Matjes, Apfel, Schmand

Er ist ständig unterwegs. [Das gilt natürlich nur für die Vor-Corona-Zeit oder die baldige Auch-Corona-Zeit.] Und, steht er jetzt (ständig) oder fährt er jetzt (unterwegs)? Beides? Wie soll das denn gehen? Ich habe mir das immer so vorgestellt, dass da jemand auf dem Elektro-Roller stehend im Stande ist, ständig vorwärts zu kommen. Aber das Wort ist ja viel älter als die Elektro-Roller, das kann also nicht die Erklärung sein. Und dass »beständig« und »fortlaufend« Synonyme sein sollen, leuchtet mir auch nicht richtig ein. Aber es ist schon gut so, oder glaubt jemand, dass es besser wäre statt einer Ständigen Impfkommission eine Fortlaufende Impfkommission zu haben? Hmm.

Küchentagebuch, Donnerstag 8. Juli 2021

  • Matjes mit Apfel-Schmand-Sauce (Hausfrauen-Art? Auf jeden Fall im Kuriositätenladen veröffentlicht)
  • Bratkartoffeln (der erste Matjes der Saison muss mit Bratkartoffeln)
  • Schokoladenpudding
aus gekochten Kartoffeln

Saltimbocca, knusprige Bohnen, Kartoffeln

Offene Browser-Tabs sind die Geißel des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Früher war es ja so, dass man ein interessantes Rezept bzw. das Bild davon gesehen hat. Dann hat man gedacht Oh ja, das probier ich aus! Und ob man dann die Seite einfach geschlossen hat (in der irrigen Annahme, man würde sich später noch daran erinnern) oder den Link vorher noch in der Favoritenliste gespeichert oder ein Lesezeichen gesetzt hat, das Ergebnis war das gleiche: Aus den Augen aus dem Sinn. Das war aber gut so, und wahrscheinlich auch so geplant. Erhöhung der Zufriedenheit durch Reduktion der Wunschliste, so stand es damals im Exposé der Schöpfung. Und auch Neuerungen wie die Notizen oder Feedly-Read-Later auf iOS oder die Sammlungen bei Edge: Gutes Gewissen, weil gespeichert; hohe Zufriedenheit, weil vergessen wo. Und heute ist da dieser immer offene Tab mit »Alubias con judías verdes y ajo«, also etwa »Knusprige weiße Bohnen mit grünen Bohnen und Knoblauch«. Und tatsächlich ist da ein Bild mit goldbraun gebratenen Riesenbohnen, bei dem ich nicht für möglich gehalten hätte, dass so etwas geht. Da mich dieses Bild aber jeden Tag anlacht, muss ich das heute endlich nachkochen, auch wenn es vielleicht nicht ganz zu Saltimbocca passt, ich halte das nicht länger aus. Ich muss den Tab jetzt endlich schließen.

Küchentagebuch, Donnerstag 24. Juni 2021

  • Saltimbocca alla Romana
  • Vorgekochte junge Kartoffeln in der Pfanne in Butter gebräunt (weil der Backofen belegt ist)
  • Knusprige weiße Bohnen mit grünen Bohnen und Knoblauch (das deutsche Rezept, meine Übersetzung, die habe ich aber schon mit DeepL überprüft)
Ehemals weiße Bohnen, tatsächlich knusprig! Auch als Snack zum Bier auf der Terrasse vorstellbar

Gebacken: Rhabarbertarte (ich habe begonnen, meinen Geburtstagskuchen selber zu backen, als mich Freunde mit einer Sahnetorte von Coppenrath & Wiese überrascht haben)

Letzter möglicher Tag, das war’s. Bis nächstes Jahr

Zicklein, Knoblauch, Kartoffeln

Ich weiß jetzt auch, woher die Redensart »das Zicklein an der Waage« kommt. Das Zicklein wird heutzutage meist in Gold aufgewogen, da ist eine zuverlässige, hochpräzise Wägevorrichtung von allergrößter Bedeutung und betrügerische Gegengewichte können zum Ruin und dem Verlust ganzer Familien-Vermögen führen, einschließlich Haus, Hof, Hab und Gut. Gut, übertreiben war schon immer meine Stärke, aber mein erstes Zicklein habe ich als bettelarmer Student in Marokko gegessen; wie ich mir das damals leisten konnte, ist mir heute ein Rätsel.

Küchentagebuch, Samstag 19. Juni 2021

  • Zickleinkeule mit Karotten, Knoblauch und Kartoffeln (eatsmarter)
  • Buttermilch-Kaltschale mit Erdbeeren
Oooh, ein kleines Zicklein, teuer, aber oho

Mairübchen, Karottensticks, Bratkartoffeln

Ich hab da mal ein Gedicht geschrieben. Es heißt: »Bulimie« und geht so: »Hallo, ich bin aus Hessen und ganz versessen aufs essen vergessen.« Und dann ist mir aufgefallen, dass ich ja als Nichtbetroffener (weder Hesse, noch Bulimiker) eigentlich die Klappe halten halten sollte (Stichwort Cancel Culture). Also hab ich um auch die andere Seite mit einzubeziehen – oder um mich vollständig reinzureiten – noch ein Gedicht geschrieben. Es heißt »Adipositas« und geht so: »Hallo, ich bin aus der Pfalz, Gott erhalz, und mir hängt das Schmalz schon aus’m Halz«. Und bevor die Rechtschreibfanatiker sich auch noch in den Shitstorm einreihen, habe ich beschlossen, trotz der herausragenden Qualität beide Gedicht nicht zu veröffentlichen. Das habt ihr jetzt davon.

Küchentagebuch, Mittwoch 16. Juni 2021

  • Spargelcremesuppe (zur Erinnerung gestern gab es den Spargel ohne Schalen!)
  • Mairübchen (auf mamas-rezepte.de, was es für Internetseiten gibt! Aber es wird noch besser)
  • Geröstete Parmesankarotten (wir-testen-und-berichten.de!) und Geröstete Zucchini-Sticks (hier, englisch und ähnlich am Tegernsee)
  • Chaat-Masala-Kartoffeln mit Joghurt und Tamarinde (OttoLenghi, Flavour. Da Koriander-Chutney wegen Frau T. nicht geht und für das süße Tamarinden-Dressing die Tamarinden-Paste fehlt und auch kein Chaat-Masala im Haus ist (und auch in absehbarer Zeit nicht sein wird), das aber »diesem Gericht den unverwechselbaren Geschmack verleiht«, macht auch der griechische Joghurt wenig Sinn und übrig bleiben »sehr kleine Frühkartoffeln, längs in 1 cm dicke Scheiben geschnitten«, mit Chaat-Masala, Kurkuma, Olivenöl, Salz und Pfeffer gut gewürzt, im Ofen bei 220° Umluft ~35 Minuten kräftig gebräunt und mit Ringen von 1 grünen Chilischote, ein paar feinen Scheiben rote Zwiebel und Korianderkörnern und Schwarzkümmelsamen [beides geröstet] bestreut )
Kartoffeln trotzdem gut, aber zu kross. Dicker oder kürzer im Ofen

Spargel

und Schinken und Kartoffeln und Bérnaise. Spargel halt. Auch in dieser Saison, die sich langsam ihrem Ende entgegen neigt, habe ich kein Rezept entdeckt, das mich neugierig genug gemacht hätte, mich stante pede an den Herd zu begeben. Da mir drei mal im Jahr Spargel (also: Spargel) auch ausreichen, habe ich damit keine Problem – zumal es Heideschinken und Heidekartoffeln und Béarnaise das ganze Jahr über gibt. Wenn dann im Oktober die Saison*) wieder beginnt, schauen wir weiter.

*) in Australien oder wo auch immer, ich kenn mich da nicht aus. Aber irgendwo wird es immer Spargel geben, die deutschen Verbraucher sind ganz verrückt danach

Küchentagebuch, Dienstag 15. Juni 2021

Zum ersten, zum zweiten, zum dritten

Schweinenacken, Fenchel, Bratkartoffeln

All die armen1,2) Menschen ohne Zähne. Oder mit einem Zahn. Wobei man sich die Frage stellt, ob ein Backenzahn besser wäre oder ein Schneidezahn, wenn man sich denn entscheiden müsste. Spontan wäre ich für einen Backenzahn. Dann kann man die Brezel zerbrechen, ordentlich einspeicheln und dann zermalmen. Wobei natürlich ein Schneidezahn zugegebenermaßen auch Vorteile haben kann. Beim Essen eines Apfels ist es zum Beispiel schon praktisch, wenn man reinbeißen kann. Andererseits kann man, wenn man ihn wegen der Giftstoffe ohnehin schälen muss, ihn natürlich auch erstmal in Schnitze oder Scheiben zerteilen, die man dann mit dem verbliebenen Backenzahn zermusen kann. Man müsste sich halt auf mürbe Äpfel konzentrieren. Aber über Fleischfetzen, die nicht tagelang weichgeritten wurden, will ich gar nicht nachdenken. Und so lange ist das gar nicht her, und soweit ist das gar nicht entfernt, dass Menschen jahrelang mit einem oder zwei Zähnen auskommen mussten oder müssen, oder frisches Brot tabu war, weil sonst das Gebiss zerbrochen wäre. Warum ich gerade jetzt auf diese Gedanken komme? Nun, ich muss ein paar Tage mit einem Provisorium beißen und traue mir einen Schweinenacken zu. Das macht dankbar.

1) bemitleidenswert, 2) ohne nennenswertes Einkommen

Küchentagebuch, Sonntag 13. Juni 2021

  • Glasierter Schweinenacken (nach Alfons Schuhbeck, wobei mich das Wort Glasage – so schreibt der BR das – so fasziniert hat, dass … aber kosmetik-affine Menschen sollten sich dadurch nicht verwirren lassen, das gibt’s schon auch in der Küche, nicht nur auf den Haaren)
  • Fenchel niçoise (das Rezept gibt es bei 🌶)
  • Knusprige Ofenkartoffeln (ebd.)
  • Joghurt Mousse mit Erdbeeren (das wahrscheinlich beste Erdbeer-Dessert der Welt, vielleicht noch vor Himmelswölkchen und Erdbeer-Tiramisu und ich hab es langsam satt, dass meine Lieblings-Rezepte von essen & trinken es einfach nicht ins Internet schaffen. Da kommt man sich – zumal ohne Zähne – so richtig alt vor. Hierlang.)
Alles beißbar, alles gut

Hühnerbeine, Spinat, Pommery-Kartoffeln

Irgend jemand hat den Radweg am Ententeich von den Gänse-Hinterlassenschaften befreit. So gut es halt geht. Und so lang das auch anhalten wird. Immerhin ist es jetzt im Moment möglich, auch ohne größere tänzerische Begabung auf den Markt und wieder zurück zu kommen. Heute Morgen war ich für meine Verhältnisse relativ früh unterwegs und da saßen die Gänse am Ufer und hatten die Köpfe im Gefieder versteckt. Weil sie sich halt doch auch ein bisschen schämen, dass da schon wieder dicke Haufen rumliegen, die ältere Menschen auch mal zu riskanten Verrenkungen zwingen können. Mit allen Folgen für das deutsche Gesundheitssystem.

Küchentagebuch, Samstag 12. Juni 2021

  • Marinierte Hühnerbeine
  • Blattspinat mit Kirsch-Tomaten
  • Pommery-Kartoffeln (in Senf gebadet, paniert und kross gebraten – ein Rezept von 🌶)
Ich hatte großen Hunger, aber trotzdem: Gut.

Mittag-Snack: Räucheraal auf Rührei auf Pumpernickel

Einfach lecker, rettet die Aale!

Bohnen, Kartoffeln, Parmesan

Gestern Abend im Fernsehen (ttt). Jens Balzer analysiert in seinem Buch »High Energy« die Achtziger. Aids, Atomkraft, Tschernobyl. Sexuelle Selbstbestimmung, Verwischung der Geschlechterrollen, Umwelt. Der Film Wallstreet, Hedonismus, Wirtschaftsliberalität. »Es war völlig selbstverständlich, dass man für die Emanzipation von Schwulen und ethnischen Minderheiten eintrat, aber gleichzeitig gegen die Gewerkschaften und ihren Einfluss auf die Tarifbildung gearbeitet hat«. War schön, das Jahrzehnt, war schräg und geblieben sind wohl Wallstreet und die Gehälter der Liefer-Fahrer. Und dann Venedig. Die Architektur-Biennale 2021 („How will we live together?“) findet doch statt, womit die deutsche Delegation nicht gerechnet hat und in ihrem Pavillon nur QR-Codes ausstellt, die auf Filmbeiträge verweisen, in denen Vordenker der Urbanität auf die Gegenwart schauen – aus der Sicht von 2038. Und wie immer, wenn Menschen vor-denken, und nicht nur die Städte, sondern auch gleich die ganze Gesellschaft umbauen wollen, wird alles ganz toll. Allerdings: »In dem Moment, in dem wir immer noch glauben, wir können unser Wachstum gegen das des Südens oder der direkten Nachbarn in Stellung bringen, haben wir noch nicht genug Krisen erlebt, um zu einem Besseren zu kommen.« Und damit zurück zur Wahl in Sachsen-Anhalt und Reiner Haseloff und dem Niedergang der SPD.

Küchentagebuch, Montag 7. Juni 2021

  • Rosmarinkartoffeln mit Schinken und Parmesan (empfehlenswert, zu alt fürs Internet, hier mein PDF)
  • Grüne Bohnen mit Parmesan und Pinienkernen (frisches Bohnenkraut, hier das PDF)
  • Reste des Rhabarber-Tiramisus (wie alle Tiramisus wird es jeden Tag besser – und weniger)
Beides extrem lecker, aber was andres koch ich ja nicht

Rumpsteak, Kohlrabi, Pommes

Da ich noch nicht lange weiß, wie gut die meisten Kohlsorten (Blumenkohl, Rotkohl, Rosenkohl, Spitzkohl) schmecken, wenn man sie in den Backofen schiebt, konnte das Experiment mit dem Kohlrabi nicht ausbleiben. Entschieden habe ich mich für ein Rezept von Ottolenghi, da er mich in letzter Zeit genauso wenig enttäuscht hat, wie die anderen Kohlsorten. Er wirft den Kohlrabi als Einlage in einen Gersteneintopf, aber die Gerste brauche ich bei diesem Sommereinbruch fürs Terrassen-Bier. Ist auch schnell erklärt: 1 kg Kohlrabi schälen, in etwa 2,5cm dicke Spalten schneiden, mit 4 Sardellenfilets (abgetropft und fein gehackt), 2 EL Olivenöl, 2 Knoblauchzehen (zerstoßen), ½ TL Salz und 1 kräftigen Prise Pfeffer marinieren und auf einem Backblech ausbreiten. 25 Minuten bei 190° Umluft bräunen, 1x wenden und 300 g süße, reife Kirschtomaten dazu geben. Weitere 15-20 Minuten im Ofen lassen, bis der Kohlrabi weich und goldbraun ist und die Tomaten leicht schrumpelig sind.

Küchentagebuch, Donnerstag 3. Juni 2021

Auch Kohlrabi funktioniert sehr gut im Backofen

Gebacken: Bergkruste (Plötzblog)

Zu früh angeschnitten, aber wer will da warten?

Wildschwein, Püree, Spinat

Mit der Empathie ist das so eine Sache in Europa (wie übrigens auch auf der ganzen Welt). »Es tut mir leid, dass ich Ihnen auf den Fuß getreten bin, ich weiß wie Sie leiden, welchen Schmerz ich ihnen mit meiner Unachtsamkeit zugefügt habe und das Bedauern wird in mir wüten und meine Eingeweide zerreißen, bis ich Sie wieder – wenigstens ein wenig – habe lächeln sehen.« So oder so ähnlich laufen normalerweise Unterhaltungen im deutschen ÖPNV ab, empathisch halt. Ein Spanier stattdessen murmelt ein mageres »lo siento«, ich fühle es. Oh je, er fühlt es, eine Bemerkung, der man schon anhört, dass sie nicht ernst gemeint ist, bevor das Gegenüber den Mund geschlossen hat. Portugiesen hängen mit »sinto muito« wenigstens noch ein »muito« an, was es aber nicht viel besser macht. Und das italienische »mi dispiace« könnte man gar als »es missfällt mir« übersetzen, als wäre es meine Schuld, dass ich blöd im Weg rumstehe. Während das holländische »Het spijt me« wahrscheinlich nicht so abweisend gemeint ist, wie es sich auf Deutsch anhört, sind die Franzosen mit »Je suis désolé« wieder etwas mitfühlender, schließlich übersetzt leo.org se désoler mit betrübt sein, traurig sein, aber auch untröstlich sein. Dennoch zeigt sich: Europa müsste insgesamt um einiges empathischer werden, wenn das was werden soll mit der Union. Und man könnte damit anfangen, dass sich die Experten bei der Wettervorhersage dafür entschuldigen, was sie da vorhersagen, weil »het spijt me«.

Küchentagebuch, Donnerstag 27. Mai 2021

  • Wildschwein-Filet mit Portwein-Sauce
  • Kartoffelpüree
  • Limetten-Spinat (wie kürzlich in Österreich)
Spinat mit Limette schmeckt auch zu Wild
Tischgespräche
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