Hirschgulasch, Kartoffelpüree, Wirsing

Da es in der deutschen Sprache kaum ein Wort mit einem schlechteren Leumund als »lecker« gibt, landet man bei der Suche nach Alternativen natürlich auch bei »köstlich«. Das wiederum scheint ein wenig angestaubt und antiquiert. Man denkt sofort an ältere Damen, die mit gespitzten Lippen »ist das köstlich!« flöten. Jetzt spricht natürlich überhaupt nichts gegen ältere Damen, aber ist »köstlich« mit »kostbar« verwandt? Oder gar mit »kostspielig? Das DWDS meint; ja. Kann also nur köstlich sein, was viel kostet? Und warum amüsieren sich die Kellner im Luxusrestaurant immer köstlich, wenn sie die Rechnung bringen? Oder ist es wie bei »arm« und »ärmlich« auch bei »kost« und »köstlich« gar nicht so schlimm mit den Kosten? Ich will doch einfach nur gut essen – wenn möglich kostengünstig und köstlich. Ich bleibe wohl bei »lecker«. Das kommt bekanntlich von »(sch)lecken«. Ach, leck mich doch.

Küchentagebuch, Sonntag 2. Januar 2022

  • Hirschgulasch (nein, nicht schon wieder, sondern immer noch! Mehr als ein Kilo Hirsch schaffen wir halt nicht auf einen Happs)
  • Kartoffelpüree
  • Wirsing mit Ingwer (das macht Tim Mälzer zu seinem Wildgulasch)
Vom Ingwer-Wirsing hätte ich mehr erwartet, auf jeden Fall mehr Ingwer-Geschmack

Falafel, Tahin, Fladenbrot

Ob das was wird mit dem neuen Jahr, ist noch nicht ausgemacht. Ich habe mein Bestes gegeben und wirklich versucht, richtig gut zu rutschen. Aber dieses Drecks-Klima ist ja nicht mal mehr in der Lage an Silvester für eine hauchdünne Eisschicht zu sorgen. Und um ordentlich im Schlamm zu rutschen bräuchte man doch wenigstens ein bisschen Schlamm – liegt alles ungenutzt an der Ahr herum. Dann hatte ich die Idee mit den Linsen. Die Italiener essen ja an Silvester alle Linsen, weil sie dann reich, schön, gesund und dick werden (was sie bis auf reich alles auch mit Pasta erreichen könnten). Ich also zum Vorratsschrank. Wenn was glücklich macht, taugt es doch bestimmt auch zum Rutschen. Leider fand ich nur noch wenige rote Linsen. Und ob es an der Menge lag oder an der Farbe – da rutschte aber auch gar nichts. Also letztendlich: Ich bin nicht gerutscht, noch nicht mal geschlittert, ich glaube, ich sitze noch auf der anderen Seite und warte mal ab.

Küchentagebuch, Samstag 1. Januar 2022

  • Falafel (siehe hier) mit roten Zwiebel, Gurken und Tahini-Sauce
  • Fladenbrot
  • Mazerierte Orangen (lamiacucina – ohne Bild, ich will ja kein Salz in schwärende Wunden streuen)
Kichererbsen am ersten Januar bringt bestimmt Glück

Hirsch, Spätzle, Rosenkohl

Vor kurzem hat man einen etwa vier Millionen Jahre alten Stein ausgegraben, auf dem ein Wort eingraviert war: Steuer. Experten gehen davon aus, dass die Steuer gemeint ist und nicht das Steuer, unter anderem weil damals das Rad noch nicht erfunden war und es deshalb noch nichts zu steuern gab, und weil es die Steuer – soweit wir wissen – schon von Anbeginn der Zeit gibt. Wie hoch die ausgegrabene Steuer ausgefallen ist, kann man nicht sagen, da der Stein zerbrochen ist und außer dem Wort nur ein paar Nullen zu sehen sind (die eigentlich erst sehr viel später erfunden worden sein sollen). Dass die Steuer tatsächlich null war, halten die Experten für ausgeschlossen; das würde allen bisherigen Erkenntnissen widersprechen. Dass es eine Zahl mit vier oder fünf Nullen wahr gilt aber auch als unwahrscheinlich, da Steuern ständig erhöht werden, von einer Steuersenkung aber in der Menschheitsgeschichte bislang nichts bekannt geworden ist und der Stein doch recht alt sei. Im Niederländischen heißt die Steuer übrigens: Belasting. Und so kann ich allen Menschen im neuen Jahr nur eine hohe Belastingteruggave wünschen.

Küchentagebuch, Freitag 31. Dezember 2021

  • Hirschgulasch (eigentlich wollte ich die Niedrigtemperaturmethode von sonachgefuehl ausprobieren, hab aber verpennt, und so ist das brotwein-Rezept zum Zug gekommen)
  • Spätzle
  • Rosenkohl
Mit Spätzle das Jahr ausläuten bringt bestimmt Glück

Matjes, Apfel, Schmand

Nur weil ein Jahr nicht ganz so großartig war, wie man sich das vorgestellt hatte, sollte man nicht nicht vergessen, dass es auch ganz wunderbar war. Nun, wunderbar in dem Sinn, dass man gar nicht aus dem sich Wundern herauskommt. Und da fällt mir als erstes die SPD ein. „Wann wir streiten Seit an Seit“ (oder so ähnlich) heißt ja einer ihrer Parteitags-Schlager. Vorbei. Harmonie all überall. Das ist tatsächlich wunderbar, d.h. es kommt einem Wunder gleich. Es gibt Experten, die behaupten, eine Partei wie die SPD ruhig zu stellen, sei nur mit dem flächendeckenden Einsatz von Betäubungsmitteln möglich. Vielleicht haben die ja tatsächlich im Frühsommer an ihren Mitgliedern schon mal das Boostern geübt. Wie auch immer, es wäre eine logistische Meisterleistung. Und das hieße ja, wir hätten mit Blick auf Omega richtig gewählt. Also ihr hättet, weil ich nicht.

Küchentagebuch, Donnerstag 30. Dezember 2021

  • Glückstädter Räucher-Matjes mit Apfel-Schmand-Sauce (beim kuriositaetenladen.com, wie ich das immer mache, eigentlich aber angefixt durch brotwein.net – die Rezepte sind ziemlich gleich)
  • Bratkartoffeln mit Speck
Rauchmatjes – ist der jetzt besser? Ich weiß es nicht!

Tofu, Kürbis, Gelbe Bete

Gibt es eigentlich inzwischen Studien über die Langzeit-Folgen der Gurtpflicht? Vielleicht ist es ja nach gerade mal 45 Jahren noch zu früh, alle möglichen Folgen wirklich zu entdecken, aber vielleicht wär eine Retrospektion, an der auch Homöopathen, Magier und Revolutions-Veganer beteiligt werden müssten, ja hilfreich für die Einschätzung der aktuellen Situation, in der „die Politik“ schon wieder, wie damals, vollständig überreagiert. Wahrscheinlich werden die schädlichen Folgen ja einfach unter Verschluss gehalten! Bekannt geworden ist nur, dass die Zahl der Verkehrstoten drastisch abgenommen haben soll. Aber selbst wenn das stimmt, was beweist das schon? Wie viele Frauen leiden unter einem gequetschten Busen (und wie geht es den Babys, die daran gesäugt wurden)? Wie viele Menschen leiden heute noch unter dem beklemmenden Gefühl, an den Gurt gefesselt jämmerlich zu verbrennen oder zu ersaufen? »Es tobte ein Glaubenskrieg in Deutschland in jenen Tagen, der unerbittlich ausgefochten wurde – mit allen sozialen Konsequenzen. Gurtträger galten als ängstliche und kleinliche Spießbürger. Wer sich anschnallte, stand überdies im Ruf, mit missionarischem Eifer seine Umwelt zu nerven. Nicht wenige Autofahrer legten anfänglich genau deshalb den Gurt nicht an, weil sie solche ablehnenden Äußerungen vermeiden wollen. Umgedreht bezichtigten überzeugte Gurtträger die Gegner als verantwortungslos, arrogant und egoistisch – und forderten vereinzelt sogar Fahrverbote für Gurtmuffel.« (Spiegel History) Ich hab leider auch noch keine Impf-Nebenwirkungen vorzuweisen. Doch – ich hab mich nicht angesteckt.

Küchentagebuch, Mittwoch 29. Dezember 2021

Die Zutaten (Tofu, Kürbis, Bete) Sollten nicht mit ins neue Jahr – geschafft

Ingwer, Limette, Lachs

Alle Welt behauptet ja, Französisch sei eine sehr schöne, sehr melodische Sprache, schade dass nur Franzosen sie sprechen. Ich möchte dem aber widersprechen. Ganz abgesehen davon, dass es einem weitgehend rationalen Menschen wie mir auch nach längerem Nachdenken nicht möglich ist, auch nur einen Grund dafür zu finden, dass es reihenweise Wörter gibt, die zwar unterschiedlich geschrieben, aber exakt genau identisch gleich ausgesprochen werden. Es handelt sich also nicht um feine Lautunterschiede, die nur der Einheimische oder der seit fünfzig Jahren Eingemeindete oder ein intimer Kenner, also ein Connaisseur, zu schätzen wüsste. Nein, alle Franzosen geben zu, dass es da in der Aussprache keinerlei Unterschied gibt. Hä? Warum? Um sich wichtig zu machen? Ätsch, du weißt nur, wie man das ausspricht, ich weiß zudem, wie man es schreibt. Ätsch bätsch? Wenn ja, dann ist das etwas für Degenhardt’s „frankophile Käselutscher“ und wir wollen es dabei belassen. Denn es geht hier ja um die schöne, die melodische Sprache, die ich leider auch nicht ohne weiteres nachempfinden kann. „In einem Jahr“ zum Beispiel, also „en un an„. Bitte, lassen Sie sich das mal von einem Franzosen vorsprechen: û ä óu. Solche Laute würde ich im Urwald von einer Schimpansen-Herde erwarten und nicht von einer selbsternannten Kulturnation.

Küchentagebuch, Dienstag 28.Dezember 2021

  • Lachs auf Lauchbett im Bratschlauch ( siehe lamiacucina )
  • Mit Ingwer-Limetten-Portwein-Sauce ( ebda )
  • Reis
die Sauce (Portwein, Limette, Ingwer, Butter) ist einfach der Hammer

Pasta, Tomatensauce, Salat

Man sagt ja, in der Natur hätte alles – außer vielleicht der Stechmücke – seinen Sinn. Das ist vielleicht etwas übertrieben, oder der Sinn ist manchmal ziemlich gut versteckt, denn schon bei kurzem Nachdenken fallen jedem leicht ein Dutzend oder mehr Gegenbeispiele ein. Die Anhänger des FC Bayern zum Beispiel oder frittierte Butter oder TicToc oder Pfannkuchenteig im Supermarkt-Regal. Aber wie gesagt: hinter all dem steckt wahrscheinlich mehr Sinn, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Nur bei einem, da bin ich mir ganz sicher: die Dummheit. Wozu in aller Welt soll die gut sein? Wo ist der evolutionäre Vorteil von Homöopathen, Reichsbürgern und anderen Verschwörungstheoretikern? In welchem Bereich haben die der Natur oder wenigstens der Menschheit gut getan? Vielleicht bin ich zu ungeduldig und die Abschaffung der tonnenschweren Ungetüme, die das Präriegras samt mühsam nachwachsenden Bäumchen niedergetrampelt haben, hat damals doch länger gedauert, als es mir vorkommt, aber dieses Dummsein, das gibt es jetzt schon sooo lang, da müsste doch endlich mal wer eingreifen. Bis dahin kann ich nur einen Interview der SZ mit der Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner („Dummheit hat Hochkonjunktur“, damals hinter der Bezahlschranke) empfehlen, der sichtbar auch die Geduld ausgeht: »Dialogbereitschaft ist zwar prinzipiell zu befürworten und eine gute Sache. Allerdings nur, wenn sie auf beiden Seiten vorhanden ist. Alles andere benennt man besser als das, was es ist, nämlich eine zweckbefreite und absehbar ergebnislose Kombination zweier Monologe, und spart sich Mühe, Ärger und Zeit, mit Menschen zu diskutieren, die das Recht auf eine eigene Meinung mit dem Recht auf eigene Fakten verwechseln. Es ist blauäugig zu glauben, man müsse den Dialog offenhalten.« Vielleicht liegt es nur an dem diesem Drecks-Virus, denn : »Die Corona-Pandemie ist unglaublich ergiebig für das Thema Dummheit.«

Küchentagebuch, Montag 27. Dezember 2021

  • Tomatensauce (mal wieder nach Jamie Oliver – SZ vom 24. September 2010, wahrscheinlich ohne Bezahlschranke)
  • Spaghetti
  • Grüner Salat
Um das Rezept zu zitieren: »Wer fünf Minuten für einen Sugo angemessen findet, sollte sich die doch auch sparen und zum Ketchup greifen.«

Schweinebraten, Spätzle, Salat

So, meine übliche Weihnachts-Allergie ist fast abgeklungen. Ich krieg halt immer Pickel, wenn ich Menschen säuseln höre, die nur an Weihnachten säuseln – von denen gibt es ja gerade ziemlich viele. Und wenn dann noch denselben Pastoren, die ihre speckigen Finger nicht von kleinen Menschen lassen können, im öffentlichen Rundfunk Sendezeit eingeräumt wird, damit sie ihren salbungsvollen Dreck über einem weihnachts-seeligen Publikum ausschütten können, dann fängt es unangenehm an zu jucken, und ich gehe am besten in einen abgedunkelten Raum und schalte Radio und Fernsehen aus. Aber – wie gesagt – fast vorbei. Wenn ich jetzt noch die Neujahrs-Ansprache überlebe, die ja aller Vorrausicht nach dieses Jahr noch bizarrer wird als sonst, dann wird alles wieder gut. Ob ich vielleicht dieses Jahr mal ORF oder SRF einschalte? Oder haben die gar keine Neujahrs-Ansprachen?

Küchentagebuch, Sonntag 26. Dezember 2021

  • Schweinebraten-Reste von gestern
  • Spätzle (und Saucen-Reste von gestern)
  • Salat (teilweise Krautsalat-Reste von gestern)
Das Bild ist von gestern, aber die Kruste wie von heute

Schweinebraten, Knödel, Krautsalat

Isses nicht schön? Geht es nicht jedem ans Herz, wenn Bing Crosby (pa-rum-pum-pum-pum, ra-pum-pum-pum) den kleinen Trommler-Jungen besingt und David Bowie glockenklar den Frieden auf Erden (Can it be?) darüber legt? Ja, es ist schön, ja, es geht ans Herz. Aber ist es nicht auch schön, dass es jetzt vorbei ist? ja, es ist schön. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich dieses Jahr weitgehend verschont worden bin von all den Driving Home’s und Last Christmas’es und was sonst die Musik-Redakteure alles um diese Zeit auspacken, so wie Muttern jedes Jahr den Christbaum-Schmuck entstaubt. Und wenn es wegen der Pandemie war und ich weniger mit Autoradio unterwegs war, dann: es hat alles auch sein Gutes. Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen, ein wenig Werbung für meinen Lieblings-Radiosender machen: popstop.eu. Die Weihnachts-Wunsch-Sendung gestern war ein Glanzstück dafür, was passieren kann, wenn Menschen zusammenkommen, die Musik mögen – Macher und Hörer. Zwei Stunden lang weihnachtliche Musik ohne Brechreiz.

Küchentagebuch, Samstag 25. Dezember 2021

  • Schweinebraten (seit Jahren nur noch nach dem Rezept der Küchenschabe*) mit der krustigsten Kruste aller Zeiten, die selbst am nächsten Tag noch knuspert – man darf sie aber auch gleich aufessen)
  • Gebrühter Krautsalat (Schuhbeck, hier bei greenway36, oder hier beim Alfons)
  • Speckknödel

*) ich war damals wohl so begeistert, dass ich den Links bei der Küchenschabe nicht mehr gefolgt bin: Sie hat das Rezept von Petra (🌶) und die aus dem NOPI-Buch von Herrn Ottolenghi – der kann also nicht nur Gemüse (und Huhn und Fisch), sondern auch Schweinebauch.

Ragú, Pasta, Salat

Beim „Häuten der Zwiebel“ kann man, wie sich gezeigt hat, schnell mal in Teufels Küche landen. Zumindest wenn man Günter Grass heißt und in der Waffen-SS war und es irgendwie zu erwähnen vergessen hatte. Günter Grass hatte ja – nebenbei bemerkt – eine ausgeprägte Schwäche für im weitesten Sinne kulinarische Themen. So ist mir im „Butt“ ein Kapitel („Den Kot beschauen“) in Erinnerung, in dem er behauptet, es sei in der Steinzeit noch üblich gewesen, allein zu essen und sich erst dann zum gemeinsamen Hordenschiss zu treffen und empfahl diese Vorgehensweise anstatt des heute üblichen gemeinsamen Mahls und der anschließenden Vereinzelung zum Zwecke der Verdauung. Man müsste dann halt öffentliche Latrinen bauen und – eventuell auch gegen Eintritt, weil Restaurants ja überflüssig würden – zur Verfügung stellen. Aber zurück zur Zwiebel. Im Perlentaucher bin ich auf eine Rezension dieses Buches in der SZ gestoßen. Der Kritiker damals hieß Iljoma Mangold, was zu dem schönen Satz führte: »Dennoch hat Mangold mit dem Zwiebel schälenden Günter Grass ein Hühnchen zu rupfen.« Wieviel Kulinarik doch in der Literaturkritik steckt.

Küchentagebuch, Freitag 24. Dezember 2021

  • Das ultimative Ragù aus dem Ofen (ein Ottolenghi-Versuch, ein veganes Ragu alla Bolognese zu entwickeln, die Zutatenliste ist dementsprechend lang, aber ultimativ klingt gut, in Flavour S. 101, etwas verändert und abgespeckt bei lalisagna.de)
  • Hartweizen-Fussili
  • Grüner Salat
  • Pfirsich-Tiramisu
Der Veganer freut sich, dass man das auch einfrieren kann, ich würd’s mal mit Spätzle probieren

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