KW 25-22

Bekanntermaßen gibt es laut Franz Beckenbauer im Fußball nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage. Hmmh. Aber wenn man Hunger hat, gibt es ja auch nur eine Möglichkeit: Kochen, Essen gehen oder verhungern. Die dritte Option fällt aus nachvollziehbaren Gründen völlig weg. Aber auch die zweite Option gerät mehr und mehr zum No-Go. Auch wenn der aktuelle Gaut & Millaut die deutschen Küche lobt: “Vielfalt und Qualität nehmen ungeachtet aller Krisen zu.” Zumindest wir hier auf dem Land müssten sehr weit fahren, um nicht im Desaster zu landen. Ich erwarte eigentlich gar nicht viel. Aber die Convenience scheint gewonnen zu haben. In einem Interview hat einer der letzten Kochlehrlinge geklagt, dass er – hier im Spargelgebiet – seit drei Jahren noch kein einziges Mal Sauce Hollandaise machen durfte. Das sei zu gefährlich, da könne zu viel schiefgehen – im Gegensatz zu der Soße aus dem Päckchen. Also bleibt tatsächlich nur eine Möglichkeit. Wahrscheinlich hat der Franz das auch so gemeint: Unentschieden oder Niederlage waren für ihn einfach keine Alternativen.

Was soll man bei so einem Sauwetter wie am Montag anderes kochen als Pasta mit Saubohnen und Bacon? Natürlich nicht wegen des Namens, sondern weil die ersten Fave der Saison jedes Gemüt aufhellen – versprochen! Und wenn das Wetter glaubt, ich hätte jetzt nichts mehr im Köcher: Wie wärs am Dienstag mit Lammkotelett mit grünen Bohnen mit Parmesan und Pinienkernen und Ofenkartoffeln? Na eben – und ich hab noch mehr in Petto.

Nämlich am Mittwoch zum Beispiel ein Risotto und Forellenfilets mit Salbei, Mandeln, Knoblauch und Limette. Salbei und Forelle schien mir zunächst gewagt, aber der Salbei wächst wie blöd – warum also nicht? (essen & trinken) Und am Donnerstag musste wohl oder übel ein Kohlrabi aufgebraucht werden werden. Da es auf dem Markt auch Orangen im Sonderangebot gab, war das Rezept klar: Kohlrabi in Orangen-Estragon-Sauce (🌶 Chili & Ciabatta), diesmal mit zerdetschten Kartoffeln (🌶).

Freitag ein Baguette de Luxe; ein Wunsch von Frau T., obwohl nun wirklich ich mal an der Reihe wäre zu wünschen. Aber, Gott, das hätte auch ich mir wünschen können. Das Geheimnis dieses Sandwiches verbirgt sich im roten Mixbecher: eine leckere Paste aus Senf und Öl und getrockneten Tomaten. Samstag dann zunächst mal Beeren-Ernte-Tag, um die Nachtisch-Situation zu verbessern: Die ersten Heidelbeeren (Wald), Himbeeren (Garten) und Kirschen (Baum). Bevor jetzt jemand sicherheitshalber nochmal Wikipedia bemüht: Nein, Kirschen sind keine Beeren! Aber wenn nun mal Beeren-Ernte-Tag ist … und dann Spareribs (alle Nachbarn grillen aktuell, ich mach sie lieber im Ofen) mit Coleslaw. Und dann am Sonntag für mich reichlich Reste und für Frau T. eine Schüssel Salat. Und für beide eine Buttermilch-Mousse mit Beerchen – nein keine Kirschen,. Nicht, weil sie keine Beerchen sind, sondern weil irgendjemand sie schon aufgegessen hat.

KW 24-22

Unser Bundesscholz, ja der, der sich partout nicht mehr an irgendwelche Termine mit irgendwelchen Bankern erinnern mag, und der, der seinem Wahlvolk partout nicht sagen will, was er vor hat und warum, dieser Herr Scholz redet von einer “Zeitenwende”. Mir wird dabei ein bisschen Angst, aber gut, da ihr ihn gewählt habt: Vielleicht hat er sogar recht. Weil: ich habe dieses Jahr keinen einzigem Rhabarberkuchen gebacken! Wenn das keine Zeitenwende ist, dann weiß ich auch nicht. Und da ich heute abgeerntet und Rhabarbersaft daraus gemacht habe, gibt es auch keinen Weg zurück (😢). Bleibt als Trost nur, dass der Saft sehr lecker ist und – wenn der Sommer endlich auch in den Norden kommt – uns einige beschauliche sonnige Nachmittage auf der Terrasse oder im Garten bescheren wird. Und dann muss jemand mich wenden, damit ich mir keinen Sonnenbrand zuziehe.

Die Woche sollte mit Gemüse anfangen. Da war aber am Montag immer noch diese merkwürdige Unlust und es reifte der Gedanke, dass Fleisch doch das bessere Gemüse sei, zumal wenn man es als Schwabe natürlich in Nudelteig einzuwickeln weiß. Maultaschen also, mit dem ersten selbst-geerntetem Salat des Jahres. Und gleich danach, am Dienstag, den letzten Spargel der Saison. Spargel wie immer. Ja, ich weiß auch, dass da bis Johanni noch ein paar Tage wären, aber irgendwann ist auch mal gut.

Mittwoch fiel wegen Krankenhausaufenthalt aus. Das habe ich weder fotografiert, noch lohnt es sich darüber zu reden. Donnerstag dann Flammkuchen mit Birne und Ziegenkäse und Salat. Am Freitag aufgrund einer Anregung von lieberlecker ein Rahmschnitzel – eine Gelegenheit mal wieder Spätzle zu machen und das restliche Gemüse in die Pfanne zu werfen.

Am Samstag war es auch bei uns ein bisschen warm – ich brauch das zwar nicht, aber irgendwie hab ich mich schon vernachlässigt gefühlt – warm genug auf jeden Fall für einen Schweizer Wurstsalat. Sonntag war’s dann schon wieder vorbei mit der “Hitze” – aber da Frau T. Bulgur für sich entdeckt hat – und Herr T. natürlich alles tut um Frau T. zufrieden zu stellen – kam der Vorschlag von Herrn Grün gerade recht, Bulgur-Bällchen zu formen. Dazu gab es Couscous mit Zitrone und Minze – für mich eine Entdeckung, alle anderen sagen wahrscheinlich: Ja klar, mach ich schon ewig…

KW 23-22

Montag, Fingsten zweiter Veierdag, ging natürlich nicht genau so üppig weiter. Aber wenn ich so überlege: Mittags Weißwürste mit frischen Brezen, süßem Senf von Händlmaier (keine Werbung, aber vielleicht ein Tipp; andere sagen sogar, ein anderer ginge gar nicht) und einem Weißbier. Und abends ein Kopfsalat mit Thunfisch, gekochten Eiern, anderem Zeugs und frischem Weißbrot – soo frugal war das ja auch nicht. Allerdings: Frugal. Was heißt das denn? Es klingt wie “reichlich, üppig”, meint aber “karg, spärlich“. Das führt oft zu Missverständnissen – aber wenn ich das Wort benutze, dann natürlich im ursprünglichen Sinn. Auf jeden Fall sollte man sich als Gast nach dem Essen besser nicht mit “das war aber mal ein frugales Mahl” bedanken; man weiß nie, ob der Gastgeber diese Art von Ironie versteht. Dienstag dann ein Kartoffelsalat mit Linsen und grünen Bohnen (bei ellerepublic, hieramts im Herbst schon gelobt) mit gebratenen Salsicchie von unserem Metzger, der hervorragende Bratwürste und eine himmlische Fenchelsalami macht – dann wird er ja wohl auch eine Salsiccia hinkriegen! Kriegt er.

Mittwoch Bulgur-Salat mit Pilzen und Miso-Dressing; ursprünglich bei ellerepublic mit Grünkern. Eigentlich das ideale Rezept um die Grünkernpackung im Schrank und die Miso-Paste im Kühlschrank aufzubrauchen, aber die Paste war schon entsorgt und der Grünkern war im August 2020 abgelaufen. Schade. Donnerstag Chicken Teriyaki, erstens weil ich Teriyaki gerne mag und zweitens weil mir der saublöde Refrain von Rosalita (Youtube) nicht mehr aus dem Kopf ging: »Pa’ ti naki, chicken teriyaki. Tu gata quiere maki, mi gata en Kawasaki«. Via elComidista, der auch behauptet, es gäbe bei diesem Refrain einen Sinn. Ich kann mir das aber nicht vorstellen und bin dem Link gar nicht erst gefolgt – wenn etwas erfolgreich ist, muss es nicht notwendigerweise gut sein.

Freitag Pasta mit Rindfleisch-Sugo und Salat. Die offizielle Erklärung ist, dass sonst vielleicht ein ¼ Kopfsalat auf dem Kompost gelandet wäre. Das wäre ein guter Grund und sicher löblich. Inoffiziell aber müsste man tiefer graben und stieße dann auf eine unerklärliche Unlust des Küchenbeauftragten, über Essen im Allgemeinen und dessen Zubereitung im Besonderen auch nur nachzudenken. Unter anderem deshalb (und weil das letzte Ma[h]l schon lange her ist und Eier aufgebraucht werden mussten) gab es am Samstag Pfannkuchen mit Lauchgemüse. Am Sonntag waren alle Zutaten für ein Stir fry aus dem Wok (germanabendbrot) im Haus. Fast dasselbe Rezept gibt es auch unter dem Namen Crispy Chilli Beef (bei greedygourmet) und auf »Crispy« fahr ich ja total ab.