Lachs, Meerrettich, Kartoffelpüree

Wenn man bei einer der Internet-Suchmaschinen »Fleischpfanzerl« eintippt, dann kommen massenweise Ergebnisse für »Fleischpflanzerl«, weil man sich ja wahrscheinlich vertippt hat. Das ist nett, aber falsch. Denn auch mit der Eingabe »+Fleischpfanzerl« kommt der Herr Schuhbeck mit seinen falschen »Fleischpflanzerl« vor der Familie Burkart mit dem korrekten »Fleischpfanzerl« und auch ansonsten überwiegen die Pflanzerl, als hätten die irgendwas Pflanzliches (vielleicht sogar Veganes) an sich – höchstens viel zu viel Brot wird oft verwendet. Liebhaber der bayrischen Sprache können sich darüber aufregen, mir ist das inzwischen egal: Seit ich in den Norden gezogen bin, mach ich einfach Frikadellen, die schmecken auch gut. Und um niemanden über Gebühr zu verwirren, gibt es heute keine Fischfrikadellen, sondern Lachs.

Küchentagebuch, Dienstag 22. November 2021

  • Lachs mit Kartoffel-Meerrettich-Püree und SchwarzGrünkohl (bei brigitte.de)
Lachs aus der Pfanne ist nicht mein Ding; zu unterschiedlich die Gargrad-Wünsche des hier heimischen Ehepaares

Pasta, Käse, Nüsse

Boostern. Ich boostere, du boosterst, er, sie, es boostert, wir boostern, ihr boostert, sie boostern, nur die Rechtschreibhilfe boostert nicht mit. Aber das wird sich schnell ändern. Weil wir alle boostern jetzt, außer den Nichtgeimpften, die haben ja nix, was sie boostern könnte. Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein Wort, für das man auch gut „auffrischen“ sagen könnte, in den allgemeinen Sprachgebrauch übergeht. Wenn es der Auffrischung dient, soll’s mir recht sein. (Wie erkennt man, dass der Wikipedia-Eintrag „Boostern, eine Wiederholungsimpfung“ erst kürzlich eingefügt wurde? Es kann nicht sein, dass das schon immer da stand.) Dass es aber ein fast gewesener Gesundheitsminister noch einmal schafft, einen Impfstoff noch madig zu machen, solange die Lager voll sind, das ist nur mit Absicht zu erklären. Dagegen spricht nur, dass er dazu zu doof wäre.

Küchentagebuch, Montag 22. November 2021

  • Pasta mit Käse-Sauce, Chili und Nüssen (Blauschimmel-, Ziegen- und Parmesan-Käse, Sahne und Creme fraiche)
  • Feldsalat mit Ei, Croutons, und Speck
Ein Gericht, bei dem man immer zu viel isst

Steckrübe, Kürbis, Fladenbrot

In dem vor kurzem schon erwähnten SZ-Newsletter sagt die Frau doch tatsächlich, als sie ein schlechtes Foto von einem Sauerbraten gemacht hatte, das „erinnerte an die Bilder in nutzerbetriebenen Koch-Portalen – und ich wusste, warum ich dort so selten Inspiration finde: Es sieht einfach nicht lecker aus.“ Durchatmen. Tief durchatmen. Ich werde von dieser Frau keinen einzigen Tipp ernst nehmen. Die hat keine Ahnung. Nicht nur, dass es nicht stimmt, und viele „nutzerbetriebene Kochportale“ im Gegenteil sehr ansprechende Bilder produzieren, ist das eigentliche Ärgernis in nicht-nutzerbetriebenen (aka kommerziellen) Seiten: die ausufernde Werbung. Wenn ich Rezepte nicht mehr lesen kann, weil ständig der Text wegscrollt, um einem hippen Werbevideo zu weichen und die Werbetreibenden sich gegenseitig darin überbieten, den Schließen-Button so unauffindbar wie möglich zu machen, dann werde ich fuchsteufelswild und nix ist mit „Inspiration“. Nur nebenbei bemerkt: ich habe einen regionalen Strom-, Gas- Telefon- und Internet-Provider, mit dem ich sehr zufrieden bin. Allerdings macht eben der die wahrscheinlich nervigste Werbung in ganz Deutschland. Und Himmel-nochmal, wozu taugen eure ganzen Cookies, die ich den lieben langen Tag akzeptiere, wenn nicht dazu, zu erkennen, dass das arme Würmchen vor dem Bildschirm schon Kunde ist – und vielleicht besser nicht belästigt, sondern mit Abwesenheit belohnt werden sollte? Nein – ich reg mich nicht auf.

Küchentagebuch, Sonntag 21. November 2021

Ich trau mich heut gar nicht, ein Bild zu posten – arme Frau Dillig 😪

Möhren, Pastinaken, Kürbis

Superlative sind eigentlich genau mein Ding. Hereinspaziert! Essen Sie hier den besten Schweinebraten der westlichen Hemisphäre! Treten Sie ein ein und versuchen Sie unsere weltberühmte Sachertorte! Und schon bin ich drin, und wenn ich wieder rauskomme, ist die Geldbörse leichter und ich um eine Erfahrung reicher. Aber hey! Ich wäre auch anfällig für Rheumadecken und Butterfahrten nach Helgoland, falls es sowas noch gibt, und falls es mit den richtigen Worten angepriesen wird . Trotzdem war ich ein wenig überrascht, bei Herrn Ottolenghi das Gericht „Das ultimative Winter-Couscous“ zu finden. Hmmh. Die Zutatenliste musste in kleiner Schrift gedruckt werden, weil es sonst nicht auf eine Seite gepasst hätte. Aber gut, es ist Winter, Couscous gab’s schon lange nicht mehr, und Gemüse liegt auch noch rum. Außerdem ist das Netz voll mit nachgekocht. Hereinspaziert!

Küchentagebuch, Samstag 20. November 2021

  • Der ultimative Winter-Couscous (Yotam Ottolenghi, Genussvoll vegetarisch, S. 262 – und nahezu überall im Netz)
Viele Zutaten, aber kaum Aufwand und viel Geschmack

Hirsch, Kartoffel, Orange

Gestern habe ich in einer Scobel-Sendung „Forschung und Fiktion“ sinngemäß folgende Überlegung gehört, über die ich seither nachdenke: Dass die KI irgendwann klüger wird als wir, ist ja irgendwie vorstellbar, dass sie aber emotionaler wird als wir? Wie soll das gehen? Dass sie noch mehr weint als wir, wenn Bambi stirbt? Hmmh. Heute gibt es Hirschkalb, das nur richtig schmeckt, wenn ein paar Bambi-Tränen in die Sauce tropfen. Der Rezeptvorschlag Orange ist nur als Zusatz gemeint, das entbindet nicht von der Pflicht, beim Gedanken an das arme Tier kräftig zu flennen.

Küchentagebuch, Freitag 19. November 2021

  • Hirschfilet mit Orangensauce (mankannsessen.de – wenn man die Portionsangaben nicht ernst nimmt)
  • Kartoffelpüree mit Orangengeschmack (auch da – passt gut und die Portionsangaben stimmen auch)
  • Rosenkohl
Warum gibt es das nur einmal im Jahr?

Pasta, Kürbis, Salbei

Das Gedächtnis. Ich habe den Verdacht, das wird mit den Jahren nicht besser. Ob das jetzt Abnutzungserscheinungen sind, weil die einzelnen Schubladen, in denen Informationen abgelegt sind, quietschen und sich manchmal nur schwer öffnen lassen. Oder Kapazitätsprobleme, weil im Laufe der Zeit immer mehr neues Zeug dazu kam und keiner jemals den Papierkorb geleert hat. Man – oder genauer: ich – weiß es nicht. Heute morgen auf jeden Fall, im Rezept-Newsletter der SZ war auch ein älteres Rezept aufgelistet, bei dem Nudeln zusammen mit dem Kürbis gegart werden, „und saugen dessen süßlich-würzigen Geschmack mit jeder Faser auf“. Ich hab das sicher damals (2019 oder 2015) gekocht. Aber Erinnerung? Nada. Niente. Nothing. Rien. Und (noch) kein Küchentagebuch. Was bleibt da übrig, als das Gedächtnis aufzufrischen, zumal die Zutaten und der Aufwand bei der Zubereitung im Moment als „machbar“ eingestuft werden können. Das einzige, was passieren kann ist ja wohl: „Au Mann, das war doch damals schon eher so lala, warum machst du das denn nochmal?“ Tja, da muss ich wohl durch.

Küchentagebuch, Donnerstag 18. November 2021

  • Pasta alla zucca: Nudeln mit Kürbis und Salbeibutter (gekocht und aufgeschrieben von Maria Sprenger, entweder aus dem SZ-Magazin vom 27. September 2019, oder am 9. Oktober 2015 im Stil-Teil der SZ-Wochenendausgabe; die Rezepte sind wahrscheinlich identisch, es geht nur um das Datum und die Frage, wie lange man sich eigentlich zurückerinnern müsste)
  • Karottensalat (weitgehend wie bei Brigitte.de, bei uns natürlich ohne Koriander; kam gut an)
Äußerst fotogen; und eine One-Pot-Pasta, die ohne dieses Wort auskommt

Steckrübe, Möhren, Kartoffeln

Wenn ich wenig Zeit habe, neige ich dazu, zu viel einzukaufen. Wahrscheinlich in dem Glauben, irgendwann später käme die Erleuchtung, was man damit machen könnte, und je mehr Möglichkeiten umso größer die Chance, dass wem was einfällt. Das ist doppelt blöd. Erstens hat man dann zu viel rumliegen, und zweitens keine Zeit es zu verbrauchen. Das war aber schon früher so, als ich wirklich gar keine Zeit hatte und irgendwann der Pizzabote klingelte. In der Stadt gab es noch nicht einmal einen Kompost – wahrscheinlich bin zum großen Teil ich schuld an der Klimakrise – und damit an den langen Koalitionsverhandlungen. Aber man lernt ja dazu. Wenn man auch nur ein klitzekleines bisschen Zeit hat, alles was rumliegt schält und in eine Pfanne oder in einen Topf wirft, braucht man keinen Pizzaboten und kein schlechtes Gewissen zu haben. Nur die Steckrübe, die ist wirklich zu groß.

Küchentagebuch, Mittwoch 17. November 2021

  • Steckrüben-, Kartoffel-, Grüne-Bohnen-, Rosenkohl-Pfanne (inspiriert von lecker.de)
  • Röstkartoffeln
Auf jeden Fall nahrhaft und gesund

Paprika, Steckrübe, Reis

Die Kriegs-Generation stirbt ja langsam weg (also im Moment eher schnell, aber im Prinzip langsam). Damit hat auch die Steckrübe eine Chance, ihren Ruf zu verbessern. Sie war wohl „in der schlechten Zeit“™ jeden Tag – also eindeutig zu häufig – an allen drei Mahlzeiten beteiligt. Es verwundert deshalb nicht, dass so mancher dieses Erlebnis nicht wiederholen wollte – zumal es ja inzwischen Toast Hawaii und andere Leckereien gab. Ich habe deshalb die Steckrübe erst entdeckt, als wir gen Norden gezogen sind, und durfte anhand einiger Zubereitungen feststellen, dass der Ruf grundlos so schlecht ist. So habe ich mich auch auf dem Markt gefreut, als ich wieder eine Kiste mit diesen Rüben sah – die allerdings hier gigantische Ausmaße annehmen. Egal, ich hab ja viele Rezepte. Nur dass leider meine „Ablage“ im Moment eher einer Müllhalde gleicht. Also ab ins Internet und siehe da: Der Herr Ottolenghi hat wohl eine deutsche Mutter und (deshalb/trotzdem) nicht wenige Turnip-Rezepte. Gewonnen haben – nach Inspektion der Vorräte – die mit gebutterter Steckrübe gefüllten Paprikaschoten.

Küchentagebuch, Dienstag 16. November 2021

  • Gefüllte Paprikaschoten mit glasierten Steckrüben und Ziegenkäse (gefunden bei der kochpoetin.de)
  • Apfelkompott mit Mascarpone-Creme
Ich habe noch die Brotwürfel aus mestolo.com’s Rezept untergemischt – gute Idee

Hühnchenreste, Nudeln, Tomatensalat

So, ich bin geimpft. Nein, nicht Corona, Grippe. Frau T. meint, an der Grippe zu sterben sei auch nicht viel schöner als an Corona, Gut, es sei vielleicht doch besser, vom Fieber geschwächt hinüberzugleiten, als elendiglich zu ersticken. Aber man weiß es nicht genau, im Prinzip sei das alles Spekulation. Da hat sie wohl recht, doch ich hoffe, dass es jetzt erst mal die Impfgegner erwischt, damit wir genügend Wurfmaterial haben. Während hier viele Menschen (und ein Großteil der alten und neuen Politiker) das mit der Ansteckung intellektuell noch nicht ganz auf die Reihe kriegen, war das 1346 in Caffa anders. Als nämlich damals die Tataren die Stadt auf der Krim belagerten, brach bei ihnen die Pest aus. Was sie letztendlich dazu bewog, wieder abzuziehen. Das taten sie aber nicht ohne die Pesttoten über die Stadtmauer zu werfen, um wenigstens noch ein paar der Belagerten zu erwischen. Nur, die Einwohner von Caffa warfen die umgehend wieder zurück, weil offensichtlich beide Seiten das mit der Ansteckung grundsätzlich begriffen hatten. Doch es half natürlich alles nichts, wahrscheinlich, weil es auch damals Karnevalsumzüge und Weihnachtsmärkte gab. Und weil sie nicht auf ihren Hintern sitzen bleiben konnten. »Die Pest breitete sich entlang der Handelsrouten aus. Sie segelte Richtung Süden und Westen auf den Schiffen, sodass sie noch im Sommer 1347 in Konstantinopel, im September in Messina und im November in Genua und Marseille ankam. Von hier breitete sich die Seuche nach Nordafrika und in alle Länder Europas aus: Venedig, Genua, Bordeaux, im März 1349 Wien und Nordfrankreich, im August London. 1349 erfasste die Seuche auch Basel, Frankfurt und Köln, über Magdeburg, Hamburg, Bremen, Danzig kam die Seuche 1352 nach Russland und Skandinavien.« (zumindest laut Ärzteblatt),

Küchentagebuch, Montag 15. November 2021

  • Hühnchen von gestern mit Pasta und Sauce
  • Tomaten-Gurken-Salat (was halt noch im Kühlschrank ist, damit ich nicht dort raus muss, wo allen Irren sich versammeln)
Auch als Reste-Essen noch hervorragend

Poularde, Thymian-Wermut-Sauce, Brot

Heute in einem der regionalen Anzeigenblättchen, die ja auch immer einige wenige redaktionelle Beiträge mitschleppen, war eine der Überschriften: „Ruß im Amt bestätigt“. Huch, dachte ich, hat’s gebrannt? Wo? In welchem Amt? Warum habe ich das verpasst? Gut, der Landkreis ist nicht ganz klein und alles kann man ja nicht im Blick behalten (schließlich gibt es ja noch Glasgow, und die Situation an der polnischen Grenze, und Koalitionsverhandlungen und Twitter und Facebook und). Überraschend war dann doch, dass der Brand offensichtlich im Kreisfeuerwehrverband stattgefunden haben muss. Das wär übel, wenn ausgerechnet die irgendwie unvorsichtig mit Zigaretten-Kippen umgehen würden, zumal die Zeit der Adventskerzen ja erst noch kommt. Mit Sorgenfalten auf der Stirn habe ich dann weitergelesen: Thomas Ruß ist wieder zum Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands gewählt wurden. Dass ein Mann mit diesem Namen im Amt bestätigt werden muss, ist ja eigentlich klar. Das hätte ich, wenn ich Mitglied wäre, auch befürwortet.

Küchentagebuch, Sonntag 14. November 2021

  • Poularde in Thymian-Wermut-Sahne (ich würde sagen essen & trinken, aber dort gibt es nur noch ein ähnliches Rezept. Das ist aber nicht schlimm, weil die .de-, .at- und .ch-Welt ist voll davon – z.B. cuisine.at oder chefkoch.de oder im kochwiki.org, aber auch – man höre und staune – bei der Küchenschabe)
  • frisches Weizenbrot (s.u.)
Das gab es viel zu lange nicht mehr

Gebacken: Weizenbrot (Lutz Geissler, ⋯ in Perfektion mit Sauerteig)

Mal wieder aus dem Topf, und dann natürlich auch No-Knead

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