Naturreis, Steinpilz, Frühlingsgemüse

Die Pandemie hat wieder mal gezeigt, wie anpassungsfähig der Mensch ist. Während Amazon Päckchen um Päckchen verschickte und alle Lokale schließen mussten, wurde die Lieferbar erfunden, die Packstation mit Alkoholausschank. Volkstanzgruppen trafen sich mehr oder weniger heimlich in der Brauchbar. Personalagenturen, die mit Home-Office und Zoom-Meetings nicht ganz glücklich waren, bestellten Bewerber in die Vorstellbar und Streaming-Opfer, die auf der Couch zu verfetten drohten, gründeten die Machbar. Als die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenzen immer wirrer wurden, war auch die neue Erklärbar sehr beliebt und im Herbst wird wohl die Frage, wer Kanzler*In wird in der Wählbar? diskutiert. Dass die Antwort eigentlich Nein heißen müsste, zeigt, wie weit wir trotz aller Anpassungsfähigkeit immer noch vom Nirwana entfernt sind. Aber am Wahlabend – nach der Wahl – gehen wir trotzdem alle in die Nachbar, manche Wahlforscher treffen sich vielleicht noch auf einen Absacker in der Unvorhersehbar.

Küchentagebuch, Donnerstag 10. Juni 2021

  • Filoteig mit Ziegenkäse und Honig (gab’s vor kurzem schon mal)
  • Steinpilzrisotto mit Frühlingsgemüse (nichts für Puristen: Naturreis und dann noch mit Käse überbacken – das Rezept ist wieder mal zu alt fürs Internet und man sollte es vielleicht besser nicht Risotto nennen)
Lecker? Ja. Risotto? Nein.

Gemüse, Kräuter, Teig

Die Natur ist ja bekanntlich gnadenlos. Heute Morgen fiel mein Blick auf das Datum. Noch keine Panik, aber doch beunruhigt: in gerade mal zwei Wochen endet die Rhabarber-Saison und ein Ernte-Ende ist noch lange nicht in Sicht. Gleichzeitig blüht die erste Zucchini-Pflanze. Das wird alles böse enden. Jetzt mag mancher einwenden, dass dieses Jahr doch eh alles später dran sei, da gälte auch der Johannis-Tag für den Rhabarber nicht. Aber bitte: Bloß weil die Welt sich immer schneller dreht, kann man doch nicht jedes Jahr die Bauernregeln neu auswürfeln! Es wird böse enden. Zumal gleichzeitig die Spargelsaison endet (normalerweise enden würde) und wir erst zweimal Spargel gegessen haben. Und eine alte Familien-Regel besagt: Wächst der Spargel dann im Freien, isse ihn der Male dreien.

Küchentagebuch, Mittwoch 9. Juni 2021

  • Wassermelone und Feta und Basilikum (ein Blogbuster, dieser Link zu zii, weil es mir damals genauso ging)
  • Türkischer Ofen-Gemüsekuchen (Bauernregel: verlässt ein Kuchen Michas Garten sollte man nicht lange warten)
  • Gemischter Salat mit vielen Kräutern (wann die Saison haben weiß ich nicht so genau, offensichtlich jetzt)
  • Rhabarber-Süßspeise (man tut, was man kann)
Richtige Sommerküche, der Sommer kann aber bestimmt noch mehr

Gebacken: Kartoffelbrot im Topf

Eigentlich unter meinem Niveau😉. No knead, im Topf, wie ein Anfänger

Fisch, Kräuter, Reis

Home-Schooling: »Es gibt die Alpen, das sind gaanz hohe Berge, und die Alb, das sind – na ja, da wachsen Linsen mit Spätzle, und dann gibt es noch den Alp, das ist ein gaanz gemeiner, böser Mann oder ein gaanz gemeiner, böser Traum. Es muss also Alpenhorn heißen, nicht Alphorn, das habe ich euch doch schonmal erklärt. Was? Deine Mutter? Was interessiert mich, wo deine Mutter die Milch holt? Bist du etwa gar nicht zuhause? Egal. Nimm deine Kreidetafel und schreibe hundert mal: Ich zoll main Lärer nicht wieder sprechen!« Die Schweizer Alphornbläserin Eliana Burki hat übrigens ein zusammenklappbares Alphorn, mit dem sie auf Reisen geht. In dem Artikel steht leider nicht, ob sie es dann auch wieder aufklappen kann, was eine nicht unwesentliche Information für eventuelle Kartenkäufer gewesen wäre.

Küchenkalender Juni 2021 (1)

  • Kalbsbrustspitzen und Kalbskopf in Riesling mit Palffyknödeln (und Pilzgemüse – von Palffyknödeln weiß ich nur, dass Wolfram Siebeck mal gesagt hat: die Palffyknödel sind eine Wiener Spezialität, die selten gelingt – na denn Good Luck! Das Bild sieht toll aus, das Rezept liest sich gut und die Brioche-Knödel würden mich auch interessieren – ab er ich bin halt kein Jahrhundertkoch; wer kocht das für mich?)

Küchentagebuch, Dienstag 8. Juni 2021

  • Zarte Fischbällchen in Kräutersahne (Kochen! Das Gelbe. Hier das Rezept)
  • Basmati-Reis
  • Gurken-Tomaten-Salat
Serviert man Fischbällchen eigentlich mit Fischbesteck?

Gebacken: Amarettini Versuch 2

Nach 20 Minuten sieht das ganze viel besser aus, warum gerate gerade immer ich an solche Rezepte?

Bohnen, Kartoffeln, Parmesan

Gestern Abend im Fernsehen (ttt). Jens Balzer analysiert in seinem Buch »High Energy« die Achtziger. Aids, Atomkraft, Tschernobyl. Sexuelle Selbstbestimmung, Verwischung der Geschlechterrollen, Umwelt. Der Film Wallstreet, Hedonismus, Wirtschaftsliberalität. »Es war völlig selbstverständlich, dass man für die Emanzipation von Schwulen und ethnischen Minderheiten eintrat, aber gleichzeitig gegen die Gewerkschaften und ihren Einfluss auf die Tarifbildung gearbeitet hat«. War schön, das Jahrzehnt, war schräg und geblieben sind wohl Wallstreet und die Gehälter der Liefer-Fahrer. Und dann Venedig. Die Architektur-Biennale 2021 („How will we live together?“) findet doch statt, womit die deutsche Delegation nicht gerechnet hat und in ihrem Pavillon nur QR-Codes ausstellt, die auf Filmbeiträge verweisen, in denen Vordenker der Urbanität auf die Gegenwart schauen – aus der Sicht von 2038. Und wie immer, wenn Menschen vor-denken, und nicht nur die Städte, sondern auch gleich die ganze Gesellschaft umbauen wollen, wird alles ganz toll. Allerdings: »In dem Moment, in dem wir immer noch glauben, wir können unser Wachstum gegen das des Südens oder der direkten Nachbarn in Stellung bringen, haben wir noch nicht genug Krisen erlebt, um zu einem Besseren zu kommen.« Und damit zurück zur Wahl in Sachsen-Anhalt und Reiner Haseloff und dem Niedergang der SPD.

Küchentagebuch, Montag 7. Juni 2021

  • Rosmarinkartoffeln mit Schinken und Parmesan (empfehlenswert, zu alt fürs Internet, hier mein PDF)
  • Grüne Bohnen mit Parmesan und Pinienkernen (frisches Bohnenkraut, hier das PDF)
  • Reste des Rhabarber-Tiramisus (wie alle Tiramisus wird es jeden Tag besser – und weniger)
Beides extrem lecker, aber was andres koch ich ja nicht

Aubergine, Tomate, Tiramisu

Es ist Erdbeerzeit. Die Preisschilder wissen das noch nicht, aber es ist Erdbeerzeit. Ich bin bereit, denn ich habe ein Rezept aus e&t 6/98: Erdbeer-Tiramisu. Den jüngeren Lesern muss man dazusagen, dass mit 98 das vorige Jahrhundert gemeint ist, also 1998. Und deshalb gibt es das Rezept auch nicht im Internet (auf e&t.de). Ich will natürlich doch auch mit der Zeit gehen und habe alle fünfzehn oder sechzehn Erdbeer-Tiramisu-Rezepte auf e&t durchgesehen und stelle mir nun die Frage: Warum? Gut, eine Version mit drei Arbeitsschritten ist vielleicht für moderne Menschen und eine Version mit »Biscuits Roses de Reims« für Hipster geeigneter, eine Version für den Thermomix könnte Für Menschen mit so einem Teil interessant sein und eine mit Kokos und Ananas angereicherte Version begeistert vielleicht Menschen, die schon alles gesehen und gegessen haben, aber an das Original – Entschuldigung – kommt keine der anderen Versionen heran. Wenn auch die Preisschilder Bescheid wissen, mach ich das Original.

Küchentagebuch, Sonntag 6. Juni 2021

  • Auberginenklößchen alla Parmigiana (Ottolenghi-Version der Melanzane alla Parmigiana, hier oder hier im Netz oder in Flavour, S.156)
  • Fladenbrot
  • Rhabarber-Tiramisu (so wie auf Brigitte.de)
Wem Melanzane nicht schmeckt oder – wie mir – nicht gelingt: Eine köstliche Alternative

Fleischwurst, Emmentaler, Brezeln

Ich sehne mich nach dem Herbst. Das mag nach den ersten paar Sonnenstunden in diesem Jahr befremdlich klingen, aber ich erklär das gleich. Am Mühlenteich, der auch der Ententeich heißt, sind vor einigen Wochen die Graugänse eingezogen. Erst kam die Vorhut, dann immer mehr, dann lagen die ersten Gänseeier auf dem Radweg und dann die ersten Küken. Nein! Die lagen natürlich nicht auf dem Radweg, die trippelten auf dem Radweg, links und rechts von einer Mutter- oder Vater-Gans sorgfältig bewacht. Und alle, wirklich alle Radfahrer sind auf den Rasen ausgewichen, zumindest die, die dich ich gesehen habe. Mutter- und oder Vater-Gänse haben aber auf dem Radweg nicht nur ihre kleinen flauschigen Möchte-Gern-Gänse bewacht, sondern ebenda auch – sagen wir mal – ihre Notdurft verrichtet. Aber ach, die süßen Kleinen, wie nett! Inzwischen sind die kleinen Wollknäuel kräftig gewachsen und ihre Hintern haben gewaltige Dimensionen angenommen. Zumindest gemessen an der Menge stinkender, klebender Gänsekot-Haufen auf dem Radweg (komischerweise kaum auf der Wiese), die auch mit den kunstfertigsten Slalomkursen nicht zu umfahren sind. Ganz zu schweigen von den gewagten Tanzschritten vornehmlich älterer Fußgänger. Es wäre jetzt höchste Zeit für ein paar Martini-Gänse.

Küchentagebuch, Samstag 5. Juni 2021

  • Filoteig mit Ziegenkäse und Honig (Julian, mit 154.000 Abonnenten, bereitet das auf Youtube zu, übertreibt er? Na ja, ein wenig)
  • Schweizer Wurstsalat (nach Deichrunners Küche, die allerdings (nicht Corona-bedingt) geschlossen hat, deshalb hier das Rezept)
  • Brezeln (selbstgebacken, mangels Vorratshaltung leider ohne Mäusekot)

Badischer oder Schweizer Wurstsalat? Egal.

Gebacken: Rhabarber-Tarte und aus dem Eiweiß: Amaretti alla piemontese (bei camaha, bei mir zu dunkel, 1 h bei 150° Umluft? Kann eigentlich nicht sein, aber ich denke immer erst hinterher nach)

Ich dachte bei 1h müsste ich nicht aufpassen, wär aber besser gewesen

Tortiglioni, Gorgonzola, Walnuss

Nestle meint jetzt, dass mehr als die Hälfte seiner Produkte ungesund seien. So ein Schmarren: Ich bin mit Nesquick groß (und stark) geworden. Mit Nescafe bin ich in die Welt der Erwachsenen eingeführt worden. Diese Produkte waren sozusagen mein Sprungbrett. Nur dank Nesquick konnte ich später beurteilen, wie gut eine Heiße Schokolade schmeckt, wie gut ein Espresso sein und was eine gute Kaffeemaschine wert sein kann. Ungesund? Lange isst und trinkt man sowas doch noch ohnehin nicht.

Küchentagebuch, Freitag 4. Juni 2021

  • Tortiglioni mit Gorgonzola-Walnuss-Sauce
  • Gemischter Salat

Wenn man keine Zeit hat, aber gut essen will

Rumpsteak, Kohlrabi, Pommes

Da ich noch nicht lange weiß, wie gut die meisten Kohlsorten (Blumenkohl, Rotkohl, Rosenkohl, Spitzkohl) schmecken, wenn man sie in den Backofen schiebt, konnte das Experiment mit dem Kohlrabi nicht ausbleiben. Entschieden habe ich mich für ein Rezept von Ottolenghi, da er mich in letzter Zeit genauso wenig enttäuscht hat, wie die anderen Kohlsorten. Er wirft den Kohlrabi als Einlage in einen Gersteneintopf, aber die Gerste brauche ich bei diesem Sommereinbruch fürs Terrassen-Bier. Ist auch schnell erklärt: 1 kg Kohlrabi schälen, in etwa 2,5cm dicke Spalten schneiden, mit 4 Sardellenfilets (abgetropft und fein gehackt), 2 EL Olivenöl, 2 Knoblauchzehen (zerstoßen), ½ TL Salz und 1 kräftigen Prise Pfeffer marinieren und auf einem Backblech ausbreiten. 25 Minuten bei 190° Umluft bräunen, 1x wenden und 300 g süße, reife Kirschtomaten dazu geben. Weitere 15-20 Minuten im Ofen lassen, bis der Kohlrabi weich und goldbraun ist und die Tomaten leicht schrumpelig sind.

Küchentagebuch, Donnerstag 3. Juni 2021

Auch Kohlrabi funktioniert sehr gut im Backofen

Gebacken: Bergkruste (Plötzblog)

Zu früh angeschnitten, aber wer will da warten?

Kohlrabi, Petersilie, Tomate

Irgendjemand pflanzt Unkraut in unserem Garten, und zwar in großen Mengen. Frau T. sagt, sie war es nicht. Ich schon gleich überhaupt nicht. Also muss es ein Einbrecher sein, der nachts mit dem Samenbeutel durch die Gärten schleicht – auch manche Nachbarn haben ähnliche Probleme. Aber wer macht so etwas, was hat er davon? Sollte der, wenn er denn nicht ausgelastet ist, nicht lieber die Post austragen? Ist die menschliche Seele etwa noch abgründiger als ich ohnehin schon befürchtet hatte?

Küchentagebuch, Mittwoch 2. Juni 2021

  • Strudelmuffins mit Kohlrabi (lamiacucina)
  • und Petersilienpesto (s.o.)
  • Tomatensalat mit Limetten-Kardamom-Joghurt (Ottolenghi, Rezept)
Der Salat ist einfach Ottolenghi, und den lamiacucina-Teil gab’s viel zu lang nicht mehr

Fisch, Gurke, Reis

Frag ich doch heute ganz nebenbei die Fischfrau meines Vertrauens beim schweifenden Blick über die Auslage, ob man denn Aal ohne schlechtes Gewissen essen könne. Klar, sagt sie – sie spricht ein wenig Hamburger Dialekt, wahrscheinlich um den Eindruck von frischem Fisch zu erzeugen – wenn er hier liegt schon. Also es gäbe ja Regeln und Quoten und sie würden sich strikt daran halten. Ich könne also alles, was es hier gibt, bedenkenlos essen. Jetzt ist wahrscheinlich ein Fischstand auf dem Marktplatz nicht der geeignetste Ort für eine Grundsatzdiskussion über Missstände in der Fischindustrie und Verbraucherverhalten im Allgemeinen, und da sich – auch über den Corona-Abstand hinweg – plötzlich alle einig waren, dass man es auch übertreiben könne, und wo er doch eh schon tot sei, und überhaupt hätte es das früher nicht gegeben. Ich habe also meinen Fisch bezahlt und mich auf den Heimweg gemacht, bevor ich eventuell gezwungen gewesen wäre, schlimme Worte zu gebrauchen. Allerdings spürte ich schon nach wenigen Metern auf der Zunge den Geschmack von leicht in Öl angebratenem Schwarzbrot mit sahnig-fluffigem Rührei und einem klitzekleinen Stück Filet vom Räucheraal. Ich glaube, ich nehme nächste Woche ein kleines Fitzelchen mit nach Hause. Wo er doch eh schon geräuchert ist.

Küchentagebuch, Dienstag 1. Juni 2021

  • Fisch süß-sauer (ohne Dosen-Ananas, ein Rezept aus dem Buch »Kochen! Das Gelbe«, das mir in der onleihe über den Weg gelaufen ist).
  • Basmati-Reis (mit ein wenig Kardamom und Nelke)
  • Sunomono – japanischer Gurkensalat (mit frischem Wakame – Rezept gibt’s bei der Turbohausfrau)
Wie damals die Nummer 384, nur ohne Glutamat

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