Oimohl in dr Woch nov.4

Mit dem Lernen ist das ja so eine Sache; als Pennäler tät man ja gern was lernen, wenn’s nicht so höllisch öde und so furchtbar irrelevant wäre. Drei-drei-drei bei Issos Keilerei. So what? Aber gemach, liebe Schüler, gemach! Der Herr Lehrer würd euch das doch niemals erzählen, wenn ihr nicht auch daraus etwas lernen könntet, wenn vielleicht auch etwas völlig anderes als gedacht! Eines von vielen Beispielen aus meinem ereignisreichen Leben: Erst kürzlich wurde mir im Spanisch-Unterricht folgendes Telefongespräch vor die Füße geworfen: ¡Auxilio, Pedro! Usé el teléfono nuevo de Carla para matar un insecto y lo rompí sin querer. ¿Me ayudas arreglarlo? [Hilfe, Pedro! Ich habe Carla’s neues Telefon benutzt, um ein Insekt zu töten und habe es dabei aus Versehen zerstört! Hilfst du mir, es zu reparieren?] Ihr denkt jetzt, das sei doch weltfremd und überhaupt… Der Lehrer will euch beibringen, dass es sich bei ¿Me ayudas? nicht unbedingt um eine Frage sondern um eine – je nach Situation – freundliche oder verzweifelte Aufforderung handelt. Und das kann dir tatsächlich schnurze-piep sein, weil – anders als im Englischen – ein deutsches Hilfst du mir? eine ähnliche Bedeutung hat. Was du aber wirklich daraus lernen kannst, ist Empathie. Stell dir vor, du bist fünfzehn oder sechzehn und männlich und du hast es endlich geschafft, die hübsche Carla aus der Parallelklasse in ein Café einzuladen. Dafür, dass sie immer eine hochnäsige dumme Pute war, unterhaltet ihr euch wirklich gut und sie zeigt dir voller Stolz ihr neues Handy und wie toll man damit TikTok gucken kann. Weil ihr schon zwei Tassen Kaffee getrunken habt, legt sie nach einiger Zeit das Handy auf den Tisch, sagt, sie müsse mal schnell, und du siehst ihr nach, wie sie sich aufrecht und atemberaubend entfernt, und du würdest jetzt gern die Augen schließen und von mehr träumen… Aber es ist Herbst. Und ihr seid in einem Café. Und in einem Café gibt es Kuchen. Im Herbst vor allem Zwetschgenkuchen. Und wo es Zwetschgenkuchen gibt, gibt es Wespen. Vielleicht ist sogar Spätherbst, wo die Wespen merken, dass ihre Zeit zu Ende geht und sie zu allem Überfluss auch noch böse und gemein werden. Auf jeden Fall greifst du, als so ein Biest sich auf deine Nase setzt, nach dem erstbesten Gegenstand… du weißt, worauf ich hinaus will und du weißt, dass es dir nichts helfen wird, dass du es getan hast, ohne es zu wollen – sin querer, du brauchst jetzt dringend jemand, der in maximal zwei Minuten kommt und alles wieder in Ordnung bringt. Und wie schaffst du es, dass der wirklich kommt? Denk da mal drüber nach, zum Beispiel auch auf Spanisch. [Aber bitte nicht so wie in der nächsten Lektion : ¡Yo no lancé tu teléfono al mar, fue un accidente! – Ich habe dein Telefon nicht ins Meer geworfen, es war ein Unfall!]

Am Meenig, wie mer im Schwobeländle sagt1), „musste“ die Steckrübe verarbeitet werden: Orientalischer Steckrüben-Eintopf mit Kichererbsen (kuechenlatein). Un au am Deischdig „musste“ aufgebraucht werden, nämlich Reste vom Winterlichen Biergulasch am Sonntag.

1) Nach meiner Erinnerung, es scheint da auch gewaltige regionale Unterschiede zu geben.

Und jetzt muss ich gestehen, dass es in meiner Jugend offensichtlich nie einen Mittwoch gab; dass jemand „Mittwoch“ gesagt hat, kann ich mir nicht vorstellen, aber Migda, wie mancherorts behauptet, hieß er auf jeden Fall nicht – vielleicht so: am Middwoch hemmer im Gaarde Rosekohl gholt und die Rosenkohl-Zitronen.Pasta von SchoenerTagNoch gekocht. Da ich aber ein Freund von Speck bin, und der Speck ein Freund von Rosenkohl (man muss nur mal zuerst „Rosenkohl mit Speck“ und dann zum Beispiel „Rosenkohl mit Erdbeermarmelade“ googeln, und man wird sehen, dass der Speck eindeutig die Nase vorn hat), habe ich den Rosenkohl erst blanchiert und dann mit Speck gebraten. War lecker, vor allem zusammen mit dem Asiatischen Gurkensalat (auch von Juliane), für den ich nicht genug Gurke hatte und mit Tomaten auffüllen musste. Am Dorschdig hadds ebbes Bayrisches gäbbe: Bayrisches Eisbein, Wirsing und Meerrettich-Sauce (wie hier, aber mit einem Grünkohl-Wirsing-Mix).

Pilze müssen weg, Eier, Mehl und Milch sind noch da; am Freidig also Pfannkuchen mit Pilzgemüse (hier). Auch am Samschdig musste was weg, nämlich der halbe übrige Wirsing. Und hier deutet sich auch schon der Niedergang des Blogs an. Keine Zeit und keine Lust, was Neues auszuprobieren, also einfach nochmal dieselben Wirsing-Rouladen, aufgepeppt mit Vitelotte, die KathaKocht als Teil einer Tapa-Party serviert. Auch am Sunndig nichts Neues, aber jetzt endlich mit schwarzem Reisessig: Cerdo Hiphop.

Unha vez á semana nov.3

Eigentlich, also ganz tief innen, bin ich ja Tierfreund. Und ich verstehe auch sehr gut, dass für eine ordentliche Portion – sagen wir mal – Flank Steak so viel Futtermittel angebaut werden muss, dass man damit eine ganze Schulklasse zwei Wochen vegan ernähren könnte. Und ich versuche auch, die elende, klimaschädliche Pupserei nicht kleinzureden und die ekligen Haltebedingungen nicht zu vergessen, die teilweise noch schlimmer sind als in den Flüchtlings-Auffanglagern. Und am allerliebsten esse ich ja Tofu und Seitan und trinke Hafermilch, zumindest hie und da halt. Aber ich finde, man darf es mir auch nicht zu schwer machen: Auf ARTE gibt es die Sendung Re: Oktopus aus Massenzucht. Es ist irgendwie schlimm; in Galizien (wahrscheinlich nicht nur dort) stirbt der Tintenfisch aus. Das ist schlimm für die galizischen Fischer, denen der Job wegbricht, und schlimm für die galizischen Köche, die in den Sommermonaten ihre Familie mit tausenden Portionen Pulpo a la gallega das ganze Jahr über durchbringen müssen und schlimm für die Tintenfische, die entweder mal nach den Dinosauriern schauen (aka aussterben) oder sich mit einem Leben im Schwimmbecken anfreunden können. Normalerweise wär ich jetzt wütend und traurig und verzweifelt und – aber diesmal nur hungrig. Die Sendung fängt an mit glücklichen spanischen Touristen auf sonnenbeschienenen Terrassen, die mit seligem Lächeln vor Tellern voller Pulpo a la Gallega aller Macharten sitzen. Wenn mir das Wasser im Mund zusammenläuft, kann ich mich ganz schlecht auf Probleme konzentrieren. Hätten die nicht ein paar deutsche Rentner zeigen können, die angewidert den Blick abwenden? Ich weiß, es hilft nicht, aber für alle Touristen, für alle Fischer, für alle Köche und last but not least für alle Tintenfische mach ich eine galizische Woche.

O luns, como din en Galicia, war der Schreck groß. Kein Mensch hat am Wochenende an das Projekt PS-TK 2022 gedacht (Platz Schaffen in der TiefKühl-Truhe, zweitausend zweiundzwanzig)! Besser spät als nie (auf Galizisch übrigens: Máis vale tarde que nunca)! Sowohl die Gulaschsuppe als auch Brezen und Weizenkleie-Bürli sind somit entsorgt oder doch deutlich reduziert. Eigentlich mag ich keinen gedämpften Fisch, und schon gar keine gedünstete Dorade, aber zusammen mit Bulgur und Tomaten, und wenn Herr Ottolenghi es empfiehlt? O martes also Steamed bream, red bulgur and spicy pine nuts (Guardian).

O mércores gab es Mühlviertler Speckknödel plus Salat von gerösteten Möhren, Fenchel und roten Zwiebeln; wenn jetzt jemand wissen will, wer auf diese aparte Kombination kam, hier – wahrscheinlich waren dieselben Gemüse im Haus. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, es gibt keinen Blog ohne ein Rezept für Butter Chicken. Sucht euch eines davon aus (z.B.: germanabendbrot), es lohnt sich. Bei uns o xoves also Butter-Saucen-Hühnchen mit Fladenbrot (eigentlich ja Naan, aber naan ja).

Da ich Karotten gekauft habe, obwohl noch welche da waren, und ich forsch „da fällt mir schon was ein“ gesagt haben soll, konnte ich natürlich o venres nicht „irgendwas“ kochen; die Lösung: Carotte à la bonne mère (hier, ein uralter Familien-Klassiker) mit Kartoffelpüree und Bratwürstchen. Und weil Frau T. o sábado Linsensuppe essen wollte, sagte sie einfach, da sei noch Kokosmilch im Kühlschrank, die ja wohl weg müsse; sie lernt schnell: Rote-Linsensuppe mit Curry, Tomaten und Kokosmilch (hier) mit Rustikalen Morgenbrötchen, für die Petra (🌶) eine Nachback-Empfehlung ausspricht, und die man sicher auch abends essen kann. Und o domingo war dann wirklich nichts mehr da, was aufgebraucht werden musste und ich konnte auch mal meinen Wunsch erfüllen: Winterliches Bier-Gulasch (e&t Für jeden Tag 2/22 – nicht online, aber lecker mit wenig Fleisch, viel Steckrübe, Pastinake und Karotte und dunklem Bier) mit Spätzle und Feldsalat.

Raz w tygodniu nov.2

Puh! Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich dachte immer, da draußen sei es eisig und kalt. Unwirtliche neue Zeit. Und jetzt ist da jemand da. Und zwar für mich! Nicht für euch! Ihr denkt wahrscheinlich, hinter dem Screenshot steckt ein Affiliate Link, und wenn ihr da drauf klickt, mach ich eine Mords-Kohle. Weit gefehlt! Oh, skeptische Jugend! Es geht nicht um Kohle, es geht um Wärme. Nein, Herrgott nochmal, nicht um eure vermaledeite Heiz-Rechnung, um menschliche Wärme. Menschliche Wärme, wenn ihr noch wisst, was das bedeutet. Da haben sich im Sommer viele junge hippe Menschen nicht faul am Strand geräkelt, wegen Work-Life-Balance und so, sondern im Büro über Schaltplänen und Programmier-Anweisungen geschwitzt, damit im Herbst tolle neue Geräte und Gadgets in den Stores liegen – und damit sie dann an Weihnachten wieder genug Zeit haben, um für mich da zu sein. Für mich. Toll.

Wenn w poniedziałek, jak mówią w Polsce [am Montag, wie man in Polen sagt], ein halber Wirsing rumliegt, sollte man ihn aufbrauchen: Hackbällchen mit Ziegenkäsefüllung (und eigentlich auch mit Datteln, aber das habe ich nur beim allerersten Mal gemacht; e&t) mit Kartoffelpüree und Meerrettich-Rahm-Wirsing. Und „zufälligerweise“ aus demselben Essen-und-trinken-Heft dann we wtorek ein Fisch-Duett mit Risotto.

Ich muss gestehen, dass ich das Pilz-Ragù in Mezcla beim ersten Durchlesen schnell überblättert habe, weil: das hat sie doch schon mit Ottolenghi gemacht (und ich auch) und viele Zutaten und viele Stunden und wenn ich ein Ragù will, dann mach ich halt eins. Aber das magentratzerl hat mich (dankenswerterweise) überzeugt, das Rezept nochmal rauszukramen: w środę also Steinpilz-Ragù mit Tagliatelle, einfach, in 20-30 Minuten fertig und gut. Und wenn das Buch schon mal aufgeschlagen ist, dann kann man ja auch gleich – w czwartek– eine andere „Pasta“ ausprobieren: Sauce aus gerösteten Paprikaschoten mit Omelettnudeln; bei uns mit – wenigsten selbstgemachten – Nudeln [noch nicht im Netz, aber – vielleicht bis auf ein wenig Zitrone – weitgehend Standard; ich hatte halt noch nie Paprika-Pasta gemacht].

Nicht wissend – oder ignorierend – dass St. Martin den Speisezettel deutscher Haushalte bestimmt, bin ich los, um eine Entenbrust zu kaufen. Zwei Keulen, die sonst keiner haben wollte, hab ich mir aber noch sichern können und w piątek [am Freitag] in den Ofen geschoben. Da der damit natürlich bei weitem nicht voll war, war noch Platz für ein Blech mit Ofengemüse und das Energiegewissen einigermaßen beruhigt. Weil es die ganze Woche ja kaum Pasta gab und noch ein Bund Petersilie verarbeitet werden wollte (und das Heft essen & trinken Für jeden Tag 11/2021 aufgeschlagen rumlag) gab es am Samstag, also w sobotę, Spaghetti mit Kürbiskern-Pesto (das Rezept hat sich meines Wissens nicht ins Netz verirrt, aber das Marketing-Gesäusel kann ich schonmal weitergeben: Kürbiskerne. Sie sorgen für mild-nussiges Aroma im Pesto und für den tollen Knusperfaktor on Top). Und da ich morgens erst am Geldautomat und dann auf dem Markt war – ich sollte eigentlich wissen, dass das nicht gut geht – gab es eine Vorspeise: 3 Jakobsmuscheln pro Mann* und Nase, mit Speck umhüllt, am Rosmarin-Spieß (bei der zwergenprinzessin) . Zusätzlich bin ich am Samstag noch dem guten Rat von Tohru Nakamura (SZ-Magazin) gefolgt und habe einen Blumenkohl in Buttermilch und Erdnussbutter mariniert, um ihn w niedzielę in Panko zu wälzen und als Goldbrauner Blumenkohl mit Miso-Dip auf den Tisch zu bringen.

en gang om ugen, nov.1

Ich hab da mal eine Frage. Seltene Erden heißen doch seltene Erden, weil es die überall und in so seltener Fülle gibt, dass sie niemals ausgehen, oder? Wenn ich jetzt also auf meine alten Tage eine Technologie erfinde, die auf seltenen Erden beruht, z.B. Elektro-Motoren oder Akkus oder ein anderes geiles Gadget, dann bin ich doch auf der sicheren Seite, oder? Dann gehöre ich doch zu den Guten, die den nächsten Generationen nicht nur abgeholzte Wälder, vermüllte Strände, verstrahlte Endlager und Ozeane voller Mikroplastik hinterlassen, sondern reine, gute, menschen-, tier- und umweltfreundliche Technologie aus erneuerbaren Rohstoffen, oder? Oder nicht? Jetzt sagt halt! Was mich nämlich ein kleines bisschen beunruhigt, ist das Wort „selten“. Ja, ich weiß schon: wenn Michael Jackson singt „I’m bad“, dann meint er auch nicht wirklich, dass er schlecht ist. Wörter verändern sich halt, ist schon klar. Aber ein wenig mulmig ist mir schon.

På mandag, som man siger i Danmark, fängt ja bekanntlich die Woche an. Diese Woche aber erst mal (bei uns) mit einem Feiertag, also ohne die Möglichkeit, noch schnell ein Fertiggericht zu kaufen. Dann halt eben aus den Vorräten ein Halb-Fertiggericht: wieder musste eine Dose den gemütlichen Platz im Tiefkühlschrank räumen: Tim Mälzers Rindfleischsugo mit Fusili und Feldsalat mit Kürbiskernen, Nüssen und Speck. In anderen Gegenden Deutschlands waren auch tirsdag die Läden geschlossen und aus Solidarität hatte ich auch keine Lust einzukaufen. Dank Küchentagebuch wusste ich aber, was ich trotzdem kochen könnte: Nachgekocht: Risotto mit Kürbis, Amaretti, Balsamico und Gorgonzolasauce (bei lamiacucina).

Im Keller lagert noch ein Sack Gluten wegen meiner Seitan-Experimente. 25 g davon (also 50 g Seitan) braucht Maria Luisa Scolastra, um ihn zusammen mit Wirsing in Wirsing zu packen: onsdag also Wirsing-Rouladen mit Seitan und karamellisierten Zwiebeln (SZ-Magazin) [die Zwiebeln sind bei ihr – nicht bei mir – natürlich aus Tropea, aber karamellisiert auch mit norddeutschen Zwiebeln Lækker, sehr lecker]. Ein bisschen großspurig ist es på torsdag ja schon, das Ultimative Winter-Couscous von Herrn Ottolenghi, aber halt schon auch zumindest ziemlich lecker (überall im Netz und natürlich auch hier).

På fredag gab es bayrische Brezen mit bayerischen Leberknödeln („frei“ nach Schuhbeck klingt im Moment ein bisschen komisch), weil beim Metzger ein Schild hing: Wir können auch bayrisch! Nein, aber ich! Und på lørdag gings mit Herrn Lafer (noch auf freiem Fuß) nach Österreich: Majoranfleisch mit Bandnudeln. Nirgends im Netz, aber Majoranfleisch scheint in Ö. recht beliebt, wobei ich nicht glaube, dass vier Österreicher von ein wenig Fleisch und 130g Nudeln satt werden. [In Lafers „Meine besten Rezepte“ mit Rinder-Geschnetzeltem und Zwiebelsauce; ich hatte 2 Gründe, das auszugraben: mein gepäppelter Majoran im Garten wurde kaum benutzt und wird wahrscheinlich nicht mehr allzu lange zur Verfügung stehen, und Herr Lafer badet die gekochten Nudeln in Sahne und Butter. Sahne und Butter – damit hat er mich]. Schließlich wurden på søndag die Reste in der Käseschublade sondiert und für Pasta mit Käsesauce genutzt, sozusagen pasta ai quattro formaggi – quatsch, Moment, ich muss schnell nachzählen: mindestens 6, also pasta con almeno sei formaggi (und mit Knoblauch, Chili und Walnuss; zusammen mit Feldsalat).

één keer per week oct.4

Das weitaus schönste Cello-Konzert der Weltgeschichte (gut, so furchtbar viele davon gibt es nicht, aber trotzdem) ist das Cellokonzert h-moll, Opus 104 von Antonín Dvořák. Ich kann es wirklich nur empfehlen. Merkwürdig ist allerdings, dass es ein Cello-Konzert ist, also ein* Cellist*in ganz vorne sitzt. Und dann sitzt er* da ganz vorne und ihr* Part beginnt erst nach sage und schreibe 4-5 Minuten. Hat schon mal jemand von euch* 5 Minuten unangestrengt versucht, hunderte von Zuschauer*innen zu ignorieren? Was soll er* machen? Sitzt da rum wie bestellt und nicht abgeholt. In der Nase bohren geht gar nicht, dem* netten* Bürgermeister*in zublinzeln kommt auch nicht überall und bei allen* gut an. Manchmal schau ich mir auf youtube nur die ersten 5 Minuten an; es müssen Höllenqualen sein, aber die Kamera hält (leider) selten einfach drauf. Meine Theorie ist ja dass der Herr Dvořák einem* Cellist*in eine reinwürgen wollte. Er hatte nämlich schon 1865 ein Cello-Konzert in A-Dur verfasst, das allerdings weder veröffentlicht noch orchestriert wurde. Das kann nur wegen einem* Cellist*in passiert sein, der* ihm zu verstehen gegeben haben muss, er soll ihn* mit diesem Sch… in Ruhe lassen. Also hat er aus Trotz ein, ach was das, beliebteste Cello-Konzert der Menschheitsgeschichte verfasst und jeder*, der* was auf sich* hält, muss 5 Minuten lang da vorne sitzen – und Höllenqualen leiden,

Op maandag, zoals ze in Nederland zeggen, war ein Blumenkohl aufzubrauchen. Da gäbe es viele Möglichkeiten, wobei der In Chilibutter geröstete Blumenkohl (Ottolenghi Flavour, z.B. hier 🌶 im Netz) nicht die schlechteste Wahl ist, vor allem wenn di LaRatte-Kartöffelchen gleich mitschmoren. Und op dinsdag stand mir der Sinn nach Fischfrikadellen (Schuhbeck) mit Kartoffel- und gemischtem Salat.

Op woensdag gab’s schon wieder Grünkohl, diesmal ein Ottolenghi (aus dem Guardian): Pfannengerührter Grünkohl mit Tahini, Chili und Sojasauce (Stir fried kale with tahini, chilli and soy), bei uns einfach mit Reis [Laut Bing-Übersetzer: Dieses schnelle Gericht ist perfekt, um sich auf einen Hügel braunen Reis für ein leichtes, einfaches Abendessen zu stapeln]. Und op donderdag betraten drei Zutaten gemeinsam den Bereich des Möglichen: Kalbsschnitzel (gibt’s hier eher selten), Parmaschinken (gibt’s hier nicht immer) und Salbei (damit allerdings könnten wir ganze Landstriche aus dem Garten versorgen). Der Algorithmus, der aus diesen Informationen ein Abendessen ermittelt, müsste gar nicht mal so wahnsinnig intelligent sein: Saltimbocca mit Röstkartoffeln und Mangoldgemüse. Man möge mich steinigen, aber ich bevorzuge eine Marsala-Sauce und Salbei und Schinken nach innen geklappt.

Op vrijdag dann schon wieder Kürbis und schon wieder Ottolenghi (gähn!): Riesen-Couscous mit Kürbis und Tomatensauce mit Sternanis (Flavour, S. 137, merkwürdig, dass es das noch nicht im Netz gibt; außer einer Kürbissorte, von der ich noch nie gehört habe, die man aber gern durch Butternuss oder Hokkaido ersetzen darf, keine einzige Zutat, die nicht ohnehin rumliegt oder leicht besorgt werden kann, der Couscous knuspert ein wenig, ist mit einer Tomatensauce aromatisiert und harmoniert hervorragend mi Ofen-Kürbis und -Zwiebel ; hier das PDF). Den Riesen mussten wir streichen, aber der normale tut’s für uns Landpomeranzen auch. Op zaterdag gab es pannenkoeken Pfannkuchen mit etwas Lauchgemüse, aber hauptsächlich mit frischem Apfelmus, womit auch das (vor-)letzte Fallobst eingetütet wäre. Auf den Bäumen, die unsere alteingesessenen Nachbarn „Winteräpfel“ nennen, hängen die Früchtchen noch und warten auf den ersten Frost, der aber dieses Jahr nicht kommen wird, weil ja sonst die Habeck’schen Sparziele nicht zu erreichen wären. Und zum Ende der Woche – also op zondag – wurde ein Teil Kürbis in Kartoffel-Kürbis-Rösti (SZ-Magazin) verwandelt, bei uns mit gebratenen Pilzen und dem ersten Vogerlsalat der Saison.

Uma vez por semana oct.3

Seit Wochen trainiere ich für die neue Disziplin Kurzduschen. Ich habe mich noch nicht getraut, das iPhone mit unter die Dusche zu nehmen, um exakte Zeiten zu stoppen, aber ich bin fest davon überzeugt, unter 30 s zu sein. Und falls auch das nicht reicht, habe ich den Waschlappen bereitgelegt und hoffe auf weitere sinnvolle Tipps aus Berlin und Stuttgart. Die Heizung ist abgestellt (wobei ich sagen muss, dass es sich mit Woll-Fäustlingen ziemlich schlecht tippt – vor allem die Bildschirm-Tastatur scheint noch in besseren Zeiten designt worden zu sein), heißes Wasser gibt es nur rationiert und aus dem Wasserkocher und die elektrische Zahnbürste ist nach ganz hinten im Spiegelschrank verbannt. Ich bin wirklich zu allem bereit; nicht für mich und nicht für Deutschland, nein, das wird schon alles irgendwie gut gehen. Aber, bitte, eifert mir nach! Wir müssen dringend unserem EU-Partner auf dem Stiefel aus der Bredouille helfen! Da meint doch tatsächlich ein dreimalschlauer sogenannter Wissenschaftler, man könnte der Energiekrise entgegentreten, indem man das Nudelwasser nur kurz aufkocht und dann die Temperatur zurückdreht und den Topfdeckel auflegt! Das würde ja bedeuten, dass die Pasta nicht in kochendem Wasser gart!! Bitte, das geht gar nicht. In einem Land, in dem die Frage, ob Parmesan auf Fisch-Pasta erlaubt ist, zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen kann, sollte man nicht mit dem Feuer Nudelwasser spielen!

Na segunda feira, como se costuma dizer no Brasil, haben wir bei strahlendem Sonnenschein in Badelatschen Grünkohl geerntet und die Wintersaison eingeläutet: Grünkohl-Pasta nach Tim Mälzer. Apropos Saison: Jeder hat ja sein höchsteigenes Lieblings-Rezept für Kürbissuppe. Ich auch, aber heute – na terça-feira – habe ich mich für das Lieblings-Rezept von Anke Gröner entschieden und mit einem frischen Weizen-Sauerteig-Brot serviert. [Obwohl dank vieler Fütterungen das Vertrauen in meinen Sauerteig wächst, erschien mir ein zweistufig geführter Sauerteig und lange kalte Gare – aus Lutz Geißlers „Krume und Kruste“ – angeraten. Eigentlich mag ich es gar nicht, wenn ein Brot sich über drei Tage hinzieht und immer wieder gestreichelt werden will, aber beim Essen vergesse ich das Nichtmögen meistens schnell wieder.]

Da mein Lieblings-Rezept für „Huhn süß-sauer“ bei foodfreak.de in den Tiefen des Internet verschwunden ist und wahrscheinlich auch nicht mehr so schnell auftauchen wird, musste ich weitersuchen (wichtig: ohne Dosen-Ananas!) und bin im Kleinen Kuriositätenladen gelandet. Das wäre ja auch schade, wenn es den nicht mehr gäbe, aber diesmal, also na quarta-feira, ist alles schiefgegangen. Das lag sicher auch an mir (z.B. war der Ausbackteig viel zu dünn), aber ich glaube nicht, dass die Sauce nach etwas anderem als Ketchup schmecken kann, auch wenn man alles richtig macht – Keine Empfehlung; war halt 2010. Gut, es kann nicht alles funktionieren, aber zweimal hintereinander sollte das möglichst nicht passieren. Gott sei Dank steht auf der Nachkochliste ja noch der „Hasselback-Sellerie mit Miso-Glasur und Zwiebel-Radieschen-Salat“ (🌶), den es dann na quinta-feira gab. Statt mit Fladenbrot mit vorgekochten, dann in der Pfanne angebratenen Bamberger Hörnchen. Dass kein weißes Miso mehr Vorrat war, habe ich zu spät bemerkt, aber „helles“ Miso war noch da [und das schmeckt wahrscheinlich sogar noch besser😉].

Ich neige eigentlich nicht zu überhasteten Entscheidungen (für meinen Düsenjet habe ich fast zwei Wochen überlegt, für die Yacht ein ganzes Wochenende und für den Porsche mehr als zwei Stunden, nur so zum Beispiel), es kommt deshalb nicht allzu oft vor, dass ein Rezept abends im Feedreader und am nächsten Abend bereits auf dem Esstisch auftaucht. Na sexta-feira (zur Erinnerung: das ist uns bei der Freitag) hat es der Jollof-Reis bei lieberlecker geschafft. Nicht wegen des Bildes oder der Zutaten, sondern wegen des Versprechens, dass man belohnt wird, wenn man es schafft, den Deckel noch 15 Minuten lang auf dem Topf zu lassen, nachdem er aus dem Ofen kommt. Deshalb können mir auch alle Rezepte gestohlen bleiben, die den Reis in der Pfanne zubereiten. Bei uns nicht mit Huhn, sondern mit Lamm-Lachsen und Kräuterbutter. No sábado musste ich einem anderem Drang nachgeben und das Sauerkraut aus dem Päckchen ausprobieren. Natürlich mit Spätzle – Gut. No domingo schließlich musste ich das Projekt TK-Leeren vorantreiben – so viel äußerer Zwang, so wenig eigener Wille: Ricotta-Zitronen-Ravioli mit Salbeibutter, aber mein Wille hätte es eigentlich nicht besser wollen können.

Une fois par semaine oct.2

So, wir Niedersachsen haben ja gewählt. Und ich hab schon angedeutet, dass ich mich mit der Entscheidung schwer getan habe. Jetzt, wie immer nachträglich, wüsste ich, was ich hätte wählen, bzw. was ich hätte tun sollen. Ich hätte mich wählen lassen sollen! Von nichts keine Ahnung habe ich auch und zudem hab ich immer recht und es hinterher alles schon gewusst. Beispiel? Als wir hierher gezogen sind, gab es im Nachbarort eine florierende Innenstadt mit schönen Läden und Kneipen und Restaurants. Dann gab die Stadt das OK für ein Outlet-Center. Ich hab damals schon gesagt: das geht nicht gut. Jetzt ist die Innenstadt tot. Das Land Niedersachsen zahlt gerade fast 4 Millionen aus dem Programm „Resiliente Innenstädte“. Ich hätte gerne meinen Anteil an den 4 Millionen zurück – das wird nichts. Denn gerade wird gleichzeitig das Outlet-Center vergrößert. [Es gibt übrigens auch noch 100,000 € aus dem Programm „Sharing is Caring- Mobiles grünes Stadtequipment“ – Grüne Stühle im toten Zentrum? Oder heiße Luft?] Beispiel? Als wir hierhergezogen sind, haben wir eine großzügige Förderung erhalten, weil wir die Ölheizung durch eine Gasheizung ersetzt haben, weil Gas … Jetzt erhalten unsere Nachbarn eine großzügige Förderung, weil sie ihre Ölheizung durch eine Pellet-Heizung ersetzen, weil Holz … Ich sag heute: das geht nicht gut – ich hätt mich wählen lassen sollen.

Le lundi, comme on dit en France, war ein bisschen durcheinander: Zuerst mal Fenchel aus der Pfanne (tobiaskocht), das kennt man ja, dann Seitan wie Zwiebelfleisch zubereitet (mehr-als-rohkost.de), mein nächster Versuch mit Seitan, und dann noch Gözleme mit Feta und Mangold. Ich wollte, aus welchen Gründen auch immer, ein Rezept ohne Hefe, und im Verlauf der Dinge fiel dann auch noch die Entscheidung gegen Joghurt oder ähnliches. Also nur Mehl, Salz und Wasser (z.B. bei kochdichturkisch.de). Im Garten habe ich noch ein paar (fast tiefgefrorene) Bohnen entdeckt, die Mirin-Flasche ist noch gut gefüllt und für Ingwer-Chili-Zwetschgen wird es langsam allerhöchste Zeit. Kurz: le mardi war der Tag für (Achtung! Langer Titel!) TERIYAKI LACHS MIT SESAMBUTTER-BOHNEN UND INGWER-CHILI-ZWETSCHGEN (Dinner um Acht).

Das schöne Wetter kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Garten gerade leert. Aber Tomaten für Tomatensalat und Kohlrabi-Blätter für ein Pesto konnte ich noch ernten; Kohlrabiblatt-Pesto scheint hip zu sein und vegan und deshalb oft ohne Käse. Da aber gerade das Rezept von Herrn Grün (auch ohne Käse) [ORECCHIETTE RIGATONI MIT WALNUSS-KOHLRABIBLATTPESTO] im Feedreader auftauchte, gab ich mich geschlagen und den Käse gab’s le mercredi extra zu den Nudeln. Und wenn schon Herr Grün und wenn schon Kohlrabi, dann le jeudi gleich nochmal Herr Grün: IM OFEN GERÖSTETE KARTOFFELN, KOHLRABI UND TOMATEN MIT ZIMT-BIRNEN UND EINER CRÈME AUS KIDNEYBOHNEN, PFLAUMEN, KREUZKÜMMEL UND RAUCHSALZ, besser hätt ich es nicht formulieren können.

Vendredi at geklingelt le facteur und at abgegeben un paquet. In diesem Paket waren u.a. Rheinische Salzbohnen (ich hab natürlich, Google sei Dank, doch die Quelle meiner Quelle ausfindig gemacht). In diesem Paket waren auch (unsere bisherigen) Rheinischen Schneidebohnen, wobei man im Internet davon auszugehen scheint, dass zwischen beiden kein Unterschied besteht. Die Neugier war also groß genug, um dem gleich nachzugehen: Rheinische Salz-Bohnen mit Salzkartoffeln und Kassler Nacken. [Von außen kein Unterschied, aber: Ja, da ist mehr Salz dran. Ja, da sollte man länger wässern.] Samedi abe isch gesehen le chou-rave im Keller und abe isch gedacht an une recette aus Mezcla [ist das jetzt eigentlich lustig oder kulturelle Aneignung oder einfach nur blöd?]: Kohlrabi mit Miso-Sauce-Meunière (noch nicht im Netz, mit der Betonung auf noch; deshalb hab ich’s für Neugierige aufgeschrieben]. Dazu gab es zweimal Kartoffeln: ein Kartoffel-Pastinaken-Püree für Frau T. und für den Fall, dass das zweite Experiment schief geht. Der Koch-Kolumnist der Süddeutschen behauptet nämlich, knusprige Bratkartoffeln mit aufgelegtem! Deckel zu machen! Einmal macht er das zu Buttermilch! Ich hab mich für die Kartoffelwürfelchen mit Birne und Haselnuss im Weihnachtsmenu entschieden. Le dimanche était le jour der Tiefkühltruhe (wenn im Winter der Strom ausfällt, will ich möglich viel schon aufgegessen haben): Lapin aux Pruneaux mit Rotkohl und Nudeln. [Nein, Nudeln natürlich nicht aus der Truhe.]

una vez a la semana oct.1

Ältere Menschen, so sagen uns die Medizin-Experten, sollen sich möglichst viel bewegen. Nun gut, dafür hat die Evolution die Kellertreppe erfunden. Allerdings musste besagte Evolution feststellen, dass die meisten älteren Menschen nur ein oder zweimal am Tag besagte Treppe benutzten. Ein paar ganz gewiefte Exemplare gingen sogar dazu über, sich Listen zu erstellen, was sie im Laufe der nächsten Tage aus dem Keller benötigen würden, und einige schafften es damit, die Evolution zu überlisten und die Kellertreppe sage und schreibe nur einmal wöchentlich zu benutzen. Das war natürlich nur einigen Hochleistungs-Senioren vergönnt, aber auch der gewöhnliche Durchschnitts-Ergraute konnte mit diesem simplen Trick seine Treppen-Rauf-Und-Runter-Frequenz erheblich reduzieren. Der Evolution wurde schnell klar, dass sich da was ändern müsste und erfand – man muss sagen mit durchschlagendem Erfolg – das nachlassende Gedächtnis. Wer also nachdenklich vor dem Kellerregal steht und sich fragt: was wollte ich hier eigentlich? – der sollte einfach wieder nach oben gehen und es später nochmal versuchen. So hat die Evolution das eingerichtet, und so ist es auch gut!

Ich habe in der Onleihe gestöbert und bin auf das Buch „Die 100 besten Rezepte der besten Foodblogger 2022″ von Ronja Kolls gestoßen [ich hätte nicht gedacht, dass man dafür Bäume fällen und eine Menge Geld verlangen kann]. Dass ich ein wenig enttäuscht bin, liegt sicher daran, dass 90% der „Blogs“ heute offensichtlich auf Instagram stattfinden und ich eine Social-Media-Allergie habe. Aber wenn das die „besten“ sind, meine Güte, dann wird sich daran auch nichts ändern. [An dieser Stelle ein Lob an meine 5 Leser: ihr habt ein wahnsinniges Niveau und einen hervorragenden Geschmack – Chapeau!] Aber ich bin ja aufgeschlossen und habe gleich anschließend das Buch eines YouTube-Stars heruntergeladen (Gaz Oakley: Vegan 100. Über 100 unglaublich leckere Rezepte von Avant-Garde Vegan) und el lunes gleich einiges ausprobiert: Polenta-Pommes mit Kräutern und Zitrone, Gemüsepäckchen im Backpapier, Möhren-Zwiebel-Bhajis mit Minze-Joghurt und Sriracha Fleischklößchen mit Sriracha-Sauce („Fleisch“ ist natürlich bei Veganern nie ernst zu nehmen!) El martes ist ja normalerweise Fischtag. Häufig fällt aber an Dienstagen der Markt aus, wenn am Montag Feiertag war. Seit einiger Zeit steht aber der Fischwagen nicht mehr auf dem Marktplatz, sondern auf dem Parkplatz eines Supermarktes; vielleicht weil er dort keine Standgebühr bezahlen muss. Aber auch dieser Platz war leer. Dafür war auf dem Marktplatz mehr los als je. Wobei – auch für Hühner war wohl Feiertag, auf jeden Fall waren sie noch nicht eingeräumt, genauso wie der Frischkäse am Käsestand. Kurz, aus dem geplanten Risotto mit Fischfilet wurde innert kurzer Zeit ein Züricher Geschnetzeltes mit Pute, was ich vor Kurzem bei ellerepubic.de gesehen und mich gewundert habe, warum Spätzle bei den möglichen Beilagen nicht auftauchen,

Und wenn es Dienstag keinen Fisch gibt, dann muss man (wenn sich der Wunsch nach Fisch einfach nicht überlisten lassen will) im Nachbar-Revier wildern. El miércoles ist Markt im Nachbarort, also steht dem Risotto mit Doradenfilet nichts im Wege. Ein wenig hatte ich mich ja gefreut, die Dorade zu schuppen, mit einem oder zwei geübten Schnitten zu filetieren und zu entgräten (Cornelia Poletto zeigts auf YouTube); etwas mehr noch habe ich mich gefreut, dass der nette Fischverkäufer das schon für mich erledigt hatte. Und vom Vegan-100-Buch ist noch die Aufgabe abzuarbeiten, irgendwas mit Seitan zu machen, was ich bislang noch nie gemacht habe. El jueves also Kentucky Fried „Chicken“ (Chicken=Seitan – klar, oder?) mit echten Ofen-Pommes und Salat, [Das ist ein relativ aufwändiges Rezept, da muss wohl noch ein einfacherer Seitan-Test folgen.]

El viernes ergab die Inventur der Vorräte, dass der Mangold im Garten noch wächst, Kartoffeln und Eier im Keller liegen und im Safran-Döschen noch eine gute Prise zu finden ist. Das heißt nach Adam Yotam Ottolenghi: Mangold-Safran-Omeletts (ein einfaches, erstaunlich stimmiges und gutschmeckendes Gericht aus Genussvoll Vegetarisch; im Netz z.B. bei foodina.eu). Und da die Apfel- und Birnenernte erledigt ist, gab es el sábado Birnen, Bohnen und Speck (im SZ-Magazin; ich kenne das Original nicht, aber mich deucht, dass die Formulierung „eine ziemlich edle Version“ nicht ganz falsch ist). Im Guardian habe ich gelesen, dass Ottolenghi auf die Frage, was man beachten müsse, wenn man weniger Portionen zubereiten wolle, antwortete: Alles, aber vor allem die Größe der Pfannen und Töpfe! Damit war klar, dass ich für meine sehr kleine Querrippe einen sehr kleinen Schmortopf benutzen musste: el domingo gab es Mole-Querrippen com agrião (aus Mezcla; noch nicht im Netz, aber Mole ist ein mexikanischer Rub, weshalb viele getrocknete Chili-Sorten und Schokolade verwendet werden, und agrião scheint das brasilianische Wort für Brunnenkresse zu sein, was ich durch Rucola ersetzen musste. Das Ganze landet dann für viele Stunden im Ofen – so lange der Strom halt noch reicht. Übersehen hätt ich beinah, dass es das Gericht/Rezept bei Chili & Ciabatta 🌶 mit Ochsenschwanz gibt. Und getraut, Suppenfleisch zu schmoren, habe ich mich nur, weil Arthur’s Tochter das schon lang so macht). Empfehlenswert ist diese Querrippe allemal, die Sauce, hmmmh, ist richtig, richtig toll und das Fleisch richtig, richtig weich und zart und – toll!

Una volta alla settimana sept.4

Wenn ich sage: Ich geh noch schnell zum Obsttürken, dann sagt Frau T. das sei, und sie sagt das in Anführungszeichen, nicht vollständig „politically correct“. Woher ich denn wisse, dass der Mann aus der Türkei stamme. Und wenn er wider Erwarten nicht in Bottrop geboren sei, dann sei es immer noch abfällig. Schließlich wären für mich alle Menschen, die nicht so aussehen wie die Menschen in dem kleinen schwäbischen Dorf, in dem ich geboren bin, „Fremde“. Der nette Mann mit dem Schnauzbart könne genauso gut aus Syrien, dem Iran, Afghanistan oder WasweißIchWo stammen, für mich sei das wohl alles dasselbe? Und sie hat ja recht. Deshalb habe ich mir angewöhnt vom „Freundlichen Gemüse-Fachverkäufer mit Migrations-Hintergrund (eventuell in der zweiten oder dritten Generation)“ zu reden, wobei ich zugegebenermaßen den eingeklammerten Teil nur dazusage, wenn ich wirklich viel Zeit habe. Jetzt ist es nur so, dass der Kartoffelmann das mitgekriegt hat und sich diskriminiert fühlt. Für mich sei er einfach „der Kartoffelmann“. Wenn es aber auf diesem gesamten Markt einen „Fachverkäufer“ gäbe, dann sei das doch wohl er. Oder ob ich tatsächlich bestreiten wolle, dass seine Kartoffeln alle anderen Kartoffeln um Längen schlagen würden. Er wolle jetzt aber bitte keine dummen Witze über dicke Bauern und dumme Kartoffeln hören, seine Kompetenz läge eindeutig nicht in der Größe, sondern im unnachahmliche Geschmack; er denke gerade darüber nach, sich als Kartoffel-Sommelier zu vermarkten. Und wenn ich unbedingt auf einen Migrationshintergrund bestünde, könne er darauf hinweisen, dass der Weg von seinem Geburtsort zu meinen Wohnort vor noch nicht allzu langer Zeit eine Tagesreise gewesen sein (und bald wieder sein würde). Und er hat ja recht. Aber alle Ungerechtigkeiten dieser Welt auf meinen Schultern abzuladen, ist auch ein bisschen inkorrekt. Ich bin nur froh, dass er mir nicht auch noch seine Kartoffeln hinterher geworfen hat – ich wäre sonst vielleicht als LaRatten-Fänger aus WasweißIchWo in die Geschichte eingegangen.

Am Anfang dieser settimana, also lunedi, musste wieder einmal der Tiefkühler aushelfen. Da der eh viel zu voll ist, könnte ich auch, ohne rot zu werden, behaupten, das sei so geplant gewesen. Und was spräche schon gegen schwäbische Maultaschen mit Salat? Da ich letzte Woche in der großen Stadt auch im Asiamarkt war und eine Familienflasche Mirin gekauft habe, und da martedi hier normalerweise Hühner über den Marktplatz getrieben werden, sprach alles für Chicken Teriyaki mit Reis (bitte sucht euch ein Rezept mit Mirin aus, sonst ist es Essig mit dem Teri, aka Glanz, und mit dem Geschmack im Übrigen auch). Es gibt Stimmen, die behaupten, ich würde Chicken Teriyaki nur machen, damit ich die Hühnerhaut von den Hühnerbeinen abziehen und knusprig braten kann. Die Stimmen gehen sogar so weit, zu behaupten, ich würde diese Knusperhaut dann auf Butterbrot essen!

Bevor ich „Mezcla“ wieder ins Regal stelle, musste ich mercoledi noch schnell das Kürbis-Salbei-Nudel-Gratin kochen – schließlich habt ihr euch das ja alle bei der Turbohausfrau gewünscht. Und giovedi war dann natürlich noch ein halber Kürbis im Vorrat – genug für die Kürbis-Walnuss-Pasta bei schoenertagnoch weder mit Babyspinat noch mit Rucola, sondern mit Mangold.

Venerdi blieben wir bei Pasta, Pasta geht ja immer: Asia-Pasta mit Schweinehack und würziger Erdnusssauce (🌶). Am Samstag, äh sabato, Gulaschsuppe mit frischen (sehr empfehlenswerten) Dörfli vom Plötzblog.

Weil uns allen ja der Herr Habeck in Nacken sitzt und uns Sparen! ins Ohr flüstert, müssen wir ja, wenn der Ofen unbedingt aufgeheizt werden muss, möglichst viele Backvorgänge hintereinander erledigen. Deshalb gab es domenica Bürli, Frau T.’s Roggenbrot im Kasten und Kürbis für die Linsen – eine organisatorische Meisterleistung. Und weil mir auf der anderen Schulter der Herr Özdemir sitzt und Sparen! ins andere Ohr flüstert, kaufe ich nur noch regionale Mehle, also nicht nur kein T80, sondern auch kein (Schweizer) Ruchmehl. Aber die Bürli auf Plötzblog funktionieren auch mit unserem Mehl (Weizen und Weizenkleie). Und zum Essen gab es Linseneintopf mit Kürbis und knusprigem Speck (von Elisabeth Grabmer im SZ-Magazin). Weil mir ein Crossover-Teufelchen im Nacken saß, mit Spätzle! Normalerweise mach ich sowas nicht; aber für Spätzle-Verweigerer gibt’s dann halt Bürli.

Once A Week 38-22

Wir hier in Niedersachsen dürfen, müssen, wollen, werden demnächst einen neuen Ministerpräsidenten (und den dazugehörigen Landtag) wählen. Mich macht das immer ein bisschen depressiv, keine Ahnung, woher das kommt. Die SPD kann ich nicht wählen, Weil. Gut, das ist ein Scherz für Insider (ein Tipp: einfach mal Niedersachsen Ministerpräsident googeln), aber deshalb nicht weniger wahr. Die CDU plakatiert: „NULL TOLERANZ – FÜR CLANS“. Das ist schon sprachlich so weit daneben, da mag ich über den Inhalt gar nicht weiter nachdenken. Und, mal ehrlich, der Hashtag #weiterspringen sagt mir in diesem Zusammenhang auch überhaupt nichts; also: nein. Die FDP lügt einfach unverfroren: „Wir Freie Demokraten setzen uns ein, unser Land zu modernisieren und die Menschen finanziell zu entlasten. Dafür tun wir mehr als nötig.“ Ich weiß nicht, wen die mit die Menschen meinen, aber ich z.B. bin kein Zahnarzt; also: nein. Der AfD geht offensichtlich das Geld aus. Noch vor den Slogans steht auf ihrer Webseite eine Bitte: „Jetzt spenden!“. Betteln und Hausieren verboten, also: nein. 26 Parteien stehen zur Wahl. In meiner Verzweiflung muss ich jetzt noch die Programme lesen, z.B. von: Die Friesen, die Haie-Partei mit Biss (HAIE), oder die Urbane – eine Hiphop-Partei (du. LV Niedersachen) oder die sonstigen Niedersachsen X (ohne Landesliste). Ich wähle wahrscheinlich, was ihr Volt. Oder ich lege heute Nacht den Briefwahlschein unters Kopfkissen. Und wenn morgen ein Kreuz drauf ist, schick ich ihn weg.

Die Woche beginnt oft damit, die Vorräte zu inspizieren, und weil da jede Menge Stangensellerie rumlag, traf es sich gut, dass Herr und Frau Kaltmamsell (Link im Beitrag ganz unten) vor ihrer Abreise offensichtlich einen ähnlichen Vorrat gehabt haben müssen, und es gab am Montag einen Persischen Stangen-Sellerie-Eintopf mit weißen Bohnen – toll. Auch Bohnen, aber diesmal die letzten grünen aus dem Garten, waren am Dienstag der Grund für Lammbraten (aus der viel zu vollen TK) mit sehnlichst herbeigesehnten Spätzle und Grünen Bohnen mit Parmesan und Pinienkernen (frisches Bohnenkraut, hier das PDF).

Am Mittwoch war ich mal wieder in einer eher zivilisierten Gegend und fand dort sehr schönen, sehr preiswerten Zuckermais; eine gute Gelegenheit für die Maissuppe von ellerepublic.de und das Fladenbrot von brotdoc.com. (Frau T. meint ja, wenn man ein gutes Rezept hat, macht es keinen Sinn, ein schlechteres auszuprobieren. Ich denke halt, es könnte ja aber auch besser sein!) Auch am Mittwoch erbeutet: gemischte Pilze und am Donnerstag zu Pfannkuchen mit Pilzragout verarbeitet. Da blieb bei diesem herrlichen Wetter noch Zeit für einen Heidespaziergang. Touristen erzählt man hier ja, die Heide blühe vom 8.8. bis zum 9.9, es waren aber immer noch einige da, denen man das entweder nicht gesagt hat, oder die zu schlau waren, um es zu glauben.

Man kocht ja längst nicht mehr Ottolenghi. Jetzt ist Mezcla dran. Ich bin nicht so begeistert wie alle anderen, aber das Süßkartoffel-Gratin mit roter Currysauce am Freitag war schon toll – mit Zitronengras und Limettenblättern in Kokosmilch, daran könnt ich mich gewöhnen. [Im Netz ist das Rezept noch nicht zu finden – ihr hättet es euch halt bei der Turbohausfrau wünschen sollen!] Und weil ich schon mal dabei bin, Fladenbrot-Rezepte auszuprobieren: das Rezept aus dem Brotbackbuch Nr. 4 hat schon wieder nicht funktioniert; wahrscheinlich hätte ich meinen schwächelnden weichen Sauerteig mehr als nur einmal auffrischen müssen – schade. Schade auch, dass es die Rheinischen Schneidebohnen mit Salzkartoffeln und Kassler Nacken am Samstag zum letzten Mal gab. Meine Quelle hier in der Heide hat sich in den Ruhestand verabschiedet, und ich hab verpasst, ihn nach seiner Quelle zu fragen. Tränen 😢. Am Sonntag gabs dann Schniposa (Schnitzel, Pommes und Salat), nur dass es sich bei dem panierten Schnitzel um Sellerie handelt (z.B. wie bei Tim Mälzer) und bei den Pommes eigentlich um Ofenkartoffeln (aus Karotten mit Parmesan, Süßkartoffeln mit Sumach und La Ratte); aber der Salat war schon Salat.

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