Zucchinischale, Ravioli, Tomatensalat

Wenn nicht jetzt, Wan Tan? [Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Wan Tan das chinesische Wort für Ravioli ist, weil: Wenn nicht jetzt, Ravioli würde ja nicht funktionieren und kein Mensch würde das verstehen.] Im Jahre 2011 habe ich bei lamiacucina ein Rezept von Anna Sgroi gefunden und sofort nachgekocht. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass der einzige Grund dafür ein Satz im Rezept war: »Das Innere nicht verwenden«. Das hat mir erstens sofort eingeleuchtet, weil das Innere der Zucchini in ziemlich vielen Rezepten ziemlich wenig zum Geschmack beigetragen hat. Und zweitens war der Schwabe in mir zufrieden gestellt und konnte beruhigt große Teile der Früchte im Kompost entsorgen. Weil drittens war Zucchinischwemme. Das Ergebnis war allerdings keine Verlegenheits-Pasta, sondern im Gegenteil so wohlschmeckend, dass es bis jetzt jedes Jahr auf dem Stapel landete, es aber aus verschiedenen Gründen nie auf den Teller geschafft hat. Wenn nicht jetzt Wan Tan, wann dann Wan Tan?

Küchentagebuch, Montag 2. August 2021

  • Ravioli leggeri all’italiana per Anna Sgroi (so betitelt bei lamiacucina; und teilweise mein erster Versuch mit Ravioliteig ohne Ei – es gibt ja Menschen, die behaupten, dass das geht)
  • Tomatensalat
Mit 4% Akkuladung empfiehlt es sich schnell zu sein; die weißen sind ohne Ei – geht

Schweinefilet, Scampis, St. Galler Bürli

Eines meiner schwebenden und noch nie angefangenen (oder von Beginn an schon aufgegebenen) Projekte ist eine »Liste der völlig überschätzten Lebensmittel«. Uneinholbar auf Platz 1 wäre fraglos »das Panko«. Vor ein paar Jahren hätte ich noch dazuschreiben müssen, dass es sich um Semmelbrösel handelt, aber – Achtung! – aus Japan! Und man weiß ja, dass in Japan zum Beispiel ein Sushi-Koch erst mal zehn Jahre lang üben muss, wie man das Messer hält und dass er dann – vielleicht – einen Probefisch ansehen, aber halt noch lange nicht anschneiden darf. Und erst kurz bevor er aus Altersgründen ausscheidet, darf er einem Gast einen von ihm erstellten Teller servieren. Und wenn alles gut geht, dann fangen Gast und Koch an zu weinen, heimlich natürlich, damit keiner das Gesicht verliert, und versichern sich, dass sich dafür das alles gelohnt hat und dass sie jetzt zufrieden sterben können! Und so muss das auch bei Panko sein. Angefangen beim Bauern, der sein ganzes Leben dem Weizen geweiht hat und jedes Korn beim Namen kennt, über den Müller der eisern – wenn möglich ohne Esel oder Gott bewahre! motorbetriebene Hilfsmittel – die Mühlsteine antreibt und verzückt dem Knirschen der Weizenkörner lauscht, bis zum Bäcker der all diese Zutaten zu Fuß bei den anderen einsammelt, und wo sie sich jeweils bei einer zwei Wochen dauernden Teezeremonie gegenseitig darin bestärken das Richtige zu tun. Und das Brot, das er dann bäckt, wenn er wieder zu Hause ist! Das Brot! Gut, man kann es nicht essen. Aber wenn man es zerkleinert kommen prima Semmelbrösel dabei raus. Vielleicht ist es bei mir wie bei dem Fuchs und den Trauben. Und ja, ich habe lange Zeit gar kein Panko kaufen können, weil ich die Insider-Quellen nicht kannte und niemand im Bekanntenkreis auf die Idee gekommen wäre, schnell mal nach Yokohama zu fliegen und Panko einzukaufen oder – besser – beim Bäcker direkt abzuholen. Aber seit ich im Supermarkt um die Ecke das kaufen kann, was verarmte Köche in Fernsehsendungen anpreisen müssen, weil sie wie immer ein paar Jahre hinterher sind, aber halt das Geld brauchen und auch Industrieschrott anpreisen müssen, seither weiß ich, was ich auf keine Fall essen will: dieses Panko. Wenn die Bürli nichts werden, dann werden sie ein wenig getrocknet, vielleicht auch geröstet, durch den Mixer gejagt – nicht zu fein – und es werden erstklassige Semmelbrösel werden!

Küchentagebuch, Sonntag 1. August 2021

  • Schweinefilet mit Scampi in Estragonsauce (im April schon mal gekocht)
  • St. Galler Bürli (s.u. – Schweizer Semmeln, man braucht nämlich viel gutes Brot für diese Sauce)
Schweizer Brot, deutsches Filet, ??? Shrimps

Gebacken: St. Galler Bürli (gesehen bei brooot.de)

Der Name stimmt wahrscheinlich nicht mehr – ähnlich wie bei Schnitzel Wiener Art – weil nicht Schweizer sondern Bayrisches Ruchmehl verwendet wurde

Hummus, Knoblauch, Pilze

Auf Wunsch des Veganers im Haushalt noch mal gekocht. Das ist kein Problem; wenn etwas schmeckt, dann koch ich das gern auch öfter. Aber ich tu mich schwer mit vegan. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich glaube, dass das mit den Schweinemästern, den Hühner-KZ’s und den Schlachtbetrieben so weiter gehen kann, würde ich sofort sagen: Auf keinen Fall! Sowohl aus ethischer Sicht als auch aus Klimawandel-Gründen muss das sofort aufhören! Hört sofort damit auf! Aber, wenn ich vielleicht noch ein paar Jährchen Eier und Sahne und Speck … Oder Rindfleisch. Ich bin kürzlich bei meinen CO2-pupsenden Rindern vorbeigefahren, also den Rindern, die mein Metzger inzwischen ausschließlich verarbeitet, hier ums Eck, wo auch GPS versagt, wenn man sich verirrt. Mann ist es da schön, Mann geht es denen gut. [Und Mann ist dieses Fleisch köstlich!] Wenn ich vielleicht einmal im Jahr im Monat in der Woche.. Okay, ich weiß, dass ich mich belüge. Ich hab schon auch ein schlechtes Gewissen, weil auch ich es ein bisschen verbockt hab. Aber halt nur ein bisschen; dann kann ich doch jetzt auch nur ein bisschen weniger… Okay, okay, aber eins müsst ihr mir versprechen: Wir kämpfen gemeinsam gegen die Auswüchse der Lebensmittelindustrie im Veganer-Regal! Ich bin wie gesagt kein Experte in vegan, aber das scheint sich alles nicht sehr von Ravioli in der Dose und Pfannkuchenteig im Tetra Pak zu unterscheiden, ich will nicht, dass die Lebensmittelindustrie grad so weiter macht. Ich bin vielleicht ein weltfremder Omnivore, aber was ich da in den Regalen sehe, kann nicht die Zukunft sein, bitte nicht!

Küchentagebuch, Samstag 31. August 2021

  • Hummus mit konfiertem Knoblauch und gegrillten Pilzen (ein Flavour-Ottolenghi, hier schon mal gekocht)
  • Fladenbrot (ein großes damit man hinterher nicht noch Wurstbrote essen muss, obwohl: die Fenchelsalami von meinem Metzger …)
Knoblauch bekommt dem Hummus richtig gut