Pasta, Pesto, Patatas

Ich bin ja bekanntlich ein Gutmensch. Wenn ich irgendwie die Umwelt retten kann (und darunter mein Komfort nicht leidet) – ich bin sofort dabei. Ein wichtiger Schritt zur Nachhaltigkeit ist Zero Waste – nix wegschmeißen. Und deshalb bin ich heute besonders stolz. Da ich ein paar Tage wegfahre, wäre so ziemlich alles Waste, was ich heute nicht verbrauche. Also habe ich – erstens – ein Brot gebacken, ein Roggen-Dinkel-Mischbrot mit – und jetzt kommts – dem restlichen Quark von den Topfen-Fingernudeln. Dann habe ich – zweitens – Fallobst gesammelt und zu einem Kompott gekocht, das es heute Abend mit den – drittens – restlichen Topfen-Fingernudeln zum Nachtisch gibt. Und aus – viertens – dem vor sich hinsterbenden Basilikum mache ich ein Pesto, das es zusammen mit – fünftens – den letzten 150 g Buschbohnen und – sechstens – den restlichen 2 oder 3 Kartoffeln in einem schmackhaften Pasta-Gericht gibt. Und obendrein kann ich noch – siebtens – zwei gerade gereifte Tomaten zu einem Salat verarbeiten. Ich bin so stolz. Wenn das alle machen würden, bräuchten wir die Grünen nicht zu wählen und alles wäre in Ordnung.

Küchentagebuch, Montag 20. September 2021

  • Pasta alla Genovese mit Pesto, grünen Bohnen und Kartoffeln (Brotwein)
  • Tomatensalat
  • Topfen-Fingernudeln mit Apfelkompott
Soo nachhaltig

Gebacken: Roggen-Dinkel-Mischbrot (mal wieder im Topf nach Lutz Geisslers … in Perfektion mit Sauerteig-Methode)

Ein „Brötchen“, wenn der Begriff nicht schon verbraucht wäre

Fingernudeln, Weißkohl, Speck

Meine absolute Lieblingsfernsehsendung (ein Wort an dem Deutschlernende sich die Zähne ausbeißen können), die ich regelmäßig jeden Sonntag ansehe und auch in der Sommerpause alte Folgen nicht verschmähe, ist die Sternstunde Philosophie im SRF. Meist sind das Zweier- oder Dreier-Runden und ab und an gibt es den Philosophischen Stammtisch. Heute war mal wieder Stammtisch und das Thema „Eigentum – Fluch oder Segen“. Eine der wirrsten (aber deshalb nicht weniger interessanten) Folgen, die ich je gesehen habe. Vielleicht wegen der Größe des Themas (von der eigentumslosen Gesellschaft im brasilianischen Regenwald über Wohnungsgesellschaften in Berlin bis zu „meinem“ Fahrrad in Zürich, das ich nicht teilen will, damit ich notfalls schnell zum Bahnhof komme). Vielleicht weil Schweiz und Eigentum – aber es saßen ja zwei Deutsche und zwei Schweizer am Tisch. Auf jeden Fall meine ich, wenn Frau Redeker sich in etwas mutigere Utopien vorgewagt hat, fast so etwas wie Panik in den Augen der anderen gesehen zu haben – will du uns enteignen? Und bei dem Hin und Her der Argumente war plötzlich auch ich mir nicht mehr sicher. Gott sei Dank spielt das Thema in spätestens 2 Wochen in Deutschland überhaupt keine Rolle mehr, weil es gelöst wird. Neben Umweltschutz und Altersarmut und Billiglöhnen und Infrastrukturmängeln und Digitalisierung wird nämlich auch die Frage des Eigentums oder zumindest der Eigentumsverteilung ein für alle Mal gelöst. Ich freue mich so auf die Zeit nach der Wahl (weil ich dann keine Wahlwerbung mehr sehen muss).

Küchentagebuch, Sonntag 19. September 2021

  • Topfen-Fingernudeln (waren schon mal hier im Blog)
  • Weißkohl, gedünstet mit Wein, Gemüsebrühe und Speck (Herr Schuhbeck nennt das Krautfleckerl, weil ihm offensichtlich gar nichts heilig ist; so ähnlich wie hier)
Meine Portion war erheblich größer

Kartoffeln, Linsen, grüne Bohnen

Als ich erfahren habe, dass die Personalisierte Medizin die Zukunft sein soll, war ich ein wenig verblüfft. Ich dachte nämlich, das sei schon lange so. Ein Kundiger schaut mir in die Augen und fühlt meinen Stuhl, schreibt Hieroglyphen auf einen weißen Zettel und ein grauhaariges gebeugtes Männchen in der Apotheke schüttet Pülverchen und verschiedenen Wässerchen zusammen, verrührt die nach Maßgabe des Kundigen und meinen Bedürfnissen – und ich bin geheilt. Aber das war wohl vorgestern, Personalisierung ist morgen. Übrigens offensichtlich auch in der Wahlwerbung. Unser Bundestagsabgeordneter, der Herr Klingbeil, wirbt sei einiger Zeit mit dem Spruch »Damit unsere Heimat stark bleibt«. Puh, dachte ich immer, unsere Heimat, wer ist das? Heute sah ich das Plakat zum ersten Mal mit dem Spruch »Damit unsere Stadt stark bleibt«. Wenn er es jetzt in den nächsten zwei Wochen noch an unsere Straßenkreuzung schafft und verspricht: »Damit unser Viertel stark bleibt«, dann wähl ich ihn vielleicht doch.

Küchentagebuch, Samstag 18. September 2021

  • Kartoffelsalat mit Linsen und grünen Bohnen (und Radieschen und Sellerie und, eine Kreation von ellerepublic.de)
  • Ein kleines Rumpsteak (es wär auch noch Tofu da, aber das Steak hat gewonnen)
  • Mascarpone-Creme (ist am nächsten Tag tatsächlich noch besser)
Der Salat ist sehr empfehlenswert

Zucchini, Tsatsiki, Ratatouillesalat

Ich war von Anfang an ein Fan des Internet. E-Mail – wow! Boards und Foren – ui – einem Unbekannten in Kentucky weiterzuhelfen, und das einzige Problem ist die Zeitverschiebung! Blogs waren auch eine Zeit lang interessant. Twitter hab ich nicht verstanden, Facebook gemieden wie die Pest, Instagram ist mir fremd und TikTok ist einfach nur irre. So viel zum Fortschritt. In einem spanischen Foodblog bin ich bei Zucchini-Waffeln hängen geblieben (Gofres de Calabacín, la receta que triunfa en TikTok). Ist TikTok nicht das mit den 15-Sekunden-Clips? Zucchini-Waffeln? Sind das nicht Zucchinipuffer im Waffeleisen? Ist da etwas neu dran? Nein, jetzt 3 min. Doch, das sind sie. Nein, da ist nichts neu. Mehr als eine Million Views und „eine Menge Leute“, die das gemacht haben? Mag sein. Ich bin offensichtlich zu alt. Aber bevor das Waffeleisen im Keller total verstaubt, packe ich’s aus – ganz ohne TikTok. aber mit dem Bing-Übersetzer: „Wir malen die Waffel mit einem Pinsel und ein wenig nativem Olivenöl. Wir steckten eine Handvoll Teig in jeden Hohlraum und ließen etwa 8 Minuten. Ich habe meine Waffel mit der mittleren Kraft angesteckt, aber abhängig von der Waffel müssen Sie die Kraft und die Zeit kontrollieren.“ Alles klar? Na dann los.

Küchentagebuch, Freitag 17. September 2021

  • Zucchiniwaffeln (von den vielen Rezepten im Internet das von lecker.de, weil Buttermilch weg muss)
  • Ratatouille-Salat (auch von da)
  • Tsatsiki mit Radieschen (angelehnt an Steph, die auch Zucchini-Waffeln im Angebot hätte) und normales Tsatsiki (auch bei Steph)
  • Mascarpone-Creme mit Apfelkompott und Cantuccini
Herzchen sind schon schöner als schnöde Puffer

Mittags-Imbiss: Räucheraal auf Rührei auf Pumpernickel

Ich konnte halt wieder einfach nicht widerstehen

Tofu, Bohnen, Chraimeh

Ich glaube, heute ist der letzte der Boskop-Äpfel, von der Schwerkraft magisch angezogen, auf den Boden gefallen. Verwurmt, angefault, auch bei bestem Willen nicht verwendbar, ich wär ja sogar bereit, Faulstellen wegzuschneiden oder Würmer umzuquartieren – wenns denn für einen Apfelkuchen reichen würde. Aber vielleicht täusche ich mich ja. Mit Tränen in den Augen gegen die Sonne schauen, da kann man doch mal ein oder zwei Tonnen Äpfel übersehen, oder? Ich schau morgen nochmal genauer hin.

Küchentagebuch, Donnerstag 16. September 2021

  • Tofu und grüne Bohnen mit Chraimeh-Sauce (Ottolenghi, Simple, erstaunlicherweise nur einmal im Internet bei foodina.eu, aber auch auf spanisch, französisch und natürlich englisch und die Chraimeh-Sauce etwa tausend mal mit Lachs)
  • Spätzle Reis (Herr O. empfiehlt Reis, Frau T. stimmt ihm zu, was will man da machen)
Von der Sauce kann man wirklich mehr machen

Tomate, Zucchini, Spaghetti

Frau Xuan Zhao ist, laut SZ von heute, Verhaltenspsychologin an der Stanford-University mit dem Schwerpunkt Lob und Komplimente. Und sie sagt: „Es dauert nur ein paar Sekunden und ist völlig kostenlos. Warum also nicht?“ Genau. Warum werden wir, die es doch verdient hätten, so selten gelobt? Leute, die Komplimente erhalten, finden das nämlich nur halb so peinlich wie die Komplimentgeber. Das kann ich nur unterstreichen. Komplimentgeber sollten ein wenig über ihren Schatten springen, wir Adressaten halten das schon aus. Ich zum Beispiel spiele nur deshalb so gerne Duolingo, weil niemand so gut loben kann wie die Eule. Und inzwischen spiele ich das auch in mehreren Sprachen, einfach um rauszufinden, wie sich ein Lob zum Beispiel auf Portugiesisch anhört (Mandou bem! Perfeito! Maravilha!) Aber auch die Standardsprachen bieten schon genug Vorlagen für das eigene Loben. Ein paar Bespiele: Toll! Klasse! Ich bin so stolz auf dich! Así se hace! Increíble! Impresionante! Unbelievable! Excellent – und das ist nur eine kleine Auswahl! Am liebsten ist mir übrigens Awesome, unter anderem weil ich bei meinem ersten USA-Aufenthalt in ein Sales-Meeting geraten bin und mir sicher war, dass entweder ich oder die Leute aus Texas kein Englisch sprechen. Und eine junge Frau aus Boston meinte dann zu mir ich sei „awesome“ – ich weiß nicht mehr, in welchem Zusammenhang. Nur leider war das einzig ähnliche Wort, das ich kannte, „awful“ – und reagierte entsprechend abweisend. Aber in aller Regel: Loben kommt gut an – und kostet nichts. Wissenschaftlich erwiesen.

Küchentagebuch, Mittwoch 15. September 2021

  • Spaghettini mit gebratenen Zucchini-Streifen und roher Tomaten-Sauce (von stuttgartcooking)
  • Grüner Salat
So gesehen eigentlich schade, dass der Sommer jetzt vorbei ist

Fisch, Shrimps, Béchamel

Es scheint mehr offene Lehrstellen als Lehrstellenbewerber zu geben. Vor nicht allzu langer Zeit war da noch ein Lehrstellenmangel. So schnell kann das gehen. Meine Theorie ist allerdings, dass dem ein kleines Missverständnis zugrunde liegt. Viele Hauptschulabgänger haben bekannter- und beklagenswerterweise einige Schwierigkeiten mit der Orthographie und verstehen nicht, warum sie sich auf eine Leerstelle bewerben sollen, sie träumen doch von einer vollen Stelle, oder – wie der Lehrer immer sagt – einer Vollzeitstelle. Es ist aber völlig unangebracht, die Leerstelle gering zu schätzen. Oft ist eine Leerstelle, eine Leere an der richtigen Stelle, der entscheidende Unterschied. Nehmen wir zum Beispiel die beiden Sätze »Ich habe einen Blindenhund« und »Ich habe einen blinden Hund«. Deutlicher kann man den Vorteil einer Leerstelle nicht veranschaulichen.

Küchentagebuch, Dienstag 14. September 2021

  • Fischkroketten (immer noch wie vor Jahren)
  • Zitronen-Aioli (essen&trinken, ich frage mich aber, warum nicht einfach Aioli?)
  • Salat
Spanien, Tapas essen, wär eigentlich auch schön …

Auberginen, Nudeln, Hack

Ich habe gestern gewählt. Kommunal- und Bürgermeister- und Landrat- und Kreistags-Wahlen. So als Einübung für die Wahl aller Wahlen. Und damit das mit dem Üben auch richtig klappt, hatte ich insgesamt 11 Stimmen. Zum Panaschieren und Kumulieren und Wegradieren. Mich überfordert das ja. Gut, beim Stadtrat macht das Sinn: eine Stimme für den Linken aus dem Golfclub mit dem guten Handicap, eine für den AfDler vom Stammtisch mit dem gesunden Durst und eine für die nette Zahnarzthelferin von „WirRettenTiere“ (oder so ähnlich). Da sind drei Stimmen eigentlich schon fast zu wenig. Aber schon im Kreistag sitzen Menschen, die ich noch nie gesehen habe, und wohl nie sehen werde. Und ob ich je verstehen werde, was die tun? Ich hoffe nur, dass bis zum 26. September Corona vorbei ist. Denn, damit sich ankommende Wähler und nachhause gehende Wähler nicht näher als 1,50 m kommen, haben die Mitglieder der Wahlkommission einen Hindernisparcours aufgebaut, in dem manche Menschen wahrscheinlich jetzt noch feststecken (die Statistik der vermissten Personen ist noch nicht veröffentlicht). Und natürlich dürfen nur zwei Wähler gleichzeitig im Wahllokal sein, weil sonst der Mindestabstand … Das verlangsamt den Prozess erheblich. Und deshalb entsteht eine laaange Schlange nach dem Parcours und vor dem Wahllokal, und dort darf man sich in aller Ruhe Schulter an Schulter ins Genick husten. Und wenn ich mir jetzt die Wahlergebnisse angucke, und sehe, dass keine meiner 11 Stimmen den Lauf der Welt ändern wird, weil die Mehrheit offensichtlich anderer Ansicht ist, dann ist es schade um „WirHättenGerneTiereGerettet“, aber trotzdem: mir fällt kein anderes, besseres System ein.

Küchentagebuch, Montag 13. September 2021

Die Auberginen sind jetzt weg – schade, eigentlich

Falafel, Fladenbrot, Flaschentomaten

Eine Dürre ist heute ja nicht mehr unbedingt eine unterernährte Frau. Erstens sind die anderen Dürren, also die ausgetrockneten, mehr geworden, und anderseits würde man so eine arme Frau in Zeiten der gendergerechten Sprache wahrscheinlich anders bezeichnen. Trotzdem war ich mir heute morgen bei der Überschrift »Die Dürren nehmen zu« nicht sicher, ob ich jetzt die linke Gehirnhälfte aktivieren soll, in der ich alle Probleme aufbewahre, die mit dem Klimawandel zu tun haben, oder die rechte, in der das Mitleid und ja, auch die Schuldgefühle wohnen, die sich über die Jahrhunderte der Frauendiskriminierung angesammelt haben. Dieser Satz kann ja entweder eine gute oder halt Auch eine schlechte Nachricht sein. Da ich vor dem Klimawandel jedoch erheblich mehr Angst habe als vor falsch bezeichneten Frauen, hoffe ich, es ging um eine neue Diät. Zumal auch von »Sommerdürren« die Rede war. Und an die kann ich mich noch gut erinnern. Sie liefen alle mit einem Brigitte-Heft unter dem Arm durch die Einkaufszentren und faselten irgendwas von »Bikinifigur«.

Küchentagebuch, Sonntag 12. September 2021

  • Falafel (siehe hier)
  • mit Fladenbrot
  • und allerhand drum rum
Ich bastle „Burger“, Frau T. isst getrennt

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Linsen, Spätzle, Wienerle

So, ich hab’s geschafft. Heute gibt es Weltmeister-Küche. „Beste Köchin der Welt“ ist ja seit kurzem Pía León aus Peru. Ich hab noch nie was gehört vom Fachmagazin „Restaurant Magazine“, das diesen Titel vergibt. Aber da wird schon was dran sein. Da ich allerdings in nächster Zeit nicht nach Lima komme, muss ich ihr wohl oder übel virtuell nacheifern, weil ich tu mich hier in der Heide schon auch schwer mit ihren Zutaten: Früchte aus dem Amazonasgebiet, Kartoffeln aus dem Andenhochland sowie Fisch und Meeresfrüchte aus dem Pazifik. Sie hat aber Gott sei Dank noch ein anderes Alleinstellungsmerkmal, ich zitiere sie mal laut der SZ (österreichische Leser lesen die Agenturmeldung vielleicht lieber auf Österreichisch) : „Wir spielen viel mit Farben, aber pflegen gleichzeitig einen einfachen Stil. Keines unserer Gerichte hat mehr als vier Zutaten.“ Vier Zutaten, das unterbiete ich noch, ich brauch nur drei: Linsen, Spätzle, Wienerle. Die Farben sind ausgewogen gelb, braun und braun. Doch dann kommt der Challenge: „Aber es ist alles sehr durchdacht. Du isst nicht nur gut, sondern lernst auch etwas und nimmst etwas mit.“ Hmmh, durchdacht, etwas lernen und dann mitnehmen, da muss ich wohl noch üben. Meistens brauche ich nach diesem Essen das ganze Blut im Magen, für das Gehirn bleibt da nicht allzu viel übrig.

Küchentagebuch, Samstag 11. September 2021

Und nicht vergessen, die Spätzle zu schmälzen!
Tischgespräche
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