Pest oder Cholera

Flug KL6059, kurz hinter England, ich war gerade etwas eingenickt, als ich halb im Unterbewusstsein die Frage vernahm: „Chicken or Pasta?“.

„Chicken or Pasta“, „Pest oder Cholera“, „Pasta or Chicken“, „Cholera oder Pest“, sind das die uns verbliebenen Wahlmöglichkeiten im 21. Jahrhundert? Wie lange bin ich schon nicht mehr geflogen, ohne diese Frage zu hören? Wahrscheinlich eben einfach der kleinste gemeinsame Nenner im ohnehin schwierigen Catering-Geschäft der Lüfte. Aber trotzdem unendlich traurig, fast noch trauriger als der Platz, der einem für 9 bis 10 Stunden in der Coach-Klasse zur Verfügung gestellt wird.

Ich kann mich noch an einen Urlaubsheimflug vor unendlich vielen Jahren erinnern. Da gab es Schwarzwälder Schinken und Vollkornbrot – mit Gürkchen. Das war nach 4 Wochen Sri Lanka – oder hieß das damals noch Ceylon? – ein Erlebnis, auch wenn das Brot fest verschweißt war und der Schinken auch hätte aus der Uckermark kommen können. Man will ja eigentlich gar nicht viel. Nur als Mensch behandelt werden, von der Security, von der Fluggesellschaft und von all den anderen „Dienstleistern“. Aber die Welt scheint wieder lebensfeindlicher zu werden, fast wünscht man sich in die Zeit von Goethes  Italienreise zurück.

„Pest oder Cholera“, „Chicken or Pasta“, da mach die Auswahl von “20 oz”, “24 oz” oder “27 oz” im „Texas Roadhouse“ schon erheblich mehr Spaß. Wenn sie auch völlig überflüssig ist, weil 1 Unze 28,35 Gramm hat, also 20 Unzen schon mal 567 Gramm ausmachen. Sicher, für ein Ribeye am Knochen (gibt’s den Schnitt bei uns überhaupt?), da macht ja allein der Knochen schon mindestens 1 Pfund aus.  Aber nachträglich muss ich der Vorsehung danken. Als „ganzer Mann“ wollte ich natürlich mindestens 24 Unzen haben. Dieses Teil war dann aber ausverkauft und 27 Unzen (also 745 g) schienen mir dann doch zu viel.

Résumé aus 500 g Fleisch und 67 g Knochen: Alleine dass man sich die Steaks „lebend“ aus der Vitrine holt wie bei uns die Fische und dass sie so gebraten werden, wie man sie bestellt hat, lässt mich den Amerikanern manches verzeihen. Wer das Fleisch mit so viel Liebe und Sorgfalt behandelt , auch im Ketten-Steak-House, der kann kein ganz schlechter Mensch sein.

Aber nächste Woche, wenn ich wieder zu Hause bin, dann blogge ich ein vegetarisches Gericht – versprochen.

Einkaufsbummel

Bei einem Einkaufsbummel in Lüneburg musste Frau T. mal eben kurz in den esprit schauen. Dafür hatte ich natürlich Verständnis, schließlich bot sich so die Gelegenheit, im benachbarten Bücher-Wühltisch zu stöbern. Jedes Buch 2,99€, 4 Stück für 10!

Bei aller Liebe zu Büchern und bei aller Aufgeschlossenheit für Schnäppchen: 4 Stück waren da nun wirklich nicht zu finden, aber Miriam Meckel kann man da schon mal mitnehmen. Dann ist das schlechte Gewissen nicht so groß, wenn man es wieder weglegt oder ins Regal stellt.

Als Frau T. (erstaunlich schnell) wieder zurückkam und mir über die Schulter schaute, hatte ich gerade „Laut und Luise“ von Ernst Jandl in der Hand; ich glaube, ich blätterte gerade auf diese Seite

Ich spürte ihren skeptischen Blick in meinem Rücken, als ich mit den beiden Büchern zur Kasse ging. Skeptisch ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck, die Skepsis hatte zumindest einen starken Anflug von Mitleid und es schwang wohl auch ein wenig Sorge mit, die ich mir allerdings nicht recht erklären konnte. Aber ich musste ja die Bücher bezahlen und vergas darüber, nachzufragen.

Inzwischen vermute ich – sie hat ja nur diese Seite gesehen – sie hält das Buch für einen Fehldruck und fragt sich natürlich, wie der Mann, mit dem sie dachte, den restlichen Lebensweg gemeinsam bestreiten und durch Dick und Dünn gehen zu wollen, sehenden Auges das Geld für ein Mangelexemplar erster Güte zum Fenster hinauswerfen kann und auf was sie sich da wohl eingelassen hat.

Ich suche jetzt nach einer unverfänglichen Gelegenheit, dieses offensichtliche Missverständnis aufzuklären und überlege, ihr von einer anderen Seite dieses Buches mein Lieblingsgedicht „16 Jahr“ vorzulesen:

thechdthen jahr
thüdothdbahnhof
thechdthen jahr
wath tholl
wath tholl
der machen
thüdothdbahnhof
thechdthen jahr
wath tholl
wath tholl
der bursch
wath tholl
wath tholl
der machen
thechdthen jahr
thüdothdbahnhof
wath tholl
der machen
der bursch
mit theine
thechdthen jahr

(Ernst Jandl, Laut und Luise, Sammlung Luchterhand 2030)

Aber vielleicht ist das gar nicht nötig. Ein wenig Bodenständigkeit und Verlässlichkeit konnte ich schon abends demonstrieren, als ich aus den nicht eingekellerten Äpfeln einen schnellen Apfelkuchen gebacken habe: Torta di mele. Was sind dagegen schon 2,99€?

Apfelernte

Selbst geerntet. Ich. Vom eigenen Baum. Eigentlich wollte ich sie ja noch einzeln beschriften, aber ich weiß doch den Namen nicht. Bin aber trotzdem beeindruckt.

 

Psst! Mein Teig schläft …

Petra hat ein Rezept für „Apfelschnitten mit Zitronenguss“ von 1985 ausgegraben. Weil früher alles besser war, also auch Teigrezepte und weil ein Hefeteig, der nicht wie ein Hefeteig schmeckt, sofort mein Interesse weckt und weil ich dann auf die Frage von Frau T. „Was macht der Hefeteig im Kühlschrank?“ betont professionell „Psst! Er schläft! Kalte Führung …“ antworten kann und weil Sohn T. gestern am Apfelkuchen von der Insel zu bemängeln hatte, er sei viiiel zu klein, jetzt hab ich den Faden verloren, auf jeden Fall:  die Apfelschnitten mussten her.

Leider waren nur noch 140 g Butter da. Bei mir! Einem überzeugten Anhänger von Horst Lichter keine Butter im Haus *kopfschüttel*. Aber mit einer selbstgebastelten Excel-Tabelle ist das ja kein Problem. Wird halt die Rolle etwas kleiner, nur: wie misst man 0,777778 Eigelb? Ist dann aber doch was geworden, obwohl mit dem Apfelkompott viel zu viel Flüssigkeit auf den Teig kam und obwohl wegen einer grassierenden Zitronenguss-Allergie in der Familie die Nummer nicht bis zum Schluss durchgezogen werden konnte. Mein Tipp: Nachmachen!

Aber eigentlich ist dieser Post ein Hilferuf. Ich habe schon jede Menge Bücher gewälzt, in denen die Geheimnisse des Backens detailliert geschildert, bebildert und idiot-proof aufgedröselt werden. Ich hab sie von vorne nach hinten gelesen, ich glaube alles über alle Teigarten zu wissen, ich hab sogar schon Quark-Blätterteig gemacht. Aber keiner hat bislang die Frage beantwortet: Wie entmehlt man den Bäcker?

Ich muss ja nur eine Mehltüte anschauen und schon färbt sich der Bauch mehr und mehr weiß. Das könnte nun am Bauch liegen, das ist nicht ausgeschlossen. Aber ich meine auch, abends schon Mehlspuren unter den Zehennägeln entdeckt zu haben. Und ich mache mir Sorgen, wenn ein Pathologe, zum Beispiel Prof. Börne, am Tatort Spuren von Weizenmehl, Type 405 entdeckt und die Ermittlungen dann geradewegs in meine Küche und unter meine Zehennägel führen. Wie komm ich dann aus dieser Nummer wieder raus?

 

Gehalt-voll

Drei Ereignisse bzw. Meldungen der letzten Zeit machen mich nachdenklich:

  • Die jüngsten Tarifauseinandersetzungen zwischen Journalisten und Verlegern, die sich (zumindest auch) um die Frage drehten, ob die Qualität aufrecht erhalten werden könne, wenn Nachwuchskräfte, wie von den Verlegern gefordert, bedeutend schlechter bezahlt würden
  • Stefan Niggemeier wird Spiegelautor
  • Die Ente wirft Foodbloggern vor, zu viel Energie auf Eigenvermarktung zu legen und – tja, wohl auch finanziell von ihrem Erfolg profitieren zu wollen

Für mich stellt sich da nämlich die Frage, ob der Gehalt (von Artikeln) und das Gehalt (der Autoren) irgendwie zusammenhängen. Ich meine: ja freilich! Ich weiß natürlich – gerade bei Foodbloggern, bei denen ich mich am meisten bediene – den Enthusiasmus zu schätzen und bewundere das oft erstaunliche Fachwissen und genieße die oft dramatisch schönen Fotos und halte Wikipedia immer noch für ein Wunder, aber ich liebe auch die Idee einer Endredaktion, die stilistische Blüten und sachliche Fehler ausmerzt und die Kommentare und Meldungen säuberlichst trennt und vielleicht auch darauf achtet, dass ordentlich recherchiert wurde und überhaupt jemanden, der sich verantwortlich fühlt.

Ich glaube an den Zusammenhang von Aufwand und Ertrag. In einer Welt, in der die Bestreitung des Lebensunterhalts einen nicht unerheblichen Teil der Lebenszeit beansprucht, werden immer Konflikte zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Wollen und Können entstehen, wenn eine wie auch immer geartete Vergütung ausbleibt. Und nur die Freude an der Kommunikation kann höchstens Nischen befriedigen Wir sollten also entweder die Gesellschaft ändern, zum Beispiel mit einem Grundeinkommen, oder schleunigst ein Modell finden, wie bezahlte Inhalte im Netz funktionieren könnten. Und Werbung wird es sicherlich nicht sein, vor allem dann nicht, wenn sie halbversteckt daherkommt.

Eigentlich wollte ich mich aber im Namen der deutschen Sprache bei allen Fremdsprachlern entschuldigen. Wir können ja auch nichts für Wörter wie „der Gehalt“ und „das Gehalt“. Wir nehmen das auch nur achselzuckend hin (und benutzen es von Zeit zu Zeit falsch), vor allem, wenn dann im Dativ („dem Gehalt geschuldet“) oder im Genetiv („des Gehaltes wegen“) noch nicht einmal mehr ein Artikel oder eine Endung hilfreich zur Seite springen.

Der Grund, weshalb ich das alles aber hier in den Tischgesprächen erwähne, ist die (imho ziemlich originelle) Vermutung eines Lesers von verstaendlich.ch, dass die wörtliche Übersetzung von „Salär“ ja wohl „Salzgehalt“ sei. Natürlich macht der Fachmann Herr Gleiser dieses hübsche Bonmot zunichte: weil „-är “ eine typische Adjektiv-Endung sei (wie in primär oder temporär), sei die richtige Übersetzung eher „salzig“. Immerhin hätte ich damit beim Unfall mit der Salzmühle in der Pilzpfanne gepflegt sagen können, mir seien die Pilze etwas salär geraten.

Aber weil ich ja trotz allem an das Gute im Blogger glaube, verrate ich heute aus gegebenem Anlass mein allerliebstes Blumenkohl-Rezept:

Blumenkohl mit Schinkensauce

Ein Rezept aus der Zeitschrift essen & trinken aus dem Jahr 1982, das war glaube ich noch vor der Erfindung der Hollerith-Maschine. Das Rezept darf muss aber um keinen Deut geändert werden, den Zusatz „(Suppenpaste)“ bei der Hühnerbrühe habe ich bereits getilgt und wer mag, kann die Bechamel gerne etwas länger köcheln lassen.

75 g Bacon in feine Streifen schneiden und bei mäßiger Hitze knusprig ausbraten. Speckstreifen aus dem fett heben und auf Küchenpapier abtropfen lassen. 20 g Butter im Speckfett schmelzen, 40 g Mehl einrühren und kurz durchschwitzen lassen. ⅛ l Hühnerbrühe und ½ l Milch mischen und zugießen. Unter ständigem Rühren aufkochen und bei milder Hitze 15 Minuten köcheln lassen.

1 großen Blumenkohl (ca. 1 kg) putzen und waschen und in reichlich kochendem Salzwasser in 15 Minuten garen. 150 g gekochten Schinken fein würfeln, 2 Bund Schnittlauch in Röllchen schneiden und beides in die Sauce geben und 5 Minuten ziehen lassen. Erst dann mit Salz, Pfeffer, 1 EL Worcestershiresauce und 1 EL Zitronensaft abschmecken. Von der Kochstelle nehmen, 2 Eigelb verquirlen un unterziehen. Einen Teil der Sauce über den Blumenkohl gießen, mit den abgetropften Baconstreifen garnieren. Die restliche Sauce extra reichen. Dazu passen neue Pellkartoffeln.

Rechts im Bild sind übrigens nicht die Pellkartoffeln, sondern der Nachtisch „Brönnti Creme„. Hasenherz, das und Brönnti-Anfänger, der ich bin, habe ich mich nicht getraut, das letzte aus dem Karamell heraus zu kitzeln; fad war es dennoch nicht.

Rettet das Morgenbrot

Ich bereite mich gerade schon mal mental auf einen USA-Trip vor. Kulinarisch wird das kein Problem, er dauert nur drei oder vier Tage. Da kann man ein Steakhouse besuchen, auch in Iowa in Seafood schwelgen, auf dem Land einen wirklich guten Burger verdrücken (doch, mit lokaler Unterstützung findet man die durchaus noch), das geht schon.

Sorgen bereitet mir aber das Frühstück. Ich hab das Hotel nicht selbst gebucht und hasse diese „Complimentary Continental Breakfast“-Buffets, die oft nur aus einer Kaffemaschine und einem Stapel trockener Donuts bestehen, oder – noch schlimmer – „Complimentary All American Breakfast“-Buffets mit schmieriger gelber Pampe, die sie „Rühreier“ nennen und derselben braunen Brühe wie beim Continental Style.

Dabei liebe ich amerikanisches Frühstück mit Eiern, Bacon, Bratkartoffeln oder Pfannkuchen und Waffeln mit Ahornsirup bis zum Abwinken. Wahrscheinlich weil der Magen – er kann ja nicht aus dem Flugzeugfenster schauen – die Zeitumstellung nicht mitbekommen hat und „morgens“ halt schon gerne einen ordentlich lunch hätte, wie er es von zuhause gewohnt ist.

Na ja, ich kann ja notfalls umbuchen. Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass man in Deutschland schon mal zum Lunch geht oder abends einen Tisch für ein Dinner reserviert, aber kein Mensch morgens breakfastet? Oder dass es im Schwäbischen (und sonstwo) abends das „Veschper“ gibt und das Frühstück halt doch das „Frühschtück“ bleibt? Nur bei den (deutschsprachigen) Schweizern nimmt man das Morgenessen (oder Zmorge) ein, ansonsten: Frühstück soweit die Zunge reicht.

Das Wort „Frühstück“ gibt es bereits seit dem 15. Jahrhundert (Dr. Bopp hat das recherchiert), hat das mittelhochdeutsche Morgenbrot verdrängt und meint wohl analog das erste in der Frühe gegessene Stück Brot. Seither ist es resistent gegen alle fremdsprachlichen und wohl auch regionalen Einflüsse – synonyme.woxikon.de findet gar keine Synonyme für Frühstück, ein.anderes-wort.de schlägt „erste Mahlzeit des Tages“ vor und Wiktionary.org fällt auch nur das schweizerische Morgenessen ein – seltsam.

Wie auch immer dem sei, allen, die jetzt abwinken und stöhnen „morgens brauch ich eh nur einen Kaffee und eine Zigarette„, sei verraten, dass ich das Geheimnis eines ausgiebigen Frühstücks entdeckt habe: Man braucht Zeit, eine frische Tageszeitung und einen Freisitz, bei dem man in die Morgensonne blinzeln kann. Dann kann man gerne mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette anfangen, aber wenn dann frische Semmeln, Landbutter, ein 4-Minuten-Ei, Schinken, Käse, Marmelade und ein frisch gepresster Orangensaft zufällig in Reichweite stehen, dann ergibt sich der Rest von alleine – versprochen.

 

Abschied

Partir, c’est toujours mourir un peu.“ Abschied ist immer auch ein kleiner Tod; fast bin ich ein wenig gerührt, aber es gibt gute Gründe, Abschied vom Küchentagebuch (R.I.P.) zu nehmen:

Paranoia – jetzt weiß die ganze Welt, was ich esse
macht mir eigentlich weniger Kopfschmerzen. Mal ehrlich, der Bruchteil der Weltbevölkerung, der betroffen ist, ist ziemlich klein – gibt es eigentlich milli-Prozent oder noch besser femto-Prozent? Und auf die Emails, wie „Lieber Herr T. Wie wir wissen, schätzen Sie die Produkte der Firma F ..“ bin ich eher gespannt.

Langeweile – das ödet doch an
Langeweile bei den Lesern ist eigentlich auch nicht mein Problem, zwei oder drei gelangweilte Menschen mehr, das nehme ich gerne auf meine Kappe. Aber die Langeweile des Bloggers ist eine Todsünde, derer ich mich nicht schuldig machen möchte.

Eitelkeit – boah hey, was der alles isst
obwohl mir Eitelkeit natürlich nicht fremd ist, ist und war es nicht meine Absicht, diese hier zu befriedigen. Aber beim Rückblick auf einen Monat und der Erkenntnis, dass kaum Wiederholungen vorkamen, schleicht sich die Sorge ein, dass dieses öffentliche Tagebuch Einfluss auf das normale Leben nimmt – und nicht umgekehrt.

Faulheit – das artet doch in Stress aus
würde wahrscheinlich die Wahl des wichtigsten Grundes haushoch gewinnen. 1 1/2 Monate fast täglich notieren, kommentieren, Links aussuchen, eventuell Fotos knipsen und zuschneiden – puuh. Sicher, mehr als 4 Jahre fast täglich geht ja offensichtlich auch, aber wer bin ich, mich mit Robert zu vergleichen?

Sinnfrage – was will der denn mit noch einem Küchenblog?
das kann ich nicht beantworten. Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass das Tagebuch den Blog recht küchenlastig macht. Ich weiß zwar nicht wie-lastig oder was-lastig oder ob überhaupt lastig er werden soll, aber für diese Sinnfindung ist weniger Korsett wahrscheinlich besser – und eine geringere Frequenz sicher auch. Aber die Nase aus den Kochtöpfen heraushalten kann ich natürlich auch nicht – dafür duftet es dort zu gut.

Deshalb heute die Abschiedsvorstellung – das Küchentagebuch:

Und warum?

  • Habe ich die Galloway-Herde gestern nicht erwähnt? Nun, es ist eine kleine Herde, aber ab und zu muss eines der jungen Tiere dran glauben und landet erst am Haken – zum Abhängen – und dann bei meiner Geflügelfrau (sic!) – zum Abnehmen. Ich hab mal den Abnehmer gemacht.
  • Auf dem Markt wollte ich heute nur 10 Eier kaufen, aber neben den Eiern ist immer der Obsthändler aus dem Alten Land – heute mit Erdbeeren. Es wird dieses Jahr nicht mehr viele frische Erdbeeren geben (wenn man Arthurs Tochter im Hinterkopf behält).

Und wie?

  • rückwärts gebraten, ohne Schnickschnack, mit Heidekartoffeln und Tomatensalat.
  • Mein Rezept stammt aus einem alten Essen&Trinken. Auf deren Webseite findet man zwar auch ein Rezept mit diesem Namen, aber mit anderen Zutaten. Der Link auf kochbar.de hat zwar ein scheußliches Bild, aber das Originalrezept. Wie man die Mousse zubereitet, ist wahrscheinlich egal, aber das Zusammenspiel von Mousse, gewürfelten und pürierten Erdbeeren und Schokostreuseln muss unbedingt erhalten bleiben.

 

Kochen müssen

Bei der Ente läuft ja die Diskussion um „Kochen können – oder kochen wollen“. Weil ich die nicht mit einem Randaspekt durcheinander bringen will – sie ist eh verworren genug, verbrate ich meinen Gedanken besser hier als eigen Post.

Neben Wollen und Können gibt es nämlich noch das Müssen, was nicht ganz dasselbe ist wie Nichtwollen, aber sicher weit genug verbreitet ist und ganz sicher einen erheblichen Anteil am Anstieg der Convenience-Produkte hat – die quälende Gewissheit, dass die Kinder auch unter Zeitdruck und auch bei Lustlosigkeit was zu essen brauchen.

Vielleicht übersehen Hobby- oder Gerneköche – und nur die lesen ja Blogs und nur die diskutieren dort drüben – diesen Zwang, weil sie besser damit umgehen können. Entweder sie definieren das Müssen schnell mal um durch ein Da-könnte-ich-doch und schon wird es ein Wollen oder sie nutzen ihre Kompetenz um mal schnell was aus dem Ärmel zu schütteln. Und dieses Können, liebe Ente, kann man sich nicht erlesen, das muss man sich erkochen. Genau wie die bange Frage „Was tun?“, wenn mal was schief gelaufen ist (und das tut es ab und zu). Ohne Gusto (ist das richtiges Österreichisch?) gerät sowas nämlich schnell zur Panik oder doch zur vollständigen Desillusion. Kochen ist nicht so einfach; es war es nie und das ist durch Kochshows und Food-Blogs nicht besser geworden.

In der Vorrede zu einem alten Kochbuch (Hannoverisches Kochbuch, Erster Band, der besonders das alles enthält, was eigentlich zur Küche gehört. Von Ernst Meyfeld und Johann Georg Enners, 1792) habe ich folgendes gefunden:

„Wären die Menschen freilich bei ihren ersten Bedürfnissen der Nahrung geblieben; so könnten sie uns und unsere Kunst und unsere Anweisung entbehren. Die Kunst zu kochen würde alsdann in ihrem ganzen Umfange eine Sache seyn, die jeder Mensch in sehr weniger Zeit erfahren, lernen und ausüben könnte. Da aber die Menschen ihre Bedürfnisse dieser Art so sehr erweiterten und vervielfältigten, daß daher die Küche einen so großen Artikel der Haushaltung begriffe; so wurde ihnen unsere Kunst und Anweisung wichtiger und nothwendig.“

Wäre es da nicht das beste, wenn man das Kochen denen überließe, die es können und wollen? Und ihnen den Auftrag erteilte, für die gesunde, preiswerte und schmackhafte Ernährung der anderen zu sorgen? Dann müssten nur noch die kochen, die das auch wollen.

Das klingt alles ziemlich sozialistisch, was ja aber nicht von vorneherein schlimm ist. Das gab es auch schon mal und ist schiefgegangen (in Berlin 1903 oder zeitgleich in Kopenhagen, siehe Wikipedia Das Einküchenhaus), aber das muss ja nicht bedeuten, dass es nicht funktionieren könnte. Eine Küche pro Haus (oder pro Block), die von denen betrieben wird, die sich dieser Arbeit gewachsen fühlen und sich ihr mit Freude und Sachkenntnis widmen wollen. Bezahlbares, gesundes und schmackhaftes Essen in größerem Kreis – ich kann mir schlimmeres vorstellen.

Falls Foodblogger oder Hobbyköche Angst um ihre Lieblingsbeschäftigung haben: für die könnte man in diesem Modell sicher eine Nische einrichten. Ist aber nur so ein Gedanke.

Heute gibt es keinen Eintrag im Küchentagebuch. Nicht weil ich seit geraumer Zeit darüber nachdenke, wie ich diese Schnapsidee wieder loswerde, sondern weil ich gar nicht in der Küche war. Oder nur, weil da der Kühlschrank steht und weil es eine Wohnküche ist. Ich war nämlich im Sinne von AT regional unterwegs und habe pfundweise Käse mitgebracht (regional, fast lokal), kiloweise Tomaten (regional, aber natürlich unter Glas) und zenterweise Schinken vom Susländer Schwein (Schleswig Holstein), gekocht, geräuchert, egal. Dass ich die Karbonade (Koteletts) nicht einfach auch noch mitgenommen habe, macht mich immer noch ein wenig stolz, weil ich Verzicht bislang nicht unter meinen Stärken vermutet hätte.

Das alles will jetzt erst mal gesichtet, gekostet und aufgegessen werden.

 

Küchentagebuch

Wir hatten heute Besuch. Selbst bei einem Nerd wird es da als unhöflich empfunden, wenn er einfach aufsteht und sich an den PC setzt. Seltsame Welt.

Stangerl und Dessert

Auch die Ausrede, dass ein Tagebuch, das halbjährlich erscheint, ja wohl kein Tagebuch sei, kam nicht gut an.

Küchentagebuch

  • Kürbissuppe mit Käse-Kräuter-Stangen
  • Chicken Teriyaki
  • Apfelkompott mit Mascarpone-Calvados-Creme

Und warum?

  • Der Besuch wollte was aus dem Garten. Hühnchen wächst da nicht. Also diese schönen orangen Kürbiskugeln. Und aus dem übrigen selbstgemachten Quark-Blätterteig von Frau L. gabs sogar noch ein delikates Extra-Stangerl.
  • Steph macht so schöne Fotos. Dieses Teriyaki-Huhn hat mich jetzt lang genug verfolgt und „Mach mich“ geflüstert.
  • Ein sensationeller Nachtisch mit den ersten eigenen Äpfeln. Erschienen im Essen & Trinken 1/1990 – irgendwann mal verrat ich auch das Rezept.

 

Kochen können wollen

Eigentlich wollte ich heute nur das Küchentagebuch abhaken und einen internetfreien Tag nehmen. Aber dann ist mir am Rande der Diskussion um Schweinchen, regionale Anbieter und Bio-Anbau (für die ich übrigens sehr dankbar bin, immerhin hab ich es dadurch geschafft, den Verband „Regionale Esskultur Lüneburger Heide“ zu finden) ein kleines österreichisches Missverständnis aufgefallen, das sich (wohl schon etwas länger) um das „Kochen können“ dreht.

Katha Esskultur behauptet – frei paraphrasiert – dass heute niemand mehr kochen kann, und EnteGut beharrt darauf, dass jeder, der lesen kann, auch  kochen kann – und beharren kann sie gut. (Teile der Diskussion u. a. nachzulesen bei den Kommentaren (ziemlich weit unten) zu 0,007 prozent).

Als König Salomon eigne ich mich nun gar nicht und ich bin auch nicht anmaßend genug, zu entscheiden, wer recht hat, weil wahrscheinlich sind es beide oder keine oder halb und halb. Aber ich würde mir von den beiden wünschen, das mal in einem eigenen Post zur Diskussion zu stellen – ich wär gespannt auf die Meinungen.

Festzuhalten wäre aber: Es gibt Menschen, die wollen nicht kochen; und diese wären noch einmal zu unterscheiden in solche, die auch nicht essen wollen und – na ja: die anderen. Die anderen sind die, die zwar schon die eine oder andere Leibspeise haben und manche Leckerei und manchen Tropfen zu goutieren wissen, die aber wahrscheinlich jemanden gefunden haben, der ihnen das Kochen abnimmt, weil sie das Schnippeln nervt und weil andere das viel besser können. Das leuchtet ein – zumindest teilweise. Interessant wäre allenfalls deren Entscheidung, wenn dieser „jemand“ ausfiele und sie vor die Wahl gestellt würden: Kochen oder Schweinefraß?

Blieben noch die, die nicht essen wollen (oder können) und (deshalb) auch nicht kochen wollen (oder können). Denen der ganze Akt der Nahrungsaufnahme ziemlich schnuppe ist und die ihn nichtmal im Traum mit Genuss in Verbindung brächten. Von dieser Gruppe, so vermute ich, redet Katha und ist ein wenig verzweifelt, weil sie vermutet/beobachtet zu haben glaubt, dass diese Gruppe immer mehr wächst. Und deshalb hat Katha recht!

Die Ente aber meint die noch nicht erwähnte Gruppe, die beides wollen, Essen und Kochen, aber letzteres nicht auf die Reihe zu kriegen meinen. Und hat natürlich auch recht (jetzt mach ich doch den Salomon) – man braucht diese Gruppe eigentlich nur zu ermuntern, der Rest kommt dann ganz von selbst.

Ich aber würde gerne die Katha-Gruppe besser verstehen. Nicht weil ich sie missionieren will, so was versuche ich immer weitgehend zu vermeiden. Sondern weil ich sie dafür verantwortlich mache, dass die Tiefkühl-Regale immer länger werden und die Fertiggerichte-Stapel immer neuen Zulauf erhalten und die Lebensmittelindustrie immer neue Verbesserungen hervorbringt und deshalb ganze Blogger-Kolonnen logenartig Adressen von Essbarem wie Geheimtipps austauschen müssen. Hatten diese Menschen denn keine Großmutter, aus deren Küche es so herrlich gerochen hat, wenn sie aus der Schule kamen? Ich bin kein Soziologe und ich sehe – aus mehreren Gründen – beim Zerfall der Großfamilie gerne auch die guten Seiten, aber ich werde es zumindest in diesem Leben nicht mehr begreifen, dass das Wort „Genuss“ immer weniger auf Gegenliebe stößt.

Das Küchentagebuch:

Und warum?

  • Im Garten wachsen Schmorgurken, die mir ein Nachbar zur Einweihung des Gartens geschenkt hat. Ich hab noch nie Schmorgurken gegessen – laut meine Mutter auch nicht als Kind. Einen Versuch ist es Wert.
  • Ich hab beim Einkaufen den Nachtisch vergessen. Unverzeihlich. Aber die Zutaten für Schoko-Pudding sind immer im Haus.

Fazit

  • Schmand und Senf waren eine gute Wahl. Wenn mir nichts anderes einfällt, kann es das mit den restlichen Gurken nochmal geben.
  • Erstaunlich: das Rezept ist für 4 Personen. Wir sind nur drei. Und trotzdem war meine Portion relativ klein?

 

 

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