Bayern-Niedersachsen-Österreich-Asien

Marinierter Spanferkelrücken

Apropos regional. Ich bin ja vor ein paar Monaten von München in die Lüneburger Heide gezogen. Am meisten erstaunt das die Leute hier in der Heide. „Um Himmels willen, wie kommt man denn auf die Idee?“ hat uns schon der Notar begrüßt – es hätte uns zu denken geben sollen.

Und direkt nach der ersten Ich-kann-es-nicht-fassen-Reaktion kommt garantiert die Frage: Und? Wie ist es auf dem Oktoberfest?

Am 17.9. geht’s ja wieder los: O’zapft is! Wenn ich noch dort wohnen würde, würde mich das nicht sonderlich betreffen. Sicher, es wäre schwieriger bis unmöglich einfach mit der S-Bahn zu fahren, und mit einer Trachten-, Janker- oder Landhausmoden-Allergie sollte man nicht unbedingt auf die Straße gehen. Aber sonst? Wenn man Glück hat, kommt ein schöner Herbsttag und man kann sich still in einen ruhigen Biergarten setzen und in eine Maß Bier träumen. Doch, das ist schon schön, ginge aber auch ohne Wiesn.

Völlig anders hier im Norden. Es scheint als ob hier alle dem Event entgegenfiebern, vielleicht eben weil es so weit weg ist. Und weil die Schützenfeste und Dorffeste und Heideblütenfeste oder das Weinfest (sic!) schon soo lange vorbei sind, musste jetzt endlich was passieren, und die Anzeigenblätter am Wochenende waren voll davon.

Vom 17.9. bis 2.10. macht das Landhotel Heidkrug in AlvernBayrische Wochen: Spezialitäten vom Weißwurst-Äquator und frisch gezapftes Paulaner vom Fass“ und am Eröffnungstag ist Musik und Tanz mit den Deichtirolern, das wird bestimmt lustig. Aber was noch viel wichtiger ist: alle Supermärkte der Gegend überbieten sich mit Sonderangeboten für Schweinehaxen, Leberkäse, Weißwürste und Spanferkel.

Ich gebe es zu. Beim Spanferkelrücken bin ich schwach geworden. Im Supermarkt – wenigstens nicht abgepackt. Keine Ahnung, wo das arme Tier herkommt, aber dem Preis nach zu urteilen kann es keine sehr glückliche Jugend verbracht haben. Trotzdem.

Zuhause dann allerdings die Zweifel. Nein, nicht ob ich das jetzt essen darf, sondern wie. Am einfachsten wäre es sicher gewesen den Schuhbeck auszupacken und ein richtig rösches Krusterl auf die Schwarte zu zaubern mit Krautsalat und Semmelnknödeln. Aber das war mir dann doch ein bisschen zu viel gefühlsduseliges heimwehseliges Ach-wie-ist-das-schön-Kochen.

Neben dem Herrn Schuhbeck im Bücherschrank steht aber der Herr Lafer aus Österreich und – weil mir das auch nicht weit genug weg wäre – führt er uns mit seinem Rezept

Marinierter Spanferkelrücken mit Pilzen aus dem Wok

mittenmang hinein ins ferne Asien, das ist weit genug. Da ich wieder einmal keinen Link auf das Rezept präsentieren kann, muss ich wohl ein wenig erzählen, wie er das macht, oder zumindest, wie ich das nachgemacht habe.

Bei 1 Spanferkelrücken (ca. 700 g) wird am Vorabend die Schwarte mit einem scharfen Messer rautenförmig eingeschnitten und das ganze Teil mit einer Paste einmassiert, die entsteht, wenn man je 2 Schalotten und Knoblauchzehen fein würfelt, 150 g Zitronengras schält und fein hackt, 80 g Galgant- und 50 g Ingwerwurzel (oder 130 g Ingwer) schält und in feine Würfel schneidet, 1 Chilischote entkernt und fein würfelt und das Ganze dann mit 1TL Kurkuma mischt, im Blitzhacker püriert und mit gemahlenem Koriander, Salz und Zucker würzt.

Am nächsten Tag heizt man den Ofen auf 160° vor, schabt die Gewürzpaste vom Fleisch und legt den Spanferkelrücken mit der Schwarte nach oben auf ein Backblech und schiebt ihn für 25 bis 30 Minuten auf der mittleren Schiene in den Ofen. Dann schaltet man den Backofengrill ein und lässt den Braten weitere 10 Minuten knusprig werden.

Parallel sollte man die Pilze vorbereiten: 250 g gemischte Pilze (Shiitake-,Austernpilze, Champignons) pinseln oder feucht abwischen und eventuell halbieren. 2 Schalotten und 1 Knoblauchzehe schälen und in feine Würfel schneiden. 1 Bund Koriandergrün waschen, trocken schütteln und die abgezupften Blättchen fein hacken. Dann 4 EL Erdnussöl im Wok (oder einer großen Pfanne) erhitzen und die Pilze darin (bei starker Hitze) unter Rühren kurz (ca. 3 Minuten) braten, Schalotten, Knoblauch und Koriandergrün kurz mitbraten; Hitze reduzieren und mit 1 EL Sojasauce ablöschen. mit  1EL gehacktem Koriandergrün, Salz und gemahlenem Koriander abschmecken.

Schließlich den Spanferkelrücken in Scheiben schneiden, mit den Pilzen anrichten und mit Korianderblättchen garnieren.

Womit das Küchentagebuch kurz gehalten werden kann:

  • Marinierter Spanferkelrücken mit Pilzen
  • Apfelkücherl mit Vanilleeis

Und warum?

  • Weil bald o’zapft is und meine norddeutschen Landsleute das kräftig mitfeiern und weil die Welt so klein geworden ist, dass dazu dann auch Zitronengras und Ingwer geht.
    Weil Frau T. allerdings eine mentale Korianderintoleranz hat, musste Petersilie aushelfen.
  • Eine zarte Reminiszenz an Bayern und ein dezenter Hinweis an Sohn T., dass es bei der Apfelernte genauso monoton werden könnte wie bei den Zwetschgen.

Fazit

  • Ich hatte meine Zweifel, aber die sind zerstreut: überhaupt nicht bayrisch und die Aromen der Marinade kommen richtig gut zur Geltung. Dass ich beim Würzen der Pilze die Salzmühle samt Inhalt in die Pfanne gekippt habe: Kollateralschaden; etwa die Hälfte war noch nicht kontaminiert, aber die andere Hälfte wurde trotzdem auch fast aufgegessen – wär echt schade gewesen sonst.
  • So ein bisschen Heimweh ist schon schön.

 

Selbstversorger

Heute also Einkaufsvermeidungsverhalten; was hat der Garten zu bieten? Immer noch Karotten, ein paar Zucchini, Kürbisse, Schmorgurken – was um alles in der Welt mach ich mit Schmorgurken? – und Mangold.

Der Mangold ist einfach nachgewachsen. Scheint so zu sein, mich hat’s trotzdem überrascht. Könnt eigentlich bei allem so sein – zwei oder drei Ernten wären doch allemal besser als eine. Vielleicht reich ich an höherer Stelle mal einen Verbesserungsvorschlag ein. Wird vielleicht sogar honoriert. Erfahrungsgemäß dauert das aber mit der Evolution; vielleicht erst in der nächsten Generation; man nennt das nachhaltig! Aber was interessieren mich die nächsten Generationen? Was haben die denn je für mich getan? Möglicherweise ist es besser, ich rufe Monsanto an, dann hab ich auch noch was davon. Nein, war nur ein Scherz!

Also Mangold. Da steht schon lange was auf der Nachkochliste: Die Mangold-Tarte von lamiacucina. Erstens verspricht Robert, die Tarte wäre „nicht schlecht“, was bei einem Schweizer hellhörig macht, und zweitens kann ich dabei den Quark-Blätterteig von Frau L. mal ausprobieren, sozusagen als Einstiegsdroge – und irgendwann im Winter trau ich mich dann an das Original – 1 Pfund Butter pro Tour oder so.

Zum Küchentagebuch:

  • Mangold-Tarte (lamiacucina) mit Quark-Blätterteig
  • Karamell-Eis mit restlicher Fruchtsauce

Und warum?

  • Mangold und Zwiebel: regional – ja, ca. 500 m; Bio – keine Ahnung (ohne Siegel)
    Butter und Quark: regional – ist „Deutschland“ regional? Bio – garantiert nicht
  • Eis war noch im TK – also kein Grund einzukaufen; Fruchtsauce von gestern muss weg

Fazit

„Nicht schlecht.“ Die Füllung – ursprünglich wohl vom Kleinen Kuriositätenladen – ist delikat und der Teig ist genau meine Kragenweite, gutmütig, bedarf wenig Zuwendung und ist köstlich. Ob er aber die Schwelle zum „richtigen“ Blätterteig ebnet? Abwarten.

 

Einkaufen – Geschmacksache?

Seit Arthurs Tochter über die Schweinchen von Katha Esskultur gestolpert ist (bildlich!) und ihre Einkaufsquellen und -gewohnheiten offengelegt hat, kann ich nicht mehr einkaufen! Gut, ich hab das erst am Samstag gelesen, da war die Familie schon versorgt, aber für die nächsten Tage mache ich mir dann doch ein paar Sorgen.

Weißt du, was die sagt? Lieber regional als Bio. Also, ehrlich! Und dass ihr so ein Bio-Siegel erst mal ziemlich an einem unanständigen Körperteil vorbei ginge. „Bio schmeckt man nicht unbedingt.“

Jetzt habe ich mich gerade daran gewöhnt, Biofenchel in Cellophan zu kaufen und lecker abgepackte Bio-Schweinelendchen, weil

  • ich damit den Tierquälern das Handwerk lege und
  • die Pestizid-Mafia bekämpfe und
  • das Klima rette und
  • jede Menge Gutpunkte sammle

und da kommt sie mit Geschmack daher! Als ob ich mir das nicht mühsam abgewöhnt hätte. Kein Fleisch mehr, weil Kühe böses Gas pupsen; keine Milchprodukte mehr, weil ich sicher ohne es zu wissen laktoseintolerant bin; keine Zigarre nach dem Essen, weil – ach ich weiß gar nicht mehr warum. Krebs, glaube ich.

Und ich soll ganze Hühner kaufen. Wahrscheinlich mit Innereien. Weiß die denn nicht, dass man da sehr schnell rückfällig werden kann? Das ist wie bei trockenen Alkoholikern – einmal ein paar Kutteln in Weißwein und du bist wieder ganz am Anfang. Das schaff ich nicht nochmal!

Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ein paar Tage kann ich uns noch aus dem Garten ernähren, aber dann muss ich wieder raus in den Konsum-Dschungel. Geschmack, ich fass es nicht.

Das Küchentagebuch

Und warum?

  • Selbst ein kleiner Hokkaido bringt fast 1 Kilo auf die Waage. Wäre doch schade, wenn der restliche Teil nicht verwendet würde, wo er nun mal schon geerntet ist.
  • Soulfood vom „Kleinen Kuriositätenladen“. Salsicce gibt es hier eher selten. Ich hätte zwar einen Bruder mit einer Kitchen Aid samt Wurstaufsatz, warte aber jetzt schon ein halbes Jahr auf eine Lieferung – so viel zum Thema Familienbande im 21. Jahrhundert.
  • Ich brauche Platz in der Tiefkühltruhe. Die TK-Früchte wär ich jetzt schon mal los.

Und wie?

  • 2 EL Zucker leicht karamellisieren. 500 g Kürbisfleisch (gewürfelt) mit etwas Butter zugeben und eine knappe Minute anschwitzen. 1 EL Tomatenmark zugeben und kurz mitrösten. Mit 600 ml Brühe (Gemüse-, Geflügel- oder gemischte Brühe) ablöschen und ca. 20 Minuten leise köcheln lassen.
    Kürbis im Topf pürieren, 125 ml Sahne zugeben und kurz aufkochen lassen. Vom Herd nehmen und 40 g Butter (eiskalt) in kleinen Würfeln untermixen. Mit angerösteten Kürbiskernen und etwas Kürbiskernöl in Tellern anrichten.
  • Statt Salsicce normale Bratwürste; dafür grob gemörserten Fenchel, getrocknete Kräuter und eine kleine Chili-Schote mit dem Knoblauch angebraten.
  • 250 g Mascarpone, 250 g Quark, 150 g Naturjoghurt mit 100 g Zucker gut verrühren. 200 g Sahne (geschlagen) unterheben und kalt stellen.
    250 g gemischte Beeren (TK) auftauen und mit 100 g Puderzucker mit dem Zauberstab pürieren. Eventuell durch ein Sieb treiben und mit der Creme servieren.

 

Alles halb so schlimm

Das mit dem Kürbis und dem Winter, da habe ich wohl überreagiert. So schlimm war der Sommer ja gar nicht.

Heute Morgen konnte ich endlich mal wieder ohne Schwimmflügel in den Garten und – siehe da, bei einem Sonnenstrahl (ein einziger reicht da schon) sieht alles gleich ganz anders aus. Zum Beispiel wachsen und blühen da Erdbeeren (hoffentlich sieht meine Mutter das Unkraut nicht) – erinnert doch irgendwie an Juli, oder?

Und der Chili-Strauch, dem ich nie eine Chance gegeben habe, sieht der aus als hätte er zu wenig Sonne abbekommen? Na also.

Und da ist noch ein Lorbeerbusch, von dem ich gelesen habe, er fühle sich in südlichen Gefilden wohl, mit viel Sonne und wenig Feuchtigkeit. Sauber akklimatisiert.

Genau wie die Äpfel. Die sind von hier und das Sauwetter gewohnt, aber wer so schön rot wird, der sollte sich doch wohl nicht beklagen.

Alles in allem: Ein Super-Sommer, man darf sich halt nur nicht bei läppischen drei oder vier Wochen Dauerregen gleich der Sommerdepression ergeben. Auf einen schönen Herbst!

Das Küchentagebuch:

  • Wiener Schnitzel, Pommes frites und Salat
  • Vanillepudding

Und warum?

  • Der Metzger hatte Kalbschnitzel. Da ich immer der bin, der danach fragt, konnte ich ja schlecht sagen: Nö, heute nicht. Und Schniposa (Schnitzel, Pommes und Salat) ist immer gut für die Seele eines ambitionierten Koch-Dilettanten. Mit ein bisschen Übung und selbstzertrümmerten Semmeln und selbstgeschnitzten Pommes und selbstgequetschtem Ketchup und selbstgeerntetem Salat schafft man meistens ein Resultat, das alle Wirtshäuser im Umkreis von mehreren hundert Kilometern mit ihren öligen Kartoffelstäbchen und ihren zu Tode frittierten Schweineschnitzeln und ihren abgesoffenen Essigblättern weit in den Schatten stellt.
  • Weil ein Nachtisch inzwischen Pflicht ist, sagt Sohn T.

 

 

Ich ergebe mich!

Nein, nicht übergeben! Ergeben, wie Friedensangebot, aussichtslose Lage, Resignation, so in der Richtung.

Mein Nachbar sagt mir seit Tagen, meine Kürbisse könnten geerntet werden – vielleicht weil er welche abhaben will. Ich aber sage immer standhaft: Nein, kann gar nicht sein! Denn wenn Kürbisse geerntet werden, ist Herbst und der Sommer war doch noch gar nicht da, und ich würde ihm doch gerne noch eine Chance geben, sich blicken zu lassen. Wenn ich jetzt Kürbisse ernte, dann denkt er vielleicht, er wird gar nicht mehr gebraucht, und findet nichts dabei und wartet bis nächstes Jahr. Nächstes Jahr, wie sich das anhört! Zwölf Monate Nieselregen, Morgennebel, Heisse-Schokolade-Wetter – ich kann doch jetzt keine Kürbisse ernten!

Mein Nachbar sagt, ich soll mich nicht so anstellen. Man müsse die Natur akzeptieren, um mit ihr im Einklang zu leben. Und nur weil ich meine Kürbisse nicht ernte, würde noch lange nicht die Sonne scheinen. Und ich solle doch den Sommer vergessen und freudig den Herbst begrüßen, der auch eine schöne Jahreszeit sei, mit Steinpilzrisotto, Kartoffeleintopf und – ja!- mit Kürbissuppe. Und wenn ich noch länger rumzickte, dann würde er sich seinen Anteil schon mal holen und ich könne ja dann mit dem Ofenrohr …

Okay, ich geb auf. Einen klitzekleinen Hokkaido werde ich ernten, aber die anderen bleiben liegen, schön deutlich, dass der Sommer sie auch sieht, wie sie immer noch daliegen und darauf warten, dass er sie noch ein wenig bescheint, und dass der Gärtner noch lange nicht zufrieden ist mit seiner bisherigen Leistung.

Und aus dem kleinen Früchtchen mach ich uns dann ein schönes Sommer-Ausklangs-Abendessen:

Kleine Kürbis-Käse-Kuchen

aus dem Muffin-Blech und mit einer großen Schüssel Kopfsalat mit Gurken, Tomaten und allen Kräutern, die sich im Garten noch gegen den Winter wehren.

Kleine Kürbis-Käse-Kuchen von der Ernte auf den Tisch
200 g Mehl und ½ TL Salz in einer Schüssel mischen. 100 g kalte Butter würfeln, mit einem Ei zugeben. Alle Zutaten mit den Fingerspitzen verkrümeln. Die Krümel kurz mit den Händen zu einem Ball kneten, in Folie wickeln und 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
Backofen auf 200° vorheizen (Umluft 180°). 300 g Kürbisfleisch klein würfeln, 1 Frühlingszwiebel in Ringe schneiden. Mit 1 EL Butter, 50 g gewürfeltem Schinken und 1 Prise Salz bei milder Hitze zugedeckt 10 Minuten dünsten. 150 g Quark (20%) mit dem Gemüse und einem Ei verrühren.
Den Mürbeteig dünn ausrollen, 12 Kreise mit einem Durchmesser von 10 Zentimeter ausstechen und je einen Kreis in eine gebutterte Muffinform legen. Füllung auf dem Teig verteilen, mit 2 EL Kürbiskernen bestreuen und etwa 25 Minuten backen.

Lecker. Aber um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen: Auch wenn ich jetzt auf den Sommer weitgehend verzichte, unter einem schönen Herbst stell ich mir schon was anderes vor als das, was da draußen abgeht.

Das Küchentagebuch kann sich heute jeder an fünf Fingern abzählen:

  • Kleine Kürbis-Käse-Kuchen mit gemischtem Salat
  • Portweinfeigen mit Sherrycreme

Ach ja, Nachtrag: die restlichen – laut Google – 13.600 Rezepte für Portweinfeigen konnten leider nicht mehr in den GBPF aufgenommen werden, da ich dringend noch eine Zwetschgen-Feigen-Marmelade machen musste und der Feigenvorrat damit erschöpft ist.

GBPF – Das Finale

Die Ente hat natürlich recht, wie konnte ich ungläubiger Thomas nur zweifeln: Johann Lafer, der mit der Startnummer 2 ins Rennen ging, ist auch nicht schwieriger nachzukochen als Eckhard Witzigmann. Gestern war mir einfach der Unterschied zwischen zwei Zeilen und einer Seite aufgefallen und zu eindeutig. Aber wenn man sich auf die Portweinfeigen beschränkt, um die es ja in diesem Challenge hauptsächlich geht, dann sieht das so aus:

Portweinfeigen (Johann Lafer, 6 Personen)

100 g Zucker in einem Topf bei mittlerer Hitze hellbraun karamellisieren und unter Rühren mit 200 ml rotem Portwein ablöschen. 1 Zimtstange, den Saft von je 2 Orangen und Zitronen, die Schale von je ½ Orange und Limette (unbehandelt) dazugeben und den Sud auf die Hälfte einkochen lassen.
1 bis 1 ½ EL Speisestärke mit wenig Wasser verrühren und den Sud damit binden.
6 Feigen (ich nehme an: große Feigen, ich nehm also 12 kleine) waschen, trocken tupfen, längs halbieren und in den Sud geben. Vom Herd nehmen und etwa 30 Minuten marinieren.

Sherrycreme mit Portweinfeigen (Lafer)

Und die Sherrycreme ist auch nicht richtig kompliziert, wenn ich auch – um mein Gesicht zu wahren – gerne eine oder  zwei Zeitangaben gelesen hätte: Was heißt „schaumig aufschlagen“? Wenn man Flüssigkeit und Eigelb mit dem Handmixer traktiert, dann schäumt das sofort. Aber ich glaube nicht, dass das gemeint ist, also habe ich brav etwa 5 Minuten gerührt, bis die eigentliche Masse schaumig wurde. So, jetzt hab ich auch ein wenig recht behalten.

Das vollständige Rezept gibt’s (die Ente hatte schon wieder recht!) im Internet; einmal beim SWR, wo die Feigen vorher über Nacht in weißem Portwein eingelegt werden, und einmal als PDF, wo zwar die Mengenangaben recht eigenwillig auf 4 Personen umgerechnet wurden, dafür erfährt man aber wenigstens, dass dieses Rezept in einer Küche von allmilmö entwickelt und auf Geschirr von Villeroy & Boch serviert wurde – auch gut zu wissen.

Siegerehrung

Die Familien-Jury war sich einig; The Winner is: Johann Lafer! Tusch! Mein Einwand, dass die Zutaten (für die Portwein-Feigen) doch die gleichen wären – ob Orangensaft oder Grand Marnier, ob Puderzucker oder Karamell, das sei doch egal – wurde einfach ignoriert. Und alle Rettungsversuche, wie etwa: bei Witzigmann seien die Aromen deutlicher zu unterscheiden, sein Rezept sei ursprünglicher, waren vergeblich. Also bleibt als Erklärung nur Lafers Zimtstange oder ganz simpel die Tatsache, dass die Sherrycreme auch nicht von schlechten Eltern war und hervorragend mit dem Feigenkomptt harmoniert hat. Diese Chance hat Herr Witzigmann gestern nicht erhalten, aber er wird es ja nicht erfahren, dass er nur Zweiter geworden ist.

Und der Vollständigkeit halber noch das Küchentagebuch:

  • Spaghetti mit Tomatensauce und Kopfsalat
  • Sherrycreme mit Portweinfeigen nach Johann Lafer

Und warum?

  • Die Tomatenpracht im Garten hat dem Dauerregen nicht standgehalten! Als Balsam für die angegriffene Gärtnerseele musste deshalb dringend eingedoster Ersatz her.
    Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Gurken im Salat absolut nicht gingen – aber bevor die letzte Gurke von den Schnecken aufgefressen wird – sei’s drum!
  • Ich kann ja keinen hochoffiziellen Challenge veranstalten und das Ergebnis dann auf dem Kompost entsorgen! Und die Menge reicht für morgen auch noch.

 

GBPF: Portwein-Feigen-Challenge

In einem Anfall von Haben-Will habe ich Feigen gekauft. Teure Feigen, viele Feigen. Irgendwas sollte ich jetzt auch damit machen. Mein Router hat Husten, da macht eine Internetsuche nicht richtig Spaß. Also ab ans Regal mit den Kochbüchern und – ja, Johann Lafer weiß natürlich Rat: Sherrycreme mit Portweinfeigen. Hört sich gut an und: Wer lesen kann, der kann auch kochen (sagt die Ente). Nur: Wer Lafer-Desserts liest, der muss auch kochen können wollen – und nicht nur mein Router fühlt sich heute schlapp.

Also Blick schweifen lassen, und da! Hab ich etwa ein Buch von Eckhart Witzigmann? Nur mit Desserts? Völlig vergessen. Nein, nicht vergessen, aber offensichtlich nie durchblättert. Soo schwierig sind die Rezepte darin gar nicht zu machen – ganz im Gegensatz zu den Fotos. Und natürlich macht auch er Portweinfeigen, was also liegt näher als ein Challenge auszurufen, einen Award zu vergeben: Germanys Best PortweinFeigen, featuring Johann Lafer und Eckhard Witzigmann.

Wir wollen jetzt mal nicht kleinlich darauf hinweisen, dass beide Österreicher sind, da haben wir schon ganz andere Kaliber integriert. Die Feigen reichen, es kann losgehen. Witzigmann hat eindeutig die Nase vorn, wenn es um den geringen Aufwand geht; genau was ich heute brauche. Außerdem serviert er sie mit Stracciatellaeis und Schokoladenschaum. So was Ähnliches ist von gestern noch übrig, also steht das Küchentagebuch:

  • Bratkartoffeln mit geschnetzeltem Schweinefilet, Champignons und Salat
  • Marmorierte Mousse mit Portweinfeigen (a la Witzigmann)
Startnummer 1: Witzigmann

Für die Portweinfeigen

den Backofen auf 180° vorheizen. 12 kleine Feigen schälen (hab ich durch waschen ersetzt), in eine feuerfeste Form stellen und mit Puderzucker bestäuben. 100 ml Portwein und 100 ml Grand Marnier angießen. Die Feigen 10 bis 12 Minuten auf der mittleren Schiene des Ofens pochieren, aus dem Ofen nehmen und warm halten.

Fazit

Startnummer 1 besticht durch unkomplizierte Anweisungen und eine überschaubare Zutatenliste. Umso wichtiger scheint dann allerdings die Qualität der Zutaten und Beigaben. Wahrscheinlich der Grund, weshalb Kandidat 1 nicht völlig überzeugen konnte und das Rennen vor dem morgigen Auftritt des Rivalen noch nicht entschieden ist.

Obwohl ich trotz ausdrücklicher Erlaubnis des Meisters auf das Stracciatella verzichtet habe, werde ich jetzt wohl noch zum Kühlschrank gehen und die eine übrig gebliebene Feige mit etwas Vanilleeis verdrücken.

Inter-Regio

Es gab ja hier eine kleine Blog-Pause. Nicht dass ich vorhabe, zukünftig jede Pause zu begründen, aber diesmal war ich ein paar Tage auf einem Familienfest und bin  gestern mit dem Zug zurückgefahren. Dazu musste ich erst mal mit etwas, das sich S-Bahn nennt, Richtung Karlsruhe. Und kaum hatte ich mich gesetzt, da kam eine Durchsage (Ortsname verfremdet): „Nächste Haltestelle ‚Lauschden‘; Zug hält nur bei Bedarf!“

Und wenn man im Nachbarort aufgewachsen ist, dann fragt man sich natürlich, wo um alles in der Welt denn da der Bedarf entstehen soll, kurz: hätte man sich diesen Halt denn nicht gleich sparen können? Fremde Menschen haben doch keinen Grund  da  auszusteigen, und Einheimische, die zusteigen könnten, müssten ja clever genug sein, fliehen zu wollen – und solche Menschen wohnen dort prinzipiell nicht.

Aber der Zug hat gehalten. Der Bedarf war offensichtlich da. Mehrere Menschen sind eingestiegen – ohne Gepäck, also noch nicht mal auf der Flucht – und andere sind ausgestiegen – ohne Ekel und Verachtung im Gesicht. In  meiner Kindheit, als eine Fehde noch eine Fehde war und immer mit dem Wohnort zu tun hatte, wäre das nicht möglich gewesen! Aber heute scheint man das Nachbardorf genau so leicht erreichen zu können wie – sagen wir einmal – Barcelona, New York oder Hongkong. Der Sieg der Globalisierung und das Ende der Regionen – traurig.

Nur in der Küche, da feiert die Regionalität fröhliche Urständ  und blüht richtig auf – trotz Subway, McDonalds und Vapiano. Und jetzt kommt  der eigentliche Skandal: Obwohl ich vier Tage im Schwäbischen war, gabs nicht ein Mal, kein einziges Mal Spätzle! Eigentlich undenkbar oder – aus einer anderen Sicht – unentschuldbar!

Deshalb muss es heute in der Lüneburger Heide welche geben, sozusagen Spätzle mit Migrationshintergrund. Das Küchentagebuch:

  • Spätzle und Geschnetzeltes mit Sahne-Bechamel mit Kopfsalat
  • Marmorierte Mousse au Chocolat
Marmorierte Mousse au Chocolat

Und warum?

  • Spätzle waren wie gesagt gesetzt. Linsen wären möglich gewesen, aber ohne Saiten wollte ich das dann auch nicht machen
  • Wenn man ein paar Tage weg war, empfiehlt es sich, sich bei der Familie wieder einzuschleimen, damit die sehen, wie sehr man gefehlt hat. Zumindest in unserer Familie gibt es dazu kein besseres Mittel als dieses Dessert.

Und wie?

  • In den Spätzlekrieg (mit oder ohne Salz, mit oder ohne Wasser, von Hand oder mit dem „Spätzleschwob“) will ich mich nicht einmischen, das kann sich jeder aussuchen. Für das Geschnetzelte eine helle Kalbsrahmrahmsauce vorbereiten, d.h. 1 Schalotte (feingehackt) in 30 g Butter andünsten, 15 g Mehl einrühren und 5-6 Minuten bei milder Hitze anschwitzen. ¼ l erwärmten Kalbsfond nach und nach unterrühren, dann mit ¼ l Sahne aufgießen, salzen und pfeffern und bei milder Hitze auf ca. 400 ml einkochen lassen. Durch ein feines Sieb gießen und im Wasserbad warm halten.
    Dann 600 g Kalbsrücken schnetzeln, mit Pfeffer und Parikapulver (edelsüß) einreiben, salzen und (in 2 Portionen) in je 2 EL Öl in einer sehr heißen Pfanne von allen Seiten goldbraun anbraten. Sofort aus der Pfanne nehmen und in ein Sieb geben. Fleischsaft auffangen.
    In derselben Pfanne 100 g Schalotten und 200 g gescheibelte Champignons anbraten, mit 80 ml Weißwein ablöschen und vollständig einkochen lassen, dann mit der Kalbsrahmsauce und dem aufgefangenen Fleischsaft aufkochen lassen und mit Salz und Pfeffer würzen. Das Kalbfleisch mit in die Sauce geben und erwärmen. Eventuell mit Petersilie bestreuen.
  • Eine schwarze Mousse zubereiten, eine weiße Mousse zubereiten. Sich keine Sorgen wegen der doppelten Menge machen. Abwechselnd in eine Schüssel schichten und mit einer Gabel spiralförmig durchmischen.

Fazit

  • Migrationsspätzle sind überhaupt kein Problem, unter anderem, weil meine Mutter zum Beispiel noch nie etwas von Spätzlesmehl gehört hat, das es hier in der Tat nicht gäbe. Das Geschnetzelte musste ich – aus unerfindlichen Gründen – mit Schweinefilet zubereiten. Warum fängt es eigentlich immer zu regnen an, wenn ich Salat und Schalotten ernten will?
  • Es hat geklappt, das Einschleimen.

 

Zusatzstoffe

Seit Tagen geht mir das Wort Zusatzstoffe nicht mehr aus dem Sinn. Genauer seit ich gelesen habe, dass es hier in der Nähe, auf dem Hamburger Großmarkt, ein Deutsches Zusatzstoff-Museum gibt. Ja gut, der Hauptsponsor ist die Firma Frosta. Das muss ja noch nicht ehrenrührig sein. Und die wissenschaftliche Konzeption stammt von Udo Pollmer. Ich bin Udo-Pollmer-Fan der ersten Stunde, wenn auch oder gerade weil er sich immer wieder verheddert und regelmäßig ein „Was sagt er denn jetzt schon wieder?“ auslöst.

Ich will da natürlich hin. Mich ein wenig ekeln, ein wenig empören und ein wenig von der guten alten Zeit schwärmen und dann nach Hause fahren und eine Karotte mit zwei Trieben ernten. Doch, solche Möhren gibt es! Halt nicht im Supermarkt, aber auf dem Feld kommen sie schon vor. Nur werden sie dann sofort vermulcht und untergepflügt, weil das ja keiner kaufen würde. Und dann habe ich wieder ein reines Gewissen und kann für ein paar Tage unbesorgt Eier auf dem Wochenmarkt kaufen, ohne nach dem Vornamen der Henne fragen zu müssen, und kann Sahne mit Carrageen kaufen, weil für richtige Sahne müsste ich weiter fahren, die gibts hier nicht um die Ecke.

Und vielleicht lerne ich auch ein wenig darüber, was Zusatzstoffe eigentlich sind. Salz und Pfeffer, zum Beispiel, waren wohl die erste Zusätze, und ich will sie nicht missen müssen. Auf das Galle-Sekret von Fledermäusen, das von den alten Römern gerne zugesetzt wurde, meine ich verzichten zu können, habe es allerdings nie probiert.

Um Gotteswillen, nein! Ich will das Problem nicht herunterspielen! Gott bewahre! Zusatzstoffe sind böse – keine Frage. Aber was ich halt immer vermisse, sind ein paar Adjektive. Giftige Zusatzstoffe, zum Beispiel oder eklige Zusatzstoffe, von mir aus, oder in-der-Wirkung-unerforschte Zusatzstoffe. So was in der Richtung.

Über Zusätze einfach so kann ich mich nämlich nicht richtig echauffieren. Worüber ich mich aber wirklich aufregen könnte, sind unnötige Zusatzstoffe oder spart-Geld-und-merkt-keiner-Zusatzstoffe. Und wenn ich schon beim Aufregen bin, dann mache ich halt gleich weiter mit undeklarierten Zusatzstoffen oder – noch schlimmer – umdeklarierten Zusatzsoffen oder anders gesagt: Hefeextrakt statt Glutamat und natürliche Fette statt ausrangiertes Getriebeöl.

Ich glaub, ich fahr da einfach mal hin.

Im Küchentagebuch hat es mich schon wieder erwischt. Möhrencurry – ein Rezept von 1990. Ich habe gar nicht versucht, einen Link zu finden, sondern selbst einen gebastelt – ich hoffe, eventuelle Urheberrechtsverletzungen sind inzwischen verjährt:

Und warum?

  • Bevor ich wegfahre muss noch ein wenig Ordnung ins Gemüsebeet. Und der Schweinenacken auf einem „Schnellen Teller“ im Effilee schien mir passend. Ich bin ja kein Fan von Fertig-Saucen, aber diese Hoisin-Sauce hats mir angetan.
  • Es gibt tatsächlich noch August-Erdbeeren im Garten. Obwohl ich sie mit einem Kalender besucht habe auf dem deutlich der Monat September zu erkennen war! Es ist einfach kein Verlass mehr auf die Natur.

 

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