Flädle, Suppe, Brot

Ich war heute beim Impfen im Impfzentrum. Das war ein bisschen wie bei den Putzerlippfischen, bei denen immer ein Männchen und ein paar Weibchen eine Putzerstation bilden, zu der größere Fische, auch Raubfische, hinschwimmen, sich brav einreihen und warten, bis sie an der Reihe sind. Keine prolligen Haie, die mit dem Ferrari vorfahren, keine dicken Rochen, die sich – Platz da! – vordrängeln, alle warten brav in einer Reihe. [BTW: Natürlich gibt es auch Meeres-Bewohner, die ihre Residenz nicht einfach verlassen können, wie die zum Beispiel die Riffbarsche, die immer auf ihren paar Quadratmetern leben müssen, weil ihr Wohnsitz sonst sofort zwangsbesetzt würde. Deshalb gibt es ja die mobilen Impf-Putz-Teams.] Aber zurück zur Putzerstation zum Impfzentrum. Ich hätte schon erwartet, dass es da ein paar dramatische Szenen gibt: »Lassen Sie mich durch, ich bin Friseur!« etwa. Gab’s aber nicht.

Küchentagebuch, Freitag 7. Mai 2021

Manche sagen auch Frittaten-Suppe?

Gebacken: Quarktarte (Schichtkäse gibt es nur im 500g-Päckchen)

Sellerie, Miso, Naan

Ich hab im Schrank ein verstaubtes Buch entdeckt: Ein »Immerwährender Küchenkalender für jeden Tag und besondere Anlässe. Mit Rezepten vom Koch des Jahrhunderts Eckhart Witzigmann«. Für jeden Monat gibt es etwa zwei Rezepte und im Dezember nur Desserts. Aber vielleicht ist das in der Jahrhundertküche so, was weiß ich schon davon. Auf jeden Fall habe ich mir gedacht, ich könnte doch zusätzlich zum Küchentagebuch, in dem steht, was ich koche, zweimal im Monat auch im Küchenkalender schreiben, was ich hätte gekocht haben können (Konjunktiv III?).

Küchenkalender Mai 2021 (1)

  • Gefüllte Knödelblätter mit Lammzunge und schwarzen Trüffeln (falls sich jemand fragt, was Knödelblätter sind: Einen Jahrhundert-Knödelteig zubereiten, wie eine Wurst in Folie wickeln, im Wasserbad pochieren, gut auskühlen lassen und in feine Scheiben schneiden. Daraus wird dann so eine Art Lasagne, sieht toll aus.) Hätte bestimmt geschmeckt haben können.

Küchentagebuch, Donnerstag 6. Mai 2021

*) da ich offensichtlich Chili & Ciabatta leerkoche – was mir vor dem Küchentagebuch gar nicht so klar war – markiere ich zukünftig alle diese Gerichte mit dieser Cascabel-Schote; vielleicht kann ich dann auf einen Link verzichten

Ich glaube, die Ottolenghi-Version gefällt mir besser

Schnitzel, Kren, süßer Senf

Boskop: blüht. Beide Kirschbäume: blühen. Mirabellen und Zwetschgen: blühen. Alle Apfelbäume: blühen. Nur die Winteräpfel: blühen nicht – die haben ja auch noch Zeit. Der Rhabarber blüht nicht, aber er legt sich schwer ins Zeug. Und die Tulpen und das andere Zeugs, das man nicht essen kann, bemühen sich auch um Aufmerksamkeit. Jetzt wäre ein wenig Sonne schön und ein bisschen Wärme. Dann könnte ich in den Garten gehen und mir das anschauen. Aber man darf ja auch nicht zu viel erwarten, aus der Ferne ist das auch schön. Doch, schon schön.

Küchentagebuch, Mittwoch 5.Mai 2021

  • Münchner Schnitzel mit Kren und süßem Senf (Nach dem nicht ganz geglückten Ackersalat aus der Echten Heimatküche musste ich das Rezept natürlich erst mal im Internet überprüfen. Wo man überall Rezepte findet – beim Spiegel, im Stern, natürlich bei muenchen.de und der Herr Bachmeier kanns auch. Bei 3 Zutaten gibt es aber 4 Streitfragen: Kalb oder Schwein? 100g Kren oder 1 TL? Parmesan oder nicht? Semmelbrösel oder alte Brezen?
  • Kartoffelsalat (weil der Herr Schuhbeck sein Schnitzel füllt und somit aus dem Rennen ist, gibt es wenigstens seinen Kartoffelsalat dazu)
»Wiener« Schnitzel mit Weißwurst-Senf und Meerrettich

Lauch, Linsen, Lauch

Eigentlich wollte ich heute Spargel kochen. Aber erstens esse ich Spargel erst, wenn der Kilopreis unter 10€ fällt (wär beim »krummen« schon der Fall) und zweitens bin ich bei der Vorstellung, den Spargel mit Wollhandschuhen schälen zu müssen leicht ins Frösteln geraten. Ich weiß ohnehin nicht, warum es hier schon seit Anfang April die ersten Spargelstände gibt. Das funktioniert ja wohl nur mit Folie und Heizen und Superdüngern. Abgesehen vom Geschmack ist das auch für unseren zaghaften Versuch, das Klima noch zu retten, nicht optimal und vor allem – unnötig! Mir würden auch die ersten Spargel Ende Mai genügend, wenn sie dann halt soweit sind. Aber die Schlangen an den Ständen waren und sind lang, obwohl es bei Edeka ein Pfund Spargel aus Uruguay für 2,99€ gibt. Ich bin mir nicht sicher, wer den größeren ökologischen Fußabdruck hat.

Küchentagebuch, Dienstag 4. Mai 2021

  • Confierter Lauch mit Linsen und
  • Lauch-Zitronen-Sahne (gekocht und dokumentiert von Küchenlatein)
  • Dünne Pfannkuchen (seit 2008 nach diesem Rezept)
Der französische Estragon in den Linsen,.. 👍

Tomatensauce, Pasta, Ackersalat

Was ist Heimatküche? Des was es dahoim gäbbe had? Des wos ’s voa a boh Joarn in Minga gob?*) Das, was es jetzt gibt? Schwer zu sagen, aber für Kochbuch-Herausgeber scheint das Thema genauso schwer zu umgehen. Ich hab jetzt ein Buch gefunden, das gleich »Echte Heimatküche« heißt und (so will es uns weismachen) von drei Familien befüllt worden ist: Eine in den Dünen im Strandkorb, offensichtlich bei Nordwind; eine mit einem Mannsbild und zwei sauberen Buam in der Lederhose und der Mutter im Dirndl auf einer Bierbank vor dem Haus; und eine Großfamilie vor’m Scheure-Tor mit’m Küchentisch und Kartoffel und Moschd druff. Eigentlich wie für mich gemacht: Norddeutsch, Bayrisch, Schwäbisch – grad wie ich. Nur blöd, dass ich am Ende des Buches lustlos gerade mal zwei Rezepte ausgesucht hatte: Ackersalat mit Kartoffeldressing (schwäbisch – weil ich das so nicht kenne) und Münchner Schnitzel mit Kren und süßem Senf (bayrisch – weil ich das mal irgendwo bestellt und gern gegessen hab – übrigens sind alle Rezept-Titel jedes Mal ordentlich übersetzt, z. B. wegen Feldsalat und Meerrettich). Norddeutsch fehlt, vielleicht muss ich das Buch doch nochmal ausleihen.

*) Bitte nicht schlagen! Das hab ich mir vom Bayrisch/Deutsch-Übersetzer übersetzen lassen.

Küchentagebuch, Montag 3. Mai 2021

  • Tomatensauce
  • Pasta
  • Ackersalat mit Kartoffeldressing (einen Link dazu braucht man nicht; Kartoffeln und Mineralwasser sind nicht eben als Geschmacksbomben bekannt)
Im nächsten Leben werd ich Foodstylist, wovon werden die eigentlich satt?

Gebacken: Mal wieder Großbacktag

Hat sich bewährt …

Spitzpaprika, Kartoffel, Kokos, Limette

In der ARD-Mediathek ist bei der Auswahl des Films »Die letzten Tage der Emma Blank« ein blauer Hinweis eingeblendet: »Noch fünf Tage«. Obwohl mich natürlich schon interessiert, wie viele Tage die Frau Blank jetzt noch macht, ist mir früher nie aufgefallen, wie unpräzise der Titel eigentlich ist. Man hätte jetzt natürlich auch die Einblendung weglassen und den Titel auf »Die letzten fünf Tage …« ändern können. Aber dann wäre irgendwann das Problem mit dem Singular gekommen. »Die letzten ein Tage …« hört sich bescheuert an – ist schon gut so mit der Einblendung.

Küchentagebuch, Sonntag 2. Mai 2021

  • Spitzpaprika-Schnitzel mit Sesam-Limetten-Algen-Panade (aus Ottolenghis Flavour, nachgekocht von Cascabel-Petra, bzw. Ihrem Freitagsmann)
  • Kartoffelgratin mit Kokos und Limette (auch Flavour, nachgekocht vom Vollmilchmädchen. Zwar ohne Rezept aber mit einem Link auf ein englisches Original)
De Kartoffeln waren so, der Paprika aber heller. Wer erklärt mir „Beleuchtung“?

Lammhaxe, Bohnen, Spätzle

Ich habe gestern Abend in der Onleihe gestöbert, in der GU-Reihe »Kochen wie in …« die Portugal-Ausgabe entdeckt und relativ lustlos darin geblättert. Der portugiesischen Küche konnte ich nie recht was abgewinnen und ganz schlimm war Madeira, wo es zwar in Funchal einen wunderschönen Markt gibt, mit allem was das Herz begehrt. Nur in den Restaurants war all das verkocht oder fade oder beides und immer mit total durchgebratenem staubtrockenen Fleisch oder Fisch serviert. Wahrscheinlich trügt mich meine Erinnerung, weil so schlimm kann es gar nicht gewesen sein. Allerdings: In dem Buch ging es mir – wahrscheinlich um meine Vorurteile zu bestätigen – ähnlich und das schnelle Weiterblättern fiel nicht schwer – bis zu der Seite mit der »Francesinha«, also der kleinen Französin. Ein – tja – reichliches Sandwich mit Bier-Tomaten-Sauce und Pommes frites. Ich dachte, das hat er jetzt erfunden, damit ich nicht einschlafe: Sowas gibt es nicht. Aber weit gefehlt – das Internet ist randvoll mit Rezepten. Einfach mal »Francesinha Rezept« googeln oder dieses Youtube-Video anschauen. Es ist auf portugiesisch, aber zumindest der Anfang, an dem eine Zutat nach der anderen eingeblendet wird, ist international und unglaublich. (Hier im Schnelldurchlauf auch auf Deutsch.) Und immer wenn man denkt, es reicht, kommt’s noch besser. Und normalerweise kommt noch ein Spiegelei obendrauf. Kleine Französin – was für ein Name, was für ein Gericht!

Küchentagebuch, Samstag 1. Mai 2021

  • Lammhaxe (aus der TK, siehe hier)
  • Grüne Bohnen (ich wurde geknebelt, mit auf dem Rücken gebundenen Händen und vorgehaltener Pistole gezwungen, dieses Rezept nochmal zu machen – na ja, ich hatte auf jeden Fall keine Wahl)
  • Spätzle (was man halt macht, wenn keine Bandnudeln mehr im Vorrat sind und es eine leckere Sauce gibt – Sorry Kartoffel)
Komisch, dass man mich zu diesen Bohnen zwingen muss

Leberknödel, klare Brühe, Brezen

Will mir doch tatsächlich der SZ-Rezepte-Newsletter eine alte Ausgabe des Magazins ans Herz legen, in der eine »Liebeserklärung an die Butterbreze« mit der Frage anfängt, »warum nur scheitert der Rest des Landes an der Herstellung dieses Grundnahrungsmittels?« Jetzt reicht’s aber. Tut er nicht! Gut, man kann’s nicht kaufen, aber was heißt das schon? Ist Selbermachen nicht ohnehin angesagt, wenn nicht gar am angesagtesten?. Und seit in der guten alten Münchner Müller-Brezel keine Motten und kein Mäusedreck mehr erlaubt sind, können mir eure polnischen Aufback-Teiglinge – mit Verlaub – gestohlen bleiben! Wenn mir irgend so ein weltstädtisches Szene-Blatterl dann tatsächlich »11 ziemlich gute Brezen in München« andrehen will, dann, bitte, ist das nicht ein bisschen wenig für so eine große Stadt? Wenn auf meinen Backstein mehr als 6 Brezen passen würden, hätt ich viel mehr machen können! Und nicht nur ziemlich gute!

Küchentagebuch, Freitag 30. April 2021

  • Leberknödel (nach Herrn Schuhbeck, der bestimmt auch gute Brezen backt) in
  • Klarer Brühe (von gestern) und
  • Brezeln, mit l um sich von den Aufschneider-Brezen da unten im Süden abzugrenzen!
Mist, da ist das Weißbier ins Bild geraten! Bitte, das ist KEINE Werbung!

Siedfleisch, Bouillongemüse, Meerrettichsauce

Suppe kochen ist eigentlich eine schöne Sache. Macht glücklich und ist recht einfach zu bewerkstelligen. Zwei Fehler allerdings können alles versauen. Der erste bahnt sich an, wenn der Koch denkt, er salzt später, weil. Er salzt dann natürlich gar nicht. Der zweite ist, dass man zusätzlich zu welchem Fleisch sich man auch immer aussucht, auf jeden Fall noch eine Beinscheibe dazu schmuggeln muss. Und diese Beinscheibe muss in der Mitte eine dicken Markknochen haben. Das in der Brühe gekochte Mark braucht der Koch nämlich, um es sich auf eine Scheibe Sauerteigbrot zu schmieren, das Ganze zu salzen und dann einige Minuten lang selig zu grinsen. Manche meinen, dieses Grinsen se ein wenig debil, aber man muss bedenken: Nur wenn der Koch glücklich ist, werden es auch die Gäste sein.

Küchentagebuch, Donnerstag 29. April 2021

Der Koch war glücklich und die Gäste? Auch.

Gebacken: San Francisco Sourdough Bread (Plötzblog)

Karotten, Nudeln, Karotten

Im Moment funktioniert ja irgendwie gar nichts. Gestern las ich beim Frühstück, dass sich in Niedersachsen jetzt alle Über-60-Jährigen zur Impfung anmelden können. „Das tritt – nach meiner Kenntnis – ist das sofort, unverzüglich.“ Hohnlachend rief ich die Internet-Seite auf – schließlich will ich doch auch mal dabei sein, wenn ein Server zusammenbricht! Doch: Keine Anzeichen von Überlastung. Aber das ist ja noch besser, frohlockte ich, dann bricht er ab, wenn ich alles zur Hälfte ausgefüllt hab und ich kann mich noch mehr ärgern. Dann hab ich auch was zu erzählen. Aber nix da, auf gar nix ist mehr Verlass! Alles brav ausgefüllt, als impfberechtigt erkannt, die Prüf-SMS erhalten und nur die angekündigte Bestätigungs-Email kam erst nach nach etwa 10 Minuten, was ja wohl eine Ewigkeit und eine absolute Frechheit ist, nach 10 Minuten! Der Ton war freundlich und man wies mich darauf hin, dass jetzt regelmäßig eine solche Email käme, damit ich mir keine Sorgen machen müsse. Oioioi, und wer zahlt den Speicherplatz in meinem Postfach? Bis September »regelmäßig« eine Email, das geht ja in die Gigabytes, aber da hat natürlich wieder keiner drüber nachgedacht! Und tatsächlich kam die nächste Mail kaum 4 Stunden später, ich hab’s ja geahnt, die müllen mich zu – weg damit! Halt, was steht da im Betreff? Terminbestätigung? Und worüber soll ich mich jetzt aufregen, Himmel nochmal?

Küchentagebuch, Mittwoch 28. April 2021

  • In Karottensaft und Feta gegarte Nudeln mit in Curry und Koriander geschmorte Karotten (von Dani & Roland Trettl – via Chili & Ciabatta)
  • Buttermilchmousse mit den wohl letzten Blutorangen der Saison
Das Schwierigste ist es den Entsafter im Keller zu finden, toll!

Gebacken: Quarktarte mit Amarenakirschen Rosinen

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