Unglaublich

Auch auf die Gefahr hin, dass dieser Blog zum Tagebuch verkommt: Folgende Geschichte ist mir passiert und ich muss sie loswerden.

Als ich mal wieder in Lü. auf Frau T. warten durfte, die mal eben „schnell“ ein T-Shirt kaufen wollte (sehr chic, das Warten hat sich gelohnt), schlenderte ich an einem Laden vorbei, auf dessen Schild „Only 4 Women“ stand. „Schön!“ dachte ich, „bestimmt hat eine Friseuse die Branche gewechselt – viel Erfolg!“

Natürlich war mir klar, dass das Schild eben gerade keine Einladung für mich war, dennoch näherte ich mich und als ich durch die Scheibe blickte, sah ich: Drinnen waren nur 4 Frauen1), aber die waren so korpulent2), dass der Laden rappelvoll war.

Das glaubt mir jetzt keiner, aber so war’s.

Anmerkungen
1) „Nur 4 Frauen“ – siehe Schild. Das ist lustig.
2) Jegliche Form der Diskriminierung liegt mir fern, ich bitte von entsprechenden Hinweisen abzusehen

Zusammenhänge

Auf Anraten von Lieschens Patentante muss ich vorwegschicken: Achtung: ernstgemeinter Content! (Ich habe mich dafür entschieden nur die paar ernsten Posts zu markieren, das macht weniger Arbeit).

So, die Besucherstatistik auf diesem Blog hat sich halbwegs wieder beruhigt. Dann kann’s ja weitergehen:

In den letzten Tagen sind einige Dinge passiert, die meines Erachtens alle mit einander zu tun haben. Das ist bislang nur so ein Gefühl und ich bin noch nicht dazu gekommen, diese Dinge zu ordnen und in einen Zusammenhang zu bringen. Deshalb liste ich sie jetzt einfach mal auf – vielleicht erkennt ihr das Schema ja schneller als ich.

Erstens bin ich in meiner Tollpatschigkeit einer Foodblogger-Ikone zu nahe getreten. Das hat natürlich den weibliche Beschützungs- und Beißinstinkt geweckt, der sich dann in den Kommentaren niederschlug. Das ist okay und vielleicht sogar verständlich. Wo aber kommen die mehr als 300 zusätzlichen Page-Hits her? (Page-Hits, wohlgemerkt; das können also auch 100 Leute sein, die jeweils dreimal da waren oder 30 Leute, die jeweils 10 mal da waren, oder drei Leute… nein, das glaube ich nicht.) Wie haben die davon erfahren? Ist das wie bei einem Autounfall auf der Gegenseite: Schau, jetzt ist er zu weit gegangen, jetzt machen sie ihn fertig, oder schlägt er zurück? Ich bin sozial nicht vernetzt, ich weiß es nicht.

Zweitens hatten wir am Wochenende den Hochzeitsflug der Ameisen im Garten; ein imposantes Schauspiel, aber – jetzt kommt’s: auf die Millisekunde genau an drei verschiedenen Orten im Garten, jeweils mindestens 30 oder 40 Meter voneinander entfernt. Auf die Millisekunde, ich schwör’s! Sind die untereinander vernetzt? Facebook? Twitter? Irgendwas Ameisenspezifisches? Ich weiß es nicht.

Drittens hat die Küchenschabe offensichtlich mein Rezept für Heidelbeerkuchen gelesen und wollte es sofort nachbacken. Wieso wusste sie, dass dieses der weltbeste Heidelbeerkuchen ist, vor dem, nach dem und neben dem es niemals einen vergleichbaren Heidelbeerkuchen gab, geben kann oder geben wird? Ich hab es nicht dazu geschrieben und auch kein (nennenswertes) Bild dazugepappt. Rezept – einfach so. Woher wusste sie das, bevor sie es probiert hat? Kann sie Rezepte lesen? Hatte sie ihre Tage? Hat sie es ausgependelt?

Viertens waren wir in Hamburg im Spanier- und Portugiesen-Viertel und ich habe einen Teller mit Fischtapas gegessen. Sehr zarte frittierte Tintenfisch-Ringe, herrliche kross frittierte Sardinchen, kleine in Öl und Knoblauch gebackene Garnelen und drei Sorten unterschiedlich gefülltes Fettgebäck, sehr , sehr sehr köstlich. Aber halt: eine Fischkrokette, also eigentlich eine Kartoffelkrokette mit Fischfasern! Warum kennt dieser Mann mein Rezept für Fischkroketten nicht? Liest er keine Blogs? Oder nur meinen nicht? Oder kann er nicht pendeln?

Fünftens habe ich mit meiner Tante über meine neueste Vorliebe (Kohlrabi in Orangensauce, für kurze Zeit noch: siehe rechts) geredet. Ihre Reaktion: „Ha, ich glaub du schbinnsch!“ Das stimmt aber nicht. Woher wusste ich, dass das schmeckt und ganz hervorragend zu Kalbsrückensteaks passen wird? Hatte ich meine Tage? Kann ich pendeln? Ich fürchte: Beides nein.

Sechstens habe ich in der Süddeutschen („Stücke vom Kuchen„) gelesen, dass Foodblogger angefangen haben, das Sterbeglöckchen für Printmedien (also: „Essen & Trinken“, „Der Feinschmecker“ oder „Effilee“) zu läuten. Habe ich mich darüber gefreut? Nein, denn es wird nicht besser werden: Der Trend ist nämlich ein vom Netz abgekupfertes Magazin „Sweet Paul“. Es soll auch „Stylemagazin sein, mit Accessoires, Einrechtungsgegenständen und Basteltipps…“ Ich freu mich so!

Siebentens gehe ich gleich morgen los und kauf mir eine Bastelschere! Ihr werdet meinen Blog nicht mehr wiedererkennen! Schließlich will ich auch liebgehabt werden.

Zum ersten Ma(h)l: Kritik

Ich glaube, Natas Event „Das erste Ma(h)l“ ist inzwischen beendet. Dann ich kann ich ja ein bisschen rummeckern.

Ich halte es für ganz schlechten Stil, Buchstaben einzuklammern, bloß weil man nicht weiß, wie man ein Wort schreibt. Dafür gibt es doch inzwischen Rechtschreib-Programme!

Obwohl: Alles soll man ja auch nicht den Maschinen überlassen. Schließlich hat der „Rat der deutschen Rechtschreibung“ ja eine „Überarbeitete Fassung des amtlichen Regelwerks 2004“ hinterlassen. Und da kann man doch einfach mal nachschauen.

Für die Frage „Mal oder Mahl“ könnte man auf Abschnitt 1.3 („Besondere Kennzeichnung der langen Vokale„) zurückgreifen und dort auf

§ 6 Wenn einem betonten einfachen langen Vokal ein unbetonter kurzer Vokal unmittelbar folgt oder in erweiterten Formen eines Wortes folgen kann, so steht nach dem Buchstaben für den langen Vokal stets der Buchstabe h.

Damit wär das Handwerkszeug griffbereit: „Stets“ ist schon mal gut, da muss man sich wenigsten keine Gedanken um Ausnahmen machen. Aber „unmittelbar folgt„? Ist [l] denn ein“unbetonter kurzer Vokal“? Wohl eher nicht. Schade. Vielleicht gibts noch andere Regeln? Ach, da, es geht weiter mit

§ 7 Das h steht ausnahmsweise auch nach dem Diphthong [aɪ̯].

und was in aller Welt ist jetzt gleich nochmal ein Diphtong? Das [l] ja wohl eher nicht, also weiter mit:

§ 8 Wenn einem betonten langen Vokal einer der Konsonanten [l], [m], [n] oder [r] folgt, so wird in vielen, jedoch nicht in der Mehrzahl der Wörter nach dem Buchstaben für den Vokal ein h eingefügt.

Endlich! Ein [l] nach einem langen betonten Vokal! Aber was heißt „in vielen, jedoch nicht in der Mehrzahl„? Heißt das jetzt ja oder nein? Kommt da noch was? Ah hier, eine Erläuterung

E1: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber unterschiedlich geschriebene Wortstämme wie: Mahl aber Mal, mahlen aber malen, Sohle aber Sole;

Und jetzt? Wie jetzt? „Mahl aber Mal„, was soll das denn heißen?

Okay, Nata, Entschuldigung! Ich hätts auch nicht gewusst.


Erdbeer-Tiramisu

Walrösser legen sich eine dicke Fettschicht zu, wenn es kalt wird. Eichhörnchen sammeln eifrig unreife Nüsse. Und ich mache für 4 Personen ein Erdbeer-Tiramisu für sechs. Und hoffe, dass es reicht:

Erdbeer-Tiramisu

8 Blatt weiße Gelatine getrennt (einmal 3 und einmal 5 Blätter) in kaltem Wasser einweichen.
1 kg reife Erdbeeren waschen, abtropfen lassen und putzen. 350 g Erdbeeren in kleine Würfel stellen und zur Seite stellen. 500 g Erdbeeren zusammen mit dem Saft und der fein abgeriebenen Schale von 1 Limette und 60 g Puderzucker in eine Schüssel geben und mit dem Schneidstab pürieren. 3 Blatt Gelatine tropfnass bei milder Hitze auflösen und mit 4 EL Himbeergeist vermischen. Diese Mischung unter das Erdbeerpüree ziehen.
500 g Mascarpone (zimmerwarm), 200 g Sahnejoghurt (zimmerwarm), 1 Prise Salz und weiteren 100 g Puderzucker etwa 3 Minuten mit den Quirlen des Handrührers aufschlagen. Die restliche Gelatine auflösen, wieder mit 2 EL Himbeergeist mischen und unter die Creme ziehen. Dann nach und nach 250 g Sahne (geschlagen) unterheben. Schließlich die Erdbeerwürfel und 3 EL Erdbeerpüree so unterheben, dass die Creme rötlich marmoriert ist.
400 g Cantuccini grob zerkleinern. Ein Drittel davon in eine Glasschüssel geben und erst mit Erdbeerpüree, dann mit Erdbeercreme bedecken und solange wieder von vorne beginnen, bis nichts mehr da ist. Notfalls können die restlichen Erdbeeren geviertelt und dekorativ verteilt werden; es tut dem Geschmack aber keinen Abbruch, wenn man sie nur drüberkippt.

Menschen, denen die Diätassistentin im Nacken sitzt oder die sich noch nicht vom Schlankheitswahn befreit haben, werden jetzt sagen: Oje! Aber andererseits: Wenn man Mascarpone und Sahne und Zucker weglassen würde, dann wären das gerade mal 320 kcal und 4 g Fett. Und das würde nicht reichen.

Heidelbeerkuchen „Schwarzer Lapp“

Wohl dem, der in der Stadt wohnt, und mit prall gefüllter Börse auf dem Markt Heidelbeeren kaufen kann.

Hier in der Lüneburger Heide, manche mögen das vielleicht nicht wissen, ist Deutschlands größtes Anbaugebiet für Heidelbeeren. Marktabdeckung etwa 75%.

Deshalb gibt es hier in der Lüneburger Heide keine Heidelbeeren.

Wenn das jetzt verwirrend klingt, dann liegt das nicht an mir.

Wenn ich von Heidelbeeren rede, dann meine ich Heidelbeeren. Wenn Marketingexperten, Obstbauern und Marktstandbetreiber von Heidelbeeren reden, dann meinen sie Kulturheidelbeeren. Dass das eine mit dem anderen – auch botanisch – wenig bis nichts zu tun hat, macht die Sache nicht einfacher.

Also noch mal von vorne:

Die Heidel-, Blau- oder Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus) ist eine Art aus der Gattung der Heidelbeeren (Vaccinium) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Regional nennt man sie auch Blaubeere, Schwarzbeere, Mollbeere, Wildbeere, Waldbeere, Bickbeere, Zeckbeere, Moosbeere oder Heubeere. Die Anthocyane, die Mund und Zähne tiefblau färben, sitzen in der Schale und im Fruchtfleisch.

Die Kulturheidelbeere ist eine Weiterzüchtung der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum). Deren Fruchtfleisch ist hell, weil die Farbstoffe nur in der Schale sitzen. Die Beeren sind doppelt bis mehrfach so groß wie die echte Heidelbeere, ein Aroma ist kaum feststellbar. Vor ihrem Anbau als Obstlieferant war die Kulturheidelbeere aufgrund ihrer dekorativen Herbstfärbung im europäischen Garten- und Landschaftsbau als Zierpflanze beliebt. Man hätte es dabei belassen sollen. Obwohl: in Blueberry-Muffins schaden sie zumindest nicht.

Natürlich gibt es auch in der Heide Wälder. Natürlich wachsen da auch Heidelbeeren. Aber niemand sammelt sie, um sie auf dem Markt in diesen kleinen Schälchen mit den großen Preisschildern anzubieten. Also musste ich, ich ganz persönlich; die Zivilisation abstreifen und tief in den dunklen Wald eindringen …

Aber ach! So kleine Beerchen und ein so großer, tiefer Korb! Wohl dem, der in der Stadt wohnt ….

Viele Stunden später, mit blauen Zähnen und roten Händen und zerkratzten Armen und jeder Menge Fuchsbandwurm im Magen.

„Mama, hallo. Du, wie geht denn Schwarzerlapp?“

„Pass auf, für mein großes Blech“ – ich habe keine Ahnung, wie groß das große Blech meiner Mutter ist, erinnere mich aber an eine Springform mit einem Durchmesser von, ich schätze mal 28 cm. „Also für mein großes Blech mache ich einen guten Mürbteig. Brauchst du ein Rezept für guten Mürbteig? Nein? Also die Kuchenform mit dem Mürbteig auslegen, mehrmals mit einer Gabel einstechen und die Matschedutsche darauf verteilen, mit ein wenig Zucker und Zimt bestreuen und ein paar Butterflöckchen darauf verteilen. Bei 200° etwa eine Stunde backen.“

„Mama, die Matschedutsche?“

„Ach so, ja. Warte, ich hol das Rezept.“

„1 kg Heidelbeeren waschen, trocknen und mit 100 g Zucker mischen. 2 Eigelb mit 100 g Zucker schaumig rühren. 2 Eiweiß steif schlagen. Alles mit 50 g gemahlenen Haselnüssen und etwas Zimt mischen. Die gezuckerten Heidelbeeren unterrühren. So, das war die Matschedutsche. Weißt du noch, wenn wir Heidelbeeren geholt haben …“ [größere Textmenge redaktionell entfernt]

Oh My God! Ein Kilogramm Heidelbeeren! Das sind etwa 4 Trilliarden kleine Beerchen, also meine gesamte Ernte, oder – für Städter – 8 von den großen Schalen a 125 g! Oh My God! Ich glaub, ich nehm mein kleines Blech.

Fotostrecke

Schwermut

Schwermut tropft am Fenster, eiskalt klirren tiefgefrorene Finger auf der Tastatur. Ich vermisse Schneeflocken, aber das ist ja heutzutage kein Problem mehr. Im Internet – drei Minuten Schneefall:

Überhaupt das Internet. Ich liebe Informationen – gerade im Winter. Echtes, überprüftes Wissen für die Kontemplation am Kaminfeuer. Nicht dieser Schrott, den unsere Lehrer uns andrehen wollten. Manchmal vergleiche ich in Gedanken Fräulein Z. – meine Chemie-Lehrerin – mit Siri; meine Güte, welcher Unterschied! Fräulein Z. hatte nur einen sehr rudimentäre Code zur Verfügung – H2O, NaCl, solche Sachen. Was die bedeuten, war oft unklar und musste – bei Interesse – aus dicken Folianten in staubigen Bibliotheken ermittelt werden. Gott sei Dank hielt sich das Interesse normalerweise in Grenzen, sonst wären Kindheit und Jugend deutlich düsterer verlaufen. Heute dagegen Klartext: „Kochen Sie die Nudeln laut Packungsangabe in Salzwasser“. Geht doch.

Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben: manchmal irrt sich das Internet auch. Auf meine Anfrage: „Ist dieses Wetter noch steigerbar?“ kam doch tatsächlich die Antwort: „Nein. Weil Substantive nicht gesteigert werden können.“

Man stelle sich das mal vor! Ich habe tatsächlich noch weitere Links mit ähnlichem Inhalt gefunden. Bislang ist mir aber noch keine befriedigende Begründung zu Ohren gekommen, wie es zu dieser Fehlinformation kommen konnte. Offensichtlich hat einer vom anderen abgeschrieben, ohne darüber nachzudenken. Ich will deshalb meinen bescheidenen Beitrag leisten, diesen Unfug aus der Welt zu räumen:

Mal – Maler: Wer nur ein Bild malt, gilt als Mal (auch: Einmal). Nur bei größerer Produktion kann der Künstler sich mit Fug und Recht als Maler bezeichnen.

Schrein – Schreiner: Jahrhundertelang gab es den Beruf des „Schreins“, benannt nach dem Behältnis, das er anfertigte. Erst in der großen Finanzkrise im 5. vorchristlichen Jahrhundert sah sich ein Schrein genötigt zu diversifizieren und auch Truhen, Schränke, Betten und Küchenregale herzustellen. Um sein erweitertes Produktspektrum kenntlich zu machen, ohne alle einzelnen Behältnisse aufführen zu müssen, nannte er sich kurz Schreiner.

leer – Lehrer: ist, da „leer“ kein Substantiv ist, kein sehr geglücktes Beispiel, dafür ergibt sich die Genese des Wortes für junge Menschen quasi von allein.

Schabe – Schaber: In früheren Zeiten wurde die Schabe, genauer der Panzer, gerne verwendet, um Essensreste vom Herd zu kratzen (deshalb auch: Küchenschabe). Im Laufe der Jahrhunderte wurden allerdings Materialen entwickelt, die bedeutend besser für diesen Zweck geeignet waren, also als Schaber bezeichnet wurden.

Koch – Köcher: Ein interessanter Fall einer umgekehrten Steigerung, da es zuerst den Köcher gab, benannt nach dem Behältnis, in dem er die Pfeile aufbewahrte. Erst wenn er mit der Mammutkeule wieder zurück kam, übergab er die Beute jemandem, der sie zerlegte, würzte und schmackhafter machte. Da dieser Jemand natürlich weniger wichtig war, weil er ohne Beute aufgeschmissen gewesen wäre, nannte man ihn kurzerhand Koch.

Es gäbe noch viele Beispiele, die als Beleg angeführt werden könnten (Schneid-Schneider, siehe das tapfere Schneiderlein), es kommt mir aber nur darauf an, den Jugendlichen und Kindern unter meinen Lesern eine Mahnung zu widmen:

Kinder, aufgepasst: Manchmal stehen im Internet auch Dinge, die einfach nicht stimmen. Das ist natürlich die Schuld von uns, der älteren Generation, die noch irren konnte. Bevor das nächste Internet-Upgrade installiert ist, solltet ihr aber vorsichtig sein!

(P.S.: Auf dieser Seite habt ihr nichts zu befürchten. Der Autor irrt sich nie.)

Stubenküken

Als ich vor einiger Zeit zum ersten Mal auf dem örtlichen Wochenmarkt bei der Hühnerfrau nach Stubenküken gefragt habe, hieß es: Jaaa, das müsste man bestellen; es sei ja keine Saison und was ich denn damit wolle?

Je nun, seither habe ich halt keine Stubenküken mehr gegessen; der Rungis-Express liefert nur ungern hierher. Außerdem wär das ja auch nicht regional und deshalb bäh.

Heute jetzt war ich auf der Pirsch nach einem Suppenhuhn. Und da sagt die Hühnerfrau plötzlich zu mir: „Außerdem hab ich hier noch Stubenküken.“ Ich hab nicht geantwortet, weil es mir manchmal einfach die Sprache verschlägt. Also hab ich nur mit offenem Mund auf die kleinen Henderln gestarrt, während sie fortfuhr: „Ich probier das jetzt mal. Weil, es kommen immer mehr ältere Menschen und fragen, ob sie nicht ein halbes Hähnchen haben könnten, ein ganzes sei einfach zu viel.“ (Ältere Menschen haben hier in der Heide oft noch keinen Blog-Anschluss, sonst wüssten sie natürlich, dass man Hühner IMMER und ausschließlich als GANZE Hühner kauft.)

Halleluja! Ich wusste schon immer, dass es Vorteile haben muss, wenn die Deutschen aussterben! Leute, werdet frohgemut älter, und wenn ihr es schon seid, dann freut euch, denn die Natur lässt euch nicht im Stich! Auch auf dem Wochenmarkt gibt es den Seniorenteller! Und damit nicht genug: Nicht nur, dass die Menge ideal für den Ein- oder Zwei-Personen-Haushalt geeignet ist. Ihr müsst euch auch nicht im hohen Alter mit kiloschweren Tiefkühl-Broilern abschleppen – lasst euch eine Tüte geben, hängt das Tierchen bequem an den Rollator und tappert langsam und freudestrahlend wieder nach Hause! Auch eure dritten Zähne werden sich freuen, wenn sie sich nicht stundenlang mit einer trockenen Hühnerbrust abplagen müssen.

Alt werden kann so schön sein! Und wenn die Bevölkerungspyramide kippt und die Pensionsfonds zusammenbrechen: Lasst uns den Untergang mit Würde tragen, und zwar mit

Gefülltes Stubenhenderl

Zunächst 80 g Butter in kleine Würfel schneiden und ins Gefriergerät legen. 3 Stubenküken (für 6 Personen) innen und außen kalt abspülen und trockentupfen.
Für die Füllung 200 g Geflügelleber putzen, von den Sehnen befreien, kalt abspülen, trockentupfen und würfeln. 1 Zwiebel und 1 Knoblauchzehe schälen und fein würfeln. 2 EL Öl in einer Pfanne erhitzen; Leber, Zwiebel und Knoblauch zusammen mit 1 TL Rosmarin (gehackt) unter Wenden kurz und scharf anbraten. In eine Schüssel geben und etwas abkühlen lassen. 220 g Weißbrot (vom Vortag) in 1 cm große Würfel schneiden, zur Leber geben und mit 2 Eiern gut mischen. 100 ml Milch leicht erhitzen, zugießen, untermischen und mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen, Zum Schluss noch 1 EL Petersilie (gehackt) unterheben.
Die Stubenküken mit der Masse füllen; die Öffnung mit einem Holzstäbchen zustecken. Die Küken von außen mit Salz und Pfeffer würzen. Die Keulen mit Küchengarn zusammenbinden.
2-3 EL Öl in einer großen Pfanne erhitzen und die Küken rund herum bei mittlerer Hitze etwa 10 Minuten braten. Dann mit der Brustseite nach oben in eine Form legen und im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad auf der untersten Einschubleiste 45-50 Minuten braten.
Fertige Stubenküken im ausgeschalteten Ofen warmhalten. Den Bratensud durch ein Sieb gießen, etwas entfetten und mit 200 ml Geflügelfond und 3 cl Madeira auf die Hälfte reduzieren. Die gekühlten Butterstückchen in die Sauce geben und unter Schwenken schmelzen lassen, bis die Sauce leicht gebunden ist.

Ich bin ja so leicht glücklich zu machen.

 

Q13: Der Brief

Liebe Patentante

Du wirst dich vielleicht wundern, dass ich dir schreibe. Aber erstens: Ich kann jetzt schreiben! Und zweitens: Ich brauche Deinen Rat.
Nein, keine Angst: Mir geht es gut! Zumindest angesichts der Umstände. Es ist ja einfach nicht fair, dass man nur einen Sommer Zeit hat, und dann regnet es immer! Da habt Ihr es vieel besser, da kommen ja noch Müllionen von Sommern und bei Euch in Ö solls ja sogar richtig angenehm warm sein! Hach, das hätt ich auch gern.
Aber ich will nicht meckern, sonst heisst es wieder, ich sei zimperlich. Was ich aber gar nich bin – ehrlich!
Jetzt zu meinem Problem: Meiner Nachbarin, der Evelyn, geht es gar nicht gut. Immer jammert sie, dass ich kaum schlafen kann, und sie ist schon ganz schwach. Ich hab dir mal ein Bild gemalt:
Meine Nachbarin – die Evelyn

Der Michael sagt immer, ich soll nicht so herzlos sein. Aber mal ehrlich: die machts doch nicht mehr lang, oder? Wenn ich die wegschubsen würde, dann hätt ich auch mehr Platz; ich werd nämlich schon ganz schön gross. Und außerdem könnt ich mich doch anstecken? Kann der die nicht wegtun? Könntest du ihm das sagen – auf mich hört er ja nicht!
Bitte probiers doch, vielleicht kannst du ihn überzeugen. Die alte Zicke, die Evelyn, ist eh nicht nett. Und ich könnt den Platz gut gebrauchen. Ich mal dir auch noch ein Bild von mir, dann siehst du das:
Das bün ich

Bitte sag ihm dass die weg muss! Bitte!

Liebe Grüße
Dein Lieschen

P.S.: Nächstes Jahr komm ich zu Dir in Ferien, ich glaub, da ist es schöner für Tomaten.

Rate Mahl

Immer wieder die Frage: „Was gibt es denn heute zu essen?“
Ab heute meine Antwort: Rate Mahl …

(Wegen technischer Defizite des Bloggers und wohl auch der Platform?) nur auf einer eigenen Seite und nur mit Javascript!
Auch Rater ohne Tastatur werden sich schwer tun und alte Browser …

Marktanalyse

Der Lüneburger Wochenmarkt reagiert nervös auf spanische Erbeeren!

Hannover legt Märkte an die Leine!

An der Küste brechen die Märkte zusammen!

Märkte in Schieflage!

Märkte im Sinkflug!

Wenn man sich bei allen Überschriften, in den die „Märkte“ vorkommen, einen Gemüsestand vorstellt – in Schräglage, zitternd, beunruhigt, dann wird die Lage in der Tat bedrohlich.

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