Tomaten, Altes Brot, Olivenöl

Das bessere ist des guten Feind? Tja, aber es gibt halt auch Rezepte, die wahrscheinlich mehr als hundert Jahre alt sind, und doch nicht verbessert werden können und müssen. Ich hatte mich gerade entschieden, bei diesem Sommereinbruch »Pappa al pomodoro« zu machen – es ist ja keine Kunst, alle Zutaten im Haus zu haben*) und halbwegs geschmackvolle frische Tomaten gibt’s auch schon ein paar – da fiel mir ein, dass Herr Ottolenghi irgendwo in seinem Buch behauptet, es besser zu können. Hä? Nun, er braucht dazu frische Curryblätter und verschiedene Chilischoten und schwarzen Senfsamen, die in Olivenöl frittiert und als knuspriges Topping drüber gestreut werden, und natürlich Brot, Tomaten und Basilikum. Und – ja richtig, er kommt mit ungefähr 10 Minuten Kochzeit aus und meint, keine Brühe zu brauchen! Mit Curryblättern, die allerdings auch optional sind, kann ich nicht dienen, da der einzige Asia-Markt im Umkreis von 500 km die Corona-Krise hat, aber ich lass mir ja nicht nachsagen, ich sei zu alt für Neuerungen. Das Schwierigste an dem Gericht ist und bleibt der Tanz von Rita Pavone. Frau T. meint, ich müsse noch üben:

*) natürlich ist es doch ein bisschen schwer: Selbstgebackenes Brot hält länger frisch, schmeckt auch aufgetoastet gut und bleibt so seltener übrig. Aber mit ganz viel Disziplin schafft man auch diese Hürde (Schulter, klopf, klopf, klopf)

Küchentagebuch, Sonntag 20. Juni 2021

  • Pappa al pomodoro mit Limette und Senfsamen (aufgepeppt von Herrn Ottolenghi, im Netz leider nur Englisch und jetzt hier mein PDF)
  • Griechischer Joghurt mit Rhabarber-Kompott
Anders als gewohnt, vielleicht besser, nicht komplizierter

Zicklein, Knoblauch, Kartoffeln

Ich weiß jetzt auch, woher die Redensart »das Zicklein an der Waage« kommt. Das Zicklein wird heutzutage meist in Gold aufgewogen, da ist eine zuverlässige, hochpräzise Wägevorrichtung von allergrößter Bedeutung und betrügerische Gegengewichte können zum Ruin und dem Verlust ganzer Familien-Vermögen führen, einschließlich Haus, Hof, Hab und Gut. Gut, übertreiben war schon immer meine Stärke, aber mein erstes Zicklein habe ich als bettelarmer Student in Marokko gegessen; wie ich mir das damals leisten konnte, ist mir heute ein Rätsel.

Küchentagebuch, Samstag 19. Juni 2021

  • Zickleinkeule mit Karotten, Knoblauch und Kartoffeln (eatsmarter)
  • Buttermilch-Kaltschale mit Erdbeeren
Oooh, ein kleines Zicklein, teuer, aber oho

Salat

Man kann nicht behaupten, dass die Planung der Welt in allen Punkten hundertprozentig gelungen wäre. Da gibt es zum Beispiel Verkehrs- und Gesundheitsminister, deren Existenz nur erklärbar wäre, wenn jede ideale Welt aus irgendwelchen uns nicht unmittelbar einsichtigen Gründen mit Plagen geschlagen sein müsste, weil sie sonst zum Beispiel aus dem Gleichgewicht geriete und auseinanderbräche. Aber ganz unbestreitbar ist, dass das Zusammentreffen von (extremer) Hitze und dem Wachstum von Salat, Tomaten, Gurken und Kräutern mehr als ein Zufall sein muss. Und wenn doch: Praktisch ist es auf jeden Fall.

Küchentagebuch, Freitag, 18. Juni 2021

  • Salat (die Speise, nicht zu verwechseln mit dem Fluss oder Salāt, dem Gebet) mit Thunfisch, Ei und allem aus dem untersten Kühlschrankfach
  • Butter-Brezeln
  • Erdbeer-Quark-Schmand-Joghurt-Creme fraîche-Sahne
Dem Sommer sei Dank, Salat und Erdbeeren. Mehr braucht man nicht

Melone, Portobello, Bohnen

Die 7-Tage-Inzidenz für den Landkreis beträgt laut RKI jetzt 0,7. Aber alle mögliche Deppen verlassen den Landkreis – und das nicht für immer: die kommen wieder zurück! Manchmal gibt es ja auch gute Gründe. Ich zum Beispiel MUSSTE gestern raus, weil es hier nirgends Portobello-Pilze gibt. Das ist eine Notlage, für die es natürlich Ausnahmen geben muss. Aber andere haben so profane Ausreden wie: Ich arbeite da. Das müsste man strikt unterbinden, Arbeit wird sich langfristig ohnehin mehr und mehr als unnötig erweisen. Gut ein paar Ernte-Helfer, ein paar Amazon-Fahrer und jede Menge Altenpfleger wird man immer brauchen, aber die bezahlt man Gott-sei-Dank so schlecht, dass sie gar nicht auf Idee kommen, in der Gegend rumzufahren und Viren zu verbreiten. Dort, wo ich die Pilze gekauft habe (Inzidenz 5,4), gibt es übrigens seit heute drei neue Corona-Fälle. Die waren natürlich alle drei morgens mit mir am selben Marktstand. Aber Hauptsache, ich hab meine Pilze. Die Maske habe ich noch außerhalb des Heimat-Kreises entsorgt und die Pilze 1 ½ Stunden bei 150° (Umluft) desinfiziert; wie gut, dass das im Rezept ohnehin vorgesehen war.

Küchentagebuch, Donnerstag 17. Juni 2021

  • Sommersalat mit Melone, Feta, Basilikum, Pinienkernen, Pfeffer und Olivenöl (ein ganzes Rezept in einer Zeile)
  • Portobello-Steaks und Püree aus Riesenbohnen (Ottolenghi, Flavour; Rezept bei eatsmarter.de, oder in Wien bei Sussitz oder im GartenZauber, wenn’s schon mal so viele Quellen gibt …)
Wenn ich hier eine Portobello-Quelle hätte, könnte das ein Favorit werden, ohne vielleicht auch

Mairübchen, Karottensticks, Bratkartoffeln

Ich hab da mal ein Gedicht geschrieben. Es heißt: »Bulimie« und geht so: »Hallo, ich bin aus Hessen und ganz versessen aufs essen vergessen.« Und dann ist mir aufgefallen, dass ich ja als Nichtbetroffener (weder Hesse, noch Bulimiker) eigentlich die Klappe halten halten sollte (Stichwort Cancel Culture). Also hab ich um auch die andere Seite mit einzubeziehen – oder um mich vollständig reinzureiten – noch ein Gedicht geschrieben. Es heißt »Adipositas« und geht so: »Hallo, ich bin aus der Pfalz, Gott erhalz, und mir hängt das Schmalz schon aus’m Halz«. Und bevor die Rechtschreibfanatiker sich auch noch in den Shitstorm einreihen, habe ich beschlossen, trotz der herausragenden Qualität beide Gedicht nicht zu veröffentlichen. Das habt ihr jetzt davon.

Küchentagebuch, Mittwoch 16. Juni 2021

  • Spargelcremesuppe (zur Erinnerung gestern gab es den Spargel ohne Schalen!)
  • Mairübchen (auf mamas-rezepte.de, was es für Internetseiten gibt! Aber es wird noch besser)
  • Geröstete Parmesankarotten (wir-testen-und-berichten.de!) und Geröstete Zucchini-Sticks (hier, englisch und ähnlich am Tegernsee)
  • Chaat-Masala-Kartoffeln mit Joghurt und Tamarinde (OttoLenghi, Flavour. Da Koriander-Chutney wegen Frau T. nicht geht und für das süße Tamarinden-Dressing die Tamarinden-Paste fehlt und auch kein Chaat-Masala im Haus ist (und auch in absehbarer Zeit nicht sein wird), das aber »diesem Gericht den unverwechselbaren Geschmack verleiht«, macht auch der griechische Joghurt wenig Sinn und übrig bleiben »sehr kleine Frühkartoffeln, längs in 1 cm dicke Scheiben geschnitten«, mit Chaat-Masala, Kurkuma, Olivenöl, Salz und Pfeffer gut gewürzt, im Ofen bei 220° Umluft ~35 Minuten kräftig gebräunt und mit Ringen von 1 grünen Chilischote, ein paar feinen Scheiben rote Zwiebel und Korianderkörnern und Schwarzkümmelsamen [beides geröstet] bestreut )
Kartoffeln trotzdem gut, aber zu kross. Dicker oder kürzer im Ofen

Spargel

und Schinken und Kartoffeln und Bérnaise. Spargel halt. Auch in dieser Saison, die sich langsam ihrem Ende entgegen neigt, habe ich kein Rezept entdeckt, das mich neugierig genug gemacht hätte, mich stante pede an den Herd zu begeben. Da mir drei mal im Jahr Spargel (also: Spargel) auch ausreichen, habe ich damit keine Problem – zumal es Heideschinken und Heidekartoffeln und Béarnaise das ganze Jahr über gibt. Wenn dann im Oktober die Saison*) wieder beginnt, schauen wir weiter.

*) in Australien oder wo auch immer, ich kenn mich da nicht aus. Aber irgendwo wird es immer Spargel geben, die deutschen Verbraucher sind ganz verrückt danach

Küchentagebuch, Dienstag 15. Juni 2021

Zum ersten, zum zweiten, zum dritten

Ravioli, Ricotta, Zitrone

So, die Pandemie ist vorbei. Die 7-Tage-Inzidenz für den Landkreis beziffert das RKI auf 1,4. Das ist doch »vorbei«, oder*)? Ich nehme an, man kann da kaufmännisch abrunden, also: eins oder fast null. Das ist vorbei, Schluss, aus Amen. Aber auch irgendwie schade. Ich hatte mich so auf meine Zweitimpfung und den digitalen Impfpass gefreut. Ich wäre dann, so habe ich mir das ausgemalt, der Reihe nach in alle Restaurants der Gegend gegangen, in die ich normalerweise auch schon nicht reingehe, hätte meinen Impfpass geschwenkt, hätte noch vor dem Hinsetzen die Speisekarte überflogen, hatte bedauernd »na, dann doch lieber nicht« gesagt und wäre kopfschüttelnd wieder gegangen. Vielleicht hätte das den Wirten zu denken gegeben. Na ja, vielleicht steigen die Werte ja wieder…

*) Radio Eriwan: im Prinzip ja, aber letztes Jahr um diese Zeit waren die Werte noch niedriger (bundesweit um das Zehnfache), und doch …

Küchentagebuch, Montag 14. Juni 2021

  • Ravioli mit Ricotta-Zitronenfüllung (bei Betty Bossi)
  • Salbeibutter (der Salbei im Garten wächst, als wär das seine letzte Saison, ob der mehr weiß als wir?)
  • Gemischter Salat
  • Rhabarber-Tiramisu (wie bei Brigitte.de)
Eigentlich mag ich Thymian lieber, aber der Salbei hat sich vorgedrängt

Schweinenacken, Fenchel, Bratkartoffeln

All die armen1,2) Menschen ohne Zähne. Oder mit einem Zahn. Wobei man sich die Frage stellt, ob ein Backenzahn besser wäre oder ein Schneidezahn, wenn man sich denn entscheiden müsste. Spontan wäre ich für einen Backenzahn. Dann kann man die Brezel zerbrechen, ordentlich einspeicheln und dann zermalmen. Wobei natürlich ein Schneidezahn zugegebenermaßen auch Vorteile haben kann. Beim Essen eines Apfels ist es zum Beispiel schon praktisch, wenn man reinbeißen kann. Andererseits kann man, wenn man ihn wegen der Giftstoffe ohnehin schälen muss, ihn natürlich auch erstmal in Schnitze oder Scheiben zerteilen, die man dann mit dem verbliebenen Backenzahn zermusen kann. Man müsste sich halt auf mürbe Äpfel konzentrieren. Aber über Fleischfetzen, die nicht tagelang weichgeritten wurden, will ich gar nicht nachdenken. Und so lange ist das gar nicht her, und soweit ist das gar nicht entfernt, dass Menschen jahrelang mit einem oder zwei Zähnen auskommen mussten oder müssen, oder frisches Brot tabu war, weil sonst das Gebiss zerbrochen wäre. Warum ich gerade jetzt auf diese Gedanken komme? Nun, ich muss ein paar Tage mit einem Provisorium beißen und traue mir einen Schweinenacken zu. Das macht dankbar.

1) bemitleidenswert, 2) ohne nennenswertes Einkommen

Küchentagebuch, Sonntag 13. Juni 2021

  • Glasierter Schweinenacken (nach Alfons Schuhbeck, wobei mich das Wort Glasage – so schreibt der BR das – so fasziniert hat, dass … aber kosmetik-affine Menschen sollten sich dadurch nicht verwirren lassen, das gibt’s schon auch in der Küche, nicht nur auf den Haaren)
  • Fenchel niçoise (das Rezept gibt es bei 🌶)
  • Knusprige Ofenkartoffeln (ebd.)
  • Joghurt Mousse mit Erdbeeren (das wahrscheinlich beste Erdbeer-Dessert der Welt, vielleicht noch vor Himmelswölkchen und Erdbeer-Tiramisu und ich hab es langsam satt, dass meine Lieblings-Rezepte von essen & trinken es einfach nicht ins Internet schaffen. Da kommt man sich – zumal ohne Zähne – so richtig alt vor. Hierlang.)
Alles beißbar, alles gut

Hühnerbeine, Spinat, Pommery-Kartoffeln

Irgend jemand hat den Radweg am Ententeich von den Gänse-Hinterlassenschaften befreit. So gut es halt geht. Und so lang das auch anhalten wird. Immerhin ist es jetzt im Moment möglich, auch ohne größere tänzerische Begabung auf den Markt und wieder zurück zu kommen. Heute Morgen war ich für meine Verhältnisse relativ früh unterwegs und da saßen die Gänse am Ufer und hatten die Köpfe im Gefieder versteckt. Weil sie sich halt doch auch ein bisschen schämen, dass da schon wieder dicke Haufen rumliegen, die ältere Menschen auch mal zu riskanten Verrenkungen zwingen können. Mit allen Folgen für das deutsche Gesundheitssystem.

Küchentagebuch, Samstag 12. Juni 2021

  • Marinierte Hühnerbeine
  • Blattspinat mit Kirsch-Tomaten
  • Pommery-Kartoffeln (in Senf gebadet, paniert und kross gebraten – ein Rezept von 🌶)
Ich hatte großen Hunger, aber trotzdem: Gut.

Mittag-Snack: Räucheraal auf Rührei auf Pumpernickel

Einfach lecker, rettet die Aale!

Rote Linsen, Gemüse, Salat

Ein Zitat (von Bing aus dem Spanischen übersetzt): »Machen Pfannkuchen von Hülsenfrüchten hat den Vorteil, dass sie nur wenige Zutaten braucht: die Hülsenfrüchte in Frage, Wasser und etwas, um ihm etwas Geschmack zu geben. Außerdem trägt es keine Eier – allergisch, Sie können ruhig atmen – noch Gluten (Zöliakie und andere, die dieses Protein fürchten, auch). Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie nicht brauchen, um Mehl zu kaufen, wenn Sie zu Hause einen Küchenroboter oder einen leistungsstarken Glas-Mixer haben, da mit dem Einweichen der Hülsenfrüchte und zerkleinern, haben Sie genug. Wie jede Art von Pfannkuchen oder Pfannkuchen, können Sie sie an Ihren Geschmack anpassen und fügen Sie verschiedene Zutaten, um Geschmack zu bringen. In diesem Fall kombinieren wir frisches Basilikum mit getrockneten Tomaten, aber sie sind sehr gut mit grünen Zwiebeln gehackt, verschiedene Gewürze – mit Curry und Ingwer ist sehr säbeln – oder aromatischen Kräutern.« Manchmal bin ich unzufrieden mit meinen Spanisch-Kenntnissen, und dann lass ich mir ein wenig von Bing übersetzen. Das ist gut für das Selbstbewusstsein. Nur, das funktioniert nicht immer. DeepL zum Beispiel ist besser; auf jeden Fall besser als ich. Und »1 Esslöffel des Gesalzenen Desserts« wird dann auch richtigerweise zu »1 gestrichener Teelöffel Salz«, aber wie langweilig ist das denn?

Küchentagebuch, Freitag 11. Juni 2021

  • Rote-Linsen-Pfannkuchen mit getrockneten Tomaten und Basilikum (auf spanisch bei El Comidista, bei mir auch auf deutsch)
  • Verschiedene Gemüse (der Autor meint, dass alles dazu passt – ideal für den Zustand meines Kühlschranks)
  • Salat
  • Erdbeer-Rhabarber-Mascarpone-Quark (die Erdbeeren hätt ich nicht kaufen sollen – preiswert aber geschmacklos, das geht wohl auch in Deutschland, aber meine schwäbische Herkunft halt)
Mein Teig war ein bisschen dick, nächstes Mal mehr Wasser
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