Vanille-Flan

Das Rezept (Teil 2 ) zum gestrigen Küchentagebuch. Es stammt aus der Essen&Trinken 1/92, damals hat der Verlag noch versucht, mit einer Diskette (sic!) Geld zu verdienen. Es hieß im Original „Flan con Naranja“, aber ich lasse die Orangen lieber weg, zumindest die Schale aus der Eiermilch. Früchte generell – also auch Orangenfilts – passen sehr gut dazu.

Vanille-Flan

Zutaten (für 6 Portionen)

10 g Butter – 210 g Zucker – 1/2 l Milch – 1 Vanilleschote – 3 Eier – 2 Eigelb – 3 Orangen

Zubereitung

6 Förmchen (1/8 l Inhalt) mit Butter einfetten. 3 cl Wasser mit 150g Zucker aufkochen und bei milder Hitze zu goldbraunem Karamell schmelzen lassen. Karamell sofort in die Förmchen verteilen, Förmchen schwenken und dort fest werden lassen.

Milch mit der ausgekratzten Vanilleschote und dem Mark aufkochen, vom Herd ziehen. Eier und Eigelb mit dem restlichen Zucker verschlagen und die warme Milch hineinrühren. Die Milch durch ein Sieb gießen. Orangen waschen. Die Schale von einer Orange mit einer Reibe abreiben und in die Eiermilch rühren.

Den Backofen auf 180 Grad (Gas 2-3, Umluft 180 Grad) vorheizen. Die Saftpfanne auf die 2. Einschubleiste von unten setzen und mit heißem Wasser füllen.

Die Förmchen mit der Eiermilch füllen und einzeln mit Alufolie abdecken. Die Förmchen ins heiße Wasserbad stelle und bei 160 Grad (Gas 1-2, Umluft 160 Grad) ca. 40 Minuten garen. Anschließend aus dem Wasserbad nehmen und auskühlen lassen.

Flan im Werden

Die restlichen Orangen wie Äpfel schälen und die Filets einzeln herausschneiden. Die Flans auf Teller stürzen und vor dem Servieren mit Orangenfilets garnieren.

Lammrücken mit Palbohnen-Knoblauch-Püree

Das Rezept (Teil 1) zum gestrigen Küchentagebuch. Es stammt aus der Essen&Trinken 8/2001 und inzwischen hab ich auch einen Link mit Video gefunden. Meine Fave machen erheblich mehr Arbeit, aber (hoffentlich) auch mehr Geschmack.

Lammrücken mit Palbohnen-Knoblauch-Püree

Zutaten (für 4 Portionen)

300 g Palbohnen – 10 Knoblauchzehen – Salz – 12 El Olivenöl – 5 Zweige Rosmarin – 1/2 Bund krause Petersilie – 8 Lammfilets – Pfeffer – 12 Tomaten – 3 Zweige Thymian -2 Zweige Basilikum – 1 Zitrone – grobes Salz

Zubereitung

Bohnen waschen und abtropfen lassen. Knoblauch pellen und grob zerdrücken. Bohnen in einem Topf knapp mit Wasser bedecken. Die Hälfte des Knoblauchs, Salz, 6 EL Olivenöl und 2 Zweige Rosmarin zugeben und aufkochen. Mit halb geöffnetem Deckel bei kleiner Hitze 35-40 Minuten garen. Rosmarin entfernen. Bohnen und Knoblauch mit einer Schaumkelle herausnehmen und mit ca. 150 ml Kochwasser pürieren. Dann in einen beschichteten Topf geben und beiseite stellen.

Restlichen Rosmarin grob zerschneiden. Petersilienblätter abzupfen und grob zerschneiden. Backofen auf 180 Grad vorheizen. Lammfilets rundum salzen und pfeffern. 3 EL Olivenöl in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Filets und restlichen Knoblauch darin anbraten. Tomaten, Rosmarin und Thymian zugeben. Im Backofen auf der 2. Einschubleiste von unten in 5-6 Minuten fertiggaren (Gas 2-3, Umluft 5 Minuten bei 160 Grad).

Püree unter Rühren wieder erwärmen, eventuell noch etwas Kochwasser zugeben. Lammfilets und Tomaten aus dem Ofen nehmen, restliches Öl und die Petersilie zugeben. Püree, Lammfilets, Tomaten und Kräuter mit abgezupften Basilikumblättern und Zitronenviertel auf einer Platte anrichten, mit Olivenöl aus der Pfanne beträufeln und mit grobem Salz bestreuen.

Anmerkung: Statt weißer Bohnen habe ich die Kerne von 3 Pfund Saubohnen blanchiert und geschält, ansonsten wie oben. Statt Lammfilets gab’s  Lammrücken, der war geringfügig länger (ca. 8 Minuten) im Ofen. Zitrone habe ich weggelassen.

Kann man Eicheln essen?

Oder geht das nur auf dem Umweg über ein Schwein? Rudi, das Eich(el)hörnchen frisst am liebsten Haselnüsse. Weiß der Teufel wo er das gelernt hat – ich hatte mich schon so auf Haselnüsse gefreut. Rudi wohnt in der Nachbarschaft und kommt uns regelmäßig besuchen. Ich dachte wegen der Eiche im Hof. Wär auch nicht schlecht, wenn er ein wenig helfen würde, weil eines macht eine Eiche ja: Dreck. Im Frühling fällt gelber Dreck, jetzt fallen die Eicheln und bald fallen die Blätter. Viel gelber Blütendreck, viele Eicheln, viele Blätter. Weil eines ist die Eiche ja: groß. Und schön, stimmt schon, und majestätisch, stimmt auch. Aber wenn man die Eicheln wirklich nicht essen kann, dann muss ein Schwein her oder die Eiche weg.

Heute habe ich ein Problem mit dem Küchentagebuch. Ich dachte ja, dass ich nachgekochte Rezepte nur verlinken muss. Ich dachte sogar, wenn Robert nicht mehr täglich bloggt, muss ich verhungern. Stimmt aber nicht; da gibt es auch noch Rezepte, die ich im Netz nicht finde. Deshalb gibts heute wenigstens ein Bild und morgen vielleicht die Rezepte dazu. Kann man eigentlich einen Link in die Zukunft setzen?

Lammrücken mit Bohnenpüree und Vanille-Flan
Lammrücken mit Bohnenpüree und Vanille-Flan

 

  • Lammrücken mit Palbohnen-Knoblauch-Püree
  • Vanille-Flan

Und warum?

  • Das Püree habe ich seither immer mit getrockneten weißen Bohnen gemacht, weil Saubohnen (Pferdebohnen, Dicke Bohnen, Fave) wohl für den Münchner Viktualienmarkt nicht fein genug waren. Jetzt endlich mit dem Original – ich fange an, den Norden zu mögen.
  • Auf die Frage, was es zum Nachtisch geben sollte, sagte Sohn T., von dem ich gar nicht wusste, dass ein Poet in ihm steckt: „Ganz spontan?  Einen Flan!“ – na denne.

Fazit

  • Ist erheblich leckerer, als es auf dem Bild aussieht – das liegt am Bild. Meine Bedenken wegen der langen Kochzeit der Fave waren unnötig – Saubohnen mal anders.
  • Die (paar) Beeren, die im Moment im Garten wachsen, passen herrlich zu dem süßen Flan.

 

Blogroll

„Ey schau mal, ein neuer Blog.“

„Klasse, worum geht’s denn?“

„Na Essen und so.“

„Gut. Schöne Bilder?“

„Nö, eigentlich nicht.“

„Der Robert macht schöne Bilder.“

„Der Schweizer?“

„Ja, der eine davon. Der andere ist ja glaube ich auf Lesereise.“

„Da trifft er bestimmt den Stevan.“

„Der mit dem Hummer und dem schnellen Teller? Ist der eigentlich mit dem Trific verwandt?“

„Weiß ich nicht.  Sitzt aber oft dort rum. Klar, bei dem Wetter da oben im Norden.“

„Im Norden? Wohnt da nicht auch die, die alles selber macht?

„Glaub schon, aber im Süden ist schon schöner. Da gibt’s doch eine in Rom, kocht die noch?“

„Ja, erst kürzlich. Ich würd da ja nicht kochen. Obwohl, vielleicht gerade da.“

Nata kann kochen! Wo kommt die den her?“

„Irgendwo im Rheinland, auch schön.“

„Schön? Im Rheinland? Na gut, aber du hast recht; und schreiben kann die, wenn sie will, das ist ja auch wichtig.“

„Ja, schmecken geht ja leider nicht. Obwohl bei der Tochter kann man demnächst auch probieren, glaub ich.“

„Bei der Tochter? Die mit dem Löffel? Nee, die ist mir zu aufgeregt. Aber bei der ist doch der Claus um die Ecke, den les ich gern.“

„War der nicht im Fernsehen?“

„Ich hab’s mir zweimal angesehen – Ehrensache.“

„Sag mal, kannst du dich noch an pepinella erinnern?“

„Mei die war gut drauf! Echt schade!“

„Ja, früher. Da war halt alles besser.“

„Och halt doch die Klappe. Du mit deinem <früher>. In Österreich tut sich grad was.“

„Österreich? Die Ente mag ich gerne.“

„A la Orange?“

„Nein, die Alles-Gut-Ente. Die kann so schön böse sein, und so schön nett.“

„Stimmt, aber ich meine Katha, Eline und Ellja mit ihrer Mahlzeit!

„Hab ich gehört, ja. Meinst du da kommt was?“

„Sicher. Kochen können die Österreicher ja. Und den richtigen Schmäh hams auch drauf.“

„Du, sag mir Bescheid, wenn du da was findest.“

„Mach ich.“

Und damit zum Küchentagebuch, bei dem es zu berichten gibt:

  • Kartoffelgröstl mit Pfifferlingen und Rinderhüfte, Tomatensalat
  • Schokocreme mit Orangensirup (von gestern)

Und warum?

  • Irgendwer hat zu viele Reherl gekauft; diesmal sollten sie angebraten sein, aber die Menge reicht wohl nicht aus. Da bietet sich eine „Resteessen“ an, zumal noch eine Scheibe Rinderhüfte rumliegt. Die Tomaten aus dem Garten sind selbst bei diesem Wetter unvergleichlich besser als alles, was es zu kaufen gibt.
  • Erstaunlicherweise war was übrig. Noch erstaunlicher: Heut abend war immer noch was übrig!

Und wie?

  • Ein „Gröstl“ kann eigentlich alles sein. Ich meine damit Bratkartoffeln und alles untergemischt, was weg muss, in diesem Fall angebratene Reherl mit Speck und kleingeschnittene gegrillte Hüfte. Ganz wichtig: Bratensauce! Das geht einfach, wenn man – wie oft – übriggebliebenen Schweinebraten untermischt. Heute musste ein wenig Kalbsjus dran glauben, um diesem Mangel abzuhelfen.
  • Nachtisch von gestern zu servieren macht besonders viel Spaß und ist ein erfreulich entspannender Vorgang.

An alle die heute Geburtstag haben

oder vielmehr morgen, also am 12.8. oder wann sie das halt lesen: eine Geburtstagstorte zum Selberbasteln:
YES Torty Cacao

Zutaten:

1 Yes-Törtchen
40-50 Geburtstagskerzen

Zubereitung:

Das Yes-Torty aus der Verpackung entfernen, die Geburtstagskerzen dekorativ einstecken und anzünden. Für die schnelle Geburtstagsfeier zwischendurch reicht auch eine Kerze, das verringert hie und da den Älter-Werden-Blues und macht das Ausblasen leichter. Falls das immer noch zu anstrengend ist, fürs nächste Jahr vormerken: Die Alternative zum YES-Törtchen.

Die Schwierigkeit bei diesem Rezept liegt eindeutig darin, dass der, der sich an das YES-Torty noch erinnern kann, ganz schön viele Kerzen braucht, die dann oftmals nur schwer zu platzieren sind. Aber da  das Törtchen seit April wieder auf dem Markt ist, kann man ja langsam mit dem Nachwuchs wieder anfangen – wenn man Nestlé glaubt und der Alkoholgehalt „ernährungsphysiologisch zu vernachlässigen“ ist.

Küchentagebuch
Es ward heute aufgetischt

Und warum?

  • Pfifferlinge, Eierschwammerl, Reherl, Eierschwämmli; als ich die auf dem Lüneburger Wochenmarkt gesehen habe, habe ich gar nicht gefragt, wie die hier in Norddeutschland heißen – wahrscheinlich: Pfifferling. Das Rezept ist ohnehin aus Österreich; zu den Pfannkuchen (besonderer Wunsch des Nachwuchses) erschien mir ein wenig Rahm ganz passend, obwohl ich Reherl eigentlich lieber scharf angebraten mit Speck mag (ähnlich wie bei Chili und Ciabatta),aber die Saison ist ja noch nicht vorbei.
  • Die Kardamom-Kapseln sind noch nicht aufgebraucht; im Supermarkt meines Vertrauens gab es spanische Saftorangen im Sonderangebot. Orangen im August? Versündige ich mich da an der Ökobilanz? Egal, den Sirup, den ich bei lavaterra gefunden habe, musste ich ausprobieren. Warum nicht mit Schoko-Creme. man könnte auch Mousse au Chocolat sagen, aber dann würden die einen fragen, warum keine Butter drin vorkommt, und die anderen würden bemängeln, dass Eier verwendet werden – lassen wir es bei Schokocreme.

Fazit

  • Uuups, war das jetzt vegetarisch? Lecker.
  • Kardamom, Orange und Schokolade gehen definitiv eine Verbindung ein, der man einen gewissen Wohlgeschmack auf keinen Fall  absprechen kann.

Zwetschgen-Marmelade

oder Konfitüre? Ich weiß es nicht (andere schon: etwa die EU-Kommissare oder auch hier), aber ich weiß, wie es geht, und dann heißt es sowieso Gsälz:

Zwetschgegsälz mit Haut

1 kg entsteinte Zwetschgen klein schneiden und mit 500 g Gelierzucker 2:1 mischen; 5 g Zimtstangen und einen guten halben TL Nelkenpulver untermischen. Zitronensäure (E330 – C6H8O7) unterstützt den Gelierprozess und kann später unter Umständen auch als Entkalkungsmittel verwendet werden – nach Belieben. Einige Zeit einziehen lassen. Dann bei moderater Hitze unter Rühren zum Kochen bringen und (immer weiter rühren) 1-2 Minuten sprudelnd kochen lassen. Vom Herd ziehen und einen (guten) Schuss Zwetschgenwasser oder Slivovitz unterrühren und sofort heiß in vorbereitete (*) Schraubverschluss-Gläser füllen. Diese für 15-20 Minuten (zugeschraubt!) auf den Kopf stellen; anschließend wieder umdrehen und erkalten lassen.

Original - entkernt-geschnippelt-gerührt-gekocht und fertig

Eigentlich ist es ja ohnehin immer dasselbe, deshalb nur ein paar kurze Anmerkungen.

  • die Gläser sollten sterilisiert werden(*), ich mach das so, dass ich sie heiß auswasche und dann in den 100 ° heißen Ofen stelle, bis sie gebraucht werden
  • Die Kochdauer: bitte nicht totkochen; Haltbarkeit ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr das Hauptkriterium für Marmelade. Eine Gelierprobe schadet allerdings nicht
  • Beim Alkohol rede ich mir immer ein, dass der die Haltbarkeit erhöht; schmecken tut es aber auch ohne Ausrede
  • Die Menge sollte nicht zu groß sein; frische Marmelade schmeckt deutlich besser, also lieber Früchte einfrieren

In meiner Jugend gab es bei uns zu Hause eine Diskussion: Zwetschgegsälz mit oder ohne Haut? Meine Meinung – die damals niemanden interessiert hat – ist eindeutig: mit! Und weg mit dem Pürierstab! Langsam aufkochen und höchstens mit dem Kartoffelstampfer etwas nachhelfen, aber bei reifen Früchten ist auch das nicht nötig.

Im entscheidenden Augenblick war der slowakische Slivovitz verschwunden. Ohne geht aber gar nicht, also habe ich als „Ersatz“ das Zibärtle benutzt. Wenn mein Bruder das aus Versehen liest, lässt er mich einweisen.

Küchentagebuch
gibt es heute keines! Heute blieb die Küche kalt, wir gingen in … die Lüneburger Heide, genauer nach Lüneburg in das Restaurant Zum Heidkrug. Michael Röhm hat sich 1994 in Reinstorf einen Michelin-Stern erkocht und führt seit 2000 selbständig das Hotel und Restaurant in Lüneburg. Das Ambiente ist gediegen, der Service nett und unaufgeregt und die Preise moderat. Das 3-Gang-Mittags-Menu (€22,50) hätte diese Woche bestanden aus:

  • Gurkenkaltschale mit Räucherlachsstreifen
  • Kalbsschnitzel mit Pfifferlingen a la creme, Heidekartoffeln
  • Ananassüppchen mit Himbeereis

Dafür konnte sich von uns keiner erwärmen (vielleicht wegen der Kaltschale?). Wir haben uns also von der Mittags-Karte was ausgesucht:

  • Gebackene Blutwurst auf Rahmsauerkraut (9€)
  • Ziegenkäse aus dem Ofen mit Thymianhonig (11€)
  • Hummercremesuppe – von der „großen Karte“ (9€)
  • Zweimal Kalbsleber in Salbeibutter mit Sellerpüree (12,80€)
  • Garnelen auf Kräuterrisotto (12,80)
  • Mille feuille von der Tonkabohne mit weißem Pfirsicheis (11,50€)
  • Das Ananassüppchen vom Mittagsmenu (?€)

Beim Trinken haben wir uns an die Weinempfehlung gehalten: 2010 Riesling Qualitätswein trocken, vom Weingut Robert Weil/Rheingau, (0,1l für 5€).

Ich habe seit langem nicht so gut gegessen. Ich würde fast jedem raten, einen Abstecher nach Lüneburg zu machen, wann immer es möglich ist. Wenn ich zum Beispiel in Hamburg wohnen würde, wurde ich regelmäßig hinfahren – wohn ich aber nicht. Die aktuelle Speisekarte ist immer auf Facebook, Sonntag, Montag und Dienstag mittag ist geschlossen, also los geht’s, ab nach Lüneburg.

Abraten allerdings würde ich ambitionierten Hobbyköchen! Ich zum Beispiel bin völlig deprimiert. Gut, ich hab nie behauptet, Sterneküche zu können. Und mit Schäumchen und Türmchen und Trüffelchen auf dem Teller will ich auch gar nicht konkurrieren. Aber dass da einer ist, der genauso kocht wie ich, der aber einfach alles besser, einfach alles richtig macht, das nervt! Ich glaube auch, das geht nicht mit rechten Dingen zu, hat der das etwa gelernt?

Beim „Gruß aus der Küche“ war die Welt noch in Ordnung: Die Wildfrikadelle perfekt knusprig gebraten, der Kartoffel-Gurken-Salat frisch und knackig, der Kräuter-Dip ziemlich gut abgeschmeckt – na gut, schließlich hat der Typ ja einen Stern.

Bei der Blutwurst konnte ich vor Begeisterung schon nicht mehr fragen, wo dieser sensationelle Senf herkommt, aber bei der Kalbsleber nahm das Unheil endgültig seinen Lauf: Wie bitte macht man ein Selleriepüree so sahnig -buttrig-flauschig-weich? Warum ist die Kalbsleber außen knusprig und innen zart rosa, bitte: die beste Kalbsleber brate ich! Und dann die Krönung: Salbeiblätter wie ich es noch nie geschafft hab – jedes einzelne Blättchen zum richtigen Zeitpunkt vom Feuer gezogen, ob groß oder klein. Haben die für jedes Blättchen eine eigene Pfanne und einen eigenen Koch? Und dann die – sowohl auf der Karte als auch auf dem Teller unter der Leber versteckten – Portweinzwiebeln, über die will ich gar nicht reden.

Frau T. hat dann beim Espresso unter andächtigem Schlonzen des „süßen Grußes aus der Küche“ (ich weiß nicht, ob das von dieser Welt war und was es war, egal) – noch gemurmelt: „Das Risotto von meinem Mann schmeckt mir aber besser.“ Das war nett gemeint, aber zu spät – ich geh da nicht mehr hin. Zumindest diese Woche nicht.

Die Stimme aus der Vergangenheit

Beim Einzug ins neue Haus vorgefunden:

Fundsache

Das Buch hat ein Copyright 1939 (by Berliner Kraft- und Licht-Aktiengesellschaft, Berlin). Meine Ausgabe ging 1956 bei einer Auflage von 500,000 in die 14. überarbeitende Runde. Wahrscheinlich ein Geschenk an alle Kunden eines Elektro-Herdes besagter Firma.

Das Elektrische Kochen hat mich ja schon immer interessiert, meine Mutter hat anfänglich noch auf Holz geschworen und hat heute noch – für alle Fälle – einen Beistellherd. Nun ja, ich hab mich mit Induktion angefreundet, aber das heißt ja nicht, dass man das Buch gleich wegschmeißen muss. Manche Sachen bleiben ja gleich. Und im Kapitel Saucen geht’s schon los:

„Saucen gewinnen sehr an Wohlgeschmack, wenn man sie mit Butter bereitet oder, falls man anderes Fett verwendet, sollte nach dem Kochen ein Stückchen Butter untergerührt werden.“

Genau, was ich immer sage, da bin ich ein Jünger von Horst-Lichter, den’s damals vielleicht auch schon gab. Und nach einigen anderen Tipps (Sahne oder auch Milch oder Büchsenmilch, einige Tropfen Wein- oder Kräuteressig) kann auch ich wieder altklug mit dem Kopf nicken:

„Gelegentlich verwendet man auch eine gute Suppenwürze, aber dies darf nicht zur Gewohnheit werden, da sonst immer der gleiche Geschmack vorherrscht.“ (Hervorhebung nicht im Original)

Das war also schon damals bekannt. Und wurde wieder vergessen. Und wird heute wieder in Privatzirkeln als geheimes Wissens verwaltet und weitergereicht. Und von den Sterneköchen schon wieder hintertrieben durch Zugabe von Glutamat oder – gleichbedeutend – Hefeextrakt zu ihren Gourmet-Fonds.

Mich würde ja das Rezept für „Hirnsuppe“ auf Seite 18 reizen. Aber ich weiß nicht, wie ich das meiner Familie beibringen soll. Und ich trau mich auch nicht, beim Metzger ein „Kalbshirn“ zu bestellen, ich gelte ja ohnehin schon als der, der immer was anderes will, als nun mal im Tresen liegt.

Und damit zum Küchentagebuch. Nach dem gestrigen Gemüsetag ging es heute wieder etwas frugaler zu.

Steppentier-Gemüse

Es gab

  • Tim Mälzers Rindfleischsugo aus der e&t für jeden Tag, Februar 2009
  • Tomaten- und Kopfsalat
  • Pfirsich-Tiramisu von gestern

Und warum?

  • Nach einem langen Gemüse-Tag sollte man nicht gleich wieder (wie Claudio oder Claus) in die Vollen gehen, aber etwas Bodenständiges darf es schon sein. Und dann brauch ich mal wieder etwas im TK-Schrank, was den Blues bekämpft, auch wenn es zeitlich etwas enger ist – sofern was übrig bleibt.
  • Auf dem Markt endlich wieder einen Kopfsalat gefunden – das Angebot in den Supermärkten spottete jeder Beschreibung. Leckere reife Tomaten gibts im Garten (offensichtlich auch ohne Sonne)
  • Schmeckt am zweiten Tag noch besser (und macht noch weniger Arbeit)

Und wie ?

  • Anbraten, schmoren, fertig. Ich hoffe, es tut dem Geist des Rezeptes keinen Abbruch, wenn man 500 ml Wasser und 2 EL gekörnte Fleischbrühe durch eine ähnliche Menge selbstgemachten Rinderfond ersetzt.
  • Tomatensalat mit Vanille-Öl, Balsamico und frischem Basilikum
  • Rechtzeitig aus dem Kühlschrank befreien

Schuhbecks Tiramisu

Man sollte es vielleicht nicht „Tiramisu“ nennen, bloß weil Mascarpone und Löffelbiskuits drin vorkommen. Aber sei’s drum – Alfons Schuhbeck sieht das an vielen Stellen nicht so eng, wollen wir also nicht päpstlicher sein als der Papst. Voilà:

Erdbeer-Pfirsich-Tiramisu

Erdbeer-Pfirsich-Tiramisu
Alfons Schubeck, Meine Hausmannskost für Feinschmecker

Zutaten (6-8 Portionen)
2 Eier (getrennt) – 60 g Puderzucker – 250 g Mascarpone – 100 g Sahne – 8 EL Pfirsichlikör – 200 g Erdbeeren – 500 g Dosenpfirsich – 200 g Löffelbiskuits – einige Minzeblätter

Zubereitung:
Für die Mascarponecreme die Eigelbe mit 30 g Puderzucker in einer Metallschüssel im heißen Wasserbad hellschaumig aufschlagen, aus dem Wasserbad nehmen und den Mascorpone unterrühren.
Die Sahne halb steif schlagen. Die Eiweiße mit dem restlichen Puderzucker (30 g) steif schlagen und unter die Sahne heben. Den Sahneschnee unter die Mascarponecreme heben und die Creme mit 4 EL Likör abschmecken.
Erdbeeren waschen, putzen und in Scheiben schneiden. Pfirsiche auf einem Sieb abtropfen lassen, dabei den Saft auffangen. Die Pfirsichhälften in Scheiben schneiden, den Saft mit dem restlichen Likör (4 EL) verrühren.
Die Hälfte der Löffelbiskuits kurz in den Pfirsichsaft tauchen und dicht nebeneinander in eine rechteckige Auflaufform schichten. Jeweils die Hälfte der Mascarponecreme, der Pfirsiche und der Erdbeeren darauf verteilen. Darüber eine gleiche zweite Lage schichten und mit einer dünnen Schicht Mascarponecreme überziehen. Im Kühlschrank mehrere Stunden durchziehen lassen.
Mit ein paar Erdbeerscheiben, Pfirsichspalten und Minzeblättern garnieren.

So nach und nach

Und nach der Kür ruft die selbst auferlegte Pflicht, das Küchentagebuch. Es gab

  • Flädlesuppe
  • Fussili mit Mangold-Linsen-Sauce (essen & trinken)
  • und eben Erdbeer-Pfirsich-Tiramisu

Und wie ?

  • Suppe auftauen; Pfannkuchen zu Flädle schneiden; fertig
  • Exakt nach Vorschrift; Gemüsebrühe aus selbst gemachtem Brühwürfel
  • Ich hatte natürlich wie immer keinen Pfirsichlikör, also auch wie immer Cointreau. Die Ernte der August-Erdbeeren hat zwar keine 200 Gramm ergeben, aber es ist ganz erstaunlich, wieviel Erdbeergeschmack diese Pflanzen aus dem missratenen Sommer zuzeln.

Und warum?

  • Für die übrigen Pfannkuchen von der Pfannkuchen-Lasagne wurde es aller höchste Zeit und ein bisschen Rindfleischsuppe war noch eingefroren
  • Frau T. meint, sie hätte Verdauungsbeschwerden, weil es in letzter Zeit zu viel Fleisch gegeben hätte; sie wünschte sich was Vegetarisches. Vielleicht sind Frauen doch eine andere Spezies, aber Mangold und Zwiebeln gibt’s noch im Garten und der Gorgonzala müsste eigentlich auch irgendwann weg. Na denn gut.
  • Der Wunsch ist bei der Diskussion über die Pfirsichsauce entstanden. Frische oder konservierte Pfirsiche? Pfirsichsauce: frisch! Tiramisu: auf keinen Fall! Außerdem reicht die Menge morgen nochmal – wobei es dem Tiramisu in keinster Weise schadet, noch eine Nacht drüber zu schlafen.

Fazit

  • Ich glaube Frau T. hat das umami gefehlt, wir Fleischesser fanden es eine nette Abwechslung – dank Suppe vorneweg.

Sommer

nein, nicht Rudi Carell; stattdessen kurzes Sinnieren über einen Gedanken von Rebecca Casati in der Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung:

„Uns langsam von dem Gedankenverabschieden, dass der Sommer nochmal vorbeischmeichelt. Er ist treuloser als ein neapolitanischer Gigolo, warum setzen wir nur alle Jahre wieder auf ihn?“

Und es hat ja auch Vorteile. Ein gutes Buch zu lesen (im Moment die Süden-Reihe von Friedrich Ani) macht doch – notfalls in eine Decke eingehüllt – im Lesesessel viel mehr Spaß, als wenn im Strandkorb dauernd die Schweißtropfen auf das sandige Papier klatschen und die öligen Finger schmierige Tapser auf den weißen Seiten hinterlassen …

Und für eine Grüne-Bohnen-Ernte hat es ja auch gereicht. Obwohl mir die Tomaten Sorgen machen. Die eine Tomate neben der Regentonne hat heute Nacht ihren Kopf im Wasser versenkt. Das kann der Wind gewesen sein, oder eben ein Suizid-Versuch zum Beispiel wegen Sommer-Depression. Wer kennt sich schon aus mit der Psyche der Tomaten?

Aber weiter mit dem Küchentagebuch; es gab heute

Und wie?

Ein Pfirsich und sein Inneres
  • Wie in den Links angegeben. Außer der Sahnecreme waren alle Rezepte Premieren. Und da bin ich eisern: Jedes Rezept hat eine Chance verdient – vielleicht hat sich der Autor ja etwas gedacht, was ich nicht nachvollziehen kann, was aber „voll den Kick“ gibt? Für die Kartoffeln habe ich neue Belana erstanden. Und bei der Sahnecreme muss man nichts ändern – sie schmeckt angenehm frisch und neutral und passt sich jeder Sauce an.
  • Für die Pfirsich-Sauce einen großen reifen Pfirsich schälen, entkernen und fein würfeln. Mit 1-2 EL Zitronensaft und ca. 30 g Puderzucker sehr fein pürieren und durch ein Sieb streichen.

Und warum?

  • Das Kotelett fiel mir beim Blättern (nein, nicht im Netz!) auf – und dem Salbei im Garten muss mal wieder Einhalt geboten werden
  • Da hier die Kartoffel-Koch-Frequenz – wegen der leckeren Heidekartoffeln – erheblich gestiegen ist, muss man immer mal wieder was Neues ausprobieren – ob der Senfgeschmack allerdings zu Salbei und den Paprika-Bohnen passt?
  • Wie gesagt: Bohnenernte. Und das Pimentón ist noch nicht aufgebraucht.
  • Dessert muss sein. Sahnecreme geht ohne Aufwand. Pfirsich nähert sich der Verfallsgrenze

Fazit

  • Mit Salbeibutter kann man nichts falsch machen, auch nicht beim Kotelett.
  • Der grobe Dijon-Senf schmiegt sich herrlich an die Kartoffeln und sorgt für einen angenehmen dezenten Geschmack – geht auch mit Salbei zusammen.
  • Der rauchige Pimentón passt hervoragend zu den Bohnen. Die Skepsis bezüglich der Salzmandeln war völlig unangebracht.
  • Die Idee, ein paar übriggebliebene (Zucht-)Heidelbeeren mit unter die Creme zu schmuggeln, muss man wohl als schlechte Idee bezeichnen. Vielleicht lags auch nur an den „künstlichen“ Früchtchen.

Johann Lafers Zwetschgenröster

Ich hab ja keine Ahnung, was ein Zwetschgenröster ist; laut Wiki unterscheidet er sich vom Pflaumenkompott dadurch, dass (fast) kein Wasser verwendet wird. Dennoch schüttet alle Welt Orangensaft oder Apfelsaft oder Wasser hinein oder gar Rotwein.

Zwetschgenröster Zutaten und Metamorphose

Wie dem auch immer sei, 2006 gab’s von „meine Familie und ich“ ein Heft „kreativ küche“ (10/2006), in dem mehrere Sterneköche ihre Gerichte vorstellten. Johann Lafer war dankenswerterweise für die Desserts zuständig. Und da der Herr Lafer ein Steirer-Bua ist und in der Steiermark (hoffentlich) „Zwetschken “ wachsen, geh ich jetzt mal davon aus, dass er das Rezept von seiner Großmutter hat, es also wirklich „original“ ist.

Aber selbst wenn das – wie zu befürchten ist – nicht stimmt, das Ergebnis ist einfach lecker:

300 g Zwetschgen oder Pflaumen waschen, halbieren, entsteinen und in Spalten schneiden. 100 g Zucker leicht karamellisieren lassen. Zwetschgen, 2 Zimtstangen und 1/2 TL Nelkenpulver zugeben und langsam einkochen lassen.
Ist der Zwetschgenröster zu dünnflüssig geworden, eventuell etwas Speisestärke mit wenig Wasser anrühren, in den Zwetschgenröster rühren und einmal aufkochen lassen.

Anmerkung: Die Menge reicht für 4 Personen, wenn es als Zugabe zu Knödeln, Schmarren oder ähnlichem verwendet wird. Ein Röster sollte übrigens nicht zu Mus gekocht werden.

Und nun zum Küchentagebuch. Es gab also heute

Und warum?

  • Kalbsleber gab’s heut beim Metzger meines Vertrauens (der einzige im Ort); das kommt so selten vorher, dass man zuschlagen muss, auch wenn der Einkaufszettel ganz anders aussieht
  • „Gratin di patate, mele e salvia“ ist an sich schon Weltklasse, aber Äpfel und Salbei scheinen mir direkt nach leicht mehlierter und sanft in Butter gebrater Kalbsleber zu schreien. Ich musste ihre Flehen erhören.
  • Zwetschgenröster, weil die Zwetschgen reif werden. Gut: 1 oder 2 Tage hätten sie noch am Baum vertragen, aber bei 6 Bäumen muss man irgendwann anfangen – auch wenn’s nur 300 Gramm sind.

Fazit

  • Die Kombination ist fast nicht zu schlagen; ich frage mich, was ich mit meinen anderen Kalbsleber-Rezepten  jetzt machen soll
  • Der Grießpudding ist schön fluffig, Zwetschgenröster ist und passt hervorragend. Ich freu mich schon auf die restliche Ernte.
Tischgespräche
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.