KW 21-22

Die spanische (und die portugiesische) Sprache haben meines Wissens – zumindest in unserem Sprachraum – eine Besonderheit. Es gibt mit ser (soy, eres, es, somos, sois, son) und estar (estoy, estás, está, estamos, estáis, están) zwei Übersetzungen für das Verb sein. Natürlich ist es sehr viel komplizierter, aber die gängige Erklärung für Anfänger ist: Ser nimmt man für alles, was immer so ist, estar für vorübergehende Eigenschaften. Und damit fangen die Schwierigkeiten auch schon an: Cuánto es? Son 120 euros. Was kostet es? 120 Euro. Hmmh, bei einer Inflationsrate von 8 oder 9 Prozent, wie lange bleibt dieser Preis gleich? Seid ihr mal langsam an einer Tankstelle vorbeigefahren und habt der Anzeigetafel beim Klappern zugesehen? Kann man da von immer reden? Oder, wenn wir schon dabei sind: ich bin arm – soy pobre. Wirklich? Einmal arm, immer arm? Und was ist mit dem Tellerwäscher? Gut, das nehm ich zurück – vielleicht ist das einfach nur ehrlich. Und: er ist reich – es rico. Einmal reich, immer reich? Da sind sich die Spanier allerdings, wahrscheinlich berechtigterweise, ganz sicher. So sicher, dass sie für die andere Möglichkeit – está rico – gleich eine ganz andere Bedeutung erfunden haben; das heißt nämlich: es schmeckt gut! Genauso ehrlich, wenn auch bei einem katholischen Land etwas verwunderlich, ist die Verwendung von estar beim Familienstand: estoy casado – ich bin (im Moment gerade) verheiratet. Was sagt da der Papst dazu? Gut nur, dass die südamerikanischen Länder das nicht übernommen haben: soy casado – einmal verheiratet, immer verheiratet, wenn auch vielleicht nicht immer mit derselben Person. Und das gilt erst recht bei einem anderen Wechsel des Familienstandes: Soy viudo – ich bin verwitwet. Dem ist auch im europäischen Sprachraum eine gewisse Endgültigkeit offenbar nicht abzusprechen. Fazit: auch wenn man zunächst denken mag, eine solche Unterscheidung könne nützlich sein, tun die anderen Sprachen gut daran, es sein zu lassen. Die wenigen Vorteile rechtfertigen nicht den Umstand, dass Millionen Spanisch-Lernende sich mit so einem Mist auseinandersetzen müssen!

Montag Spareribs (und zwar Ribs, nicht Baby-Ribs oder sonst was Verzärteltes, sondern Rippchen!) mit Coleslaw. Dienstag Blumenkohl Pasta in pikanter Erdnussbuttersauce (emmikochteinfach).

Mittwoch Panierte Schnitzel mit Ofenkartoffeln, selbstgemachten Ketchup, Ofenblumenkohl mit Superspice (Anke Gröner), Blattspinat mit Tomaten und Mairübchen. Donnerstag Kräuterpfannkuchen mit Lachs und Sahne-Meerrettich (Herr Grün), Ravioli mit Ricotta-Zitrone-Füllung und Tomatensauce. Wenn ich mich recht erinnere, dann hat Herr Grass mal ein Buch mit de Titel „Beim Häuten der Zwiebel“ geschrieben, das ihm nicht gut bekommen ist. Wenn dieses Missbehagen etwas mit tränenden Augen zu tun hatte, dann hätte er besser „Beim Reiben des Meerrettich“ geschrieben.

Freitag Schweinefilet mit Scampi in Estragon-Sauce mit frischem Weißbrot. Samstag Spargel (mit Kartoffeln, Schinken und Sauce Bearnaise, wie sonst?). Sonntag Suppenfleisch mit Bouillongemüse und Meerrettichsauce (Kleiner Kuriositätenladen). Und schon ist wieder eine Woche rum.

KW 20-22

Ich für meinen Teil habe jetzt erst mal meine Pflicht und Schuldigkeit getan. Ich habe die Welt ein bisschen besser gemacht. Das ist nicht einfach und doch gerade im Moment soo wichtig. Und wenn ihr jetzt aufzählt: Schwere Waffen für die Ukraine gespendet? Im Garten ein Insektenhotel gebaut? Ein tröstendes Wort für die FDP gefunden? Einmal mit dem Bus anstatt mit dem Auto gefahren? Die Heuchler von der Tafel zurechtgewiesen? Nein, nein, nein , nein und nein. Ich habe endlich das elendige Problem der unterdrückten Frauen aus der Welt geschafft! Gerade habe ich eine Email von Duolingo erhalten, in der man mir überschwänglich für die Bitte dankt, als Übersetzung für „the architekt“ außer „l’architetto“ auch „l’architetta“ zuzulassen, sie hätten das jetzt geändert! Und damit können in Zukunft tausende ragazze ihren Traum vom Architekturstudium vielleicht nicht gleich verwirklichen, aber doch voller Zuversicht weiterträumen. Keine Ovationen bitte, ich habe das gern getan. Auch wenn ich nicht so recht verstehe, warum eine Frau Häuser bauen wollen soll, anstatt die Toilette zu reinigen oder – gerade in Italien – Nudelteig zu kneten und Ragout zu schmoren, aber bitte: Die Zeiten ändern sich halt.

Und nun zum Wochenbericht. Obwohl es am Sonntag (nein, ich fang diesmal nicht mit Montag an!) schon mit Pasta Primavera ein Gemüse-Reste-Essen gab, waren dann da noch Drillinge, Tomaten, grüner Spargel und Karotten im Vorrat. Am Montag also Ofenkartoffeln mit Spargel, Tomaten und Ziegenkäse (gaumenfreundin.de, auch erhältlich aus der Pfanne), Möhren aus dem Ofen (kochen-mit-spass.de) und Reste vom Rinderfilet. Für Dienstag waren dann leider keine Reste mehr übrig. Aber seit letzter Woche darf ich ohnehin beim Spargelkauf nicht mehr das Äußere der Spargel-Fachverkäuferin beurteilen und soll lieber auf die Qualität der Spargelstangen achten. Oh Mann! Also auf zum brummig-bärbeißigen Spargel-Fachverkäufer auf dem Dienstagsmarkt. Wieder mit Kartoffeln, Heideschinken und Sauce Béarnaise. Diesmal mit Nudeln: Linguine mit Spargel und Lachs (mankannsessen.de).

Am Mittwoch war ich in der großen Stadt. Na ja. Doch, schon groß, aber nicht ganz groß. Auf jeden Fall kann es dort im Gegensatz zu hier auf dem Dorf (Na ja. Doch, schon Dorf, aber nicht ganz klein) passieren, dass man über ein Schild „frische Entenleber“ stolpert. Und wenn dann direkt gegenüber ein schöner Mangold rumliegt, hat man ja gar keine Wahl: Mangoldfröschle mit Entenleber. Am Donnerstag mussten es mal wieder die Kardamom-Linsen mit Ricotta-Kräuter-Crespelle (lamiacucina) sein. Und als Bonus gabs für jeden noch einen Happs Salsiccia vom selben Stand wie die Entenleber. Ich weiß nicht, wie der Goldpreis gerade steht, aber sicher billiger als die Wurst.

Freitag ging die Welt unter, weshalb ich nur schnell zum Metzger ging, um Hackfleisch zu kaufen und dann auf das Ende zu warten. Das Ende kam nicht, nicht mal angedeutet. Das Hack war aber nun mal im Haus: Kleine Hackbällchen in Teriyaki-Sauce (aus einem der letzten Newsletter von lecker.de) mit Reis und Rucola-Tomaten-Salat. Und weil auch am Samstag die Welt nicht unterging (kann man sich eigentlich auf gar nichts mehr verlassen?), musste ich, da ich ja nichts mehr vorbereitet hatte, improvisieren: Tofu musste weg und Mangold lag auch noch rum: Sticky Sesam Tofu , Mangold-Tomaten-Gemüse mit Reis und Salat. (Ich glaube, Frau T. Ist nur aufgefallen, dass der Tofu abläuft, weil sie den – als erklärte Tofu-Gegnerin – ganz gern mag.) Und für Sonntag war Pizza vorgesehen. Dazu gibt es natürlich einen Salat, der nicht mehr allzu lange durchhalten wird. Da kann man also gar nicht mehr umdisponieren.

KW 19-22

Am Montag (wie komm ich nur drum rum, immer, jede Woche wieder, mit „am Montag“ anfangen zu müssen?), am Montag also werden traditionellerweise Gemüsereste aufgebraucht, die irgendein Depp am Samstag auf dem Markt gekauft hat, weil – ja warum eigentlich? An diesem Montag waren das ein kleiner Blumenkohl und ein Bund Mairübchen, die es mit Bulgur gab. Sehr gut! Man müsste am Samstag viel mehr Gemüse kaufen! Und am Dienstag war dann tatsächlich wenigstens die Hühnerfrau wieder auf dem Markt. Die richtige Gelegenheit, etwas aus dem in letzter Zeit sehr schwächelnden Feedreader zu kochen. Die Turbohausfrau schwärmt – nicht zu Unrecht – von ihrem Ginger Chicken. Ein Hühnchen mit pürierten Schalotten und – gefühlt – einem Kilo Ingwer. Wie soll man das nicht nachkochen wollen?

Am Mittwoch ist Markt im Nachbarort. Eigentlich wollte ich ein paar Pflänzchen dieser sensationellen gelben Tomaten kaufen. Gibbs leider – noch – nicht, dann halt Spargel. Schließlich hab ich meiner Gattin versprochen, bis auf weiteres einmal pro Woche Spargel, Kartoffel und Katenschinken zu machen. Und was man verspricht … Fotografiert habe ich das offensichtlich nicht – oder wieder gelöscht, oder nicht mehr gefunden, oder – aber es sah genauso aus wie letzte Woche, ich schwör. Der Spargel war nur etwas dünner, dafür war die Spargelfrau, nein – nicht dicker, sondern erheblich hübscher. Und am Donnerstag waren dann die Reste von der Hühnerbrust dran: Schuhbecks Kräuterbackhendl mit Kartoffel-Radieschen-Salat. Soweit ich mich erinnere war das Rezept auch vor Urzeiten mal hier auf dem Blog – Moment ich schau mal nach: Anderes Fenster…Suchen…Augenblick noch…Kräuterback…ja da! Weil das Hendl nur noch eine recht kleine Portion war, gab’s reichlich Kartoffelsalat und zusätzlich noch angereicherten Kopfsalat. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, endlich mal meine Machtposition als Mann und als Ernährer einzufordern und mir eine größeren Anteil zu sichern. Aber es hat dann doch gereicht und wir haben gerecht geteilt, Friedensverhandlungen unnötig.

Am Freitag war dann die letzte Gelegenheit, den am Mittwoch gekauften Kohlrabi vor dem nächsten Markt am Samstag aufzubrauchen. Entschieden habe ich mich für Roberts Strudelmuffins mit Kohlrabi und Petersilienpesto mit dem Rest Kopfsalat. Und von Kohlrabi und Salat ist es nicht weit zum Kohlrabisalat in sauer-scharfer Sauce, den man bei magentratzerl.de findet. Am Samstag hat sich Frau T. „diese bunten Pommes“ gewünscht, und ich mir ein ordentliches Stück Fleisch. Deshalb habe ich Astrids asiatisch gewürztes Steak nochmal gemacht (wieder mit Filet) und die gewünschten Pommes aus Kartoffeln, Pastinaken, Kohlrabi, Karotten und Zucchini. Und als wär das nicht genug, gab es noch Kräuterbutter und Gerösteter grüner Spargel mit Zitrone und Olivenöl (foolforfood.de). Und am Sonntag: Pasta Primavera. Typisch italienisch, sollte man denken. Ich aber habe das Rezept aus einer spanischen Zeitung (El País), die behauptet, dass das Rezept in Kanada entwickelt worden sei, dich dann nach New York (ins Le Cirque) verirrt habe und kurze Zeit später in der New York Times aufgetaucht und „zum Gesprächsstoff in der ganzen Welt“ geworden sei. Da Astrid damals noch nicht die NYT leergekocht hat, ist das spurlos an mir vorbeigegangen – oder ich habe es längst wieder vergessen, schließlich war das irgendwann in den Siebzigern. Nichts besonderes eigentlich, Pasta mit Gemüse halt. Da aber (in der spanischen Version) Zucchini und Spargel in der Mikrowelle vorgegart werden, wollte ich das mal ausprobieren. Und Primavera wär ja wohl jetzt gerade.

KW 18-22

Es gab mal eine Zeit in der alle alten Leute älter waren als ich.

So, angefangen hat alles schon am Sonntag, weil wir den Häuplsalat nicht ganz aufgegessen haben. Und was passt besser zu einem halben Kopfsalat zu dem im Garten jetzt auch immer mehr Kräuter wachsen (und was ist besser geeignet wenn man eigentlich keine Lust zum Kochen hat) als ein Rindfleisch-Sugo (Tim Mälzer) aus der Tiefkühltruhe mit Spirelli? Eben, das gab’s am Montag. Und am Dienstag auf dem Markt war gar kein Markt, zumindest war kaum jemand da: Kein Fisch, kein Gemüse – vielleicht ist es besser, ich zähle auf, was es gab: Spargel, Kartoffeln, Schinken. Und das gab’s dann auch, genau in dieser Reihenfolge, und obwohl der Estragon im Garten noch ein wenig schwächelt, auch mit Sauce Bérnaise.

Irgendwann habe ich in meinem Feed-Reader, mit dem ich übrigens immer noch recht unzufrieden bin, gelesen, dass Risotto mit Fisch immer eine tolle Sache sei. Stimmt. Also gab’s am Mittwoch Risotto mit Wolfsbarsch-Filet oder, wie der Franzose in uns sagt: Loup de mer. Und außerdem habe ich ebda. gelesen, dass jemand Pak Choi irgendwie asiatisch zu „Soja-Hack“ gebraten hat. Als Karnivore hatte ich natürlich keine Ahnung, was das schon wieder ist. Das hat sich aber am Donnerstag geändert: Asia-Nudelpfanne mit Sojahack und Gemüse (Chefkoch), aber ohne Nudeln, dafür mit Reis und Sticky Sesam Tofu.

Am Freitag wurde ich gebeten, mal wieder Sauerkraut zu machen. „Mal wieder“ muss jetzt aber gleich sein, bevor der Frühsommer hereinbricht, also jetzt gleich, mit Schupfnudeln, Speck und Bratwürsten. Und dieses „Jetzt-aber-schnell-noch“ gab’s dann auch am Samstag: Kürbissuppe mit Fladenbrot. Und am Sonntag schlossen wir die Woche mit Saltimbocca (und Kartoffeln und Grünen Bohnen mit Rosmarin und getrockneten Tomaten) würdig ab.

KW 17-22

Die Woche fing wie so oft mit einem Montag an, wobei: Die Portugiesen und Brasilianer nummerieren ja ihre Wochentage: Sexta-feira ist zum Beispiel der sechste Markttag, also Freitag. Quinta-feira ist dann der fünfte Markttag oder Donnerstag. Wenn man das so weitertreibt, dann landet man allerdings bei Montag als zweitem Markttag, segunda-feira. Das kommt mir ein wenig komisch vor, denn dann wäre ja Sonntag, der auch dort domingo heißt, der erste Markttag und es steht doch geschrieben: Am siebten Tage sollst du ruhen! Egal, ich fang die Woche am Montag an, und da gab es Rote-Linsensuppe mit Curry, Tomaten und Kokosmilch (🌶). Und ich lass mich auch nicht davon abbringen, dass auf den Montag der Dienstag folgt, welche Nummer der auch immer haben mag. Aber um die Verwirrung vollständig zu machen, ist bei uns hier Dienstag (terça-feira) der erste Markttag (primeira-feira?), und damit (meist) auch Fischtag, also mal wieder Roberts Saumon au papillote au citron vert oder schnöder: Lachs in Folie.

Da der Mittwoch der Tag nach dem ersten Markttag ist, liegt meistens noch Gemüse rum, das beim Marktbesuch irgendwie auch in den Korb geraten ist. Diesmal waren das Kohlrabi – Kohlrabi mit Orangen-Estragon-Sauce mit Kartoffelklößchen (🌶) – und Karotten – Geröstete Parmesan-Karottensticks – mit Ofenkartoffeln und selbstgemachtem Tomatenketchup. Und auch für den Donnerstag war noch ein wenig Karotte und Sellerie übrig und Speck, Bohnen, Tomaten und Makkaroni sind eh immer im Haus für Pasta e Fagioli.

Am Freitag dann, der mal wieder in keinster Weise frei war, lag immer noch ein Stück Kohlrabi und 2 Karotten und ein bisschen Sellerie rum. Die landeten alle zusammen mit Kartoffeln in Pommes-Größe im heißen Ofen und rundeten ein Schweine-Kotelett ab. Und am Samstag ist hier der zweite Markttag (der aber in Portugal merkwürdigerweise nicht segunda-feira heißt sondern sábado) und da landet dann wieder Gemüse im Korb: Diesmal Karotten und Erbsen, weil. Na ja, ich wollte mich gerade erregen, dass in meinem Feedreader nahrungsmäßig tote Hose ist. Ob das nun an mir liegt und mir nichts gut genug scheint oder tatsächlich im Moment wenig los ist, weil alle sich ausruhen für die große Spargel-Rezept-Orgie, sei mal dahin gestellt. Da aber tatsächlich auf den letzten Drücker noch zwei einfache Rezepte dahergeschneit kamen, mussten sie der Fairness halber auch gleich gekocht werden. Beide nicht weltbewegend, aber schnell gemacht und: gut! Am Samstag also Raz-el-Hanout-Möhren mit Bulgur (Salzkorn) und am Sonntag Naturschnitzerl mit Risibisi (und Häuplsalat – bei der Turbohausfrau) und natürlich gab es jeden Tag und wird es noch eine Zeit lang jeden Tag Eis oder Grießbrei oder Milchreis oder ähnliches mit Rhabarber-Kompott geben.

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