Lauch, Limette, Lachs

Dass Frauen sich immer so anstellen müssen! Wenn Sicherheitsgurte an 75 Kilo schweren, 175 cm großen Puppen getestet werden, dann sind sie doch auch mit gemeint! Da sind wir doch gar nicht so. Und wenn sie nicht in (kostenlose) Urinale pinkeln können, dann müssen sie halt was berappen, das ist so auf der Welt, das trifft auch Sitzpinkler. Oder wenn im Büro die Füße baumeln oder die Temperatur 3° unter der weiblichen Wohlfühltemperatur eingestellt ist, dann hat das doch auch Vorteile, wir meinen es doch oft nur gut. Im schlimmsten Fall sind das »Unannehmlichkeiten« (was aber natürlich – verbreiterter Irrtum – nicht bedeutet, dass sie unannehmbar sind!) Auf jeden Fall verstehe ich überhaupt nicht, dass das Pamphlet »Das Patriachat der Dinge« überhaupt veröffentlicht werden darf, kann mann das nicht verhindern?

Küchentagebuch, Dienstag 6. Juli 2021

  • Lachs auf Lauchbett im Bratschlauch ( siehe lamiacucina )
  • Mit Ingwer-Limetten-Portwein-Sauce ( ebda )
  • Reis
Wohl das beste meiner Lachsrezepte

Gebacken: Johannisbeerkuchen (wie der Heidelbeerkuchen, nur mit Johannisbeeren und zum ersten Mal ein Mürbteig mit der Küchenmaschine)

Reis, Rhabarber-Kimchi, Spiegelei

Pharmafirmen veröffentlichen Studienergebnisse nicht, kann man nix machen. Herr Maßen verortet Linksradikale bei der Tagesschau, ist mir bislang nicht aufgefallen. Tausende Impftermine werden nicht wahrgenommen, weil Wetter, Lust und wasweißich. Täglich ein neuer »Skandal« um Frau Baerbock, ja was hat die denn gedacht. Rechtspopulisten haben die EU-Ratspräsidentschaft inne, das macht aber nichts. Sechzigtausend Zuschauer im Wembleystadion, alle sind besorgt. Es gibt so viele Merkwürdigkeiten, dass man keine Synonyme für merkwürdig mehr findet und auf andere Sprachen ausweichen muss: Strange (EN), extraño (ES), estranho (PT), strano (IT), étrange (FR) und ja: merkwaardig (NL). Merkwürdig an merkwürdig ist ja, dass man es sich eben aus psychohygienischen Gründen meist nicht merken sollte, es also gar merk-würdig ist. Aber fremd, wie unsere Nachbarn meinen, ist es eben auch nicht. Es fühlt sich alles so merkwürdig vertraut an. Bizarr, eigenaardig, weird. Komisch?

Küchentagebuch, Montag 5. Juni 2021

  • Gebratener Reis mit Rhabarber-Kimchi (bei pfanntastisch)
  • Him-, Johannis- und Erdbeeren aus dem Garten

Tofu, Mangold, Limette

Bei Duolingo gibt es seit einiger Zeit neue, eher konventionelle Audio-Lektionen; in der französischen Version habe ich dieser Tage mal reingehört in eine Übung für Konversation – HalloWieGehtEs?DankeGut; IchHeißePaul.SehrErfreut. Und dann sagt zum Schluss die nette Estelle: »Now go out there and make people mean it when they say Enchanté«. Ähem. Soll ich jetzt etwa auch noch verantwortlich dafür sein, ob mich die Leute nett finden oder nicht? Ist das nicht deren Aufgabe? Schließlich mache ich es ihnen ohnehin wirklich leicht genug. Andererseits: einige Leute könnten sich schon etwas mehr anstrengen, von mir gemocht zu werden. Denn wir Misanthropen haben es auch nicht leicht.

Küchentagebuch, Sonntag 4. Juni 2021

  • Kardamom-Tofu und Choi Sum Mangold mit Limette (laut Herrn Ottolenghi »definitiv ein Rezept für Tofu-Skeptiker«; trotzdem nirgends im Netz. Jetzt habe ich es hier aufgeschrieben)
  • Fladenbrot (obwohl gar nicht so viel Sauce entsteht wie zunächst gedacht)
  • Joghurt-Quark-Schmand-Erdbeeren
„Festen“ Seidentofu zu würfeln ist schon eine Herausforderung

Pasta, Zitrone, Salat

Mit zunehmendem Alter, so ist mein Eindruck, nimmt die Flexibilität zumindest ein wenig ab. Wenn eine Planung sich urplötzlich als undurchführbar erweist, dann kann das zu Stockungen im Ablauf führen, die praktisch unüberwindbar sind. Wenn zum Beispiel der Geflügelhof „plötzlich“ Urlaub macht, dann ist das ja wohl eine Ungeheuerlichkeit. Und auch, dass das jedes Jahr um diese Zeit so ist, weil sich der ganze Laden die Freiheit nimmt, nach der Spargelernte auszuspannen, macht die Situation nicht besser. Eine ganze Woche lang! Ungeheuerlich! Bei Wiesenhof wär sowas nicht möglich. Bis Mittwoch muss ich jetzt warten mit meinen Zitronenhuhn nach Ottolenghi! Bis Mittwoch! Ich will aber heute Zitrone haben! Leider sähe es schon ein wenig merkwürdig aus, wenn ältere Menschen trotzig auf den Boden stampften, aber es ist doch wahr. Kruzitürken.

Küchentagebuch, Samstag 3. Juli 2021

  • Bucatini al Limone (nach einem Rezept und mit den eingelegten Salzzitronen von So nach Gefühl)
  • Salat
  • Kirschen aus dem Alten Land
Kein richtiger Hähnchenersatz, aber immerhin Zitrone

Blumenkohl, Schinken, Kartoffeln

Sie trug ein weißes Kleid mit weitem Faltenrock. Er ertrug sie mit stoischer Ruhe. Sie plapperte gut aufgelegt vor sich hin. Er versuchte durch zustimmende Geräusche und Gesten den Eindruck zu erwecken als höre er aufmerksam zu. Sie saß am Steuer. Er betrachtete das als großherziges Entgegenkommen seinerseits. Sie waren auf dem Weg in ein Wochenende im Wellness-Hotel mit vorab gebuchtem Candlelight und allen Schikanen. Drei ganze Tage, wie hatte er sich nur darauf einlassen können? Nun, die hübsche Paartherapeutin hatte sich so sehr über sein Ja gefreut und ihre blauen Augen fingen an zu strahlen. Für ihr Lächeln würde er alles tun, im wahrsten Sinne des Wortes alles. Aber auf seine Frage, ob sie nicht mitkommen wolle, ging sie einfach so hinweg, als sei es ein Scherz gewesen. Vielleicht, so hoffte er, könne er sie noch mit einem Hilferuf zu einem Noteinsatz bewegen. Doch halt! Was ist das jetzt? Sie setzte den Blinker. Würde er jetzt in einer Autobahnraststätte eine Kaffee trinken oder – Gott bewahre – etwas essen müssen? Kann ein Horror-Wochenende noch schlimmer werden als befürchtet? Was hat es mit dem roten Fleck auf einem weißen Faltenrock auf sich? Blut oder Autobahn-Ketchup? Wird sich der Kommissar in die Paartherapeutin verlieben? Rufen Sie jetzt an! Null-neunhundert, sieben mal die sieben, sieben sieben drei. Bestellen sie jetzt die DVD! Wenn Sie bis 13 Uhr anrufen erhalten Sie einen Gutschein für drei Tage Wellness in Bottrop obendrauf. Zögern Sie nicht, rufen Sie jetzt an, um die ganze unglaubliche Geschichte zu hören!

Küchentagebuch, Freitag 2. Juni 2021

  • Blumenkohl mit Schinkensauce (gabs hier schon öfter, z.B. hier)
  • Junge Kartoffeln, gedämpft
Bei uns ein Klassiker

Parmesanknödel, Tomate, Salbeibutter

Fünfzehn °C, Regen können ganz schön kalt sein. Zumindest zu kalt für Panzanella. Und das ist besonders schade, weil für diesen Brotsalat zwei seltene Ereignisse zusammentreffen müssen. Gutes altes Brot und gute reife Tomaten. Beides wäre im Moment der Fall und das ist eine besonders seltene Situation. Denn also ob ein Fluch über diesem Haushalt läge, gibt es das ganz selten, gute reife Tomaten sowieso und merkwürdigerweise auch altes Brot. Das ist entweder (noch) viel zu köstlich und kann getoastet genossen werden oder schon steinhart, der nötige Mittelweg existiert hier nicht. Da aber alle Klagen nicht helfen, gibt es heute für Brot und Tomaten einen Panzanella-Ersatz, der auch bei 15 °C denkbar ist und die Panzanella wird verschoben bis irgendwann im Sommer (a) die Sonne scheint und (b) die Tomaten im eigenen Garten reif sind und (c) irgendjemand den richtigen Zeitpunkt erwischt und ein halbes Brot auf die Seite legt (und es dann nicht vergisst). Das wird bestimmt ganz toll.

Küchentagebuch, Donnerstag 1. Juli 2021

  • Parmesan-Spinatknödel mit Salbeibutter und Tomaten (bei brigitte.de)
  • Milchreis mit Erdbeeren (und Johannisbeeren)
Mehr Käse als im Rezept und gedämpft statt im siedenden Wasser gegart

Mangold, Speck, Eierguss

Ein Deutschlehrer, der auch Sprachkurse für Asylbeantragende abhält, hat erzählt, dass ein Schüler den Satz „Das wird wohl schon gemacht worden sein“ gebildet habe. Noch vor dem Applaus des Lehrers und der anderen Kursteilnehmer für diese schöne Formulierung habe er allerdings gezögert und sich dann verbessert: „gemacht geworden gesein“. Auf Nachfrage erschien ihm die erste Version „zu rund für deutsche Sprache“. Nun, so unterschätzt die deutsche Sprache auch sein mag, so gebiert sie doch auch kleine Juwelen, Wörter die ein ganzes Universum an Bedeutung und Konnotation aufblühen lassen. Zum Beispiel das „Impfangebot“ (das vor zwei Jahren noch nicht möglich gewesen wäre). Darin stecken die vor Stolz aufgeblasenen Backen desjenigen, der es tatsächlich – wider aller Erwartungen – zumindest laut eigener Aussage geschafft hat, ein paar Dosen Serum zu organisieren und sich mit leuchtenden Augen auf ein Lob freut. Aber auch die Angst des Berufspolitikers vor seinen Wählern, die vielleicht gar nicht geimpft werden wollen und denen man bitte nicht zu nahe treten und ihnen deutlich machen will, dass natürlich niemand gezwungen werde und es sich halt um ein Angebot handle, das man durchaus eventuell auch ablehnen könne, ohne dass irgendjemand böse würde. Oft frage ich mich, wie viel Politiker-Rückgrat eigentlich wegen Produktionsmängeln als Retour-Lieferung zurückgehen (aber wohin) müsste. Wenn dann aber aber so schöne Wörter wie „Impfangebot“ dabei herauskommen, bin ich für einige Zeit wieder besänftigt.

Küchentagebuch, Mittwoch 30. Juni 2021

Gerne wieder

Melone, Pasta, Salat

Jetzt beginnt die Zeit, in der nicht mehr ich entscheide, was es zu essen gibt, sondern die Natur. Im Garten reifen die ersten Zucchini. Dem hab ich erstmal ganz schnell ein Ende gemacht und einen Kuchen gebacken. Es gibt eigentlich nicht viele Erdbeeren, aber sie wollen alle gegessen werden (die Sorte Mieze Schindler ist zwar unheimlich lecker, aber absolut lagerungsunfähig, selbst der Transport in die Küche scheint ihr zu viel zu sein). Der Mangold schwillt regelrecht an, selbst die Bohnen wachsen bedrohlich. Und ganz ehrlich, der Zucchini-Kuchen wird dieses Problem nicht lösen. Ich tu jetzt einfach so, als ob ich das ohnehin alles in nächster Zeit hätte kochen wollen.

Küchentagebuch, Dienstag 29. Juni 2021

  • Melone mit Feta, Pinienkernen und Basilikum
  • Tortiglioni mit Tomatensauce (Reste von gestern müssen auch noch abgearbeitet werden)
  • Salat (die unendliche Geschichte)
  • Quark mit Erdbeeren und Johannisbeeren
Resteverwertung vom Feinsten

Gebacken: Zucchini-Kuchen und Mischbrot

Das ist der erste, wird aber nicht der letzte Zucchinikuchen sein

Aubergine, Tomate, Mozzarella

Ich mag keine Auberginen. Vielleicht in Schmortöpfen verkocht. Aber ich bin mir selbst da nicht sicher, ob da was fehlen würde, wenn man sie wegließe. Und auf jeden Fall nicht als »Melanzane alla Parmigiana« – ich habe bislang immer nur mit Fett vollgesogene badeschwammähnliche Gebilde gegessen (und fabriziert), die im besten Fall von einer guten Tomatensauce barmherzig zugedeckt wurden. Aber jetzt habe ich zwei Pflänzchen in den Garten gesetzt, die schon zu richtigen Pflanzen herangewachsen sind. Ob da je Früchte wachsen, ist zwar noch nicht ausgemacht, aber wenn ich da jeden Tag mit schlechten Gedanken dran vorbeigehe, dann kann das ja nichts werden. Und da außerdem die Bällchen-Version von Ottolenghi gar nicht mal schlecht war, bekommen jetzt die Hochstapler-Türmchen von Arthurs Tochter noch eine Chance. Vielleicht werde ich ja rechtzeitig vor der Ernte noch Auberginen-Fan, bei den Zucchini hab ich es ja auch geschafft.

Küchentagebuch, Montag 28. Juni 2021

  • Der Turmbau zu Gabel – Aubergine-Parmesan-Auflauf (s.o. bei Astrid)
  • Erdbeeren und Johannisbeeren mit Joghurt
Ja, aber der in Würzöl marinierte Mozzarella und die Tomatensauce hätten wohl auch auf einem Bierfilzl »bella figura« gemacht

Ripple, Brezen, Salat

Heute hat übrigens der Sommer begonnen. Nicht meteorologisch oder kalendarisch oder so, sondern kulinarisch. Der Sommer beginnt, wenn ich zum ersten Mal morgens zum Frühstück Cornflakes anrühre und Johannisbeeren aus dem Garten hole. Ich esse sonst nie Cornflakes und Johannisbeeren nur in Maßen, aber mit dieser Kombination fängt der Sommer an, und ich freue mich darauf immer schon wochenlang und beobachte den Färbegrad der Beerchen, bis es dann endlich soweit ist. Und dann habe ich beim Frühstück auch noch einen Satz gelesen, der im Küchentagebuch nichts verloren hat, den ich aber trotzdem aufschreiben muss: »Frauen und Diverse sind nicht unsichtbar in der Sprache. Sie sind unsichtbar in manchen Köpfen.«

Küchenkalender Juni 2021 (3)

  • Hummersuppe mit Blumenkohlröschen (das ideale Gericht für die Tage, an denen man gerade zwei Hummerkarkassen und einen ganzen Hummer rumliegen hat. Im Notfall kann man dann auf den Blumenkohl verzichten – bestimmt delikat!)

Küchentagebuch, Sonntag 27. Juni 2021

  • Badisches Ripple (hier schon mal)
  • Brezen (Lutz Geissler, BB Nr. 4)
  • Radieschen, Tomaten, Gurke, Butter
Brotzeit – Mahlzeit
Tischgespräche
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