Inter-Regio

Es gab ja hier eine kleine Blog-Pause. Nicht dass ich vorhabe, zukünftig jede Pause zu begründen, aber diesmal war ich ein paar Tage auf einem Familienfest und bin  gestern mit dem Zug zurückgefahren. Dazu musste ich erst mal mit etwas, das sich S-Bahn nennt, Richtung Karlsruhe. Und kaum hatte ich mich gesetzt, da kam eine Durchsage (Ortsname verfremdet): „Nächste Haltestelle ‚Lauschden‘; Zug hält nur bei Bedarf!“

Und wenn man im Nachbarort aufgewachsen ist, dann fragt man sich natürlich, wo um alles in der Welt denn da der Bedarf entstehen soll, kurz: hätte man sich diesen Halt denn nicht gleich sparen können? Fremde Menschen haben doch keinen Grund  da  auszusteigen, und Einheimische, die zusteigen könnten, müssten ja clever genug sein, fliehen zu wollen – und solche Menschen wohnen dort prinzipiell nicht.

Aber der Zug hat gehalten. Der Bedarf war offensichtlich da. Mehrere Menschen sind eingestiegen – ohne Gepäck, also noch nicht mal auf der Flucht – und andere sind ausgestiegen – ohne Ekel und Verachtung im Gesicht. In  meiner Kindheit, als eine Fehde noch eine Fehde war und immer mit dem Wohnort zu tun hatte, wäre das nicht möglich gewesen! Aber heute scheint man das Nachbardorf genau so leicht erreichen zu können wie – sagen wir einmal – Barcelona, New York oder Hongkong. Der Sieg der Globalisierung und das Ende der Regionen – traurig.

Nur in der Küche, da feiert die Regionalität fröhliche Urständ  und blüht richtig auf – trotz Subway, McDonalds und Vapiano. Und jetzt kommt  der eigentliche Skandal: Obwohl ich vier Tage im Schwäbischen war, gabs nicht ein Mal, kein einziges Mal Spätzle! Eigentlich undenkbar oder – aus einer anderen Sicht – unentschuldbar!

Deshalb muss es heute in der Lüneburger Heide welche geben, sozusagen Spätzle mit Migrationshintergrund. Das Küchentagebuch:

  • Spätzle und Geschnetzeltes mit Sahne-Bechamel mit Kopfsalat
  • Marmorierte Mousse au Chocolat
Marmorierte Mousse au Chocolat

Und warum?

  • Spätzle waren wie gesagt gesetzt. Linsen wären möglich gewesen, aber ohne Saiten wollte ich das dann auch nicht machen
  • Wenn man ein paar Tage weg war, empfiehlt es sich, sich bei der Familie wieder einzuschleimen, damit die sehen, wie sehr man gefehlt hat. Zumindest in unserer Familie gibt es dazu kein besseres Mittel als dieses Dessert.

Und wie?

  • In den Spätzlekrieg (mit oder ohne Salz, mit oder ohne Wasser, von Hand oder mit dem „Spätzleschwob“) will ich mich nicht einmischen, das kann sich jeder aussuchen. Für das Geschnetzelte eine helle Kalbsrahmrahmsauce vorbereiten, d.h. 1 Schalotte (feingehackt) in 30 g Butter andünsten, 15 g Mehl einrühren und 5-6 Minuten bei milder Hitze anschwitzen. ¼ l erwärmten Kalbsfond nach und nach unterrühren, dann mit ¼ l Sahne aufgießen, salzen und pfeffern und bei milder Hitze auf ca. 400 ml einkochen lassen. Durch ein feines Sieb gießen und im Wasserbad warm halten.
    Dann 600 g Kalbsrücken schnetzeln, mit Pfeffer und Parikapulver (edelsüß) einreiben, salzen und (in 2 Portionen) in je 2 EL Öl in einer sehr heißen Pfanne von allen Seiten goldbraun anbraten. Sofort aus der Pfanne nehmen und in ein Sieb geben. Fleischsaft auffangen.
    In derselben Pfanne 100 g Schalotten und 200 g gescheibelte Champignons anbraten, mit 80 ml Weißwein ablöschen und vollständig einkochen lassen, dann mit der Kalbsrahmsauce und dem aufgefangenen Fleischsaft aufkochen lassen und mit Salz und Pfeffer würzen. Das Kalbfleisch mit in die Sauce geben und erwärmen. Eventuell mit Petersilie bestreuen.
  • Eine schwarze Mousse zubereiten, eine weiße Mousse zubereiten. Sich keine Sorgen wegen der doppelten Menge machen. Abwechselnd in eine Schüssel schichten und mit einer Gabel spiralförmig durchmischen.

Fazit

  • Migrationsspätzle sind überhaupt kein Problem, unter anderem, weil meine Mutter zum Beispiel noch nie etwas von Spätzlesmehl gehört hat, das es hier in der Tat nicht gäbe. Das Geschnetzelte musste ich – aus unerfindlichen Gründen – mit Schweinefilet zubereiten. Warum fängt es eigentlich immer zu regnen an, wenn ich Salat und Schalotten ernten will?
  • Es hat geklappt, das Einschleimen.

 

Zusatzstoffe

Seit Tagen geht mir das Wort Zusatzstoffe nicht mehr aus dem Sinn. Genauer seit ich gelesen habe, dass es hier in der Nähe, auf dem Hamburger Großmarkt, ein Deutsches Zusatzstoff-Museum gibt. Ja gut, der Hauptsponsor ist die Firma Frosta. Das muss ja noch nicht ehrenrührig sein. Und die wissenschaftliche Konzeption stammt von Udo Pollmer. Ich bin Udo-Pollmer-Fan der ersten Stunde, wenn auch oder gerade weil er sich immer wieder verheddert und regelmäßig ein „Was sagt er denn jetzt schon wieder?“ auslöst.

Ich will da natürlich hin. Mich ein wenig ekeln, ein wenig empören und ein wenig von der guten alten Zeit schwärmen und dann nach Hause fahren und eine Karotte mit zwei Trieben ernten. Doch, solche Möhren gibt es! Halt nicht im Supermarkt, aber auf dem Feld kommen sie schon vor. Nur werden sie dann sofort vermulcht und untergepflügt, weil das ja keiner kaufen würde. Und dann habe ich wieder ein reines Gewissen und kann für ein paar Tage unbesorgt Eier auf dem Wochenmarkt kaufen, ohne nach dem Vornamen der Henne fragen zu müssen, und kann Sahne mit Carrageen kaufen, weil für richtige Sahne müsste ich weiter fahren, die gibts hier nicht um die Ecke.

Und vielleicht lerne ich auch ein wenig darüber, was Zusatzstoffe eigentlich sind. Salz und Pfeffer, zum Beispiel, waren wohl die erste Zusätze, und ich will sie nicht missen müssen. Auf das Galle-Sekret von Fledermäusen, das von den alten Römern gerne zugesetzt wurde, meine ich verzichten zu können, habe es allerdings nie probiert.

Um Gotteswillen, nein! Ich will das Problem nicht herunterspielen! Gott bewahre! Zusatzstoffe sind böse – keine Frage. Aber was ich halt immer vermisse, sind ein paar Adjektive. Giftige Zusatzstoffe, zum Beispiel oder eklige Zusatzstoffe, von mir aus, oder in-der-Wirkung-unerforschte Zusatzstoffe. So was in der Richtung.

Über Zusätze einfach so kann ich mich nämlich nicht richtig echauffieren. Worüber ich mich aber wirklich aufregen könnte, sind unnötige Zusatzstoffe oder spart-Geld-und-merkt-keiner-Zusatzstoffe. Und wenn ich schon beim Aufregen bin, dann mache ich halt gleich weiter mit undeklarierten Zusatzstoffen oder – noch schlimmer – umdeklarierten Zusatzsoffen oder anders gesagt: Hefeextrakt statt Glutamat und natürliche Fette statt ausrangiertes Getriebeöl.

Ich glaub, ich fahr da einfach mal hin.

Im Küchentagebuch hat es mich schon wieder erwischt. Möhrencurry – ein Rezept von 1990. Ich habe gar nicht versucht, einen Link zu finden, sondern selbst einen gebastelt – ich hoffe, eventuelle Urheberrechtsverletzungen sind inzwischen verjährt:

Und warum?

  • Bevor ich wegfahre muss noch ein wenig Ordnung ins Gemüsebeet. Und der Schweinenacken auf einem „Schnellen Teller“ im Effilee schien mir passend. Ich bin ja kein Fan von Fertig-Saucen, aber diese Hoisin-Sauce hats mir angetan.
  • Es gibt tatsächlich noch August-Erdbeeren im Garten. Obwohl ich sie mit einem Kalender besucht habe auf dem deutlich der Monat September zu erkennen war! Es ist einfach kein Verlass mehr auf die Natur.

 

Hunger

Am Letzten des Monats ist es Zeit, sich Gedanken über die allfällige Ebbe in der Haushaltskasse zu machen. (Seit ich in den Norden gezogen bin, benutze ich offensichtlich verstärkt maritime Bilder.) Ein nicht unwesentlicher Grund für die kontinuierliche Abnahme des Füllstandes ist sicherlich der tägliche Einkauf. Dieser wiederum ist oft nicht aufschiebbar, weil ein oder mehrere Familienmitglieder von einem merkwürdigen Phänomen heimgesucht werden: dem Hunger.

Nun hat Hunger laut Wikipedia nichts, aber auch gar nichts mit dem Magen zu tun – wenn man mal das Magenknurren, also die bei leerem Magen zunehmenden Kontraktionen der Magenwände, als physische Reaktion außer Acht lässt. Das ist deshalb recht gut erforscht, weil die wachsende Industrie der Appetitzügler daran natürlich ein berechtigtes Interesse verspürt. Man sollte diese Erkenntnisse doch aber auch gewinnbringend für etwaige Einkaufsvermeidungsstrategien anwenden können.

Wenn es dem Hunger nämlich egal ist, ob oder was sich im Magen befindet, dann sollte es doch auch möglich sein, ihm – dem Magen – etwas unterzujubeln, was vielleicht nicht richtig sättigt, sich aber – vielleicht deshalb – noch im Budgetrahmen befindet. Hinderlich bei diesem Ansatz sind dann aber der Zellstoffwechsel, bei dem irgendwelche Messgeräte im Körper den eingefüllten Stoff wohl penibel auf Tauglichkeit überprüfen, und der Hypothalamus, der wieder einmal im lateralen Bereich die Verantwortung für „Hunger“, aber im ventromedialen Bereich für „Sättigung“ zuständig ist (siehe Hypothesen zur Regulierung des Hungers auf DEBInet). So richtig erforscht scheint das alles aber noch nicht zu sein, und was so kompliziert ist, muss auch Schwachstellen haben.

Es lohnt sich also etwas weiter zu stöbern, auch wenn man Glyx-Diäten und „Anti-Hungergefühl-Pillen“ nicht unbedingt einsetzen möchte. Da haben zum Beispiel 1999 Forscher der Pennsylvania State Univerisity einen Hühnereintopf mit Reis gekocht und drei Gruppen von Frauen als Vorspeise kredenzt. Gruppe 1 bekam den Eintopf, Gruppe 2 den Eintopf als Suppe (mit 350 ml Wasser) und Gruppe 3 den Eintopf zusammen mit 350 ml Wasser im Trinkglas. Und dann wurde gemessen, wie sehr ihr Hunger zurückgegangen war, wie viel sie also vom nachfolgenden Hauptgang noch gegessen haben. Ergebnis: Gruppe 2 nahm sich über ein Viertel weniger vom Hauptgericht als die beiden anderen Gruppen. Das leuchtet bei Gruppe 1 ja auch ein – sie haben schließlich weniger gegessen, zwar nicht weniger Kalorien, aber weniger Menge. Bei Gruppe 3 allerdings stimmt das nicht mehr, Menge und Wirkstoffe waren exakt identisch mit Gruppe 2. Aber nicht etwa, dass die Gruppe 2 dann wenig später einen Schokoriegel eingeschoben hätte: „Subjects did not compensate at dinner for this reduction in lunch intake.“ (Rolls, B. J. et al [1999], Water incorporated into food but not served with a food decreases energy intake in lean women. The American Journal of Clinical Nutrition 70, S.448ff). Und das bedeutet: Wasser in den Eintopf! Wirkt und ist (immer noch) relativ preiswert.

Bis zum nächsten Ultimo muss das noch verfeinert werden. Im Küchentagebuch ist zu notieren:

  • Fischkroketten (Croquetas de pescado)
  • Pfifferlings-Risotto
  • Karamell-Eis mit Apple Crisp
Croquetas de Pescado

Und warum?

  • Eigentlich habe ich ein ganz anderes Rezept gesucht und plötzlich waren die Kroketten da. Früher mal ein Familienliebling und ewig nicht mehr zubereitet. Aber heute!
  • Dienstag ist Markttag. An Pfifferlingen kann ich selten vorbeigehen, zumal sie im Unterschied zu Steinpilzen noch nicht nach Herbst riechen. Und Weinnase hat gestern die Vorlage geliefert.
  • Gestern gab es Apple-Crisp mit Eis. Heute jetzt also Eis mit Apple-Crisp.

Und wie?

  • 200 g Shrimps 1-2 Minuten in Salzwasser kochen, abseihen und Kochsud aufbewahren. 200 g Seehecht mit einem Stück Zwiebel und etwas Petersilie 5 Minuten in Salzwasser garen, abseihen und Kochsud mit dem der Shrimps aufbewahren.
    Shrimps schälen und in Stücke schneiden, Fischfleisch zerkleinern und entgräten. In einer Pfanne mit etwas Öl 1 Zwiebel (kleingehackt) anrösten. Wenn sie eine goldgelbe Farbe angenommen hat, das Fischfleisch und die Shrimps beigeben und 1 Minute lang schwenken.
    In einer Kasserolle 2 Löffel Butter zerlassen und 4-5 Löffel Mehl anrösten. Mit Milch und Fischbrühe eine Bechamel bereiten, mit Salz würzen und Fisch und Shrimps gut untermischen. Auf einem flachen Teller ausbreiten und abkühlen lassen.
    Anschließend mit den Händen Kroketten formen und einzeln in Semmelbrösel drehen, durch 1 Ei (geschlagen) ziehen und nochmal in Semmelbrösel wenden. In reichlich heißem Öl backen bis sie goldgelb sind.
  • Im Unterschied zu MannKannsEssen.de die Pfifferlinge separat angebraten und später untergehoben.
  • Umgedreht servieren, damit die Reihenfolge deutlich wird.

Fazit

  • „Das gabs aber schon lang nicht mehr. Kann ich noch eine haben?“
  • „Waren die Pilze teuer?“ – „Nö.“ – „Könntest du öfter machen.“
  • „Boaah, ich kann nicht mehr!“

Fast Food

Beim Weg auf den Markt komme ich am „Brotkorb“ vorbei, einem Laden mit belegten Semmeln. Und dort hatte ich heute zum ersten Mal Muße, die Auslage zu betrachten. Gleich fiel mir ein „Flens-Burger“ ins Auge und im Weiterschlendern kam mir dann der „Würz-Burger“ in den Sinn und die Frage, welches Gewürz wohl für Franken typisch sein mag, oder ob das vielleicht gar keine Rolle spiele.

Ich fand Gefallen an dieser Art Gericht – ich mag übrigens auch die neuen Namen von Friseursalons, obwohl ich es immer noch nicht begreifen will, warum sich heute ausgerechnet (überwiegend blonde) Friseusen an Wortspielen ergötzen -und war auf dem Nachhauseweg bereits beim „Rothen-Burger“ angelangt, den ich mir – mit einer Stuttgarter roten Wurst – apart als Kreuzung zwischen Hot-Dog und Frikadelle vorstellte.

Zuhause angelangt kam mir dann aber unversehens ein (etwas älterer) Artikel in Spiegel-Online-Wissenschaft in die Hände: Junkfood lässt Gehirn schrumpfen! Und als würde das nicht reichen, sei das Ganze auch noch ein Teufelskreis, weil durch das reduzierte Gehirn bzw. die nun durchlässige Blut-Hirn-Schranke das Verhalten, primär das Essverhalten, nun völlig Amok liefe und dadurch …

Nur durch langes, tiefes Durchatmen gelang es mir halbwegs, aufkommende Panikattacken und phantasierte Endzeit-Szenarien nieder zu halten und weiter zu forschen. Für „junk food macht dumm“ findet Freund Google immerhin „ungefähr 26.000 Ergebnisse (in 0,26 Sekunden)“. Schluck!

Wie zum Beweis der These gibt es bei mail.gruene-mail.de auch gleich die Antwort auf die Was-Tun-Und-Wie-Frage: „mit Schüssler-Salzen!“ , sofern „calcium fluoratum mit Rhus toxicodendron zusammenpasst“. Hilfe! Ist das das Ende meiner Burger-Träume?

Aber in solchen – manchmal sogar in noch aussichtloseren – Fällen hilft immer ein Blick in die EU.L.E. Und siehe da: Oberstübchen in Gefahr. Erleichterung – alles halb so schlimm. Schließlich war für heute ja eine Art deutscher Fast Food geplant: Badischer Flammkuchen. (Hoffentlich löst das jetzt keine Grenzkonflikte im Elsass aus oder gar diplomatische Verwicklungen, wo Frau Merkel und Herr Sarkozy sich doch gerade wieder lieb haben.)

Im Küchentagebuch sind deshalb allerhand Reste aus dem Kühlschrank zu vermelden, umrahmt von:

  • Badischem Flammkuchen
  • Apple-Crisp

Und warum?

  • auch 10 übriggebliebene Gramm Hefe wollen ja aufgebraucht werden
  • die Apfel-Ernte wirft ihre Schatten voraus

Und wie?

  • 10 g Hefe in 70-80 ml warmem Wasser auflösen und in einer Schüssel mit 100 g Mehl, 25 g Roggenmehl, 2 EL Öl und je einer Prise Salz und Zucker vermengen. Zu einem geschmeidigen Teig kneten und 1 Stunde an einem warmen Ort gehen lassen.
    1 Eigelb mit 50 g Creme fraiche und 1 EL Schlagsahne vermengen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen.
    1 Bund Frühlingszwiebel putzen, längs halbieren und das Weiße und Hellgrüne in 3 cm lange Stücke schneiden. 30 Sekunden in kochendem Wasser blanchieren, abschrecken und gut abtropfen lassen.
    Arbeitsfläche leicht bemehlen und Teig zu sehr dünnen Fladen ausrollen, mit 2/3 der Ei-Mischung bestreichen, mit Zwiebeln belegen und den Rest der Eimischung darüber gießen. Im vorgeheizten (sehr heißen , mit Pizzastein bestückten) Ofen knusprig backen. Mit dünn geschnittenem Schwarzwälder Schinken bestreuen und servieren. (3-4 Personen als Vorspeise)
  • aus 100 g braunem Zucker, 45 g Mehl, 30 g Haferflocken, gemahlenem Zimt und 100 g weicher Butter Streusel kneten.
    400 g Äpfel entkernen und fein scheibeln. In eine Gratinform geben, mit den Streuseln bestreuen und im vorgeheizten Ofen ca. 30 Minuten bei 180° backen.
    Mit Vanille-Eis servieren. (3-4 Personen)

 

Däne-Mark

Denen Dänen, die Dänen dehnen, sei gesagt: ruhig weitermassieren. Und kräftig mitzählen, aber nicht weiter als bis zehn! Dann lieber von vorne anfangen, sonst wirds kompliziert.

Dass kleine Franzosen schön beim Zählen rechnen müssen – 4 x 20 + 10 + 9 = quatre-vingt-dix-neuf = 99 zum Beispiel – hat man kopfschüttelnd akzeptiert und beruhigt festgestellt, dass es offensichtlich keine größeren Auswirkungen auf die Finanzmärkte hat.

Man glaubt, das seien Überreste eines Zwanzigersystems, das noch hie und da durch das heute übliche Dezimalsystem durchscheint, bei den Franzosen halt zwischen 60 und 80, mit ein paar Purzelbäumen zwischen 80 und 100 – aber so kompliziert wie bei 99 wird es recht selten.

Dr. Bopp musste jetzt aber der Frage nachgehen, warum es im Englischen z.B. twenty-one, im Deutschen aber ein-und-zwanzig heißt, wo die deutsche Reihenfolge doch beim Mitnotieren von Zahlen sehr hinderlich sei. Eine lesenswerte Erörterung. Bei der aber ein Leserkommentar den Vogel abschießt, wenn er von den Dänen berichtet, die sich aus allen Sprachen das Komplizierte zum eigenen Gebrauch herausgepickt haben – und dann noch in der Lage waren, einen drauf zu setzen.

Ab dem halben Hundert gibt es auch in Dänemark eine Art Zwanzigersystem. So heißt sechzig folglich tresindstyve, also drei mal zwanzig. Oder 80=firsindstyve, also 4 x 20. Soweit kommt uns das ja bekannt vor, dämlich zwar, aber bekannt. Bei den Zehnern dazwischen aber, die nicht durch zwanzig teilbar sind, haben sie sich was Neues einfallen lassen:

50 = halvtredsindstyve = halvtredje sinds tyve = halb drei mal zwanzig
70 = halvfjerdsindstyve = halvfjerde sinds tyve = halb vier mal zwanzig
90 = halvfemsindstyve = halvfemte sinds tyve = halb fünf mal zwanzig

Und der Leserkommentator meint, „das System funktioniert wie bei den Uhrzeiten, d.h. «halvtredje» («halb drei» oder eigentlich besser «die Hälfte vom Dritten») bedeutet «auf halbem Weg zwischen zwei und drei» = zweieinhalb.“ Zum Nachrechnen: 77 = syvoghalvfjerds = sieben und halb vier (mal zwanzig). Klar, oder?

Womit wir die Dänen beiseitelegen und uns dem zweiten Teil der Überschrift widmen können: dem Mark. Heute in der Form von Kalbshaxenscheiben.

Küchentagebuch:

  • Ossobuco im Bratschlauch mit Morchel-Polenta
  • Schokoladecreme mit Zwetschgenröster

Und warum?

  • Kalb! Nehm ich. Geschnitten, am Stück, gerollt, halbiert, geviertelt? Egal.
    Im Bratschlauch dagegen, das hat einiger Überlegung bedurft. Ein uraltes Rezept aus Essen & Trinken, im Netz gibt es aber hier (ohne Quellenangabe) die exakten Angaben. Es schmeckt sehr gut, der Weißwein gibt dem Gemüse ein herrliches Safterl, aber es ist halt nicht geschmort. Geschmort kann ich das ja – wie Arthurs Tochter – demnächst  mal mit Rinder-Beinscheiben machen.
  • Aus den nicht-versafteten, nicht-vermarmeladeten, nicht-verkuchten, nicht-verbackenen Zwetschgen habe ich noch eine größere Portion Zwetschgenröster übrig.

Fazit

  • Wenn man das nicht Ossobuco nennen würde, wäre manches leichter. Auf jeden Fall eine angenehme und wohlschmeckende Art, Kalbshaxenscheiben zuzubereiten. Aber halt nicht geschmort.
  • Erstaunlicherweise kommen mir die Zwetschgen immer noch nicht zu den Ohren raus – und die Familie meckert auch noch nicht. Aber ein bisschen Erleichterung und Vorfreude auf die zwetschgenfreie Zeit stellt sich schon ein – klammheimlich.

 

Schuh-Land-Heim

Diese Wort ist mir zugetragen worden, ich glaube von meinem Sohn. Ich hab es nur gehört, nie gelesen, weiß also nicht, ob es zusammen geschrieben wird, mit Bindestrichen oder – vielleicht als Aufzählung – völlig getrennt. Der Schuh, das Land, das Heim – wenn es die Heimat hieße, dann wäre es wenigstens eines der seltenen Wörter, in denen alle drei grammatikalischen Geschlechter vorkommen. Würde aber genau so wenig Sinn ergeben.

„Ich geh mit dem Schuh aufs Land und wieder heim.“ Könnte die ziemlich maulfaule Geschichte eines Bauernjungen im letzten Jahrhundert sein. Bliebe aber immer noch offen, was er damit sagen will. Wieso mit dem Schuh? Hat er nur einen? Und warum geht er dann aufs Land und nicht in die Stadt, wo der Schuhmacher wohnt? Und auf dem Heimweg, hat er da endlich ein Paar?

Sohn T. schaut mir über die Schulter und meint: „Da fehlt noch: auf Enthalt!“ und ich solle endlich unterschreiben. Nochmal: Schuh-Land-Heim-auf-Enthalt. Enthalt sagt mir gar nichts, ich kenne nur auf Entzug, sicher hat er das falsch verstanden. Also Schuh-Land-Heim-auf-Entzug. Womit der Bauernjunge endgültig aus dem Rennen wäre, weil auf der Alm da wird vielleicht gejodelt, aber keine Drogen gibt’s da nicht, und also auch keinen Entzug. Eine neue Theorie muss her. Ich kann doch nichts unterschreiben, was ich nicht verstehe.

Ein drogensüchtiger einbeiniger (verdreckte Spritze – Embolie – Amputation!) Junge verlässt humpelnd das Land auf seinem Schuh und will erst wieder heim kommen (oder ins Heim kommen?), wenn er auf Entzug ist. Was mir – ohne dem armen Jungen zu nahe treten zu wollen – auch nicht recht einleuchten will. Wieso erst dann? Und wieso überhaupt? Und warum fährt er nicht mit der Bahn?

Ich komme im Moment nicht richtig weiter. Ich unterschreib dann nach dem Essen. Erst mal brat ich die Knödel an und dann schreib ich noch kurz das Küchentagebuch:

  • Gebratene Brezen-Weißwurst-Knödel mit Salat
  • Schottischer Trinkspruch von gestern

Und warum?

  • Hier im Norden, könnte man denken, gibt’s doch keine Weißwürste! Öha und was für welche. Wenn ich mich richtig erinnere, ist sogar Deutschlands beste Weißwurst aus Hamburg. Und auch unser Metzger im Ort hat welche im Angebot – ziemlich lecker, aber zugegeben: die Konsistenz lädt nicht zum Zuzeln ein. Wahrscheinlich gibt’s kein Kalb.
    Für die Brezen allerdings würde ich jedem Norddeutschen raten, bis mindestens Stuttgart in südliche Richtung zu fahren – Brezen könnt ihr nämlich nicht.
  • Länger als einen Tag hält so ein Trifle nicht. Aber der eine Tag tut ihm gut.

Und wie?

  • Keine Ahnung, wo das Rezept her ist, aber Herr Schuhbeck täts ähnlich machen: 250 ml Milch erwärmen, mit 2 Eiern, Salz, Pfeffer und Muskat vermischen und über 250 g gewürfelte Brezen gießen. 1 gewürfelte Zwiebel glasig dünsten und mit 2 gehäuteten und gewürfelten Weißwürsten und 2 EL Petersilie zur Brezenmasse geben. In Alu- und Frischhaltefolie zu einer länglichen Rolle formen und ca. 30 Minuten in siedendem Wasser garen. Abkühlen lassen, in Scheiben schneiden und in 1 EL Öl auf beiden Seiten kross anbraten. Mit Salat servieren.

Fazit

  • Frau T. will nur noch Salat aus dem Garten essen. Ein paar Wochen ist das kein Problem, aber dann muss ich mir was einfallen lassen.

 

Ordnung halten

Frau T. und ich haben ein Agreement: ich koche und sie spült ab (und räumt auf und macht sauber und …). Da mögen nun einige meinen, das sei aber eine kommode Vereinbarung – für mich. Mit ein wenig Selbstbewusstsein könnte ich natürlich einwenden, es sei auch eine kommode Vereinbarung für alle anderen. Aber ich mag hier keine Diskussion über feminines Rollenverständnis und maskuline Dominanz und deren frühkindliche Verankerung entfachen, nur vorsichtig versichern, dass ich mich natürlich – wenn auch oft vergeblich – bemühe, die Höhe der sich türmenden Schüsselchen und Gäbelchen und Pfännchen und Töpfchen möglichst gering zu halten, obwohl ich manchmal das Gefühl habe, bei jedem „EL“ im Rezept gehe tatsächlich ein neuer Esslöffel über den Jordan, also ins Spülbecken.

Warum ich jetzt darauf zu sprechen komme, hat mit dem unsäglichen Küchentagebuch zu tun, in dem heute ein Gericht aus der Zeitschrift „Essen & Trinken“ Jahrgang 1990 erwähnt werden wird. Natürlich gibt es für Gerichte aus jener grauen Vorzeit auch keinen brauchbaren Link und sei es wieder mal einer ohne Bild. Allerdings ginge es mir heute gerade um das Bild.

Obwohl die Zeitschriftenstapel den neuesten Umzug nicht mehr mitmachen durften und vielleicht auch gar nicht wollten, habe ich noch sehr deutlich das Bild in Erinnerung, das mich damals sofort in Bann zog. Ein Blick in eine runde Pfanne, die vom Koch säuberlich in Kreissegmente eingeteilt war, und in jedem dieser Segmente war eine der überschaubaren Zutaten appetitlich separiert und drapiert. Ursus Wehrli – s. gestrigen Post oder hier – hätte seine wahre Freude daran gehabt; ich hab mal versucht, das nachzustellen:

Ordentliche Pfanne

Seither denke ich: So müsste professionelles Kochen gehen. Überschaubare aber harmonierende Zutaten, ordentlich in einer Pfanne gebraten – und: köstlich!

Penne mit Kalbsleber, Champignons und Salbei

Zutaten

(für 4-6 3-4 Portionen)

50 g Schalotten – 150 g große rosa Champignons – 250 g Kalbsleber – Salz – 2 El Öl – 250 g Penne (ersatzweise in Stücke gebrochene Makkaroni) – 2 El Olivenöl – 2 El Butter – 24 kleine Salbeiblättchen – Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung

Schalotten pellen und in Scheiben schneiden. Champignons putzen, waschen und in Scheiben schneiden. Kalbsleber in dünne Streifen schneiden.

In einem großen Topf reichlich Salzwasser mit dem Öl zum Kochen bringen und die Nudeln darin nach Vorschrift auf der Packung garen.

Inzwischen Olivenöl und Butter in einer großen Pfanne (30 cm Ø) erhitzen. Schalotten, Champignons, Leber und Salbei nebeneinander in die Pfanne geben (siehe Foto) und etwa 5 Minuten braten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Dann alles miteinander mischen (schluchz) und mit etwas Nudelwasser ablöschen.

Die Nudeln in einem Durchschlag abtropfen lassen und mit der Leber, den Champignons, den Schalotten und den Salbeiblättern mischen.

Und damit zum Küchentagebuch:

  • Penne mit Kalbsleber, Champignons und Salbei (und Schalotten, Ehre wem Ehre gebührt)
  • Slainte Mhath von weinnase

Und warum?

  • Der Metzger hatte schon wieder frische Kalbsleber – irgendwo müssen da auch Kälbchen rumrennen- Die ersten Schalotten aus dem Garten!
  • Weil ich nie gedacht hätte, dass aus dieser Pampe jemals eine Schokoladencreme wird – wird aber. Und weil man bei der Zubereitung nebenbei Marillion (http://youtu.be/m35DdsuM5Oo) hören kann.

Fazit

  • Ruckzuck abgespült. Und wohlschmeckend.
  • Prost!

 

Nudelsuppe

„Paula hat eine Nudelsuppe mit Ochs gegessen, da wenn man nicht aufpasst, spritzt einem bei jedem Löffel alles aufs Kleid. Die Nudeln rutschen runter und platschen in die Suppe. Und man hängt ja mit dem Kopf drüber. Anders kann man nicht Suppe essen.“ (Friedrich Ani, Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels)

Warum gibt es eigentlich bei uns nie Nudelsuppe? Flädlesuppe, Leberknödelsuppe, Griesklößchen-, sogar Markklößchen-Suppe, aber niemals Nudelsuppe. An frühkindliche Traumata kann ich mich nicht erinnern, aber das ist bei Traumata oft so; wahrscheinlich jedoch einfach Gedankenlosigkeit und Phantasiemangel. Also: Suppennudeln kaufen, am besten Buchstaben. Und dann räum ich sie auf wie Ursus Wehrli (z.B. im Magazin der Süddeutschen Zeitung letzten Freitag). Wenn ich sie alphabetisch anordne, dann reicht’s vielleicht auch für ein „Gericht mit N„.

Blog-Event LXXI - Rezepte mit N (Einsendeschluss 15. September 2011)

Das Küchentagebuch

Und warum?

  • Dem Trauma auf der Spur? Von der Schweizer Ordnung fasziniert? Endlich mal wieder Nudelsuppe? Ja, ich glaub, das wars – und wenn es die Knödel als süßes Hauptgericht gibt, schadet ein wenig umami vorneweg bestimmt nicht.
  • Zwetschgenschwemme trotz nachbarschaftlicher Hilfe. Und langsam lerne ich die Semantik des Wortes „überreif“ kennen. Na ja und den Hefewürfel, den ich eigentlich für Flammkuchen gekauft hab, kann ich damit auch entsorgen.

Fazit

  • Dass man jetzt auch noch beim Suppe essen eine Brille braucht, macht mich nachdenklich. Aber Fakt ist: Ich hab kein N gefunden und: ich glaube, Sohn T. hat das Buch von Ani auch schon gelesen…
  • Wer wie Frau T. einen Kartoffelteig erwartet, der kann mal bei Effilee nachschauen; ich fand die Hefeknödel sehr delikat.

Sommer-Kino

Niedersächsische Provinz, Teil 2: Kultur. Es ist bei weitem nicht so, dass der Kulturteil der Lokalzeitung leer wäre. Da sind Schützenfeste, Feuerwehrfeste, aktuell das Heideblütenfest mit Krönung der Heideprinzessin (oder -königin?). Es gibt „Music in the City“ (gestern Reggae aus Freiburg) und kürzlich war Herr Struck hier, um sein Buch vorzustellen. Wenn man ein bisschen fährt, dann gibt es Kabarettabende und Jazzfestivals und manchmal verirrt sich sogar ein Hamburger Theater hierher oder in die Nähe.

Es ist aber auch nicht so, dass hier der kulturelle Bär steppt. Am meisten fällt mir das auf bei Buchhandlungen und bei Kinos. Beides gibt es, aber bei beidem scheine ich anspruchsvoller zu sein als es einer ausgeglichenen Gemütslage gut tut. Ich möchte in einer Buchhandlung nicht nur über die Bücher stolpern, die ich auch im Supermarkt finden könnte. Und ich will nicht die Filme sehen, die hier bis zum Erbrechen laufen: Harry Potter, Planet der Affen, Captain America. Vielleicht bin ich da komisch.

Deshalb war es heute allerhöchste Zeit, einen Ausflug nach Lüneburg zu machen. Dort gibt es ein Programmkino, wie man es hier nicht erwarten würde. Und deshalb gab es heute Woody Allen. Midnight in Paris. In der Nachmittags-Vorstellung. Bei herrlichem Sonnenschein. Schön! Der schönste Film, den ich seit langem gesehen habe. Und anschließend am Stintmarkt noch einen Cappucino in der Abendsonne. Ich fühl mich richtig aufgetankt.

Weil der Entschluss aber recht spontan kam, leidet das Küchentagebuch ein wenig:

  • Frische Nordseekrabben (ungepult)

Und warum?

  • Habe ich noch nie gegessen. Wollte ich aber mal.

Und wie?

  • Ich weiß jetzt, warum man Nordseekrabben zum Pulen nach Afrika schippert. Aber kurz vor dem Verhungern hatte ich den Dreh beinahe raus. Pur, mit Butterbrot.

Linsen-Gericht

Selten wird die Überlebensfähigkeit eines Menschen mehr gefordert als wenn er – mental nur unzureichend vorbereitet – von der bayerischen Landeshauptstadt in die niedersächsische Provinz zieht. Kulinarisch, hauptsächlich.

An unserem ersten Wochenende sind wir in die Nachbarstadt zum Wochenmarkt gefahren. Ich war vom Angebot angenehm überrascht und habe auch sofort ein schönes Salbei-Pflänzchen gekauft, als Starter für Küche und Garten. Und weil sich die Küche noch in einem teilfunktionalen Zustand befand, war auch gleich die Idee geboren, abends ein Saltimbocca zu machen, der Grundstein war ja gelegt. Nach dem dritten Metzgerstand, bei dem wir auf die Frage nach Kalbschnitzeln nur – teilweise verwundertes – Kopfschütteln geerntet haben, zeigten sich – zumindest bei mir – erste Anzeichen von Panik. Eine naheliegende Metzgerei brachte auch keinen Erfolg, aber na ja, die schien offensichtlich den Hauptumsatz mit ihrer Imbissabteilung zu machen, was mich zu dem Vorschlag veranlasste: „Lass uns nach Hause fahren, da hab ich einen richtigen Metzger gesehen, der müsste noch offen haben.“ Offen schon, aber kein Kalb. Ganz selten. Oder auf Vorbestellung. Ein Blick über das Angebot, und: nein, ein Saltimbocca aus Kassler hatte ich noch nie gemacht und konnte ich mir auch nicht richtig vorstellen. Wir haben uns dann ein Restaurant gesucht, was allerdings  – nebenbei bemerkt -der kulinarischen Vorfreude auch nicht zuträglich war.

Nachzutragen bliebe noch, dass ein Besuch beim zukünftigen Supermarkt unseres Vertrauens ergab, dass wir auch keinen Marsala hätten kaufen können und dass der Parmaschinken „diese Woche“ nicht erhältich war, aber der abgepackte Serrano sehr zu empfehlen sei.

Nun ja, ich lebe noch. Das beweist, dass man lernt, sich zu arrangieren und wenn man „was besonderes“ will (was bis vor kurzem gar nicht so besonders war), dann fährt man halt man eben 40 oder 50 Kilometer – ohne öffentliche Verkehrsmittel, versteht sich. Da gewöhnt man sich dran, aber ich werde doch den Verdacht nicht los, dass die lange protestantische Tradition in dieser Gegend das Streben nach leiblichen Genüssen nicht sehr gefördert hat

Umso mehr freut sich man sich dann aber, wenn man ab und zu einen Fund macht – nein, keinen Kaviar, keinen Hummer, keine Trüffel, nur Linsen, aber die richtigen:

Puy-Linsen

Die braucht man nämlich für mein Linsengericht, äh mein Leibgericht aus dem Essen&Trinken 2/2002, für das es sogar einen Link gibt, aber ohne Bild, obwohl die Abbildung in der Zeitschrift damals sehr „mouthwatering“ war. Egal, so sieht’s aus oder doch so ähnlich:

Rahmlinsen mit Orangen und gebratenem Wels

Und im Küchentagebuch steht deshalb

Und warum?

  • Der Linsenfund musste gefeiert werden. Fast im Original.
  • Alleine hätte die Erdbeer- und Brombeer-Ernte nicht gereicht

Fazit

  • Orangen, Möhren und Linsen kombiniert mit der Balsamico-Reduktion: Das hätte man auch ohne Fisch essen können. Nichts gegen den Wels, er ist wirklich grätenfrei, aber der Hinweis der Fischfrau, kräftig zu würzen, macht im Nachhinein Sinn. Der Wels stammte aus einer niederländischen Aquakultur, die schaffen es offensichtlich nicht nur den Tomaten den Geschmack zu nehmen.
  • 250 g Mascarpone, 150 g Naturjoghurt, 250 g Quark und 100 g Zucker gut verrühren und 100 g geschlagene Sahne untermischen. Erstaunlich schnell, erstaunlich gut – vielleicht aber nur wegen der Beeren.

 

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