Gezwitscher (11)

Orkanböen in Norddeutschland. Abends Apfelkompott. #schwerkraft

Gezwitscher (10)

Heute gab’s im Cafe „Weserwelle“; ein Buchstabe scheint schon weg zu sein. #fdp #RIP

Achtzehn

Achtzehn ist eigentlich keine besondere Zahl. Wenn es sich allerdings um 18 Stunden handelt und ein einfacher Mensch diese 18 Stunden zu der aktuellen Uhrzeit dazu addieren muss, um ein Brot zu backen, dann tja dann …

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Gezwitscher (9)

Beim Offenfahren wär eine lange Unterhose praktisch #wetterbericht

Rezension: Das Siebte

Angeregt durch die Buchmesse bin ich wieder mal aufmerksam geworden auf die journalistische Form der Rezension. Sie erfordert ein nicht unbeträchtliches Maß an Selbstbewusstsein auf Seiten des Rezensenten und jagt dem Rezensierten seit jeher Angst und Schrecken ein, man denke nur an Martin Walser und Marcel Reich. Eigentlich wie geschaffen für meinen Blog.

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Buchmesse

Frankfurt. Buchmesse. Wahnsinn, wie viele Bücher. Dabei habe ich die letztjährigen Literaturbeilagen noch gar nicht durch.

Laut SZ gibt es auch wieder viele Kochbücher. Und das verstehe ich gar nicht. Denn erstens gibt es ja Blogs und zweitens braucht man die nur zu lesen, um zu erkennen, dass man nur 2 Kochbücher braucht. Zum einen den Otto (ob ich ihn so nennen darf wenn ich nur ein noch kein Gericht nachgekocht habe?) und zum anderen entweder Deutschland oder Österreich, beides vegatarisch. Das scheint zu reichen.

Ich geh jetzt erst mal zum Kiosk, um mir mein erstes Heft von „Beef“ zu kaufen. Irgendwie muss man ja ein Zeichen setzen.

Notlösung

Du. Du bist dafür verantwortlich, dass es heute ein Abendessen gibt. Du weißt das. Du willst eine Mangoldtarte machen. Mit dem Quark-Blätterteig von Frau L. Du weißt, dass dieser Teig seine Zeit braucht. Ruhen lassen. Erste Tour. Ruhen lassen, Zweite Tour … Du weißt das das dauert.

Und du sitzt hier auf dem Markplatz in der Sonne mit einem recht ordentlichen Milchkaffee und einer fürchterlichen „Heißen Waffel mit Puderzucker“. Die Frau am Tisch neben dir sagt, sie würde hier sitzen bleiben, bis die Sonne untergeht. Der Plan gefällt dir. Du könntest sie jetzt fragen, wie sie das mit dem Teig machen wolle, schließlich sei es schon drei. Aber du befürchtest, dass sie Veganerin ist, und du hast gerade keine Lust, dich mit den Zeugen Jehovas zu unterhalten. Es ist ja erst 15:30 Uhr. Eine Stunde ruhen, eine Stunde gehen lassen, eine Stunde … das reicht.

Könnte ich, sagst du, noch einen Kaffee haben? Nein, keine Waffel. Die Sonne will und will nicht untergehen.

Du könntest vielleicht – ausnahmsweise – einen anderen Teig … einen Mürbeteig zum Beispiel. Eine (halbe) Stunde ruhen lassen, das reicht auf jeden Fall. Aber einen anderen Teig? Du hörst sie schon fragen, was das denn für ein Teig sei. Vorwurfsvoll natürlich. Obwohl der Mürbteig natürlich auch gut wäre, klar. Aber vorwurfsvoll halt. Und du befürchtest, dass die Erklärung, es sei Oktober und das sei nicht die Zeit, vor der Sonne zu fliehen, nicht verstanden würde. Und wenn du jetzt aufbrechen würdest, kurz vor vier, dann wär das ja kein Problem mit dem Quark-Blätterteig. Du bist verantwortlich. Brich auf.

Du solltest vielleicht nochmal kurz in deine Mailbox schauen, da war ja noch dieser Kunde mit seinem Problem. Warum bloß ist dein iPhone plötzlich so schwer? Warum weißt du plötzlich, dass du ohnehin nichts sehen wirst, weil der iRasierspiegel vor dir nicht klarkommt mit der Sonne. Du müsstest den Kopf drehen. Weg von der Sonne?

Könnte ich, sagst du, noch einen Kaffee haben? Nein, immer noch keine Waffel. Nie mehr.

Siebzehn Uhr fünf. Ich gehe jetzt, erschrickt dich die Frau an deinem Nachbartisch, die Sonne geht heut nicht mehr unter.

Mag sein, denkst du und wirfst einen Blick in die Mailbox. Das Display spiegelt natürlich, aber das Problem hat sich in Luft aufgelöst. Na bitte, geht doch.

Siebzehn Uhr dreißig. Du wirst auf der Nachhausefahrt das Autodach nicht zumachen müssen. Aber du solltest dich in Gedanken schon mal von der Mangoldtarte verabschieden, egal mit welchem Teig. Auf dem Weg liegt ein Metzger, denkst du, und im Garten hatten die letzten Tomaten heute wirklich genügend Zeit, reif zu werden. Also umdenken. Paules Fleischbällchen mit der Tomatensauce von Johannes. Und zum Nachtisch dann Sahnewaffeln nach Petterson und Findus mit Walnusseis und Schokoladensauce – nicht schlecht, findest du – für eine Notlösung. Nur dein Sohn fragt, wie du denn auf diese Idee gekommen wärst, Waffeln hätte es ja schon ewig nicht mehr gegeben.

Gezwitscher (8)

Wenn Worte wünschen könnten, wo sie stehen wollen; Wolle z.B. immer bei Schaf; wie traurig wären dann die Bäume? #cotton

Schnitzeljagd

Die Tragödie meines Lebens, meines, so darf ich sagen, an Tragödien nicht eben armen Lebens, ist: Ich liebe Jägerschnitzel.

Mit Tragödien ist das so eine Sache. Man versteht es meistens nicht so recht. Romeo, zum Beispiel, kann seine Julia kaum gekannt haben; es gab weder Facebook noch WLAN und am Dorfplatz von Verona hätten sie sich – bei ihrer vertrackten Geschichte –kaum treffen, geschweige denn sich unterhalten können, ohne allergrößte Verwicklungen auszulösen (was ihnen ja dann doch noch grandios geglückt ist). Trotzdem dachte er offensichtlich: das muss toll sein, auf diesen Balkon will ich rauf! Wie er auf diesen Gedanken kam, ist mir und der Fachwelt völlig schleierhaft, zumal Männer bei Frauen ja bekanntermaßen eher nicht auf das Äußere achten. Es verwundert deshalb auch nicht, dass es völlig schief ging.

Bei mir und dem Jägerschnitzel ist das ähnlich. Ich kann es nicht gekannt haben. Dennoch wusste ich: das muss toll sein, das soll auf meinen Teller! In unserer Familie waren Pilze Champignons und diese Champignons gab es am Anfang gar nicht und später kamen sie aus der Dose. Es mag sein, dass sich auch mal ein Glas „Waldpilze“ in die Speisekammer verirrt hat, ich kann mich daran aber nicht erinnern und halte es für eher unwahrscheinlich. Wenn man im ländlichen Raum aufgewachsen ist, also praktisch mitten im Wald, dann könnte man ja denken, dass Pilzesammeln eine Lösung wäre. Aber da war die Evolution vor. Sie hat nämlich festgestellt und über viele Jahre hinweg verifiziert, dass im Durchschnitt Menschen, die keine Pilze finden deutlich länger leben als Menschen, die die falschen Pilze finden. Und hat deshalb das Pilze-Überhaupt-Nicht-Finden-Gen erfunden und mich (und meine ganze Mischpoke) damit ausgestattet. Dafür bin ich dankbar. Aber es hat meiner Liaison mit dem Jägerschnitzel natürlich nicht gutgetan.

Ich habe nicht rechtzeitig erkannt, dass der Freitod bei einer solchen unglücklichen Liebe eindeutig die beste Wahl wäre. Aber so kann ich wenigstens ausrufen: Ach! Romeo! Welche Niederlagen, welche Schmerzen, welche Enttäuschungen sind dir erspart geblieben! Trockene Schnitzel! Im weißem Mehlpamp ersoffene Pilzabschnitte! Mit Pommes frites! Und – zarte Leser bitte weghören – Panierte! Schnitzel! Ach! Romeo! Was ist dir alles erspart geblieben.

Trotzdem habe ich nie nachgelassen in meiner Liebe. Das hättest du auch nicht getan, Romeo. Immer wieder habe ich es bestellt, in rauchigen Kneipen, in Kaschemmen und – wider besseren Wissens – in Landgasthäusern. Dort habe ich oft geweint, war verzweifelt und niedergeschlagen. Aber ich habe nicht nachgelassen. Und seit ich eine Küche habe, weiß ich warum. Du hättest dich auch noch gedulden sollen, Romeo, vielleicht hätte es sich gelohnt.

Thorsten Lange hat ihn kürzlich im Rezeptor widerbelebt, den „gutbürgerlichen Gasthof-Klassiker aus dem vorigen Jahrhundert“ – in welchem Gasthof war das? Ach Jägerschnitzel, so hätte ich dich noch mehr geliebt. Oder so wie 2001 im essen&trinken „alla Italia„, so mag ich dich auch, liebes Goldschnitzelchen.

Tischgespräche
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