Nur für Blogger

Es gibt heut nichts zu essen. Nicht hier. Nur „off-stage“.

Arthurs Tochter (für Irrläufer: auch so ein Blog mit Essen1)) ist ja irgendwie die Gralshüterin und Vorab-Autorisierte von diesen Wikio-Listen, die ich nach wie vor nicht verstehe, obwohl Martin mit dem schönen Leben sein Bestes getan hat, es mir zu erklären. Und sie sagt selbst, dass das außer mir keiner liest, dann ist das ja auch egal. Aber sie ist ein alter Hase (darf man das als Mann über eine Frau so sagen?) und ein Profi und: erfolgreich! Was einen Frischling natürlich hellhörig macht, wenn sie Tipps gibt.

„Wenn ihr ein bisschen genauer sehen wollt, wer Euren Blog wirklich liest, bzw. wie lange er auf Eurer Seite bleibt, dann setzt Euch mit Google-Analytics auseinander.“

Vielleicht hat mich dieser Satz in einer grüblerischen Minute erwischt. Auf jeden Fall ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Will ich das? Soll ich das wollen?

Gut, am Anfang hat mich tierisch interessiert, ob. Da kehrt man sein Innerstes nach außen – und es versickert ungehört im Weltall, das Innerste. Und nach dem ersten Lebenszeichen hat mich genauso tierisch interessiert, ob noch einer. Und danach habe ich gedacht, einer ginge ja noch. Eitler, selbstverliebter Blogger, ick hör dir trapsen.

Aber wer? und wie lange?, darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Das wär Klasse! Ich könnte dann zielgruppenorientierte Themen anreißen und eine Pause einbauen, wenn aus der Dauer ersichtlich wird, dass Herr oder Frau Rezipient eingeschlafen sind und ein Nickerchen machen. Ich bin ja flexibel, ich könnte einen schönen Braten posten, wenn eine Fleischerei-Fachverkäuferin vorbeischaut oder ein pfiffiges Salätchen bei der Mitarbeiterin einer Werbeagentur. Und woher? Wenn ein Leser vorher auf einer Partneragentur war, könnte ich ein romantisches Dinner für zwei zusammenstellen. Bei einem Transfer vom Baumarkt könnte es dann schon was Handfestes sein, Blutwurst-Ravioli oder Curry-Wurst –  mal sehen. Nur Veganer, die müsste ich bedauernd links liegen lassen (aber -Wortspiel! – einen „link“ würde ich ihnen schon spendieren, da wär ich großzügig).

Andererseits wär das auch ziemlich anstrengend. Da könnten ja Leute daherkommen, mit denen ich gar nichts anzufangen weiß. Müsste ich mir dann was einfallen lassen? Eine Tischdecke mit Rüschen anschaffen, für nette Bilder? Und müsste ich diese Tischdecke (s.a. Serviettchen, Väschen, Schnickschnack) auch selber benutzen? Was würde Frau T. dazu sagen?

Ich glaube, ich will das gar nicht wissen, weder wer noch wie viele noch wie lange. Ich schalte die Statistik-Funktion jetzt ab. Mir reicht, was ich weiß: Dass Heike ein Messer hat und Robert einen Hut und die Küchenschabe aussieht, wie eine Küchenschabe eben aussieht. Und wenn einmal keiner mehr liest, dann werde ich ein Tränchen verdrücken, aber ändern werde ich mich nicht.

Die Ente2) hat mal gesagt, sie wünsche sich das Bloggen als Hobby wie z.B. Sockenstricken. Ich muss mal meine Mutter fragen, ob es sie interessiert, für wen sie strickt und woher die kommen und für wie lange.

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1) Seit Jahren suche ich nach einem pfiffigen (aber gutmütigen) Kommentar für sie, mit dem ich sie in Rage bringen könnte. Dann hätte „Arthurs Tochter Kocht“ plötzlich einen ganz neuen Sinn. Aber mir fällt nichts ein.

2) Auch so ein Blog, aber nicht nur übers Essen. Hat allerdings wohl schon alle Socken gestrickt. Wie wärs mal mit einem Schal?

 

Spinat

Spinat hat mein Leben verändert und entscheidend beeinflusst. Das ist jetzt keine billige Platitüde, das ist Fakt, knallharte Realität.

Als ich aufgewachsen wurde (auf dem Dorf wächst man nicht einfach auf wie man will), da hat man den Müttern, also auch meiner, die Geschichte vom Eisengehalt im Spinat aufgetischt. Und sie hat mir dann grüne Pampe aufgetischt. Und – noch wichtiger – sie hatte dabei ein gutes Gewissen. Und Spinat war billig, weil er im Garten wuchs. Und diese Kombination aus billig, gutes Gewissen und Eisengehalt (schließlich war die Hart-wie-Kruppstahl-Zeit noch nicht lange her), diese tödliche Kombination führte dann halt zu: Spinat, viel Spinat, wöchentlich Spinat, gefühlt auch schon mal täglich. Und immer als grüne Pampe – ich hab’s nie gern gegessen, aber oft. Dabei hätte sie nur mal googeln müssen, um Alternativen zu finden, die auch Eisen enthalten: Spinat enthält 2,6 Milligramm Eisen auf 100 Gramm, aber Leberwurst (5,9 mg), Schokolade (6,7 mg) und Pistazien (7,3 mg)! Leberwurst, Schokolade und Pistazien gab’s aber nie.

Gut, damals gab es noch diesen Rechenfehler. Man ist halt um eine Kommastelle verrutscht und hat gedacht, es seien 26 Gramm. Heute denke ich, das kann mal passieren; es gibt ja auch plausible Erklärungen. Aber damals war die Kunde von diesem Irrtum, die dann nach und nach auch in das kleine Schwarzwalddorf fand, eine noch einschneidendere Erfahrung in meinem jungen Leben. Wie bitte, so habe ich mich damals gefragt, wie soll ich einen Karriere-Weg in einer Wissenschaft einschlagen, die unschuldige Kinder generationenlang bis zum Erbrechen quält? Und so leuchtete immer, wenn ich das Wort „Naturwissenschaft“ hörte, ein warnendes Stoppschild vor meinen Augen auf. Das lag nicht etwa an den Zeugnis-Noten, ach Quatsch, das war eine Spinat-induzierte Phobie allererste Güte. Und was hätte alles aus mir werden können! Nobelpreis-Träger, Astronaut oder Lebensmittelchemiker! Und was hätte ich alles für die Menschheit tun können! Den Krebs besiegen, Mondstaub sammeln, feine Aromen mischen! Aber so: lustlos durchs Abitur gequält, Sozialwissenschaften studiert und Spinat-Vermeidungsstrategien trainiert. Es ist ein Jammer.

Es gibt allerdings ein Happy-End. Im hohen Alter habe ich gelernt, nicht nachtragend zu sein – man nennt das Altersmilde. Und dass es nichts schadet, auch jungem Gemüse hin und wieder eine Chance zu geben – man nennt das „die Verantwortung auf die nächste Generation übertragen“. Und so kommt es, dass ich heute ein Spinat-Rezept poste und freimütig gestehe, dass ich das sehr gerne esse:

Wurzelspinat mit Chili und Walnüssen

Etwa 1kg groben, dunklen Blattspinat putzen, in kaltem Wasser gründlich waschen und in einem Sieb abtropfen lassen. Einen breiten Topf bei mittlerer Hitze heiß werden lassen, den Spinat tropfnass hineingeben, mit einem Deckel verschließen und den Spinat so 3-4 Minuten dünsten. Den zusammengefallenen Spinat portionsweise in einem Spitzsieb mit einer Schaumkelle gut ausdrücken.

In einer Pfanne 3 EL Olivenöl erhitzen, 60g Walnusskerne (geviertelt) darin goldbraun rösten. 1 rote Chilischote (entkernt und klein gewürfelt), 120 g Zwiebeln (gewürfelt) und 1 Knoblauchzehe (gewürfelt) darunter mischen und 2 Minuten mitdünsten.

Den ausgedrückten Spinat mit einer Fleischgabel untermischen, erhitzen und salzen.

 

Ich hab da mal

… eine Frage.

Ich wollte Anna-Kartoffeln machen. Ihr wisst schon, Lüneburger Heide, Kartoffel-Land, öfter mal was anderes und so.

Nun koche ich seit langer Zeit nichts mehr, außer vielleicht Spiegeleier, ohne vorher bei Robert nachzuschauen, ob er das schon mal gemacht hat. Hat er natürlich. Im Herbst 2009.

Er schreibt: „Das Gericht geht auf einen Schüler von Marie Antoine Carême zurück„. Ich lese aber: „Das Gericht geht auf meinen Schüler  Marie Antoine Carême zurück„. Und wundere mich kein bisschen.

Und jetzt meine Frage: Wundert euch das?

Chou Rouge

Ist ja schon gut. Ich hätte in der Überschrift auch „Rotkohl“ schreiben können (oder „Rotkraut“ für die Südlichter oder gar „Blaukraut“). Aber dann hätte das doch wieder kein Mensch gelesen. Weil ALLE ja an Weihnachten Ente (oder irgendwas) mit Rotkohl hatten. Ganz schlechter Zeitpunkt für Rotkohl.

Wenigstens habe ich gewartet, bis ich schreiben kann: Letztes Jahr an Weihnachten – „Ja, letztes Jahr an Weihnachten…“. Das hört sich doch schon besser an. Aber dennoch wird die eine Hälfte der Leserschaft das Wort „Rotkohl“ nicht mehr hören können, und die andere Hälfte glaubt eh nicht, dass man ihren ganz speziellen Weihnachts-Spezial-Rotkohl übertrumpfen kann. Ist aber so. Tut mir leid, da müsst ihr durch:

Feigenrotkraut nach Paul Haeberlin

Am Vortag einen kleinen Rotkohl (800g) vierteln, die dicken Strünke herausschneiden, vierteln und in feine Streifen schneiden. Mit 1 EL Zucker, 3 EL Rotweinessig und Salz gut mischen und über Nacht durchziehen lassen.

Dann 200g feingeschnittene (und gepellte) Zwiebeln in 100 ml Olivenöl in einem gusseisernen Schmortopf leicht anbräunen. 8 getrocknete Feigen (150g) klein würfeln und mit dem Kohl und 3 Scheiben frischem Ingwer dazugeben. Mit 100 ml Portwein und 250 ml Rotwein aufgießen.

Den Topf mit einem Deckel verschließen und im vorgeizten Ofen bei 150°C etwa 1½ Stunden schmoren. Dabei ab und zu umrühren und zum Schluss eventuell etwas nachwürzen.

Bevor die alten Hasen jetzt abwinken, weil sie Feigen schon 2009 bei Robert im Rotkohl hatten: Leute, das war Ducasse (einer der wenigen Menschen, vor denen ich mich verbeugen würde). Das hier ist Paul Haeberlin (vor dem ich unwillkürlich auf die Knie fallen würde). Nein, Monsieur Paul hat nicht nur Gänseleberpastete gemacht und – igitt! – Froschschenkel-Mousseline, sein Markenzeichen war die Bodenständigkeit, auf hohem Niveau. Man müsste doch mal nach Illhäusern in die Auberge fahren. Sein Sohn Marc scheint die Klassiker noch auf der Karte (und auf der Pfanne) zu haben: „Mousseline de Grenouille“, „Cotelette de Perdreau Romanoff“ oder „La terrine des foie gras d’oie“. Hmmm. Sein Rotkraut ist allerdings – wie gesagt – auch nicht von schlechten Eltern.

Aber wenn ich da dann doch hinfahre, was sag ich dann? Wie spricht man den elsässischen Namen denn aus? Häberlin, wie den Basler Philosophen, oder Äberlä, irgendwie französisch? Für mich war das immer der Herr Häberlin, oder Missjöh Pohl. Aber alle sagen, er habe den Deutschen das Essen beigebracht; das wäre mit einem deutschen Namen gar nicht gegangen. Man hat ja damals auch gerne bei To:schelmo eingekauft (schreibt sich übrigens „Tengelmann“). Man sollte sich vorher besser nochmal erkundigen.

Bei Paul Bocuse habe ich noch ein anderes Haeberlin-Rotkraut-Rezept entdeckt, die beiden sollen ja dicke Freunde gewesen sein. Auch das hört sich nicht schlecht an – „Chou rouge à la mode alsacienne Paul Haeberlin“. Es funktioniert ziemlich ähnlich, nur werden die Feigen durch Räucherspeck und geröstete Kastanien ersetzt und das Ganze mit schwach gesalzenem Kalbsfond übergossen – irgendwo müsste ich noch einen halben Kopf ruude Kappes rumliegen haben (damit auch die Rheinländer wissen, wovon ich rede).

Und wenn ich schon beim name-dropping bin, dann MUSS ich doch noch rasch erwähnen, dass ich als Kind zusammen mit Harald Wohlfahrt im Blockflöten-Kurs war. Beim Blasen hatte er auch nicht mehr Talent als ich.

Rückblicks-Reue

Es tut mir so leid. Dass ich im August angefangen habe zu bloggen. Und damit Menschen verärgert oder gar verletzt oder geschädigt habe. Natürlich ohne es zu wissen und ohne es zu wollen. Ich hätte es sonst nicht gemacht. Sicher nicht.

Ich hab mir ja überhaupt keine Gedanken gemacht. Einfach losgelegt. Gut, dass ich nicht kochen kann und nicht fotografieren und auch nicht richtig schreiben, das hat mir schon ein wenig zu denken gegeben. Aber hey, wer kann das schon? Und was macht das schon? Braucht ja keiner zu lesen.

Aber dann. Dann habe ich über Zwetschgen-Marmelade geschrieben, natürlich mit Haut. Weil ohne Haut ist ja öde, das geht ja gar nicht. Und dann saß ein paar Tage später irgendwo auf der Welt ein Mensch, Mann oder Frau, wahrscheinlich abends, nur mit Schummerlicht vor seinem hell erleuchteten Bildschirm und rückte die Tastatur zurecht, um das Google-Orakel mit seiner Frage zu füttern: „zwetschgenmarmelade ohne haut„.

Und was macht Google? Schickt ihn zu den Tischgesprächen, auf exakt diese Seite, auf der erklärt wird, warum Zwetschgenmarmelade ohne Haut eine ganz schlechte Idee ist. Dumm gelaufen, könnte man denken; es könnte aber auch eine Tragödie dahinter stecken.

Wenn zum Beispiel beim Abendessen der Ehemann schlechte Laune hatte und im Laufe der Dinge dann zu allem anderen seiner Ehefrau auch noch hinterherrief, dass sie ja noch nicht mal ordentliche Zwetschgenmarmelade machen könne, da seien ja in ihrer Pampe immer so komische Hautfetzen drin! In diesem Falle könnte doch diese Ehefrau geknickt, aber reumütig und einsichtig, Google gefragt haben, um ihrem Göttergatten, den sie doch trotz allem ziemlich lieb hat, einen Gefallen zu tun und in Herrgottsnamen halt mal eine Marmelade ohne Haut zu machen. Und dann liest sie das bei den Tischgesprächen und kommt prompt ins Grübeln: Ich bin also nicht allein, denkt sie. Da sind auch noch andere, die gerne Haut im Gsälz mögen, vielleicht sogar die Mehrheit. Wahrscheinlich sogar alle, außer ihrem verblödeten Eduard, der ja von nix keine Ahnung nicht hat und noch nie hatte – ihre Mutter hatte sie schon immer vor ihm gewarnt. Und rennt – wieder aufgebracht und kampfeslustig – zurück ins Wohnzimmer, wo ihr Eduard bei einem Bier vor der Glotze sitzt. Und sagt es ihm. Alles. Auch dass er sich sein blödes hautloses Gsälz in den Hintern schieben soll, und dass sie keinen Bock mehr hat, sich von einem kulinarischen Hinterwäldler auf den Nerven rumtrampeln zu lassen. Und sie fahre jetzt mit den Kindern  zu ihrer Mutter. Und ist wahrscheinlich inzwischen schon geschieden – und ich bin schuld. Es tut mir so leid.

Oder die Geschichte mit den Eicheln. Ich hab doch angesichts eines riesigen Baumes im Hof nur die Frage gestellt, ob man die Eicheln wenigstens essen kann, wenn sie schon in dieser großen Zahl im Hof rumliegen. Nur eine Frage. Aber Heerscharen von Menschen scheint das auch umzutreiben. Weshalb sie „eicheln essen“ oder „was passiert wenn man eicheln essen“ eintippen, nur um dann zu erfahren, dass irgend so ein Klugscheißer das Maul aufreißen muss, es aber auch nicht weiß. Leute, wenn ich das geahnt hätte, hätte ich doch vorher recherchiert! Es tut mir leid.

Tja, und dann das Weihnachtsrätsel. Warum bin ich Volltrottel nicht von alleine auf die Idee gekommen, dass an Weihnachten der ganzen Welt langweilig ist. Und sie dann halt mal bei Google nach einem „weihnachtsrätsel“ (auch „weinachtsrätzle„) suchen. Liegt doch auf der Hand. Hätte ich doch wissen müssen, und nicht aberhunderte auf eine völlig rätselfreie und humorlose Seite locken dürfen. Es tut mir so leid. Ich mach es bestimmt nächstes Jahr nicht wieder.

Andererseits: ein oder zwei Leuten konnte ich wohl auch helfen. Bei „magenbrot kauf wo“ kann man hier nämlich die Antwort nachlesen: selber machen! Das tut mir nicht leid. Ob ich bei „kritischer punkt wasser“ hilfreich sein konnte, ist mir nicht ganz klar. Und an „salzmandeln + verdauungsbeschwerden“ kann ich mich zumindest nicht mehr erinnern. Bei „saufen ersetzt“ ist mir zwar die Frage nicht ganz klar, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass ich dazu was geschrieben habe oder demnächst ein paar Worte dazu  zu sagen habe. Und es würde mich schon interessieren, wo der Fragende bei „sensationeller nachtisch“ gelandet ist, das such ich nämlich auch immer. Ganz sicher fündig geworden ist auch der Google-Benutzer mit der bescheidenen Frage nach „ein rezept von alfons schuhbeck“ – da gibt es schon das eine oder andere.

Aber zurück zu all den anderen, den Enttäuschten und den Fehlgeleiteten. Es tut mir wirklich leid.

Schatzgräber

Es gab im gerade vergehenden Jahr tatsächlich einige Tage, an denen nicht mehr als – sagen wir mal – hundert oder hundertfünfzig Rezepte im Feedreader waren.

An solchen Tagen ist guter Rat teuer: Was essen? Ins Restaurant gehen? Ist meist enttäuschend. Sich selber was einfallen lassen? Au Mann, auch das noch.

Andererseits ist an solchen Tagen auch eine gute Möglichkeit, der schnelllebigen Welt ein Schnippchen zu schlagen. Die meisten Blogs haben nämlich nicht nur die Homepage mit dem dernier cri, sondern auch ein Archiv. Teilweise mit furchtbar vielen Jahren und fast immer 12 Monaten mit oftmals an die zwanzig Posts. Wer will, kann das jetzt mal ausrechnen – ich warte solange …

… das sind ganz schön viele, oder? Und es kommt noch besser: kaum stöbert man ein bisschen, schon tauchen da wahre Schätze auf – normalerweise vergraben unter meterdicken Staubschichten – hab ich das Wort „schnelllebig“ schon erwähnt?

Und wenn dann einer dieser Tage kommt, an denen man denken könnte, der Feedreader müsste mal wieder zur Inspektion, da kann doch was nicht stimmen, dann mach ich den Indiana Jones. Zieh meinen Raiders Style Hut auf, schlüpfe in die Tony Nowack Jacke, schnapp mir die Bullenpeitsche und – tauche mit verwegenem Blick ganz tief ein in die Archive.

Kann ich nur empfehlen. Und rechtzeitig zum Jahres-Ende (Rückblick all überall) ist hier meine Liste mit den Top 4 Schätzchen, gefunden 2011:

Die Kategorie Hauptspeise teilen sich Robert und Frau L. (hoffentlich einvernehmlich).

Robert macht für uns „Filetto di maiale al aceto balsamico“ (zuerst im Mai 2007, dann erneut im Juni 2010). Ich habs im Februar entdeckt, gerade rechtzeitig zum selbst gemachten Kalbs-Jus, und war und bin immer noch begeistert. Unaufwändig und entspannt in der Zubereitung (auch für Gäste), absolut gelingsicher und ein hocharomatischer Genuss – jedes Mal.

 

 

Während Frau L. es schafft, mit ihren „Ravioli pasticciati“ (Oktober 2008) auch Resteküche zu einem wohlschmeckenden Ereignis zu machen, oder – wie Robert es ausdrückt – „dicke, mehlig-pappige Ravioli geniessbar zu machen“. Mir kam es im Juni wie gerufen, als plötzlich die Schwägerin auftauchte und nur ein paar übrige Maultaschen greifbar waren. Die Tomaten waren schon rot, aber … Ist aber (fast) egal, weil durch das „Confieren“ auch rote Plastikbälle Geschmack annehmen und zusammen mit dem Käse, den Semmelbröseln und dem (Halb-)Rahm übrige Teigwaren hervorragend aufpeppen.

In der Kategorie Nützliches tummelt sich – wer sonst – Steph.

Dem „Knoblauch-Confit“ (Juni 2010) habe ich um ehrlich zu sein, nicht allzuviel zugetraut. Aber Skepsis hin, Skepsis her, als ich im August viel zu viel wunderbaren Knoblauch nach Hause gebracht habe, wars einen Versuch wert. Und das war es! Als ich es jetzt zum ersten Mal probiert habe, musste ich zugeben: Deutlich besser als die vertrockneten, schrumpeligen Knollen vom Markt.

In der Kategorie Dessert findet sich ein Schätzchen von Johannes:

Die „Karamellbirnen Vincent Klink mit Vanilleeis“ (vom Oktober 2010) sind definitiv wert, nachgekocht zu werden. Leider erst im Dezember gefunden, aber heutzutage endet die Birnensaison ja nicht so schnell. Apropos Birnen: man sollte den guten Rat von Johannes befolgen und die Birnen rechtzeitig kaufen, damit man sie noch nachreifen lassen kann. Mit harten Birnen gehts nämlich definitiv nicht, aber ansonsten kein bei der Gewürzorgie nichts schief gehen.

 

 

 

Weihnachtsrätsel

In die folgende kleine beschauliche Weihnachtsgeschichte

„Mamaaaa! Weihnachtseier suchen macht überhaupt keinen Spaß, wenn Onkel Google alles verrät!“

haben sich ein paar Fehler eingeschlichen. Welche?

Einsendeschluss ist der 21.12.2012

Küchelchen

Ich bin von Natur aus nicht eben gesellig. Gelegentlich trifft auch die Bezeichnung Teilzeit-Misanthrop ganz gut. Und ab und an muss ich Sowinetz auflegen: „Alle Menschen san ma zwida, i mechts in die Goschn haun“ – ich kann da mit Inbrunst mitsingen.

Tafelrunden wollen deshalb hinsichtlich der teilnehmenden Personen fein austariert sein, wenn sie nicht zum Desaster werden sollen. Das klappt natürlich nicht immer. Ganz nachteilig wirkt sich meist die Anwesenheit von eindimensionalen Menschen aus. Eindimensional in diesem Zusammenhang sind Menschen, die nur ein Thema haben, das aber richtig und mit Verve. Vegetarier, Nichtraucher, Frauenversteher, Prenzlauer Berg, diese Richtung.

Neulich zum Beispiel war es ein schwangeres Pärchen. Nicht, dass er auch schwanger gewesen wäre, aber das wusste er gut zu verbergen. Und obwohl mir mehrmals durch den Kopf ging, dass Unfruchtbarkeit unter gewissen Umständen ein Segen für die Welt sein könnte, gab ich mir Mühe, das schleppende Tischgespräch in Gang zu halten. Was es denn mal werden solle, nein, nicht beruflich (hahaha), Junge oder Mädchen? Beider Antwort war unisono: Natürlich ein Mädchen! Meine Nachfrage – man muss ein so interessantes Gespräch ja am Laufen halten – ob sie schon mal darüber nachgedacht hätten, dass „Made“ und „Mädchen“ nicht von ungefähr denselben Wortstamm hätten, und sie sollten sich in Acht nehmen, hinterließ sie allerdings mit offenem Mund. Was einem Gespräch naturgemäß abträglich ist, worauf es auch ziemlich bald ab- und das Pärchen dankenswerterweise aufbrach.

Bevor sich jetzt alle Oberstudienräte melden: Ja, ich weiß natürlich auch, dass Mädchen nicht von Made kommt, sondern von der kleinen Magd – dem „Mägdchen„. Aber soll ich mir deswegen ein Bonmot durch die Lappen gehen lassen? Nee! Zumal auch diese gottgewollte Rolle von heutigen Generationen ja leider nicht mehr aus vollem Herzen und mit Hingabe ausfüllt wird. Was man als Mann durchaus schade finden kann.

Wie komm ich jetzt eigentlich darauf? Ach ja, Verkleinerungen – Made und Mädchen. Ich wollte nämlich ursprünglich in meinem Küchelchen ein Küchelchen backen. (Frau T. protestiert im Hintergrund: „Wenn dir diese Küche nicht groß genug ist, kann ich dir auch nicht helfen!“ Stimmt ja, aber soll ich mir deswegen ein Bonmot durch die Lappen gehen lassen? Nee!)

Das Problem ist nur, dass ich mit Diminutiven in der Küche eigentlich wenig anfangen kann. Ich backe lieber in der Küche einen Kuchen – schließlich ist das hier kein Mädchen-Blog! Also weniger Törtchen und Salätchen, viel lieber Torten und Salate und am besten ein ordentliches Stück Fleisch – keine Putenstreifchen. Als einzige Ausnahme lasse ich „Spätzle“ gelten.

Leider ist aber das Augmentativ1) im Deutschen unbekannt. Wie soll man denn in einer Sprache kochen oder backen, die keine Vergrößerungsform kennt? Kann das der Grund sein, dass die deutsche Küche jahrzehntelang so vernachlässigt wurde? Weil es keine Wörter gibt? Wäre eine Erklärung.

1) Im Italienischen gibt es zum Beispiel die Suppe (minestra), die mit dem Augmentativsuffix –one erst zur „richtigen“ Suppe (minestrone) wird, die Portugiesen haben die Endung –ão (limalimão), im Spanischen kann durch allesmögliche vergrößert oder verstärkt werden (hombre wird mit –ón zum hombrón[kräftig], mit –azo zum hombrazo [riesig], mit –acho zum hombracho [grotesk,häßlich], mit –ote zu hombrote [ungeschlacht]), wenn man eine Flasche (botella) Wein trinkt, dann ist es nicht schlecht, aber besser ist eine bottelón (große Flasche). Den armen Deutschen bleiben eigentlich nur die beiden Präfixe super– und hyper-, und die sind auch nur ausgeliehen. Oder das unsägliche XXL. Und dass wir das dringend bräuchten, zeigt die Million (mille+-one = ein großes Tausend), aber die ist ja inzwischen durch die Milliarde mehr als ersetzt.

Magenbrot

„Magenbrot, na und?“ wird jetzt mancher von euch sagen (oder denken, ich weiß ja nicht, ob ihr mit eurem Monitor redet). Gibt es doch auf jeder Herbstkirmes, oder jetzt an jeder Ecke, auf jedem Weihnachtsmarkt. Was will er denn jetzt damit? Hat er sie noch alle?

Gibt es eben nicht! Nicht hier im kargen Norden! Ich hab sie alle abgeklappert, alle Herbstmärkte, alle Weihnachtsmärkte, alles. Ich hab dann was gegessen, was sie hier Schmalzgebäck nennen – wahrscheinlich bedeutet „Schmalz“ auf norddeutsch auch ganz was anderes, ein(e) „Semmel“ zum Beispiel ist groß wie ein Laib, aus Hefeteig und mit Rosinen drin!

Aber zurück zum Magenbrot. Zu Anfang der Saison, beim ersten Herbstmarkt, war das ja noch eher ein kleiner Wunsch: „Ich hätt jetzt gern eine Tüte Magenbrot“ sag ich so nebenbei zu Frau T. Und sie: „Dann kauf dir halt eine.“ – wie Frauen halt manchmal so sind. Und auf meinen fragenden Blick (ich kann mit den Augen „wo?“ fragen!) sagt sie doch glatt und mütterlich: „Komm, ich helf dir!“ Ein bisschen Genugtuung war dann schon auch im Spiel, als wir ohne Magenbrot nach Hause marschierten. Und ein Problem war es da noch keines.

Beim zweiten Markt dagegen war ich dann schon vorher ein wenig nörglerisch: „Och, Mensch, meinst du ich krieg heut eine Tüte Magenbrot?“ An Frau T. („Aber ja, Kleiner, nerv nicht!“) hat’s nicht gelegen, aber Magenbrot gab es trotzdem nicht. Auch nicht beim dritten und genauso wenig beim vierten Marktbesuch.

Etwa um diese Zeit – ich begann bereits, ab und zu Magenbrot-Orgien in meine Träume einzubauen – begab es sich, dass Robert ein Magenbrot-Rezept geposted hat. Sah Klasse aus, hörte sich richtig magenbrotig an. Tat meiner Depression überhaupt nicht gut. Aber Magenbrot selber machen? Gibt es doch an jeder Ecke, wer bin ich denn?

Gibt es aber eben nicht! Nicht hier im kargen Norden! Die Herbstmärkte zogen ins Land, die Magenbrot-Gelüste steigerten sich langsam zur Obsession – manchmal habe ich heimlich Roberts Seite aufgerufen und dann seufzend den entstandenen Speichel runtergeschluckt. Manchmal? Oft!

Ich hab in meiner Not Roberts Email-Adresse rausgesucht, um ihn zu fragen, ob er noch ein paar übrig hat. Aber das war mir dann doch etwas peinlich. Und dann: Care-Pakete aus der Schweiz? Täte dem sinkenden Selbstvertrauen der Euro-Ländern sicherlich nicht gut und hätte bestimmt Auswirkungen auf die Finanzmärkte – hab ich sein lassen und weiter trocken geschluckt.

Außerdem hatte ich noch eine klitzekleine Hoffnung: Auf den Weihnachtsmärkten, da wird es Magenbrot geben! Gibt es eigentlich überall auf der Welt. Also, da, wo es Weihnachtsmärkte gibt. Gibt es hier sicher auch.

Gibt es eben nicht! Nicht hier im kargen Norden! Also, ein allerletztes Mal Roberts Seite aufrufen, das Rezept kopieren, Einkaufszettel schreiben und ab in die Küche. Ich erspar euch das Rezept – könnt ihr bei Robert nachlesen – ich hab nämlich nichts geändert. Wer bin ich denn? Obwohl, bei 500g Puderzucker hab ich schon überlegt. Soviel Stoff hab ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Bei uns wird das Zeug ja in homöopathischen Gebinden verkauft und der Herr Schuhbeck nimmt immer nur „1 TL“, wenn er mal wieder Fett sparen will (Pfui! Den wollte ich doch gar nicht erst ignorieren!) Ich hab mich dann aber zum Glück doch ans Rezept gehalten (schließlich macht Robert keine Fehler, und wenn, dann hätt einer seiner 3 Trilliarden Leser das bestimmt gemerkt):

Da baden sie und suhlen sich und liegen dann zum Trocknen aus

Und was soll ich sagen? Tiefe Dankbarkeit durchströmt mich. Dankbarkeit, dass ich in diesem Teil von Deutschland wohnen darf, wo es weder Brezenknödel noch Spätzle gibt, ganz zu schweigen von Magenbrot. Aber wenn es das gäbe, dann hätte ich nie diesen Geschmack der Glasur kennengelernt, nie diesen weichen Lebkuchen kosten dürfen und wäre nie mit hängender Zunge über der Keksdose gestanden und hätte die Frage: Noch einen? niemals immer mit JA! beantwortet. Danke!

Und jetzt muss ich aber noch erzählen, was dann passiert ist. Teilnehmende Personen: Ich, stolz wie Oskar auf mein Magenbrot und Frau T., sich an der Keksdose zu schaffen machend und ein Magenbrot mümmelnd:

Frau T.:Du, dein Magenbrot ist echt klasse!
Ich:Hmmmh.
Frau T.:Aber gerade habe ich im Fernsehen das richtige Rezept gesehen.
Ich:????
Frau T.:Ja, da kommt der Kakao in den Teig und die Glasur ist nur eine Zuckerglasur.
Ich:Aber …
Frau T.:Das Originalrezept, haben sie gesagt. Von einer Schweizer Firma ..
Ich (in der Pose „Ich halte einen Vortrag“, tief durchatmend):Liebe Frau T., geschätzte Gemahlin! Das ist jetzt der hirnverbrannteste Unsinn, den ich seit Jahren, wenn nicht Dekaden gehört habe. Schweizer Rezept! Darf ich dir bitte ein paar grundsätzliche Bemerkungen zur Schweiz zu bedenken geben? Ich, ein ausgewiesener Kenner der Schweizer Gastronomie, der zudem auch fast alle Orte, die zu einem Sonntagsausflug einladen, auswendig hersagen kann, mit Postleitzahl! Ich, der ich seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, ein eifriger Leser der einzigen wahren Quelle Schweizer Nahrungsaufnahme bin, der nicht einen einzigen Post verpasst hat, und wenn doch, ihn umgehend im Archiv nachgeschlagen hat, ich also, sage dir: Schweige, Weib, von „einer Schweizer Firma“, sofern diese im Widerspruch steht zur einzigen wahren Quelle, die, verzeih mir das Wortspiel, mir zum Quell aller kulinarischer Genüsse geworden ist. Schweig stille und lass die Finger von meinem Magenbrot, dessen du dich nicht als würdig erwiesen hast! Schweig stille!“ (Abgang, kopfschüttelnd.)

Karamellbirnen

82. veröffentlicher Post. Note to myself:
dringend Vincent Klinks Karamellbirnen verbloggen. Gefunden bei dem „alten“ Johannes und bei Claus auf der Nachkochliste.
In der Zwischenzeit aber Adjektive sammeln. Unglaublich, der Mann! Vanille, Rosmarin, Sternanis, Zimt, Pfeffer, Piment, Gewürznelke, Orange, Zitrone.
Frau T. rätselt immer noch, wie dieser Geschmack zustande kommt. Ich muss sie noch zappeln lassen.
(Bild irgendwo klauen? Nochmal kochen und knipsen? Könnt eigentlich auch der Claus übernehmen.)

 

Tischgespräche
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