KW 30-22

Ja. Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. Das Medien-Sommer-Programm lässt ein wenig zu wünschen übrig. Weder Krokodile*) noch Piranhas im Baggersee, gerade mal – vielleicht- ein Känguru am Ammersee. Ansonsten nur Krieg, Krise, Brandgefahr. Ach ja, und Covid. Da lohnt ein Blick auf die Insel. In Schottland zum Beispiel wurde in Ardtornish die First Scottish Tree Hugging Championship ausgerichtet. Bilder bei der BBC, bewegt auf youtube. Gewonnen hat übrigens Alasdair Firth, ich glaube wegen seines Outfits. Und The Week**) berichtet auch, weiß aber noch mehr Interessantes: “Ham roll makes man fart for five years” und Neuigkeiten über das “Uncontrollable Hair Syndrome”. Okay, jetzt geht es mir ein wenig besser.

*) doch, in Bautzen zum Beispiel.
**) übrigens mit dem Wahlspruch: All you need to know about everything that matters.

Die Woche begann warm, sehr warm, fast zu warm. Das Baguette de Luxe (am Montag) kann man aber schon morgens vorbereiten, wenn es noch kühler ist – wenn man mal vom Backofen absieht, in dem es sich das frische Brot bei 250° gemütlich macht. Aber das lohnt sich. Fotografiert habe ich also nur das Brot; denn mal ehrlich: was wäre ein Sandwich ohne Brot? Dienstag war wieder einmal Fischtag – Fischpflanzerl (nach einem Rezept von A. Schuhbeck – bis auf die Fischsorte wie hier) mit Kartoffelsalat (auch Schuhbeck – so ziemlich wie hier) und anschließend eine Mousse au chocolat.

Am Mittwoch gab es mit Poularde in Thymian-Wermut-Sahne eines meiner Lieblingsgerichte, weshalb ich auch eigens eine Ciabatta gebacken habe, um die leckere Sauce aufzutunken. Am Donnerstag kam der Sommer (ein wenig) zurück und deshalb gleich noch ein Lieblingsgericht: Spaghettini mit gebratenen Zucchini-Streifen und roher Tomatensauce. Wenn ich mir das so überlege, dann hab ich ziemlich viele Lieblingsgerichte. Vielleicht bin ich einfach nur gefräßig?

Am Freitag bin ich über ein Rezept gestolpert, das dann auch gleich realisiert werden musste: der Sticky Sesam Tofu mit Süß Sauer Sauce, mit Reis, Mangold aus der Pfanne und ein Chicoree-Orangen-Salat. Da der Reis nicht aufs Bild gepasst hat, muss man sich den dazu denken – weiße Körner, die in einem Topf “nach Packungsangabe” zubereitet wurden. Am Samstag war dann eine der letzten Möglichkeiten das 9-€-Ticket aufzubrauchen. Also ab nach Uelzen (ohne Umsteigen, ohne verpasste Anschlusszüge, ein bisschen Sonne – alles toll). Bestellt habe ich eine Zicklein-Keule, gekauft mehr als ich tragen konnte. Zum Beispiel Spitzkohl, Karotten und Hühnerflügel für Chicken Wings, Coleslaw und Brezen. Die Brezen habe ich aus Versehen mit Weizenmehl 1050 gemacht. Hier im Norden könnte man das als Spezialität verkaufen, aber wir haben ja Gäste aus dem Süden! Sie haben auch die Brezen gelobt, brave Gäste, Sonntag ein Ottolenghi-Fest mit Fladenbrot, Knoblauch-Hummus mit Pilzen, Dreierlei Sellerie, Heiße Tomaten auf kaltem Joghurt (z.B. bei Arthurs Tochter), Kohlrabisalat und was weiß ich.

KW 29-22

Wenn man sozusagen als Expat in einem fremden Land lebt – wie ich zum Beispiel als Schwabe in Niedersachsen – und die Landessprache nicht ausreichend beherrscht, dann kommt es unabdingbar hie und da zu Missverständnissen. Zu Beginn war das zum Beispiel die Semmel, die ich aus Bayern als Frühstücksbrötchen mitgebracht hatte, und die sich hier als riesiger Hefeteig-Rosinen-Laib herausstellte. Vielleicht war das der eigentliche Grund, dass ich zu backen angefangen habe – mir geht das Wort “Brötchen” immer noch nur sehr schwer über die Lippen. Und jetzt im Moment versteht mein Metzger den Unterschied zwischen die Veschba und das Veschber nicht. Dabei wäre es doch ganz einfach. Die Vespa war das Traumgefährt meiner Jugend und das Vesper wird immer mehr zum (genauso wenig erreichbaren) Traum-Gericht meiner reiferen Jahre. Gerade jetzt, bei den immer häufiger werdenden etwas wärmeren Temperaturen, wäre so ein schwäbischer Vesperteller doch ideal. Aber, wie gesagt, mein Metzger versteht nicht, was ich meine. Koi Presssack im Angebot, koi Baurabrodwurschd, koi Bachstoikäs, koi gar nix. Was solle bloß mache? Sei Ochsamaulsalädle isch scho au gud, aber des langt halt hinne un vorne net für a Veschber-Brettle.

Am Montag reichte die Koch(un)lust gerade noch für Spaghettini mit Krebsfleisch. Morgens schon hatte ich den Salat aus glasierten Karotten gemacht, von dem magentratzerl.de sagt, er hielte sich ein paar Tage im Kühlschrank. Leider habe ich der Familie gesagt, wo er steht – da war er auch schon wieder weg.

Der Dienstag war schon ganz schön warm, aber mit einem Schweizer Wurstsalat, frisch gebackenem Brot und einem Weißbier schon noch auszuhalten. Das Wort Salat scheint es mir im Moment angetan zu haben, denn am Mittwoch gab es einen Spanischen-Thunfisch-Kartoffel-Salat aus einem kleinen Büchlein mit dem Titel Tapas, das ich wohl vor vielen Jahren für 3,99€ erstanden und seither ignoriert haben muss. Und nein – es ist kein ensaladilla rusa, also ohne Mayonnaise. Das Rezept gibt es wortwörtlich bei kochbar.de. Und weil trotz Hitze morgens eine Zucchini geerntet werden wollte, gabs zusätzlich noch In Olivenöl gebraten Zucchini (wie bei ichkoche.at). Und es war am Mittwoch tatsächlich noch wärmer als am Dienstag – hab ich schon erwähnt, dass ich gegen den Klimawandel bin? – weshalb wir uns entschlossen, zunächst mal einen Salat aus Wassermelone, Feta und Pinienkernen zu essen (Rezept und Bild gibt’s bei ziikocht.at)

Der Donnerstag war dann vergleichsweise richtig kalt – ich darf doch aber gar nicht heizen! Pasta hilft jedoch fast immer: Rigatoni mit Knoblauchsauce und Mangold (ähnlich wie hier). Am Freitag mit Zucchini-Waffeln (lecker.de) und Fenchel-Orangen-Salat (SZ-Magazin) wieder etwas sommerlicher.

Am Samstag wieder ein 9€-Ausflug nach Uelzen. Beute waren u.a. Hühnerflügel (aka Chicken Wings) und ein Spitzkohl und ein paar Möhren für den dazugehörigen Cole Slaw war – weil mindestens ein Zug wegen eines kurzfristigen Personalausfalls bei der Deutschen Bahn leider ausfallen musste – ein Besuch auf dem lokalen Markt angesagt. Dort gibt es auch Hühner, aber Flügel nur mit Tier. Also auch keine Chicken Wings, sondern Chicken Teriyaki mit Reis und ein paar Ingwer-Möhren. Am Sonntag war Besuch angesagt. Da man heutzutage ja nie weiß, wer was wann warum nicht isst: Bulgurbällchen mit Zitronen-Couscous sind zumindest mal vegetarisch und wenn man das Ei weglässt (weglassen muss) auch vegan.

KW 28-22

Das 9-Euro-Ticket ist noch nicht verbraucht.. Die Wettervorhersage vorhersagt hohe Temperaturen (im Süden) und zum Beispiel angenehme 20° in Kiel. Fahr ich halt nach Kiel. Gut, Kiel ist nicht gerade ums Eck, aber ich glaube nicht, dass es Geld zurück gibt, wenn das Ticket am Ende des Monats noch wie neu ist, und einen Markt – den Markt auf dem Exerzierplatz – gibt es da auch. Also los! Die Hinfahrt – um 6:21 – ging eigentlich auch ganz gut. Bis auf 7:33 Radbruch. Nein, mir ist nichts passiert! Radbruch ist ein fahrplanmäßiger Halt zwischen Lüneburg und Hamburg. Ärgerlicher war da schon 8:22 Zug fällt aus – Notarzt-Einsatz auf der Strecke. Die Bahn gibt sich wirklich alle Mühe, aber alle Züge? Das wär schon ziemlich viel verlangt – in einer Stunde fährt doch schon der nächste, stellt euch halt nicht so an. Auf der Rückfahrt werden wir euch mal zeigen, was Verspätungen sind, und ausgefallene Züge und verpasste Anschlüsse. Sagt schon mal zuhause Bescheid, dass ihr später oder gar nicht kommt! Und bis dahin genießt die Fahrt und meckert nicht! Okay, über die Rückfahrt will ich den Mantel des Schweigens ausbreiten, nur noch kurz anmerken, dass das Wetter ⋯ Nein, ich werde nie mehr über das Wetter reden oder schreiben, nachdem ich (im Zug) gelesen habe, wie Franz Werfel das macht: »Der Himmel war überall zugewachsen und zeigte keine schamlos nackten Stellen mehr. Die Wolken eilten nicht länger dampfweiß und scharf gerändert, sondern lasteten unbeweglich tief und hatten die Farbe schmutziger Möbelüberzüge. Eine Windstille wie aus dickem Flanell herrschte ringsum. ⋯ Jedes Geräusch war aufgetrieben und undeutlich, als erzähle die Welt die Geschichte dieses Tages mit vollem Munde

Am Montag gab es aus terminlichen Gründen nichts zu essen, das heißt jeder nimmt sich, was er kriegen kann. Ich zum Beispiel ein halbes Hühnerbein und ein Käsebrot. Und eines sage ich euch: Wenn das Brot gut ist und der Käse gut, spricht nichts dagegen, dass auch das Käsebrot gut wird! Das Zanderfilet, das mir die freundliche Fischfachverkäuferin am Dienstag ans Herz legte, brauchte ich nur noch zu würzen, die Haut einzuschneiden und leicht zu bemehlen. Nach drei Minuten scharfem Anbraten auf der Hautseite, war der Fisch so weit, dass er umgedreht in der ausgeschalteten Pfanne zu Ende garen konnte und dann mit den restlichen Saubohnen, dem ersten Garten-Zucchini und Kartoffeln serviert wurde. Am Mittwoch fuhr ich schnell nach Kiel um auf dem Markt Blumenkohl zu kaufen, damit es abends den Blumenkohlsalat mi Falafel aus dem Lecker-Newsletter geben konnte. Nur ein kleiner Tipp: wenn man rohe Kichererbsen über Nacht einweicht, braucht man weder Ei noch Semmelbrösel, damit die Freundchen zusammenkleben.

Am Donnerstag Rührei auf geröstetem Bauernbrot mit Kieler Sprotten. Am Freitag ein Brezensalat mit Fenchel, Tomaten und Reherl (SZ Magazin). Der Behauptung des Autors, dass eine bayrische Breze halt mehr Aroma hätte als ein toskanisches Weißbrot, kann ich nur zustimmen. Wie das natürlich bei gekauften Brezen ist, kann ich nicht (mehr) beurteilen.

Am Samstag panierte Schnitzelchen aus Schweinefilet und Bohnen mit Pimentón (im Netz nur noch auf Englisch), Fenchel mit Pinienkernen und Tomaten (lamiacucina) und neuen Kartoffeln. Sonntag mussten Möhren aufgebraucht und Mangold möglichst geerntet werden, also Mangold-Möhren-Puffer (lecker.de)