Haferflocken, Bolo, Zucchini

Ich wusste es. Oder ich habe es zumindest geahnt: Es gibt Veganer, die kein Soja vertragen, oder ihn nicht (mehr) mögen. Wahrscheinlich gibt es auch Veganer mit einer Kichererbsen-Unverträglichkeit. Oder welche mit einer Hefeflocken-Allergie. Wenn nicht die Gefahr bestünde, dass dieser Blog auch von Minderjährigen gelesen wird, würde ich sagen, die haben die Arschkarte gezogen, so muss ich mich vorsichtiger ausdrücken: So eine verdammte Scheiße! Das ist nicht fair, und das sollten sich alle vor Augen halten, die nach einem Chili con carne etwas häufiger pupsen müssen als sonst. Es gibt Schicksale, die toppen alles.

Küchentagebuch, Montag 31. Mai 2021

Und das alles, weil ich eine Zucchini gekauft habe

Hummus, Karotten, Fladenbrot

Chamoy ist ein französisches Dorf im Département Aube. Es hat hat eine Kirche aus dem 15. Jahrhundert, ein Schloss und 509 Einwohner. Und überhaupt nichts zu tun mit der mexikanischen Sauce zu dem Röstkarottensalat da unten. Leider. Ich hätte gerne davon erzählt, dass der Gemeinde-Priester seine schwangere Haushälterin zu einem Glaubensbruder nach Mexiko schickte, wo sie mit ihrer Sauce alle Junggesellen – und nicht nur die – schwer beeindruckte und so ihren schlappschwänzigen Pater zu Hause bald vergessen konnte. Oder dass der Graf von und zu Chamoy sich rettungslos in eine Azteken-Prinzessin verliebte, sie aber trotz jahrelangen Werbens nicht für sich gewinnen konnte. Nur die Sauce, die er immer wieder für sie gekocht hatte, erinnert heute noch an ihn. Aber wie gesagt: Es gibt keinen Zusammenhang. Leider.

Küchentagebuch, Sonntag 30. Mai 2021

  • Hummus mit Zitrone, Knoblauch und Chili (Ottolenghi Flavour, Rezept)
  • Röstkarotten-Salat mit Chamoy (Ottolenghi Flavour, Rezept)
  • Fladenbrot
Beides zitronig, beides gut

Pfannkuchen, Pilze, Salat

Morgen muss ich ohne Curryblätter auskommen. An frische Curryblätter komme ich hier spontan nicht ran. Auch un-spontan ist das schwierig, aber immerhin machbar. Macht nix, ich koche ja regional. Und in der Region, in der es Curryblätter an jeder Ecke gibt, gibt’s dafür keinen Spargel, nur zum Beispiel. Manchmal habe ich den Verdacht, dass das mit der Region hauptsächlich von den Leuten hochgehalten wird, die wissen, dass das zu ihren Lebzeiten nicht soo Ernst genommen werden wird. Keine Amalfi-Zitronen, keine Tropea-Zwiebeln, keine Puy-Linsen, vielleicht noch nicht mal Bamberger Hörnchen. Auf jeden Fall kein Carnaroli-Reis – also kein Risotto mehr. Ooch, so ein klitzekleines bisschen Welthandel macht doch nichts, oder?

Küchentagebuch, Samstag 29. Mai 2021

  • Pfannkuchen mit Rahmschwammerl *) (Champignons, Kräuterseitlinge, Shiitake – den Pilzanteil des Jägerschnitzel alla Italia aus einem e&t 2001 mit weniger Sahne)
  • Gemischter Salat
  • Pfannkuchen mit Orangen- oder Zwetschgen- oder Brombeermarmelade

*) Wie sagt man, wenn statt Rahm Ziegenfrischkäse verwendet wird? Ziegenfrischkäseschwammerl?

Jäger-Pfannkuchen

Limette, Risotto, Spinat

Die Welt ist zweifellos überbevölkert. Aber das hat immerhin ein paar Millionen Jahre gedauert. Das Internet ist über-überbevölkert und das ging rasend schnell. Ich rede hier nicht von TikTok, Instagram, Telegram und. Ich meine das ganz normale Internet: jemand weiß was, kann was und veröffentlicht es. Ein anderer will was wissen, braucht was und sucht. Das war in den Anfängen fast nicht möglich, und gerade deshalb faszinierend, wenn es doch mal geklappt hat. Aber richtig funktioniert hat es ehrlicherweise erst mit Google. Und richtig überhand genommen hat es, weil Google kostenlos war, aber Geld brauchte (und natürlich die Hardware besser, die Infrastruktur ausgebaut und mit den Smartphones alles zugänglicher wurde). Jetzt findet man Werbung, wahrscheinlich Werbung und ganz sicher Werbung. Das ist (in Maßen) nicht schlimm, aber als jemand der hie und da ein Rezept oder eine Anregung sucht, vermisse ich ein wenig die guten alten legendär schlechten Rezepte auf chefkoch.de. Die schlechten Rezepte werden nämlich mit Farbfotos und Werbeeinblendungen nicht besser. Gestern bin ich auf eine Seite gestoßen, die (bis auf die fehlende Suchfunktion) meinen Bedürfnissen ziemlich nahe kommt. Und ich musste mit Erschrecken feststellen, wie sehr mich die spartanische, aber logische „Benutzerführung“ schon anstrengt und überfordert, dabei ist das ganz einfach. Nehmen wir mal an, jemand möchte Knödel machen und weiß aus irgendwelchen Gründen nicht, was für welche. Dann klickt er erst mal auf „Profi„, weil er natürlich ein Profi-Rezept will („Amateur“ ist man schließlich selbst und zwar der beste). Dann sucht man sich eine Kategorie oder in diesem Fall die Mega-Kategorie Knödel aus (click). Jetzt könnte man gleich ein Rezeptbuch Knödel auswählen und erhielte dann ein PDF mit allen Knödelrezepten eines bestimmten Jahrgangs von allen Profiköchen. Aber wenn man schon weiß, dass die Knödel in einer Suppe landen sollen, dann tippt man besser auf die Kategorie Suppen und findet dort zum Beispiel eine „Gemischte Knödel-Suppe mit Rind“ (click) oder eine „Sellerie-Creme-Suppe mit Spinatknödeln“ (click) und – schwupps – schon hat man ein PDF. Ohne Bilder, ohne Werbung, ohne Einblendungen. Über die Qualität der Rezepte kann ich noch nichts sagen, aber der Nostalgie-Faktor ist hoch. Ausprobieren!

Küchentagebuch, Freitag 27. Mai 2021

  • Spargel-Creme-Suppe
  • Limetten-Risotto mit Spinat und Mascarpone (!) (aus essen&trinken und – gerade entdeckt – auch hier bei 🌶; das Ausrufezeichen heißt: ja, mit Mascarpone!)
Mit! Mascarpone, cremig gut

Wildschwein, Püree, Spinat

Mit der Empathie ist das so eine Sache in Europa (wie übrigens auch auf der ganzen Welt). »Es tut mir leid, dass ich Ihnen auf den Fuß getreten bin, ich weiß wie Sie leiden, welchen Schmerz ich ihnen mit meiner Unachtsamkeit zugefügt habe und das Bedauern wird in mir wüten und meine Eingeweide zerreißen, bis ich Sie wieder – wenigstens ein wenig – habe lächeln sehen.« So oder so ähnlich laufen normalerweise Unterhaltungen im deutschen ÖPNV ab, empathisch halt. Ein Spanier stattdessen murmelt ein mageres »lo siento«, ich fühle es. Oh je, er fühlt es, eine Bemerkung, der man schon anhört, dass sie nicht ernst gemeint ist, bevor das Gegenüber den Mund geschlossen hat. Portugiesen hängen mit »sinto muito« wenigstens noch ein »muito« an, was es aber nicht viel besser macht. Und das italienische »mi dispiace« könnte man gar als »es missfällt mir« übersetzen, als wäre es meine Schuld, dass ich blöd im Weg rumstehe. Während das holländische »Het spijt me« wahrscheinlich nicht so abweisend gemeint ist, wie es sich auf Deutsch anhört, sind die Franzosen mit »Je suis désolé« wieder etwas mitfühlender, schließlich übersetzt leo.org se désoler mit betrübt sein, traurig sein, aber auch untröstlich sein. Dennoch zeigt sich: Europa müsste insgesamt um einiges empathischer werden, wenn das was werden soll mit der Union. Und man könnte damit anfangen, dass sich die Experten bei der Wettervorhersage dafür entschuldigen, was sie da vorhersagen, weil »het spijt me«.

Küchentagebuch, Donnerstag 27. Mai 2021

  • Wildschwein-Filet mit Portwein-Sauce
  • Kartoffelpüree
  • Limetten-Spinat (wie kürzlich in Österreich)
Spinat mit Limette schmeckt auch zu Wild

Spargel, Schinken, Bérnaise

Heute habe ich den Spargel direkt auf dem Feld gekauft. Also ich und die Verkäuferin, wir waren am Rand des Feldes und der Spargel auf dem Feld unter der Folie. Auf jeden Fall habe ich angehalten, obwohl ich ohnehin auf dem Weg zum Markt war. Wie lang der Spargel auf dem Markt schon rumliegt! Und wie teuer er dort ist! Die Transportkosten, die Kühlung, die Autobahnmaut. Ich weiß nicht, ob jede Spargelstange aus Australien einen Sitzplatz hat, aber auch in der Holzklasse geht das sicher ganz schön ins Geld. Nö, ich kaufe hier, von der Bauern-Familie früh morgens aus der regionalen Erde gewutzelt, fachmännisch gelagert, bis ich – König Kunde – vorbeikomme und ihnen die Tages-Ernte abnehme. Andererseits, wenn ich so darüber nachdenke: Das Feld war menschenleer, die Fingernägel der Verkäuferin blitzeblank sauber. Ob die vielleicht den Spargel vom Markt hierher herausgefahren haben, um mich übers Ohr zu hauen? Denkbar wärs.

Küchentagebuch, Mittwoch 26. Mai 2021

… und Kartoffeln

Pasta, Ingwer, Hack

Bei uns fährt grob geschätzt ein Zug am Tag. Ich fahre – zumindest seit März 2020 – nicht öfter als einmal pro Woche auf der Straße, die die Gleise kreuzt. Und seit gefühlt mehreren Monaten verbringe ich einen Großteil meiner Lebenszeit vor einer geschlossenen Schranke. Ich überlege jetzt Lotto zu spielen, da mein Talent offensichtlich in der Anhäufung unwahrscheinlicher Ereignisse liegt. Allerdings liegt die Lottoannahmestelle auf der anderen Seite der Bahntrasse.

Küchentagebuch, Dienstag 25. Mai 2021

Einfach, schnell, gut.

Hummus, Knoblauch, Pilze

Quasi beim Brotbacken, genauer beim Anrühren eines Hefe-Vorteiges, habe ich eine etwas ältere Folge meine Lieblings-Sendung im SRF, der Sternstunde Philosophie, angesehen. Der Gast in dieser Folge ist Philipp Blom, der nebenbei die Menschheit mit Hefezellen vergleicht. Sinngemäß: Wenn man so ein paar Hefezellen in eine zuckrige Lösung gibt, dann denken die Hurra, das ist das, was ich schon immer wollte, und vor lauter Freude entwickelt sich eine gigantische Bevölkerungsexplosion, welche allerdings dabei ihre Umgebung verändert. Irgendwann ersticken die Hefezellen dann an ihren eigenen Ausscheidungen und verhungern, was dann letztlich zum Absterben der Hefezellen führt. Herr Blom hält es für eine intellektuelle Beleidigung, dass wir offensichtlich auch nach Millionen von Jahren Evolution der Hefezelle nichts voraus haben. Darüber darf mein Vorteig jetzt 24 Stunden nachdenken – sofern Hefezellen mehr Neigung zum Nachdenken entwickelt haben als die Menschen.

Küchentagebuch, Montag 24. Mai 2021

  • Hummus mit konfiertem Knoblauch und gegrillten Pilzen (ein Flavour-Ottolenghi, hier und hier auf Englisch, hier mein PDF)
  • Fladenbrot
  • Rhabarberkompott/Rhabarberparfait
Eigentlich bin ich gar kein Hummus-Fan, eigentlich.

Schweinebraten, Semmelknödel, Krautsalat

Dass der Mensch die Sprache erfunden hat, war im Prinzip keine schlechte Idee. Aber wie alle Im-Prinzip-Ideen halt nicht ganz ausgereift. Das spanische Verb esperar zum Beispiel heißt warten. Aber auch erwarten. Und auch hoffen. Ich warte auf dich. Ich erwarte aber schon, dass du kommst. Oh bitte, ich hoffe, du kommst. Dazwischen liegen Welten! Dabei gibt es so viele Buchstaben auf der Welt – und man könnte gut noch ein paar dazu erfinden, die man in unendlichen Kombinationen zu sogenannten Wörtern aneinanderreihen könnte, aber trotzdem gibt es nur das eine Wort esperar. Natürlich nicht nur auf Spanisch, auch im Deutschen: Treffen sich zwei Jäger. Das kann der Anfang von etwas sein, aber auch schon das Ende.

Küchentagebuch, Sonntag 23. Mai 2021

  • Knuspriger Schweinsbauch (der hier kommt aus der Tiefkühltruhe, aber ich darf seit dem 14. Dezember 2015 ohnehin nur noch den von der Küchenschabe machen, sozusagen den schäbigen)
  • Semmelknödel mit Speck (gedämpft, nach einem Rezept von Nur das gute Zeug)
  • Gebrühter Krautsalat (Schuhbeck, hier auch im Netz)
Die Wahnsinnskruste überlebt die TK natürlich nicht, aber sonst..

Aubergine, Tomate, Aprikosen

Man kann sich auch an kleinen Dingen freuen – größere gibt es ja im Moment recht wenige. Heute zum Beispiel hatte ich vergessen, dass zu einem marokkanischen Gericht natürlich auch Minze gehört. Die hat letztes Jahr im Garten sehr geschwächelt, und da ich es nicht lassen konnte, trotzdem zu ernten, war ich eigentlich davon überzeugt, dass da nicht mehr viel zu holen ist. Aber hallo! Kaum lässt man die auch nur ein kleines bisschen unbeobachtet: Alle drei Sorten stehen da lehrbuchreif und erntebereit. Vielleicht weil sie in Rufweite zum Rhabarber stehen und die sich gegenseitig hochschaukeln. Mir kanns nur recht sein. Gibt es ein Rezept mit Rhabarber und Minze?

Küchentagebuch, Samstag 22. Mai 2021

  • Kefta-Tajine wie vom Souk (der Titel ist ein wenig großspurig, aber wenn das Rezept so gut ist, lass ich mit mir reden)
  • Fladenbrot
  • Rahabarber-Parfait
Wie im Souk? Auf jeden Fall gut.
Tischgespräche
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