Prokrastination

Kinder, alle mal herhören, Vaddern will euch was erklären:

„cras“ ist – na, wer weiß es? – ja, lateinisch und heißt „morgen“. Das bedeutet aber keineswegs, dass morgen „krass“ wird -wenn ihr das positiv meint. Im Gegenteil. Das tut uns älteren Menschen auch furchtbar leid, aber …

Wir wollten ja immer die Schulden abbauen, aber dann war da plötzlich die Kohlesubvention. Mussten wir uns ja auch drum kümmern, sonst wären doch die Kumpel verhungert, ihr wisst schon die aus Bochum. Doch! Die, von denen der Grönemeyer singt.

Und dann war Wahlkampf. Etwa ein Jahr lang. Können wir nix für, ährlich! Und Opel! Ich glaub, dann war Opel. Hätten wir für euch gerettet, sind ja auch eure Jobs, oder? Wie, Mistkarre? Wollen wir jetzt auf undankbar machen? Also bitte!

Sicher, die Schulden sind nicht schön. Schon wegen der Zinsen. Aber wir schaffen das. Spätestens morgen. Heute ist jetzt erst mal Euro-Krise. Meint ihr, uns macht das Spaß?

Ach, was rede ich, ihr habt’s ja nicht so mit Politik. Aber Mama und Papa machen das genauso: „Oh, der Zucchino sieht aber schön aus! Den ernte ich morgen …“ (im Hintergrund leises Gelächter, überlagert von vereinzelten Ausrufen: Boa hey, sind die blöd – Vorhang)

Schluss mit der Prokrastination!. Morgen gibt es wieder ein Küchentagebuch!

Wir waren nämlich heute Pizza essen. Und ich hab nicht die Trieste genommen – ehrlich nicht.

Aus Gezeichnet

Wenn Sohn T. nach „den richtigen“ Karotten verlangt, dann muss ich ganz vorsichtig ein zerfleddertes Taschenbuch aus dem Regal nehmen und – alphabetisch geordnet! – die Seite „CAROTTES À LA BONNE MÈRE“ aufschlagen. Die sieht so aus:

Mit freundlicher Genehmigung der Fischer Verlage

Das Buch heißt „Gezeichnete Kochfibel“ und ist von Hans Haëms, erschienen 1975 im Fischer Taschenbuch Verlag. Es ist im Buchhandel nicht mehr erhältlich, ich habe mein Exemplar schon 1978 oder 1979 für 1 D-Mark in der Krabbelkiste entdeckt. Das ist schade, weil ich mit diesem Buch gelernt habe, dass Karotten und Erbsen (s. Piselli al Prosciutto) nicht zusammen in der Dose wachsen, dass man Kartoffelpüree würzen kann (Purée de pommes de terre à l’ail) und dass Joghurt nicht nur zum Frühstück taugt (Tandoori Murg). Und die Zeichnungen haben mich ermutigt, die Mensa zu schwänzen und den Zweiplatten-Herd anzuwerfen. Ich hätte es pfleglicher behandeln sollen, aber so ist halt die Jugend.

Und die Karotten – man mag es nach fast einer Stunde Kochzeit kaum glauben – sind delikat, anders kann man das nicht ausdrücken.

Karotten-Ernte

Wenn ich an Kochevents teilnehmen würde, dann wär das jetzt ja wohl ein Fall für DKduW von foodfreak. Aber für die Gerichte mit N wird’s eng: Narotten, Nöhren, Nüebli, Nelbe Rüben oder notfalls Gelbe Nüben, alles nicht sehr erfolgversprechend; na ja, ich wollte ja eh nicht teilnehmen, sondern mein Küchentagebuch fortführen:

  • Kümmelbraten mit Bratkartoffeln
  • und Carottes à la Bonne Mère
  • Kürbiskern-Parfait von gestern

Und warum?

  • Kümmelbraten ist eine Light-Variante vom Schuhbeck’schen Schweinebraten. Und wenn schon die Möhren eine Stunde brauchen, dann kann auch die Beilage etwas länger dauern
  • Gemüsebeet-Entrümpelungs-Woche. Dringendes Begehren von Sohn T.
  • Ich liebe Parfait, weil ich a) immer noch keine Eismaschine habe und weil b) die Portionen immer für mindestens zwei Abende reichen und ja im Tiefkühler wahrscheinlich nicht schlecht werden.

 

Synonyme

Wenn man in einem Blog häufig über das Essen schreibt, dann bleibt ein ungutes Gefühl beim Wort „lecker“ nicht aus. Im Übrigen auch dann nicht, wenn man ab und an in einem Foodblog einen Kommentar hinterlassen zu müssen glaubt. Wenn man dann aber voller Verzweiflung ein Synonym sucht, dann findet man

„lecker: delikat, künstlich, schmackhaft …“

Ja, ich weiß, dass „köstlich“ gemeint war und dass sowas mal passieren kann, aber man wird sich ja noch wundern dürfen. Weil andererseits kann man heutzutage ja nicht ausschließen, dass das durchaus ernst gemeint sein könnte – siehe Erdbeerjoghurt, Vanillepudding, Sauce Hollandaise.

Zurück zum Problem. Ich glaube nicht, dass „labhaft“ oder „SchmackoFatz!“ ernsthafte Alternativen sein könnten, aber „köstlich“ oder – noch besser – „fein“ sollte ich mir vielleicht angewöhnen, „delikat“ für Notfälle aufbewahren.

In der Gemüsebeet-Entrümpelungs-Woche stehen Karotten an. Das Küchentagebuch:

Und warum?

  • Kalb gabs mal wieder nicht beim local dealer. Piccata müsste doch aber auch mit Schwein gehen – das sah wenigsten schön aus und war im Angebot.
  • Wenn wir „zarte Rüebli“ ernten oder auf dem Markt erwischen, dann rösten wir sie nach Roberts schönem und doch einfachen Rezept. Ansonsten gibts morgen den Karottenknüller, der auch mit ausgestandenen Gelben Rüben geht (Achtung Cliffhanger: morgen weiterlesen!).
  • Auch die Idee, dieses Dessert mal wieder zu machen, ist im Gemüsebeet enstanden. Die Kürbisse freuen sich schon auf Halloween, aber die Kerne fürs Parfait sind erst mal zugekauft. Und – soviel sei gesagt – Kirschkompott gabs nicht dazu.

Die Speisung der 5000

Die Hamburger Verbraucherzentrale hat sich dankenswerterweise mal wieder der Etikettierung von Produkten der Lebensmittelindustrie angenommen. Genauer geht es um die Schriftgröße und es wird bemängelt, dass vorne auf der Verpackung der Name in 2 Meter großen Letter prangt und hinten widersprechende Angaben in der Zutatenliste in einer Schrift im Mikrometer-Bereich angegeben seien. Das hab ich jetzt natürlich übertrieben, es geht nämlich – um genau zu sein – zum Beispiel um eine Produkt namens „Hühnersuppe mit Nudeln“ der real-Handels GmbH (Schriftgröße Hühnersuppe 6,7 mm, vorne), bei der die erstaunten Verbraucherschützer in der Zutatenliste (Schriftgröße 1,2 mm, hinten) einen Anteil von „0,1% Hühnerfleisch“ feststellen mussten. Sie meinen, ein Missverhältnis konstatieren zu müssen, wenn die den Namen ad absurdum führende Mengenangabe um den Faktor 6 kleiner sei.

Die Süddeutsche Zeitung aber hat dann Schrift Schrift sein lassen, flott nachgerechnet und kam auf die schöne Rechnung „Ein Huhn für 5000 Liter Suppe„. Die Rechnung hat wohl eine Agentur gemacht, weil sie auch auf Spiegel Online, im Hamburger Abendblatt u.v.a. zu lesen war, aber wir wollen das jetzt mal trotzdem nicht überprüfen und einfach glauben und weiterrechnen.

Die real Handels GmbH verpackt ihre Suppe in 250 ml-Beutel und beschriftet sie mit „für 3 Teller“; das bedeutet nach Adam Riese, dass 1 Liter für 12 Teller reichen würde und dass somit 1 Huhn 60.000 Teller feinste Hühnersuppe ergäbe.

Ich zum Beispiel wohne in einer Gemeinde mit más o menos 15.000 Einwohnern. Man könnte also vorsichtig geschätzt mit einem Hühnerbein in unserem Ort wochenlang sowohl eine Armen- als auch eine Schulspeisung durchführen, ohne den klammen Etat allzu sehr zu belasten – wenn man dem Hersteller nur glauben würde, dass es sich um essbare Hühnersuppe handelt.

Aber der Skandal ist nicht, dass da ein Betrieb offensichtlich falsche bzw. irreführende Angaben macht (in derselben Ausgabe der SZ sagt Danone-Chef Andreas Ostermayr doch glatt: „Wir lügen nicht!“), sondern dass das legal ist. Und noch viel schlimmer: in 3 Jahren, so hat es die EU gerade beschlossen, wird europaweit eine Mindestschriftgröße von 1,2 mm eingeführt! Glaubt irgendjemand, dass man in 3 Jahren eine Verordnung braucht, die heute schon freiwillig eingehalten wird, weil sie ohnehin völlig am Ziel vorbeigeht? Schämt sich da jemand in Brüssel? Oder lacht sich da jemand ins Fäustchen?  Zum Beispiel bei der real Handels GmbH? Weil sich die Ausgaben für Lobbyismus wieder mal gerechnet haben?

Na ja, ich schäme mich ein bisschen. Wenn ich was Ordentliches gelernt hätte, z.B. Lebensmittelchemiker, dann hätte unser Huhn nicht nur drei Leute zweimal satt gemacht, so viel steht fest. Zum Küchentagebuch:

  • gefüllte Zwetschgen
  • Farfalle mit Wermut-Thymian-Hähnchen
  • Mousse au Chocolat
Zwetschgen mit Roquefort-Petersilie-Füllung

Und warum?

  • Ha! Diesmal vorne weg, damit hat keiner gerechnet. Gefüllt mit einer Paste aus Roquefort, Petersilie und Zwetschgenwasser, bestreut mit gehackten Pistazien- fein!
  • Wenn das Brot aufgegessen ist, dann kann man diese Sauce auch mit Nudeln zähmen
  • Ohne Zwetschgen, weil siehe oben

 

Ereignisse

„Ereignisse sind Feiglinge, sie treten nicht einzeln auf, sondern in Rudeln und stürzen alle auf einmal auf einen herein.“ (Gefunden bei Spätlese, die aus der Herkunft des Zitats einen kleinen Wettbewerb macht, so sehr interessiert mich das dann aber auch nicht.)

Man kann das (dass Ereignisse Feiglinge sind) allerdings auch daran erkennen, dass sie sich manchmal sehr gut verstecken und gar nicht auftauchen. Und an solchen Tagen muss man noch vorsichtiger sein. Der Mensch neigt dann dazu, komische Ideen zu entwickeln. Wenn ich Versicherungsmathematiker wäre, würde ich mal untersuchen, ob nicht die Mehrzahl der wirklich teuren Unfälle in eben einer solchen ereignisarmen Periode eintreten: Murmeln, die in der Nase stecken bleiben – nicht nur bei Kleinkindern; die Notwendigkeit der Entfernung seltsamster Gegenstände aus dem Enddarm beispielsweise oder Rettungsmaßnahmen wegen traumwandelndem Versinken in größeren Gewässern – tbc.

Heute war es aber nicht ganz so schlimm. Schließlich war der Postbote da (Ereignis 1 – Rechnungen) und der Wind hat bei Nachbars Buche einen Ast abgeknickt (Ereignis 2 – hoppala). Deshalb gab es auch weder Überraschungen noch Katastrophen im Küchentagebuch:

Küchentagebuch 19.08.11

Und warum?

  • In der Gemüsebeet-Entrümpelungs-Woche hat’s den Kohlrabi erwischt, solange er noch halbwegs zart ist. Das Rezept von Robert gefällt mir sehr gut, auch weil das Gemüse gut versteckt ist und bei einem Familienmitglied die Farbe Grün im Essen einen Alarm auslöst – damals habe ich mir extra eine Muffin-Form geleistet.
  • Mein Lieblings-Huhn aus einem Essen & Trinken im letzten Jahrtausend, deshalb bin ich wohl im Netz (noch) nicht fündig geworden. Die göttlich Sauce schmeckt so herrlich, dass nur gutes Weißbrot dazu passt – ach ja: Ceterum censeo
  • Die Frage ist ja im Moment: Was passt zu Zwetschgen? Und eigentlich darf ich das ja wegen der Mitesser nicht, aber ab und zu muss ich einfach andere Mousse-Rezepte ausprobieren, diesmal ohne Sahne aber mit Butter. Na ja, mit Zwetschenkompott wird’s schon auch der Familie schmecken.

Fazit

  • Kohlrabi aus dem Garten hat den Vorteil, dass man im Unterschied zum Wochenmarkt bei der Ernte die Grösse bestimmen kann. Und das Rezept ist und bleibt ein Erlebnis.
  • Huhn mit dieser Sauce und frischem Brot! Trotz Heißhunger ist allerdings von der 2 kg-Poularde noch für morgen genug übrig geblieben
  • Ich darf die Mousse wieder so machen – wenn ich den Namen ändere. Es gibt nur ein Rudi Völler! Unsere leichtere Sahne-Mousse hat den Vorteil, dass man auch mal zwei Schälchen essen kann, diese dagegen ist doch – Steph würde sagen: bannig mächtig.

Das Eichhörnchen

Gestern Abend hat Frau T. die kargen Überreste der sehr wohlschmeckenden Gebackenen Pflaumen aus der Auflaufform in ein kleines Schüsselchen gekratzt, sie in den Kühlschrank verfrachtet und gesagt: „Ich weiß ja nicht, was es morgen gibt.“

Seither frage ich mich, warum uns Rudi nicht manchmal auch zum Abendessen besucht. Und ich überlege, ob nicht auch ich endlich mehr zurücklegen müsste. Ein paar Goldbarren vielleicht, aber die Zeiten sind schlecht und alle wollen Gold. Ist Gold eigentlich ein nachwachsender Rohstoff? Egal, ich kann’s mir eh nicht leisten. Aber die Idee des Zurücklegens gefällt mir. Es sich im Alter gut gehen lassen, Füße hochlegen oder sportlich bewegen – je nachdem. Blöd nur, dass man damit früher anfangen sollte.

Rudi verbuddelt Nüsse,. die er nicht mehr essen mag, im Rasen unter der Eiche. Ich weiß ja nicht, wie alt so ein Eichkater wird, aber verderbliche Altersvorsorge halte ich für suboptimal, zumal er gerüchteweise im Durchschnitt weniger als 50% der Nüsse wieder findet. Rudi scheint mir kein geeignetes Vorbild zu sein.

Ich hab mir jetzt erst mal vorgenommen, beim nächsten Sonnenstrahl ganz viel gute Laune in mein Schüsselchen zu kratzen. Wer weiß schon, was es morgen gibt?

Aber was es heute gab. In der Gemüsebeet-Entrümpelungs-Woche ist der Mangold an der Reihe und das sieht im Küchentagebuch dann so aus:

Und warum?

  • Mangold muss weg. Gorgonzola sollte weg. Die Knödelbrot-Tüte ist voll. Dem Salbei schadet ein wenig abweiden auch nicht. Petra sei Dank.
  • Die Carnivoren-Beilage vom Metzger meines Vertrauens. Könnte man die weglassen?
  • Es ist doch interessant, mal auszureizen, wie lange es dauert, bis die Familie meutert: Du und deine blöden Zwetschgen! Und Nachschub hab ich zur Genüge – ich kann noch länger, notfalls mit tiefgefrorenen Zwetschgen.

Fazit

  • Lecker wie immer, aber heute etwas feucht – ich hätte sie dämpfen sollen, da passiert sowas nicht.
  • Ich weiß nicht wer die DLG ist und ob man denen trauen kann, aber wer solche Würste prämiert kann nicht ganz schlecht sein.
  • Weniger spektakulär als gestern, aber definitiv was für die Immer-Wieder-Liste

Gemüsebeet-Entrümpelungs-Woche

Weil ich mich jetzt endgültig entschieden habe, die Zucchini-Pflanzen einfach zu ignorieren und mich nur noch an ihren Blüten zu erfreuen (kulinarisch und botanisch), kann der ungeübte Gärtner-Blick wieder in die benachbarten Felder streifen. Und das wird auch höchste Zeit: Kohlrabi, Bohnen, Möhren und Mangold verlangen nach Zuwendung, also Ernte (und natürlich die Zwetschgenbäume). Fangen wir an mit

Grüne Bohnen mit Rosmarin und getrockneten Tomaten (Essen&Trinken 6/93)

Simply The Beans

Zutaten

50 g durchwachsenen Speck – 500 g grüne Bohnen – Salz – 2 EL Rosmarinnadeln – 2 Knoblauchzehen – 80 g getrocknete Tomaten (in Öl) – 2 EL Olivenöl – schwarzer Pfeffer (a.d. Mühle)

Zubereitung

Den Speck 10 Minuten ins Gefriergerät legen. Inzwischen Bohnen putzen und einmal durchbrechen. In leise kochendem Salzwasser 12 Minuten im geschlossenen Topf knapp garen, dann abtropfen lassen.
Den Speck ohne Schwarte zuerst in sehr dünne Scheiben, dann in Streifen und schließlich in Würfel schneiden. 1 EL Rosmarin fein hacken. Den Knoblauch pellen und fein hacken. Die Tomaten abtropfen lassen, Öl auffangen. Tomaten in feine Streifen schneiden.

Den Speck im Olivenöl und 1 EL Tomatenöl langsam ausbraten. Knoblauch und gehackten Rosmarin zugeben und unter Rühren 2 Minuten bei schwacher Hitze braten.

Die Bohnen und die Tomatenstreifen untermischen und zugedeckt 5 Minuten bei schwacher Hitze durchziehen lassen. Kräftig mit Pfeffer würzen, mit dem restlichen Rosmarin garnieren und servieren.

Angehörige der Gattung homo gemüsus affinus (au Backe!) meinen, das könnte man auch „ohne alles“ essen. Könnte man. Konjunktiv.

Im Küchentagebuch wird daraus nämlich:

Und warum ?

  • Kürzlich im BR Fernsehen gesehen und erstaunlicherweise gibt es das Rezept im Internet; das ist ja bei BR und Schuhbeck nicht selbstverständlich.
  • Im Kartoffelsäckchen sind lauter kleine Kartöffelchen übrig geblieben – siehe und wie?
  • Die Bohnenernte musste ausgenutzt werden, um mal wieder „Die Bohnen“ zu machen.
  • Zwetschgenbäume.

Und wie?

  • Da der Link zum BR vielleicht nur temporär „permanent“ ist, das Wichtigste in Stichworten: Hähnchenbrustfilets in etwa 1 1/2 cm breiten Streifen schneiden und am Vorabend in einer Mischung marinieren, die besteht aus: 150 g saure Sahne, 1 EL Orangensaft, 1-2 TL Zitronensaft, 1TL abgeriebene Zitronenschale, Pfeffer und je 1 TL getrocknete Kräuter (Oregano, Thymian, Majoran und Bohnenkraut). Am nächsten Tag dann mitsamt der Marinade wie gewohnt in Mehl wenden, durch Ei ziehen, in Semmelbröseln wälzen und in reichlich Fett (Öl) schwimmend sanft ausbacken. Abtropfen und in etwas brauner Butter schwenken.
  • Da Rosmarinkartoffeln zu allem gesagt wird, in dem Kartoffeln und Rosmarin vorkommen, ist vielleicht auch hier ein Satz angebracht (für 1 kg Kartoffeln): Ungeschälte, gewaschene kleine Kartoffeln mit einer Knoblauchzehe, Rosmarin, Salz, 3 TL Kümmel, 4 EL Olivenöl und 3EL Wasser in eine Pfanne geben und bei milder Hitze zugedeckt 30 Minuten garen (ab und zu rütteln). Das Originalrezept streut dann noch 250 g Katenschinken, 100 g Parmesan und 2 Bund Petersilie darüber, als Beilage lasse ich das weg.
  • Exakt wie oben angegeben, da mach ich keine Experimente.
  • Natürlich wie lavaterra mit Kardamom, wofür hab ich das gute Zeugs denn gekauft? Aber halt mit Zwetschgen und mit gekauftem Vanilleeis – ich hab nämlich immer noch keine Eismaschine.

Fazit

  • A Hund is er scho, der Alfons. Die Marinade kommt gut und dann das bayerische Olivenöl zum Schluss: eine Welt-sen-sa-tion.
  • Die Kartoffeln waren doch größer als ich dachte. Aber es funktioniert trotzdem (halt etwas länger).
  • Simply the beans.
  • „Traumkompott“ (lavaterra) ist noch untertrieben, Aromenexplosion würd mir noch einfallen. Warum hab ich bloß nur 6 Zwetschgenbäume?
    (Allerdings hab ich den Sternanis grob zerkleinert und den Kardamom nicht gemörsert, was teilweise zu unschönen Mundbegegnungen führt. Liebe Kinder: Bitte nicht nachmachen!)

 

Meta-Blog

Die Ente, die guteente, hat ja vor kurzem im Bloggersee geplätschert und ein paar Wellen aufgekräuselt, die hoffentlich wieder abgeebbt sind. Anlass genug, mal in sich zu gehen:

Mir ist völlig egal, ob das wer liest. Mehr noch, ich weiß, dass das keiner liest. Wie denn? Bei ca. 400+ Foodblogs allein in Österreich und der Schweiz (vielleicht einschließlich Bayern) hat doch keiner Zeit und Lust noch was zu lesen. Ist mir aber egal. Womit ich allerdings schon ein Problem hätte, wäre, wenn eine(r) –  auf welchem Wege auch immer – hier vorbeistolpert und nicht sofort den RSS-Feed -Button drückt! Die einzige Erklärung, die ich – vielleicht – gelten lassen würde, ist, dass derjenige oder diejenige von der Qualität und der Brillanz der Posts so geblendet war, dass er den Button nicht gefunden hat und im Moment gerade in allen Social Networks und Foren unterwegs ist, um einen Experten zu finden, der diesen lebensbedrohlichen Missstand behebt. Ja, das könnte ich vielleicht verstehen.

Trotzdem: Ich blogge, weil ich berühmt werden will! Und zwar sofort. Man hat ja als Mensch nicht allzu viele Gelegenheiten den Sprung zu schaffen, zumal wenn man aus einer Generation stammt, an der DSDS und Nachmittags-Talks surrogatfrei vorbeigegangen sind.

Da wäre einmal die Chance als Kind den Mozart zu machen oder sonst was wunderkindiges. Verpasst.

Und dann gibt es die Möglichkeit für einen jungen Mann eine Millionärswitwe zu heiraten. Versäumt.

Der reifere Herr kann schließlich im Beruf reüssieren; im Herbst meiner Karriere muss ich allerdings konstatieren: fehlgeschlagen.

Und schließlich bin ich an posthumen Würdigungen und Auszeichnungen schlicht und ergreifend gar nicht interessiert. Aus hoffentlich nachvollziehbaren Gründen.

Also muss es hier klappen. Und wenn ich mich selbst um die Welt schicken muss oder zum Deppen machen – na und? Merkt doch später keiner, wenn bei YouTube der Besucherzähler überläuft. Fünf Millionen Klicks in 2 Sekunden und alle sehen wie ich den Hampelmann mache. Ich! Es muss einfach klappen, und es wird! Ich muss nur noch lernen, an Blog-Events teilzunehmen, einen Award zu erfinden und jeden Tag zwanzigmal „Lecker!“ in die Kommentarformulare zu hämmern, dann wird das schon.

Und bis dahin mach ich halt mein Küchentagebuch, das ausgerechnet heute allerdings deprimierend unspektakulär ist:

  • Gefüllte Kürbis- und Zucchini-Blüten
  • Schmetterlingsnudeln mit „Ragout fin“ von gestern
  • Nochmals: Roberts Wunder-Zwetschgen-Tarte

Und warum?

  • Hab ich schnell noch reingemogelt, zum Aufpeppen. Ich glaube, ich habe hier schon davon geschwärmt. Und: wo keine Blüte (mehr), da auch kein Zucchino. Gut.
  • Die Menge war einfach zu groß für drei kleine Pastetchen. Hätt ich eigentlich wissen können.
  • Niederlagen, zumal wenn sie keine Knockouts sind, wecken einen sonst völlig unbekannten Ehrgeiz in mir. Und 9 Zwetschgen sind mindestens noch auf einem der 6 Bäume.

Fazit

  • Da habe ich mich doch tatsächlich dabei erwischt, dass ich für den Garten eine „Einkaufszettel“ geschrieben habe, damit ja nichts schief geht. Ging auch nicht.
  • Aufgewärmte Bechamel gehört offensichtlich nicht unbedingt zu den empfehlenswerten Dingen. Kann man machen, sollte man aber nicht.
  • Vielleicht sollen der Strudelteig und ich keine Freunde werden, vielleicht ist auch mein Backofen böse mit mir: auch der zweite Versuch war, nun ja, sehr hellbraun, aber die Zwetschen sehr schmackhaft. Ich hab noch Teig und jede Menge Zwetschgen, aber dass ich die Energie für einen dritten Versuch aufbringe, ist eher unwahrscheinlich.

Store Wars


Ein Klassiker. Immer, wenn ich mir das ansehe, wird mir leichter ums Herz. Dann schultere ich vergnügt den Weiden-Einkaufs-Korb und schlendere pfeifend zum Wochenmarkt: Alles wird gut! (Gibt’s auch auf deutsch)

Zum Küchentagebuch. Es gab:

Und warum?

  • Zwei Zufälle. Im Supermarkt meines Vertrauens Königinpastetchen entdeckt. Im Internet bei paules auf ein Rezept gestoßen. Alles am selben Tag. Da muss man doch Kindheitserinnerungen auffrischen – zumal paules nur Hühnerfleisch nimmt und da ist von der Hühnerbrühe noch ein wenig eingefroren.
  • Na ja. Die Zucchini-Ernte endet nicht. Klingt zumindest interessant, auch wenn der Hauptgrund – den Speck zu ersetzen – jetzt nicht allererste Priorität hätte und ein paar Bedenken auslöst.
  • Die Zwetschgen am Baum werden immer bedrohlicher reif. Mit diesem Rezept sind es aber schon wieder 9 oder 10 weniger.

Fazit

  • Auftrag erfüllt! Exakt der gleiche Geschmack wie auf der Kinderzunge, obwohl ich immer dachte, damals sei das „Ragout fin“ gewesen, mit Kalb, aber vielleicht merkt (und erinnert) man das vor lauter Bechamel gar nicht so sehr.
  • Angenehm überrascht! Ich würde es nicht Carbonara nennen, weil Carbonara vom Zusammenspiel aus Speck und Ei lebt. Aber Zucchini totzubraten scheint ein gangbarer Weg.
  • Missglückt! Aus unerfindlichen Gründen war der Ofen zu heiß und der Strudelteig, nun ja, recht dunkel. An den wenigen hellen Stellen konnte man sich aber laben. Gibt’s morgen direkt nochmal, das kann ich ja nicht auf mir sitzen lassen.

εὕρηκα!

Heureka! Ich hab’s gefunden! Das heißt, ich hab sie gefunden (ein herzliches hoppala an alle Altgriechen), die Zucchini-Keule, die sich hinterrücks unter einem Blatt versteckt hat, um ungestört wachsen zu können.

1524 g Zucchetti (zum Vergleich eine Heidschnucke)

Man könnte die jetzt auf dem Kompost entsorgen oder einem nichts-ahnenden Nachbarn schenken oder auf dem Wochenmarkt anbieten oder bei der örtlichen Tafel abgeben. Aber seit dem 26. Juli 2010 kennt die Welt eine Alternative. Und auch seit Juli 2010 warte ich auf eine Gelegenheit. Jetzt ist sie da!

Zucchini (bei der Größenordnung) längs halbieren und entkernen, in dünne Scheibchen hobeln und auf einem gebutterten Backblech – offensichtlich 1 Blech pro halbe Keule – ziegelartig schichten. Dabei, wenn ich das richtig verstanden habe, Salz, Pfeffer, kleingehackten Knoblauch, frische oder getrocknete Kräuter (Thymian, Rosmarin, Bohnenkraut, Oregano etc.) und Sbrinz, Greyerzerkäse oder Parmesan einarbeiten. Mit wenig Rahm oder Halbrahm übergießen und mit Butterflöckchen bestreuen.

Ofen auf 250° aufheizen und dann ca. 40 Minuten backen, wobei die Ofentür mit einem Holzlöffel leicht angelehnt bleiben sollte, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Das ist wohl – wiederum wenn ich das richtig verstanden habe – der Clou an der Geschichte und leuchtet auch ein, weil Wasser, Mann, Wasser hat so ein Zucchino genug. (Laut mehrerer Zeugenaussagen hilft es wohl auch, die Ofentür alle 5-10 Minuten kurz zu öffnen, um denselben Effekt zu erzeugen.)

Und damit wären wir beim Küchentagbuch (der Hauptdarsteller ist unschwer zu erraten):

  • Roberts Wunderkeule mit Resten vom Lammrücken und Kartoffeln
  • Vanille-Flan (von gestern)

Fazit

  • Skepsis ade, ich bin vom Zucchini-Saulus zum Paulus geworden. Echt schmackhaft. Wenn auch, aus welchen Gründen auch immer, bei manchen Scheiben die Haut recht hart war/geworden ist. Ich passe aber jetzt trotzdem besser auf meine Zucchini-Pflanzen auf – das Rezept geht ja auch mit moderater Größe.
  • Beim Flan wird der Karamell am zweiten Tag etwas flüssiger – ich mag das aber.

 

 

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