Spareribs, Krautsalat, Brot

Was machen eigentlich die Koalitionsverhandlungen? Nichts? Oder hört man nur nichts? Ich habe ja den Verdacht, das es da um so Nebensächlichkeiten wie Umweltschutz geht, Steuererleichterung oder nicht, Mindestlohn, Hartz IV und all diese Kleinigkeiten. Petitessen hat das der damalige Kanzler Brandt genannt. Aber die wirklich wichtigen Fragen werden natürlich wieder nicht angepackt. Zum Beispiel: Wer zwingt endlich die EU dazu, die Zeit-Umstellung abzuschaffen? Denkt doch an die armen Tiere. Kühe, zum Beispiel, werden eine Stunde später gemolken, dass die das aushalten! Eine Stunde länger zehn Zentner Euter mit sich rumschleppen, das geht doch an die Substanz. Und es gibt natürlich auch Menschen, die leiden. Ich zum Beispiel bin gestern extra eine Stunde früher ins Bett, damit ich die lange Nacht durchhalte; so lange zu schlafen ist ja auch anstrengend. Hat natürlich nicht geklappt. Anstatt eine Stunde länger schlafen zu können, wie es alle versrochen haben, war ich zwei Stunden vorher hellwach. Schafft den Krampf doch endlich ab.

Küchentagebuch, Sonntag 31. Oktober 2021

  • Loin Ribs vom Duroc-Schwein (mit einer Marinade von Johannes Guggenberger)
  • Cole Slaw (Originalrezept von KFC – Zumindest laut den Herren – und Damen? – vom Grillsportverein)
  • St. Galler Bürli
  • Apfelkompott mit Mascarpone-Creme
Eigentlich traditionell ein Sommeressen, aber was heißt schon eigentlich …

Bohnenpüree, Kürbis, Rosenkohl

Ich weiß nicht, was mich heute geritten hat. Prokrastination wahrscheinlich. Obwohl ich – natürlich – auch gerne gearbeitet hätte; aber nun ja: Ich musste ja kochen. Auf jeden Fall habe ich gestern Abend das Simple-Buch von Ottolenghi im Kapitel „Gegartes Gemüse“ aufgeschlagen und praktisch ab Seite 119 (Weiße-Bohnen-Püree mit Muhammara) die nächsten Seiten abgehakt: S. 125 (Rosenkohl mit brauner Butter und schwarzem Knoblauch), S. 128 (Geröstete Möhren mit Harissa und Granatapfel), S. 131 (Geröstetet Butternusskürbis mit Linsen und Gorgonzola) – dann musste ich aufhören, weil mehr hätte ich gar nicht mehr geschafft. Aber meine Vorgabe war halt: Möglichst lecker und möglichst viele Vorräte aufbrauchen. Ziel Nr. 2: Letztendlich habe ich nur einen Bund Möhren, 1 Granatapfel und 1 Knoblauch vom Markt mit nach Hause geschleppt. Ziel Nummer 1: Mission accomplished,

Küchentagebuch, Samstag 30. Oktober 2021

  • Weiße-Bohnen-Püree mit Muhammara (z.B. bei schnuppschuess)
  • Rosenkohl mit brauner Butter und schwarzem Knoblauch (bei Jolling)
  • Geröstete Möhren mit Harissa und Granatapfel (Salat; bei Gutesser)
  • Gerösteter Butternusskürbis mit Linsen und Gorgonzola (bei adamah.at)
Viel Arbeit, aber viel Genuss

Spätzle, Linsen, Wienerle

Ich habe heute den letzten Sellerie und fast den letzten Lauch geerntet und die letzten paar Blättchen Liebstöckl gerettet (keine Linsen ohne Maggikraut!). Jetzt kann der Winter eigentlich kommen. Außer ein paar Rosen- und ein paar Grünkohlpflanzen ist da eigentlich nichts mehr, was den anwendungsorientierten Gärtner neugierig machen würde. Zumal der Feldsalat sich nicht mal bemüht hat, zu wachsen. Dabei hatte ich wirklich alles dafür getan, dass es ihm gut geht. Aber na ja, Rückschläge muss man auch verdauen lernen. Jetzt freue ich mich schon mal auf Steckrüben, Schwarzwurzeln, Rosenkohl, Schwarzen Rettich und was es im Winter sonst noch alles schönes gibt, dieses Jahr halt auf dem Markt. Die Marktbeschicker wollen ja schließlich auch leben. Und bei aller Winter-Vorfreude: So ein richtig schöner Spätsommertag wie heute ist auch nicht von schlechten Eltern. Da würden sicher auch Schwarzwurzeln und Rosenkohl schmecken. Aber ich hab mich halt für Spätzle entschieden.

Küchentagebuch, Freitag 29. Oktober 2021

  • Linsen mit Spätzle und Wienerle (hier ist dazu schon alles gesagt; Wiener-le deshalb, weil mein Metzger plötzlich ganz kleine Wiener produziert, als hätte er auch bemerkt, dass die langen früher kaum in einen Topf gepasst haben. Man muss aber nicht immer gleich von einem Ekzem ins andere fallen)
Entweder ich muss jetzt den Spätzlesteig weicher machen oder eine Hilfskraft einstellen

Rheinische Schnippelbohnen, Kassler, Kartoffeln

So ein ganz klein wenig habe ich Angst vor der kommenden Koalition. Nicht nur, dass ich grundsätzlich mit Ampeln auf Kriegsfuß stehe, weil die meistens rot sind, wenn ich komme. Das wäre ja nicht tragisch, wenn „rot“ noch „sozial“ bedeuten würden und nicht „SPD“. Und ich befürchte auch, dass „grün“ nicht unbedingt „jetzt aber los!“ heißen wird, sondern immer wieder durch gelbe Blinklichter überstrahlt wird. Schon die ernsten Gesichter der Koalitionäre und die Lobhudeleien, wie gesittet das alles zugeht, machen mich unruhig. Mit einem Wort, dass da was Gutes dabei herauskommt, glaube ich nicht. Aber was heißt schon glauben in der heutigen Zeit? Tja, wenn man gläubig wäre, dann könnte man noch schnell ein Gebet gen Himmel schicken: „Atta unsar thu in himinam, weihnai namo thein“ zum Beispiel. Das ist übrigens gotisch, irgendwann um 350. Ich finde, sprachlich hat sich das über die Jahrhunderte ganz gut gehalten, da findet man sicher zum Beispiel in Oberbayern moderne Schriftstücke, bei denen weniger klar ist, worum es sich handelt. Aber es hat halt in den letzten 1700 Jahren erstaunlich wenig bewirkt, das heißt, man kann sich das „gen Himmel schicken“ auch sparen und einfach weiter hoffen, dass alles gut enden wird. Mehr bleibt uns wohl nicht übrig.

Küchentagebuch, Donnerstag 28. Oktober 2021

  • Rheinische Schnippelbohnen mit Kassler und Salzkartoffeln (wie hier schon mal)
Auch das könnte man ruhig öfter machen

Pasta, Wirsing, Pilze

Nun also doch! Endlich durfte die japanische Prinzessin Mako heiraten! (Spiegel, 26.10.2021 hinter der Bezahlschranke! Aber natürlich auch in der Süddeutschen, sowie in jedem anderen Qualitätsblatt.) Dieses Hochzeitsdrama hat mich natürlich genauso wie jeden anderen über Monate in den Bann gezogen. Es ist ja so herzerweichend (und wahrscheinlich von weltweiter Bedeutung): Weil sie einen Bürgerlichen geheiratet hat, ist Mako aus dem Kaiserhaus ausgeschieden. Aber hey – Liebe! – das ist der Prinzessin doch so was von egal. Ich hoffe, sie findet ihr Glück in den USA und überwindet ihre Posttraumatische Belastungsstörung in den Armen ihres Liebsten. Ich wünsche ihr alles Glück dieser Welt. Aber was verstehe ich schon von Glück? Also nicht im Sinne von Glück-haben, sondern von Glücklich-sein. Glück-haben ist schon schwer genug, aber wenigstens ist man nicht selbst schuld, wenn es nicht klappt. Das ist ganz anders beim Glücklich-sein. Jeder ist seines Glückes Schmied, sagt schon der Volksmund. Doch so einfach ist das alles nicht. Ich bin jetzt dazu übergegangen, meine Ansprüche zurückzuschrauben. Wenn ich zum Beispiel im weltweiten Inter-Web etwas finde – und das ist ja angesichts der Massen an Informationen, Bildern und Wasweissich unwahrscheinlicher als eine Heuhaufen-Nadel im Kopfkissen (oder so ähnlich), dann setze ich mich erstmal bequem hin und – bin glücklich! So einfach kann das sein – das kann jeder. Heute zum Beispiel ist draußen Dreckswetter und drinnen gibt es noch Wirsing und Speck und Pilze. Einmal kurz suchen und – Mist! – die ganze Welt isst „Pasta mit Wirsing nach Jamie Oliver“, und für das Rezept braucht man Mozzarella. Hab ich vielleicht Mozzarella? Nein, hab ich nicht. Also weiter: Wirsing-Nudeln mit Pilzen und Speck! Ich bin ich so froh, dass Google beim Suchbegriff Pasta auch Nudeln findet – das ist nicht selbstverständlich, da kann man schon mal glücklich sein! Ich krieg das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht.

Küchentagebuch, Mittwoch 27. Oktober 2021

  • Wirsing-Nudeln mit Pilzen und Speck (bei lecker.de)
Für ein Reste-Essen erstaunlich stimmig und – gut

Gebacken: St. Galler Bürli mit Sauerteig

Die Bürli sind ein wenig auseinander gelaufen, aber ich bin so glücklich, dass ich überhaupt Brot backen darf!

Lachsforelle, Karottenlaiberl, Mangold

Heute morgen habe ich gelesen, dass die Landfrauen zum Grünkohlessen einladen. Nein, ich bin nicht gemeint, weil ich ja kein Mitglied im Landfrauenbund bin. Warum eigentlich? Dürfte ich das? Egal, ich dachte nämlich, dass der Grünkohl den ersten Frost abbekommen haben muss, damit er nicht bitter ist. Und es ist (mir) zwar (zu) kalt, aber Frost? Allerdings hat man heutzutage diese Bitterstoffe wahrscheinlich schon längst weggezüchtet, und – wenn die Landfrauen ernten, dann kann ich das auch – wenn die es nicht wissen, wer dann? Da ich weniger Mangold ernten konnten als gedacht, käme mir der Grünkohl grade recht. Weil ich als Südlicht aber nicht allzu viele Grünkohlrezepte kenne und dringend zur Vermeidung von noch mehr Geschirr die Pfanne benutzen wollte, half mir Natali auf KochenKunstUndKetchup weiter. Und sie hat recht: Seit Grünkohl nicht mehr Grünkohl heißt, sondern Kale und obendrein als Superfood gilt, seither gibt es auch Rezepte.

Küchentagebuch, Dienstag 26. Oktober 2021

  • Lachsforellenfilets mit Möhrenpuffer (aus Österreich, gabs hieramts schonmal)
  • Mangold mit Limette (anstatt Spinat – s.o.)
  • gebratener Grünkohl mit Knoblauch und Chili (weil der Mangold zu wenig war)
Die Lachsforelle war ein bisschen groß, wir haben sie trotzdem fast weggeputzt

Wirsing, Quinoa, Pilze

Man darf übrigens Fehler machen. Ich würde sogar sagen, man sollte ab und an Fehler machen. Natürlich, wir sind alle perfekt und deshalb fällt uns das sehr schwer. Aber: Wenn wir immer alles richtig machen, wie lernen wir dann dazu? Lernt man nicht hauptsächlich durch Fehler? Ich, zum Beispiel, habe im August Brezen-Weißwurst-Knödel gemacht und habe mich in gewohnt überheblicher Art über einen „angeblichen“ Erfinder dieses Knödels mokiert, weil ich mir einen Erfinder nicht vorstellen konnte und den verlinkten Artikel offensichtlich nur überflogen hatte. Das war blöd – ich habe dazugelernt, und ich habe es korrigiert.

Küchentagebuch, Montag 25. Oktober 201

das dunkle Bild trifft die Stimmung; zwar passte das Rezept exakt zu den Vorräten, aber leider …

Kürbis, Zwiebel, Za’atar

Wenn er Za’atar hört, denkt mancher vielleicht OttoLenghi. Und – ja, natürlich. Aber ich kann nichts dafür. Ich habe auf dem Markt einen (zu) großen Butternut-Kürbis gekauft und vergessen, was ich damit machen wollte. Das sind so die Begleiterscheinungen des Alterns. Aber dafür hat man ja das Internet, dass man schnell mal googeln oder eine andere Suchmaschine bemühen kann. Und ich weiß nicht, was damals vor etwa 10 Jahren passiert ist, aber eine überwältigende Zahl (etwa fünf oder sechs) von Suchergebnissen versuchte mich davon zu überzeugen, den Kürbis mit roten Zwiebeln und etwas Za’atar im Ofen zu rösten, dann mit einer Tahini-Sauce (mit ein wenig Za’atar) zu übergießen und mit Petersilie (und einer ordentlichen Portion Za’atar) zu bedecken – und zu essen. [So schildert Uwe das, in den meisten Rezepten gibt es Za’atar aber nur drüber.] Das war 2014, als ich Ottolenghi noch für einen total überbewerteten, dem vegetarischen Zeitgeist hinterherhechelnden Freak hielt, und als sein Buch „Jerusalem“ auf deutsch erschien. Ja, ich war auch mal jung und blöd. Aber da alle Zutaten im Haus waren, und Uwe auf Highfoodality mich zu überreden versuchte: »Was mich begeistert: Die Süße des Kürbis und der roten Zwiebeln findet einen sehr angenehmen Gegenpol in der säuerlich-würzigen Tahini-Sauce, die auch ein wenig Bitterkeit mitbringt. Der zusätzliche Schwung Za’atar bringt die notwendige Würze, und beim Backen ganz nebenbei einen Wahnsinns-Geruch in die Küche« Na gut, dann mal los.

Küchentagebuch, Sonntag 24. Oktober 2021

der (übergroße) Kürbis ist fast weg, war doch gut, dass ich ihn gekauft habe

Gebacken: Rosinenbrötchen (Lutz Geissler, … in Perfektion mit Sauerteig)

So sehen Rosinenbrötchen aus, wenn man an der Eistreiche spart, weil man noch ½ Ei anderweitig braucht

Surhaxerl, Wirsing, Meerrettich-Sauce

Vielleicht habe ich Herrn Schuhbeck immer Unrecht getan. Es ist nämlich so, dass der Niedergang der Esskultur nirgends deutlicher zu Tage tritt als bei der Meerrettich-Sauce. Diese unsäglichen Gläschen, die mit »Sahnemeerrettich« beschriftet sind, und von denen deutsche Hausfrauen behaupten, die seien »ganz okay«, bezeugen: So tief war das Niveau noch nie! Und besagter Herr Schuhbeck hat in vielen seiner Rezepte als Zutat besagten Sahnemeerrettich stehen und ich denke immer: Ach, Alfons, was tust du da? Aber vielleicht – wie gesagt, vielleicht – meint er gar nicht diese Gläschen. Seit ich den Sahnemeerrettich selbst mache, verstehe ich ihn besser und gebe ihm manchmal auch recht. Das Rezept könnte man bei Herrn Grün nachlesen, aber es passt durchaus auch noch in diesen Absatz. 50g frisch geriebenen Meerrettich mit 50g Sahne, einem halben Teelöffel Salz, 1 Teelöffel Zucker und 3 Esslöffel Weißwein-Essig in einem hohen Gefäß mit dem Pürierstab mixen. Fertig.

Küchentagebuch, Samstag 23. Oktober 2021

  • Bayerisches Eisbein (Schuhbecks Kulinarische Geschichten)
  • Rahmwirsing (auch da)
  • Meerrettichsauce (auch da)
  • Salzkartoffeln (gedämpft)
Bei der Haxe ist man vom Metzger abhängig, aber alles steht und fällt mit der Meerrettich-Sauce

Pfannkuchen, Lauch, Marmelade

Ich hab ein Kochbuch im Schrank, mit dem ich meine ersten Schritte gemacht habe: Roland Gööcks Neue Grosse Kochschule, Mein allererstes Kochbuch – keine Ahnung woher ich das hatte – war allerdings irgendwas von Dr. Oetker, das ich aber nie benutzt habe. Mit dem Göök habe ich dagegen manche Glanztat vollbracht. Und trotzdem steht er seit Jahren verstaubt im Regal. Außer wenn ich Lauchgemüse mache, wozu man eigentlich kein Rezept braucht, aber man weiß ja nie. Immerhin war dieser Lauch mein erster, der nicht von Iglo kam. Doch wenn ich es mir genau überlege, dann war mein erster Pfannkuchen aus dem Dr. Oetker-Buch. Und somit gibt es heute ein echtes Reminiszenz-Essen. Und das ist sicher auch der Grund für die kleine Melancholie: Man merkt dem Herrn Göök (und wahrscheinlich auch mir) schon an, das seit damals fast vierzig Jahre vergangen sind. Und trotzdem, wenn man bei Wikipedia von einem Mann mit zig Pseudonymen, 230 veröffentlichten Büchern und einer Gesamtauflage von über 40 Millionen liest, dann kann so ein Lauchrezept eigentlich ja nicht altern. Wie doch wahrscheinlich auch ich nicht, oder?

Küchentagebuch, Freitag 22. Oktober 2021

  • Pfannkuchen mit Butter-Porree (2:3:5 und Roland Göök)
  • Pfannkuchen mit Quark und Orangenmarmelade
Das müsste man viel häufiger machen, Schließlich ist der Nachtisch schon inklusive
Tischgespräche
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