Fisch, Shrimps, Béchamel

Es scheint mehr offene Lehrstellen als Lehrstellenbewerber zu geben. Vor nicht allzu langer Zeit war da noch ein Lehrstellenmangel. So schnell kann das gehen. Meine Theorie ist allerdings, dass dem ein kleines Missverständnis zugrunde liegt. Viele Hauptschulabgänger haben bekannter- und beklagenswerterweise einige Schwierigkeiten mit der Orthographie und verstehen nicht, warum sie sich auf eine Leerstelle bewerben sollen, sie träumen doch von einer vollen Stelle, oder – wie der Lehrer immer sagt – einer Vollzeitstelle. Es ist aber völlig unangebracht, die Leerstelle gering zu schätzen. Oft ist eine Leerstelle, eine Leere an der richtigen Stelle, der entscheidende Unterschied. Nehmen wir zum Beispiel die beiden Sätze »Ich habe einen Blindenhund« und »Ich habe einen blinden Hund«. Deutlicher kann man den Vorteil einer Leerstelle nicht veranschaulichen.

Küchentagebuch, Dienstag 14. September 2021

  • Fischkroketten (immer noch wie vor Jahren)
  • Zitronen-Aioli (essen&trinken, ich frage mich aber, warum nicht einfach Aioli?)
  • Salat
Spanien, Tapas essen, wär eigentlich auch schön …

Auberginen, Nudeln, Hack

Ich habe gestern gewählt. Kommunal- und Bürgermeister- und Landrat- und Kreistags-Wahlen. So als Einübung für die Wahl aller Wahlen. Und damit das mit dem Üben auch richtig klappt, hatte ich insgesamt 11 Stimmen. Zum Panaschieren und Kumulieren und Wegradieren. Mich überfordert das ja. Gut, beim Stadtrat macht das Sinn: eine Stimme für den Linken aus dem Golfclub mit dem guten Handicap, eine für den AfDler vom Stammtisch mit dem gesunden Durst und eine für die nette Zahnarzthelferin von “WirRettenTiere” (oder so ähnlich). Da sind drei Stimmen eigentlich schon fast zu wenig. Aber schon im Kreistag sitzen Menschen, die ich noch nie gesehen habe, und wohl nie sehen werde. Und ob ich je verstehen werde, was die tun? Ich hoffe nur, dass bis zum 26. September Corona vorbei ist. Denn, damit sich ankommende Wähler und nachhause gehende Wähler nicht näher als 1,50 m kommen, haben die Mitglieder der Wahlkommission einen Hindernisparcours aufgebaut, in dem manche Menschen wahrscheinlich jetzt noch feststecken (die Statistik der vermissten Personen ist noch nicht veröffentlicht). Und natürlich dürfen nur zwei Wähler gleichzeitig im Wahllokal sein, weil sonst der Mindestabstand … Das verlangsamt den Prozess erheblich. Und deshalb entsteht eine laaange Schlange nach dem Parcours und vor dem Wahllokal, und dort darf man sich in aller Ruhe Schulter an Schulter ins Genick husten. Und wenn ich mir jetzt die Wahlergebnisse angucke, und sehe, dass keine meiner 11 Stimmen den Lauf der Welt ändern wird, weil die Mehrheit offensichtlich anderer Ansicht ist, dann ist es schade um “WirHättenGerneTiereGerettet”, aber trotzdem: mir fällt kein anderes, besseres System ein.

Küchentagebuch, Montag 13. September 2021

Die Auberginen sind jetzt weg – schade, eigentlich

Falafel, Fladenbrot, Flaschentomaten

Eine Dürre ist heute ja nicht mehr unbedingt eine unterernährte Frau. Erstens sind die anderen Dürren, also die ausgetrockneten, mehr geworden, und anderseits würde man so eine arme Frau in Zeiten der gendergerechten Sprache wahrscheinlich anders bezeichnen. Trotzdem war ich mir heute morgen bei der Überschrift »Die Dürren nehmen zu« nicht sicher, ob ich jetzt die linke Gehirnhälfte aktivieren soll, in der ich alle Probleme aufbewahre, die mit dem Klimawandel zu tun haben, oder die rechte, in der das Mitleid und ja, auch die Schuldgefühle wohnen, die sich über die Jahrhunderte der Frauendiskriminierung angesammelt haben. Dieser Satz kann ja entweder eine gute oder halt Auch eine schlechte Nachricht sein. Da ich vor dem Klimawandel jedoch erheblich mehr Angst habe als vor falsch bezeichneten Frauen, hoffe ich, es ging um eine neue Diät. Zumal auch von »Sommerdürren« die Rede war. Und an die kann ich mich noch gut erinnern. Sie liefen alle mit einem Brigitte-Heft unter dem Arm durch die Einkaufszentren und faselten irgendwas von »Bikinifigur«.

Küchentagebuch, Sonntag 12. September 2021

  • Falafel (siehe hier)
  • mit Fladenbrot
  • und allerhand drum rum
Ich bastle “Burger”, Frau T. isst getrennt

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