Bohnen, Kartoffeln, Lamm

Man könnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Natur sich wehrt. Anzeichen dafür wären Stürme, Unwetter, Überschwemmungen, Wassermangel, Hitzewellen, Kälteperioden, erfrorener Spargel, ganz schlechte Kirschenernte, you name it. Das klingt alles verdächtig nach »ich werde seit Jahrhunderten diesen blöden Ausschlag nicht los, ich fang jetzt doch an zu kratzen, egal was die Ärzte sagen.« Aber es gibt auch kleinere Anzeichen. Ein Beispiel für ein besonders perfides Vorgehen der Natur ist bei uns im Garten. Also eigentlich in Nachbars Garten, aber halt direkt am Zaun. Dort wächst ein Brombeerstrauch. Ein früherer Nachbar hat versucht, ihn auszurotten, nachdem ihm drei Plastik-Schwimmbecken zum Opfer gefallen waren. Gegen meinen Willen, ich darf jedoch nach deutschem Recht zwar ernten, aber nicht auf einer Ernte bestehen. Gut, es ist ihm ohnehin nicht gelungen: der Nachbar ist weg, der Brombeerstrauch größer denn je. Jetzt muss man den Stadtmenschen vielleicht erklären, dass die Natur noch nie sehr gut auf die Menschen zu sprechen war. Brombeeren zum Beispiel haben: Stacheln. Das ist äußerst unangenehm und das hätten sie nicht, wenn die Natur ein ganz klein wenig freundlicher wär. Aus der Tatsache, dass im Supermarkt Gläser mit Brombeermarmelade stehen, kann man allerdings schließen, dass die Menschheit Mittel und Wege gefunden hat, eben doch an die Beerchen zu kommen. Nämlich durch Geschick, artistische Bewegungen und herzhafte Kraftausdrücke, wenn’s schief geht. Ich bin darin inzwischen ganz gut. Heute jedoch, ich bin noch tief geschockt, war der Schmerz plötzlich ein ganz anderer. Mitten im Brombeerstrauch lässt die Natur heimlich etwas wachsen: einen Ilex. Und auf Deutsch heißt ein Ilex: Stechpalme. Das ist hinterhältig und gemein, das verzeih ich ihr nie, der Natur.

Küchentagebuch, Sonntag 15. August 2021

  • Lammlachse mit Kräuterbutter
  • Grüne Bohnen mit geräucherter Paprika und Mandeln (Rezept bei Foodfreak)
  • Dicke Bohnen, gepalt, wie man im Hamburg sagt und in Butter erwärmt
  • Rosmarinkartoffeln
  • Vanilleeis mit Brombeeren
Kauft irgendjemand fertige Kräuterbutter? Fehler!

Rindfleischsugo, Pasta, Tomatensalat

Brot backen. Warum tu ich mir das eigentlich an? Nun ja, ich weiß es: der einzige Bäcker im Ort benutzt ganz ordentliche Backmischungen, aber Weißbrot kann er trotzdem nicht. Ich musste also, um überleben zu können, etwas tun – schließlich habe ich teilweise sogar das „Ciabatta“ von Edeka gegessen, was meines Wissens auch vom europäischen Gerichtshof zusammen mit Waterboarding als Foltermaßnahme eingestuft wird. Schon länger hatte ich ab und zu das No-Knead-Brot von esskultur.at gebacken, da war der Schritt zu Lutz Geisslers „Brotbacken in Perfektion mit Hefe“ naheliegend und eine lange Zeit waren wir damit ganz zufrieden. Eher aus Langeweile habe ich dann auch noch „… mit Sauerteig“ bestellt und wenn man damit mal angefangen hat, und der Sauerteig macht, was er soll, kann man nicht mehr zurück (und so ein Sauerteig zwingt einen auch ein wenig, ihn immer mal wieder zu benutzen). Und noch etwas ist passiert: Weißbrot ist plötzlich gar nicht mehr so wichtig, meist backe ich dunkle Brote, Mischbrote hauptsächlich und ab und an auch reine Roggenbrote, was sicher auch daran liegt, dass die sich länger frisch halten und selbst ein gutes Weißbrot ist ja nach zwei bis drei Tagen… na ja. Ich muss aber gestehen, dass ich keine Ahnung vom Backen habe. Teigtemperaturen, Vollgare, Halbgare, Übergare, „mit dem Teig reden“, alles böhmische Dörfer. Wenn es draußen wärmer oder kälter ist als im Rezept vermutet – Pech gehabt. Ich halte mich an die Knet- und Ruhezeiten im Rezept und es klappt eigentlich immer meist oft. Und jetzt kommt Petra (🌶 ) von einer Weltreise aus Dänemark zurück und bringt ein Rezept für Rugbrød mit, das exakt auf meine Mehl- und Sauerteigvorräte zugeschnitten ist. Aber: es verlangt hellseherische Fähigkeiten! Nicht nur, dass die Stückgare mit 1 ½ bis 4 h recht variabel spezifiziert ist (bis der Teig unter den Rand…) und dann soll ich eine Stunde bevor das Fall ist, also eine Stunde vor einem unbekannten Zeitpunkt den Ofen aufheizen! Ich glaube, das hätte sogar Albert Einstein ins Grübeln gebracht. Was man nicht alles mitmacht! Aber wie mir Duolingo heute beigebracht hat: »Ik ben een gelukkige bakker

Anschneiden darf ich ja erst morgen

Küchentagebuch, Samstag 14. August 2021

  • Spirelli mit Rindfleisch-Sugo (nach Tim Mälzer)
  • Tomatensalat
Dank TK so etwas wie ein Not-am-Mann-Essen, aber keinesfalls zweite Wahl

Aubergine, Paprika, Hühnchen

Aus meiner neuen Lieblings-Serie*): »Bevor ich morgens die Ramenbrühe zubereite, muss ich ein paar Minuten tanzen. Ich muss für mich sorgen, bevor ich für andere sorgen kann. Wenn ich nicht tanze, wird die Brühe nicht so gut.« Vielleicht erklärt sich das ganze Elend der Welt damit, dass ich morgens nicht tanzen kann. Übrigens auch abends nicht oder nachmittags, eigentlich nie. Vielleicht wird deshalb die Brühe gut, aber nicht so gut, dass man darüber alles vergessen könnte. Was aber manchmal wirklich nötig wäre. Vielleich sollte ich mit was anderem besser für mich sorgen. Ich hasse übrigens – wie alle Deutschen – Untertitel, aber ich glaube nicht, dass man die beiden »Foodie Lover« synchronisieren könnte oder sollte.

*) Foodie Love (in der ARTE-Mediathek)

Küchentagebuch, Freitag 13. August 2021

  • Ratatouille-Hühnchen aus dem Ofen (von magentratzerl.de)
  • mit dem letzten aufgetauten Bürli
  • Und den (kristallisierten😪) Resten vom Blaubeer Frozen Yogurt von gestern
Das Brot aufzutauen war eine gute Idee

Mais, Polenta, Pilze

Gibst du mir bitte mal die Tasse? „Vorsicht, sie könnte umfallen!“ Um? Warum Um? Warum fällt sie nicht über? Bei den Engländer nämlich – It could fall over – würde sie überfallen. Und wenn die Briten überfallen werden, dann sind sie mugged. Und ein mug ist eine Tasse, womit wir wieder bei der Tasse wären. Das ist doch verrückt, isn’t it? Was? Over heißt gar nicht über sondern aus? It’s all over now? Du musst doch nicht gleich ausfallend werden, bloß weil die Tasse überfallen könnte! Gibst du sie mir bitte mal, die Tasse?

Küchentagebuch, Donnerstag 12. August 2021

  • Frische Mais-Polenta mit Auberginensauce (von Herrn Ottolenghi, hier das Rezept bei mestolo)
  • Gebratene Pilze und Bohnen (weil Auberginen schon für morgen geplant sind, nach einer Idee von culinarypixel.de)
Gut, aber eventuell schmeckt mir die „Flavour“-Version besser

Nachtisch: Blaubeer Frozen Yogurt (von Herrn Grün)

Natürlich mit selbst-gesammelten Waldheidelbeeren

Leberkäse, Brezen, Spiegelei

Kannst du aus der „Bayerntheke“ einen Leberkäse mitbringen? – „Moment, das muss ich mir aufschreiben, sonst vergesse ich das.“ Auf? Warum Auf? Warum schreibst du das nicht unter? Die Engländer nämlich – I have to write it down – schreiben das unter. Und wenn sie was unterschreiben, dann sagen sie to sign. Die spinnen doch, die Briten, oder? Und wenn sie etwas noch einmal unterzeichnen müssen, dann sagen sie to resign, als wäre eine zweite Unterschrift allein schon ein Grund zur Resignation. Was? Down heißt gar nicht unter sondern nieder? Okay, du kannst es auch niederschreiben, aber bringst du den Leberkäse bitte mit?

Küchentagebuch, Mittwoch 11. August 2021

  • Leberkäse (vom Vinzenz Murr)
  • Spiegelei (alle zehn Eier mit zwei Dotter – muss man sich da Sorgen machen?)
  • Breze (oder Bratkartoffeln; wenn sich die Haushaltsmitglieder nicht einig sind, gibt’s einfach beides, was für Zeiten!)
Nach der schwäbischen ist jetzt auch der bayrischen kulturellen Identität Genüge getan

Zucchini, Zucchini, Zucchini

Es gibt Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche, die über Schwierigkeiten beim Ernten von Tomaten berichten. Exakt für diese Menschen ist ja dann die Gemüseabteilung im Supermarkt erfunden worden. Dennoch kann ich das nachempfinden, denn ich habe eine ausgeprägte Grün-Grün-Schwäche. Ich kann zum Beispiel nicht sagen, wie die Zwetschgenernte dieses Jahr ausfallen wird – grüne Früchtchen hinter grünem Laub, was soll das? Dasselbe ist es auch bei den grünen Bohnen oder aber auch – den Zucchini. Es sieht aber so aus als ob den Zucchini-Pflanzen allmählich die Luft ausginge. Ausgerechnet jetzt, wo ich mich gerade warmlaufe. Na ja, erfahrungsgemäß dauern die Zuckungen noch eine ganze Weile, aber da ich unbedingt noch einen Zucchini-Kuchen machen muss, könnte es schon eng werden mit dem Plan, einen Zucchini-Rückblick-Abend zu veranstalten mit einer Auswahl der zuletzt ausprobierten Rezepten., damit wir den Überblick nicht verlieren und für das nächste Jahr vorbereitet sind. Außen vor ist natürlich »Herrlich zarte Zucchini mit Harissa und Zitrone« von Herrn Ottolenghi (hier)- das ist zukünftig ohnehin gesetzt. Aber es gab ja noch andere Zubereitungen – und allzu viele Varianten schaff ich an einem Abend eh nicht mehr.

Küchentagebuch, Dienstag 10. August 2021

  • Neue Kartoffeln (Wedges aus dem Ofen)
  • Gegrillte Zucchini (in Knoblauch, Zitrone, Olivenöl mariniert und dann kurz auf die Grillplatte – wie hier bei REWE.de)
  • In Olivenöl gebraten Zucchini (wie bei ichkoche.at)
  • Griechisch gebratene Zucchini (Kolokitakia tiganita – bei nialatea.at)
  • Geröstete Zucchini Sticks (Rezept englisch oder deutsch – allerdings mit veganer Panade)
  • Zoodles (Zucchini-Nudeln) mit Pesto und Tomaten (wie bei lecker.de, aber das Pesto nur dazu gereicht, weil nicht vegan)
nur ein kleiner Ausschnitt des Zucchini-Universums

Ochsenbäckchen, Spätzle, Tomatensalat

Gibt es eigentlich irgendwo – bei Guinness oder so – Zahlen und Informationen darüber, wie lange man es schon geschafft hat, einen gebürtigen Schwaben mithilfe von Kartoffeln, Nudeln oder Polenta mit Gewalt von Spätzle fernhalten kann? Ich glaube nämlich, ich habe den Rekord gebrochen. Dank Suchfunktion im Küchentagebuch kann ich den Zeitpunkt der letzten Spätzle-Mahlzeit exakt bestimmen: Es war am 1. Mai 2021. Das war vor unglaublichen 101 Tagen! Aber jetzt hat die Leidenszeit ein Ende. Von „ganz oben“ kam der Befehl die dringlich geäußerte Bitte, irgendetwas aus der Tiefkühltruhe zu kochen. Dort gibt es noch Ochsenbäckchen. Dazu mag ich eigentlich lieber breite Nudeln, aber mein Gott, man muss für seine kulturelle Identität auch Kompromisse eingehen können. Als vor kurzem eine Weißwurst übrig blieb, bin ich auf ein Rezept mit dem Namen »Weißwurst-Spätzle-Salat mit Senfvinaigrette« gestoßen. Das allerdings würde ich wirklich nur in absoluten Notsituationen essen wollen.

Küchentagebuch, Montag 9. August 2021

  • Ochsenbäckchen (aus der TK)
  • Spätzle (frisch)
  • Tomatensalat
Endlich wieder Spätzle

Gebacken: Brezen

Da waren es noch sech-s; jetzt sind ein paar schon wech-s

Blätterteig, Bratwurst, Bohnen

So, Halbzeit! Ein Jahr, vier Jahreszeiten, zwölf Monate, zweiundfünfzig Wochen oder dreihundertfünfundsechzig Tage Küchentagebuch. Das ist das Ziel. Und heute ist tatsächlich die Hälfte rum. Auch dank Corona gab es jeden Abend (zuhause) was zu essen. Und meistens war es gar nicht schlecht, manchmal sogar richtig gut. Die Vorzeichen stehen also nicht schlecht, dass ich auch die zweite Hälfte noch schaffe. Zumal die Inzidenzen wieder steigen (29,1 aktuell, zum ersten Mal höher als die Bundes-Inzidenz) und u. a. auch deswegen das Verlangen, im Restaurant zu essen eher gering ist. Nur in den Biergarten würde ich gerne mal wieder gehen. Da ist dann allerdings auch noch das Wetter im Spiel – und das Essen dort ist eher 🍟, 🌭 oder 🍔. Aber man könnte ja rechtzeitig zum Küchentagebuch wieder zuhause sein.

Küchentagebuch, Sonntag 8. August 2021

  • Fucking Favourite Fave (bei Claudio; Alliterationen kann ich – s.o. – auch, aber die Häutchen an den Bohnen lassen, das kann ich nicht. Zumindest bei unseren Bohnen ist das keine gute Idee und das Plus an Geschmack lohnt den Aufwand allemal, vielleicht ist das bei den Bohnen in der Schweiz oder in Italien aber anders)
  • Würstchen-chen im Blätterteig (mit den weltbesten Bratwürstchen vom Metzger und dem Rezept von Petra 🌶 )
  • Dicke Bohnen und Busch- und Stangenbohnen (die ersten aus dem Garten )
  • Zuckermais (eigentlich gekauft für die frische Maispolenta von Ottolenghi – zwei Kolben hab ich ja noch; noch ein wichtiger Rat von Caldwell: Mais nie zu lange kochen!)
Vorne sind die FFF: Tatsächlich interessant (ohne Häutchen)

Zucchini, Scallops, Tiger Prawns

Wenn man auf die Webseite einer Foodstylistin gerät, sollte man schauen, dass man schnell wieder wegkommt, auch wenn der Speichel schon zu fließen beginnt. Nicht vergessen: Eine Foodstylistin, die ihren Job versteht, kann ausgetretene Badelatschen so arrangieren, dass das vernebelte Gehirn sie für blutige Steaks hält, und einen Tropfen Sonnenöl so aufsprühen, dass die Nervenzellen sich ein lukullisches Fest zusammenphantasieren und man auf der Zunge den Geschmack eines schweren Rotweins spürt, auch wenn der nirgends abgebildet ist. Ich wollte nur gewarnt haben. Wenn man dann aber beim Überfliegen den Satz liest: »If you’ve got a surplus of zucchini- …« dann bleibt man halt doch noch ein bisschen, um das Rezept zu lesen – und nachzukochen. [Ich hatte die ganze Zeit ein Déjà-vu-Gefühl: War auch mal in der SZ, aber ohne diese Bilder]

Küchentagebuch, Samstag 7. August 2021

  • Jakobsmuscheln im Speckmantel auf Rosmarinspießen (Vorspeise 1 bei der zwergenprinzessin)
  • Gebratene Riesengarnelen – Goong Pow Nampka Wan (Vorspeise 2 bei lecker.de)
  • Zucchini Herb Fritters (Zucchini-Kartoffel-Kräuter-Puffer von Tracy Shutterbean oder in der SZ)
  • Garlic Yogurt Dip (Joghurt-Knoblauch-Honig-Minze-Dip – ebda)
Drei Gerichte, zwei Worte: Alles gut.

Pasta, Zucchini, Tomate

Es ist eigentlich nicht zu glauben: meine »SPD – Soziale Politik für Dich!« Gemerkt? Da ist doch ein neuer Kreativer im Team, da ist doch Schwung dahinter, da geht doch was! Aber es ist mal wieder ein lokales Plakat hier im Wahlkreis; im Bund haben Sie die Kurve noch nicht ganz gekriegt. Dabei fängt es gut an. »Scholz Packt …« und man ist schon ganz gespannt: »Scholz Packt Dich« oder »Scholz Packt Die Gauner am Schlafittchen..«. Aber nein, es kommt ein ganz verschämtes »an«! »Scholz packt an«. Ja um Gottes Willen, was denn? Irgendwas, was er nicht die letzten paar Jahre schon hätte anpacken können? Und warum nicht »Scholz packt aus« ? Über die Cum-Ex-Geschäfte zum Beispiel oder den Fall Wirecard und darüber, ob er wegen seiner Gedächtnislücken in ärztlicher Behandlung ist? Es mag ungerecht sein, aber bei »Scholz packt an« muss ich an ein Cartoon von F.K. Waechter denken. Im ersten Bild sitzt da ein nackter König mit dem Rücken zum Leser am Strand. Unterschrift: »Wenn der König pudelnackt am Strand sich an die Nudel packt…« Im zweiten Bild sieht der König über die Schulter und sagt »… dann ist das doch wohl ganz allein seine Angelegenheit, oder?«

Küchentagebuch, Freitag 6. August 2021

  • Spaghettini mit gebratenen Zucchini-Streifen und roher Tomaten-Sauce (von stuttgartcooking)
  • Griechischer Joghurt mit Brombeeren
Jetzt sind sowohl Zucchini als auch Tomaten aus dem Garten
Tischgespräche
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