één keer per week oct.4

Das weitaus schönste Cello-Konzert der Weltgeschichte (gut, so furchtbar viele davon gibt es nicht, aber trotzdem) ist das Cellokonzert h-moll, Opus 104 von Antonín Dvořák. Ich kann es wirklich nur empfehlen. Merkwürdig ist allerdings, dass es ein Cello-Konzert ist, also ein* Cellist*in ganz vorne sitzt. Und dann sitzt er* da ganz vorne und ihr* Part beginnt erst nach sage und schreibe 4-5 Minuten. Hat schon mal jemand von euch* 5 Minuten unangestrengt versucht, hunderte von Zuschauer*innen zu ignorieren? Was soll er* machen? Sitzt da rum wie bestellt und nicht abgeholt. In der Nase bohren geht gar nicht, dem* netten* Bürgermeister*in zublinzeln kommt auch nicht überall und bei allen* gut an. Manchmal schau ich mir auf youtube nur die ersten 5 Minuten an; es müssen Höllenqualen sein, aber die Kamera hält (leider) selten einfach drauf. Meine Theorie ist ja dass der Herr Dvořák einem* Cellist*in eine reinwürgen wollte. Er hatte nämlich schon 1865 ein Cello-Konzert in A-Dur verfasst, das allerdings weder veröffentlicht noch orchestriert wurde. Das kann nur wegen einem* Cellist*in passiert sein, der* ihm zu verstehen gegeben haben muss, er soll ihn* mit diesem Sch… in Ruhe lassen. Also hat er aus Trotz ein, ach was das, beliebteste Cello-Konzert der Menschheitsgeschichte verfasst und jeder*, der* was auf sich* hält, muss 5 Minuten lang da vorne sitzen – und Höllenqualen leiden,

Op maandag, zoals ze in Nederland zeggen, war ein Blumenkohl aufzubrauchen. Da gäbe es viele Möglichkeiten, wobei der In Chilibutter geröstete Blumenkohl (Ottolenghi Flavour, z.B. hier 🌶 im Netz) nicht die schlechteste Wahl ist, vor allem wenn di LaRatte-Kartöffelchen gleich mitschmoren. Und op dinsdag stand mir der Sinn nach Fischfrikadellen (Schuhbeck) mit Kartoffel- und gemischtem Salat.

Op woensdag gab’s schon wieder Grünkohl, diesmal ein Ottolenghi (aus dem Guardian): Pfannengerührter Grünkohl mit Tahini, Chili und Sojasauce (Stir fried kale with tahini, chilli and soy), bei uns einfach mit Reis [Laut Bing-Übersetzer: Dieses schnelle Gericht ist perfekt, um sich auf einen Hügel braunen Reis für ein leichtes, einfaches Abendessen zu stapeln]. Und op donderdag betraten drei Zutaten gemeinsam den Bereich des Möglichen: Kalbsschnitzel (gibt’s hier eher selten), Parmaschinken (gibt’s hier nicht immer) und Salbei (damit allerdings könnten wir ganze Landstriche aus dem Garten versorgen). Der Algorithmus, der aus diesen Informationen ein Abendessen ermittelt, müsste gar nicht mal so wahnsinnig intelligent sein: Saltimbocca mit Röstkartoffeln und Mangoldgemüse. Man möge mich steinigen, aber ich bevorzuge eine Marsala-Sauce und Salbei und Schinken nach innen geklappt.

Op vrijdag dann schon wieder Kürbis und schon wieder Ottolenghi (gähn!): Riesen-Couscous mit Kürbis und Tomatensauce mit Sternanis (Flavour, S. 137, merkwürdig, dass es das noch nicht im Netz gibt; außer einer Kürbissorte, von der ich noch nie gehört habe, die man aber gern durch Butternuss oder Hokkaido ersetzen darf, keine einzige Zutat, die nicht ohnehin rumliegt oder leicht besorgt werden kann, der Couscous knuspert ein wenig, ist mit einer Tomatensauce aromatisiert und harmoniert hervorragend mi Ofen-Kürbis und -Zwiebel ; hier das PDF). Den Riesen mussten wir streichen, aber der normale tut’s für uns Landpomeranzen auch. Op zaterdag gab es pannenkoeken Pfannkuchen mit etwas Lauchgemüse, aber hauptsächlich mit frischem Apfelmus, womit auch das (vor-)letzte Fallobst eingetütet wäre. Auf den Bäumen, die unsere alteingesessenen Nachbarn „Winteräpfel“ nennen, hängen die Früchtchen noch und warten auf den ersten Frost, der aber dieses Jahr nicht kommen wird, weil ja sonst die Habeck’schen Sparziele nicht zu erreichen wären. Und zum Ende der Woche – also op zondag – wurde ein Teil Kürbis in Kartoffel-Kürbis-Rösti (SZ-Magazin) verwandelt, bei uns mit gebratenen Pilzen und dem ersten Vogerlsalat der Saison.

Uma vez por semana oct.3

Seit Wochen trainiere ich für die neue Disziplin Kurzduschen. Ich habe mich noch nicht getraut, das iPhone mit unter die Dusche zu nehmen, um exakte Zeiten zu stoppen, aber ich bin fest davon überzeugt, unter 30 s zu sein. Und falls auch das nicht reicht, habe ich den Waschlappen bereitgelegt und hoffe auf weitere sinnvolle Tipps aus Berlin und Stuttgart. Die Heizung ist abgestellt (wobei ich sagen muss, dass es sich mit Woll-Fäustlingen ziemlich schlecht tippt – vor allem die Bildschirm-Tastatur scheint noch in besseren Zeiten designt worden zu sein), heißes Wasser gibt es nur rationiert und aus dem Wasserkocher und die elektrische Zahnbürste ist nach ganz hinten im Spiegelschrank verbannt. Ich bin wirklich zu allem bereit; nicht für mich und nicht für Deutschland, nein, das wird schon alles irgendwie gut gehen. Aber, bitte, eifert mir nach! Wir müssen dringend unserem EU-Partner auf dem Stiefel aus der Bredouille helfen! Da meint doch tatsächlich ein dreimalschlauer sogenannter Wissenschaftler, man könnte der Energiekrise entgegentreten, indem man das Nudelwasser nur kurz aufkocht und dann die Temperatur zurückdreht und den Topfdeckel auflegt! Das würde ja bedeuten, dass die Pasta nicht in kochendem Wasser gart!! Bitte, das geht gar nicht. In einem Land, in dem die Frage, ob Parmesan auf Fisch-Pasta erlaubt ist, zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen kann, sollte man nicht mit dem Feuer Nudelwasser spielen!

Na segunda feira, como se costuma dizer no Brasil, haben wir bei strahlendem Sonnenschein in Badelatschen Grünkohl geerntet und die Wintersaison eingeläutet: Grünkohl-Pasta nach Tim Mälzer. Apropos Saison: Jeder hat ja sein höchsteigenes Lieblings-Rezept für Kürbissuppe. Ich auch, aber heute – na terça-feira – habe ich mich für das Lieblings-Rezept von Anke Gröner entschieden und mit einem frischen Weizen-Sauerteig-Brot serviert. [Obwohl dank vieler Fütterungen das Vertrauen in meinen Sauerteig wächst, erschien mir ein zweistufig geführter Sauerteig und lange kalte Gare – aus Lutz Geißlers „Krume und Kruste“ – angeraten. Eigentlich mag ich es gar nicht, wenn ein Brot sich über drei Tage hinzieht und immer wieder gestreichelt werden will, aber beim Essen vergesse ich das Nichtmögen meistens schnell wieder.]

Da mein Lieblings-Rezept für „Huhn süß-sauer“ bei foodfreak.de in den Tiefen des Internet verschwunden ist und wahrscheinlich auch nicht mehr so schnell auftauchen wird, musste ich weitersuchen (wichtig: ohne Dosen-Ananas!) und bin im Kleinen Kuriositätenladen gelandet. Das wäre ja auch schade, wenn es den nicht mehr gäbe, aber diesmal, also na quarta-feira, ist alles schiefgegangen. Das lag sicher auch an mir (z.B. war der Ausbackteig viel zu dünn), aber ich glaube nicht, dass die Sauce nach etwas anderem als Ketchup schmecken kann, auch wenn man alles richtig macht – Keine Empfehlung; war halt 2010. Gut, es kann nicht alles funktionieren, aber zweimal hintereinander sollte das möglichst nicht passieren. Gott sei Dank steht auf der Nachkochliste ja noch der „Hasselback-Sellerie mit Miso-Glasur und Zwiebel-Radieschen-Salat“ (🌶), den es dann na quinta-feira gab. Statt mit Fladenbrot mit vorgekochten, dann in der Pfanne angebratenen Bamberger Hörnchen. Dass kein weißes Miso mehr Vorrat war, habe ich zu spät bemerkt, aber „helles“ Miso war noch da [und das schmeckt wahrscheinlich sogar noch besser😉].

Ich neige eigentlich nicht zu überhasteten Entscheidungen (für meinen Düsenjet habe ich fast zwei Wochen überlegt, für die Yacht ein ganzes Wochenende und für den Porsche mehr als zwei Stunden, nur so zum Beispiel), es kommt deshalb nicht allzu oft vor, dass ein Rezept abends im Feedreader und am nächsten Abend bereits auf dem Esstisch auftaucht. Na sexta-feira (zur Erinnerung: das ist uns bei der Freitag) hat es der Jollof-Reis bei lieberlecker geschafft. Nicht wegen des Bildes oder der Zutaten, sondern wegen des Versprechens, dass man belohnt wird, wenn man es schafft, den Deckel noch 15 Minuten lang auf dem Topf zu lassen, nachdem er aus dem Ofen kommt. Deshalb können mir auch alle Rezepte gestohlen bleiben, die den Reis in der Pfanne zubereiten. Bei uns nicht mit Huhn, sondern mit Lamm-Lachsen und Kräuterbutter. No sábado musste ich einem anderem Drang nachgeben und das Sauerkraut aus dem Päckchen ausprobieren. Natürlich mit Spätzle – Gut. No domingo schließlich musste ich das Projekt TK-Leeren vorantreiben – so viel äußerer Zwang, so wenig eigener Wille: Ricotta-Zitronen-Ravioli mit Salbeibutter, aber mein Wille hätte es eigentlich nicht besser wollen können.

Une fois par semaine oct.2

So, wir Niedersachsen haben ja gewählt. Und ich hab schon angedeutet, dass ich mich mit der Entscheidung schwer getan habe. Jetzt, wie immer nachträglich, wüsste ich, was ich hätte wählen, bzw. was ich hätte tun sollen. Ich hätte mich wählen lassen sollen! Von nichts keine Ahnung habe ich auch und zudem hab ich immer recht und es hinterher alles schon gewusst. Beispiel? Als wir hierher gezogen sind, gab es im Nachbarort eine florierende Innenstadt mit schönen Läden und Kneipen und Restaurants. Dann gab die Stadt das OK für ein Outlet-Center. Ich hab damals schon gesagt: das geht nicht gut. Jetzt ist die Innenstadt tot. Das Land Niedersachsen zahlt gerade fast 4 Millionen aus dem Programm „Resiliente Innenstädte“. Ich hätte gerne meinen Anteil an den 4 Millionen zurück – das wird nichts. Denn gerade wird gleichzeitig das Outlet-Center vergrößert. [Es gibt übrigens auch noch 100,000 € aus dem Programm „Sharing is Caring- Mobiles grünes Stadtequipment“ – Grüne Stühle im toten Zentrum? Oder heiße Luft?] Beispiel? Als wir hierhergezogen sind, haben wir eine großzügige Förderung erhalten, weil wir die Ölheizung durch eine Gasheizung ersetzt haben, weil Gas … Jetzt erhalten unsere Nachbarn eine großzügige Förderung, weil sie ihre Ölheizung durch eine Pellet-Heizung ersetzen, weil Holz … Ich sag heute: das geht nicht gut – ich hätt mich wählen lassen sollen.

Le lundi, comme on dit en France, war ein bisschen durcheinander: Zuerst mal Fenchel aus der Pfanne (tobiaskocht), das kennt man ja, dann Seitan wie Zwiebelfleisch zubereitet (mehr-als-rohkost.de), mein nächster Versuch mit Seitan, und dann noch Gözleme mit Feta und Mangold. Ich wollte, aus welchen Gründen auch immer, ein Rezept ohne Hefe, und im Verlauf der Dinge fiel dann auch noch die Entscheidung gegen Joghurt oder ähnliches. Also nur Mehl, Salz und Wasser (z.B. bei kochdichturkisch.de). Im Garten habe ich noch ein paar (fast tiefgefrorene) Bohnen entdeckt, die Mirin-Flasche ist noch gut gefüllt und für Ingwer-Chili-Zwetschgen wird es langsam allerhöchste Zeit. Kurz: le mardi war der Tag für (Achtung! Langer Titel!) TERIYAKI LACHS MIT SESAMBUTTER-BOHNEN UND INGWER-CHILI-ZWETSCHGEN (Dinner um Acht).

Das schöne Wetter kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Garten gerade leert. Aber Tomaten für Tomatensalat und Kohlrabi-Blätter für ein Pesto konnte ich noch ernten; Kohlrabiblatt-Pesto scheint hip zu sein und vegan und deshalb oft ohne Käse. Da aber gerade das Rezept von Herrn Grün (auch ohne Käse) [ORECCHIETTE RIGATONI MIT WALNUSS-KOHLRABIBLATTPESTO] im Feedreader auftauchte, gab ich mich geschlagen und den Käse gab’s le mercredi extra zu den Nudeln. Und wenn schon Herr Grün und wenn schon Kohlrabi, dann le jeudi gleich nochmal Herr Grün: IM OFEN GERÖSTETE KARTOFFELN, KOHLRABI UND TOMATEN MIT ZIMT-BIRNEN UND EINER CRÈME AUS KIDNEYBOHNEN, PFLAUMEN, KREUZKÜMMEL UND RAUCHSALZ, besser hätt ich es nicht formulieren können.

Vendredi at geklingelt le facteur und at abgegeben un paquet. In diesem Paket waren u.a. Rheinische Salzbohnen (ich hab natürlich, Google sei Dank, doch die Quelle meiner Quelle ausfindig gemacht). In diesem Paket waren auch (unsere bisherigen) Rheinischen Schneidebohnen, wobei man im Internet davon auszugehen scheint, dass zwischen beiden kein Unterschied besteht. Die Neugier war also groß genug, um dem gleich nachzugehen: Rheinische Salz-Bohnen mit Salzkartoffeln und Kassler Nacken. [Von außen kein Unterschied, aber: Ja, da ist mehr Salz dran. Ja, da sollte man länger wässern.] Samedi abe isch gesehen le chou-rave im Keller und abe isch gedacht an une recette aus Mezcla [ist das jetzt eigentlich lustig oder kulturelle Aneignung oder einfach nur blöd?]: Kohlrabi mit Miso-Sauce-Meunière (noch nicht im Netz, mit der Betonung auf noch; deshalb hab ich’s für Neugierige aufgeschrieben]. Dazu gab es zweimal Kartoffeln: ein Kartoffel-Pastinaken-Püree für Frau T. und für den Fall, dass das zweite Experiment schief geht. Der Koch-Kolumnist der Süddeutschen behauptet nämlich, knusprige Bratkartoffeln mit aufgelegtem! Deckel zu machen! Einmal macht er das zu Buttermilch! Ich hab mich für die Kartoffelwürfelchen mit Birne und Haselnuss im Weihnachtsmenu entschieden. Le dimanche était le jour der Tiefkühltruhe (wenn im Winter der Strom ausfällt, will ich möglich viel schon aufgegessen haben): Lapin aux Pruneaux mit Rotkohl und Nudeln. [Nein, Nudeln natürlich nicht aus der Truhe.]

una vez a la semana oct.1

Ältere Menschen, so sagen uns die Medizin-Experten, sollen sich möglichst viel bewegen. Nun gut, dafür hat die Evolution die Kellertreppe erfunden. Allerdings musste besagte Evolution feststellen, dass die meisten älteren Menschen nur ein oder zweimal am Tag besagte Treppe benutzten. Ein paar ganz gewiefte Exemplare gingen sogar dazu über, sich Listen zu erstellen, was sie im Laufe der nächsten Tage aus dem Keller benötigen würden, und einige schafften es damit, die Evolution zu überlisten und die Kellertreppe sage und schreibe nur einmal wöchentlich zu benutzen. Das war natürlich nur einigen Hochleistungs-Senioren vergönnt, aber auch der gewöhnliche Durchschnitts-Ergraute konnte mit diesem simplen Trick seine Treppen-Rauf-Und-Runter-Frequenz erheblich reduzieren. Der Evolution wurde schnell klar, dass sich da was ändern müsste und erfand – man muss sagen mit durchschlagendem Erfolg – das nachlassende Gedächtnis. Wer also nachdenklich vor dem Kellerregal steht und sich fragt: was wollte ich hier eigentlich? – der sollte einfach wieder nach oben gehen und es später nochmal versuchen. So hat die Evolution das eingerichtet, und so ist es auch gut!

Ich habe in der Onleihe gestöbert und bin auf das Buch „Die 100 besten Rezepte der besten Foodblogger 2022″ von Ronja Kolls gestoßen [ich hätte nicht gedacht, dass man dafür Bäume fällen und eine Menge Geld verlangen kann]. Dass ich ein wenig enttäuscht bin, liegt sicher daran, dass 90% der „Blogs“ heute offensichtlich auf Instagram stattfinden und ich eine Social-Media-Allergie habe. Aber wenn das die „besten“ sind, meine Güte, dann wird sich daran auch nichts ändern. [An dieser Stelle ein Lob an meine 5 Leser: ihr habt ein wahnsinniges Niveau und einen hervorragenden Geschmack – Chapeau!] Aber ich bin ja aufgeschlossen und habe gleich anschließend das Buch eines YouTube-Stars heruntergeladen (Gaz Oakley: Vegan 100. Über 100 unglaublich leckere Rezepte von Avant-Garde Vegan) und el lunes gleich einiges ausprobiert: Polenta-Pommes mit Kräutern und Zitrone, Gemüsepäckchen im Backpapier, Möhren-Zwiebel-Bhajis mit Minze-Joghurt und Sriracha Fleischklößchen mit Sriracha-Sauce („Fleisch“ ist natürlich bei Veganern nie ernst zu nehmen!) El martes ist ja normalerweise Fischtag. Häufig fällt aber an Dienstagen der Markt aus, wenn am Montag Feiertag war. Seit einiger Zeit steht aber der Fischwagen nicht mehr auf dem Marktplatz, sondern auf dem Parkplatz eines Supermarktes; vielleicht weil er dort keine Standgebühr bezahlen muss. Aber auch dieser Platz war leer. Dafür war auf dem Marktplatz mehr los als je. Wobei – auch für Hühner war wohl Feiertag, auf jeden Fall waren sie noch nicht eingeräumt, genauso wie der Frischkäse am Käsestand. Kurz, aus dem geplanten Risotto mit Fischfilet wurde innert kurzer Zeit ein Züricher Geschnetzeltes mit Pute, was ich vor Kurzem bei ellerepubic.de gesehen und mich gewundert habe, warum Spätzle bei den möglichen Beilagen nicht auftauchen,

Und wenn es Dienstag keinen Fisch gibt, dann muss man (wenn sich der Wunsch nach Fisch einfach nicht überlisten lassen will) im Nachbar-Revier wildern. El miércoles ist Markt im Nachbarort, also steht dem Risotto mit Doradenfilet nichts im Wege. Ein wenig hatte ich mich ja gefreut, die Dorade zu schuppen, mit einem oder zwei geübten Schnitten zu filetieren und zu entgräten (Cornelia Poletto zeigts auf YouTube); etwas mehr noch habe ich mich gefreut, dass der nette Fischverkäufer das schon für mich erledigt hatte. Und vom Vegan-100-Buch ist noch die Aufgabe abzuarbeiten, irgendwas mit Seitan zu machen, was ich bislang noch nie gemacht habe. El jueves also Kentucky Fried „Chicken“ (Chicken=Seitan – klar, oder?) mit echten Ofen-Pommes und Salat, [Das ist ein relativ aufwändiges Rezept, da muss wohl noch ein einfacherer Seitan-Test folgen.]

El viernes ergab die Inventur der Vorräte, dass der Mangold im Garten noch wächst, Kartoffeln und Eier im Keller liegen und im Safran-Döschen noch eine gute Prise zu finden ist. Das heißt nach Adam Yotam Ottolenghi: Mangold-Safran-Omeletts (ein einfaches, erstaunlich stimmiges und gutschmeckendes Gericht aus Genussvoll Vegetarisch; im Netz z.B. bei foodina.eu). Und da die Apfel- und Birnenernte erledigt ist, gab es el sábado Birnen, Bohnen und Speck (im SZ-Magazin; ich kenne das Original nicht, aber mich deucht, dass die Formulierung „eine ziemlich edle Version“ nicht ganz falsch ist). Im Guardian habe ich gelesen, dass Ottolenghi auf die Frage, was man beachten müsse, wenn man weniger Portionen zubereiten wolle, antwortete: Alles, aber vor allem die Größe der Pfannen und Töpfe! Damit war klar, dass ich für meine sehr kleine Querrippe einen sehr kleinen Schmortopf benutzen musste: el domingo gab es Mole-Querrippen com agrião (aus Mezcla; noch nicht im Netz, aber Mole ist ein mexikanischer Rub, weshalb viele getrocknete Chili-Sorten und Schokolade verwendet werden, und agrião scheint das brasilianische Wort für Brunnenkresse zu sein, was ich durch Rucola ersetzen musste. Das Ganze landet dann für viele Stunden im Ofen – so lange der Strom halt noch reicht. Übersehen hätt ich beinah, dass es das Gericht/Rezept bei Chili & Ciabatta 🌶 mit Ochsenschwanz gibt. Und getraut, Suppenfleisch zu schmoren, habe ich mich nur, weil Arthur’s Tochter das schon lang so macht). Empfehlenswert ist diese Querrippe allemal, die Sauce, hmmmh, ist richtig, richtig toll und das Fleisch richtig, richtig weich und zart und – toll!

Una volta alla settimana sept.4

Wenn ich sage: Ich geh noch schnell zum Obsttürken, dann sagt Frau T. das sei, und sie sagt das in Anführungszeichen, nicht vollständig „politically correct“. Woher ich denn wisse, dass der Mann aus der Türkei stamme. Und wenn er wider Erwarten nicht in Bottrop geboren sei, dann sei es immer noch abfällig. Schließlich wären für mich alle Menschen, die nicht so aussehen wie die Menschen in dem kleinen schwäbischen Dorf, in dem ich geboren bin, „Fremde“. Der nette Mann mit dem Schnauzbart könne genauso gut aus Syrien, dem Iran, Afghanistan oder WasweißIchWo stammen, für mich sei das wohl alles dasselbe? Und sie hat ja recht. Deshalb habe ich mir angewöhnt vom „Freundlichen Gemüse-Fachverkäufer mit Migrations-Hintergrund (eventuell in der zweiten oder dritten Generation)“ zu reden, wobei ich zugegebenermaßen den eingeklammerten Teil nur dazusage, wenn ich wirklich viel Zeit habe. Jetzt ist es nur so, dass der Kartoffelmann das mitgekriegt hat und sich diskriminiert fühlt. Für mich sei er einfach „der Kartoffelmann“. Wenn es aber auf diesem gesamten Markt einen „Fachverkäufer“ gäbe, dann sei das doch wohl er. Oder ob ich tatsächlich bestreiten wolle, dass seine Kartoffeln alle anderen Kartoffeln um Längen schlagen würden. Er wolle jetzt aber bitte keine dummen Witze über dicke Bauern und dumme Kartoffeln hören, seine Kompetenz läge eindeutig nicht in der Größe, sondern im unnachahmliche Geschmack; er denke gerade darüber nach, sich als Kartoffel-Sommelier zu vermarkten. Und wenn ich unbedingt auf einen Migrationshintergrund bestünde, könne er darauf hinweisen, dass der Weg von seinem Geburtsort zu meinen Wohnort vor noch nicht allzu langer Zeit eine Tagesreise gewesen sein (und bald wieder sein würde). Und er hat ja recht. Aber alle Ungerechtigkeiten dieser Welt auf meinen Schultern abzuladen, ist auch ein bisschen inkorrekt. Ich bin nur froh, dass er mir nicht auch noch seine Kartoffeln hinterher geworfen hat – ich wäre sonst vielleicht als LaRatten-Fänger aus WasweißIchWo in die Geschichte eingegangen.

Am Anfang dieser settimana, also lunedi, musste wieder einmal der Tiefkühler aushelfen. Da der eh viel zu voll ist, könnte ich auch, ohne rot zu werden, behaupten, das sei so geplant gewesen. Und was spräche schon gegen schwäbische Maultaschen mit Salat? Da ich letzte Woche in der großen Stadt auch im Asiamarkt war und eine Familienflasche Mirin gekauft habe, und da martedi hier normalerweise Hühner über den Marktplatz getrieben werden, sprach alles für Chicken Teriyaki mit Reis (bitte sucht euch ein Rezept mit Mirin aus, sonst ist es Essig mit dem Teri, aka Glanz, und mit dem Geschmack im Übrigen auch). Es gibt Stimmen, die behaupten, ich würde Chicken Teriyaki nur machen, damit ich die Hühnerhaut von den Hühnerbeinen abziehen und knusprig braten kann. Die Stimmen gehen sogar so weit, zu behaupten, ich würde diese Knusperhaut dann auf Butterbrot essen!

Bevor ich „Mezcla“ wieder ins Regal stelle, musste ich mercoledi noch schnell das Kürbis-Salbei-Nudel-Gratin kochen – schließlich habt ihr euch das ja alle bei der Turbohausfrau gewünscht. Und giovedi war dann natürlich noch ein halber Kürbis im Vorrat – genug für die Kürbis-Walnuss-Pasta bei schoenertagnoch weder mit Babyspinat noch mit Rucola, sondern mit Mangold.

Venerdi blieben wir bei Pasta, Pasta geht ja immer: Asia-Pasta mit Schweinehack und würziger Erdnusssauce (🌶). Am Samstag, äh sabato, Gulaschsuppe mit frischen (sehr empfehlenswerten) Dörfli vom Plötzblog.

Weil uns allen ja der Herr Habeck in Nacken sitzt und uns Sparen! ins Ohr flüstert, müssen wir ja, wenn der Ofen unbedingt aufgeheizt werden muss, möglichst viele Backvorgänge hintereinander erledigen. Deshalb gab es domenica Bürli, Frau T.’s Roggenbrot im Kasten und Kürbis für die Linsen – eine organisatorische Meisterleistung. Und weil mir auf der anderen Schulter der Herr Özdemir sitzt und Sparen! ins andere Ohr flüstert, kaufe ich nur noch regionale Mehle, also nicht nur kein T80, sondern auch kein (Schweizer) Ruchmehl. Aber die Bürli auf Plötzblog funktionieren auch mit unserem Mehl (Weizen und Weizenkleie). Und zum Essen gab es Linseneintopf mit Kürbis und knusprigem Speck (von Elisabeth Grabmer im SZ-Magazin). Weil mir ein Crossover-Teufelchen im Nacken saß, mit Spätzle! Normalerweise mach ich sowas nicht; aber für Spätzle-Verweigerer gibt’s dann halt Bürli.

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