Kaninchen, Pflaumen, Rotwein

Es gab eine Zeit vor dem Internet, und es wird (wahrscheinlich) eine Zeit nach dem Internet geben. Wie die aussehen wird, kann ich natürlich noch nicht sagen (wahrscheinlich toll), aber in der vorher war auch vieles schön. Es gab keine Foodblogs, sondern Zeitschriften und die Shitstorms hießen Leserbrief. Und weil man sich nicht viele Zeitschriften leisten konnte, war der Vorrat an Rezepten schön überschaubar. Trotzdem hat Google irgendwie gefehlt, wenn man mal ein Rezept verbummelt hat, dann wars das. Bei mir war das „Lapin au Pineau“, ein Kaninchen, das mit geschnippelten Karotten und einer Flasche Pineau de Charentes mariniert und am nächsten Tag geschmort wurde. Ich war mir immer mit allen Gästen einig, dass das Gericht den Aufwand lohnt (nur ein Gast wollte mal „einen Flügel“, womit ich natürlich nicht dienen konnte). Der Aufwand bestand ja eigentlich auch nur darin, (vor Amazon!) überhaupt eine Flasche Pineau de Charentes aufzutreiben, und dann später die nicht unerheblichen Löcher in der Haushaltskasse wieder zu stopfen. Als es dann Google gab, gab es das Rezept nicht mehr (bzw. ich habe es damals nicht gefunden: rezepte-platz.de), aber dafür „Lapin auch Pruneaux“, was auch seinen Reiz hat. Und bei derselben Suche wird auch endlich die Frage geklärt: „Dürfen Kaninchen Pflaumen essen?“, Antwort bitte nachlesen bei vollkommen-tierisch.de.

Küchentagebuch, Freitag 10. September 2021

  • Lapin aux pruneaux et vin rouge (von Aurélie Bastian in französichkochen.de; vielleicht habe ich es auch zuerst bei mankannsessen.de gesehen, was meine Vorliebe für die Beilage erklären würde)
  • Breite Nudeln (warum auch immer, sie müssen breit sein!)
  • Tomaten-Gurken-Salat
Pruneaux, nicht Pineau

Aubergine, Kartoffel, Tomate

Bei uns ist vor Jahren mit viel Schmackes ein neuer privater Bahnbetreiber aus dem Boden gestampft worden, weil mit der DB offensichtlich einfach zu wenig funktioniert hat. Die DB war wahrscheinlich froh, diese defizitäre Strecke los zu sein, aber die Euphorie für „die Neuen“ war riesig. Jetzt muss ich lesen, dass in drei Monaten ein ganz neuer Betreiber kommt, weil bei dem „alten“ ja gar nichts funktioniert hat und manchmal einfach keine Lokführer da waren und manchmal Rollstuhlfahrer wieder weggeschickt wurden, weil das geht grad nicht. Alles gute Gründe für einen Neuen, welcher allerdings, so muss ich lesen, ein Tochterunternehmen der DB ist (und wahrscheinlich die Lokführer unter Tarif bezahlen kann, weshalb dann alle da arbeiten wollen und immer pünktlich zur Arbeit erscheinen?). Ich glaube, wenn man nicht gerade in der Schweiz wohnt, ist es als Bahnfahrer am besten sich etwas Langmut anzutrainieren. Die Italiener haben das schon lange erkannt und haben für „Anschluss-Zug“ das schöne Wort „la coincidenza„, welches zufälligerweise auch „Zufall“ heißt. Es steht uns Erdlingen nicht zu, über verpasste Anschlüsse oder fehlende Lokführer zu sinnieren – es folgt alles einem großen Plan!

Küchentagebuch, Donnerstag 9. September 2021

  • Auberginen-Pflanzerl (Maria Luisa Scolastra im SZ-Magazin)
  • mit Tomaten-Kartoffel-Salat (ebda)
Wenn man Auberginen mag, …

Pfannkuchen, Pilze, Salat

Aus der Reihe „Fragen des Alltags“: Ich war heute in Lüneburg um mal wieder schräge Leute zu kucken (gibt es hier im Dorf gar keine) und Pilze zu kaufen (gibt es hier im Dorf nur eine Sorte, eingeschweißt). Resultat: Menschen zu viel, Pilze zu viel. Ich bin im Moment relativ schnell überfordert. Aber man macht es mir ja auch nicht leicht. Ich habe zwei Busse in gegensätzliche Richtungen abfahren sehen und bei beiden stand in der Zielanzeige „Wendeplatz“. Ich habe jetzt mehrere Theorien: 1) Lüneburg ist eine Kugel und egal in welche Richtung man fährt, landet man auf dem „Wendeplatz“. Das macht aber keine Sinn, weil man braucht ja nicht zu wenden, sondern kann – Kugel! – einfach weiterfahren und kommt wieder dort an, wo man weggefahren ist. 2) Lüneburg ist eine Scheibe und der Rat hat deshalb an jedem Ende einen Platz namens „Wendeplatz“ bauen lassen, damit die Busse nicht einfach weiterfahren – und abstürzen; der Verschleiß an Bussen und Fahrern war einfach zu groß. 3) In Lüneburg fahren so wenig Busse, dass ohnehin niemand auf die Zielanzeige schaut und die deshalb wegen Personalmangel auch nie aktualisiert wird. Es gibt also in Lüneburg gar keinen „Wendeplatz“ und der stammt aus einer ganz anderen Stadt und wird halt seit Inbetriebnahme der Busse weiter angezeigt. – Ich werde dem nachgehen.

Küchentagebuch, Mittwoch 8. September 2021

  • Pfannkuchen (2:3:5)
  • Gemischte Pilze (Pfifferlinge, Steinpilze, Kräuterseitlinge) mit Rosmarin und Ziegenkäse
  • Grüner Salat
An Markständen „gesammelt“

Kalbsleber, Kartoffelgratin, Portweinzwiebeln

Eines der Mysterien der deutschen, aber eigentlich der meisten europäischen Sprachen ist die Perfektbildung. Also: Haben oder sein, das ist hier die Frage. Bin ich verstanden oder habe ich verstanden? Nein. Also ja, ich habe es nicht verstanden. Das kann man auch nicht verstehen, das kann man höchstens können. Üblicherweise nennen Grammatiken die (allzu) einfache Regel: Verben der Bewegung bilden das Perfekt mit sein, alle anderen manch andere mit haben. Also ich bin gegangen, aber ich habe gegessen. Je suis parti, mais j‘ai mangé. Me ne sono andato, ma ho mangiato. Ik ben weggegaan, maar ik heb gegeten. Der Grund, warum das so ist, liegt wahrscheinlich irgendwo im alten Rom und wird auf ewig ein Geheimnis bleiben. Die einzigen aus der Sprachfamilie, die das eingesehen und auch gleich geändert haben, sind die Spanier: He ido y he comido. (Und die Portugiesen: Tenho ido e tenho comido, aber dafür hat dort das Perfekt eine ganze andere Bedeutung.) Das mit der Bewegung ist natürlich noch nicht einmal die Hälfte der Wahrheit – da kommen dann noch solche Sachen wie transitive oder reflexive Verben, Verben der Zustandsänderung und besondere Verben – aber wir wollen mal bei der Bewegung bleiben. Für mich persönlich ist das problematisch, weil ein Zustand der Bewegung schnell mal praktisch ohne Übergang in einen Zustand der absoluten Bewegungslosigkeit übergehen kann (rasen – rasten). Aber gut, das kann ich noch unterscheiden. Die absolut reine Form der Bewegung scheint mir allerdings das Schwimmen. Wenn man da nämlich mal aufhört mit den Bewegungen, dann hat es sich schnell ganz ausbewegt. Unter diesem Gesichtspunkt verstehe ich überhaupt nicht, warum zwar die Deutschen geschwommen sind, aber die Holländer gezwommen hebben, die Engländer have swum, die Franzosen ont nagé, die Italiener hanno nuotato, … Ja sind die denn alle verrückt? Die müssen sich doch bewegen, sonst gehen sie unter! Und dann: das totale Gegenteil von Bewegung ist es, einfach irgendwo (z.B. im Biergarten) zu bleiben, sich also auf keinen Fall wegzubewegen, was auch immer geschieht. Und was sagen wir dann? Wir sind geblieben! Als sei bleiben eine Bewegung.

Küchentagebuch, Dienstag 7. September 2021

  • Kalbsleber
  • mit Kartoffel-Apfel-Salbei-Gratin (nach lamiacucina)
  • und Portweinzwiebeln (nach einem Rezept von „Nur das gute Zeugs“-Claus; den Link hätte ich noch, nützt aber nichts)
Butterflöckchen? Natürlich nicht vergessen!

Pasta, Tomate, Sellerie

Manchmal kann man schon das Gefühl haben, überwacht und ferngesteuert zu werden. Dass man all die sorglos weggeklickten Cookie-Banner vielleicht doch hätte lesen sollen. Wenn man zum Beispiel denkt, man könnte mal wieder ein Ciabatta machen, und dann fünf Minuten später alle News-Seiten voll sind mit Anzeigen für Mehl Tipo 0 und Tipo 00 und – weil wir schon dabei sind – Gärkörben, Bäckerleinen und Mehlbesen. Alles Dinge, die ich natürlich auch brauche. Und wenn ich schon dabei bin, diese Duschhauben zum Teigdecken da oben in der Ecke sind doch auch sehr praktisch. So funktioniert unsere Welt – ein bisschen gruselig ist das schon. (Zum Weitergruseln: Made to Measure in der ARD Mediathek). Da ist es dann richtig erfrischend zu sehen, wenn die Algorithmen schief gehen. Wenn ich zum Beispiel gerade Erdbeerpflanzen bestellt habe, dann ist die Chance, dass ich sofort wieder welche brauche, sagen wir mal nicht sehr hoch. Oder ist das der Versuch mich in den Wahnsinn zu treiben? Schau mal, du hast bei XY bestellt, du hättest aber auch bei ZW oder OPQ bestellen können und vielleicht wären die Erdbeeren da billiger oder besser oder beides und warum warst du nicht direkt auf Amazon? Und meine Freunde von den Öffentlich Rechtlichen, die jetzt ganz groß einsteigen und ein „Streaming-Portal“ aufbauen wollen (das sich entpuppt als Mediathek mit einem Link auf den jeweils anderen Sender, toll!), haben zum Beispiel einen Algorithmus, der mir nach dem Anschauen der Tagesthemen als sinnvollen Tipp die Tagesthemen von gestern vorschlägt. Und anschließend vielleicht von vorgestern und dann von vorvorgestern. Das ist genau das, was ich immer wollte – danke! Solange es Mediathek-Beauftragte gibt (ich nehme an, das gibt es), für die das alles „Neuland“ ist, so lange kann ich die Cookie-Banner noch beruhigt wegklicken.

Küchentagebuch, Montag 6. September 2021

  • Tomatensugo mit Stangensellerie (von hier 🌶, Tomaten müssen verarbeitet und der Stangensellerie auch irgendwie verbraucht werden, ideales Rezept – und reicht noch für den harten Winter)
  • Pasta
  • Grüner Salat

Durfte auch noch durch die flotte Lotte , hätt ich mir das Schälen sparen können

Rippchen, Brezel, Weißbier

Ich habe jetzt zwei oder drei Monate ohne Alkohol hinter mir. Der Grund ist eine merkwürdige Mischung aus Kopf- und Zahnschmerzen, die eventuell vielleicht durch den Genuss von Alkohol also sagen wir mal begünstigt worden sein könnten (ist das vorsichtig genug ausgedrückt?) Auf jeden Fall waren die Schmerzen so unangenehm, dass mir diese Auszeit ratsam schien. Und tatsächlich sind in dieser Zeit auch keine Schmerzen aufgetreten – aber das kann natürlich 1000 Gründe haben, das ist noch kein Beweis für gar nichts! Gestern Abend habe ich also testweise ein Glas Weißwein getrunken (ein Chenin Blanc aus Südafrika) und schlagartig war mir wieder klar, was mir gefehlt hat. Das Gläschen hatte (toi, toi, toi) keine Auswirkungen; ich habe dann aber vorsichtshalber trotzdem aufmerksam in der Wochenend-SZ den Test alkoholfreier Weißweine gelesen. Und jetzt mache ich mir Sorgen, die Schmerzen hätten vielleicht doch … Gut, der ehemalige Sommelier des Tantris ist sicher nicht leicht zu begeistern und vielleicht auch ein bisschen überheblich, aber – ein paar Zitate: „Bäh, das ist ekelhaft! ⋯ Das einzig Gute an lieblichem Wein ist, dass du irgendwann besoffen wirst, aber wenn du nicht mal das hast… das ist wie Hühnchenknochen ohne Fleisch.“ Oder „Puh, der riecht wie ein billiger Puff. ⋯ Nach zwei Gläsern wird der anstrengend, wie ein Mund voller Parfum.“ Oder „Ich würde ehrlich gesagt lieber Sprudel trinken. Da ist so was von nichts drin ⋯ so, als ob man auf grüner Traubenhaut kaut.“ Aber es gibt natürlich auch einen Sieger: „Am Gaumen ist er schon eher traubensaftlastig. Aber man kann von alkoholfreien Weinen auch kein Geschmackserlebnis wie von normalen Weinen erwarten.“ Bitte, Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen! Heute Abend teste ich mal ein Weißbier.

Küchentagebuch, Sonntag 5. September 2021

  • Badisches Ripple (hier schon mal)
  • Brezen (Lutz Geissler, BB Nr. 4)
  • Radieschen, Tomaten, Gurke, Butter, süßer Senf
Der Metzger hat sich bemüht, dicke Rippchen zu schneiden, damit die Austrocknungsgefahr kleiner ist, guter Mann!

Gebacken: Zwetschgenkuchen (so wie hier)

Traurig, aber das und ein bisschen Zwetschgenröster war die ganze Jahresernte!

Bohnen, Kokosmilch, Reis

Ein Bekannter, der im Internet auf diesen Blog gestoßen ist (was Menschen nicht alles in ihrer Freizeit treiben!) hat mich gelobt. Jetzt bin ich auf keinen Fall unempfindlich gegenüber Lob, nur her damit! Aber dieses Lob ging sinngemäß in die Richtung: Du bist auf dem richtigen Weg, wenig Fleisch, das ist gut für die Tiere, für die Natur und für deine Gesundheit. Mach weiter so! – Das muss ich zurechtrücken, so ist das nämlich nicht. Wenn ich mir das so anschaue, dann ist es schon richtig, dass das Küchentagebuch recht Gemüse-lastig ist. Aber das hat den einfachen Grund, dass mir u.a. Herr Ottolenghi eine Welt eröffnet hat, in der es um Geschmack geht, um überraschende Kombinationen von Gewürzen und Lebensmitteln und um mir unbekannte Zubereitungsarten, und es ist einfach leichter, mit mich Gemüse zu überraschen als mit einem Steak (obwohl auch das geht). Aber dass Fleisch-böse/Pflanze-gut und all der Quatsch viel zu kurz gegriffen ist, sieht sieht man zum Beispiel daran, dass die spanische Lagune Mar Menor, die gerade abkackt, von Gemüsebauern vergiftet wurde. Dass wegen dem Avocado-Hype von Großstadt-Hipstern ganze Regionen abgeforstet wurden und das letzte bisschen Wasser der Gegend für die Plantagen vergeudet wurde, damit man seine Avocado bei Aldi für einsfuffzig kaufen kann. Ich hab leider keine Lösung für das Problem der Massentierhaltung, außer vielleicht den zynischen Tipp, beim „Bauern um die Ecke“ einzukaufen. Wenn aber jemand denkt, dass das bei der Massen-Pflanzen-Haltung anders wird, der irrt gewaltig. Wollte ich nur mal klarstellen.

Küchentagebuch, Samstag 4. September 2021

  • Bihari-Masala mit grünen Bohnen (ankegroener) – jede Bohne einzeln gestreichelt und großgezogen, angebunden zwar, aber irgendwie auch freilaufend
  • Reis
Wir haben eindeutig zu viele Bohnen, aber so zubereitet ist das gar nicht schlimm

Schmorgurke, Schmand, Senf

Es gibt kaum noch saisonale Gemüse-Sorten. Fast alles kann man das ganze Jahr über von irgendwoher (oft auch aus deutschen Gewächshäusern) kaufen – Spargel mal ausgenommen, und ein Garten ist natürlich noch immer Saison pur. Auch scheint die Saison nur wenig Auswirkungen auf den Preis zu haben. Früher habe ich zum Beispiel immer bis Ende Juli gewartet, um Erdbeeren für Marmelade zu kaufen – da steigen heute die Preise schon wieder. Das kann man gut finden oder auch nicht. Ich bin zum Beispiel froh, dass es frischen Knoblauch (zu manchmal astronomischen Preisen) jetzt auch im Winter gibt – mir ist bislang keine Konservierungsmethode bekannt, bei der der Geschmacksverlust tolerierbar wäre. Aber eigentlich fehlt mir die Saison schon ein bisschen. Deshalb werden die wenigen Ausnahmen (Schwarzwurzeln, Schmorgurken, Zwetschgen ) auch immer zelebriert. Eigenartigerweise musste ich von München in den Norden ziehen, um Schmorgurken kennen (und lieben) zu lernen, während Maja von moey’s Kitchen von Köln aus einen Ausflug nach München machen musste, um welche zu finden. Wie auch immer, hier gibt es sie (in der Saison: Mitte Juli-Mitte September) zuverlässig, und wir essen sie immer einmal im Jahr – immer dasselbe Rezept. Keine Experimente.

Küchentagebuch, Freitag 3. September 2021

  • Schmorgurkenpfanne mit Hack, Schmand und Senf (bei lecker.de; siehe auch den obigen Link; wen Kartoffeln glücklicher machen als Reis, der kann hier vorbeischauen)
  • Reis
  • Apfel-Mascarpone-Cantuccini-Reste
Vielleicht nicht das fotogenste Gericht, aber ich freu mich jedes Jahr darauf

Gebacken: Gewürzte Morgenbrötchen (Lutz Geissler auf dem ploetzblog)

Mit ein wenig Schabziger Klee für den Vinschgerl-Touch

Zucchini, Kartoffeln, Apfelkompott

Die Inflation steigt. Auf inzwischen über 3%. Und dieselbe EZB, die vor nicht allzu langer Zeit bei 2% noch Schnappatmung bekommen und sofort eine drastische Zinserhöhung verordnet hätte, sagt jetzt: Ach ja, aber das geht ja auch wieder vorbei, gell? Ich weiß, junge Leser müssen das Wort Zinserhöhung nachschlagen, weil sie das noch nie gehört haben. Müsst ihr euch aber nicht merken, kommt nimmer vor. Das ist wie grüne Wälder – tempi passati, blöd gelaufen. Und dass Frau Lagarde und alle europäischen Finanzminister in ihren Büros sitzen und hoffen, dass bis zum Ende ihrer Amtszeit alles gut geht, weil sie wirklich nicht mehr wissen, wie sie aus diesem Schlamassel wieder rauskommen sollen, sollte euch ja aus anderen Gebieten bekannt vorkommen – na, klingelt’s? Mir macht das nichts aus, kostet es halt alles etwas mehr und irgendwann mein letztes Hemd. Wobei auffällt, dass Hemden wohl zu billig geworden sind und immer häufiger durch einen Arm und ein Bein ersetzt werden. Weil halt Englisch: It costs me an arm and a leg. Mir wärs dann schon lieber, wenn das Hemd weg wär. Ganz zu schweigen von dem, was es die Portugiesen kostet: costa os olhos da cara – die Augen aus dem Gesicht! Manchmal auch costa os dentes da boca – die Zähne aus dem Mund Wenn das man alles gut geht.

Küchentagebuch, Donnerstag 2. September 2021

  • Gefüllte Zucchini mit Pinienkern-Salsa (Ottolenghi, Simple, S. 73, bei schoenertagnoch)
  • Gebackene Kartoffel – Wedges
  • Mascarponecreme mit Apfelkompott (wenn alle Bäume alle Äpfel fallen lassen, dann gibt’s halt Kompott)
Das waren noch nicht die letzten Zucchini der Saison, Obwohl der Winter …

Gebacken: Buttermilch Brötchen über Nacht (nach Brotwein, ein bisschen einschneiden hätte nicht geschadet, aber dass Vergesslichkeit so belohnt werden kann, ist gut zu wissen)

Laut Spätburgunder ist es das Rezept der Wahl „wenn mir erst am Abend einfällt, dass ich am nächsten Morgen…“

Bohnensalat, Plattkartoffel, Schnitzelchen

Ich hab’s gewusst. Meine bescheidenen Hobbies – Kochen, Essen, Schlafen – stecken voller Fallstricke. Wenn ich zum Beispiel ein kreatives Hummus mache (und vielleicht sogar esse, auf jeden Fall aber darüber schreibe), dann begehe ich damit kulturelle Aneignung, Hashtag #leavehummusalone. Mit »kreativ« könnte ich zum Beispiel die Zugabe von Mango zu einem leckeren Dessert meinen. Bei jetzt.de steht die Frage „Was Essen mit kultureller Aneignung zu tun hat“ zur Diskussion. Ich habe bittere Tränen geweint. Was früher Fusionsküche hieß und gelobt oder kopfschüttelnd belächelt wurde, ist jetzt böse. Ist das Kolonialismus, Rassismus oder schlicht Gedankenlosigkeit? Könnte sein. Manchmal braucht es Denkanstöße. Trotzdem bin ich froh, dass der inkriminierte „kreative“ Wirt seine Produkte jetzt nicht mehr »Hummus« nennt sondern »Kichererbsenmus« . Vielleicht beruhigt sich ja alles wieder und ich muss mich nicht mehr erregen, wenn ich von Kakao-Hummus lese, sondern ich darf es entweder einfach mal probieren oder einfach mal den Kopf schütteln. Aber ich hab ja eh keine Ahnung, ich verpasse wahrscheinlich eh alle Trends. In El Comidista, dem Food-Newsletter von El País wird mir Furikake als der letzte heiße Scheiß für den Reis präsentiert. Offensichtlich eine japanische Gewürzmischung, ohne die keine Mahlzeit vollständig ist und die selbst einen simplen Reis in Sterneküche verwandelt. Und ich kenn das nicht! Ein bisschen Google zeigt dann recht schnell, dass alle anderen es natürlich kennen, benutzen und über den grünen Tee loben. Allerdings: mein Gewürzregal ist prallvoll und ich bin mit Fury aufgewachsen, und ich weiß auch wie Pferde-kake riecht – ohne mich (vorläufig).

Küchentagebuch, Mittwoch 1. September 2021

  • Bohnen-Kaiserschoten-Salat mit Haselnüssen und Orangenzesten (bei Anke Gröner, die Kaltmamsell nennt die Zuckerschoten dankenswerterweise Mangetouts, das ist viel schöner)
  • Platt gebackene Kartoffeln (wie immer 🌶 , diesmal mit Pesto, weil noch Pesto da war und weil irgendjemand irgendwo in irgendeinem Internet das irgendwie auch gemacht hat)
  • Schweinefilet im Schmetterlings-Schnitt zerkleinert und paniert (Schnitzelchen)
Gar nicht mal schlecht ….

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