Den Fleckenlaubenvogel (Chlamydera Maculata). Es ist nämlich so, dass der Laubenvöglerich seiner Laubenvögelin gerne (oder notgedrungen) bunte (das heißt: grüne) Früchte vor das Nest legt, weil sie sonst Migräneanfälle vortäuscht. Natürlich nimmt die Beschaffung dieser Früchte einen nicht unerheblichen Teil seiner Lebenszeit in Anspruch, was ihn wohl auf die Dauer etwas genervt hat. Also entfernt er auf einem Platz in der Nähe seines Nestes das Gras und die Blätter. Und wenn jetzt eines der drapierten Früchtchen anfängt zu schrumpeln oder unansehlich zu werden, dann muss er ese ja entfernen, weil Frau Laubenvögelin das gar nicht goutiert. Und dann legt er es auf dem vorbereiteten Beet ab. Dreimal dürft ihr raten, was da nächstes Jahr wächst: wunderschöne grüne Früchte! Es gibt also mehr als einen Grund, das Samentütchen aufzureißen!

P.P.S: Wenn das mit dem Open-Source-Garten klappt, dann mach ich nächstes Jahr statt Frühjahrsputz Tele-Wischen.

Event

Gott sei Dank ist das kein Video-Blog – ich bin nämlich ein wenig derangiert. Das liegt daran, dass ich vor dem Apple-Store übernachtet habe.

Nein, keine Angst, ihr habt nichts verpasst: iDingens 2 ist noch in weiter Ferne. Ich dachte einfach, ich leg mich da mal hin und schau, was passiert.

Wenn’s wirklich was Neues gäbe, wären mir da ja zu viele Leute; aber einfach mal so, das müsste ich schon durchstehen, hab ich gedacht. Ich will doch auch mal das Gefühl haben, ganz vorne dabei zu sein. Dieses Gefühl, wenn sich die Türen öffnen, wenn der „Wind of Change“ weht, mir um die Nase weht, und ich direkt dabei bin, so dabei , dass ich das Frösteln anfange. Wegen dem besagten Wind, nicht wegen dem nasskalten Wetter.

Ich möchte doch auch mal Teil sein. Teil von irgendwas und ab 2:30 Uhr viertelstündlich meine Befindlichkeiten twittern: „Auf Position 428 vorgerückt. Vorne wurde einer von seiner Frau abgeholt.“ Und alle würde es interessieren, weil es ja ein wichtiger Moment wäre. Und alle würden auf meinen nächsten Post warten: „Immer noch 428. Aber 412 beginnt zu gähnen.“

Es ist ein wenig anders gekommen: Die machen am Sonntag gar nicht auf! So war es halt nur einfach langweilig und ungemütlich und überhaupt nicht aufregend. Und: ich war völlig falsch ausgerüstet. Ich hätte schon gedacht, dass da ein iCafe oder so was Ähnliches ist, wo der leckere Latte Vanilla Double Crunch serviert wird, stilvoll im Plastikbecher mit Papp-Muffin, aber nix da. Vielleicht nur, weil Sonntag war. Aber wenn ich da nochmal hingehe, muss ich vorsorgen.

Vielleicht mach ich einen Blog-Event: Füllt mir den Picknick-Korb! Und der erste, der einen angebissenen Apfel einreicht, gewinnt einen Hand-Mixer. Mit Twitter-Funktion. Aber das verrat ich natürlich vorher nicht.

Selbstüberschätzung

Selbstüberschätzung hat einen Namen: Danning-Kruger.

Nein, nicht dass sich diese beiden besonders gern und gekonnt selbst überschätzt hätten. Justin Kruger und David Danning von der Cornell University haben sich im Gegenteil verdient gemacht, Licht in das Dunkel zu bringen. Ihr 1999 erschienener Artikel trägt den Titel: „Unskilled and Unaware of It“, also etwa: „Unbeleckt von Kenntnissen und Fertigkeiten, aber absolut überzeugt von der eigenen Brillanz“.

Ausgangspunkt ihrer Studien war eine merkwürdige Beobachtung: 70% der Autofahrer halten sich zum Beispiel für überdurchschnittliche gute Autofahrer. Das wirft natürlich die Frage auf, ob vielleicht herkömmliche statistische Methoden fehlerhaft sind. Die würden nämlich darauf bestehen, dass höchsten jeder Zweite überdurchschnittlich sein kann – wir lassen jetzt erst mal die feinen Unterschiede zwischen Median und Mittelwert beiseite. Wenn man daran nun aber nicht zweifeln will, dann muss es eine andere Erklärung geben, und Dunning-Kruger entwickeln eine bestechende Hypothese: Gerade die Tiefflieger neigen zur Fehleinschätzung.

Und das macht auch Sinn, sagen sie, denn: Die Fähigkeiten, einen grammatisch korrekten Satz zu bilden, sind exakt dieselben, wie die, einen grammtisch richtigen Satz zu erkennen. Um also einen Fehler zu erkennen, muss man wissen, wie man ihn vermeidet. Und so kommen sie in mehreren Experimenten zum immer gleichen Ergebnis.

Im ersten Experiment zum Beispiel wurde Studenten eine Liste von Witzen vorgelegt. Zunächst sollten Sie beurteilen, ob der jeweilige Witz lustig ist. Anschließend wurden sie gebeten, einzuschätzen, wie gut sie ihrer Ansicht nach – bezogen auf andere Studenten – beurteilen können, ob ein Gag ein Kracher ist. Das Ergebnis:

zeigt deutlich, dass die Low Performer im unteren Quartil sich deutlich überschätzen, während die Probenden im oberen Quartil ihre Fähigkeiten sogar ein wenig zu pessimistisch einschätzen, und: alle, auch die Tiefflieger, liegen in ihrer Selbsteinschätzung über 50%, wähnen sich also überdurchschnittlich.

Nun ja, Humor ist halt Geschmacksache, könnte man einwenden, aber die weiteren Experimente (Logik-Tests und Sprachkompetenz) führen zu ähnlichen Diagrammen.

Was hat das jetzt zu bedeuten? Nehmen wir mal zum Beispiel: mich. Einen der besten Risotto-Köche der westlichen Hemisphäre, und das auch nur, weil ich nicht weiß, ob im asiatischen Raum überhaupt Risotto zubereitet wird. Ich wäre also im obigen Diagramm eindeutig in der rechten oberen Ecke zu finden. Woraus ich aber schließen müsste, dass ich meine Fähigkeiten tendenziell eher unterschätze! Wie soll das gehen? Noch cremiger, noch schlonziger, noch mehr Nicht-von-dieser-Welt kann doch ein Risotto gar nicht sein! Bin ich die Ausnahme? Oder hat sich in die Experimente von Danning/Kruger doch ein Fehler eingeschlichen? Man muss es fast vermuten.

Abgesang

Die Zeit, als „alter Sack“ eine Beschreibung für die anderen war, scheint abgelaufen.

Piraten heißen nicht mehr Errol Flynn (und auch nicht Johnny Depp), haben weder Augenklappe noch kühnen, in die Ferne gerichteten Blick, werden aber trotzdem gewählt. Von den anderen, den Jungen.

Das wäre noch nicht sonderlich schlimm. Gott, was hatten wir für Ideen, damals. Und letztendlich waren die alle gut. Dass das nicht alle verstanden haben: Kollateralschäden im Generationenkonflikt. Nichts besonderes.

Es hinterlässt natürlich ein mulmiges Gefühl, wenn man es trotz Bemühen nicht versteht. Aber das heißt ja noch nicht, dass es falsch es sein muss. Lass die mal machen, vielleicht verstehe ich es auch irgendwann. Und vielleicht wird dann alles gut – oder zumindest besser als mit der FDP.

Aber das ist ja nicht alles. Anatol Stefanowitsch hat einen „Offenen Brief an die Contentindustrie“ geschrieben. Nun muss ich nicht ein Loblied auf A.S. und seinen SprachLog singen, das haben schon viele andere getan. Und ich muss auch nicht alles gut finden, was er schreibt, obwohl ich es sehr häufig tue. Aber diese Suade hinterlässt mich sprachlos. Es geht um „Content“, also Musik, Texte, Bilder, Rezepte, und wie man damit umgehen darf, soll, kann – und A.S. wirft alles um, was meine Mutter mir versucht hat beizubringen. Generationenwechsel? Paradigmenwechsel? Wie geht’s jetzt weiter?

Nun ja, er war vielleicht schlecht drauf und hat das alles nicht so gemeint. Aber noch sprachloser hinterlassen mich die verzagten Repliken (z.B. Florian Freistätter auf den ScienceBlogs), die gerne – zumindest zum Teil – von dem leben würden, was sie produzieren. Aber auch sie scheinen zu spüren, dass da ein Zug in eine andere Richtung lostuckert. Aber darf man das? Darf man alle hergebrachten Prinzipien von Eigentum, Urheberschaft, eigener Leistung und was weiß ich alles einfach umwerfen, bloß weil es geht? Und wie wird das werden? Und legt ihr wenigstens noch eine kleine Pause, so dass ich noch ein paar Jahre so leben kann, wie ich es gewohnt bin?

Versteht mich nicht falsch, Jungs. Das ist eure Zukunft. Aber ich, ich versteh das alles nicht mehr und ich ertappe mich immer häufiger dabei, nur die Gefahren zu sehen bei eurem neuen Leben: wenn ihr euren virtuellen Rummelplatz zum RTL2-Nachmittagsprogramm machen wollt, bitte sehr, aber ich bin jetzt mal weg. Auf der anderen Seite, bei den alten Säcken.

Und deshalb suche ich mir Rezepte aus dem vorigen Jahrtausend. Rezepte, die zu mir passen. Fündig geworden bin ich jetzt erst mal 1996:

Morchel-Lasagne a la Wille Brass

(essen & trinken 12/96, für 4-6 Portionen)

Für den Nudelteig
250 g Hartweizengrieß mit 1 Ei und 3 Eigelb, 1 Prise Salz und 2-3 EL Wasser mit den Knethaken vermengen. Dann mit den Händen zu einem glatten teig kneten und in Folie verpackt etwa 30 Minuten ruhen lassen. Anschließend mit der Nudelmaschine nach und nach immer dünnere Platten ausrollen.

Je 6 Lasagneblätter von 6, 7 und 8 cm Durchmesser ausstechen. Portionsweise in reichlich kochendem Salzwasser 3-4 Minuten garen und abgetropft zwischen dünn mit Öl bepinselte Folieblätter legen.

Für das Ragout
50 g getrocknete Morcheln in einem Sieb gründlich abbrausen und mindestens 4 Stunden in 3/4 l lauwarmen Wasser einweichen. Die Morcheln ausdrücken und mehrfach gründlich waschen, eventuell halbieren. Das Morchelwasser filtern und auf 100 ml einkochen lassen. 3 Schalotten pellen, klein würfeln und in 40 g Butter glasig dünsten. Die Morcheln dazugeben und andünsten. Dann mit 2 EL weißem Portwein ablöschen und mit dem Morchelfond und 250 g Creme Double offen in etwa 6-8 Minuten bei großer Hitze einkochen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Aus 2 Eigelb, 2 EL Weißwein, 1 EL Zitronensaft
und 1/2 TL Dijon-Senf eine Hollandaise verquirlen, langsam erhitzen und 90 g geschmolzene Butter einrühren. In kaltem Wasserbad abkühlen lassen.

Die grossen Lasagneblätter nebeneinander in eine gebutterte feuerfeste Form legen, die Hälfte des Morchelragouts darauf verteilen und mit etwas geriebenem Parmesan bestreuen. Dann die mittelgroßen Nudelblätter darauf legen, den Rest Morchelragout darauf verteilen und wieder mit Parmesan bestreuen. Mit den kleinen Blättern abdecken, Hollandaise darüber löffeln und wieder mit Parmesan bestreuen. Mit je einer Morchel garnieren und bei 200 Grad auf der mittleren Einschubleiste im Ofen 5-7 Minuten überbacken.

 

Da die Fußball-Bundesliga englische Woche hat, reiche ich diesen Beitrag ein beim Event: „Das Eckige muss ins Runde“ und lade schnell alle Vegetarier aus dem Bekanntenkreis ein, weil es nicht allzu häufig vorkommt, dass bei uns noch nicht mal Speck oder Fleischbrühe verwendet wird.

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Hmmh.

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Hmmh.

Au Mann. Was ist denn heute für ein Tag? Freitag? Schreibt Robert Freitags? Nö, das wär ja schon heut‘ morgen dagewesen.

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Hmmh.

Au! Da! Heike hat Rücken. Die Arme. Aber schöner Rücken eigentlich. Ein bisschen wenig Text. Na ja, bei den Schmerzen.

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Hmmh.

Soll ich vielleicht selbst was schreiben? Och nöö.

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Mir is sooo langweilig.

 

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