Rate Mahl

Immer wieder die Frage: „Was gibt es denn heute zu essen?“
Ab heute meine Antwort: Rate Mahl …

(Wegen technischer Defizite des Bloggers und wohl auch der Platform?) nur auf einer eigenen Seite und nur mit Javascript!
Auch Rater ohne Tastatur werden sich schwer tun und alte Browser …

Marktanalyse

Der Lüneburger Wochenmarkt reagiert nervös auf spanische Erbeeren!

Hannover legt Märkte an die Leine!

An der Küste brechen die Märkte zusammen!

Märkte in Schieflage!

Märkte im Sinkflug!

Wenn man sich bei allen Überschriften, in den die „Märkte“ vorkommen, einen Gemüsestand vorstellt – in Schräglage, zitternd, beunruhigt, dann wird die Lage in der Tat bedrohlich.

Keine Lammkeule

Am Wochenende gab es mal wieder „keine Lammkeule“. Was nicht ungewöhnlich ist, denn so etwas gibt es bei uns öfter. Weil es aber keinen Spaß macht, immer das Gleiche nicht zu kochen, habe ich mich kurzerhand ins Auto gesetzt und einen kleinen Ausflug zum Heidemetzger gemacht: Heidschnucke kaufen. Das ist saisonal und regional und Bio- schließlich koche ich ja immer mit dem Blog im Hinterkopf.

Das Problem bei der regionalen Küche ist nun allerdings: die Region. Wenn die Region nicht, sagen wir mal „Europa“ ist, dann kommt es auf die Größe der Region an. Also wie viele Menschen da leben. Erfahrungsgemäß ist es nämlich so: je weniger Menschen, umso weniger Blogger, umso weniger Rezepte, oder kennt jemand noch andere Rezeptquellen? Nur mal ein Beispiel: Ich lese manchmal einen Blog, in dem grundsätzlich „Sbrinz“ verwendet wird, wo unsereiner schnöden Parmesan reinhobeln würde. Das will ich natürlich auch. Lebe aber in der falschen Region. Mein (sehr ordentlicher) „Maitre de Fromage“ zeigt mir mit ausgebreiteten Armen, wie groß so ein Sbrinz-Laib ist. Und zeigt mir dann mit tränenden Augen, wie groß sein Kundenkreis ist. Soviel zur Region.

Aber zurück in die Lüneburger Heide, die es ohne die Heidschnucke nicht (mehr) gäbe. Denn außer dieser alten, anspruchslosen Rasse (vorwiegend die „Graue Gehörnte Heidschnucke“) traut sich kaum ein Lebewesen in dieses Gebiet. Und wer würde dann das Heidekraut verbeißen, den Baumbewuchs kleinhalten und die Spinnennetze zerstören, in denen die armen Honigbienen immer so erbärmlich verenden, bevor sie den guten Heidehonig zuhause abgeliefert haben? Man sollte also denken, dass hier die Metzgereien und Fleischabteilungen mit Schnuckenbraten überquellen. Aber weit gefehlt: man setzt es, wenn’s hoch kommt, den Touristen als Spezialität vor und isst Schweinebraten.

Vielleicht liegt es an der Region: Wenige Menschen, noch weniger Blogger, keine Rezepte (zumindest nicht mit der Suche bei Fool for Food und nicht nennenswert bei Man kann’s essen). Aber Frau T. bestand ohnehin auf eine Zubereitung „ohne Spirenzchen“, um dem unverfälschten Geschmack nachzuspüren. Die Wahl fiel auf „Kräuter-Lammkeule aus dem Ofen “ auf Küchenlatein.

Das Ergebnis: das Fleisch war mager, zart, dunkel und butterweich. Und – siehe Titel – keine Lammkeule. Wem Lamm zu sehr nach Lamm schmeckt und noch nicht vollständig auf die OttoLenghi-Seite gerutscht ist, sollte das mal probieren: delikat; der oft erwähnte Wildgeschmack ist auch nur sehr dezent. Mein Heidemetzger meint natürlich, das läge an der Region, also am Futter, und lächelt nur milde, als ich ihm erzähle, dass ich jetzt mal eine Schulter beim Verein der Schweizer Heidschnuckenhalter bestellen wolle, um zu sehen, wie das mit saftigem Almgras anstatt dürrem Heidekraut schmeckt.

Anmerkung 1: Ulrike von Küchenlatein macht zur Lammkeule eine für mich neue Kartoffelzubereitung, die mich sehr begeistert hat: erst mit Knoblauch anbraten, dann in wenig Gemüsebrühe gar dünsten – lecker. Das mag an den guten Heidekartoffeln gelegen haben, ich glaube aber, dass man damit auch süddeutsche Hungerknollen aufpeppen kann.

Anmerkung 2: Wenn man hier in der Heide herumirrt, um Heidschnuckenfleisch zu finden, dann landet man natürlich auch bei Schäfern und Schäfereien. Und wenn man mit denen redet, dann hört man ein dezentes Klagen: nicht nur dass die EU seit 2010 eine „Elektronische Einzeltierkennzeichnung“ fordert, die zur Seuchenbekämpfung hie und da Sinn machen mag, aber für kleine Herden widersinnig, hochgradig bürokratisch und ruinös ist. Richtig unangenehm ist die auch seit 2010 gültige „EU-Verordnung 853: Ausstattung Schlachträume“, die nahezu überall das Ende der Selbstvermarktung bedeutet und jede Schaf- oder Schnuckenherde zum teuren Hobby macht. Ich bin durchaus dafür, dass es tierschutzrechtliche und Hygieneverordnungen geben sollte, wenn Fleisch in den Handel kommt. Es beunruhigt mich aber, dass meinem Wunsch nach regionalen Metzgern und Direktvermarktern offensichtlich nur geringe Priorität beigemessen wird, dass aber auf meine Gesundheit und mein Körpergewicht in einem Maße geachtet wird, die mich schwindelig macht. Es mag sein, dass irgendwer eine neue Definition für „Wohlergehen“ gefunden hat, ich glaube aber, dass es – wenn wir die Banken endlich im Griff haben – Zeit ist für „Occupy Leberwurst“. Für eine Übersicht all der Zumutungen, die uns in den letzten Jahren so zugedacht wurden, empfehle ich die Polemik von Harald Martenstein: Der Terror der Tugend – eine lange Liste!

Q12: Der Brief

Liebe Heike,

Ich habe für diese Anrede eigens deinen Font verwendet, damit du dich etwas heimischer fühlst – es wird nämlich nicht leicht …
Ich weiß nicht, ob du schon mal im Fernsehen in einem Krimi folgende Szene gesehen hast:

Eine Hausfrau steht am Herd und rührt in einem großen Topf. Als es klingelt, bindet sie sich die Küchenschürze ab, trocknet die Hände und öffnet die Tür. Dort stehen zwei Polizisten und blicken so traurig sie nur können. „O nein!“ ruft die Frau und sinkt in Ohnmacht (alternativ: bricht in hemmungsloses Schluchzen aus).

Oder – andere Szene:

Auf einem spärlich beleuchteten Krankenhausflur sitzt eine vor Gram gebeugte Gruppe von Menschen und kaut an den Fingernägeln. Die Nägel werden immer kürzer, die Mienen immer besorgter und die Zeit zieht sich wie ein alter Kaugummi. Plötzlich öffnet sich die Tür zum OP-Saal und heraus tritt eine weiß gekleidete Heldengestalt. Aber trotz des heroischen Auftritts ist allen Beteiligten sofort klar, was passiert ist und sie fallen reihenweise in Ohnmacht (alternativ: brechen in hemmungsloses Schluchzen aus).

Warum ich das jetzt erwähne? Nun, manchmal ist es – im Leben wie im TV – nicht leicht, die richtigen Worte zu finden: Also, liebe Heike, ähem, wie soll ich sagen, der Mönch: es geht ihm nicht gut!

Du musst jetzt ganz stark sein und wenn du willst, kannst du ganz vorsichtig mit der Maus auf die Schilder unten zeigen (alle anderen halten sich natürlich aus Pietätsgründen strikt an die Beschriftung!).


 


Ich weiss, es sieht nicht gut aus! Aber ich verspreche dir, dass ich alles Menschenmögliche tun werde, um das Schlimmste noch abzuwenden. Leider sind die örtlichen Experten etwas ratlos und benehmen sich, als hätten sie es mit einem Alien zu tun! Dabei kommt er doch nur aus Italien, der Kleine.

Ich halte dich auf dem Laufenden.

Viele Grüße aus dem Norden
Dein Michael

 

Unbemerkt

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wird derzeit in Mitteleuropa flächendeckend ein Großversuch durchgeführt. Die Forscher, die aus je einem Topf des Bundesforschungsministeriums und des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz großzügig gefördert werden, gehen der spannenden Frage nach: Können Erdbeeren schwimmen?

Für die Erdbeere wird – unter anderem wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehaltes – von Experten eine tragende Rolle bei der Welternährung erwartet. Unter anderem werden jetzt schon mehr Joghurt- und Quark-Zubereitungen verkauft, als die weltweite Ernte eigentlich hergibt. Es ist vor allem diese der Pflanze offensichtlich inhärente Tendenz zur Auto-Vermehrung, die das Interesse der Wissenschaftler weckt.

Leider gehen durch die Klimaerwärmung die herkömmlichen Anbaugebiete der Fragaria ananassa sehr stark zurück. Da gleichzeitig aber die Niederlande demnächst unter Wasser liegen dürften, würden große Flächen für den Erdbeeranbau frei, wenn es gelänge nachzuweisen, dass z.B. die Senga Sengana dazu überredet werden kann, rechtzeitig die Prüfung zum Freischwimmer abzulegen. Kleinere Pflänzchen könnten sich vorläufig auch schon mit dem „Seepferdchen“ qualifizieren.

Insgesamt ist das Forschungsvorhaben also durchaus zu loben; warum aber findet es quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt?

In den vergangenen Jahren konnten entsprechende Versuche nur im Labor durchgeführt werden. Jetzt aber hat das BMELV endlich einen Freilandversuch genehmigt. Dazu musste nun aber das Klima so beeinflusst werden, dass es mehrere Wochen ausdauernd regnet. Den beteiligten Stellen war natürlich klar, dass diese notwendige Maßnahme nicht überall auf Zustimmung stoßen würde – man erwartete Protestaktionen, Bürgerinitiativen, sowie wilde Flüche von aufgebrachten, der Wissenschaft abholden Menschen.

Man entschloss sich also kurzerhand, den Beginn des Forschungsvorhabens nicht zu veröffentlichen, wollte es aber aus Rücksicht auf die Bevölkerung zunächst auf 14 Tage beschränken. Durch einen Software-Fehler wurde dann allerdings der Wolken-Injektions-Stoff zu großzügig dosiert, was zu einer geringfügigen Verlängerung um zwei bis drei Monate führen dürfte. „Klasse, da werden unsere Ergebnisse noch aussagekräftiger!“ freute sich einer der beteiligten Forscher. Für eine offizielle Stellungnahme waren aber weder Forscher noch Ministerialbeamte zu gewinnen.

Übrigens: Die Tatsache, dass man paranoid ist, bedeutet nicht notwendigerweise, dass man nicht verfolgt wird.

Kartoffeln

Der österreichische Schriftsteller Peter Altenberg musste sich als Gymnasiast in einem Deutsch-Aufsatz Gedanken über den „Einfluß der Entdeckung Amerikas auf die Kultur Europas“ machen. Nach längerem Nachdenken, so erzählt er zumindest, hat er sich auf ein Wort beschränkt: Erdäpfel.

Es hat etwas gedauert bis ich, ich hatte schon weitergeblättert, den Gedanken nicht mehr los wurde, dass da eventuell etwas dran sein könnte. Auch bei österreichischen Schriftstellern weiß man ja nie, ob nicht auch mal ein kluger Gedanke dabei ist.

Mit den heutigen Möglichkeiten der Internet-Recherche, so dachte ich, müsste es doch möglich sein, herauszufinden, ob sich tatsächlich auch heute noch Spuren dieses kostbaren Kulturgutes finden lassen:

234 Solanum tuberosum L

Pellkartoffeln
Salzkartoffeln
Röstkartoffeln
Bratkartoffeln
Grillkartoffeln
Ofenkartoffeln
Rosmarinkartoffeln
Safrankartoffeln (in Kokosmilch)
Macairekartoffeln
Kartoffelpuffer
Rösti
Kartoffel-Gnocchi
Kartoffel-Schupfnudeln
Schnittlauch-Kartoffeln (Schwedische)
Pommes frites
Kartoffelpüree
Rohmbläddle
Stampfkartoffeln
Erdäpfel-Gulasch
Grumbiere-Salat
Bechamel-Kartoffeln
Kartoffelgratin
Kartoffelbeignets
Kartoffelchips
Kartoffelklöße (schwäbische)
Kartoffelklöße (halb und halb)
Kartoffelkroketten
Pariser Kartoffeln
Kartoffelpfannkuchen
Kartoffelring
Herzogin-Kartoffeln
Kartoffel-Pudding
Kartoffel-Eis
Kartoffelauflauf
Kartoffelbällchen
Pillekuchen
Weinkartoffeln (Pfälzer)
Strohkartoffeln
Kräuterkartoffeln
Haselnusskartoffeln
Senfkartoffeln
Ballonkartoffeln
Anna-Kartoffeln
Reiberdatschi
Pommes allumette
Pommes paille
Dampfkartoffeln
Gratin dauphinois
Pommes de terre mousseline
Pommes rissolées
Geschmolzene Kartoffeln
Pommes à la boulangére
Pommes de terre Lorette
Kartoffelsuppe
Kartoffelomelett
Kartoffelspalten
Kartoffelecken
Kartoffelwürfel
Kartoffelkuchen (hessisch)
Dibbelabbes
Schlutzkrapfen
Slastamppot
Kartoffelsterne (auf grüner Wiese)
Blechkartoffeln

Und (außer Konkurrenz)
Futterkartoffeln
Stärkekartoffeln
Kartoffelkäfer
Kartoffelschorf

Irgendwie hab ich dann die Lust verloren. Aber ich denke, es reicht für die Erkenntnis: Ganz Europa ist infiziert. Quod erat demonstrandum.

Rhabarbertarte

So ein Food-Blogger hat ja ein angenehmes Leben: Immer was Warmes zu essen und Zutaten dürfen ab und zu auch schon mal etwas teurer sein, weil die Haushaltskasse ja durch das Hobby-Budget gestützt wird. Deshalb beneide ich die auch immer ein wenig, wenn ich meinen erwärmten Tiefkühlbeutel aufreiße.

Jetzt hat mir aber einer erzählt, dass das auch ganz schön stressig sein kann. Und zwar wegen der Säsong. „Säsong“, sagt er, „Säsong ist ganz, ganz wichtig! Auf nix reagiert ein Blog-Leser allergischer als auf die Säsong! Einmal Spargel im Weihnachts-Menu und Schluss! Den Blog liest kein Mensch mehr, da kannste dich auf’n Kopp stellen; Schluss! Finito! Amen!“

„Kann es sein“, frage ich, „ist es vorstellbar, dass du ein wenig übertreibst? Wer hat denn heute noch einen Schimmer von saisonalen Produkten? Und woher auch. Das Gemüseregal sieht rund ums Jahr exakt identisch aus – der Verbraucher mag nämlich keine Überraschungen. Und wenn man dann mal über Land fährt, dann stehen da so kleine grüne Pflänzchen auf den Feldern, die mal alles Mögliche werden können. Und wenn man dann später wieder vorbeikommt, ist schon abgeerntet. Wie soll man da was über die Säsong wissen? Oder weißt du, ob da unter den Folien Spargel wächst oder Rosenkohl?“

„Aber genau das isses doch! Genau das macht die Säsong für den Blogger doch so gefährlich! Ich sag dir: die ganze Säsong ist für den Blogger ein einziges großes Fettnäpfchen. Ganz schlimm sind Erdbeeren. NIEMALS Erdbeeren außerhalb der Säsong! Noch schlimmer als Spargel!“

„Und wann, bitte, ist denn nun Erdbeer-Säsong?“

„Ganz einfach: Sobald sich der erste Blogger traut. Gut, der erntet vielleicht noch ein bisschen Kopfschütteln. Erdbeeren im Februar! Aber weiß man’s? Auf jeden Fall: damit ist die Erdbeer-Säsong eröffnet. Schnell raus mit den Erdbeer-Rezepten, die interessiert nächste Woche kein Schwein mehr!“

„Oh, Oh! Und wenn du jetzt gerade Rhabarber im Garten hast? Dann müssen die Rhabarber-Rezepte warten, oder was?“

„Garten! Vergiss bloß den Garten! Was hat der denn mit Säsong zu tun? Schau mal, wenn die Südlichter gerade ihr Erdbeer-Balsamico-Schäumchen posten, dann sind wir hier doch gerade mal beim Schnee-Schaufeln! Wenn du Food-Blogger werden willst: Vergiss den Garten!“

Okay, ich bleib dann mal lieber beim Tiefkühlbeutel. Stress tut mir nämlich überhaupt nicht gut. Und, auch wenn ich es mich jetzt kaum zu sagen traue: Ich hab noch Rhabarber im Garten. Und ein Rezept in petto, das der Nachwelt überliefert werden muss:

Rhabarber-Tarte

  • 1 kg Rhabarber schälen, in Scheiben schneiden, mit 80 g Zucker bestreuen und 30 Minuten ziehen lassen. Dann in einer großen Pfanne schmoren, bis die Flüssigkeit fast verdampft ist. Durch ein Sieb abtropfen lassen.
  • Inzwischen aus 250g Mehl, 125 g (kalter) Butter, 100 g Zucker, 2 Eigelb und 1 El Milch schnell einen Mürbeteig kneten und, in Klarsichtfolie eingewickelt, 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen
  • Teig auf bemehlter Arbeitsfläche ca. 3mm dünn ausrollen, in eine gebutterte Springform legen, mehrmals mit einer Gabel einsteechen.
  • 2 Eier und 60 g Zucker und das Mark 1 Vanilleschote im heißen Wasserbad cremig auf- und danach kalt abschlagen. Mit 20 g Speisestärke (gesiebt), 120 g Creme fraiche und 80 g Magerquark mischen und über den Rhabarber gießen
  • Im vorgeheizten Ofen (200° Ober/Unterhitze) 20-25 Minuten backen. 5 Minuten vor Backende mit 1 TL Puderzucker bestreuen. Nach dem Backen 10-15 Minuten auf einem Rost auskühlen lassen

Allerdings: Wer diese sehr feine Tarte, bei der das Rhabarber-Kompott mit dem Vanillearoma des edlen Eiergusses und dem etwas bröseligen Mürbeteig eine noch nie dagewesene Harmonie eingehen, der muss sich schon etwas sputen. Der Rhabarber hat nämlich wirklich eine Säsong. Wann die beginnt, bestimmt wie gesagt der erste Blogger, der sich traut. Aber wann sie endet, ist seit Jahrhunderten überliefert:

Exakt am 24.Juni jeden Jahres, wahrscheinlich gegen 0:15h, wird Rhabarber schlagartig giftig!

Alle neumodischen Spinner, die etwas anders behaupten, von Oxalsäure schwafeln, die sich langsam aufbaut und sogar den 1. Juli noch für ernte-geeignet halten, haben keine Ahnung. Es ist nämlich so, dass der 24.Juni der Johannes-Tag ist, auch Johanni genannt. Und genau diesen Tag sucht sich der Rhabarber für den zweiten Wachstumsschub aus, der – na? – auch Johannistrieb heißt. Warum in aller Welt sollte der so heißen, wenn es auch ein anderer Tag sein könnte? Wichtig ist aber: dieser zweite Wachstumsschub ist wichtig, damit man nächstes Jahr wieder Rhabarber ernten kann. Und deshalb sollte man der Pflanze dabei etwas Ruhe gönnen und nicht an ihr rumschnippeln, giftig hin, giftig her.

„Ich pfeif jetzt auf die Säsong“, höre ich von hinten, „ich mach jetzt auf nachhaltig, das kommt auch gut an!“

Tischgespräche
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