Möhren, Pastinaken, Kürbis

Superlative sind eigentlich genau mein Ding. Hereinspaziert! Essen Sie hier den besten Schweinebraten der westlichen Hemisphäre! Treten Sie ein ein und versuchen Sie unsere weltberühmte Sachertorte! Und schon bin ich drin, und wenn ich wieder rauskomme, ist die Geldbörse leichter und ich um eine Erfahrung reicher. Aber hey! Ich wäre auch anfällig für Rheumadecken und Butterfahrten nach Helgoland, falls es sowas noch gibt, und falls es mit den richtigen Worten angepriesen wird . Trotzdem war ich ein wenig überrascht, bei Herrn Ottolenghi das Gericht „Das ultimative Winter-Couscous“ zu finden. Hmmh. Die Zutatenliste musste in kleiner Schrift gedruckt werden, weil es sonst nicht auf eine Seite gepasst hätte. Aber gut, es ist Winter, Couscous gab’s schon lange nicht mehr, und Gemüse liegt auch noch rum. Außerdem ist das Netz voll mit nachgekocht. Hereinspaziert!

Küchentagebuch, Samstag 20. November 2021

  • Der ultimative Winter-Couscous (Yotam Ottolenghi, Genussvoll vegetarisch, S. 262 – und nahezu überall im Netz)
Viele Zutaten, aber kaum Aufwand und viel Geschmack

Hirsch, Kartoffel, Orange

Gestern habe ich in einer Scobel-Sendung „Forschung und Fiktion“ sinngemäß folgende Überlegung gehört, über die ich seither nachdenke: Dass die KI irgendwann klüger wird als wir, ist ja irgendwie vorstellbar, dass sie aber emotionaler wird als wir? Wie soll das gehen? Dass sie noch mehr weint als wir, wenn Bambi stirbt? Hmmh. Heute gibt es Hirschkalb, das nur richtig schmeckt, wenn ein paar Bambi-Tränen in die Sauce tropfen. Der Rezeptvorschlag Orange ist nur als Zusatz gemeint, das entbindet nicht von der Pflicht, beim Gedanken an das arme Tier kräftig zu flennen.

Küchentagebuch, Freitag 19. November 2021

  • Hirschfilet mit Orangensauce (mankannsessen.de – wenn man die Portionsangaben nicht ernst nimmt)
  • Kartoffelpüree mit Orangengeschmack (auch da – passt gut und die Portionsangaben stimmen auch)
  • Rosenkohl
Warum gibt es das nur einmal im Jahr?

Pasta, Kürbis, Salbei

Das Gedächtnis. Ich habe den Verdacht, das wird mit den Jahren nicht besser. Ob das jetzt Abnutzungserscheinungen sind, weil die einzelnen Schubladen, in denen Informationen abgelegt sind, quietschen und sich manchmal nur schwer öffnen lassen. Oder Kapazitätsprobleme, weil im Laufe der Zeit immer mehr neues Zeug dazu kam und keiner jemals den Papierkorb geleert hat. Man – oder genauer: ich – weiß es nicht. Heute morgen auf jeden Fall, im Rezept-Newsletter der SZ war auch ein älteres Rezept aufgelistet, bei dem Nudeln zusammen mit dem Kürbis gegart werden, „und saugen dessen süßlich-würzigen Geschmack mit jeder Faser auf“. Ich hab das sicher damals (2019 oder 2015) gekocht. Aber Erinnerung? Nada. Niente. Nothing. Rien. Und (noch) kein Küchentagebuch. Was bleibt da übrig, als das Gedächtnis aufzufrischen, zumal die Zutaten und der Aufwand bei der Zubereitung im Moment als „machbar“ eingestuft werden können. Das einzige, was passieren kann ist ja wohl: „Au Mann, das war doch damals schon eher so lala, warum machst du das denn nochmal?“ Tja, da muss ich wohl durch.

Küchentagebuch, Donnerstag 18. November 2021

  • Pasta alla zucca: Nudeln mit Kürbis und Salbeibutter (gekocht und aufgeschrieben von Maria Sprenger, entweder aus dem SZ-Magazin vom 27. September 2019, oder am 9. Oktober 2015 im Stil-Teil der SZ-Wochenendausgabe; die Rezepte sind wahrscheinlich identisch, es geht nur um das Datum und die Frage, wie lange man sich eigentlich zurückerinnern müsste)
  • Karottensalat (weitgehend wie bei Brigitte.de, bei uns natürlich ohne Koriander; kam gut an)
Äußerst fotogen; und eine One-Pot-Pasta, die ohne dieses Wort auskommt

Steckrübe, Möhren, Kartoffeln

Wenn ich wenig Zeit habe, neige ich dazu, zu viel einzukaufen. Wahrscheinlich in dem Glauben, irgendwann später käme die Erleuchtung, was man damit machen könnte, und je mehr Möglichkeiten umso größer die Chance, dass wem was einfällt. Das ist doppelt blöd. Erstens hat man dann zu viel rumliegen, und zweitens keine Zeit es zu verbrauchen. Das war aber schon früher so, als ich wirklich gar keine Zeit hatte und irgendwann der Pizzabote klingelte. In der Stadt gab es noch nicht einmal einen Kompost – wahrscheinlich bin zum großen Teil ich schuld an der Klimakrise – und damit an den langen Koalitionsverhandlungen. Aber man lernt ja dazu. Wenn man auch nur ein klitzekleines bisschen Zeit hat, alles was rumliegt schält und in eine Pfanne oder in einen Topf wirft, braucht man keinen Pizzaboten und kein schlechtes Gewissen zu haben. Nur die Steckrübe, die ist wirklich zu groß.

Küchentagebuch, Mittwoch 17. November 2021

  • Steckrüben-, Kartoffel-, Grüne-Bohnen-, Rosenkohl-Pfanne (inspiriert von lecker.de)
  • Röstkartoffeln
Auf jeden Fall nahrhaft und gesund

Paprika, Steckrübe, Reis

Die Kriegs-Generation stirbt ja langsam weg (also im Moment eher schnell, aber im Prinzip langsam). Damit hat auch die Steckrübe eine Chance, ihren Ruf zu verbessern. Sie war wohl „in der schlechten Zeit“™ jeden Tag – also eindeutig zu häufig – an allen drei Mahlzeiten beteiligt. Es verwundert deshalb nicht, dass so mancher dieses Erlebnis nicht wiederholen wollte – zumal es ja inzwischen Toast Hawaii und andere Leckereien gab. Ich habe deshalb die Steckrübe erst entdeckt, als wir gen Norden gezogen sind, und durfte anhand einiger Zubereitungen feststellen, dass der Ruf grundlos so schlecht ist. So habe ich mich auch auf dem Markt gefreut, als ich wieder eine Kiste mit diesen Rüben sah – die allerdings hier gigantische Ausmaße annehmen. Egal, ich hab ja viele Rezepte. Nur dass leider meine „Ablage“ im Moment eher einer Müllhalde gleicht. Also ab ins Internet und siehe da: Der Herr Ottolenghi hat wohl eine deutsche Mutter und (deshalb/trotzdem) nicht wenige Turnip-Rezepte. Gewonnen haben – nach Inspektion der Vorräte – die mit gebutterter Steckrübe gefüllten Paprikaschoten.

Küchentagebuch, Dienstag 16. November 2021

  • Gefüllte Paprikaschoten mit glasierten Steckrüben und Ziegenkäse (gefunden bei der kochpoetin.de)
  • Apfelkompott mit Mascarpone-Creme
Ich habe noch die Brotwürfel aus mestolo.com’s Rezept untergemischt – gute Idee

Hühnchenreste, Nudeln, Tomatensalat

So, ich bin geimpft. Nein, nicht Corona, Grippe. Frau T. meint, an der Grippe zu sterben sei auch nicht viel schöner als an Corona, Gut, es sei vielleicht doch besser, vom Fieber geschwächt hinüberzugleiten, als elendiglich zu ersticken. Aber man weiß es nicht genau, im Prinzip sei das alles Spekulation. Da hat sie wohl recht, doch ich hoffe, dass es jetzt erst mal die Impfgegner erwischt, damit wir genügend Wurfmaterial haben. Während hier viele Menschen (und ein Großteil der alten und neuen Politiker) das mit der Ansteckung intellektuell noch nicht ganz auf die Reihe kriegen, war das 1346 in Caffa anders. Als nämlich damals die Tataren die Stadt auf der Krim belagerten, brach bei ihnen die Pest aus. Was sie letztendlich dazu bewog, wieder abzuziehen. Das taten sie aber nicht ohne die Pesttoten über die Stadtmauer zu werfen, um wenigstens noch ein paar der Belagerten zu erwischen. Nur, die Einwohner von Caffa warfen die umgehend wieder zurück, weil offensichtlich beide Seiten das mit der Ansteckung grundsätzlich begriffen hatten. Doch es half natürlich alles nichts, wahrscheinlich, weil es auch damals Karnevalsumzüge und Weihnachtsmärkte gab. Und weil sie nicht auf ihren Hintern sitzen bleiben konnten. »Die Pest breitete sich entlang der Handelsrouten aus. Sie segelte Richtung Süden und Westen auf den Schiffen, sodass sie noch im Sommer 1347 in Konstantinopel, im September in Messina und im November in Genua und Marseille ankam. Von hier breitete sich die Seuche nach Nordafrika und in alle Länder Europas aus: Venedig, Genua, Bordeaux, im März 1349 Wien und Nordfrankreich, im August London. 1349 erfasste die Seuche auch Basel, Frankfurt und Köln, über Magdeburg, Hamburg, Bremen, Danzig kam die Seuche 1352 nach Russland und Skandinavien.« (zumindest laut Ärzteblatt),

Küchentagebuch, Montag 15. November 2021

  • Hühnchen von gestern mit Pasta und Sauce
  • Tomaten-Gurken-Salat (was halt noch im Kühlschrank ist, damit ich nicht dort raus muss, wo allen Irren sich versammeln)
Auch als Reste-Essen noch hervorragend

Poularde, Thymian-Wermut-Sauce, Brot

Heute in einem der regionalen Anzeigenblättchen, die ja auch immer einige wenige redaktionelle Beiträge mitschleppen, war eine der Überschriften: „Ruß im Amt bestätigt“. Huch, dachte ich, hat’s gebrannt? Wo? In welchem Amt? Warum habe ich das verpasst? Gut, der Landkreis ist nicht ganz klein und alles kann man ja nicht im Blick behalten (schließlich gibt es ja noch Glasgow, und die Situation an der polnischen Grenze, und Koalitionsverhandlungen und Twitter und Facebook und). Überraschend war dann doch, dass der Brand offensichtlich im Kreisfeuerwehrverband stattgefunden haben muss. Das wär übel, wenn ausgerechnet die irgendwie unvorsichtig mit Zigaretten-Kippen umgehen würden, zumal die Zeit der Adventskerzen ja erst noch kommt. Mit Sorgenfalten auf der Stirn habe ich dann weitergelesen: Thomas Ruß ist wieder zum Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands gewählt wurden. Dass ein Mann mit diesem Namen im Amt bestätigt werden muss, ist ja eigentlich klar. Das hätte ich, wenn ich Mitglied wäre, auch befürwortet.

Küchentagebuch, Sonntag 14. November 2021

  • Poularde in Thymian-Wermut-Sahne (ich würde sagen essen & trinken, aber dort gibt es nur noch ein ähnliches Rezept. Das ist aber nicht schlimm, weil die .de-, .at- und .ch-Welt ist voll davon – z.B. cuisine.at oder chefkoch.de oder im kochwiki.org, aber auch – man höre und staune – bei der Küchenschabe)
  • frisches Weizenbrot (s.u.)
Das gab es viel zu lange nicht mehr

Gebacken: Weizenbrot (Lutz Geissler, ⋯ in Perfektion mit Sauerteig)

Mal wieder aus dem Topf, und dann natürlich auch No-Knead

Reis, Gemüse, Garnelen

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, gemächlich, aber es neigt sich. Die ersten 258 der geplanten 365 Tage Küchentagebuch sind vorbei und nie – in Worten: NIE – gab es mein Lieblings-Gericht: Gebratener Reis mit allem, was im Kühlschrank einfach nicht weniger werden will. Ab damit in den Wok, ein bisschen chinesisches Zeug dazu und genießen. Und das wäre vielleicht den Rest des Jahres so geblieben, wenn nicht El Comidista dem Gericht einen Blog-Post gewidmet hätte. Der Koch brät zuerst den Reis, dann raus aus dem Wok, die Karotten rein, dann raus aus dem Wok und so weiter mit allen Zutaten bis zu den Gambas, dann alles wieder rein in den Wok, noch einmal durchmischen und servieren. Tja, dachte ich, wenn man sonst nichts zu tun hat. Aber eigentlich wollte ich es dann dich mal so ausprobieren, ist ja vielleicht besser als alles nacheinander in den Wok zu werfen. Eigentlich, bis dann die dem älteren Menschen innewohnende Trägheit doch gewonnen hat, es hat ja bis jetzt immer geschmeckt.

Küchentagebuch, Samstag 13. November 2021

  • Arroz Frito al Estilo Chino (natürlich nicht so, wie El Comidista es empfiehlt, aber deshalb nicht schlechter)
  • Diesmal mit Paprika, Karotten, Bohnen, Erbsen und Garnelen (und natürlich Knoblauch, Ingwer, Chili, Ei, Fischsauce, Sojasauce und Reisessig)
  • Vanille-Eis mit Apfelkompott (das Apfelkompott aus eigen Äpfeln, das Eis vom Discounter – ein Fehler)
Also: Irgendwann probier ich es vielleicht doch mal „richtig“. Aber warum eigentlich?

Zipfel, Brezen, Bier

Ich bin kein Franke, sonst hätte meine Mutter mir gezeigt, wie man Saure Zipfel macht und ich wüsste auch, wo der Unterschied zwischen Sauren und Blauen Zipfeln ist. Und auch als Nicht-Franke hätte ich Glück haben können, und zum Beispiel bei Alexander Hermann vorbeischauen können, der zumindest fränkisch redet. Aber ich Pechvogel hab irgendwann ein Buch von Alfons Schuhbeck gelesen (ich glaube, es war Deutschland, das Kochbuch, vielleicht auch Bayern, das Kochbuch – beide gibt es in der Onleihe) und seither mache ich Saure Zipfel nach seinem Rezept. Dabei weiß jeder im Internet, dass es soo ja gar nicht geht – er hat wohl in irgend einer Sendung gebrühte Würstchen kleingeschnippelt und in einer ominösen Brühe kurz erwärmt – das war zu viel für die Gemeinde. So ist mein Rezept zwar nicht, aber ähnlich ist es schon, und ob es vor einem Franken standhalten könnte – wer weiß. Inzwischen ist es mir aber auch egal: Ich wohne in der Lüneburger Heide, wo man sowas ohnehin nicht isst, und da ich mich momentan von Brezen ernähren muss, kommt mir das gerade recht,

Küchentagebuch, Freitag 12. November 2021

  • Saure Zipfel (mit Würstchen aus der Heide, nach einem Rezept von einem Oberbayern, in Hühnerbrühe gegart – man möge mir verzeihen)
  • Brezeln (teilweise nochmal vegan, weil ich vergessen hatte, zu vergleichen)
  • Augustiner Edelstoff (ja, gibt es auch in der Heide) [ja, das ist Werbung, aber leider keine bezahlte]
Also: Vielleicht liegt vegan sogar leicht vorne, aber nur leicht

Kohl, Kohl, Flowersprouts

Kaum hatte ich mit dem Spaghetti-Kürbis eine weitere Stufe auf der unendlichen Leiter des „Ha, ich auch – immer wieder neue Highlights, die man unbedingt zubereitet, gegessen, auf jeden Fall aber verinstagramt haben muss“ erklommen, da frage ich – blöde wie ich nunmal bin – heute morgen die Gemüse-Expertin auf der anderen Seite des Markstandes, was das da vorne denn sei: „Flowersprouts“ kams wie aus der Pistole geschossen, offensichtlich hatte sie das schon oft beantwortet. „Soll sehr lecker sein, man dünstet das ein bisschen, und fertig. Ich sage Ihnen aber gleich: 22,90€ das Kilo. Aber es geht weg wie warme Semmeln. Schauen Sie, die Kiste war heute morgen noch randvoll!“ Tja, wenn das so ist: „Zum Probieren können Sie mir ja mal eine homöopathische Dosis einpacken. Und hier ist mein Geldbeutel, nehmen Sie sich, was Sie brauchen, ich will den Betrag gar nicht hören.“ Eine Züchtung, die Grünkohl und Rosenkohl zusammenmixt – heutzutage wohl Kale-Kale. Ich habe ja ohnehin einen Kohl zu wenig in der Überschrift, da kommt es auf einen oder zwei mehr auch nicht mehr an: Kohl, Kohl, Kohl – und Kohl-Kohl.

Küchentagebuch, Donnerstag 11. November 2021

  • Jamies Blumenkohl scharf und knusprig (von elbcuisine.de mit der Jamie-Oliver-Teflon-Pfanne® zubereitet)
  • Grünkohl gebraten (wie vor kurzem schon)
  • Rosenkohl (wie einst im Mai Januar)
  • Flowersprouts (wie die [zeitlich] zweite [also auf der Seite erste] Zubereitung von lamiacucina – ich hatte aber nur noch wenig Speck)
  • Kartoffeln, die mit dem Blumenkohl im warmen Ofen garen durften
Sagen wir mal so: Beim Blumenkohl hat Herr Ottolenghi mehr drauf als Herr Oliver
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