Oimohl in dr Woch nov.4

Mit dem Lernen ist das ja so eine Sache; als Pennäler tät man ja gern was lernen, wenn’s nicht so höllisch öde und so furchtbar irrelevant wäre. Drei-drei-drei bei Issos Keilerei. So what? Aber gemach, liebe Schüler, gemach! Der Herr Lehrer würd euch das doch niemals erzählen, wenn ihr nicht auch daraus etwas lernen könntet, wenn vielleicht auch etwas völlig anderes als gedacht! Eines von vielen Beispielen aus meinem ereignisreichen Leben: Erst kürzlich wurde mir im Spanisch-Unterricht folgendes Telefongespräch vor die Füße geworfen: ¡Auxilio, Pedro! Usé el teléfono nuevo de Carla para matar un insecto y lo rompí sin querer. ¿Me ayudas arreglarlo? [Hilfe, Pedro! Ich habe Carla’s neues Telefon benutzt, um ein Insekt zu töten und habe es dabei aus Versehen zerstört! Hilfst du mir, es zu reparieren?] Ihr denkt jetzt, das sei doch weltfremd und überhaupt… Der Lehrer will euch beibringen, dass es sich bei ¿Me ayudas? nicht unbedingt um eine Frage sondern um eine – je nach Situation – freundliche oder verzweifelte Aufforderung handelt. Und das kann dir tatsächlich schnurze-piep sein, weil – anders als im Englischen – ein deutsches Hilfst du mir? eine ähnliche Bedeutung hat. Was du aber wirklich daraus lernen kannst, ist Empathie. Stell dir vor, du bist fünfzehn oder sechzehn und männlich und du hast es endlich geschafft, die hübsche Carla aus der Parallelklasse in ein Café einzuladen. Dafür, dass sie immer eine hochnäsige dumme Pute war, unterhaltet ihr euch wirklich gut und sie zeigt dir voller Stolz ihr neues Handy und wie toll man damit TikTok gucken kann. Weil ihr schon zwei Tassen Kaffee getrunken habt, legt sie nach einiger Zeit das Handy auf den Tisch, sagt, sie müsse mal schnell, und du siehst ihr nach, wie sie sich aufrecht und atemberaubend entfernt, und du würdest jetzt gern die Augen schließen und von mehr träumen… Aber es ist Herbst. Und ihr seid in einem Café. Und in einem Café gibt es Kuchen. Im Herbst vor allem Zwetschgenkuchen. Und wo es Zwetschgenkuchen gibt, gibt es Wespen. Vielleicht ist sogar Spätherbst, wo die Wespen merken, dass ihre Zeit zu Ende geht und sie zu allem Überfluss auch noch böse und gemein werden. Auf jeden Fall greifst du, als so ein Biest sich auf deine Nase setzt, nach dem erstbesten Gegenstand… du weißt, worauf ich hinaus will und du weißt, dass es dir nichts helfen wird, dass du es getan hast, ohne es zu wollen – sin querer, du brauchst jetzt dringend jemand, der in maximal zwei Minuten kommt und alles wieder in Ordnung bringt. Und wie schaffst du es, dass der wirklich kommt? Denk da mal drüber nach, zum Beispiel auch auf Spanisch. [Aber bitte nicht so wie in der nächsten Lektion : ¡Yo no lancé tu teléfono al mar, fue un accidente! – Ich habe dein Telefon nicht ins Meer geworfen, es war ein Unfall!]

Am Meenig, wie mer im Schwobeländle sagt1), „musste“ die Steckrübe verarbeitet werden: Orientalischer Steckrüben-Eintopf mit Kichererbsen (kuechenlatein). Un au am Deischdig „musste“ aufgebraucht werden, nämlich Reste vom Winterlichen Biergulasch am Sonntag.

1) Nach meiner Erinnerung, es scheint da auch gewaltige regionale Unterschiede zu geben.

Und jetzt muss ich gestehen, dass es in meiner Jugend offensichtlich nie einen Mittwoch gab; dass jemand „Mittwoch“ gesagt hat, kann ich mir nicht vorstellen, aber Migda, wie mancherorts behauptet, hieß er auf jeden Fall nicht – vielleicht so: am Middwoch hemmer im Gaarde Rosekohl gholt und die Rosenkohl-Zitronen.Pasta von SchoenerTagNoch gekocht. Da ich aber ein Freund von Speck bin, und der Speck ein Freund von Rosenkohl (man muss nur mal zuerst „Rosenkohl mit Speck“ und dann zum Beispiel „Rosenkohl mit Erdbeermarmelade“ googeln, und man wird sehen, dass der Speck eindeutig die Nase vorn hat), habe ich den Rosenkohl erst blanchiert und dann mit Speck gebraten. War lecker, vor allem zusammen mit dem Asiatischen Gurkensalat (auch von Juliane), für den ich nicht genug Gurke hatte und mit Tomaten auffüllen musste. Am Dorschdig hadds ebbes Bayrisches gäbbe: Bayrisches Eisbein, Wirsing und Meerrettich-Sauce (wie hier, aber mit einem Grünkohl-Wirsing-Mix).

Pilze müssen weg, Eier, Mehl und Milch sind noch da; am Freidig also Pfannkuchen mit Pilzgemüse (hier). Auch am Samschdig musste was weg, nämlich der halbe übrige Wirsing. Und hier deutet sich auch schon der Niedergang des Blogs an. Keine Zeit und keine Lust, was Neues auszuprobieren, also einfach nochmal dieselben Wirsing-Rouladen, aufgepeppt mit Vitelotte, die KathaKocht als Teil einer Tapa-Party serviert. Auch am Sunndig nichts Neues, aber jetzt endlich mit schwarzem Reisessig: Cerdo Hiphop.

Unha vez á semana nov.3

Eigentlich, also ganz tief innen, bin ich ja Tierfreund. Und ich verstehe auch sehr gut, dass für eine ordentliche Portion – sagen wir mal – Flank Steak so viel Futtermittel angebaut werden muss, dass man damit eine ganze Schulklasse zwei Wochen vegan ernähren könnte. Und ich versuche auch, die elende, klimaschädliche Pupserei nicht kleinzureden und die ekligen Haltebedingungen nicht zu vergessen, die teilweise noch schlimmer sind als in den Flüchtlings-Auffanglagern. Und am allerliebsten esse ich ja Tofu und Seitan und trinke Hafermilch, zumindest hie und da halt. Aber ich finde, man darf es mir auch nicht zu schwer machen: Auf ARTE gibt es die Sendung Re: Oktopus aus Massenzucht. Es ist irgendwie schlimm; in Galizien (wahrscheinlich nicht nur dort) stirbt der Tintenfisch aus. Das ist schlimm für die galizischen Fischer, denen der Job wegbricht, und schlimm für die galizischen Köche, die in den Sommermonaten ihre Familie mit tausenden Portionen Pulpo a la gallega das ganze Jahr über durchbringen müssen und schlimm für die Tintenfische, die entweder mal nach den Dinosauriern schauen (aka aussterben) oder sich mit einem Leben im Schwimmbecken anfreunden können. Normalerweise wär ich jetzt wütend und traurig und verzweifelt und – aber diesmal nur hungrig. Die Sendung fängt an mit glücklichen spanischen Touristen auf sonnenbeschienenen Terrassen, die mit seligem Lächeln vor Tellern voller Pulpo a la Gallega aller Macharten sitzen. Wenn mir das Wasser im Mund zusammenläuft, kann ich mich ganz schlecht auf Probleme konzentrieren. Hätten die nicht ein paar deutsche Rentner zeigen können, die angewidert den Blick abwenden? Ich weiß, es hilft nicht, aber für alle Touristen, für alle Fischer, für alle Köche und last but not least für alle Tintenfische mach ich eine galizische Woche.

O luns, como din en Galicia, war der Schreck groß. Kein Mensch hat am Wochenende an das Projekt PS-TK 2022 gedacht (Platz Schaffen in der TiefKühl-Truhe, zweitausend zweiundzwanzig)! Besser spät als nie (auf Galizisch übrigens: Máis vale tarde que nunca)! Sowohl die Gulaschsuppe als auch Brezen und Weizenkleie-Bürli sind somit entsorgt oder doch deutlich reduziert. Eigentlich mag ich keinen gedämpften Fisch, und schon gar keine gedünstete Dorade, aber zusammen mit Bulgur und Tomaten, und wenn Herr Ottolenghi es empfiehlt? O martes also Steamed bream, red bulgur and spicy pine nuts (Guardian).

O mércores gab es Mühlviertler Speckknödel plus Salat von gerösteten Möhren, Fenchel und roten Zwiebeln; wenn jetzt jemand wissen will, wer auf diese aparte Kombination kam, hier – wahrscheinlich waren dieselben Gemüse im Haus. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, es gibt keinen Blog ohne ein Rezept für Butter Chicken. Sucht euch eines davon aus (z.B.: germanabendbrot), es lohnt sich. Bei uns o xoves also Butter-Saucen-Hühnchen mit Fladenbrot (eigentlich ja Naan, aber naan ja).

Da ich Karotten gekauft habe, obwohl noch welche da waren, und ich forsch „da fällt mir schon was ein“ gesagt haben soll, konnte ich natürlich o venres nicht „irgendwas“ kochen; die Lösung: Carotte à la bonne mère (hier, ein uralter Familien-Klassiker) mit Kartoffelpüree und Bratwürstchen. Und weil Frau T. o sábado Linsensuppe essen wollte, sagte sie einfach, da sei noch Kokosmilch im Kühlschrank, die ja wohl weg müsse; sie lernt schnell: Rote-Linsensuppe mit Curry, Tomaten und Kokosmilch (hier) mit Rustikalen Morgenbrötchen, für die Petra (🌶) eine Nachback-Empfehlung ausspricht, und die man sicher auch abends essen kann. Und o domingo war dann wirklich nichts mehr da, was aufgebraucht werden musste und ich konnte auch mal meinen Wunsch erfüllen: Winterliches Bier-Gulasch (e&t Für jeden Tag 2/22 – nicht online, aber lecker mit wenig Fleisch, viel Steckrübe, Pastinake und Karotte und dunklem Bier) mit Spätzle und Feldsalat.

Raz w tygodniu nov.2

Puh! Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich dachte immer, da draußen sei es eisig und kalt. Unwirtliche neue Zeit. Und jetzt ist da jemand da. Und zwar für mich! Nicht für euch! Ihr denkt wahrscheinlich, hinter dem Screenshot steckt ein Affiliate Link, und wenn ihr da drauf klickt, mach ich eine Mords-Kohle. Weit gefehlt! Oh, skeptische Jugend! Es geht nicht um Kohle, es geht um Wärme. Nein, Herrgott nochmal, nicht um eure vermaledeite Heiz-Rechnung, um menschliche Wärme. Menschliche Wärme, wenn ihr noch wisst, was das bedeutet. Da haben sich im Sommer viele junge hippe Menschen nicht faul am Strand geräkelt, wegen Work-Life-Balance und so, sondern im Büro über Schaltplänen und Programmier-Anweisungen geschwitzt, damit im Herbst tolle neue Geräte und Gadgets in den Stores liegen – und damit sie dann an Weihnachten wieder genug Zeit haben, um für mich da zu sein. Für mich. Toll.

Wenn w poniedziałek, jak mówią w Polsce [am Montag, wie man in Polen sagt], ein halber Wirsing rumliegt, sollte man ihn aufbrauchen: Hackbällchen mit Ziegenkäsefüllung (und eigentlich auch mit Datteln, aber das habe ich nur beim allerersten Mal gemacht; e&t) mit Kartoffelpüree und Meerrettich-Rahm-Wirsing. Und „zufälligerweise“ aus demselben Essen-und-trinken-Heft dann we wtorek ein Fisch-Duett mit Risotto.

Ich muss gestehen, dass ich das Pilz-Ragù in Mezcla beim ersten Durchlesen schnell überblättert habe, weil: das hat sie doch schon mit Ottolenghi gemacht (und ich auch) und viele Zutaten und viele Stunden und wenn ich ein Ragù will, dann mach ich halt eins. Aber das magentratzerl hat mich (dankenswerterweise) überzeugt, das Rezept nochmal rauszukramen: w środę also Steinpilz-Ragù mit Tagliatelle, einfach, in 20-30 Minuten fertig und gut. Und wenn das Buch schon mal aufgeschlagen ist, dann kann man ja auch gleich – w czwartek– eine andere „Pasta“ ausprobieren: Sauce aus gerösteten Paprikaschoten mit Omelettnudeln; bei uns mit – wenigsten selbstgemachten – Nudeln [noch nicht im Netz, aber – vielleicht bis auf ein wenig Zitrone – weitgehend Standard; ich hatte halt noch nie Paprika-Pasta gemacht].

Nicht wissend – oder ignorierend – dass St. Martin den Speisezettel deutscher Haushalte bestimmt, bin ich los, um eine Entenbrust zu kaufen. Zwei Keulen, die sonst keiner haben wollte, hab ich mir aber noch sichern können und w piątek [am Freitag] in den Ofen geschoben. Da der damit natürlich bei weitem nicht voll war, war noch Platz für ein Blech mit Ofengemüse und das Energiegewissen einigermaßen beruhigt. Weil es die ganze Woche ja kaum Pasta gab und noch ein Bund Petersilie verarbeitet werden wollte (und das Heft essen & trinken Für jeden Tag 11/2021 aufgeschlagen rumlag) gab es am Samstag, also w sobotę, Spaghetti mit Kürbiskern-Pesto (das Rezept hat sich meines Wissens nicht ins Netz verirrt, aber das Marketing-Gesäusel kann ich schonmal weitergeben: Kürbiskerne. Sie sorgen für mild-nussiges Aroma im Pesto und für den tollen Knusperfaktor on Top). Und da ich morgens erst am Geldautomat und dann auf dem Markt war – ich sollte eigentlich wissen, dass das nicht gut geht – gab es eine Vorspeise: 3 Jakobsmuscheln pro Mann* und Nase, mit Speck umhüllt, am Rosmarin-Spieß (bei der zwergenprinzessin) . Zusätzlich bin ich am Samstag noch dem guten Rat von Tohru Nakamura (SZ-Magazin) gefolgt und habe einen Blumenkohl in Buttermilch und Erdnussbutter mariniert, um ihn w niedzielę in Panko zu wälzen und als Goldbrauner Blumenkohl mit Miso-Dip auf den Tisch zu bringen.

en gang om ugen, nov.1

Ich hab da mal eine Frage. Seltene Erden heißen doch seltene Erden, weil es die überall und in so seltener Fülle gibt, dass sie niemals ausgehen, oder? Wenn ich jetzt also auf meine alten Tage eine Technologie erfinde, die auf seltenen Erden beruht, z.B. Elektro-Motoren oder Akkus oder ein anderes geiles Gadget, dann bin ich doch auf der sicheren Seite, oder? Dann gehöre ich doch zu den Guten, die den nächsten Generationen nicht nur abgeholzte Wälder, vermüllte Strände, verstrahlte Endlager und Ozeane voller Mikroplastik hinterlassen, sondern reine, gute, menschen-, tier- und umweltfreundliche Technologie aus erneuerbaren Rohstoffen, oder? Oder nicht? Jetzt sagt halt! Was mich nämlich ein kleines bisschen beunruhigt, ist das Wort „selten“. Ja, ich weiß schon: wenn Michael Jackson singt „I’m bad“, dann meint er auch nicht wirklich, dass er schlecht ist. Wörter verändern sich halt, ist schon klar. Aber ein wenig mulmig ist mir schon.

På mandag, som man siger i Danmark, fängt ja bekanntlich die Woche an. Diese Woche aber erst mal (bei uns) mit einem Feiertag, also ohne die Möglichkeit, noch schnell ein Fertiggericht zu kaufen. Dann halt eben aus den Vorräten ein Halb-Fertiggericht: wieder musste eine Dose den gemütlichen Platz im Tiefkühlschrank räumen: Tim Mälzers Rindfleischsugo mit Fusili und Feldsalat mit Kürbiskernen, Nüssen und Speck. In anderen Gegenden Deutschlands waren auch tirsdag die Läden geschlossen und aus Solidarität hatte ich auch keine Lust einzukaufen. Dank Küchentagebuch wusste ich aber, was ich trotzdem kochen könnte: Nachgekocht: Risotto mit Kürbis, Amaretti, Balsamico und Gorgonzolasauce (bei lamiacucina).

Im Keller lagert noch ein Sack Gluten wegen meiner Seitan-Experimente. 25 g davon (also 50 g Seitan) braucht Maria Luisa Scolastra, um ihn zusammen mit Wirsing in Wirsing zu packen: onsdag also Wirsing-Rouladen mit Seitan und karamellisierten Zwiebeln (SZ-Magazin) [die Zwiebeln sind bei ihr – nicht bei mir – natürlich aus Tropea, aber karamellisiert auch mit norddeutschen Zwiebeln Lækker, sehr lecker]. Ein bisschen großspurig ist es på torsdag ja schon, das Ultimative Winter-Couscous von Herrn Ottolenghi, aber halt schon auch zumindest ziemlich lecker (überall im Netz und natürlich auch hier).

På fredag gab es bayrische Brezen mit bayerischen Leberknödeln („frei“ nach Schuhbeck klingt im Moment ein bisschen komisch), weil beim Metzger ein Schild hing: Wir können auch bayrisch! Nein, aber ich! Und på lørdag gings mit Herrn Lafer (noch auf freiem Fuß) nach Österreich: Majoranfleisch mit Bandnudeln. Nirgends im Netz, aber Majoranfleisch scheint in Ö. recht beliebt, wobei ich nicht glaube, dass vier Österreicher von ein wenig Fleisch und 130g Nudeln satt werden. [In Lafers „Meine besten Rezepte“ mit Rinder-Geschnetzeltem und Zwiebelsauce; ich hatte 2 Gründe, das auszugraben: mein gepäppelter Majoran im Garten wurde kaum benutzt und wird wahrscheinlich nicht mehr allzu lange zur Verfügung stehen, und Herr Lafer badet die gekochten Nudeln in Sahne und Butter. Sahne und Butter – damit hat er mich]. Schließlich wurden på søndag die Reste in der Käseschublade sondiert und für Pasta mit Käsesauce genutzt, sozusagen pasta ai quattro formaggi – quatsch, Moment, ich muss schnell nachzählen: mindestens 6, also pasta con almeno sei formaggi (und mit Knoblauch, Chili und Walnuss; zusammen mit Feldsalat).

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