Kochen müssen

Bei der Ente läuft ja die Diskussion um „Kochen können – oder kochen wollen“. Weil ich die nicht mit einem Randaspekt durcheinander bringen will – sie ist eh verworren genug, verbrate ich meinen Gedanken besser hier als eigen Post.

Neben Wollen und Können gibt es nämlich noch das Müssen, was nicht ganz dasselbe ist wie Nichtwollen, aber sicher weit genug verbreitet ist und ganz sicher einen erheblichen Anteil am Anstieg der Convenience-Produkte hat – die quälende Gewissheit, dass die Kinder auch unter Zeitdruck und auch bei Lustlosigkeit was zu essen brauchen.

Vielleicht übersehen Hobby- oder Gerneköche – und nur die lesen ja Blogs und nur die diskutieren dort drüben – diesen Zwang, weil sie besser damit umgehen können. Entweder sie definieren das Müssen schnell mal um durch ein Da-könnte-ich-doch und schon wird es ein Wollen oder sie nutzen ihre Kompetenz um mal schnell was aus dem Ärmel zu schütteln. Und dieses Können, liebe Ente, kann man sich nicht erlesen, das muss man sich erkochen. Genau wie die bange Frage „Was tun?“, wenn mal was schief gelaufen ist (und das tut es ab und zu). Ohne Gusto (ist das richtiges Österreichisch?) gerät sowas nämlich schnell zur Panik oder doch zur vollständigen Desillusion. Kochen ist nicht so einfach; es war es nie und das ist durch Kochshows und Food-Blogs nicht besser geworden.

In der Vorrede zu einem alten Kochbuch (Hannoverisches Kochbuch, Erster Band, der besonders das alles enthält, was eigentlich zur Küche gehört. Von Ernst Meyfeld und Johann Georg Enners, 1792) habe ich folgendes gefunden:

„Wären die Menschen freilich bei ihren ersten Bedürfnissen der Nahrung geblieben; so könnten sie uns und unsere Kunst und unsere Anweisung entbehren. Die Kunst zu kochen würde alsdann in ihrem ganzen Umfange eine Sache seyn, die jeder Mensch in sehr weniger Zeit erfahren, lernen und ausüben könnte. Da aber die Menschen ihre Bedürfnisse dieser Art so sehr erweiterten und vervielfältigten, daß daher die Küche einen so großen Artikel der Haushaltung begriffe; so wurde ihnen unsere Kunst und Anweisung wichtiger und nothwendig.“

Wäre es da nicht das beste, wenn man das Kochen denen überließe, die es können und wollen? Und ihnen den Auftrag erteilte, für die gesunde, preiswerte und schmackhafte Ernährung der anderen zu sorgen? Dann müssten nur noch die kochen, die das auch wollen.

Das klingt alles ziemlich sozialistisch, was ja aber nicht von vorneherein schlimm ist. Das gab es auch schon mal und ist schiefgegangen (in Berlin 1903 oder zeitgleich in Kopenhagen, siehe Wikipedia Das Einküchenhaus), aber das muss ja nicht bedeuten, dass es nicht funktionieren könnte. Eine Küche pro Haus (oder pro Block), die von denen betrieben wird, die sich dieser Arbeit gewachsen fühlen und sich ihr mit Freude und Sachkenntnis widmen wollen. Bezahlbares, gesundes und schmackhaftes Essen in größerem Kreis – ich kann mir schlimmeres vorstellen.

Falls Foodblogger oder Hobbyköche Angst um ihre Lieblingsbeschäftigung haben: für die könnte man in diesem Modell sicher eine Nische einrichten. Ist aber nur so ein Gedanke.

Heute gibt es keinen Eintrag im Küchentagebuch. Nicht weil ich seit geraumer Zeit darüber nachdenke, wie ich diese Schnapsidee wieder loswerde, sondern weil ich gar nicht in der Küche war. Oder nur, weil da der Kühlschrank steht und weil es eine Wohnküche ist. Ich war nämlich im Sinne von AT regional unterwegs und habe pfundweise Käse mitgebracht (regional, fast lokal), kiloweise Tomaten (regional, aber natürlich unter Glas) und zenterweise Schinken vom Susländer Schwein (Schleswig Holstein), gekocht, geräuchert, egal. Dass ich die Karbonade (Koteletts) nicht einfach auch noch mitgenommen habe, macht mich immer noch ein wenig stolz, weil ich Verzicht bislang nicht unter meinen Stärken vermutet hätte.

Das alles will jetzt erst mal gesichtet, gekostet und aufgegessen werden.

 

Küchentagebuch

Wir hatten heute Besuch. Selbst bei einem Nerd wird es da als unhöflich empfunden, wenn er einfach aufsteht und sich an den PC setzt. Seltsame Welt.

Stangerl und Dessert

Auch die Ausrede, dass ein Tagebuch, das halbjährlich erscheint, ja wohl kein Tagebuch sei, kam nicht gut an.

Küchentagebuch

  • Kürbissuppe mit Käse-Kräuter-Stangen
  • Chicken Teriyaki
  • Apfelkompott mit Mascarpone-Calvados-Creme

Und warum?

  • Der Besuch wollte was aus dem Garten. Hühnchen wächst da nicht. Also diese schönen orangen Kürbiskugeln. Und aus dem übrigen selbstgemachten Quark-Blätterteig von Frau L. gabs sogar noch ein delikates Extra-Stangerl.
  • Steph macht so schöne Fotos. Dieses Teriyaki-Huhn hat mich jetzt lang genug verfolgt und „Mach mich“ geflüstert.
  • Ein sensationeller Nachtisch mit den ersten eigenen Äpfeln. Erschienen im Essen & Trinken 1/1990 – irgendwann mal verrat ich auch das Rezept.

 

Kochen können wollen

Eigentlich wollte ich heute nur das Küchentagebuch abhaken und einen internetfreien Tag nehmen. Aber dann ist mir am Rande der Diskussion um Schweinchen, regionale Anbieter und Bio-Anbau (für die ich übrigens sehr dankbar bin, immerhin hab ich es dadurch geschafft, den Verband „Regionale Esskultur Lüneburger Heide“ zu finden) ein kleines österreichisches Missverständnis aufgefallen, das sich (wohl schon etwas länger) um das „Kochen können“ dreht.

Katha Esskultur behauptet – frei paraphrasiert – dass heute niemand mehr kochen kann, und EnteGut beharrt darauf, dass jeder, der lesen kann, auch  kochen kann – und beharren kann sie gut. (Teile der Diskussion u. a. nachzulesen bei den Kommentaren (ziemlich weit unten) zu 0,007 prozent).

Als König Salomon eigne ich mich nun gar nicht und ich bin auch nicht anmaßend genug, zu entscheiden, wer recht hat, weil wahrscheinlich sind es beide oder keine oder halb und halb. Aber ich würde mir von den beiden wünschen, das mal in einem eigenen Post zur Diskussion zu stellen – ich wär gespannt auf die Meinungen.

Festzuhalten wäre aber: Es gibt Menschen, die wollen nicht kochen; und diese wären noch einmal zu unterscheiden in solche, die auch nicht essen wollen und – na ja: die anderen. Die anderen sind die, die zwar schon die eine oder andere Leibspeise haben und manche Leckerei und manchen Tropfen zu goutieren wissen, die aber wahrscheinlich jemanden gefunden haben, der ihnen das Kochen abnimmt, weil sie das Schnippeln nervt und weil andere das viel besser können. Das leuchtet ein – zumindest teilweise. Interessant wäre allenfalls deren Entscheidung, wenn dieser „jemand“ ausfiele und sie vor die Wahl gestellt würden: Kochen oder Schweinefraß?

Blieben noch die, die nicht essen wollen (oder können) und (deshalb) auch nicht kochen wollen (oder können). Denen der ganze Akt der Nahrungsaufnahme ziemlich schnuppe ist und die ihn nichtmal im Traum mit Genuss in Verbindung brächten. Von dieser Gruppe, so vermute ich, redet Katha und ist ein wenig verzweifelt, weil sie vermutet/beobachtet zu haben glaubt, dass diese Gruppe immer mehr wächst. Und deshalb hat Katha recht!

Die Ente aber meint die noch nicht erwähnte Gruppe, die beides wollen, Essen und Kochen, aber letzteres nicht auf die Reihe zu kriegen meinen. Und hat natürlich auch recht (jetzt mach ich doch den Salomon) – man braucht diese Gruppe eigentlich nur zu ermuntern, der Rest kommt dann ganz von selbst.

Ich aber würde gerne die Katha-Gruppe besser verstehen. Nicht weil ich sie missionieren will, so was versuche ich immer weitgehend zu vermeiden. Sondern weil ich sie dafür verantwortlich mache, dass die Tiefkühl-Regale immer länger werden und die Fertiggerichte-Stapel immer neuen Zulauf erhalten und die Lebensmittelindustrie immer neue Verbesserungen hervorbringt und deshalb ganze Blogger-Kolonnen logenartig Adressen von Essbarem wie Geheimtipps austauschen müssen. Hatten diese Menschen denn keine Großmutter, aus deren Küche es so herrlich gerochen hat, wenn sie aus der Schule kamen? Ich bin kein Soziologe und ich sehe – aus mehreren Gründen – beim Zerfall der Großfamilie gerne auch die guten Seiten, aber ich werde es zumindest in diesem Leben nicht mehr begreifen, dass das Wort „Genuss“ immer weniger auf Gegenliebe stößt.

Das Küchentagebuch:

Und warum?

  • Im Garten wachsen Schmorgurken, die mir ein Nachbar zur Einweihung des Gartens geschenkt hat. Ich hab noch nie Schmorgurken gegessen – laut meine Mutter auch nicht als Kind. Einen Versuch ist es Wert.
  • Ich hab beim Einkaufen den Nachtisch vergessen. Unverzeihlich. Aber die Zutaten für Schoko-Pudding sind immer im Haus.

Fazit

  • Schmand und Senf waren eine gute Wahl. Wenn mir nichts anderes einfällt, kann es das mit den restlichen Gurken nochmal geben.
  • Erstaunlich: das Rezept ist für 4 Personen. Wir sind nur drei. Und trotzdem war meine Portion relativ klein?

 

 

Bayern-Niedersachsen-Österreich-Asien

Marinierter Spanferkelrücken

Apropos regional. Ich bin ja vor ein paar Monaten von München in die Lüneburger Heide gezogen. Am meisten erstaunt das die Leute hier in der Heide. „Um Himmels willen, wie kommt man denn auf die Idee?“ hat uns schon der Notar begrüßt – es hätte uns zu denken geben sollen.

Und direkt nach der ersten Ich-kann-es-nicht-fassen-Reaktion kommt garantiert die Frage: Und? Wie ist es auf dem Oktoberfest?

Am 17.9. geht’s ja wieder los: O’zapft is! Wenn ich noch dort wohnen würde, würde mich das nicht sonderlich betreffen. Sicher, es wäre schwieriger bis unmöglich einfach mit der S-Bahn zu fahren, und mit einer Trachten-, Janker- oder Landhausmoden-Allergie sollte man nicht unbedingt auf die Straße gehen. Aber sonst? Wenn man Glück hat, kommt ein schöner Herbsttag und man kann sich still in einen ruhigen Biergarten setzen und in eine Maß Bier träumen. Doch, das ist schon schön, ginge aber auch ohne Wiesn.

Völlig anders hier im Norden. Es scheint als ob hier alle dem Event entgegenfiebern, vielleicht eben weil es so weit weg ist. Und weil die Schützenfeste und Dorffeste und Heideblütenfeste oder das Weinfest (sic!) schon soo lange vorbei sind, musste jetzt endlich was passieren, und die Anzeigenblätter am Wochenende waren voll davon.

Vom 17.9. bis 2.10. macht das Landhotel Heidkrug in AlvernBayrische Wochen: Spezialitäten vom Weißwurst-Äquator und frisch gezapftes Paulaner vom Fass“ und am Eröffnungstag ist Musik und Tanz mit den Deichtirolern, das wird bestimmt lustig. Aber was noch viel wichtiger ist: alle Supermärkte der Gegend überbieten sich mit Sonderangeboten für Schweinehaxen, Leberkäse, Weißwürste und Spanferkel.

Ich gebe es zu. Beim Spanferkelrücken bin ich schwach geworden. Im Supermarkt – wenigstens nicht abgepackt. Keine Ahnung, wo das arme Tier herkommt, aber dem Preis nach zu urteilen kann es keine sehr glückliche Jugend verbracht haben. Trotzdem.

Zuhause dann allerdings die Zweifel. Nein, nicht ob ich das jetzt essen darf, sondern wie. Am einfachsten wäre es sicher gewesen den Schuhbeck auszupacken und ein richtig rösches Krusterl auf die Schwarte zu zaubern mit Krautsalat und Semmelnknödeln. Aber das war mir dann doch ein bisschen zu viel gefühlsduseliges heimwehseliges Ach-wie-ist-das-schön-Kochen.

Neben dem Herrn Schuhbeck im Bücherschrank steht aber der Herr Lafer aus Österreich und – weil mir das auch nicht weit genug weg wäre – führt er uns mit seinem Rezept

Marinierter Spanferkelrücken mit Pilzen aus dem Wok

mittenmang hinein ins ferne Asien, das ist weit genug. Da ich wieder einmal keinen Link auf das Rezept präsentieren kann, muss ich wohl ein wenig erzählen, wie er das macht, oder zumindest, wie ich das nachgemacht habe.

Bei 1 Spanferkelrücken (ca. 700 g) wird am Vorabend die Schwarte mit einem scharfen Messer rautenförmig eingeschnitten und das ganze Teil mit einer Paste einmassiert, die entsteht, wenn man je 2 Schalotten und Knoblauchzehen fein würfelt, 150 g Zitronengras schält und fein hackt, 80 g Galgant- und 50 g Ingwerwurzel (oder 130 g Ingwer) schält und in feine Würfel schneidet, 1 Chilischote entkernt und fein würfelt und das Ganze dann mit 1TL Kurkuma mischt, im Blitzhacker püriert und mit gemahlenem Koriander, Salz und Zucker würzt.

Am nächsten Tag heizt man den Ofen auf 160° vor, schabt die Gewürzpaste vom Fleisch und legt den Spanferkelrücken mit der Schwarte nach oben auf ein Backblech und schiebt ihn für 25 bis 30 Minuten auf der mittleren Schiene in den Ofen. Dann schaltet man den Backofengrill ein und lässt den Braten weitere 10 Minuten knusprig werden.

Parallel sollte man die Pilze vorbereiten: 250 g gemischte Pilze (Shiitake-,Austernpilze, Champignons) pinseln oder feucht abwischen und eventuell halbieren. 2 Schalotten und 1 Knoblauchzehe schälen und in feine Würfel schneiden. 1 Bund Koriandergrün waschen, trocken schütteln und die abgezupften Blättchen fein hacken. Dann 4 EL Erdnussöl im Wok (oder einer großen Pfanne) erhitzen und die Pilze darin (bei starker Hitze) unter Rühren kurz (ca. 3 Minuten) braten, Schalotten, Knoblauch und Koriandergrün kurz mitbraten; Hitze reduzieren und mit 1 EL Sojasauce ablöschen. mit  1EL gehacktem Koriandergrün, Salz und gemahlenem Koriander abschmecken.

Schließlich den Spanferkelrücken in Scheiben schneiden, mit den Pilzen anrichten und mit Korianderblättchen garnieren.

Womit das Küchentagebuch kurz gehalten werden kann:

  • Marinierter Spanferkelrücken mit Pilzen
  • Apfelkücherl mit Vanilleeis

Und warum?

  • Weil bald o’zapft is und meine norddeutschen Landsleute das kräftig mitfeiern und weil die Welt so klein geworden ist, dass dazu dann auch Zitronengras und Ingwer geht.
    Weil Frau T. allerdings eine mentale Korianderintoleranz hat, musste Petersilie aushelfen.
  • Eine zarte Reminiszenz an Bayern und ein dezenter Hinweis an Sohn T., dass es bei der Apfelernte genauso monoton werden könnte wie bei den Zwetschgen.

Fazit

  • Ich hatte meine Zweifel, aber die sind zerstreut: überhaupt nicht bayrisch und die Aromen der Marinade kommen richtig gut zur Geltung. Dass ich beim Würzen der Pilze die Salzmühle samt Inhalt in die Pfanne gekippt habe: Kollateralschaden; etwa die Hälfte war noch nicht kontaminiert, aber die andere Hälfte wurde trotzdem auch fast aufgegessen – wär echt schade gewesen sonst.
  • So ein bisschen Heimweh ist schon schön.

 

Selbstversorger

Heute also Einkaufsvermeidungsverhalten; was hat der Garten zu bieten? Immer noch Karotten, ein paar Zucchini, Kürbisse, Schmorgurken – was um alles in der Welt mach ich mit Schmorgurken? – und Mangold.

Der Mangold ist einfach nachgewachsen. Scheint so zu sein, mich hat’s trotzdem überrascht. Könnt eigentlich bei allem so sein – zwei oder drei Ernten wären doch allemal besser als eine. Vielleicht reich ich an höherer Stelle mal einen Verbesserungsvorschlag ein. Wird vielleicht sogar honoriert. Erfahrungsgemäß dauert das aber mit der Evolution; vielleicht erst in der nächsten Generation; man nennt das nachhaltig! Aber was interessieren mich die nächsten Generationen? Was haben die denn je für mich getan? Möglicherweise ist es besser, ich rufe Monsanto an, dann hab ich auch noch was davon. Nein, war nur ein Scherz!

Also Mangold. Da steht schon lange was auf der Nachkochliste: Die Mangold-Tarte von lamiacucina. Erstens verspricht Robert, die Tarte wäre „nicht schlecht“, was bei einem Schweizer hellhörig macht, und zweitens kann ich dabei den Quark-Blätterteig von Frau L. mal ausprobieren, sozusagen als Einstiegsdroge – und irgendwann im Winter trau ich mich dann an das Original – 1 Pfund Butter pro Tour oder so.

Zum Küchentagebuch:

  • Mangold-Tarte (lamiacucina) mit Quark-Blätterteig
  • Karamell-Eis mit restlicher Fruchtsauce

Und warum?

  • Mangold und Zwiebel: regional – ja, ca. 500 m; Bio – keine Ahnung (ohne Siegel)
    Butter und Quark: regional – ist „Deutschland“ regional? Bio – garantiert nicht
  • Eis war noch im TK – also kein Grund einzukaufen; Fruchtsauce von gestern muss weg

Fazit

„Nicht schlecht.“ Die Füllung – ursprünglich wohl vom Kleinen Kuriositätenladen – ist delikat und der Teig ist genau meine Kragenweite, gutmütig, bedarf wenig Zuwendung und ist köstlich. Ob er aber die Schwelle zum „richtigen“ Blätterteig ebnet? Abwarten.

 

Einkaufen – Geschmacksache?

Seit Arthurs Tochter über die Schweinchen von Katha Esskultur gestolpert ist (bildlich!) und ihre Einkaufsquellen und -gewohnheiten offengelegt hat, kann ich nicht mehr einkaufen! Gut, ich hab das erst am Samstag gelesen, da war die Familie schon versorgt, aber für die nächsten Tage mache ich mir dann doch ein paar Sorgen.

Weißt du, was die sagt? Lieber regional als Bio. Also, ehrlich! Und dass ihr so ein Bio-Siegel erst mal ziemlich an einem unanständigen Körperteil vorbei ginge. „Bio schmeckt man nicht unbedingt.“

Jetzt habe ich mich gerade daran gewöhnt, Biofenchel in Cellophan zu kaufen und lecker abgepackte Bio-Schweinelendchen, weil

  • ich damit den Tierquälern das Handwerk lege und
  • die Pestizid-Mafia bekämpfe und
  • das Klima rette und
  • jede Menge Gutpunkte sammle

und da kommt sie mit Geschmack daher! Als ob ich mir das nicht mühsam abgewöhnt hätte. Kein Fleisch mehr, weil Kühe böses Gas pupsen; keine Milchprodukte mehr, weil ich sicher ohne es zu wissen laktoseintolerant bin; keine Zigarre nach dem Essen, weil – ach ich weiß gar nicht mehr warum. Krebs, glaube ich.

Und ich soll ganze Hühner kaufen. Wahrscheinlich mit Innereien. Weiß die denn nicht, dass man da sehr schnell rückfällig werden kann? Das ist wie bei trockenen Alkoholikern – einmal ein paar Kutteln in Weißwein und du bist wieder ganz am Anfang. Das schaff ich nicht nochmal!

Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ein paar Tage kann ich uns noch aus dem Garten ernähren, aber dann muss ich wieder raus in den Konsum-Dschungel. Geschmack, ich fass es nicht.

Das Küchentagebuch

Und warum?

  • Selbst ein kleiner Hokkaido bringt fast 1 Kilo auf die Waage. Wäre doch schade, wenn der restliche Teil nicht verwendet würde, wo er nun mal schon geerntet ist.
  • Soulfood vom „Kleinen Kuriositätenladen“. Salsicce gibt es hier eher selten. Ich hätte zwar einen Bruder mit einer Kitchen Aid samt Wurstaufsatz, warte aber jetzt schon ein halbes Jahr auf eine Lieferung – so viel zum Thema Familienbande im 21. Jahrhundert.
  • Ich brauche Platz in der Tiefkühltruhe. Die TK-Früchte wär ich jetzt schon mal los.

Und wie?

  • 2 EL Zucker leicht karamellisieren. 500 g Kürbisfleisch (gewürfelt) mit etwas Butter zugeben und eine knappe Minute anschwitzen. 1 EL Tomatenmark zugeben und kurz mitrösten. Mit 600 ml Brühe (Gemüse-, Geflügel- oder gemischte Brühe) ablöschen und ca. 20 Minuten leise köcheln lassen.
    Kürbis im Topf pürieren, 125 ml Sahne zugeben und kurz aufkochen lassen. Vom Herd nehmen und 40 g Butter (eiskalt) in kleinen Würfeln untermixen. Mit angerösteten Kürbiskernen und etwas Kürbiskernöl in Tellern anrichten.
  • Statt Salsicce normale Bratwürste; dafür grob gemörserten Fenchel, getrocknete Kräuter und eine kleine Chili-Schote mit dem Knoblauch angebraten.
  • 250 g Mascarpone, 250 g Quark, 150 g Naturjoghurt mit 100 g Zucker gut verrühren. 200 g Sahne (geschlagen) unterheben und kalt stellen.
    250 g gemischte Beeren (TK) auftauen und mit 100 g Puderzucker mit dem Zauberstab pürieren. Eventuell durch ein Sieb treiben und mit der Creme servieren.

 

Alles halb so schlimm

Das mit dem Kürbis und dem Winter, da habe ich wohl überreagiert. So schlimm war der Sommer ja gar nicht.

Heute Morgen konnte ich endlich mal wieder ohne Schwimmflügel in den Garten und – siehe da, bei einem Sonnenstrahl (ein einziger reicht da schon) sieht alles gleich ganz anders aus. Zum Beispiel wachsen und blühen da Erdbeeren (hoffentlich sieht meine Mutter das Unkraut nicht) – erinnert doch irgendwie an Juli, oder?

Und der Chili-Strauch, dem ich nie eine Chance gegeben habe, sieht der aus als hätte er zu wenig Sonne abbekommen? Na also.

Und da ist noch ein Lorbeerbusch, von dem ich gelesen habe, er fühle sich in südlichen Gefilden wohl, mit viel Sonne und wenig Feuchtigkeit. Sauber akklimatisiert.

Genau wie die Äpfel. Die sind von hier und das Sauwetter gewohnt, aber wer so schön rot wird, der sollte sich doch wohl nicht beklagen.

Alles in allem: Ein Super-Sommer, man darf sich halt nur nicht bei läppischen drei oder vier Wochen Dauerregen gleich der Sommerdepression ergeben. Auf einen schönen Herbst!

Das Küchentagebuch:

  • Wiener Schnitzel, Pommes frites und Salat
  • Vanillepudding

Und warum?

  • Der Metzger hatte Kalbschnitzel. Da ich immer der bin, der danach fragt, konnte ich ja schlecht sagen: Nö, heute nicht. Und Schniposa (Schnitzel, Pommes und Salat) ist immer gut für die Seele eines ambitionierten Koch-Dilettanten. Mit ein bisschen Übung und selbstzertrümmerten Semmeln und selbstgeschnitzten Pommes und selbstgequetschtem Ketchup und selbstgeerntetem Salat schafft man meistens ein Resultat, das alle Wirtshäuser im Umkreis von mehreren hundert Kilometern mit ihren öligen Kartoffelstäbchen und ihren zu Tode frittierten Schweineschnitzeln und ihren abgesoffenen Essigblättern weit in den Schatten stellt.
  • Weil ein Nachtisch inzwischen Pflicht ist, sagt Sohn T.

 

 

Ich ergebe mich!

Nein, nicht übergeben! Ergeben, wie Friedensangebot, aussichtslose Lage, Resignation, so in der Richtung.

Mein Nachbar sagt mir seit Tagen, meine Kürbisse könnten geerntet werden – vielleicht weil er welche abhaben will. Ich aber sage immer standhaft: Nein, kann gar nicht sein! Denn wenn Kürbisse geerntet werden, ist Herbst und der Sommer war doch noch gar nicht da, und ich würde ihm doch gerne noch eine Chance geben, sich blicken zu lassen. Wenn ich jetzt Kürbisse ernte, dann denkt er vielleicht, er wird gar nicht mehr gebraucht, und findet nichts dabei und wartet bis nächstes Jahr. Nächstes Jahr, wie sich das anhört! Zwölf Monate Nieselregen, Morgennebel, Heisse-Schokolade-Wetter – ich kann doch jetzt keine Kürbisse ernten!

Mein Nachbar sagt, ich soll mich nicht so anstellen. Man müsse die Natur akzeptieren, um mit ihr im Einklang zu leben. Und nur weil ich meine Kürbisse nicht ernte, würde noch lange nicht die Sonne scheinen. Und ich solle doch den Sommer vergessen und freudig den Herbst begrüßen, der auch eine schöne Jahreszeit sei, mit Steinpilzrisotto, Kartoffeleintopf und – ja!- mit Kürbissuppe. Und wenn ich noch länger rumzickte, dann würde er sich seinen Anteil schon mal holen und ich könne ja dann mit dem Ofenrohr …

Okay, ich geb auf. Einen klitzekleinen Hokkaido werde ich ernten, aber die anderen bleiben liegen, schön deutlich, dass der Sommer sie auch sieht, wie sie immer noch daliegen und darauf warten, dass er sie noch ein wenig bescheint, und dass der Gärtner noch lange nicht zufrieden ist mit seiner bisherigen Leistung.

Und aus dem kleinen Früchtchen mach ich uns dann ein schönes Sommer-Ausklangs-Abendessen:

Kleine Kürbis-Käse-Kuchen

aus dem Muffin-Blech und mit einer großen Schüssel Kopfsalat mit Gurken, Tomaten und allen Kräutern, die sich im Garten noch gegen den Winter wehren.

Kleine Kürbis-Käse-Kuchen von der Ernte auf den Tisch
200 g Mehl und ½ TL Salz in einer Schüssel mischen. 100 g kalte Butter würfeln, mit einem Ei zugeben. Alle Zutaten mit den Fingerspitzen verkrümeln. Die Krümel kurz mit den Händen zu einem Ball kneten, in Folie wickeln und 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
Backofen auf 200° vorheizen (Umluft 180°). 300 g Kürbisfleisch klein würfeln, 1 Frühlingszwiebel in Ringe schneiden. Mit 1 EL Butter, 50 g gewürfeltem Schinken und 1 Prise Salz bei milder Hitze zugedeckt 10 Minuten dünsten. 150 g Quark (20%) mit dem Gemüse und einem Ei verrühren.
Den Mürbeteig dünn ausrollen, 12 Kreise mit einem Durchmesser von 10 Zentimeter ausstechen und je einen Kreis in eine gebutterte Muffinform legen. Füllung auf dem Teig verteilen, mit 2 EL Kürbiskernen bestreuen und etwa 25 Minuten backen.

Lecker. Aber um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen: Auch wenn ich jetzt auf den Sommer weitgehend verzichte, unter einem schönen Herbst stell ich mir schon was anderes vor als das, was da draußen abgeht.

Das Küchentagebuch kann sich heute jeder an fünf Fingern abzählen:

  • Kleine Kürbis-Käse-Kuchen mit gemischtem Salat
  • Portweinfeigen mit Sherrycreme

Ach ja, Nachtrag: die restlichen – laut Google – 13.600 Rezepte für Portweinfeigen konnten leider nicht mehr in den GBPF aufgenommen werden, da ich dringend noch eine Zwetschgen-Feigen-Marmelade machen musste und der Feigenvorrat damit erschöpft ist.

GBPF – Das Finale

Die Ente hat natürlich recht, wie konnte ich ungläubiger Thomas nur zweifeln: Johann Lafer, der mit der Startnummer 2 ins Rennen ging, ist auch nicht schwieriger nachzukochen als Eckhard Witzigmann. Gestern war mir einfach der Unterschied zwischen zwei Zeilen und einer Seite aufgefallen und zu eindeutig. Aber wenn man sich auf die Portweinfeigen beschränkt, um die es ja in diesem Challenge hauptsächlich geht, dann sieht das so aus:

Portweinfeigen (Johann Lafer, 6 Personen)

100 g Zucker in einem Topf bei mittlerer Hitze hellbraun karamellisieren und unter Rühren mit 200 ml rotem Portwein ablöschen. 1 Zimtstange, den Saft von je 2 Orangen und Zitronen, die Schale von je ½ Orange und Limette (unbehandelt) dazugeben und den Sud auf die Hälfte einkochen lassen.
1 bis 1 ½ EL Speisestärke mit wenig Wasser verrühren und den Sud damit binden.
6 Feigen (ich nehme an: große Feigen, ich nehm also 12 kleine) waschen, trocken tupfen, längs halbieren und in den Sud geben. Vom Herd nehmen und etwa 30 Minuten marinieren.

Sherrycreme mit Portweinfeigen (Lafer)

Und die Sherrycreme ist auch nicht richtig kompliziert, wenn ich auch – um mein Gesicht zu wahren – gerne eine oder  zwei Zeitangaben gelesen hätte: Was heißt „schaumig aufschlagen“? Wenn man Flüssigkeit und Eigelb mit dem Handmixer traktiert, dann schäumt das sofort. Aber ich glaube nicht, dass das gemeint ist, also habe ich brav etwa 5 Minuten gerührt, bis die eigentliche Masse schaumig wurde. So, jetzt hab ich auch ein wenig recht behalten.

Das vollständige Rezept gibt’s (die Ente hatte schon wieder recht!) im Internet; einmal beim SWR, wo die Feigen vorher über Nacht in weißem Portwein eingelegt werden, und einmal als PDF, wo zwar die Mengenangaben recht eigenwillig auf 4 Personen umgerechnet wurden, dafür erfährt man aber wenigstens, dass dieses Rezept in einer Küche von allmilmö entwickelt und auf Geschirr von Villeroy & Boch serviert wurde – auch gut zu wissen.

Siegerehrung

Die Familien-Jury war sich einig; The Winner is: Johann Lafer! Tusch! Mein Einwand, dass die Zutaten (für die Portwein-Feigen) doch die gleichen wären – ob Orangensaft oder Grand Marnier, ob Puderzucker oder Karamell, das sei doch egal – wurde einfach ignoriert. Und alle Rettungsversuche, wie etwa: bei Witzigmann seien die Aromen deutlicher zu unterscheiden, sein Rezept sei ursprünglicher, waren vergeblich. Also bleibt als Erklärung nur Lafers Zimtstange oder ganz simpel die Tatsache, dass die Sherrycreme auch nicht von schlechten Eltern war und hervorragend mit dem Feigenkomptt harmoniert hat. Diese Chance hat Herr Witzigmann gestern nicht erhalten, aber er wird es ja nicht erfahren, dass er nur Zweiter geworden ist.

Und der Vollständigkeit halber noch das Küchentagebuch:

  • Spaghetti mit Tomatensauce und Kopfsalat
  • Sherrycreme mit Portweinfeigen nach Johann Lafer

Und warum?

  • Die Tomatenpracht im Garten hat dem Dauerregen nicht standgehalten! Als Balsam für die angegriffene Gärtnerseele musste deshalb dringend eingedoster Ersatz her.
    Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Gurken im Salat absolut nicht gingen – aber bevor die letzte Gurke von den Schnecken aufgefressen wird – sei’s drum!
  • Ich kann ja keinen hochoffiziellen Challenge veranstalten und das Ergebnis dann auf dem Kompost entsorgen! Und die Menge reicht für morgen auch noch.

 

GBPF: Portwein-Feigen-Challenge

In einem Anfall von Haben-Will habe ich Feigen gekauft. Teure Feigen, viele Feigen. Irgendwas sollte ich jetzt auch damit machen. Mein Router hat Husten, da macht eine Internetsuche nicht richtig Spaß. Also ab ans Regal mit den Kochbüchern und – ja, Johann Lafer weiß natürlich Rat: Sherrycreme mit Portweinfeigen. Hört sich gut an und: Wer lesen kann, der kann auch kochen (sagt die Ente). Nur: Wer Lafer-Desserts liest, der muss auch kochen können wollen – und nicht nur mein Router fühlt sich heute schlapp.

Also Blick schweifen lassen, und da! Hab ich etwa ein Buch von Eckhart Witzigmann? Nur mit Desserts? Völlig vergessen. Nein, nicht vergessen, aber offensichtlich nie durchblättert. Soo schwierig sind die Rezepte darin gar nicht zu machen – ganz im Gegensatz zu den Fotos. Und natürlich macht auch er Portweinfeigen, was also liegt näher als ein Challenge auszurufen, einen Award zu vergeben: Germanys Best PortweinFeigen, featuring Johann Lafer und Eckhard Witzigmann.

Wir wollen jetzt mal nicht kleinlich darauf hinweisen, dass beide Österreicher sind, da haben wir schon ganz andere Kaliber integriert. Die Feigen reichen, es kann losgehen. Witzigmann hat eindeutig die Nase vorn, wenn es um den geringen Aufwand geht; genau was ich heute brauche. Außerdem serviert er sie mit Stracciatellaeis und Schokoladenschaum. So was Ähnliches ist von gestern noch übrig, also steht das Küchentagebuch:

  • Bratkartoffeln mit geschnetzeltem Schweinefilet, Champignons und Salat
  • Marmorierte Mousse mit Portweinfeigen (a la Witzigmann)
Startnummer 1: Witzigmann

Für die Portweinfeigen

den Backofen auf 180° vorheizen. 12 kleine Feigen schälen (hab ich durch waschen ersetzt), in eine feuerfeste Form stellen und mit Puderzucker bestäuben. 100 ml Portwein und 100 ml Grand Marnier angießen. Die Feigen 10 bis 12 Minuten auf der mittleren Schiene des Ofens pochieren, aus dem Ofen nehmen und warm halten.

Fazit

Startnummer 1 besticht durch unkomplizierte Anweisungen und eine überschaubare Zutatenliste. Umso wichtiger scheint dann allerdings die Qualität der Zutaten und Beigaben. Wahrscheinlich der Grund, weshalb Kandidat 1 nicht völlig überzeugen konnte und das Rennen vor dem morgigen Auftritt des Rivalen noch nicht entschieden ist.

Obwohl ich trotz ausdrücklicher Erlaubnis des Meisters auf das Stracciatella verzichtet habe, werde ich jetzt wohl noch zum Kühlschrank gehen und die eine übrig gebliebene Feige mit etwas Vanilleeis verdrücken.

Tischgespräche
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