Sauerkraut, Gulasch, Kartoffeln

Das ganze Elend der Welt kommt daher, dass man dauernd aufs Glatteis geführt wird. (Na? Kaum kommt der erste Schnee, habe ich das passende Thema!) Zum Beispiel werden unschuldige junge Spanier, die Deutsch lernen wollen, bei Duolingo mit folgendem Satz konfrontiert: Conoces la clave? Kennst du das Kennwort? Was soll der arme Pablo da denken? Natürlich kenne ich das Kennwort! Wenn ich es nicht kennen würde, wäre es ja nicht das Kennwort, sondern das Unkennwort oder Habichvergessenwort – ach, was die Deutschen immer für Wortungetüme bilden. Mühsam und widerwillig wird sich Pablo dann einprägen, dass das Kennwort das Wort ist, was man eben nicht kennt – um bei seinem ersten Besuch in Deutschland festzustellen, dass er gar kein Kennwort kennen muss, wenn er sich seinen Pass merkt.

Küchentagebuch, Dienstag 30. November 2021

Entspricht dem Wetter, wärmt und schmeckt

Korma, Tofu, Fladenbrot

Heute darf Frau T. sich was wünschen. Natürlich darf sie sich eigentlich immer was wünschen, und wenn sie sich nichts wünscht, dann wünsche ich mir was, was sie sich wahrscheinlich auch wünschen würde. Und genauso hat sie sich jetzt was gewünscht, was ich mir auch hätte wünschen können. Das ist nach hundert Jahre Ehe ja auch kein Wunder. Es gibt da allerdings diese Geschichte von einem Pärchen, das sich fünfzig Jahre lang das Frühstücksbrötchen geteilt hat, und dann hat immer er die Ober- und sie immer die Unterseite gegessen, jeden Tag, jeweils vom anderen großzügig überlassen – um am Ende festzustellen, dass beide fünfzig Jahre lang auf ihre Lieblingsseite verzichtet haben. Vielleicht frag ich doch nochmal nach, ob sie wirklich Tofu-Klößchen essen mag.

Küchentagebuch, Montag 29. November 2021

Sie wollte – und siehe, es war gut

Kürbis, Ingwer, Süßkartoffel

Mal kurz zum Thema, was man alles nicht weiß und warum das nicht schlimm ist oder warum im Wein nicht nur die Wahrheit liegt und es sich immer lohnt, eine gute Flasche zu öffnen, auch wenn man zunächst den Öffner nicht findet und betrübt vor einem leeren Glas und einer vollen Flasche sitzt, aber dann doch noch fündig wird, einen langen Schluck nimmt, verwundert das Etikett liest, wo Languedoc draufsteht, was man nur von Messern zu kennen meint, aber dann doch – dem Internet sei Dank – recherchiert und feststellen muss: Ja, Messer, aber auch Weine und: eine eigene Sprache, weil langue=Sprache und Oc=ja, man frage mich jetzt nicht, warum, aber daher kommt wohl ok-zetanien, was jetzt ziemlich weit führt, aber ihr habt ja alle Internet und könnt das selbst googeln. Nur: ich weiß nicht, ob das ohne Wein funktioniert.

Küchentagebuch, Sonntag 28. November 2021

  • Süßkartoffel – Pommes (Ottolenghi: Simple, S. 157, im Netz bei chezMartina.de)
  • Kürbis mit Ingwer-Tomaten (Ottolenghi, hier im Blog oder gleich bei lieberlecker)
  • Röstkarotten-Salat mit Chamoy (Ottolenghi: Flavour, S. 187, hier im Blog)
  • Sellerie und Linsen mit Haselnüssen und Minze (Ottolenghi, GV, S. 216 und hier schon mal)
  • Mascarpone-Creme mit Apfelkompott und Cantuccini
Wir haben einen Virusträger aus Bayern eingeladen, um etwas näher an Südafrika zu kommen

Spaghetti, Chili, Schweinebauch

Ich mag keine Schlangen. Also Menschen-Schlangen. Schon das Anstellen. Man fragt ja nicht umsonst: wie stellst du dich denn an? Und das war schon vor Corona so. Hier im Norden ist es sogar noch schlimmer, weil die Menschen – meiner Beobachtung nach – ihre Nachbarschaftsschwätzchen weitgehend ohne Rücksicht auf die Länge etwaiger Warteschlangen abhalten: ein Gespräch ist vorbei, wenn es vorbei ist, basta. Nun gibt es auf dem Markt im Nachbarort zwei Stände, die ich lange zeit ignorierte, weil immer viele Menschen anstanden. Und es hat sich leider im Laufe der Zeit herausgestellt, dass beide hervorragende Produkte anbieten. Man könnte fast meinen, das eine hätte mit dem anderen was zu tun. Heute morgen ist mir auf dem Markt hier im Ort aufgefallen, dass bei dem Griechen schon seit Jahren auffällig viele Leute anstehen. Ich hab’s nicht geschafft, mich einzureihen – was bitte soll ein Grieche schon tolles anbieten? Aber es beginnt schon ein wenig an mir zu nagen: verpass ich da vielleicht was? Weinblätter? Oliven? Feta? Vielleicht werde ich es nie herausfinden.

Küchentagebuch, Samstag 27. November 2021

  • Gelackter Schweinebauch auf Chili-Spaghetti (ein schneller Teller – wie hier im April)
  • Rotkohlsalat mir Grapefruit und Ziegenkäse
Insgesamt: Toll

Kartoffelbällchen, Currysauce, Reis

Ich habe beschlossen, aus Gründen der geistigen Gesundheit, den Fernseher nicht mehr einzuschalten, keine Zeitung zu lesen und das Radio auf einen Musik-Sender einzustellen, bis am 20. März der versprochene Freedom Day ausbricht. Ich dachte ja immer, mit ein paar Impfungen wäre der Pandemie leicht beizukommen. Jetzt sieht es aber so aus, als würde der brasilianische Weg zum Ziel führen – dort sind inzwischen alle genesen. Außer denen, die nicht genesen sind. Ich hab jetzt erst mal Mehl im Internet bestellt, damit ich nicht noch vor dem Freedom Day in diese enge Mühle muss. Und Mehl kann ja schnell mal knapp werden. Obwohl ich immer noch keinen Backofen habe, aber jetzt beginnt ja die Adventszeit. Dann backe ich halt über der Kerze.

Küchentagebuch, Freitag 26. November 2021

Den Reis hätte ich auf meine Art kochen sollen, in meinem Alter …

Rouladen, Rotkohl, Spätzle

Eigentlich ist ja alles in Ordnung. Nein, die Ampel ist noch nicht im Amt (und hat wohl auch keine Eile) und Andreas Scheuer ist immer noch Minister. Was habe ich mich immer geschämt, dass „unsere“ – die beste aller Staatsformen zu so etwas wie Andi Scheuer im Amt führen kann. Oder Innen- und Wohnungsbau-Minister Seehofer oder Gesundheits- und Masken-Minister Spahn. Das war immer ganz schwer zu vermitteln, wieso Inkompetenz zu besseren Ergebnissen führen soll als Putin, Lukaschenko, Boris Johnson oder Xi Jinping. All das ist (fast) Geschichte und doch habe ich das dumme Gefühl, dass nichts besser wird. Ich weiß auch nicht, warum. Aber die Klassiker – zum Beispiel Rinds-Rouladen – helfen über vieles hinweg.

Küchentagebuch, Donnerstag 25. November 2021

  • Klassisch geschmorte Rinderrouladen (eine Rezept-Klassiker von Anna Schwarzmann im SZ-Magazin)
  • Rotkohl mit Feigen (von Herrn Häberlin, Rezept gibt’s hier im Blog)
  • Spätzle (die es hier im Blog viel zu selten gibt)
Ottolenghi hin oder her – in dieser Sauce könnte ich baden.

Sellerie, Ketchup, Kartoffeln

El Comidista, der Foodblog von El País, verspricht neun schnelle Abendessen »casi sin ensuciar«. Ich würde übersetzen „nahezu ohne sich und die Küche einzusauen“, DeepL übersetzt – fast zu vornehm – „mit fast keiner Unordnung“. Meine erste Reaktion war: Das geht ja nur mit Butterbrot, und selbst dabei hätte ich meine Zweifel. Aber nein. In der Kichererbsencreme mit Tomate, Sardelle, schnell eingelegter Gurke und Joghurt zum Beispiel sind schon mal fünf Zutaten im Titel, ganz zu schweigen vom Sofrito, das ich – möglicherweise noch durch Lauch oder Zucchini angereichert – ganz zu Beginn schnippeln soll. Was allein dabei alles schief gehen kann! Ich glaube, die haben keine Ahnung, wovon sie reden. Auch wenn ihnen das Thema – ähnlich wie mir – am Herzen liegt. Bereits letztes Jahr haben sie ja Tricks verraten, wie man beim Kochen weniger schweindelt – TRUCOS PARA ENSUCIAR MENOS CUANDO COCINAS. Vielleicht sollte ich mir das doch mal genauer durchlesen.

Küchentagebuch, Mittwoch 24. November 2021

  • Spicy geröstete Sellerie-Nuggets in einer Panade aus Salz-Crackern und Cheddar (Eigentlich wollte ich normale panierte Sellerie-Scheiben machen, und dann kommt der Herr Grün so daher)
  • Selbstgemachtes Tomaten-Ketchup (was macht man sonst mit einer kleinen ½ Dose Tomaten?)
  • Ofen-Kartoffeln
  • Feldsalat mit Rotkohl und Walnüssen (nachträglich recherchiert: rewe.de)
Das Bessere ist des guten Feind

Gebacken: Viel werde ich dieses Jahr wohl nicht zustande bringen, aber das Quarkstollen-Konfekt mit Pistazien und Cranberries von Paule.lu muss sein, komme, was da wolle.

Leider muss ich jetzt noch warten

Lachs, Meerrettich, Kartoffelpüree

Wenn man bei einer der Internet-Suchmaschinen »Fleischpfanzerl« eintippt, dann kommen massenweise Ergebnisse für »Fleischpflanzerl«, weil man sich ja wahrscheinlich vertippt hat. Das ist nett, aber falsch. Denn auch mit der Eingabe »+Fleischpfanzerl« kommt der Herr Schuhbeck mit seinen falschen »Fleischpflanzerl« vor der Familie Burkart mit dem korrekten »Fleischpfanzerl« und auch ansonsten überwiegen die Pflanzerl, als hätten die irgendwas Pflanzliches (vielleicht sogar Veganes) an sich – höchstens viel zu viel Brot wird oft verwendet. Liebhaber der bayrischen Sprache können sich darüber aufregen, mir ist das inzwischen egal: Seit ich in den Norden gezogen bin, mach ich einfach Frikadellen, die schmecken auch gut. Und um niemanden über Gebühr zu verwirren, gibt es heute keine Fischfrikadellen, sondern Lachs.

Küchentagebuch, Dienstag 22. November 2021

  • Lachs mit Kartoffel-Meerrettich-Püree und SchwarzGrünkohl (bei brigitte.de)
Lachs aus der Pfanne ist nicht mein Ding; zu unterschiedlich die Gargrad-Wünsche des hier heimischen Ehepaares

Pasta, Käse, Nüsse

Boostern. Ich boostere, du boosterst, er, sie, es boostert, wir boostern, ihr boostert, sie boostern, nur die Rechtschreibhilfe boostert nicht mit. Aber das wird sich schnell ändern. Weil wir alle boostern jetzt, außer den Nichtgeimpften, die haben ja nix, was sie boostern könnte. Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein Wort, für das man auch gut „auffrischen“ sagen könnte, in den allgemeinen Sprachgebrauch übergeht. Wenn es der Auffrischung dient, soll’s mir recht sein. (Wie erkennt man, dass der Wikipedia-Eintrag „Boostern, eine Wiederholungsimpfung“ erst kürzlich eingefügt wurde? Es kann nicht sein, dass das schon immer da stand.) Dass es aber ein fast gewesener Gesundheitsminister noch einmal schafft, einen Impfstoff noch madig zu machen, solange die Lager voll sind, das ist nur mit Absicht zu erklären. Dagegen spricht nur, dass er dazu zu doof wäre.

Küchentagebuch, Montag 22. November 2021

  • Pasta mit Käse-Sauce, Chili und Nüssen (Blauschimmel-, Ziegen- und Parmesan-Käse, Sahne und Creme fraiche)
  • Feldsalat mit Ei, Croutons, und Speck
Ein Gericht, bei dem man immer zu viel isst

Steckrübe, Kürbis, Fladenbrot

In dem vor kurzem schon erwähnten SZ-Newsletter sagt die Frau doch tatsächlich, als sie ein schlechtes Foto von einem Sauerbraten gemacht hatte, das „erinnerte an die Bilder in nutzerbetriebenen Koch-Portalen – und ich wusste, warum ich dort so selten Inspiration finde: Es sieht einfach nicht lecker aus.“ Durchatmen. Tief durchatmen. Ich werde von dieser Frau keinen einzigen Tipp ernst nehmen. Die hat keine Ahnung. Nicht nur, dass es nicht stimmt, und viele „nutzerbetriebene Kochportale“ im Gegenteil sehr ansprechende Bilder produzieren, ist das eigentliche Ärgernis in nicht-nutzerbetriebenen (aka kommerziellen) Seiten: die ausufernde Werbung. Wenn ich Rezepte nicht mehr lesen kann, weil ständig der Text wegscrollt, um einem hippen Werbevideo zu weichen und die Werbetreibenden sich gegenseitig darin überbieten, den Schließen-Button so unauffindbar wie möglich zu machen, dann werde ich fuchsteufelswild und nix ist mit „Inspiration“. Nur nebenbei bemerkt: ich habe einen regionalen Strom-, Gas- Telefon- und Internet-Provider, mit dem ich sehr zufrieden bin. Allerdings macht eben der die wahrscheinlich nervigste Werbung in ganz Deutschland. Und Himmel-nochmal, wozu taugen eure ganzen Cookies, die ich den lieben langen Tag akzeptiere, wenn nicht dazu, zu erkennen, dass das arme Würmchen vor dem Bildschirm schon Kunde ist – und vielleicht besser nicht belästigt, sondern mit Abwesenheit belohnt werden sollte? Nein – ich reg mich nicht auf.

Küchentagebuch, Sonntag 21. November 2021

Ich trau mich heut gar nicht, ein Bild zu posten – arme Frau Dillig 😪
Tischgespräche
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