Flugangst

Ich bin in letzter Zeit – für meinen Geschmack – etwas zu viel mit dem Flugzeug unterwegs. Meine CO2-Bilanz spottet jeder Beschreibung. Mein ökologischer Fußabdruck wird auch in 1000 Jahren noch von Archäologen deutlich zu identifizieren sein. Das ist nicht schön.

Nicht schön ist aber auch der Satz: „Ich möchte Sie mit unserem Service an Bord vertraut machen.“ Oder auch: „… servieren wir Ihnen einen Snack“, oder – noch schlimmer – „… einen warmen Snack“.

Ich will mich nicht beklagen. Das ist nett von den Fluggesellschaften. Zumindest nett gemeint. Aber es ist nicht schön.

Sicher, man kann auch freundlich ablehnen. Auf der Strecke von Stuttgart nach Hannover (43 Minuten) habe ich das getan. Und mannhaft den enttäuschten Blick der Flugbegleiterin ertragen. Immer noch besser als …

Aber heute habe ich Chicago gebucht, bzw. noch weit hinter Chicago (insgesamt 16 Stunden). Irgendwas muss man da doch essen. Ich muss mich dringend erkundigen, ob ich mein eigenes Handgebäck mitbringen darf. Zum Beispiel:

Handgebäck

 

Zubereitet streng nach den Vorschriften von Robert. Auf dem Rückflug geht es mit Swiss Airlines über Zürich – da müsste das doch erlaubt sein?

H*rbst

Irgendwas in mir weigert sich beharrlich dieses Wort zu sprechen oder zu schreiben. Irgendwas Archaisches wahrscheinlich. Weil doch jahrhundertelang (zumindest seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1849) der H*rbst nach dem Sommer kam. Und doch gar kein Sommer da war. Und kein Frühling. Nur Winter. Hier zumindest.

Es gibt ja Leute, die können Herbst*) einfach so sagen und schreiben. Es klingt, als gefiele es ihnen sogar. Vielleicht war dort Sommer. Hier nicht.

Aber ich will ja nicht jammern, sondern stets um das Gute mich bemühen. Zum Beispiel den Kürbis. In seiner Ausprägung als kleine Vorspeise.

Kleine Kürbis-Käse-Kuchen

Für 12 Stück:
200 g Mehl und ½ TL Salz in einer Schüssel mischen. 100 g kalte Butter würfeln, mit einem Ei zugeben. Alle Zutaten mit den Fingerspitzen verkrümeln. Die Krümel kurz mit den Händen zu einem Ball knetet, in Folie wickeln und 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
Backofen auf 200 Graf vorheizen (Umluft: 180 Grad). 300 g Kürbisfruchtfleisch klein würfeln, 1 Frühlingszwiebel in Ringe schneiden. Mit 1 EL Butter, 50 g gewürfeltem Schinken und 1 Prise Salz bei milder Hitze zugedeckt 10 Minuten dünsten. 150 g Quark (20 Prozebnt) mit dem Gemüse und 1 Ei verrühren.
Den Mürbeteig dünn ausrollen, 12 Kreise mit einem Durchmesser von 10 Zentimeter ausstechen und je einen Kreis in eine gebutterte Muffinform legen. Füllung auf dem Teig verteilen, mit 2 EL Kürbiskernen bestreuen und etwa 25 Minuten backen.

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*) Wenn sich jetzt jemand wundert, wieso da jetzt das Wort einfach so steht, und wie ich das gemacht habe. Ganz einfach: Bei Wikipedia das harmlose Wort „Jahreszeit“ eingeben, Cut&Paste und – voila!

Mir zahled nix

Gestern (am Dienstag) fand ich in der SZ den netten kleinen Beitrag „Beim Trinken genießen„, den ich gerne hier rechts in der Spalte Gerne gelesen verlinkt hätte. Für einen Link kann ich aber nicht auf das Zeitungsexemplar auf dem Küchentisch verweisen, vor allem weil Frau T. dafür sorgen wird, dass es nicht sehr lange das „Zeitungsexemplar auf dem Küchentisch“ bleiben wird. Und wie die Erfahrung zeigt, wird Google noch ein paar neue Algorithmen erfinden müssen, um den dann tatsächlichen Aufenthalts- und Fundort ausfindig machen zu können.

In den Online-Auftritt der SZ hat es der kleine Text aber wohl nicht geschafft. Also kein Link. Ist vielleicht auch besser. Die Bundesregierung bastelt ja gerade am neuen Leistungsschutzrecht. Wer weiß, was da für Kosten auf mich zukommen könnten.

Also vielleicht ein Zitat? Ist das erlaubt? Hat jemand einen Überblick über die Urteile zum Urheberrecht im Internet? Sicher nicht der ganze Artikel, das würde auch gar nicht in die rechte Spalte passen. Aber ein Ausschnitt, wie viele Wörter sind da erlaubt? Ach komm, ein Zitat:

„Sie fassen die Gläser also nicht an den Stielen an, mit denen man sie elegant und ohne Fettflecken zu hinterlassen emporheben könnte. Nein, so wie Babys mit ihren Patschhändchen nach allem grapschen, was bunt ist und in den Mund geschoben werden kann, grapschen diese Leute nach dem bunten Inhalt des Glases.“
Gottfried Knapp, SZ vom 28. August 2012, Seite 11

Muss ich jetzt zahlen? An Herrn Knapp? An die Süddeutsche? An die Feuilleton-Redaktion? In die Kaffeekasse beim Pförtner?

Und dann heute die Erlösung. Auf der Titelseite die Überschrift: „Blogger zahlen nichts“. Puh, Glück gehabt. Da kann ich ja das vorsorgliche zurückgelegte Geld in eine nette Flasche Riesling investieren, ein Glas mit Stiel habe ich schon. Wenn da nicht der letzte Satz wäre: „Es soll hier beim derzeit geltenden Rechtszustand bleiben.“ Zustand?

Falls ich es noch nie erwähnt habe, mein größter Fehler im Leben war sicherlich die Berufswahl. Lobbyist wäre weitaus lustiger (und einträglicher) gewesen. Ein aktuelles Beispiel zeigt zdf.info (auf youtube) am Beispiel des Leistungsschutzrechts, das heute im deutschen Kabinett verhandelt wird.

Archäologie

Erstens: Ich hatte einen Deutschlehrer mit einem Sprachfehler. Nun, Sprachfehler ist vielleicht etwas übertrieben, er hatte halt Schwierigkeiten mit den Lauten „ch“ und „sch“. Merkwürdigerweise in sämtliche Richtungen. Da konnte aus einem „Waschtisch“ der „Wachtich“ werden, genauso aber aus der „Blechschatulle“ eine „Bleschchatulle“ (oder so ähnlich). Auf jeden Fall war das für uns unbedarfte junge Menschen ein steter Quell der Heiterkeit.

Eines Tages nun wurde ein neues Arbeitsheft eingeführt und aus irgendwelchen Gründen begann er, daraus vorzulesen. Uns war das recht, und wir begannen sofort weg zu dösen. Als wir dann aber im Halbschlaf die spannende Abhandlung über „Das Verhältnis von Staat und Kirsche“ hören durften, waren wir schlagartig wieder hellwach. Manche begannen sofort, das Gehörte zu illustrieren, wobei mir persönlich eine Skizze besonders gut gefiel, in der ein Kaiser mit Krone an jedem Ohr einen Kirschenzwilling baumeln hatte, andere waren vollauf damit beschäftigt, nicht ungehörig loszuprusten, und mein Banknachbar begann, um sich abzulenken, interessiert in diesem neuen Arbeitsheft zu blättern.

Ich lauschte natürlich wie immer voller Interesse dem Vortrag und war gefesselt von den mannigfaltigen Konstellationen und Problemen, mit denen sich Staat und Kirsche über die Jahrhunderte hinweg herumzuschlagen hatten, im Frühjahr, im Herbst, vor allem aber im Sommer. Plötzlich prustete mein Nachbar, japste und rammte mir den Ellenbogen in die Seite. Er hatte, nur wenige Seiten vom aktuellen Aufsatz entfernt, eine andere spannende Erörterung gefunden und deutete aufgeregt auf deren Titel: „Die Archäologie im Wandel der Zeit“. Zum von uns allen mit Spannung erwarteten Vortrag kam es dann allerdings aus nicht mehr eruierbaren Gründen nicht – wir hätten es vielleicht auch nicht überlebt.

Zweitens: Ich hatte einen Platten-Crash. Mein Computerschrauber sagt, das könne passieren. Und ich hatte kein Backup. Mein Computerschrauber fragt, wie das passieren könne.

Nun ja, ich habe darauf verzichtet, ihm vom Thrill zu erzählen, den ein langweiliges Berufsleben manchmal nötig macht, von Adrenalinstößen, wenn die Festplatte quietscht, und solchen Sachen. Er hätte es nicht verstanden, das hat man an seinen Augen gesehen. Ich verstehe es ja auch nicht. Und ich werde mich ändern. Schließlich habe ich mehrere externe Festplatten rumliegen. Eine davon habe ich jetzt schon mal mit „Backup“ beschriftet. Und einen Zettel vorbereitet, den ich dazulegen werde:

Liebe (wahrscheinlich außerirdischen) Archäologen der Zukunft,

wenn ihr dieses kleine schwarze Kästchen findet, das fein säuberlich mit dem Wort „Backup“ beschriftet ist, dann müsste daneben auch ein schwarzes Kabel liegen. Das dünnere Ende passt in die Buchse des Kästchens, das dickere Ende müsst ihr in eine andere Buchse stecken, die mit „USB 3.0“ gekennzeichnet ist. Wenn euch „USB“ nichts sagt, dann kümmert euch lieber um etwas Wichtigeres und legt das Kästchen ins Archiv.

Im anderen Fall allerdings und wenn ihr den Inhalt des Kästchens dennoch nicht auslesen könnt, dann kann es dafür zwei Gründe geben:

  1. hat, aber das ist unwahrscheinlich, unsere Wissenschaft die Haltbarkeit dieses Datenträgers etwas überschätzt,
  2. oder, und das ist leicht möglich, habe ich doch nicht die Zeit und die Muse gefunden, tatsächlich etwas draufzuspielen

Wie auch immer, ich lege noch meine Magister-Arbeit dazu. Die ist auf einer 8-Zoll-Diskette gespeichert. Ihr müsst euch keine Vorwürfe machen, wenn euch das nichts sagt. In München, im Deutschen Museum, könnte irgendwo ein großer Kasten mit einem schmalen Schlitz rumstehen – probiert den mal aus.

Ich wünsche euch viel Erfolg und viel Spaß bei der Arbeit

Euer Michael

 

Anstand

„Hubert, das tut man nicht!“

„Bitte, was tut man nicht?“

„Na ja, was du da tust. Mit den Füßen in der Nase bohren. Das tut man nicht.“

„Vielleicht, weil man es nicht kann? Ich zum Beispiel kann es, also tu ich’s. Wer es nicht kann, soll es bleiben lassen.“

„Hubert, sei doch nicht so furchtbar arrogant. Denk doch an die Leute; was soll denn da Frau Schmidt denken!“

„Mama, ich bin nicht arrogant, ich bohre in der Nase!“

„Aber doch nicht bei Tisch, Hubert! Und schon gar nicht mit den Füßen!“

Baguette de luxe

Ich lese gerade „Die Frauen“ von T.C. Boyle, ein Roman über den Architekten Frank Lloyd Wright und seine drei Ehefrauen. Deren zweite, Maude Miriam Noel, hat es mir besonders angetan. Sie ist affektiert, arrogant, überdreht und wahrscheinlich auch ein wenig psychisch gestört. Ich aber empfinde nur Mitleid mit ihr. Egal welche Eskapaden sie sich auch einfallen lässt, es gelingt dem Autor nicht, mich gegen sie einzunehmen. Und das nur aus einem Grund.

Die arme Miriam wird nämlich ziemlich direkt aus Paris, quasi ohne Zwischenhalt, ins ländliche Wisconsin verfrachtet. Und als sei das nicht Strafe genug, bevorzugt ihr Liebhaber und spätere Ehemann, na ja, sagen wir mal eher einfache, deftige Kost.

„Die Ente lag vor ihr. Sie warf einen kurzen Blick darauf – Schichten aus gelbem Fett und stumpfbraunem Fleisch, aufsteigender Dampf, Bratensoße -, dann legte sie die Gabel wieder hin und richtete sie im exakt rechten Winkel zur Tischkante aus.“

An der Stelle habe ich geweint, hemmungslos geweint, wie andere beim Dahinscheiden der anämischen Prinzessin oder wenn die sicher geglaubte Vermählung des Chefarztes mit der jungen Krankenschwester vom bösen Schicksal doch noch vereitelt wird. So ein Schicksal lässt mich nicht kalt, da kann auch ich mitfühlen und mitleiden und mich dann auch diesem Schmerz ergeben.

Zunächst mal musste ich mir aber die Tränen trocknen, denn ich hatte versprochen, für ein leichtes Abendessen auf der Terrasse ein Sandwich zu belegen. Und während ich Schnitzelchen briet, Paprika häutete, Rucola zerzupfte, Mozzarella scheibelte, Parmesan hobelte und Tomaten-Honig-Paste zubereitete, wurde mir klar, warum mich diese Szene so mitgenommen hat: Auch ich blicke zurück auf eine dunkle Zeit der Sattmacher, der phantasielosen Ernährung und der ohne Sorgfalt in den Einkaufskorb geworfenen Zutaten. Nein, es muss nicht foie gras mit einem Sauterne sein, nicht unbedingt filet mignon. Das kann es (und sollte es) natürlich auch sein, aber wichtiger ist die geschmackliche Überraschung bei „normalen“ Gerichten, wenn man die richtigen Zutaten erwischt und sich traut der Phantasie bei der Zubereitung ein wenig Raum zu geben.

Geht auch ohne DeckelDas alles ging mir durch den Kopf, weil mir dieses Rezept, als ich es das erste Mal ausprobierte1), in mancher Hinsicht ein Türchen geöffnet hat. Von unten nach oben:

  • Ich wäre nie auf die Idee gekommen, auf eine Stulle etwas anderes als Butter zu streichen – und schon gar nicht zermanschte getrocknete Tomaten mit Honig und Olivenöl.
  • Ich war bass erstaunt, dass ich Pinienkerne und Rosmarinnadeln in die Panade mischen sollte und überhaupt: ich sollte kein Semmelbrösel-Päckchen aufmachen, sondern Kastenweißbrot hacken!
  • Ganze Paprikaschoten sollte ich schwarz grillen, wer hat denn so was schon gehört? Kann man das nicht im Glas kaufen?
  • Was bitte haben Rauke und Basilikum auf dem Butterbrot verloren?
  • Aus Zufall habe ich die Zutat „Büffelmozzarella“ ernst genommen – und war baff
  • Parmesan war schon gerieben im Päckchen, was meinen die jetzt mit „dünn hobeln“?

Als ich das damals andächtig verzehrte und mich bei jedem Bissen wunderte, warum das so ganz anders schmeckt als die Kreation am Bahnhofskiosk, da ist dann kurze Zeit später meine Liebe zu den Foodblogs erwacht. Und die ist auch nicht abgeflaut, wenn ich mir auch hie und da wünschen würde, dass die Einsteigshürde etwas tiefer wäre. Ich halte die Befreiung von „gelbem Fett und stumpfbraunem Fleisch“ nämlich inzwischen fast für ein Menschenrecht und wünsche ganz ganz vielen Menschen, dass sie die Hürde überspringen.

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1) Ich kann es gar nicht glauben, dass das laut e&t erst 2006 gewesen sein soll.

Slim Line

Nein, ich bin eigentlich nicht besonders eitel. Zumal ich ohnehin eindeutig der Schönste, Klügste und Netteste bin; da fällt der Verzicht auf Eitelkeit nicht besonders schwer.

Aber ich glaube schon daran, dass der Bauch unterhalb des Gürtels eigentlich nichts verloren hat. Ober er nun von oben drüber quillt, oder sich unten durch schleicht – er sollte da nicht sein. Schon aus ästhetischen Gründen nicht.

Das Waschbrett kenne ich noch aus der Kindheit (wenn auch vielleicht nur aus Erzählungen) und auch der gleichnamige Bauch ist zusammen mit der Jugend verblüht und vergangen (und war vielleicht schon immer nur ein Traum). Man sollte sich keine unrealistischen Ziele setzen.

Wenn aber alle Frauen immer nur auf die eine Stelle schauen, um dann naserümpfend den Blick wieder abzuwenden, bevor man auch nur die Chance hatte, durch einen interessanten Gesichtsausdruck oder ein scheues, intelligentes Lächeln anzudeuten, dass da mehr sein könnte als auch Bauch – was will man da machen? Der Bauch muss weg.

Soll ich mich jetzt kasteien? Auf Butter und Sahne verzichten? Das Weißbier durch stilles Wasser ersetzen? Soll ich etwa (gegen den Wind) Rad fahren, mich sportlich betätigen? Nein, vielleicht, auf keinen Fall (in der Reihenfolge).

Ich muss mir was anderes einfallen lassen.

Ich könnte zum Beispiel auf die abschätzigen Blicken einfach mit einem mitleidigen Gegenblick reagieren. Weil diese armen Geschöpfe offensichtlich gar nicht wissen, wie gut ein Zentimeter Sauerrahm-Butter zwischen Brot und Tomatenscheiben schmeckt. Weil sie die Fett-Tröpfchen in der Sahne als Geschmacksträger gar nicht zu schätzen wissen, und weil sie nicht wissen, dass ein Weißbier im Schatten viel besser auf das Gemüt einwirken kann, wenn man nicht durch übermäßige Körperanstrengung total durchgeschwitzt ist.

Ich könnte mich einfach zurücklehnen und mich freuen, dass Männer nicht immer nur auf den Bauch schauen. Ich könnte mit geschlossenen Augen in die Abendsonne blinzeln und auch so den abschätzigen Blicken entgehen. Ich könnte mir sagen, dass mich dieses eindimensionale Geschlecht, das immer nur auf den Bauch schaut, eigentlich gar nicht interessiert, und ich könnte mich auf die Sahne-Estragon-Sauce freuen, die es heute Abend zu Schweinefilet und Garnelen geben wird.

Könnte ich machen. Wenn da nicht das unangenehme Zwicken an der Gürtellinie wäre. Er gehört da eigentlich nicht hin.

Cordon Bleu

Als ich heute Morgen in Wien gelandet bin, wurde ich von Schnitzeln empfangen, Wiener Schnitzel und Tafelspitz, vor allem aber Schnitzel. An den Wänden, aber immerhin.

Gut, morgens um halb acht wäre mir der Sinn eigentlich eher nach einem Kipferl gestanden, aber was solls: ich bin durchaus anfällig für sowas. Ich kenne zwar Herrn oder Frau Plachutta nicht (obwohl ich Ihnen bestimmt schon bei Katha begegnet bin), aber die Bilder sind nicht schlecht. Und zumindest mir gibt das das Gefühl, an einem Fleckchen Erde gelandet zu sein, das so schlecht nicht sein kann.

Ich aber bin gleich weitergefahren nach Györ. Eigentlich ein nettes Städtchen. Und als ich heute Abend dringend ein Bier und etwas zu Essen brauchte, bin ich auch sofort in eine nette Touristenfalle geraten. Zum einen, weil ich nicht mehr in der Lage war (vielleicht auch nicht willens, aber vor allem nicht in der Lage), noch etwas Besseres zu suchen. Zum Anderen aber wegen Herrn Plachutta mit seinen Schnitzeln und wegen Sohn T., der mich kurz vor dem Abflug noch in eine Diskussion über Cordon Bleu verwickelt hat. Kurz: In der Touristenfalle gab es Cordon Bleu, von der Pute (aber das habe ich erst später gelesen) und schlecht (und das hätte ich eigentlich wissen müssen). Aber wenn der kulinarische Forscherdrang mal geweckt ist, dann muss man Rückschläge auch mal hinnehmen.

Die eigentliche Frage bleibt also: Kann man ein Schnitzel besser machen, wenn man Schinken und Käse darin versteckt? Trotz der schlechten Versuchsbedingungen meine ich, folgende Erkenntnis schon mal vorab publik machen zu können: Nicht, wenn man schlechte Schnitzel mit schlechtem Schinken und Analogkäse füllt! Dessen bin ich mir fast sicher, das harrt aber noch der endgültigen Klärung. Vielleicht besuche ich ja beim Rückflug mal den Herrn Plachutta. Vielleicht kann der das? Ist ja nicht ausgeschlossen.

Andererseits habe ich gerade in Ungarn ein „Gösser mit Zitrone“ getrunken und wundere mich schon ein wenig, warum das österreichische Bergvolk noch nicht ausgestorben ist.

Rural Gardening

Kurz bevor „Urban Gardening“ die Städte überschwemmte, kurz bevor der Kopfsalat zum ideologischen Disput ansetzte, kurz bevor Guerilla-Gärtner das Gemüse in die Innenstadt brachten, ohne auf die Marktfrau zu warten, kurz davor bin ich aufs Land gezogen. Wie immer schlechtes Timing.

Ich hätte nämlich alles auch in der Stadt haben können. Guten Espresso und gutes Gemüse. Hugo und Karottensaft. Es ist ein Jammer.

Obwohl ich dort wahrscheinlich alles genauso falsch gemacht hätte wie hier. Ich hab mir nämlich zum Beispiel – heute kann ich das kaum mehr glauben – Botanik-Bücher gekauft. Dabei denken nur Greenhorns, Gärten hätten was mit Pflanzen zu tun.

Haben sie natürlich schon irgendwie. Aber ein Garten ist wie ein Streichelzoo. Gärtner und Kinder lieben sie um ihrer selbst willen, aber jeder Fachmann weiß: alles nur Futter für die Raubtiere. Und ich rede hier nicht von der gemeinen Nacktschnecke.

Doch, natürlich rede ich auch von den Schnecken, was bleibt mir übrig? Gestern Nacht hat zum Beispiel eine Kohorte (oder wie auch immer die militärisch organisiert sind) einen Riesen-Zucchino vertilgt. Nicht angeknabbert oder mit ihrem Schleim vollgesabbert, wie das häufig in feuchten Nächten geschieht, nein: ratzeputz aufgevespert. Wer jemals die Ausmaße einer Zucchini gesehen hat, die der Gärtner wegen schlechten Wetters auch nur drei Minuten außer Acht gelassen hat, wird mich der – wenn auch unwissentlichen – Lüge beschuldigen. Und ja: ich kann es nicht beweisen, weil die Überwachungskamera wegen Regens ausgefallen war, aber alle Indizien sprechen dafür: Der Zucchino ist weg, eine Schleimspur ist noch da und in den kümmerlichen Resten sind eindeutig Spuren vom Gebiss der Unterart Schwarzer Schnegel (Limax cinereoniger). Allerdings hätte ich angesichts der gargantuesken Mahlzeit erwartet, im Umkreis einige geplatzte Schnecken zu finden, was nicht der Fall war – in dubio pro reo.

Und ich rede auch nicht von Wühlmäusen, Blattläusen oder Kartoffelkäfern. Geschenkt! Oder von Rucola-süchtigen Tauben und Amseln, die – bloß weil es kaum Kirschen gab – alle meine Stachelbeeren aufessen. Es geht noch heimtückischer:

Auf Geheiß von Frau T. darf ich die Radieschen nicht ernten, sondern muss sie schießen lassen, weil sie dann so schön blühen und vor allem weil dann die lieben Schmetterlinge angeflattert kommen und so putzig um die Blüten taumeln.

Manchmal träume ich von Rettichsalat.

Träumereien

Einer meiner großen Träume ist es, mal von einem Foodblogger zum Essen eingeladen zu werden. Ins Restaurant. Nein, ich würde ihn einladen; schließlich will ich ja was von ihm. Und mindestens eine dritte Person müsste ich auch noch einladen. Weil ich mich ja zurücklehnen und beobachten wollte, und das ist in der Regel nicht sehr kommunikativ.

Es würde schon bei der Karte spannend. Läse so ein Blogger das Menu oder benutzte er die Abbildungen? Leider gibt es ja diese hübschen Plastik-Bilder-Karten bei uns kaum oder nur in Restaurants der unteren Preiskategorien und die kämen natürlich nicht in Frage. In Amerika ist man da schon erheblich weiter. Ich tippe also mal auf Lesen – schade.

Aber wenn man nur lesen darf und auch nur  die Überschriften (die „Post Titles“) dann ist das ja wie wenn man nur im Feedreader liest, z.B. unterwegs in der mobilen Version. Schrecklich, da kriegt man ja nur die Hälfte mit! Zum Beispiel nicht die Rezepte. Und dann: ein ganzes Menu nur von einem Autor. Das hab ich ja noch nie gemacht. Ich wäre schon sehr gespannt, wie der Blogger bestellen würde.

Richtig spannend würde es aber erst, wenn die ersten Teller anrollten. Wann packt ein Blogger sein Stativ aus und wann die Beleuchtungstürme? Schubst er den Kellner auf die Seite, solange der Dampf noch aufsteigt? Oder macht er das heimlich, mit verdeckter Kamera? Müssen die Mitesser mithelfen und zum Beispiel eine Wagenburg bilden? Dürfen die Mitesser schonmal anfangen zu essen oder gebietet es die Etikette, vornehm abzuwarten? Das würde ich schon mal gerne erleben – notfalls auch am Nebentisch.

Und wenn die letzte Serviette weggelegt ist, verlangt man dann das Gästebuch für Kommentare? Es läge ja nahe. Und wenn dann Salz gefehlt hat oder die Spaghetti zerkocht waren? In der richtigen Realität (alo in der Bloggerwelt) kann man ja nicht probieren und muss niemanden mit kleinlicher Kritik kompromittieren. Aber wenn man’s geschmeckt hat, muss man das dann schreiben? Und wie formuliert man das so zartfühlend wie die Bloggerseele das gewohnt ist und erwartet?

Ich weiß es nicht, vielleicht ist die richtige Realität doch völlig anders als ein ganz normaler Restaurantbesuch. Vielleicht verliefe so ein Abend auch (bis auf das Blitzlichtgewitter) ganz normal. Das ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Ich glaube, ich würde den Blogger doch lieber nach Hause einladen. Dann könnte ich notfalls das iPad auf den Tisch legen und wir könnten zusammen Rezepte nachschlagen, Blogs vergleichen, Links nachgehen und Meckereien könnten gleich in der Kommentarfunktion (zum Beispiel hier unten) eingegeben werden. Aber interessieren würde mich so ein Abend nach wie vor.

Tischgespräche
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