Es ist Erdbeerzeit. Die Preisschilder wissen das noch nicht, aber es ist Erdbeerzeit. Ich bin bereit, denn ich habe ein Rezept aus e&t 6/98: Erdbeer-Tiramisu. Den jüngeren Lesern muss man dazusagen, dass mit 98 das vorige Jahrhundert gemeint ist, also 1998. Und deshalb gibt es das Rezept auch nicht im Internet (auf e&t.de). Ich will natürlich doch auch mit der Zeit gehen und habe alle fünfzehn oder sechzehn Erdbeer-Tiramisu-Rezepte auf e&t durchgesehen und stelle mir nun die Frage: Warum? Gut, eine Version mit drei Arbeitsschritten ist vielleicht für moderne Menschen und eine Version mit »Biscuits Roses de Reims« für Hipster geeigneter, eine Version für den Thermomix könnte Für Menschen mit so einem Teil interessant sein und eine mit Kokos und Ananas angereicherte Version begeistert vielleicht Menschen, die schon alles gesehen und gegessen haben, aber an das Original – Entschuldigung – kommt keine der anderen Versionen heran. Wenn auch die Preisschilder Bescheid wissen, mach ich das Original.
Küchentagebuch, Sonntag 6. Juni 2021
Auberginenklößchen alla Parmigiana (Ottolenghi-Version der Melanzane alla Parmigiana, hier oder hier im Netz oder in Flavour, S.156)
Ich sehne mich nach dem Herbst. Das mag nach den ersten paar Sonnenstunden in diesem Jahr befremdlich klingen, aber ich erklär das gleich. Am Mühlenteich, der auch der Ententeich heißt, sind vor einigen Wochen die Graugänse eingezogen. Erst kam die Vorhut, dann immer mehr, dann lagen die ersten Gänseeier auf dem Radweg und dann die ersten Küken. Nein! Die lagen natürlich nicht auf dem Radweg, die trippelten auf dem Radweg, links und rechts von einer Mutter- oder Vater-Gans sorgfältig bewacht. Und alle, wirklich alle Radfahrer sind auf den Rasen ausgewichen, zumindest die, die dich ich gesehen habe. Mutter- und oder Vater-Gänse haben aber auf dem Radweg nicht nur ihre kleinen flauschigen Möchte-Gern-Gänse bewacht, sondern ebenda auch – sagen wir mal – ihre Notdurft verrichtet. Aber ach, die süßen Kleinen, wie nett! Inzwischen sind die kleinen Wollknäuel kräftig gewachsen und ihre Hintern haben gewaltige Dimensionen angenommen. Zumindest gemessen an der Menge stinkender, klebender Gänsekot-Haufen auf dem Radweg (komischerweise kaum auf der Wiese), die auch mit den kunstfertigsten Slalomkursen nicht zu umfahren sind. Ganz zu schweigen von den gewagten Tanzschritten vornehmlich älterer Fußgänger. Es wäre jetzt höchste Zeit für ein paar Martini-Gänse.
Küchentagebuch, Samstag 5. Juni 2021
Filoteig mit Ziegenkäse und Honig (Julian, mit 154.000 Abonnenten, bereitet das auf Youtube zu, übertreibt er? Na ja, ein wenig)
Schweizer Wurstsalat (nach Deichrunners Küche, die allerdings (nicht Corona-bedingt) geschlossen hat, deshalb hier das Rezept)
Brezeln (selbstgebacken, mangels Vorratshaltung leider ohne Mäusekot)
Badischer oder Schweizer Wurstsalat? Egal.
Gebacken: Rhabarber-Tarte und aus dem Eiweiß: Amaretti alla piemontese (bei camaha, bei mir zu dunkel, 1 h bei 150° Umluft? Kann eigentlich nicht sein, aber ich denke immer erst hinterher nach)
Ich dachte bei 1h müsste ich nicht aufpassen, wär aber besser gewesen
Nestle meint jetzt, dass mehr als die Hälfte seiner Produkte ungesund seien. So ein Schmarren: Ich bin mit Nesquick groß (und stark) geworden. Mit Nescafe bin ich in die Welt der Erwachsenen eingeführt worden. Diese Produkte waren sozusagen mein Sprungbrett. Nur dank Nesquick konnte ich später beurteilen, wie gut eine Heiße Schokolade schmeckt, wie gut ein Espresso sein und was eine gute Kaffeemaschine wert sein kann. Ungesund? Lange isst und trinkt man sowas doch noch ohnehin nicht.
Da ich noch nicht lange weiß, wie gut die meisten Kohlsorten (Blumenkohl, Rotkohl, Rosenkohl, Spitzkohl) schmecken, wenn man sie in den Backofen schiebt, konnte das Experiment mit dem Kohlrabi nicht ausbleiben. Entschieden habe ich mich für ein Rezept von Ottolenghi, da er mich in letzter Zeit genauso wenig enttäuscht hat, wie die anderen Kohlsorten. Er wirft den Kohlrabi als Einlage in einen Gersteneintopf, aber die Gerste brauche ich bei diesem Sommereinbruch fürs Terrassen-Bier. Ist auch schnell erklärt: 1 kg Kohlrabi schälen, in etwa 2,5cm dicke Spalten schneiden, mit 4 Sardellenfilets (abgetropft und fein gehackt), 2 EL Olivenöl, 2 Knoblauchzehen (zerstoßen), ½ TL Salz und 1 kräftigen Prise Pfeffer marinieren und auf einem Backblech ausbreiten. 25 Minuten bei 190° Umluft bräunen, 1x wenden und 300 g süße, reife Kirschtomaten dazu geben. Weitere 15-20 Minuten im Ofen lassen, bis der Kohlrabi weich und goldbraun ist und die Tomaten leicht schrumpelig sind.
Irgendjemand pflanzt Unkraut in unserem Garten, und zwar in großen Mengen. Frau T. sagt, sie war es nicht. Ich schon gleich überhaupt nicht. Also muss es ein Einbrecher sein, der nachts mit dem Samenbeutel durch die Gärten schleicht – auch manche Nachbarn haben ähnliche Probleme. Aber wer macht so etwas, was hat er davon? Sollte der, wenn er denn nicht ausgelastet ist, nicht lieber die Post austragen? Ist die menschliche Seele etwa noch abgründiger als ich ohnehin schon befürchtet hatte?
Frag ich doch heute ganz nebenbei die Fischfrau meines Vertrauens beim schweifenden Blick über die Auslage, ob man denn Aal ohne schlechtes Gewissen essen könne. Klar, sagt sie – sie spricht ein wenig Hamburger Dialekt, wahrscheinlich um den Eindruck von frischem Fisch zu erzeugen – wenn er hier liegt schon. Also es gäbe ja Regeln und Quoten und sie würden sich strikt daran halten. Ich könne also alles, was es hier gibt, bedenkenlos essen. Jetzt ist wahrscheinlich ein Fischstand auf dem Marktplatz nicht der geeignetste Ort für eine Grundsatzdiskussion über Missstände in der Fischindustrie und Verbraucherverhalten im Allgemeinen, und da sich – auch über den Corona-Abstand hinweg – plötzlich alle einig waren, dass man es auch übertreiben könne, und wo er doch eh schon tot sei, und überhaupt hätte es das früher nicht gegeben. Ich habe also meinen Fisch bezahlt und mich auf den Heimweg gemacht, bevor ich eventuell gezwungen gewesen wäre, schlimme Worte zu gebrauchen. Allerdings spürte ich schon nach wenigen Metern auf der Zunge den Geschmack von leicht in Öl angebratenem Schwarzbrot mit sahnig-fluffigem Rührei und einem klitzekleinen Stück Filet vom Räucheraal. Ich glaube, ich nehme nächste Woche ein kleines Fitzelchen mit nach Hause. Wo er doch eh schon geräuchert ist.
Küchentagebuch, Dienstag 1. Juni 2021
Fisch süß-sauer (ohne Dosen-Ananas, ein Rezept aus dem Buch »Kochen! Das Gelbe«, das mir in der onleihe über den Weg gelaufen ist).
Basmati-Reis (mit ein wenig Kardamom und Nelke)
Sunomono – japanischer Gurkensalat (mit frischem Wakame – Rezept gibt’s bei der Turbohausfrau)
Ich wusste es. Oder ich habe es zumindest geahnt: Es gibt Veganer, die kein Soja vertragen, oder ihn nicht (mehr) mögen. Wahrscheinlich gibt es auch Veganer mit einer Kichererbsen-Unverträglichkeit. Oder welche mit einer Hefeflocken-Allergie. Wenn nicht die Gefahr bestünde, dass dieser Blog auch von Minderjährigen gelesen wird, würde ich sagen, die haben die Arschkarte gezogen, so muss ich mich vorsichtiger ausdrücken: So eine verdammte Scheiße! Das ist nicht fair, und das sollten sich alle vor Augen halten, die nach einem Chili con carne etwas häufiger pupsen müssen als sonst. Es gibt Schicksale, die toppen alles.
Chamoy ist ein französisches Dorf im Département Aube. Es hat hat eine Kirche aus dem 15. Jahrhundert, ein Schloss und 509 Einwohner. Und überhaupt nichts zu tun mit der mexikanischen Sauce zu dem Röstkarottensalat da unten. Leider. Ich hätte gerne davon erzählt, dass der Gemeinde-Priester seine schwangere Haushälterin zu einem Glaubensbruder nach Mexiko schickte, wo sie mit ihrer Sauce alle Junggesellen – und nicht nur die – schwer beeindruckte und so ihren schlappschwänzigen Pater zu Hause bald vergessen konnte. Oder dass der Graf von und zu Chamoy sich rettungslos in eine Azteken-Prinzessin verliebte, sie aber trotz jahrelangen Werbens nicht für sich gewinnen konnte. Nur die Sauce, die er immer wieder für sie gekocht hatte, erinnert heute noch an ihn. Aber wie gesagt: Es gibt keinen Zusammenhang. Leider.
Küchentagebuch, Sonntag 30. Mai 2021
Hummus mit Zitrone, Knoblauch und Chili (Ottolenghi Flavour, Rezept)
Röstkarotten-Salat mit Chamoy (Ottolenghi Flavour, Rezept)
Morgen muss ich ohne Curryblätter auskommen. An frische Curryblätter komme ich hier spontan nicht ran. Auch un-spontan ist das schwierig, aber immerhin machbar. Macht nix, ich koche ja regional. Und in der Region, in der es Curryblätter an jeder Ecke gibt, gibt’s dafür keinen Spargel, nur zum Beispiel. Manchmal habe ich den Verdacht, dass das mit der Region hauptsächlich von den Leuten hochgehalten wird, die wissen, dass das zu ihren Lebzeiten nicht soo Ernst genommen werden wird. Keine Amalfi-Zitronen, keine Tropea-Zwiebeln, keine Puy-Linsen, vielleicht noch nicht mal Bamberger Hörnchen. Auf jeden Fall kein Carnaroli-Reis – also kein Risotto mehr. Ooch, so ein klitzekleines bisschen Welthandel macht doch nichts, oder?
Küchentagebuch, Samstag 29. Mai 2021
Pfannkuchen mit Rahmschwammerl *) (Champignons, Kräuterseitlinge, Shiitake – den Pilzanteil des Jägerschnitzel alla Italia aus einem e&t 2001 mit weniger Sahne)
Gemischter Salat
Pfannkuchen mit Orangen- oder Zwetschgen- oder Brombeermarmelade
*) Wie sagt man, wenn statt Rahm Ziegenfrischkäse verwendet wird? Ziegenfrischkäseschwammerl?
Die Welt ist zweifellos überbevölkert. Aber das hat immerhin ein paar Millionen Jahre gedauert. Das Internet ist über-überbevölkert und das ging rasend schnell. Ich rede hier nicht von TikTok, Instagram, Telegram und. Ich meine das ganz normale Internet: jemand weiß was, kann was und veröffentlicht es. Ein anderer will was wissen, braucht was und sucht. Das war in den Anfängen fast nicht möglich, und gerade deshalb faszinierend, wenn es doch mal geklappt hat. Aber richtig funktioniert hat es ehrlicherweise erst mit Google. Und richtig überhand genommen hat es, weil Google kostenlos war, aber Geld brauchte (und natürlich die Hardware besser, die Infrastruktur ausgebaut und mit den Smartphones alles zugänglicher wurde). Jetzt findet man Werbung, wahrscheinlich Werbung und ganz sicher Werbung. Das ist (in Maßen) nicht schlimm, aber als jemand der hie und da ein Rezept oder eine Anregung sucht, vermisse ich ein wenig die guten alten legendär schlechten Rezepte auf chefkoch.de. Die schlechten Rezepte werden nämlich mit Farbfotos und Werbeeinblendungen nicht besser. Gestern bin ich auf eine Seite gestoßen, die (bis auf die fehlende Suchfunktion) meinen Bedürfnissen ziemlich nahe kommt. Und ich musste mit Erschrecken feststellen, wie sehr mich die spartanische, aber logische „Benutzerführung“ schon anstrengt und überfordert, dabei ist das ganz einfach. Nehmen wir mal an, jemand möchte Knödel machen und weiß aus irgendwelchen Gründen nicht, was für welche. Dann klickt er erst mal auf „Profi„, weil er natürlich ein Profi-Rezept will („Amateur“ ist man schließlich selbst und zwar der beste). Dann sucht man sich eine Kategorie oder in diesem Fall die Mega-Kategorie Knödel aus (click). Jetzt könnte man gleich ein Rezeptbuch Knödel auswählen und erhielte dann ein PDF mit allen Knödelrezepten eines bestimmten Jahrgangs von allen Profiköchen. Aber wenn man schon weiß, dass die Knödel in einer Suppe landen sollen, dann tippt man besser auf die Kategorie Suppen und findet dort zum Beispiel eine „Gemischte Knödel-Suppe mit Rind“ (click) oder eine „Sellerie-Creme-Suppe mit Spinatknödeln“ (click) und – schwupps – schon hat man ein PDF. Ohne Bilder, ohne Werbung, ohne Einblendungen. Über die Qualität der Rezepte kann ich noch nichts sagen, aber der Nostalgie-Faktor ist hoch. Ausprobieren!
Küchentagebuch, Freitag 27. Mai 2021
Spargel-Creme-Suppe
Limetten-Risotto mit Spinat und Mascarpone (!) (aus essen&trinken und – gerade entdeckt – auch hier bei 🌶; das Ausrufezeichen heißt: ja, mit Mascarpone!)