KW 34-22

Am Montag hatte ich beim Kochen dauernd ein Déjà-vu. Ich war mir sicher, dass ich Herrn Herrn Gerlachs Rezept für „Spaghetti al Limone mit Zitronen-Parmesan-Sauce“ aus dem SZ-Magazin vor ein oder zwei Jahren auf eine der ominösen Nachkoch-Listen gesetzt und seither nie mehr angefasst habe. Ausgegraben habe ich es, weil noch eine halbe Zitrone im Kühlschrank war. Und dennoch hatte ich dauernd das Gefühl, das hast du doch vor kurzem erst ⋯aber keine Spur davon im Blog. Hab ich das heimlich nachts⋯ oder⋯ ? Nein, gelesen hab ich’s, kürzlich bei Astrid unter dem Namen „Auf einer halben Zitrone kann man nicht stehen“. Aber egal, es geht eindeutig als Nudel der Woche durch (Obwohl sie erst gerade angefangen hat, die Woche.) Am Dienstag noch einmal ein 9-€-Ausflug zum Ise-Markt in Hamburg. Der Markt toll wie immer, die Reise so besch…eiden wie meist in den drei Monaten (Schwamm drüber). Gekauft habe ich einen deutschen Bio-Büffel-Mozzarella, ein paar Amalfi-Zitronen, eine Kiste sehr leckerer Feigen, Knoblauch und Chili. Fisch oder Fleisch kann man ja leider bei den Temperaturen und Fahrzeiten schlecht kaufen und transportieren – am Angebot lag’s definitiv nicht. Gegessen habe ich natürlich wieder zwei Natas, wobei eine Hamburgerin meinte, der Bäcker im Portugiesen-Viertel hätte noch bessere Pasteis, was ich nicht beurteilen kann, aber jetzt erstmal einfach nicht glauben kann und werde. Und obwohl ich vorhabe, auch in Zukunft noch ein paar Fischbrötchen zu essen, möchte ich mich weit aus dem Fenster legen und behaupten, dass ich heute das beste Matjesbrötchen meines ganzen Lebens gegessen habe! Abends gab es dann einen Bio-Büffel-Caprese und Pasta e Fagioli mit getoastetem Polentakrüstchen (diesmal wirklich zwei kleine Brote und nicht im Topf).

Aufräumen ist ja so eine Sache. Ich zum Beispiel mag’s schon ganz gerne aufgeräumt, bin aber von Natur aus nicht der große Aufräumer; das führt natürlich hie und da zu Konflikten. Beim Aufräumen der Nachkochliste – ein Projekt, das sich jetzt schon über Jahrzehnte hinzieht und immer wieder von unerklärlichen Kreativ-Pausen unterbrochen wird – habe ich am Mittwoch Capuns vegetarisch entdeckt, die mich damals bei lamiacucina beindruckt haben. Spätzlesteig mit Gemüse im Mangold-Mantel – Robert hat natürlich auch viele andere Capuns im Angebot: Standard, veredelt, vegetarisch, mit Zander, mit Pilzen – einfach Capuns im Stichwortverzeichnis anklicken und Mangold ernten. Bei uns gab’s dazu Couscous mit einem Hauch Amalfi-Zitrone – s.a.g.e.n.h.a.f.t! Und am Donnerstag – letzter? heißer Tag des Jahres – noch schnell einen Schweizer Wurstsalat mit Butterbrezen (Ursprünglich Deichrunnersküche, hier das Rezept).

Am Freitag bat Frau T. darum, aus dem wahrscheinlich letzten Zucchino im Garten noch einmal die Zucchini-Waffeln aus lecker.de zu machen, mit einem gemischten Salat und einem Joghurt-Dip mit Minze und Zitrone. Nein, nicht Zitrone, Amalfi-Zitrone (g.r.o.ß.a.r.t.i.g). Am Samstag durfte ich als Strohwitwer endlich mal alleine entscheiden, also seit langem mal wieder Pommes (aus der Pfanne) machen, von denen Frau T. in unerschütterlichem Irrglauben denkt, sie seien „zu fett“; also Hähnchen-Schenkel mit „kalten“ Pommes. Am Sonntag schließlich führten die Umstände – ich hatte am Wochenende größere Mengen Tomatensugo zubereitet, im Kühlschrank wartete noch ein riesiger halber Bio-Büffel-Mozzarella auf seine Verwendung und im Garten wuchsen süße kleine Auberginen heran – unweigerlich zum Rezept der Hochstaplerin zu der gestapelten Parmigiana bei Arthurs Tochter.

KW 33-22

Wenn ich ein Huhn wäre, sagte der freundliche ältere Mann, als ich die Augen aufschlug. Wenn ich ein Huhn wäre, sagte er, dann würde ich gerne bei uns auf dem Geflügelhof leben, denn da geht es den Hühnern richtig, richtig gut. Quadratkilometerweise unberührte Natur, ideal zum Gackern und Scharren und was Hühner halt so machen. Jeden Morgen schwärmen Dutzende von Mitarbeitern (in grünen Schürzen) aus, um nach geeigneten „Stellplätzen“ Ausschau zu halten. Nein, keine Angst, Hühner reisen gerne. Vor allem wenn die Hähne zuhause bleiben! Nein, Scherz, die Hähne dürfen natürlich auch mit, Sozialverhalten und so. Und ein weiteres Dutzend Mitarbeiter schuftet derweil seit Morgengrauen auf den Feldern, um genügend astreines Bio-Futter für alle herbeizuschaffen. Auch ohne Zaun würde uns keines unserer Hühner freiwillig verlassen, Ehrenwort, das werden Sie auch bei Ihrem Frühstücks-Ei schmecken. Sagte er und fächelte mir Luft zu, weil ich wohl vorher kurz in Ohnmacht gefallen war, als er mir den Preis für meine zehn Bio-Eier nannte. Gott sei Dank läuft das 9-€-Ticket bald aus. Mehr Ausflüge wie der am Samstag zum Wochenmarkt in Celle will ich meiner Gesundheit nicht zumuten.

Risiko am Montag. Im Lecker-Newsletter gabs vor kurzem Sellerie-Puffer mit Pflaumenkompott. Skeptisch war ich schon, aber eine halbe Sellerieknolle war noch von irgendwas übrig und Pflaumen (Zwetschgen) wachsen am Baum. Allerdings habe ich weder Kokosblütenzucker noch Johannisbrotkernmehl im Vorrat, aber notfalls gibt’s halt ein Wurstbrot. Schließlich hab ich Brot gebacken und Wurst gekauft – das wird schon. Und ich habe mich dann in letzter Minute statt für das süße Kompott für ein Zwetschen-Chutney entschieden. Challenge am Dienstag. Im Kühlschrank gibt es noch Mozzarella und Ricotta. Im Garten wachsen Zucchini und Tomaten. Ganz hinten im Garten wuchert Minze und gleich vor der Küchentür Basilikum. Voila: Insalata Caprese und Marinierte Zucchini auf Ricotta mit Haselnüssen und Minze ( 🌶 ). Schön, wenn dann noch ein Wurzelbrot im TK schlummert.

Am Mittwoch der wahrscheinlich letzte warme Tag des Jahres – wie ich das Wetter kenne fällt es ja von einem Ekzem ins andere. [Hoffentlich lesen hier keine Sprach-Koniferen mit.] Also Grüner Salat, Tomaten-Bohnen-Salat und Zucchini-Flammkuchen, bald gibt es wieder Schmorgerichte. Und siehe da, der Donnerstag war – gefühlt – der kälteste Tag des Jahres: kaum 24°, brrr. Aber was solls, trotz allem bestimmen Keller und Garten den Speisezettel: Spaghetti mit Salbeibutter und Rotkohl-Salat (mit Grapefruit, Mandeln, Feigen und Ziegenkäse). Am Freitag dominieren immer noch Keller und Garten, angereichert von Bratwürstchen vom Metzger: Grüne Bohnen mit Parmesan und Pinienkernen (e&t 6/93, hier das PDF), Gelber Mais, Braune Kartoffeln und Rote Tomaten.

Es gibt im Feedreader Rezepte, die rauschen so ein einem vorbei und sind dann für immer weg. Und dann gibt es Rezepte, die landen auf irgendwelchen Listen (wichtig: Listen, nicht Liste) und sind dann für immer weg. Und dann gibt es welche, da denkt man Ooch ja, Hmmh, und Nee und gerade die setzen sich dann in den Synapsen fest. Und dann kommt man vom Metzger zurück, wo man eigentlich nur ein oder zwei Bratwürstchen kaufen wollte, und hat einen Sack voll Rumpsteak dabei. Schuld an all dem ist , wie immer, Arthurs Tochter Kocht: bereits am Samstag also Garlic Butter Steak Bites. Aber ich muss sie auch ein bisschen loben; die Garzeiten haben exakt gestimmt, die Pilze waren eine wirklich gute Idee und das Kartoffelpüree mit Zitrone hat sehr gut gepasst, war für mich neu (ich bin halt ein Bub vom Land). Da sie aber vergessen hat, irgendwas mit Tomaten zu machen, obwohl sich im Keller die Tomaten türmen, musste ich das am Sonntag ganz alleine machen: Panzanella mit Pfifferlingen, Stangensellerie und jeder Menge kleinen Tomätchen (weitgehend wie der Brezensalat vom SZ-Magazin).

KW 32-22

So. Ich werde jetzt die Ernährung umstellen müssen. Was ist schon langweiliger als „Schnitzel, Pommes und Salat“. Was ist einschläfernder als „Mangold, Karotten, Kichererbsen“? Eben. In der SZ habe ich jetzt gelesen, dass es in München ein neues Lokal gibt; das Restaurant „Zum alten Markt“ bietet (offensichtlich ganz ordentliche) bodenständige Heimatküche an. Dass die Vorspeisen unter „A Mongdratzerl“ laufen und die Desserts unter „Was Sias zum Schluss“, das kennt man ja – meist mit einem oder mehr Apostrophen zu viel. Aber bei der Aufstrichplatte „I schmier da oane“ habe ich zum ersten Mal gestutzt. Und wenn der Schweinebraten als „Saustall“ daherkommt und der Zwiebelrostbraten als „Rindvieh“, dann denkt man doch: da geht noch mehr. Ich würd ja gern hinfahren, aber die machen jetzt erst mal Sommerurlaub. Also bleibt nur noch mein Wunsch (auch an Foodblogs): Lasst’s euch was einfallen, seid’s kreativ, es muss ja nicht unbedingt „Fisch ahoi“ sein. Ich werde also jetzt nur noch Gerichte essen, die einen ordentlichen Namen haben. Mal schauen, wann ich verhungert bin.

Wenn man am Samstag nur die Blätter des Mangolds verwendet und die Stiele nicht schon am Sonntag auf dem Kompost wirft, dann kann man am ersten Tag der Woche (den manche Menschen auch Montag nennen – aber ich kann ja nicht immer gleich anfangen) die Mangold-Quinoa-Puffer (sonachgefuehl) braten und auch gleich nochmal die leckere Tahini-Joghurt-Sauce und eine Paprika-Tomaten-Salsa (ebda.) dazu reichen. Und wenn man am Samstag gedankenlos einen Spitzkohl gekauft hat, dann muss man sich spätestens am Dienstag etwas einfallen lassen: Gerösteter Spitzkohl mit Estragon und Pecorino (Ottolenghi Simple, z. B. bei zeitfensterblog) mit Kartoffeln. Und außerdem der erste Zwetschgenkuchen der Saison.

Am Mittwoch „Wos fia Zuazzla“, aka Weißwürste mit Brezen, süßem Senf und Weißbier, allerdings – leider – ohne weiß-blau karierte Tischdecke. Am Donnerstag mal wieder Pfannkuchen mit Lauchgemüse, und am Freitag ein Schweine-Kotelett (nach Alphons Schuhbeck, Link verloren, aber bei 321kochen.tv identisch) und Kartoffelsalat mit Linsen und grünen Bohnen (ellerepublic).

Am Samstag die von paules.lu übernommenen Fleischbällchen auf Spaghetti mit Tomatensauce (mein aktuelles Lieblings-Sugo-Rezept, obwohl ich nicht glaube, dass es am Rezept liegt – die sind ja irgendwie alle gleich, sondern an den Tomaten. Obwohl ich nicht glaube, dass es an den Tomaten liegt – das sind ja irgendwie die gleichen wie letztes Jahr, sondern – Tusch! – am Klimawandel! Der Klimawandel scheint den Tomaten in norddeutschen Gärten äußerst gut zu tun. Gut, ich weiß natürlich, dass es da auch das eine oder andere kleinere Problem gibt, aber hey – ich freu mich mich jetzt einfach mal über das Sugo.) Am Sonntag dann Geschmorter Rotkohl mit Spätzle (wie bei KrautKopf).

KW 31-22

Am Montag war tatsächlich der erste August, was nicht weiter schlimm wäre, wenn damit nicht auch mein 9-€-Ticket plötzlich ungültig geworden wäre. Und jetzt stellt sich die Kardinalfrage: Noch eine? J-ein. Ich brauche noch Bedenkzeit. Bisher habe ich immer einfach das Auto benutzt, weil der ÖPNV hier in der Region nicht nur nicht funktioniert, sondern auch ziemlich teuer ist. Das zweite Argument fiel ja nun flach, aber das erste hat – oft – mit voller Wucht zugeschlagen. Wenn Züge nicht nur nicht fahren, sondern auch noch überfüllt sind, wenn alle grundsätzlich zu spät kommen, wenn Gleise stillgelegt werden müssen, weil sie vor hundert Jahren zum letzten Mal gewartet wurden, wenn Lokomotivführer fehlen, weil sie schlecht bezahlt werden und sich dann vielleicht noch mit Corona anstecken, dann macht das alles nicht so sehr viel Hoffnung. Vielleicht in der Stadt, aber bis das hier auf dem Land was wird, wird’s mich nicht mehr geben. Es sei denn wir holen alle (drei?) Panzer aus der Ukraine zurück, marschieren in der Schweiz ein und entführen ein oder zwei Bahn-Experten. Dann könnte es vielleicht noch klappen, freiwillig würden die sich das ja nicht antun. Japan wäre noch eine Möglichkeit, aber dazu bräuchten wir ja eine funktionierende Marine ⋯

Spaghetti mit Tintenfisch und Cocktailtomaten (bella-cucina.de) machte am Montag den Anfang und war auch gleichzeitig das Abschiedsessen für die Gäste (weshalb es hinterher auch noch einen Flan gab – sollte man öfter mal machen). Am Dienstag gab es dann Reste, Überbleibsel und Zuviel-Gekauftes: Pikanter Tintenfisch (ichkoche.at), Fenchel in der Pfanne (tobias kocht), Bohnen-Tomaten-Salat (eine aktuelle Anregung von elle republic) und zerdetschte Kartoffeln (Knusprige platte Ofenkartoffeln, 🌶).

Für Mittwoch und Donnerstag sind hohe Temperaturen angesagt. Also gut durchlüften, dann Fenster und Türen schließen, alle Zimmer abdunkeln und vor allem: das Haus nicht verlassen. Höchstens früh morgens kurz in den Garten, um Gemüse zu ernten – wir wollen ja schließlich nicht verhungern. [Man kann diese Handlungsanweisung schon mal kopieren und für die nächsten 20 Jahre ausdrucken. Nur Gemüse könnte schwierig werden, wenn das mit der Trockenheit so weitergeht.] Am Mittwoch war es gar nicht so schlimm; schon warm, aber mit einem angenehmen Wind. Somit hatte ich abends noch genügend Power das verlangte Risotto mit Karamellisiertem Fenchel zu machen. Irgendjemand hat in unserem Zweipersonenhaushalt den Keller mit jeder Menge Fenchel vollgepackt. Ich war es nicht, also kann es – wenn es nicht „jemand anderes“ war – nur der Weihnachtsmann gewesen sein, der allerdings nur selten in einer Hitzewelle auftaucht, weil er dazu einfach viel zu warm angezogen ist. Hmmh. Aber weiter: in Zeiten wie diesen ist ja oft nicht entscheidend, was man gerne essen würde, sondern was ohnehin im Haus und ohne allzu große Anstrengungen zu erreichen ist. Wenn sich beides annähert, gibt es keinen Grund sich zu beschweren. Donnerstag: Spaghetti mit Zitronen-Kräuter-Bröseln (aktueller lecker.de-Newsletter) und Fenchelsalat mit Orangen.

Am Freitag gab es hauptsächlich Salat (mit Gurke, Tomate, Paprika, Radieschen, Stangensellerie, Rucola, Petersilie, Schnittlauch, Estragon und Oregano – wenn ich mich recht erinnere) und damit es nicht gar zu gemüsig-salatig wird noch Ofenkartoffeln, Pimientos de Padrón und pro Nase eine Salsiccia. Am Samstag dann ein Couscous (wie in letzter Zeit immer mit Zitrone und Minze) und ein offenbar von sonachgefuehl abgewandelter Ottolenghi: Mangold mit Tahini-Joghurt-Sauce. Am Sonntag die abgeholte Zicklein-Keule. Im Internet sind von 150°/30min bis 220°/4h alle Gargrade vertreten. Da der Ziegen-Peter mir eingeschärft hat: Bloß nicht über 150°! und da sich das mit dem Rat von brotwein deckt, habe ich mich für den Römertopf entschieden. Dazu Spätzle (endlich mal wieder), Saubohnen und Zucchini.

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