Spareribs, Coleslaw, Wurzelbrot

Jedes Mal wenn ich den Kohl für Coleslaw häcksle – ich nehme immer Spitzkohl und mach das von Hand, weil ich keiner der verschiedenen im Haushalt vorhandenen Geräte zutraue, es mit genauso viel Sorgfalt und Liebe zu machen wie ich das tue. Jedes Mal also, denke ich nach dem halben Spitzkohl: Das ist zu viel! Das schaffen wir nie. Aber eine innere tiefe Stimme mit merkwürdigem Dialekt sagt dann immer: »Et hätt noch immer jot jejange.« Und so ist es dann auch. Gut, es ist nie zu wenig, aber auch nie richtig zu viel. Und da man ja sagt, dass Traumata auch vererbt werden können, ist mein Zögern wahrscheinlich von meiner Großmutter geerbt. Die nämlich dachte »in der schlechten Zeit« immer: Das reicht doch nicht! Davon werden wir nie satt! Und ich hab das jetzt halt angepasst an unsere Überflussgesellschaft. Allerdings ist mir bislang kein Kölner Ast im Stammbaum bekannt, das muss andere Ursachen haben.

Küchentagebuch, Sonntag 11. Juli 2021

  • Loin Ribs vom Duroc-Schwein (mit einer Marinade von Johannes Guggenberger)
  • Cole Slaw (Originalrezept von KFC – Zumindest laut den Herren – und Damen? – vom Grillsportverein)
  • Wurzelbrot
  • Flan (leider der letzte Rest)
Leider nicht im Garten oder auf der Terrasse

Gebacken: Allerhand. Rustikales Mischbrot (Plötzblog), 3 x Wurzelbrot

Das Wurzelbrotrezept ist für 2 Brote; wenn man drei macht, geht das nur mit Schwung

Zucchini, Pasta, Tomate

Juval Harari behauptet in seinem Buch »21 Lektionen für das 21. Jahrhundert« – leider ohne Quellen-Angabe – dass »zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit weniger Menschen … an Hunger als an Fettsucht« sterben. Da hüpft das sozialistische Herz ein wenig, aber der Realist möchte gern die Zahlen oder Kurven sehen. Es könnte ja sein, dass der Hunger in der Welt abgenommen hat, das wär toll. Oder dass die reichen Fettwanste sich an ihren schwer beladenen Tafeln zu Tode mästen – das wär auch toll. Nur gibt es halt nach wie vor nicht so viele Superreiche, dass ein paar Fettlebern es mit den hungernden Milliarden statistisch ernsthaft aufnehmen könnten. Es kann also nur so sein, dass das westliche Lumpenproletariat nicht an überladenen Tafeln mit Kartoffelknödeln, fetter Sauce, Kapaunen und gebratenen Wildschweinen stirbt, sondern an gesüßtem Industriemüll und Schlachtabfällen. Dann wäre menschheitsgeschichtlich nicht allzu viel gewonnen. Aber man sollte das vielleicht besser nach dem Abendessen diskutieren.

Küchentagebuch, Samstag 10. Juli 2021

  • Spaghettini mit gebratenen Zucchini-Streifen und roher Tomaten-Sauce (von stuttgartcooking)
  • Flan (ohne Erdbeeren)
Letztes Jahr im August gab es das täglich, mal schauen

Pasta, Huhn, Salat

Bitte, ich bin kein Klimaleugner! Es gibt ein Klima, gar keine Frage. Aber ich bin dagegen. Weil es mich nervt. Wahrscheinlich absichtlich. Ich bin ein Klimagegner! Das muss jetzt endlich aufhören. Jedes Mal wenn ich einen Plan mache – wumm! Gewitter, Sturm, Kälte. Heute zum Beispiel war der Plan ein cremiges Curry-Chicken-Sandwich mit Resten vom Huhn, auf der Terrasse, im Garten, egal, mit einem Glas kühlen Rosé. Und? Wumm! Gewitter, Sturm, Kälteeinbruch. Und wenn ich dann denke, gut, dann halt ein Schmorbraten – wumm! 50°, schwül, drückend. 50° ist übrigens knapp über der Sous-vide-Temperatur von Fischen. Wollte ich nur mal drauf hinweisen. Ich bin dagegen.

Küchentagebuch, Freitag 9. Juli 2021

  • Pasta mit Resten vom Zitronenhuhn
  • Salat
  • Flan mit Erdbeeren
Reste sind zwar nicht das Beste, aber oft sehr gut

Matjes, Apfel, Schmand

Er ist ständig unterwegs. [Das gilt natürlich nur für die Vor-Corona-Zeit oder die baldige Auch-Corona-Zeit.] Und, steht er jetzt (ständig) oder fährt er jetzt (unterwegs)? Beides? Wie soll das denn gehen? Ich habe mir das immer so vorgestellt, dass da jemand auf dem Elektro-Roller stehend im Stande ist, ständig vorwärts zu kommen. Aber das Wort ist ja viel älter als die Elektro-Roller, das kann also nicht die Erklärung sein. Und dass »beständig« und »fortlaufend« Synonyme sein sollen, leuchtet mir auch nicht richtig ein. Aber es ist schon gut so, oder glaubt jemand, dass es besser wäre statt einer Ständigen Impfkommission eine Fortlaufende Impfkommission zu haben? Hmm.

Küchentagebuch, Donnerstag 8. Juli 2021

  • Matjes mit Apfel-Schmand-Sauce (Hausfrauen-Art? Auf jeden Fall im Kuriositätenladen veröffentlicht)
  • Bratkartoffeln (der erste Matjes der Saison muss mit Bratkartoffeln)
  • Schokoladenpudding
aus gekochten Kartoffeln

Huhn, Zitronenbutter, Brot

Wenn es einem Huhn (geschmacklich) so gut bekommt, wenn man ihm eine Zitrone in den Hintern schiebt, wie muss das erst werden, wenn man die (Salz-)Zitrone häckselt, mit Butter, Knoblauch und Kräutern vermischt und das dem schönen Tier unter die Brusthaut massiert und auf den Schenkeln verteilt. Wir waren allesamt sehr gespannt und vereint in der Hoffnung, dass der Mann am Herd Bratzeit und -Temperatur richtig einstellt und kontrolliert. Denn viel mehr gibt es nicht zu beachten. Außer vielleicht, ein Huhn zu kaufen, das bis zum Schluss mit dem Bauern um die Wette gerannt ist. Das Rezept stammt aus dem Ottolenghi-Schmöker »Simple« und der Name soll ja Programm sein.

Küchentagebuch, Mittwoch 7. Juli 2021

  • Zitronenhähnchen (Ottolenghi, Simple, im Netz bei Schnuppschüss)
  • Wurzelbrot
  • Joghurtmousse mit Erdbeeren
Ich möchte ja den Hazan-Fans nicht zu nahe treten, aber mit Butter …

Lauch, Limette, Lachs

Dass Frauen sich immer so anstellen müssen! Wenn Sicherheitsgurte an 75 Kilo schweren, 175 cm großen Puppen getestet werden, dann sind sie doch auch mit gemeint! Da sind wir doch gar nicht so. Und wenn sie nicht in (kostenlose) Urinale pinkeln können, dann müssen sie halt was berappen, das ist so auf der Welt, das trifft auch Sitzpinkler. Oder wenn im Büro die Füße baumeln oder die Temperatur 3° unter der weiblichen Wohlfühltemperatur eingestellt ist, dann hat das doch auch Vorteile, wir meinen es doch oft nur gut. Im schlimmsten Fall sind das »Unannehmlichkeiten« (was aber natürlich – verbreiterter Irrtum – nicht bedeutet, dass sie unannehmbar sind!) Auf jeden Fall verstehe ich überhaupt nicht, dass das Pamphlet »Das Patriachat der Dinge« überhaupt veröffentlicht werden darf, kann mann das nicht verhindern?

Küchentagebuch, Dienstag 6. Juli 2021

  • Lachs auf Lauchbett im Bratschlauch ( siehe lamiacucina )
  • Mit Ingwer-Limetten-Portwein-Sauce ( ebda )
  • Reis
Wohl das beste meiner Lachsrezepte

Gebacken: Johannisbeerkuchen (wie der Heidelbeerkuchen, nur mit Johannisbeeren und zum ersten Mal ein Mürbteig mit der Küchenmaschine)

Reis, Rhabarber-Kimchi, Spiegelei

Pharmafirmen veröffentlichen Studienergebnisse nicht, kann man nix machen. Herr Maßen verortet Linksradikale bei der Tagesschau, ist mir bislang nicht aufgefallen. Tausende Impftermine werden nicht wahrgenommen, weil Wetter, Lust und wasweißich. Täglich ein neuer »Skandal« um Frau Baerbock, ja was hat die denn gedacht. Rechtspopulisten haben die EU-Ratspräsidentschaft inne, das macht aber nichts. Sechzigtausend Zuschauer im Wembleystadion, alle sind besorgt. Es gibt so viele Merkwürdigkeiten, dass man keine Synonyme für merkwürdig mehr findet und auf andere Sprachen ausweichen muss: Strange (EN), extraño (ES), estranho (PT), strano (IT), étrange (FR) und ja: merkwaardig (NL). Merkwürdig an merkwürdig ist ja, dass man es sich eben aus psychohygienischen Gründen meist nicht merken sollte, es also gar merk-würdig ist. Aber fremd, wie unsere Nachbarn meinen, ist es eben auch nicht. Es fühlt sich alles so merkwürdig vertraut an. Bizarr, eigenaardig, weird. Komisch?

Küchentagebuch, Montag 5. Juni 2021

  • Gebratener Reis mit Rhabarber-Kimchi (bei pfanntastisch)
  • Him-, Johannis- und Erdbeeren aus dem Garten

Tofu, Mangold, Limette

Bei Duolingo gibt es seit einiger Zeit neue, eher konventionelle Audio-Lektionen; in der französischen Version habe ich dieser Tage mal reingehört in eine Übung für Konversation – HalloWieGehtEs?DankeGut; IchHeißePaul.SehrErfreut. Und dann sagt zum Schluss die nette Estelle: »Now go out there and make people mean it when they say Enchanté«. Ähem. Soll ich jetzt etwa auch noch verantwortlich dafür sein, ob mich die Leute nett finden oder nicht? Ist das nicht deren Aufgabe? Schließlich mache ich es ihnen ohnehin wirklich leicht genug. Andererseits: einige Leute könnten sich schon etwas mehr anstrengen, von mir gemocht zu werden. Denn wir Misanthropen haben es auch nicht leicht.

Küchentagebuch, Sonntag 4. Juni 2021

  • Kardamom-Tofu und Choi Sum Mangold mit Limette (laut Herrn Ottolenghi »definitiv ein Rezept für Tofu-Skeptiker«; trotzdem nirgends im Netz. Jetzt habe ich es hier aufgeschrieben)
  • Fladenbrot (obwohl gar nicht so viel Sauce entsteht wie zunächst gedacht)
  • Joghurt-Quark-Schmand-Erdbeeren
„Festen“ Seidentofu zu würfeln ist schon eine Herausforderung

Pasta, Zitrone, Salat

Mit zunehmendem Alter, so ist mein Eindruck, nimmt die Flexibilität zumindest ein wenig ab. Wenn eine Planung sich urplötzlich als undurchführbar erweist, dann kann das zu Stockungen im Ablauf führen, die praktisch unüberwindbar sind. Wenn zum Beispiel der Geflügelhof „plötzlich“ Urlaub macht, dann ist das ja wohl eine Ungeheuerlichkeit. Und auch, dass das jedes Jahr um diese Zeit so ist, weil sich der ganze Laden die Freiheit nimmt, nach der Spargelernte auszuspannen, macht die Situation nicht besser. Eine ganze Woche lang! Ungeheuerlich! Bei Wiesenhof wär sowas nicht möglich. Bis Mittwoch muss ich jetzt warten mit meinen Zitronenhuhn nach Ottolenghi! Bis Mittwoch! Ich will aber heute Zitrone haben! Leider sähe es schon ein wenig merkwürdig aus, wenn ältere Menschen trotzig auf den Boden stampften, aber es ist doch wahr. Kruzitürken.

Küchentagebuch, Samstag 3. Juli 2021

  • Bucatini al Limone (nach einem Rezept und mit den eingelegten Salzzitronen von So nach Gefühl)
  • Salat
  • Kirschen aus dem Alten Land
Kein richtiger Hähnchenersatz, aber immerhin Zitrone

Blumenkohl, Schinken, Kartoffeln

Sie trug ein weißes Kleid mit weitem Faltenrock. Er ertrug sie mit stoischer Ruhe. Sie plapperte gut aufgelegt vor sich hin. Er versuchte durch zustimmende Geräusche und Gesten den Eindruck zu erwecken als höre er aufmerksam zu. Sie saß am Steuer. Er betrachtete das als großherziges Entgegenkommen seinerseits. Sie waren auf dem Weg in ein Wochenende im Wellness-Hotel mit vorab gebuchtem Candlelight und allen Schikanen. Drei ganze Tage, wie hatte er sich nur darauf einlassen können? Nun, die hübsche Paartherapeutin hatte sich so sehr über sein Ja gefreut und ihre blauen Augen fingen an zu strahlen. Für ihr Lächeln würde er alles tun, im wahrsten Sinne des Wortes alles. Aber auf seine Frage, ob sie nicht mitkommen wolle, ging sie einfach so hinweg, als sei es ein Scherz gewesen. Vielleicht, so hoffte er, könne er sie noch mit einem Hilferuf zu einem Noteinsatz bewegen. Doch halt! Was ist das jetzt? Sie setzte den Blinker. Würde er jetzt in einer Autobahnraststätte eine Kaffee trinken oder – Gott bewahre – etwas essen müssen? Kann ein Horror-Wochenende noch schlimmer werden als befürchtet? Was hat es mit dem roten Fleck auf einem weißen Faltenrock auf sich? Blut oder Autobahn-Ketchup? Wird sich der Kommissar in die Paartherapeutin verlieben? Rufen Sie jetzt an! Null-neunhundert, sieben mal die sieben, sieben sieben drei. Bestellen sie jetzt die DVD! Wenn Sie bis 13 Uhr anrufen erhalten Sie einen Gutschein für drei Tage Wellness in Bottrop obendrauf. Zögern Sie nicht, rufen Sie jetzt an, um die ganze unglaubliche Geschichte zu hören!

Küchentagebuch, Freitag 2. Juni 2021

  • Blumenkohl mit Schinkensauce (gabs hier schon öfter, z.B. hier)
  • Junge Kartoffeln, gedämpft
Bei uns ein Klassiker
Tischgespräche
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