KW 37-22

Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Hat der Herr Kant damals gesagt, als er die Aufklärung maßgeblich mitbestimmt hat. Und Aufklärung, das hieß auch und vor allem, sich nicht entmündigen zu lassen von Institutionen. Denn wenn es überhaupt Autoritäten geben sollte, dann müssten die auf rationalen, nachprüfbaren Grundsätzen basieren. Ach, was war das damals schön. Und was haben wir nicht alles erreicht seit damals. Monarchien wurden von Demokratien abgelöst; die Kirche ist zwar noch da, aber die Trennung von Staat und Kirche ist schon mal durch. Oder … na ja, fast. Eine halbstündige Nachrichtensendung der letzten Woche bestand allerdings – neben dem Wetterbericht – aus zwei Themen: Ein paar alte Männer und wenige meist verzweifelte Frauen lassen sich von noch älteren Bischöfen an der Nase herumführen, und Königin Elizabeth II ist tot. Eine ganze halbstündige Nachrichtensendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen! Damit man mich nicht falsch versteht: der heldenhafte (und weitgehend vergebliche) Kampf des synodalen Wegs ist schon beeindruckend, aber wer berichtet von den Kämpfen in der Jahressitzung unseres Kaninchenzüchtervereins? Die Lebensleistung der englischen Königin kann man durchaus bewundern, aber kann man nicht beim Friseur beim Lesen der Hochglanzmagazine ein Tränchen vergießen? Aber nein, sagt die Sprecherin zum Abschluss: „…und auch die nächste Woche wird noch im Zeichen des Abschieds von der britischen Königin stehen…“

Beim Bestreichen der Pinsa am Sonntag, war mir schon klar, dass dieses Tomaten-Sugo zu köstlich ist, als dass man es im Keller lagern sollte. Was, wenn es falsch gelagert wird und verdirbt? Was, wenn das Haus zusammenbricht und der Keller unter Steinen erstickt und das Sugo erst Jahre später von Rettungskräften befreit wird? Wird es dann noch schmecken? Also am Montag schnell noch Pasta mit Tomatensugo und Salat. Am Samstag beim Marktbesuch habe ich während des Einkaufs am Gemüsestand einen Bekannten getroffen. Ich habe mich wohl zu wenig um die Marktfrau gekümmert; es ist ganz erstaunlich, was beim Zuhause-Ankommen alles in meiner Einkaufstasche war. Zum Beispiel eine ganze Meerrettich-Wurzel. Für einen 2-Personen-Haushalt heißt das: Meerrettich, Meerrettich, Meerrettich. Zum Beispiel am Dienstag Lachsragout in Meerrettichsoße (lecker.de).

Am Samstag beim Marktbesuch … ach, das hab ich ja schon. Und was das für einen 2-Personen-Haushalt … hab ich ja auch schon. Am Mittwoch: Linsen mit Salsiccia und Meerrettichsoße (brigitte.de). Und beim Bestreichen der Pizza … hab ich ja schon gesagt, und dass es viel zu köstlich ist … hab ich auch schon gesagt. Am Donnerstag deshalb ein Ottolenghi (mit einer fast übersehenen Aubergine aus dem Garten): Auberginenklößchen alla Parmigiana (gewuerze-der-welt.net). Und da ich Frau T. durch die ganze Stadt gejagt habe, um Ricotta zu kaufen, aber nur 50 g gebraucht habe, musste ich dringend zur Abwehr innerfamiliärer Unstimmigkeiten am Freitag Ravioli mit Ricotta-Zitrone (Betty Bossy) in Salbei-Butter machen; gleichzeitig die Lieblings-Pasta von Frau T. – die Abwehr hat funktioniert.

Hab ich schon den Meerrettich? … ach ja, hab ich schon. Am Samstag ein Bayerisches Wurzelfleisch mit Meerrettichsoße (Schuhbeck’s Videoschule oder hier, Rezept auch hier ) und ja, ich weiß, es nervt, aber der Meerrettich ist (noch lange) nicht aufgebraucht. zusammen mit dem Rest Schweinefilet, einer alten Brezel und süßem Senf gab’s am Sonntag – auch als Referenz an meine alte Heimat und das dort gerade stattfindende Corona-Festival – ein Schnitzel Münchner Art (z.B. brotwein.net), wobei es Stimmen gibt, dass die Münchner sich noch nie das Wiener Kalbfleisch leisten konnten und ihr Schnitzel schon immer aus Schweinefleisch gemacht haben; man könnte es deshalb auch selbstbewusst als „Münchner Schnitzel“ bezeichnen, wenn das dem Selbstbewusstsein gut täte. Zusammen mit Bamberger Hörnchen und dem unschlagbaren Kohlrabi in Orangen-Estragon-Sauce 🌶 (um zwei Orange aufzubrauchen; allerdings liegt jetzt noch ein Kohlrabi rum, die endlose Endlosschleife des No-Waste-Prinzips).

KW 36-22

So. Es ist, glaube ich, mal an der Zeit, dass ich mich oute. [Empfindliche Gemüter sollten diesen Absatz besser überspringen, denn es wird eklig, schmierig und ja: auch derb.] Ich bin leider weder queer, trans* oder inter* (nicht einmal weibl*) noch Indianer. All diese Gruppen haben inzwischen eine immer größer werdende Lobby, immer mehr Fürsprecher. Das finde ich gut und schon lange an der Zeit. Aber ein bisschen neidisch bin ich schon auf den Zuspruch, den diese Gruppe (und alle anderen, die ich hier nicht erwähnt habe) erhalten. Ich scheine einer Randgruppe anzugehören, die im Wesentlichen nur aus mir besteht, was nichts an der Ungerechtigkeit ändert, dass ich ausgestoßen und sozial ausgegrenzt werde. Um ich es kurz zu machen: Ich esse für mein Leben gerne die schwabbelige, schleimige Haut von gekochtem Huhn! So, Jetzt ist es raus. Früher, als es noch weniger Verständnis für Außenseiter wie mich gab als heute, habe ich manchmal in kleinem Kreis davon erzählt und feststellen müssen, dass Gesichter sich gelblich-grün verfärbten, ihre Besitzer schnell Richtung Balkon rannten oder sich direkt vor mir auf den Teppich erbrachen. Dann habe ich aus Scham und Angst jahrelang geschwiegen. Vielleicht wäre es besser, weiter zu schweigen. Ich kann doch aber nichts dafür! Es ist ja soo köstlich!

Montags begannen wir die Woche mit einem Klassiker, den es schon „ewig“ nicht mehr gab: Rote-Linsensuppe mit Curry, Tomaten und Kokosmilch (z.B. hier). Und weiter mit Klassikern, die es schon „ewig“ nicht mehr gab; am Dienstag Fischkroketten mit Tomaten-Mayonnaise.

Direkt vor der Küchentür wächst das Basilikum und hat mich den ganzen Sommer erfreut. Jetzt habe ich aber den Eindruck, dass es glaubt, seine Zeit sei vorbei. Und da ich ein Anhänger des selbst-bestimmten Sterbens bin, gabs am Donnerstag Pasta mit Basilikum-Pesto (wie seit geraumer Zeit nach Roberts Rezept). Und immer, wenn in München das Oktoberfest naht, stehen hier in den Supermärkten Truhen prall gefüllt mit bayrischen Köstlichkeiten; Leberkäse, Weißwürste, gebratene Ente, alles nett in Plastik verpackt und ordentlich verschweißt. Manchmal aber auch – an der Fleischtheke – wahlweise gepökelte oder ungepökelte Schweinehaxen. Gute Gelegenheit, am Mittwoch mal wieder eine Haxe im Ofen zu braten und mit gebrühtem Krautsalat und Brezen zu servieren (wahlweise auch frisch gebackene Vinschgerl, aber Brezen passen einfach besser).

Nach den Unmengen an furchtbar leckerer, furchtbar fetter, furchtbar knuspriger Haxen-Kruste gestern war am Freitag Tofu und Gemüse angesagt (beides irgendwie „übrig“), in Reispapier eingewickelt und sowohl als Wrap und auch als angebratene Dumplings serviert, zusammen mit Erdnuss-Sauce, Gurkensalat und Reis. Wenn man – wie wir am Samstag – Kartoffeln, Bohnen und Pesto rumliegen hat, dann macht alle Welt daraus Ligurische Pasta (komischerweise ohne richtigen blogbustertauglichen Namen). Ich bin im Moment so drauf, dass ich das, was alle Welt macht, auf keinen Fall mache. Man könnte wie Stephan Hentschel im SZ-Kochquartett was Edles daraus basteln – wenn man Lust auf Edles hätte. Oder sich einfach an Steph’s Anweisungen im Kuriositätenladen entlanghangeln und eine Salsiccia dazu braten – klappt! Und wenn irgendwer dazu auserkoren ist, einen Hype total zu verpassen und zehn Jahre später wuchtig aufzuspringen, dann bin das ich, aber ich scheine da nicht allein zu sein; so ein richtiger Blog-Buster ist es wohl nicht geworden. Am Sonntag also (nach langen 72 Stunden Teigreife) meine erste Pinsa, erst mal natur mit Tomate und Mozzarella, es kommt ja auf den Teig an, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich habe mich weitgehend an Roberts Rezept in lamiacucina gehalten, nur mit ein bisschen weniger Hefe und 50g Lievito Madre gearbeitet.

KW 35-22

Eigentlich ist es blöd geregelt. Wenn ein Mensch, also zum Beispiel ich, der gerne Mirabellen isst, vor einem Mirabellenbaum steht, der nur ganz wenige Mirabellen trägt (Stichwort Klimawandel, Stichwort Trockenheit, Stichwort WasWeißIch) und nur ganz kurze Arme hat und damit die drei noch verbleibenden Mirabellen auf keinen Fall nicht erreichen kann, dann ist das von der Evolution zumindest nicht ganz durchdacht. Man hätte der Gattung Sapiens ja zum Beispiel Teleskop-Arme wachsen lassen können, die ein Mensch in so einem Fall ausfahren und alle verbleibenden Mirabellen ernten könnte. Man hätte auch das Wachstum der Mirabellenbäume so beschränken können, dass ein Mensch, wenn er sich zum Beispiel auf die Zehenspitzen stellt, alle verbleibenden Mirabellen leicht ernten könnte. Man hätte zum Beispiel auch alles lassen können, wie es ist, und hätte nur diesen blöden Klimawandel weglassen müssen. Dann würden nämlich so viele Mirabellen wachsen, dass es ich lohnt, eine Leiter zu holen.

Jun Boy ist koreanisch/hawaiianisch, wenn man dem magentratzerl.de glauben darf. Das heißt wahrscheinlich nicht „junger Mann“ oder so ähnlich, obwohl das so gut zu mir passen würde. Aber es war dann trotzdem doch das geeignete Auberginen-Rezept für diesen Montag. Der Dienstag ist oft Fischtag, weil da der Fischwagen kommt. Auch dieses Mal, wobei der Fokus allerdings eher auf den Orangen-Rahm-Linsen liegt, diesmal mit Steinbeißer-Filet (ob gestreifter oder gefleckter Seewolf kann ich jetzt nicht mit Sicherheit sagen).

Der Schwabe in mir hat natürlich am Mittwoch (letzter Tag im August) darauf bestanden, aus dem 9-€-Ticket auch noch den letzten Rest auszuzuzzeln, was bedeutet: noch einmal zum versöhnlichen Abschluss – schöner Markt, kein Umsteigen, ich werde für immer von dem Ticket schwärmen – nach Uelzen. Der Plan war, einen Käse zu kaufen und Ausschau nach etwas zu halten, was abends auf dem Teller landen könnte. Ob es jetzt Karma war oder allgemeine Unlust – ich hab ein scheußliches Fischbrötchen gegessen, vergeblich meinen Lieblings-Käsestand gesucht und bin von einem sehr schönen sonnigen Ausflug völlig ohne Beute zurückgekommen. Damit war klar, dass es abends Pasta geben musste. Die Frage war nur: mit Tomatensugo oder mit Salbeibutter. Da aus Gründen keine Entscheidung gefällt werden konnte, gab es Pasta mit Tomatensauce und Salbei. Und am Donnerstag hätte ich beinahe eine Panikattacke erlitten: was, wenn die Sommer-Tomaten-Saison endet, bevor ich die Panzanella-Version von Ottolenghi (Tomaten-Brot-Salat mit Quinoa, Genussvoll vegetarisch S. 128 oder loeffelgenuss.de) probiert hätte? Für seine Verhältnisse ein sehr konventionelles Rezept; vielleicht hatte er Angst vor ernsthaftem Ärger mit seiner italienischen Großmutter. Lediglich eine homöopathische Menge Quinoa hat er sich nicht nehmen lassen. Und weil er meint, das sei „fast schon eine Hauptmahlzeit“ gabs noch einen kleinen Lammlachs mit Kräuterbutter dazu. [Der Karottensalat von magentratzerl.de musste mit aufs Bild, weil ich nochmal darauf aufmerksam machen möchte, dass dieses Rezept eigentlich wegen Suchtgefahr aus dem Verkehr gezogen werden müsste!] Und da ich den ersten Zwetschgenkuchen der Saison dokumentiert habe, sollte ich das wohl auch mit dem letzten der Saison machen,

Schon die ganze Woche über hatte ich Lust auf Schupfnudeln, aber bitte (noch) nicht mit Sauerkraut oder Weißkraut. Ideal für die letzten Bohnen war deshalb am Freitag eine Bohnen-Schupfnudel-Pfanne (mit Speck und Pfifferlingen) bei essen&trinken. Nur die Pilze waren schwer zu kriegen. Wahrscheinlich kamen Pilze in den letzten Jahren aus dem Wald bei Tschernobyl und da reißt gerade die Lieferkette ab. Damit sind auch die Bohnen aufgebraucht und für die letzten Mangoldblätter gab’s am Samstag nochmal Capuns, diesmal im Original mit Spätzlesteig und würziger Wurst (für Schwaben: Brodwurschdspätzle im Mangold-Mantel). Und bei der Jagd nach Pilzen ist mir ein Huhn über den Weg gelaufen: am Sonntag Hühnerfrikassee (wegen der Mehlbutter wie bei Tim Mälzer etwa so oder so, je nachdem wo die Brühe herkommt).

KW 34-22

Am Montag hatte ich beim Kochen dauernd ein Déjà-vu. Ich war mir sicher, dass ich Herrn Herrn Gerlachs Rezept für „Spaghetti al Limone mit Zitronen-Parmesan-Sauce“ aus dem SZ-Magazin vor ein oder zwei Jahren auf eine der ominösen Nachkoch-Listen gesetzt und seither nie mehr angefasst habe. Ausgegraben habe ich es, weil noch eine halbe Zitrone im Kühlschrank war. Und dennoch hatte ich dauernd das Gefühl, das hast du doch vor kurzem erst ⋯aber keine Spur davon im Blog. Hab ich das heimlich nachts⋯ oder⋯ ? Nein, gelesen hab ich’s, kürzlich bei Astrid unter dem Namen „Auf einer halben Zitrone kann man nicht stehen“. Aber egal, es geht eindeutig als Nudel der Woche durch (Obwohl sie erst gerade angefangen hat, die Woche.) Am Dienstag noch einmal ein 9-€-Ausflug zum Ise-Markt in Hamburg. Der Markt toll wie immer, die Reise so besch…eiden wie meist in den drei Monaten (Schwamm drüber). Gekauft habe ich einen deutschen Bio-Büffel-Mozzarella, ein paar Amalfi-Zitronen, eine Kiste sehr leckerer Feigen, Knoblauch und Chili. Fisch oder Fleisch kann man ja leider bei den Temperaturen und Fahrzeiten schlecht kaufen und transportieren – am Angebot lag’s definitiv nicht. Gegessen habe ich natürlich wieder zwei Natas, wobei eine Hamburgerin meinte, der Bäcker im Portugiesen-Viertel hätte noch bessere Pasteis, was ich nicht beurteilen kann, aber jetzt erstmal einfach nicht glauben kann und werde. Und obwohl ich vorhabe, auch in Zukunft noch ein paar Fischbrötchen zu essen, möchte ich mich weit aus dem Fenster legen und behaupten, dass ich heute das beste Matjesbrötchen meines ganzen Lebens gegessen habe! Abends gab es dann einen Bio-Büffel-Caprese und Pasta e Fagioli mit getoastetem Polentakrüstchen (diesmal wirklich zwei kleine Brote und nicht im Topf).

Aufräumen ist ja so eine Sache. Ich zum Beispiel mag’s schon ganz gerne aufgeräumt, bin aber von Natur aus nicht der große Aufräumer; das führt natürlich hie und da zu Konflikten. Beim Aufräumen der Nachkochliste – ein Projekt, das sich jetzt schon über Jahrzehnte hinzieht und immer wieder von unerklärlichen Kreativ-Pausen unterbrochen wird – habe ich am Mittwoch Capuns vegetarisch entdeckt, die mich damals bei lamiacucina beindruckt haben. Spätzlesteig mit Gemüse im Mangold-Mantel – Robert hat natürlich auch viele andere Capuns im Angebot: Standard, veredelt, vegetarisch, mit Zander, mit Pilzen – einfach Capuns im Stichwortverzeichnis anklicken und Mangold ernten. Bei uns gab’s dazu Couscous mit einem Hauch Amalfi-Zitrone – s.a.g.e.n.h.a.f.t! Und am Donnerstag – letzter? heißer Tag des Jahres – noch schnell einen Schweizer Wurstsalat mit Butterbrezen (Ursprünglich Deichrunnersküche, hier das Rezept).

Am Freitag bat Frau T. darum, aus dem wahrscheinlich letzten Zucchino im Garten noch einmal die Zucchini-Waffeln aus lecker.de zu machen, mit einem gemischten Salat und einem Joghurt-Dip mit Minze und Zitrone. Nein, nicht Zitrone, Amalfi-Zitrone (g.r.o.ß.a.r.t.i.g). Am Samstag durfte ich als Strohwitwer endlich mal alleine entscheiden, also seit langem mal wieder Pommes (aus der Pfanne) machen, von denen Frau T. in unerschütterlichem Irrglauben denkt, sie seien „zu fett“; also Hähnchen-Schenkel mit „kalten“ Pommes. Am Sonntag schließlich führten die Umstände – ich hatte am Wochenende größere Mengen Tomatensugo zubereitet, im Kühlschrank wartete noch ein riesiger halber Bio-Büffel-Mozzarella auf seine Verwendung und im Garten wuchsen süße kleine Auberginen heran – unweigerlich zum Rezept der Hochstaplerin zu der gestapelten Parmigiana bei Arthurs Tochter.

KW 33-22

Wenn ich ein Huhn wäre, sagte der freundliche ältere Mann, als ich die Augen aufschlug. Wenn ich ein Huhn wäre, sagte er, dann würde ich gerne bei uns auf dem Geflügelhof leben, denn da geht es den Hühnern richtig, richtig gut. Quadratkilometerweise unberührte Natur, ideal zum Gackern und Scharren und was Hühner halt so machen. Jeden Morgen schwärmen Dutzende von Mitarbeitern (in grünen Schürzen) aus, um nach geeigneten „Stellplätzen“ Ausschau zu halten. Nein, keine Angst, Hühner reisen gerne. Vor allem wenn die Hähne zuhause bleiben! Nein, Scherz, die Hähne dürfen natürlich auch mit, Sozialverhalten und so. Und ein weiteres Dutzend Mitarbeiter schuftet derweil seit Morgengrauen auf den Feldern, um genügend astreines Bio-Futter für alle herbeizuschaffen. Auch ohne Zaun würde uns keines unserer Hühner freiwillig verlassen, Ehrenwort, das werden Sie auch bei Ihrem Frühstücks-Ei schmecken. Sagte er und fächelte mir Luft zu, weil ich wohl vorher kurz in Ohnmacht gefallen war, als er mir den Preis für meine zehn Bio-Eier nannte. Gott sei Dank läuft das 9-€-Ticket bald aus. Mehr Ausflüge wie der am Samstag zum Wochenmarkt in Celle will ich meiner Gesundheit nicht zumuten.

Risiko am Montag. Im Lecker-Newsletter gabs vor kurzem Sellerie-Puffer mit Pflaumenkompott. Skeptisch war ich schon, aber eine halbe Sellerieknolle war noch von irgendwas übrig und Pflaumen (Zwetschgen) wachsen am Baum. Allerdings habe ich weder Kokosblütenzucker noch Johannisbrotkernmehl im Vorrat, aber notfalls gibt’s halt ein Wurstbrot. Schließlich hab ich Brot gebacken und Wurst gekauft – das wird schon. Und ich habe mich dann in letzter Minute statt für das süße Kompott für ein Zwetschen-Chutney entschieden. Challenge am Dienstag. Im Kühlschrank gibt es noch Mozzarella und Ricotta. Im Garten wachsen Zucchini und Tomaten. Ganz hinten im Garten wuchert Minze und gleich vor der Küchentür Basilikum. Voila: Insalata Caprese und Marinierte Zucchini auf Ricotta mit Haselnüssen und Minze ( 🌶 ). Schön, wenn dann noch ein Wurzelbrot im TK schlummert.

Am Mittwoch der wahrscheinlich letzte warme Tag des Jahres – wie ich das Wetter kenne fällt es ja von einem Ekzem ins andere. [Hoffentlich lesen hier keine Sprach-Koniferen mit.] Also Grüner Salat, Tomaten-Bohnen-Salat und Zucchini-Flammkuchen, bald gibt es wieder Schmorgerichte. Und siehe da, der Donnerstag war – gefühlt – der kälteste Tag des Jahres: kaum 24°, brrr. Aber was solls, trotz allem bestimmen Keller und Garten den Speisezettel: Spaghetti mit Salbeibutter und Rotkohl-Salat (mit Grapefruit, Mandeln, Feigen und Ziegenkäse). Am Freitag dominieren immer noch Keller und Garten, angereichert von Bratwürstchen vom Metzger: Grüne Bohnen mit Parmesan und Pinienkernen (e&t 6/93, hier das PDF), Gelber Mais, Braune Kartoffeln und Rote Tomaten.

Es gibt im Feedreader Rezepte, die rauschen so ein einem vorbei und sind dann für immer weg. Und dann gibt es Rezepte, die landen auf irgendwelchen Listen (wichtig: Listen, nicht Liste) und sind dann für immer weg. Und dann gibt es welche, da denkt man Ooch ja, Hmmh, und Nee und gerade die setzen sich dann in den Synapsen fest. Und dann kommt man vom Metzger zurück, wo man eigentlich nur ein oder zwei Bratwürstchen kaufen wollte, und hat einen Sack voll Rumpsteak dabei. Schuld an all dem ist , wie immer, Arthurs Tochter Kocht: bereits am Samstag also Garlic Butter Steak Bites. Aber ich muss sie auch ein bisschen loben; die Garzeiten haben exakt gestimmt, die Pilze waren eine wirklich gute Idee und das Kartoffelpüree mit Zitrone hat sehr gut gepasst, war für mich neu (ich bin halt ein Bub vom Land). Da sie aber vergessen hat, irgendwas mit Tomaten zu machen, obwohl sich im Keller die Tomaten türmen, musste ich das am Sonntag ganz alleine machen: Panzanella mit Pfifferlingen, Stangensellerie und jeder Menge kleinen Tomätchen (weitgehend wie der Brezensalat vom SZ-Magazin).

KW 32-22

So. Ich werde jetzt die Ernährung umstellen müssen. Was ist schon langweiliger als „Schnitzel, Pommes und Salat“. Was ist einschläfernder als „Mangold, Karotten, Kichererbsen“? Eben. In der SZ habe ich jetzt gelesen, dass es in München ein neues Lokal gibt; das Restaurant „Zum alten Markt“ bietet (offensichtlich ganz ordentliche) bodenständige Heimatküche an. Dass die Vorspeisen unter „A Mongdratzerl“ laufen und die Desserts unter „Was Sias zum Schluss“, das kennt man ja – meist mit einem oder mehr Apostrophen zu viel. Aber bei der Aufstrichplatte „I schmier da oane“ habe ich zum ersten Mal gestutzt. Und wenn der Schweinebraten als „Saustall“ daherkommt und der Zwiebelrostbraten als „Rindvieh“, dann denkt man doch: da geht noch mehr. Ich würd ja gern hinfahren, aber die machen jetzt erst mal Sommerurlaub. Also bleibt nur noch mein Wunsch (auch an Foodblogs): Lasst’s euch was einfallen, seid’s kreativ, es muss ja nicht unbedingt „Fisch ahoi“ sein. Ich werde also jetzt nur noch Gerichte essen, die einen ordentlichen Namen haben. Mal schauen, wann ich verhungert bin.

Wenn man am Samstag nur die Blätter des Mangolds verwendet und die Stiele nicht schon am Sonntag auf dem Kompost wirft, dann kann man am ersten Tag der Woche (den manche Menschen auch Montag nennen – aber ich kann ja nicht immer gleich anfangen) die Mangold-Quinoa-Puffer (sonachgefuehl) braten und auch gleich nochmal die leckere Tahini-Joghurt-Sauce und eine Paprika-Tomaten-Salsa (ebda.) dazu reichen. Und wenn man am Samstag gedankenlos einen Spitzkohl gekauft hat, dann muss man sich spätestens am Dienstag etwas einfallen lassen: Gerösteter Spitzkohl mit Estragon und Pecorino (Ottolenghi Simple, z. B. bei zeitfensterblog) mit Kartoffeln. Und außerdem der erste Zwetschgenkuchen der Saison.

Am Mittwoch „Wos fia Zuazzla“, aka Weißwürste mit Brezen, süßem Senf und Weißbier, allerdings – leider – ohne weiß-blau karierte Tischdecke. Am Donnerstag mal wieder Pfannkuchen mit Lauchgemüse, und am Freitag ein Schweine-Kotelett (nach Alphons Schuhbeck, Link verloren, aber bei 321kochen.tv identisch) und Kartoffelsalat mit Linsen und grünen Bohnen (ellerepublic).

Am Samstag die von paules.lu übernommenen Fleischbällchen auf Spaghetti mit Tomatensauce (mein aktuelles Lieblings-Sugo-Rezept, obwohl ich nicht glaube, dass es am Rezept liegt – die sind ja irgendwie alle gleich, sondern an den Tomaten. Obwohl ich nicht glaube, dass es an den Tomaten liegt – das sind ja irgendwie die gleichen wie letztes Jahr, sondern – Tusch! – am Klimawandel! Der Klimawandel scheint den Tomaten in norddeutschen Gärten äußerst gut zu tun. Gut, ich weiß natürlich, dass es da auch das eine oder andere kleinere Problem gibt, aber hey – ich freu mich mich jetzt einfach mal über das Sugo.) Am Sonntag dann Geschmorter Rotkohl mit Spätzle (wie bei KrautKopf).

KW 31-22

Am Montag war tatsächlich der erste August, was nicht weiter schlimm wäre, wenn damit nicht auch mein 9-€-Ticket plötzlich ungültig geworden wäre. Und jetzt stellt sich die Kardinalfrage: Noch eine? J-ein. Ich brauche noch Bedenkzeit. Bisher habe ich immer einfach das Auto benutzt, weil der ÖPNV hier in der Region nicht nur nicht funktioniert, sondern auch ziemlich teuer ist. Das zweite Argument fiel ja nun flach, aber das erste hat – oft – mit voller Wucht zugeschlagen. Wenn Züge nicht nur nicht fahren, sondern auch noch überfüllt sind, wenn alle grundsätzlich zu spät kommen, wenn Gleise stillgelegt werden müssen, weil sie vor hundert Jahren zum letzten Mal gewartet wurden, wenn Lokomotivführer fehlen, weil sie schlecht bezahlt werden und sich dann vielleicht noch mit Corona anstecken, dann macht das alles nicht so sehr viel Hoffnung. Vielleicht in der Stadt, aber bis das hier auf dem Land was wird, wird’s mich nicht mehr geben. Es sei denn wir holen alle (drei?) Panzer aus der Ukraine zurück, marschieren in der Schweiz ein und entführen ein oder zwei Bahn-Experten. Dann könnte es vielleicht noch klappen, freiwillig würden die sich das ja nicht antun. Japan wäre noch eine Möglichkeit, aber dazu bräuchten wir ja eine funktionierende Marine ⋯

Spaghetti mit Tintenfisch und Cocktailtomaten (bella-cucina.de) machte am Montag den Anfang und war auch gleichzeitig das Abschiedsessen für die Gäste (weshalb es hinterher auch noch einen Flan gab – sollte man öfter mal machen). Am Dienstag gab es dann Reste, Überbleibsel und Zuviel-Gekauftes: Pikanter Tintenfisch (ichkoche.at), Fenchel in der Pfanne (tobias kocht), Bohnen-Tomaten-Salat (eine aktuelle Anregung von elle republic) und zerdetschte Kartoffeln (Knusprige platte Ofenkartoffeln, 🌶).

Für Mittwoch und Donnerstag sind hohe Temperaturen angesagt. Also gut durchlüften, dann Fenster und Türen schließen, alle Zimmer abdunkeln und vor allem: das Haus nicht verlassen. Höchstens früh morgens kurz in den Garten, um Gemüse zu ernten – wir wollen ja schließlich nicht verhungern. [Man kann diese Handlungsanweisung schon mal kopieren und für die nächsten 20 Jahre ausdrucken. Nur Gemüse könnte schwierig werden, wenn das mit der Trockenheit so weitergeht.] Am Mittwoch war es gar nicht so schlimm; schon warm, aber mit einem angenehmen Wind. Somit hatte ich abends noch genügend Power das verlangte Risotto mit Karamellisiertem Fenchel zu machen. Irgendjemand hat in unserem Zweipersonenhaushalt den Keller mit jeder Menge Fenchel vollgepackt. Ich war es nicht, also kann es – wenn es nicht „jemand anderes“ war – nur der Weihnachtsmann gewesen sein, der allerdings nur selten in einer Hitzewelle auftaucht, weil er dazu einfach viel zu warm angezogen ist. Hmmh. Aber weiter: in Zeiten wie diesen ist ja oft nicht entscheidend, was man gerne essen würde, sondern was ohnehin im Haus und ohne allzu große Anstrengungen zu erreichen ist. Wenn sich beides annähert, gibt es keinen Grund sich zu beschweren. Donnerstag: Spaghetti mit Zitronen-Kräuter-Bröseln (aktueller lecker.de-Newsletter) und Fenchelsalat mit Orangen.

Am Freitag gab es hauptsächlich Salat (mit Gurke, Tomate, Paprika, Radieschen, Stangensellerie, Rucola, Petersilie, Schnittlauch, Estragon und Oregano – wenn ich mich recht erinnere) und damit es nicht gar zu gemüsig-salatig wird noch Ofenkartoffeln, Pimientos de Padrón und pro Nase eine Salsiccia. Am Samstag dann ein Couscous (wie in letzter Zeit immer mit Zitrone und Minze) und ein offenbar von sonachgefuehl abgewandelter Ottolenghi: Mangold mit Tahini-Joghurt-Sauce. Am Sonntag die abgeholte Zicklein-Keule. Im Internet sind von 150°/30min bis 220°/4h alle Gargrade vertreten. Da der Ziegen-Peter mir eingeschärft hat: Bloß nicht über 150°! und da sich das mit dem Rat von brotwein deckt, habe ich mich für den Römertopf entschieden. Dazu Spätzle (endlich mal wieder), Saubohnen und Zucchini.

KW 30-22

Ja. Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. Das Medien-Sommer-Programm lässt ein wenig zu wünschen übrig. Weder Krokodile*) noch Piranhas im Baggersee, gerade mal – vielleicht- ein Känguru am Ammersee. Ansonsten nur Krieg, Krise, Brandgefahr. Ach ja, und Covid. Da lohnt ein Blick auf die Insel. In Schottland zum Beispiel wurde in Ardtornish die First Scottish Tree Hugging Championship ausgerichtet. Bilder bei der BBC, bewegt auf youtube. Gewonnen hat übrigens Alasdair Firth, ich glaube wegen seines Outfits. Und The Week**) berichtet auch, weiß aber noch mehr Interessantes: „Ham roll makes man fart for five years“ und Neuigkeiten über das „Uncontrollable Hair Syndrome“. Okay, jetzt geht es mir ein wenig besser.

*) doch, in Bautzen zum Beispiel.
**) übrigens mit dem Wahlspruch: All you need to know about everything that matters.

Die Woche begann warm, sehr warm, fast zu warm. Das Baguette de Luxe (am Montag) kann man aber schon morgens vorbereiten, wenn es noch kühler ist – wenn man mal vom Backofen absieht, in dem es sich das frische Brot bei 250° gemütlich macht. Aber das lohnt sich. Fotografiert habe ich also nur das Brot; denn mal ehrlich: was wäre ein Sandwich ohne Brot? Dienstag war wieder einmal Fischtag – Fischpflanzerl (nach einem Rezept von A. Schuhbeck – bis auf die Fischsorte wie hier) mit Kartoffelsalat (auch Schuhbeck – so ziemlich wie hier) und anschließend eine Mousse au chocolat.

Am Mittwoch gab es mit Poularde in Thymian-Wermut-Sahne eines meiner Lieblingsgerichte, weshalb ich auch eigens eine Ciabatta gebacken habe, um die leckere Sauce aufzutunken. Am Donnerstag kam der Sommer (ein wenig) zurück und deshalb gleich noch ein Lieblingsgericht: Spaghettini mit gebratenen Zucchini-Streifen und roher Tomatensauce. Wenn ich mir das so überlege, dann hab ich ziemlich viele Lieblingsgerichte. Vielleicht bin ich einfach nur gefräßig?

Am Freitag bin ich über ein Rezept gestolpert, das dann auch gleich realisiert werden musste: der Sticky Sesam Tofu mit Süß Sauer Sauce, mit Reis, Mangold aus der Pfanne und ein Chicoree-Orangen-Salat. Da der Reis nicht aufs Bild gepasst hat, muss man sich den dazu denken – weiße Körner, die in einem Topf „nach Packungsangabe“ zubereitet wurden. Am Samstag war dann eine der letzten Möglichkeiten das 9-€-Ticket aufzubrauchen. Also ab nach Uelzen (ohne Umsteigen, ohne verpasste Anschlusszüge, ein bisschen Sonne – alles toll). Bestellt habe ich eine Zicklein-Keule, gekauft mehr als ich tragen konnte. Zum Beispiel Spitzkohl, Karotten und Hühnerflügel für Chicken Wings, Coleslaw und Brezen. Die Brezen habe ich aus Versehen mit Weizenmehl 1050 gemacht. Hier im Norden könnte man das als Spezialität verkaufen, aber wir haben ja Gäste aus dem Süden! Sie haben auch die Brezen gelobt, brave Gäste, Sonntag ein Ottolenghi-Fest mit Fladenbrot, Knoblauch-Hummus mit Pilzen, Dreierlei Sellerie, Heiße Tomaten auf kaltem Joghurt (z.B. bei Arthurs Tochter), Kohlrabisalat und was weiß ich.

KW 29-22

Wenn man sozusagen als Expat in einem fremden Land lebt – wie ich zum Beispiel als Schwabe in Niedersachsen – und die Landessprache nicht ausreichend beherrscht, dann kommt es unabdingbar hie und da zu Missverständnissen. Zu Beginn war das zum Beispiel die Semmel, die ich aus Bayern als Frühstücksbrötchen mitgebracht hatte, und die sich hier als riesiger Hefeteig-Rosinen-Laib herausstellte. Vielleicht war das der eigentliche Grund, dass ich zu backen angefangen habe – mir geht das Wort „Brötchen“ immer noch nur sehr schwer über die Lippen. Und jetzt im Moment versteht mein Metzger den Unterschied zwischen die Veschba und das Veschber nicht. Dabei wäre es doch ganz einfach. Die Vespa war das Traumgefährt meiner Jugend und das Vesper wird immer mehr zum (genauso wenig erreichbaren) Traum-Gericht meiner reiferen Jahre. Gerade jetzt, bei den immer häufiger werdenden etwas wärmeren Temperaturen, wäre so ein schwäbischer Vesperteller doch ideal. Aber, wie gesagt, mein Metzger versteht nicht, was ich meine. Koi Presssack im Angebot, koi Baurabrodwurschd, koi Bachstoikäs, koi gar nix. Was solle bloß mache? Sei Ochsamaulsalädle isch scho au gud, aber des langt halt hinne un vorne net für a Veschber-Brettle.

Am Montag reichte die Koch(un)lust gerade noch für Spaghettini mit Krebsfleisch. Morgens schon hatte ich den Salat aus glasierten Karotten gemacht, von dem magentratzerl.de sagt, er hielte sich ein paar Tage im Kühlschrank. Leider habe ich der Familie gesagt, wo er steht – da war er auch schon wieder weg.

Der Dienstag war schon ganz schön warm, aber mit einem Schweizer Wurstsalat, frisch gebackenem Brot und einem Weißbier schon noch auszuhalten. Das Wort Salat scheint es mir im Moment angetan zu haben, denn am Mittwoch gab es einen Spanischen-Thunfisch-Kartoffel-Salat aus einem kleinen Büchlein mit dem Titel Tapas, das ich wohl vor vielen Jahren für 3,99€ erstanden und seither ignoriert haben muss. Und nein – es ist kein ensaladilla rusa, also ohne Mayonnaise. Das Rezept gibt es wortwörtlich bei kochbar.de. Und weil trotz Hitze morgens eine Zucchini geerntet werden wollte, gabs zusätzlich noch In Olivenöl gebraten Zucchini (wie bei ichkoche.at). Und es war am Mittwoch tatsächlich noch wärmer als am Dienstag – hab ich schon erwähnt, dass ich gegen den Klimawandel bin? – weshalb wir uns entschlossen, zunächst mal einen Salat aus Wassermelone, Feta und Pinienkernen zu essen (Rezept und Bild gibt’s bei ziikocht.at)

Der Donnerstag war dann vergleichsweise richtig kalt – ich darf doch aber gar nicht heizen! Pasta hilft jedoch fast immer: Rigatoni mit Knoblauchsauce und Mangold (ähnlich wie hier). Am Freitag mit Zucchini-Waffeln (lecker.de) und Fenchel-Orangen-Salat (SZ-Magazin) wieder etwas sommerlicher.

Am Samstag wieder ein 9€-Ausflug nach Uelzen. Beute waren u.a. Hühnerflügel (aka Chicken Wings) und ein Spitzkohl und ein paar Möhren für den dazugehörigen Cole Slaw war – weil mindestens ein Zug wegen eines kurzfristigen Personalausfalls bei der Deutschen Bahn leider ausfallen musste – ein Besuch auf dem lokalen Markt angesagt. Dort gibt es auch Hühner, aber Flügel nur mit Tier. Also auch keine Chicken Wings, sondern Chicken Teriyaki mit Reis und ein paar Ingwer-Möhren. Am Sonntag war Besuch angesagt. Da man heutzutage ja nie weiß, wer was wann warum nicht isst: Bulgurbällchen mit Zitronen-Couscous sind zumindest mal vegetarisch und wenn man das Ei weglässt (weglassen muss) auch vegan.

KW 28-22

Das 9-Euro-Ticket ist noch nicht verbraucht.. Die Wettervorhersage vorhersagt hohe Temperaturen (im Süden) und zum Beispiel angenehme 20° in Kiel. Fahr ich halt nach Kiel. Gut, Kiel ist nicht gerade ums Eck, aber ich glaube nicht, dass es Geld zurück gibt, wenn das Ticket am Ende des Monats noch wie neu ist, und einen Markt – den Markt auf dem Exerzierplatz – gibt es da auch. Also los! Die Hinfahrt – um 6:21 – ging eigentlich auch ganz gut. Bis auf 7:33 Radbruch. Nein, mir ist nichts passiert! Radbruch ist ein fahrplanmäßiger Halt zwischen Lüneburg und Hamburg. Ärgerlicher war da schon 8:22 Zug fällt aus – Notarzt-Einsatz auf der Strecke. Die Bahn gibt sich wirklich alle Mühe, aber alle Züge? Das wär schon ziemlich viel verlangt – in einer Stunde fährt doch schon der nächste, stellt euch halt nicht so an. Auf der Rückfahrt werden wir euch mal zeigen, was Verspätungen sind, und ausgefallene Züge und verpasste Anschlüsse. Sagt schon mal zuhause Bescheid, dass ihr später oder gar nicht kommt! Und bis dahin genießt die Fahrt und meckert nicht! Okay, über die Rückfahrt will ich den Mantel des Schweigens ausbreiten, nur noch kurz anmerken, dass das Wetter ⋯ Nein, ich werde nie mehr über das Wetter reden oder schreiben, nachdem ich (im Zug) gelesen habe, wie Franz Werfel das macht: »Der Himmel war überall zugewachsen und zeigte keine schamlos nackten Stellen mehr. Die Wolken eilten nicht länger dampfweiß und scharf gerändert, sondern lasteten unbeweglich tief und hatten die Farbe schmutziger Möbelüberzüge. Eine Windstille wie aus dickem Flanell herrschte ringsum. ⋯ Jedes Geräusch war aufgetrieben und undeutlich, als erzähle die Welt die Geschichte dieses Tages mit vollem Munde

Am Montag gab es aus terminlichen Gründen nichts zu essen, das heißt jeder nimmt sich, was er kriegen kann. Ich zum Beispiel ein halbes Hühnerbein und ein Käsebrot. Und eines sage ich euch: Wenn das Brot gut ist und der Käse gut, spricht nichts dagegen, dass auch das Käsebrot gut wird! Das Zanderfilet, das mir die freundliche Fischfachverkäuferin am Dienstag ans Herz legte, brauchte ich nur noch zu würzen, die Haut einzuschneiden und leicht zu bemehlen. Nach drei Minuten scharfem Anbraten auf der Hautseite, war der Fisch so weit, dass er umgedreht in der ausgeschalteten Pfanne zu Ende garen konnte und dann mit den restlichen Saubohnen, dem ersten Garten-Zucchini und Kartoffeln serviert wurde. Am Mittwoch fuhr ich schnell nach Kiel um auf dem Markt Blumenkohl zu kaufen, damit es abends den Blumenkohlsalat mi Falafel aus dem Lecker-Newsletter geben konnte. Nur ein kleiner Tipp: wenn man rohe Kichererbsen über Nacht einweicht, braucht man weder Ei noch Semmelbrösel, damit die Freundchen zusammenkleben.

Am Donnerstag Rührei auf geröstetem Bauernbrot mit Kieler Sprotten. Am Freitag ein Brezensalat mit Fenchel, Tomaten und Reherl (SZ Magazin). Der Behauptung des Autors, dass eine bayrische Breze halt mehr Aroma hätte als ein toskanisches Weißbrot, kann ich nur zustimmen. Wie das natürlich bei gekauften Brezen ist, kann ich nicht (mehr) beurteilen.

Am Samstag panierte Schnitzelchen aus Schweinefilet und Bohnen mit Pimentón (im Netz nur noch auf Englisch), Fenchel mit Pinienkernen und Tomaten (lamiacucina) und neuen Kartoffeln. Sonntag mussten Möhren aufgebraucht und Mangold möglichst geerntet werden, also Mangold-Möhren-Puffer (lecker.de)

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