Paneer, Karotten, Erbsen

Seit es Iglo gibt – also soweit ich mich zurückerinnern kann, immer – und seit alle Fernsehköche behaupten, tiefgefrorene Erbsen seien besser als frische, weil sie »direkt auf dem Feld« gefroren würden und alle »wertvollen Inhaltsstoffe« noch erhalten wären, seither gibt es bei uns Eis-Erbsen, weil sie tatsächlich besser schmecken, als die aus den Dosen (an die man ja nur mit hinter dem Rücken gekreuzten Fingern und gesenktem Blick denken darf, weil sie einen sonst für immer im Traum verfolgen). Aber wenn es frische Erbsen auf dem Markt gibt, dann können mir Fernsehköche und andere Besserwisser gestohlen bleiben, die sind ja nur zu faul zum Pulen. Frag ich also den netten jungen Mann am Gemüsestand, wie viele Schoten ich denn bräuchte um 250 g Erbsen zu erhalten. Sein hilfloser Blick ging zuerst zu seiner Mutter, die in ein Gespräch vertieft war, dann zu seinem Bruder, der zumindest denselben Blick hatte und dann zu mir: »Puh, ich seh die immer nur so …« Und wenn man mal eine erfahrene Hausfrau bräuchte, ist natürlich keine in der Nähe – alle waren unter sechzig Jahren.

Küchentagebuch, Samstag 26. Juni 2021

  • Gajar Matar mit Paneer (Erbsen, Karotten und Kreuzkümmel; aufgetrieben und aufgeschrieben von Anke Gröner)
  • Milchreis mit Erdbeeren
Kreuzkümmelmist MEIN Gewürz!

Was macht Iglo eigentlich damit:

Kann man das recyceln?

Maultaschen, Salat, Erdbeeren

Mir ist überhaupt nicht wohl. Ich darf zu den Maultaschen keinen Kartoffelsalat machen, obwohl ich mir sicher bin, dass es seit Menschengedenken noch nie nicht vorgekommen ist, dass Maultaschen ohne Kartoffelsalat gegessen worden sind – unvorstellbar. So hat es mir meine Mutter beigebracht, die es von ihrer Mutter so gelernt hat, so hab ich es immer gehalten. Aber jetzt gibt es Salat im Hochbeet, viel Salat im Hochbeet. Das ist ja das Problem mit Salat im Hochbeet: Entweder es wächst gar kein Salat, oder es wachsen alle Salatköpfe auf einmal. Sicher, theoretisch weiß ich natürlich auch, dass man die Samen nacheinander säen und dann zum Beispiel pro Woche ein oder zwei Salate ernten könnte – Theorie halt. Im Freiland-Beet haben wenigstens die Schnecken noch mitgegessen. Jetzt gibt es halt Salat; heute Salat und morgen Salat und …

Küchentagebuch, Freitag 25. Juni 2021

  • Schwäbische Maultaschen
  • Salat und Salat
  • Quark mit Johannisbeeren und Erdbeeren (und da wär mir eine Schwemme eigentlich ganz recht)
Ganz wichtig bei Maultaschen ist die Schmälze

Saltimbocca, knusprige Bohnen, Kartoffeln

Offene Browser-Tabs sind die Geißel des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Früher war es ja so, dass man ein interessantes Rezept bzw. das Bild davon gesehen hat. Dann hat man gedacht Oh ja, das probier ich aus! Und ob man dann die Seite einfach geschlossen hat (in der irrigen Annahme, man würde sich später noch daran erinnern) oder den Link vorher noch in der Favoritenliste gespeichert oder ein Lesezeichen gesetzt hat, das Ergebnis war das gleiche: Aus den Augen aus dem Sinn. Das war aber gut so, und wahrscheinlich auch so geplant. Erhöhung der Zufriedenheit durch Reduktion der Wunschliste, so stand es damals im Exposé der Schöpfung. Und auch Neuerungen wie die Notizen oder Feedly-Read-Later auf iOS oder die Sammlungen bei Edge: Gutes Gewissen, weil gespeichert; hohe Zufriedenheit, weil vergessen wo. Und heute ist da dieser immer offene Tab mit »Alubias con judías verdes y ajo«, also etwa »Knusprige weiße Bohnen mit grünen Bohnen und Knoblauch«. Und tatsächlich ist da ein Bild mit goldbraun gebratenen Riesenbohnen, bei dem ich nicht für möglich gehalten hätte, dass so etwas geht. Da mich dieses Bild aber jeden Tag anlacht, muss ich das heute endlich nachkochen, auch wenn es vielleicht nicht ganz zu Saltimbocca passt, ich halte das nicht länger aus. Ich muss den Tab jetzt endlich schließen.

Küchentagebuch, Donnerstag 24. Juni 2021

  • Saltimbocca alla Romana
  • Vorgekochte junge Kartoffeln in der Pfanne in Butter gebräunt (weil der Backofen belegt ist)
  • Knusprige weiße Bohnen mit grünen Bohnen und Knoblauch (das deutsche Rezept, meine Übersetzung, die habe ich aber schon mit DeepL überprüft)
Ehemals weiße Bohnen, tatsächlich knusprig! Auch als Snack zum Bier auf der Terrasse vorstellbar

Gebacken: Rhabarbertarte (ich habe begonnen, meinen Geburtstagskuchen selber zu backen, als mich Freunde mit einer Sahnetorte von Coppenrath & Wiese überrascht haben)

Letzter möglicher Tag, das war’s. Bis nächstes Jahr

Reis, Kimchi, Käse

Gestern bin ich auf dem Markt nahezu gezwungen worden, ohne Maske einzukaufen. Ich weiß zwar nicht, was es bringen soll, aber anscheinend war es vielen Menschen ein Bedürfnis, die neu gewonnenen Freiheit demonstrativ zu feiern. Wegen niedriger Inzidenz (seit Tagen unter 1,0) dürfen wir wieder. Nur im Freien, wenn ich es richtig verstanden habe und bis auf Widerruf, aber hey! Ich hoffe, der Schritt zurück geht genauso fix, wenn Delta hier ankommt.

Küchenkalender Juni 2021 (2)

  • Beerensülze (viel Gelatine, viele verschiedene Beeren, Zucker und Zitrone für die Sülze, viele Beeren, Zucker und Zitrone für die Garnitur; Jahrhundertküche? Für die Garnitur einen Joghurt-Spiegel gießen und pürierte Beeren so draufgießen, dass ein Blumenmuster entsteht. Könnt ich nicht, wollt ich aber auch nicht)

Küchentagebuch, Mittwoch 23. Juni 2021

  • Reiskrapfen mit Kimchi und Gruyère (Ottolenghi, Flavour, auf englisch und auf deutsch)
  • Salat
  • Gebackene Holunderblüten
Trotz zugekauftem Kimchi äußerst delikat

Wolfsbarsch, Fenchel, Reis

Eigentlich ist es merkwürdig, dass man in Deutschland Fragen stellt. Ist das so zu verstehen, dass alle möglichen Fragen fix und fertig irgendwo rumliegen und bei Bedarf einfach aufgestellt werden können? Oder gibt es einen Wartesaal, wo die Fragen sitzen dürfen, bevor sie gestellt werden? Bei der Vielzahl unbeantworteter Fragen ist das eher unwahrscheinlich, der Platzbedarf wäre einfach zu hoch. Auch auch unsere westlichen Nachbarn (poser une question, een vraag stellen) halten es ähnlich, während man weiter südlich offenbar nichts von dieser Art Vorratshaltung hält und lieber alle Fragen bei Bedarf neu macht (hacer una pregunta, fazer uma pergunta, fare una domanda). Unsere nicht-mehr-ganz-so-dicken-Freunde auf der Insel sind wie immer ganz schrullig und fragen ihre Fragen (to ask a question), als ob es Sinn machen würde, eine Frage etwas zu fragen – das kann man wahrscheinlich zusammen mit Linksverkehr und Pfefferminzsauce ad acta legen. Auf den ersten Blick erscheint die südliche Variante moderner und platzsparender (Stichwort On Demand Questions), zumal sich manchmal Fragen auch selbst stellen und damit für Chaos in der Ablage sorgen und alles durcheinander bringen können. Andererseits gibt es Fragen, die sich nicht so einfach beantworten lassen und eigentlich nicht jeden Tag neu gemacht werden müssten, da wäre eine Ablage schon praktisch. Was gibt es eigentlich heute zu essen?

Küchentagebuch, Dienstag 22. Juni 2021

  • Dorade Wolfsbarsch mit Fenchelsauce (essen&trinken)
  • Reis
  • Erdbeer-Rhabarber-Kompott mit Joghurt
Fisch gut, Sauce sehr gut, Reis ok

Angesetzt: Rhabarber-Kimchi mit Sumach (Ottolenghi, bei pfanntastsisch)

Ich bin mal gespannt

Pasta, Butter, Salbei

Ich weiß nicht, was mich gestern geritten hat. Ich saß im Garten mit dem Blick auf zwei riesige Salbei-Büsche in voller Pracht. Der Entschluss, heute Spaghetti mit Salbeibutter zu »kochen« und den Salat im Hochbeet zu ernten, brauchte nicht lange um zu reifen. So weit so gut. Insgesamt keine schlechte Idee. Allerdings hatte ich später wohl zu viel Zeit, gerade ein Tablet in der Hand und den Drang, vielleicht etwas »mehr als nur« Salbeibutter zu machen, obwohl das erfahrungsgemäß völlig unnötig ist. Jetzt bin ich total durcheinander. Was zum Beispiel bringt jemand dazu so viel Text und so viele Bilder um eine Salbeibutter herum zu platzieren, dass man vor lauer Scrollen das »Rezept« verpasst? Aber gut, ich muss nicht alles verstehen. Und das Angebot ist riesig: Ganz beliebt ist Pasta mit Kürbis, Salbei und Speck. Irgendwo gibt es bestimmt auch Kürbis, aber das fällt flach. Vielleicht Salbei, Feta und getrocknete Tomaten? Oder mit Parmaschinken? Was ich auch noch nie probiert hab, ist die Kombination von Salbei und Zitrone, oder mit Gorgonzola-Walnuss-Birne, oder Rehleber mit frischem Salbei (gibt es im Moment Wild?). Was sicher ginge, wäre» Pasta mit Spargel in Salbei-Sahne-Soße«, aber ich bin Spargel-Purist. Mit »Nudeln mit Salbei und Ricotta« könnte ich den Ricotta-Rest verwerten, oder lieber »Pasta Yoichiro mit Kirschtomaten, Mozzarella und Salbei« (Cross over)? Und am Tegernsee gäb’s »Frische Pasta mit karamellisierten Aprikosen und Salbei«! Oder mit Pfifferlingen? Ich hab noch nie Pfifferlinge und Salbei und schon gar nicht mit Nudeln. Irgendwann werde ich mich sicher entscheiden, aber heute nicht. Heute nenne ich es einfach »Pasta con Burro e Salvia«, das hört sich toll an.

Küchentagebuch, Montag 21. Juni 2021

  • Zucchiniblüten gefüllt (im Backofen, kraut&rüben)
  • Spaghetti mit Salbeibutter
  • Gemischter Salat
Alles aus dem Garten (außer der Pasta natürlich)

Tomaten, Altes Brot, Olivenöl

Das bessere ist des guten Feind? Tja, aber es gibt halt auch Rezepte, die wahrscheinlich mehr als hundert Jahre alt sind, und doch nicht verbessert werden können und müssen. Ich hatte mich gerade entschieden, bei diesem Sommereinbruch »Pappa al pomodoro« zu machen – es ist ja keine Kunst, alle Zutaten im Haus zu haben*) und halbwegs geschmackvolle frische Tomaten gibt’s auch schon ein paar – da fiel mir ein, dass Herr Ottolenghi irgendwo in seinem Buch behauptet, es besser zu können. Hä? Nun, er braucht dazu frische Curryblätter und verschiedene Chilischoten und schwarzen Senfsamen, die in Olivenöl frittiert und als knuspriges Topping drüber gestreut werden, und natürlich Brot, Tomaten und Basilikum. Und – ja richtig, er kommt mit ungefähr 10 Minuten Kochzeit aus und meint, keine Brühe zu brauchen! Mit Curryblättern, die allerdings auch optional sind, kann ich nicht dienen, da der einzige Asia-Markt im Umkreis von 500 km die Corona-Krise hat, aber ich lass mir ja nicht nachsagen, ich sei zu alt für Neuerungen. Das Schwierigste an dem Gericht ist und bleibt der Tanz von Rita Pavone. Frau T. meint, ich müsse noch üben:

*) natürlich ist es doch ein bisschen schwer: Selbstgebackenes Brot hält länger frisch, schmeckt auch aufgetoastet gut und bleibt so seltener übrig. Aber mit ganz viel Disziplin schafft man auch diese Hürde (Schulter, klopf, klopf, klopf)

Küchentagebuch, Sonntag 20. Juni 2021

  • Pappa al pomodoro mit Limette und Senfsamen (aufgepeppt von Herrn Ottolenghi, im Netz leider nur Englisch und jetzt hier mein PDF)
  • Griechischer Joghurt mit Rhabarber-Kompott
Anders als gewohnt, vielleicht besser, nicht komplizierter

Zicklein, Knoblauch, Kartoffeln

Ich weiß jetzt auch, woher die Redensart »das Zicklein an der Waage« kommt. Das Zicklein wird heutzutage meist in Gold aufgewogen, da ist eine zuverlässige, hochpräzise Wägevorrichtung von allergrößter Bedeutung und betrügerische Gegengewichte können zum Ruin und dem Verlust ganzer Familien-Vermögen führen, einschließlich Haus, Hof, Hab und Gut. Gut, übertreiben war schon immer meine Stärke, aber mein erstes Zicklein habe ich als bettelarmer Student in Marokko gegessen; wie ich mir das damals leisten konnte, ist mir heute ein Rätsel.

Küchentagebuch, Samstag 19. Juni 2021

  • Zickleinkeule mit Karotten, Knoblauch und Kartoffeln (eatsmarter)
  • Buttermilch-Kaltschale mit Erdbeeren
Oooh, ein kleines Zicklein, teuer, aber oho

Salat

Man kann nicht behaupten, dass die Planung der Welt in allen Punkten hundertprozentig gelungen wäre. Da gibt es zum Beispiel Verkehrs- und Gesundheitsminister, deren Existenz nur erklärbar wäre, wenn jede ideale Welt aus irgendwelchen uns nicht unmittelbar einsichtigen Gründen mit Plagen geschlagen sein müsste, weil sie sonst zum Beispiel aus dem Gleichgewicht geriete und auseinanderbräche. Aber ganz unbestreitbar ist, dass das Zusammentreffen von (extremer) Hitze und dem Wachstum von Salat, Tomaten, Gurken und Kräutern mehr als ein Zufall sein muss. Und wenn doch: Praktisch ist es auf jeden Fall.

Küchentagebuch, Freitag, 18. Juni 2021

  • Salat (die Speise, nicht zu verwechseln mit dem Fluss oder Salāt, dem Gebet) mit Thunfisch, Ei und allem aus dem untersten Kühlschrankfach
  • Butter-Brezeln
  • Erdbeer-Quark-Schmand-Joghurt-Creme fraîche-Sahne
Dem Sommer sei Dank, Salat und Erdbeeren. Mehr braucht man nicht

Melone, Portobello, Bohnen

Die 7-Tage-Inzidenz für den Landkreis beträgt laut RKI jetzt 0,7. Aber alle mögliche Deppen verlassen den Landkreis – und das nicht für immer: die kommen wieder zurück! Manchmal gibt es ja auch gute Gründe. Ich zum Beispiel MUSSTE gestern raus, weil es hier nirgends Portobello-Pilze gibt. Das ist eine Notlage, für die es natürlich Ausnahmen geben muss. Aber andere haben so profane Ausreden wie: Ich arbeite da. Das müsste man strikt unterbinden, Arbeit wird sich langfristig ohnehin mehr und mehr als unnötig erweisen. Gut ein paar Ernte-Helfer, ein paar Amazon-Fahrer und jede Menge Altenpfleger wird man immer brauchen, aber die bezahlt man Gott-sei-Dank so schlecht, dass sie gar nicht auf Idee kommen, in der Gegend rumzufahren und Viren zu verbreiten. Dort, wo ich die Pilze gekauft habe (Inzidenz 5,4), gibt es übrigens seit heute drei neue Corona-Fälle. Die waren natürlich alle drei morgens mit mir am selben Marktstand. Aber Hauptsache, ich hab meine Pilze. Die Maske habe ich noch außerhalb des Heimat-Kreises entsorgt und die Pilze 1 ½ Stunden bei 150° (Umluft) desinfiziert; wie gut, dass das im Rezept ohnehin vorgesehen war.

Küchentagebuch, Donnerstag 17. Juni 2021

  • Sommersalat mit Melone, Feta, Basilikum, Pinienkernen, Pfeffer und Olivenöl (ein ganzes Rezept in einer Zeile)
  • Portobello-Steaks und Püree aus Riesenbohnen (Ottolenghi, Flavour; Rezept bei eatsmarter.de, oder in Wien bei Sussitz oder im GartenZauber, wenn’s schon mal so viele Quellen gibt …)
Wenn ich hier eine Portobello-Quelle hätte, könnte das ein Favorit werden, ohne vielleicht auch
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