Bihari, Masala, Bohnen

Im Garten gibt es jede Menge Bohnen. Und irgendwo gibt es eine Liste mit Rezepten für grüne Bohnen. Nur, wo dieses »irgend« ist, war auf die Schnelle nicht mehr herauszufinden. Blieben also nur zwei Möglichkeiten: ein bekanntes Bohnenrezept kochen (gähn!) oder nachdenken, nachdenken… Und tatsächlich kam bei der Bohnenernte – also im letzten Augenblick – auch der rettende Funke: Anke Gröner war auf der Liste, da bin ich mir sicher. Und Google ist ja nicht schlecht darin beim Suchausdruck »Anke Gröner grüne Bohnen« weiterzuhelfen. Und tatsächlich waren die ersten beiden Ergebnisse – soweit ich mich erinnere – damals auch auf meiner »irgendwo«-Liste. Und noch besser: beim Weitergoogeln wurde klar, dass beide Rezepte offensichtlich auch sehr beliebt sind (waren) und in manchem Blog auftauchten. Also ans Werk! Wozu braucht man so eine blöde Liste, wenn man ein gutes Gedächtnis hat wie ich?

Küchentagebuch, Mittwoch 25. August 2021

„eine leckere Art, Bohnen zu essen“ sagt Frau T. (die darf lecker sagen)

Spaghetti, Zucchini, Tomate

Ich bin ein schlechtes Eichhörnchen, Vorratshaltung liegt mir irgendwie nicht. Die Bohnenernte zum Beispiel schreit nach jemandem, der blanchiert und einfriert. Und eingefrorene Bohnen sind ja beileibe nicht schlecht. Ich weiß aber, dass mich im Winter, wenn es ans Auftauen gehen müsste, der Iglo-Blues ereilt, und ich doch lieber auf den Markt gehe, um nach Steckrüben, Schwarzwurzel und anderem Wintergemüse zu suchen. Und dann müsste ich im Frühjahr mit gesenktem Kopf dann doch mehrere Bohnenpäckchen entsorgen. Was man natürlich nicht tut, weil ein bisschen länger halten die ja ohne Qualitätsverlust. Und erst wenn man ein – ordentlich mit »Bohnen August 2013« beschriftetes – Päckchen zutage fördert und endgültig der Biotonne übergibt, nimmt man sich wieder einmal vor, lieber nichts einzufrieren, und dem Winter mutig entgegenzusehen, zumal dann auch Rosenkohl, Grünkohl und Feldsalat erntereif sind. Das ist meine Alternative zum Einfrieren: Gemüse pflanzen, das den Frostnächten standhält – Bio-Iglo, sozusagen. (Dass Eichhörnchen den Großteil ihrer verbuddelten Vorräte nicht wiederfinden, ist übrigens wohl ein Mythos, was man kaum glauben kann, wenn man einen Nussbaum in der Nähe hat und im Frühjahr den Boden umgräbt.)

Küchentagebuch, Dienstag 24. August 2021

  • Spaghettini mit gebratenen Zucchini-Streifen und roher Tomaten-Sauce (von stuttgartcooking)
  • Grüner Salat
  • Schokoladeneis (mit 3 Brombeeren, der Sommer geht zu Ende)
Die roten Radieschen im grünen Salat hab ich doch gut versteckt, oder?

Zucchini, Möhren, Bohnen

Ich leide fürchterlich unter FOMO, der Angst, einen neuen Trend zu verpassen, oder nicht rechtzeitig auf den Zug zu aufzuspringen. Ich tu mich natürlich auch schwer mit den entsprechenden Plattformen: TikTok, Instagram, Youtube – ich fühl mich da nicht richtig wohl. Und seit Corona kriegt man ja auch auf der Straße die entscheidenden Tipps nicht mehr. Apropos Corona: die neue 3G-Regel für das Auswärtsessen (Gegessen-Gekotzt-Gegangen) habe ich auch noch nicht ausprobiert. Da möchte ich doch wenigstens zuhause (Gekocht-Genossen-Gestrahlt) en vogue sein. Bei Yoga z.B. habe ich das Gefühl, es gibt ein Revival, bei Ayurveda bin ich mir da nicht sicher. Aber ich habe heute bei den Zucchini-Pastinaken-Puffern ein gutes Gefühl: die Webseite heißt yogaeasy und das Rezept steht unter der Rubrik Ayurveda. Da sage jetzt niemand, ich wolle nur meine Gemüselade leeren – ich bin vorne mit dabei. Aber vielleicht verpasse ich gerade doch was. Auf einer anderen Seite gibt es ein Pastinaken-Zucchini-Risotto – ganz ohne Reis! In der URL kommt das Wort »Zaubertopf« vor, in dem alles »3 Sek/Stufe 10« zerkleinert und gerührt und gekocht wird. Ob ich das im Auge behalten muss?

Küchentagebuch, Montag 23. August 2021

  • Pastinaken-Zucchini-Puffer (bei yogaeasy.de)
  • Grüne Bohnen mit Rosmarin und getrockneten Tomaten (natürlich nicht mehr bei bei e&t.de, aber hier)
  • Karamellisierte Ingwer-Möhren (hier oder hier bei essen & trinken, sind gleich, oder?)
Einfach schön, wenn alle Vorräte verwendet werden können

Rumpsteak, Bohnen, Kartoffeln

Ich mag Zitronenfalter. Alle Welt bleut einem ja ein, dass Bienen und Schmetterlinge wichtig sind. Ich kann mich jetzt nicht genau erinnern, ob die den Klimawandel aufhalten sollen oder so ähnlich, aber wenn es sie mal nicht mehr gibt, dann Gute Nacht. Also freue ich mich regelmäßig, wenn ich einen sehe – nun ja, vielleicht nicht bei jedem, da käme man ja aus dem Freuen gar nicht mehr raus, aber halt doch häufig. Und besonders freue ich mich beim Zitronenfalter. Er ist nicht so aufdringlich hübsch wie zum Beispiel ein Pfauenauge, aber auch nicht so aufdringlich hässlich wie zum Beispiel eine Motte. Allerdings sind manche Zitronenfalter gar keine Zitronenfalter sondern Kohlweißlinge. Und dann ist aus mit Freuen. Der Rosenkohl angeknabbert, der Grünkohl kaum wiederzuerkennen – meine Tränen sind auf jeden Fall keine Freudentränen, und ich würde jedes Gift dieser Welt versprühen, um diesen Mistviechern Mores zu lehren! Monsanto! Wo bist du wenn man dich braucht?

Küchentagebuch, Sonntag 22. August 2021

  • Rumpsteak (350 g, Sous Vide 52°, 3 h mit Kräuterbutter)
  • Grüne Bohnen mit Parmesan und Pinienkernen (frisches Bohnenkraut, hier das PDF)
  • Drillinge aus dem Ofen (weil alle Herdplatten belegt sind)
  • Maiskolben (vertrocknet, aber mal schauen)
Der Mais war noch ganz annehmbar, und die Bohnen wie immer hervorragend

Mangold, Speck, Eierguss

Als Baum, soviel kann ich sagen, hat man es auch nicht immer leicht. Natürlich will man es den Menschen recht machen, man wächst und blüht und bildet Früchte, auf die es den Menschen ja ankommt – offensichtlich. Wer – außer diesem merkwürdigen Bayer – umarmt und liebkost schon Bäume? Nein, erst wenn da Früchte hängen, dann mögen sie uns ein bisschen. Und loben uns eventuell oder sind maßlos enttäuscht, als wären wir für die Klimaveränderungen verantwortlich. Und schimpfen uns dafür, dass es den Bienen im Frühjahr, als wir blühten, zu kalt war, und deshalb die Ernte ausfällt (der Kirsche links neben mir) oder dass wir alle Früchte fallen lassen müssen, weil sie verwurmt und verfault sind (dem Birnbaum rechts von mir und vielen Apfelbäumen auf der anderen Seite); wir machen das doch nur, um den Rest der Ernte zu retten! Das ist ungerecht, weil wir ja nichts dafür können. Aber am schlimmsten ist die Lieblosigkeit derer, für die wir das alles tun! Ich zum Beispiel stehe ziemlich abseits in der Ecke und mein Mensch war schon mehrere Wochen nicht mehr hier, weil da Zucchini waren und Tomaten und Bohnen und Mangold und Auberginen. Da war wohl keine Zeit für mich, das versteh ich schon, aber trotzdem. Heute taucht er plötzlich auf und sagt: »Auf dem Markt gibt es schon Mirabellen – wie weit bist du denn?« Als hätte ich nicht schon seit Tagen die schönsten, reifsten Mirabellen der westlichen Hemisphäre! Aber der Herr schaut ja nicht! Ich bin ihm wohl egal! Vielleicht geb ich ihm meine Mirabellen dieses Jahr einfach nicht⋯

Küchentagebuch, Samstag 21. August 2021

  • Mangoldtarte (nach lamiacucina)
  • mit dem Quark-Blätterteig von Frau L.
  • Tomaten- und grüner Salat
ich dachte ja, ich könnte den Mangold damit aufbrauchen, aber …

Kartoffel, Karotte, Curry

Gilt eigentlich eine Alliteration auch wenn die Wortanfänge nur gleich ausgesprochen, aber nicht gleich geschrieben werden? Egal, eigentlich habe ich nämlich eine Frage an eventuell mitlesende Hobby- oder Profi-Gärtner: Gibt es Möhrensorten, die im Kreis wachsen? Also: irgendwann im Frühsommer war ich im Baumarkt – um nichts zu suchen, das war mein Sinn – und entdeckte beim Gehen im Pflanzen-Regal vor der Tür klitzekleine Karotten-Pflänzchen. Da ich das in meinem Leben noch nie gesehen und immer nur Samen gekauft hatte, mussten die natürlich mit. Ich also zurück zur Kasse, nach Hause in den Garten und zum Hochbeet. Ich erwähne das, weil die Erde im Hochbeet sehr locker ist und es für eine normale Karotte keinen mir einsichtigen Grund geben könnte, nicht nach unten zu wachsen. Wider Erwarten sind die Pflänzchen zwar widerwillig, aber doch merklich gewachsen, und als ich vor Kurzem die erste Möhre geerntet habe, dachte ich noch an eine Laune der Natur. Heute aber muss ich feststellen, dass alle, die ganze Ernte, so aussieht:

Also ich kann mit der Hand leicht bis zum Ellbogen in der Erde versinken, dafür ☜ gibt es also keinen Grund, außer vielleicht Klimawandel oder schwarzer Humor

Küchentagebuch, Freitag 20. August 2021

  • Möhren-Curry (aus einem alten Essen und Trinken, hier schon mal verlinkt, wobei der Link dort auf eine reduzierte Version geht, was dieses Rezept nicht verdient hat)
  • Kartoffelpüree mit Pastinaken
  • Schokoladeneis und Brombeeren (die immer noch vom Nachbar herüberwachsen)
So sieht man den Drehwurm gar nicht mehr …

Tomato, Butter, Pasta

All ihr Götter unserer Vorfahren, die wir euch so schmählich im Stich und unbeachtet gelassen haben, erhöret mich! All ihr aktuellen Götter, deren Diener sich gerade überall die Schädel einschlagen, erhört mich trotz meiner Zweifel! All ihr zukünftigen Götter, falls es euch tatsächlich noch geben wird, erhört auch ihr mich, falls die anderen, wie so häufig, Ohropax eingelegt haben. Ich flehe euch an und versichere, dass ich nie mehr lästern werde, wenn ihr jetzt zuhört, es ist wichtig: Bitte, bitte macht, dass im Nudelregal im Keller noch Fussili stehen! Das Wetter ist so grauslig, dass man keinen Hund (geschweige denn seine Ehefrau) hinausjagen möchte. Wenn aber Ottolenghi, der Meister, nach Fussili verlangt, und im Vorrat keine Fussili mehr sind, was bleibt dann übrig? Kommt mir jetzt bitte nicht mit Tortiglioni, Rigatoni, Penne Rigate oder gar Spiralnudeln! Der Meister kommt uns sogar entgegen, weil er eigentlich ja gerne »fusilloni« hätte und schon äußerst großzügig auch deren kleinere Brüder akzeptiert. Bitte, ich brauche euch, Frau T. will auch nicht hinaus! Drückt mir die Daumen! … Juhu! Noch da! Ihr könnt euch wieder verzupfen, es war nicht so gemeint.

Küchentagebuch, Donnerstag 19. August 2021

  • Tomato butter pasta (alles zusammen im Ofen gegart, von OttoLenghi, angelehnt an Marcella Hazan, auf deutsch bei der s-kueche)
  • Gurkensalat (eigentlich normal, aber vielleicht wie Tim Mälzer)
  • Restliches Pfirsich-Tiramisu
Alles in einem Topf, das macht den Abwasch geschmeidiger

Zucchini, Ricotta, Haselnuss

Es kommt ganz, ganz selten vor, dass mir das Berliner Personal leid tut, Jetzt istves soweit. Es gibt aber auch Jahrzehnte, da geht alles schief. Etwa zwei Jahrzehnte, um genau zu sein. Und das ist eine relativ kurze Zeit, um zu bemerken, dass es schief geht. Und wenn dann alles Holterdipolter geht, tja, dann kann das ja keiner wissen und dann passieren halt auch Fehler, da kann man doch nichts machen, oder? Das ist doch nicht die Schuld des Personals, oder? Vielleicht die Amerikaner? Oder die Afghanen selber? Irgendjemand hat das verbockt. Und jetzt zeigen alle auf das arme Personal, also mir tun die leid.

Küchentagebuch, Mittwoch 18. August 2021

  • Marinierte Zucchini auf Ricotta mit Haselnüssen und Minze (bei Petra 🌶)
  • Wurzelbrot
  • Pfirsich-Tiramisu von gestern
Dazu hätte ein bisschen Sonne ganz gut gepasst ☂

Aubergine, Hackfleisch, Reis

Au Mann, es ist doch immer wieder dasselbe. Oder das gleiche? Was war nochmal der Unterschied? Identität der Art und Identität des Einzelnen, sagt der Linguist! Hä? »Lo stesso« sagt der Italiener und pfeift auf die Linguistik und die Art des Einzelnen: Es ist doch eh dasselbe. Oder das Gleiche? Lo stesso halt, oder lo mismo, the same, le même, o mesmo, dezelfde, det samme. Andere Europäer machen sich offensichtlich keinen Kopf und überleben auch. Aber halt mal! Wenn mich vielleicht mal jemand zum Essen einlädt, dann macht es doch schon einen Unterschied, ob wir das gleiche Essen essen oder dasselbe, oder? Ich zumindest finde schon, aber vielleicht sehen das andere Europäer nicht so eng. Was willst du essen? Dasselbe! Ogott! Und morgen essen wir dasselbe nochmal! Igitt!

Küchentagebuch, Dienstag 17. August 2021

  • Aubergine „Jun Boy“ (mit den fast ausgewachsenen Auberginchen nach einem Rezept von magentratzerl.de)
  • Reis
  • Erdbeer-Pfirsich-Tiramisu (nach Schuhbeck, ohne Erdbeeren, aber so wie hier)
Die kleinen Auberginen haben sich ganz schön gut gemacht

Nachtisch

Warum habe ich nur die Hälfte gemacht? Das wird doch immer besser, je länger es steht …

Fenchel, Risotto, Safran

Wenn man eine ganze Zeit lang nicht mehr oder kaum noch gearbeitet hat und dann doch wieder muss, dann wird einem bewusst, wie viel kostbare Lebenszeit man doch über die Jahre mit »Arbeit« verplempert hat. Fast hätte das Küchentagebuch heute „Ravioli aus der Dose“ gelautet, das wäre gar nicht schön gewesen. Falls es die junge Generation tatsächlich noch schaffen sollte, dem Klimawandel ein Schnippchen zu schlagen (toi, toi, toi), dann sollten sie sich nicht zufrieden geben und am besten gleich anschließend die Einkommensverteilung zurechtrücken, damit »Arbeit« nicht mehr das ist, was man eigentlich gar nicht machen will, aber halt die Kohle braucht. Warum wir Alten nicht wenigstens das schon mal in Angriff genommen haben? Tja …

Küchentagebuch, Montag 16. August 2021

  • Safran-Risotto
  • Karamellisierter Fenchel mit Ziegenquark (von Ottolenghi, gab’s hier schon genauso)
  • Brombeeren mit Vanilleeis
Wenn alle Zutaten im Haus sind, geht das schnell und unkompliziert
Tischgespräche
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