Ich habe hier zwei Wörter: »moeilijkheid« und »mogelijkheid«. Wenn man sehr genau hinschaut, sieht man, dass das wirklich zwei verschiedene Wörter sind. Beide sind aus derselben (seltsamen) Sprache (holländisch) und klingen wahrscheinlich in Holland völlig unterschiedlich. Das eine ist die Schwierigkeit, das andere die Möglichkeit. Ich will mir eine mögliche Schwierigkeit (een mogelijke moeilijkheid) oder eine schwierige Möglichkeit (een moeilijke mogelijkheid) gar nicht vorstellen. Solche Kombinationen sind in Holland sicher per Gesetz verboten, weil die Gefahr der Verletzung von Mund und Kauwerkzeugen einfach zu groß wäre. Ich meine, wer kommt auf die Idee, zwei solche Wörter in einer Sprache unterzubringen? Ist das eine Verschwörung? Gäb’s nicht genug Buchstaben, um neue Wörter zu bilden? Warum begehrt niemand dagegen auf?
Küchentagebuch, Montag 23. Dezember 2021
Risotto (fast) milanese (zu kalt um Markknochen kaufen zu gehen )
Karamellisierter Fenchel mit Ziegenquark (von Ottolenghi, Rezept z.B. Bei Petra, Ziegenkäse mit Joghurt gemischt schmeckt auch) [ja , ich hab das einfach von hier kopiert]
Ob das Safran-Döschen den Unterschied macht? Ich glaube: Ja
Ich kenne vom griechischen Alphabet eigentlich nur den Anfang und das Ende: das α und das Ω, das Alpha und das Omega, das A und das O. Und das auch nur, weil es damals im Kindergottesdienst auf einen Teppich gewebt war, der bei der Predigt von der Kanzel hing. Gut, als Software-Entwickler kenne ich auch noch die β-Version, aus dem Physik-Unterricht die Γ-Strahlen und aus dem Statistik-Seminar kann ich mich dunkel an das Δ und das ε erinnern. Aber das war’s dann auch. Vom Ο (ómikron) keine Spur. Und da ich weiß, dass eine Mutante erst dann auf einem griechischen Namen getauft wird, wenn sie relevant wird, d.h. wenn die WHO sie für relevant erklärt, war ich doch erstaunt, dass ein Blick auf Wikipedia ergibt, dass zwischen der aktuellen, aber „harmlosen“ Katastrophe Δ und der kommenden „wahrscheinlich katastrophalen“ Katastrophe Ο immerhin – einen Moment mal: eins, zwei ⋯ zehn Buchstaben liegen. Während ich mich also mit Abstand und Maske der Δ – Variante entgegengestellt und mich auf eine Booster-Impfung gegen Ο vorbereitet habe, waren anderswo zehn relevante Mutanten am Wüten. Ich hab das Gefühl, das waren bisher meine Lieblings-Varianten. Und da bis zum Omega auch nur noch zehn Buchstaben übrig sind, ist es ja dann auch bald vorbei., oder?
Küchentagebuch, Sonntag 12. Dezember 2021
Ricotta-Zitronen-Ravioli in Thymianbutter (Rezept von Betty Bossi)
Gemischter Salat
Ein schönes Reste-Essen – Nudelteig, Zitrone, Salat – alles weg
Wenn man Mehl, Eier, Salz und Wasser im Vorrat hat und einen Nudelteig benötigt, dann hat man eigentlich alles. Es sei denn, es mangelt an, tja, an der Lust zu mischen, kneten, rollen und sich von oben bis unten mit Mehl einzustauben. Wenn dann das Wetter schön ist, kalt zwar aber sonnig, kann man auch auf den Gedanken kommen, ein kleiner Spaziergang zum Fertigteig im Supermarkt, täte es eigentlich auch. Wer sonst geht schon am Samstag Nachmittag zum Einkaufen? Die sind doch alle längst zu Hause und lassen die Badewanne volllaufen. Was für ein Irrtum! Alle waren da, wo ich hinwollte, wirklich alle. Viele sind es zwar nicht, so zwischen zehn und fünfzehn Tausend, aber wenn sie alle im Gang stehen, ein Schwätzchen halten und – ja – vielleicht sogar eine kleine Familienfeier abhalten, dann wird’s halt doch eng. Auffallend viele quengelnde oder tobende Kinder im und neben dem Nudelregal, offensichtlich sind die Abenteuerspielplätze wegen der Kälte und die Freizeitparks wegen Corona geschlossen. Vielleicht ist das die Rache. Mag sein, es gibt Götter, denen Faulheit und Bequemlichkeit ein Dorn im Auge sind und die als Gegenmittel für sich vor der Nudel drückende Zeitgenossen den Samstagnachmittag im Supermarkt erfunden haben. Ich verspreche, ich werde meine Nudeln in Zukunft wieder selbst machen, aber ich will hier raus! Und die Götter meinen es dann doch gut mit mir: An einer der Kassen ein Mann mit einer Flasche und ein Pärchen mit einem Pullover und dann ich mit meinem Nudelteig – ich hab’s gleich geschafft! Gut, der Mann fand seine ec-Karte nicht, hat sich dann vertippt und hatte dann Angst, sich nochmal zu vertippen und fand die Geldbörse nicht, und die Kassiererin hat aus lauter Verzweiflung die falsche Taste gedrückt, die Kasse fing an zu blinken und zu klingeln, und der Filialleiter musste geholt werden, um sie wieder zu entsperren. Dann lies sich der Barcode am Pullover nicht lesen, die Nummer, die die Kassiererin dann eine halbe Stunde später eingeben musste, war sehr lang und sowas klappt natürlich nicht aufs erste Mal, da mache ich niemandem eine Vorwurf. Als dann allerdings das Diebstahl-Dingens an besagtem Pullover nicht geöffnet werden konnte, auch nicht mit der Hilfe einer herbeigerufenen Kollegin, und als dann meine Nase hinter der FFP2-Maske zu tropfen anfing, war ich doch kurz davor, ungeduldig zu werden. Ich weiß nicht, ob es Götter gibt und ob die dem Menschen böse gesinnt sind, aber den Nudelteig selber zu machen, scheint mir inzwischen keine ganz schlechte Idee.
Im Rezept-Stapel sind wir jetzt von unten nach oben im Juni neunzehnhundertzweiundachtzig angekommen: Unter den Schlagworten Schnell und Ganz einfach gab es da im essen & trinken – Heft 7/1982 eine Kartoffelsuppe mit Steinpilzen und Thymiancreme, die ich damals öfter kochen musste. Die Kategorie Schnell war ein bisschen übertrieben, weil erstmal eine Rinderbrühe gekocht wird (Suppengrün putzen, waschen und grob zerteilen ⋯) – das sind schon mal mindestens 2-3 Stunden, aber dann geht’s eigentlich wirklich schnell. Man muss nicht auch noch in den Wald, um ein paar Steinpilze zu sammeln, sondern nur 4 Tütchen getr. Steinpilze kaufen, ein paar Kartoffeln organisieren und ein wenig Sahne bereitstellen (das Rezept ist unten verlinkt). Und trotz der wenigen Zutaten und Gewürze, die Herrn Ottolenghi nur ein müdes Lächeln entlocken würden, kommt eine wirklich schmackhafte Suppe dabei heraus. Aber ich will jetzt auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass früher alles besser war. Ich habe es – gestern Abend – endlich geschafft, den Stapel durchzuforsten und dabei sind durchaus ein paar Tonnen Rezept-Ausdrucke im Papier-Nirwana gelandet. Und zwar mit Recht.
Küchentagebuch, Freitag 11. Dezember 2021
Kartoffelsuppe mit Steinpilzen und Thymiancreme (e&t 7/82, im Netz – ohne Suppe – bei rezepte247.com)
1 Wiener Würstchen (wer hat diese Würstchen gekauft? Ich? Was hab ich mir dabei gedacht?)
Was ist mir eigentlich Geschmack wert? Ich meine, im Vergleich zu, sagen wir, dem Aufwand. Wenn ich zum Beispiel ein „einfaches Brot“ backe, dann werden Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig oder Hefe in einer Teigwanne gemischt, haben 24 Stunden Zeit, sich zu einem Teig zu entwickeln, landen dann im Topf und der m Ofen (ich hab ja keinen Dampf mehr). Das Ergebnis: toll – kein Bäcker weit und breit, der ähnliches zustande bringt. Wenn ich ein „richtiges“ Brot backe, dann ist da ein Schüsselchen mit Vorteig, ein Schüsselchen mit Sauerteig, ein Schüsselchen mit dem Brühstück und all das kommt dann in die Teigschüssel der Knetmaschine, von dort in den Topf und der in den Ofen (ich hab ja keinen Dampf mehr). Das Ergebnis: wow – davon könnt ich mich ernähren. Wenn man jetzt Zutaten und Zeit mal weglässt (sind bei beiden Broten etwa gleich), dann bleiben die (am Ende des Tages leider schmutzigen) Schüsselchen. Eins (Teigwanne) gegen vier plus Knethaken. Trotzdem frage ich mich, warum ich nicht immer „richtiges“ Brot backe. Hmmh. Ich hab das jetzt so gelöst, dass ich als Mehl- und Sauerteig-Experte wirke und Frau T. die Schüsselchen abwäscht. Aber trotzdem: Das „einfache“ Brot ist eigentlich auch toll.
Küchentagebuch, Donnerstag 9. Dezember 2021
Hackbällchen mit Ziegenkäse-Füllung (Tim Mälzer, bei e&t)
Man sollte eigentlich annehmen, Sprache sei dazu erfunden worden, sich verständigen zu können. Das ist aber natürlich nicht so – vielleicht sogar eher im Gegenteil. Portugiesen und Spanier zum Beispiel grenzen sich (sprachlich) verbissen voneinander ab, wo sie doch nur eine dünne Grenze trennt und ihre Sprachen das nun wirklich nicht hergeben – eigentlich müssten beide sich prächtig verstehen, aber sie schütteln nur bedauernd und Kopf: Andere Sprache, anderes Land, andere Menschen. Und sie pflegen ihre Knitteligkeiten: El escritorio – in Spanien ist der Schreibtisch, o escritório – in Portugal – ist das Büro. Man kann sich höllisch unbeliebt machen in Porto oder Lisboa, wenn man aus Versehen gracias sagt, statt obrigado/obrigada. Und das Gelächter ist groß, wenn man den Schreibtisch mit dem Büro verwechselt. Falsche Freunde gibt es überall, aber Menschen, glaube ich, könnten sich verstehen, wenn sie wollten. Es scheint aber oft besser zu sein, wenn man sich nicht versteht. Wie Herr Biden und Herr Putin, zum Beispiel.
Geschäfte des täglichen Bedarfs. Ich dachte zunächst, ich sei in eine Gesundheits-Sendung geraten, in der die Vorteile einer regelmäßigen Verdauung besungen werden. War aber eine Nachrichtensendung (was im Moment keinen großen Unterschied macht) und es ging um die kommenden 2G-Regeln im Einzelhandel. Geschäfte des täglichen Bedarfs (also zum Beispiel Klopapier) sind davon nämlich ausgenommen. Das heißt, ein Ungeimpfter könnte täglich beim Kauf einer Rolle Klopapier alle anderen anstecken, und müsste draußen bleiben (neben der Eingangstür, bei dem Schild mit dem kleinen Dackel), wenn er einmal im Jahr eine neue Unterhose braucht. Wobei ich jetzt nicht weiß, ob nicht eine Unterhose doch zum täglichen Bedarf gehört, oder ob das vielleicht von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt ist. Auf jeden Fall tut mir Karl Lauterbach jetzt schon leid; er wird sich noch in sein Leben als Talkshow-Gast zurücksehnen. Dort war er ja auch täglich.
Küchentagebuch, Dienstag 7. Dezember 2021
Spinat-Käse-Knödel (nach einem Rezept von Petra Kleineisel, die Gorgonzola-Variante)
Tomatensauce (aus der TK, eine Erinnerung an bessere Zeiten)
Chicorée-Salat
Wenn der Käse nichts hermacht, hat’s auch der Knödel schwer
Übrigens: Ich weiß nicht, ob ich den Namen Ottolenghi hier schon mal erwähnt hab, aber auf jeden Fall war ich bass erstaunt, dass er auch ein begnadeter Plätzchenbäcker ist.
Rosenkohl mag man, oder man mag ihn nicht. Auch highfoodality-Uwe ist eher vorsichtig, und empfiehlt Anfängern die Röschen in einzelne Blättchen zu zerteilen, weil das wohl das Bittere weitgehend ausmerzt. Ausgerechnet das Bittere, das den Rosenkohl ausmacht und ihm ohnehin mehr und mehr weggemendelt wird. Bitte, bitte bitter nicht abschaffen! Wer kein Süßholz mag, soll keine Lakritze essen; wer Zucker nicht verträgt, soll die Finger von Mousse au chocolat lassen. Wer nicht mag, dass das Pipi riecht, sollte den Spargel meiden – es wär so einfach, aber man macht es mir so schwer. Ich könnte weinen, wenn ich nicht so ein gnadenloser Optimist wäre. Und tatsächlich: Ich habe den Rosenkohl heute auf dem Nachhauseweg schnell bei einem Discounter gekauft, das Schlimmste befürchtet und geplant, ihn fast schwarz zu rösten, um wenigsten ein paar Bitterstoffe zu erzeugen. War aber gar nicht nötig: Ein Rosenkohl wie früher.
Salzen, pfeffern und servieren. Das war vorgestern die Schlussanweisung im Rezept, auf das ich nochmal einen letzten Blick geworfen habe, ob ich an alles gedacht hätte und beruhigt zu Tische rufen könnte – eine Formulierung, die mir übrigens gefällt, ich werde in Zukunft immer „zu Tische rufen“. Aber zurück zum Rezept. Offensichtlich war ich abgelenkt, weil mir unbewusst nicht ganz wohl war und ich nicht rausfinden konnte, welches Gewürz sich hinter „Servier“ verbirgt. Gesalzen und gepfeffert hatte ich ja schon, aber bitte, wo war das Servier? Nun ja, die Verwirrung hat nicht lange angehalten – und letztlich waren alle erleichtert, dass ich dann doch auch serviert habe, und nicht nur gesalzen und gepfeffert.
Februar neunzehnhunderteinundachtzig. Für jüngere Leser – das ist ein Datum aus dem vorigen Jahrhundert, und ich war offensichtlich, es ist kaum zu glauben, alt genug, Kochzeitschriften zu lesen. Denn im Stapel der Rezepte, der beharrlich der Digitalisierung trotzt, ganz unten, kam er zum Vorschein, der Eierkuchen mit Spinat und Mozzarella im Februar-Heft der Zeitschrift essen & trinken. Und zusammen mit dem Rezept stiegen auch Erinnerungen ans Tageslicht, die da unten kaum gealtert waren. Es ist nicht dem Rezept geschuldet, sondern den Erinnerungen, dass ich heute alle Pläne über den Haufen werfen und noch schnell Mozzarella auf dem Einkaufszettel unterbringen musste, schon allein, weil die Crespelle damals Eierkuchen hießen. In der öffentlichen Verwaltung, im Moment hauptsächlich in den Gesundheitsämtern, mag der Mangel an Digitalisierung schaudern machen, beim Rezepte-Stapel wird sich das so schnell nicht ändern. Wenn jemand das Rezept haben will, ich kann es ihm gerne faxen.
Küchentagebuch, Samstag 4. Dezember 2021
Eierkuchen mit Spinat und Mozzarella (im Netz bei essen&trinken: nicht Eier- sondern Puste-Kuchen, bei rezepte247.com steht das Rezept, wobei bei den Zutaten der Schinken (100g, hauchdünn geschnitten) fehlt, aber bei der Zubereitung wieder auftaucht. Bei welove.family ist zwar der Schinken enthalten, aber dafür passt das Bild überhaupt nicht)
Feld- und Rotkohlsalat
Auch Erinnerungen wirken sich positiv auf den Gaumen aus